Psynergy – neue Temeswarer Psychologiepraxis eröffnet
„Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie“ schrieb vor einiger Zeit die Online-Ausgabe des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“. Doch was passiert eigentlich, wenn die Wirtschaftskrise da ist? Die Krise stellt alles radikal in Frage. Menschen verlieren nicht nur Geld und Arbeit, sondern auch sich selbst. Die Krise konfrontiert jeden Einzelnen, mal früher, mal später, mit dieser einen Frage: Wie weiter?
Psynergy-Slogan: „Von Menschen angezogen“ - Senta Paler (links) und Adriana Speriusi-Vlad
Foto: Zoltán Pázmány
Auf der Suche nach Antworten kreisen im Zentrum der Gedankenwelt immer wieder vier Begriffe: das Geld, die Arbeit, die Angst oder das Glück. Hier kann ruhig der Psychologe zur Hilfe kommen. „Rezepte, wie man der Krise entrinnen kann, oder sich Geld verschafft, das können wir natürlich nicht bieten. Wir können aber beraten, damit sich der Mensch nicht total verloren und verlassen fühlt oder sogar zu extremen Maßnahmen greift“, sagt Senta Paler, eine Temeswarer Psychologin.
Zusammen mit einer ehemaligen Kommilitonin, Adriana Speriu{i-Vlad, hat Paler gerade jetzt, in Zeiten der Wirtschaftskrise, eine private Therapiepraxis in Temeswar/Timisoara eröffnet. Ein Traum sei ihnen in Erfüllung gegangen – so die beiden Psychologinnen über die Eröffnung ihrer Praxis „Psynergy“ in der Nähe des Domplatzes. „Die Rumänen sind mit diesem Begriff noch nicht ganz vertraut. Noch immer wird Psychologie mit Psychiatrie verwechselt“, sagt Senta Paler, die 2002 das Nikolaus-Lenau-Lyzeum absolviert hat.
Eine kurze BZ-Umfrage erwies, dass Bürger über 35 Jahre Psychologie bloß mit den periodischen Pflichtuntersuchungen für die Anstellung an einem neuen Arbeitsplatz oder mit den Pflichttests für die Vorbereitung des Autoführerscheins verbinden. Jugendliche hingegen haben eine offenere Sicht, nicht zuletzt weil die Couch in einer Psychologiepraxis zu den weit verbreiteten Kinostereotypen amerikanischen Musters gehört. Obwohl die meisten keine solche Praxis jemals in ihrem Leben betreten haben, können sie sofort sagen, wie eine solche Psychologiepraxis aussieht: Sie hat ein Ledersofa, auf das sich der Patient ganz bequem hinlegen kann, der Psychologe sitzt auf einem Stuhl oder in einem Sessel, stellt Fragen und macht ab und zu verschiedene Notizen.
Einiges davon lässt sich auch in der Praxis der beiden jungen Temeswarerinnen wiederfinden. Eine schwarze Ledercouch steht im hellgelben Zimmer da. Ganz viel Licht und Farbe empfangen den Patienten. „Unsere Praxis soll nicht den Eindruck einer Medizinanstalt vermitteln. Hier soll alles sehr freundlich sein, damit die Leute sich mit deren Gedanken und Problemen bequem fühlen können und leicht den Mut finden, offen über ihre Probleme zu sprechen“, sagt Psychologin Adriana Speriusi-Vlad.
Ein klarer Optimismus charakterisiert die beiden Temeswarer Psychologinnen. Die Eröffnung ihrer ersten Praxis gab ihnen Gründe, weiter groß zu träumen: Als nächstes steht auf deren Wunschliste ein Psychologiezentrum zu eröffnen. Dafür aber wollen die beiden noch Erfahrung sammeln. Möglicherweise kommt ihnen – so traurig es sich auch anhören mag – gerade die Wirtschaftskrise entgegen.
Andreea Oance


