Herr Johannis, Sie als Siebenbürger Sachse haben die Ehrennadel in Gold im Banat erhalten, vor Kurzem wurde dem Banater Ovidiu Gant in Hermannstadt die Honterus-Medaille des Demokratischen Forums der Deutschen in Siebenbürgern verliehen. Ist dies ein weiterer Schritt zur Beilegung der Rivalitäten zwischen Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben?
Die Rivalität zwischen Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen gab es vielleicht früher mal. Falls es sie in einer nicht positiven Form gegeben hat, dann ist sie heute längst beigelegt. In dieser Richtung werden wir nicht viel zu tun haben. Als Deutsches Forum ist es ganz wichtig, dass wir nicht nur Zusammenhalt üben, sondern diesen auch zeigen und dadurch unsere Mitglieder auch ermutigen. Darum finde ich es als eine ganz besondere Ehrung und bin sehr stolz darauf, dass ich die Ehrennadel in Gold des Banater Forums bekommen habe. Ich werte dies auch als einen Beweis einer sehr guten und engen Zusammenarbeit zwischen den Regionen.
Es wird sehr viel vom sogenannten Johannis-Effekt in der Kommunalverwaltung in Hermannstadt gesprochen. Gibt es diesen Effekt auch im Forum? Und direkt in diesem Zusammenhang: Wie sehen Sie das Forum in zehn Jahren?
Das Forum hat in den fast zwanzig Jahren seines Bestehens etwas Überraschendes bewiesen. Nämlich – obzwar wir wenige geworden sind – sind wir nicht nur einfach da. Wir zeigen Präsenz, mit unserer ganzen Kultur, mit Bildung, mit den Medien und ich denke, wir werden auch noch eine ganze Weile da bleiben. Die ersten Jahre der Unsicherheit, die hauptsächlich durch die Regimeänderung nach der Wende und die massive Abwanderung hervorgerufen wurde, sind vorbei. Wir haben eine solide Basis, und ich denke, die wird auch noch lange erhalten bleiben. Ich glaube, in zehn Jahren haben wir eine ähnliche Situation wie jetzt. Was den Johannis-Effekt betrifft, muss man sich fragen, ob es den überhaupt gibt. Ich bin auf jeden Fall glücklich darüber, dass es mir gegeben ist, vielleicht auch im deutschen Forum einen gewissen Schwung beizubehalten.
Die Öffnung des Forums, um auch Mitglieder anderer Nationalitäten als vollwertige Mitglieder aufzunehmen, oder Expats die Möglichkeit zu geben, Ämter zu belegen, ist kein Tabu-Thema. Sehen sie Bedarf und Möglichkeiten dazu?
Es gibt diese Diskussion immer wieder im Forum und damit müssen wir uns auch weiterhin auseinandersetzen. Es ist nicht einfach, ein Prinzip aufzugeben und durch ein anderes zu ersetzen. Es ist andererseits so, dass immer mehr junge Rumänen ihren Weg zu uns finden, speziell in die deutschen Schulen oder in deutsche Tanzgruppen. Dies ist sicher ein Aspekt, den man in den kommenden Jahren beachten soll und muss. Wir haben im Forum eine Arbeitsgruppe gegründet, die das Statut überarbeiten soll. Ich bin mir sicher, dass bei dieser Gelegenheit das Thema neu aufgegriffen wird, kann aber jetzt schwer einschätzen, ob das dann zu kurz– oder mittelfristigen Änderungen führen wird.
Über das Image hinaus, wie wichtig ist es, gute Forumspolitiker in der Legislativen und auch in der Exekutiven zu haben?
Für jede Formation, die im öffentlichen Leben etwas tun will, ist es ganz wichtig, gute Leute zu haben. Je bessere Leute, desto stärker ist die Aufmerksamkeit, die man erregt und desto besser sind dann auch die Resultate die man hat. Ich finde es exzellent, dass wir in diesem ganz konkreten Fall Ovidiu Gant haben, der sich als ganz ausgezeichneter Parlamentarier herausgestellt hat, und jetzt eine zweite Legislaturperiode anstrebt.
Was halten Sie von Aussagen, dass die deutsche Minderheit ein sehr guter Partner für die Mehrheitsbevölkerung ist?
Wenn wir und jetzt ganz einfach auf die Leute beziehen, und nicht auf das politische Leben, dann ist es garantiert so. Die Angehörigen der deutschen Minderheit sind nicht nur gute Partner, sondern wir sind da: gute Nachbarn, Kollegen und Freunde. Wir gehören ganz einfach dazu. Ob wir politisch gute Partner sind, das liegt natürlich ganz von der Konstellation ab. Das Forum möchte mit rumänischen demokratischen Parteien zusammenarbeiten. Von daher die Voraussetzung einer guten Partnerschaft. Die muss natürlich auf etwas aufgebaut sein, woran auch wir glauben.
Wie stark fürchten Sie als Bürgermeister von Hermannstadt die angesagte Rezession. Ich denke da, vor allem an die Automobilindustrie, die ja in nicht geringem Maß in Hermannstadt angesiedelt ist?
Wir fürchten die Krise nicht. Mann muss nur einfach wissen, dass die Krise kommt, und sich darauf vorbereiten. Wir haben von Anfang an unsere Strategie so aufgebaut, dass wir keine Riesenkonzerne nach Hermannstadt gebracht haben, die sehr schnell abbauen und weggehen können. Wir haben vor allem Klein- und Mittelständler angesiedelt und wir denken, dass die auch in Krisenzeiten bleiben werden. Es ist sicherlich auch so, dass irgendwann auch bei uns Arbeitsplätze abgebaut werden, aber wir haben schon seit einigen Jahren dafür gesorgt, dass wir Alternativen aufbauen. Ich spreche da ganz konkret vom Tourismus. Es ist festzustellen, dass nicht nur verstärkt die Zahl der Touristen steigt, sondern auch die Anzahl der Firmen, die vom Tourismus leben. Das ist sicher ein gutes Standbein, das einen eventuellen Abbau in der Industrie ganz gut ausgleichen kann.

Glückwunsch an den Ausgezeichneten: Klaus Johannis (links im Bild) und Ovidiu Gant.
Foto: Zoltán Pázmány













