Erster Schritt: die Erneuerung der Kupferdeckung/ Von Raluca Nelepcu
Ein neues Gesicht bekam sie letztens im Jahr 1971. Regen, Schnee, Wind und Sturm beschädigten im Laufe der Jahrzehnte die Außenwände – der Verputz blätterte an manchen Stellen ab. Über die Renovierung der römisch-katholischen Wallfahrtskirche „Maria Radna“ wird schon seit einigen Jahren diskutiert. Nur konnte das dafür notwendige Geld nicht so schnell gesammelt werden. Vor knapp drei Wochen war es aber soweit: Die ersten drei Arbeiter kamen mit ihren Werkzeugkästen und jeder Menge Know-How extra aus Deutschland angereist, um bei der Kirchensanierung Hand anzulegen. Ihr Ziel: die Erneuerung der Kupferdeckung des rechten Turms. Die Sanierung der Kirche kostet rund 2,8 Millionen Euro – bis die Gesamtsumme eingesammelt werden kann, wird es noch eine Zeit dauern. Die Gelder stammen zum Großteil aus Privatspenden, aber auch von der rumänischen Regierung und der EU soll Unterstützung kommen. Die Renovierung wird schrittweise vorgenommen. Am Ende soll die Kirche ein komplett neues Gesicht haben.

Der rechte Kirchenturm wird derzeit saniert.
Deutsche Fachleute legen Hand an
Schon von weitem sind die beiden Türme der Basilika Minor „Maria Radna“ zu sehen. Der rechte Turm glänzt im herbstlichen Sonnenschein: Er ist komplett von einem Holz- und Metallgerüst umhüllt. Ein Kreuz an der Spitze hat vorläufig nur der linke Turm. Uns wird beim Anblick der Arbeiter, die sich hoch oben auf dem Kirchendach tummeln, schwindlig. Die drei Fachleute von Bennert Dachsanierung GmbH sind fleißig bei der Arbeit. Drei Rumänen helfen ihnen. „Mit der Kommunikation funktioniert das nicht so richtig. Wir verstehen uns durch Zeichen“, sagt der Vorarbeiter Jan Kaufmann. Wir überwinden schließlich unsere Höhenangst und besteigen den Turm. Das Gerüst knarrt unter unseren Sohlen. Wir entscheiden uns für das Holzgerüst, weil es stabiler zu sein scheint – die Metalleiter schaukelt zu stark. Ein rumänischer Arbeiter schaut uns verwundert nach. „Für das Geld, das ich bekomme, will ich nicht mein Leben riskieren“, sagt er. Er ist der einzige, der noch nie bis ganz nach oben geklettert ist. Doch kurz, nachdem wir oben anlangen, ist er auch auf dem Turm. Rumänische Würde.
Der Stein mit der Hufspur – eines der Wunder, die sich in der Maria-Radna-Kirche ereignet haben.
Die Materialien, die für die Renovierung notwendig sind, werden zum Großteil aus Deutschland importiert. Die Baufirma Bennert, die unter anderen auch die Festung von Temeswar/ Timisoara saniert, hat den Auftrag für die Renovierungsarbeiten übernommen. Von oben hat man einen guten Blick über Radna. In der Ferne erheben sich die Ruinen der Schoimoscher Burg. „Die großen Unterschiede in Rumänien haben uns schockiert“, sagt Jan Kaufmann. Schaut man nach unten, kann man deutlich erkennen, was er mit „Unterschieden“ meint. Unmittelbar neben einem modernen Haus mit Tennisplatz steht ein mickriges Häuschen mit einem kleinen Garten. Weiter hinten, eine Hütte, die vom Verfall bedroht ist. Ein Anblick, an den man als Westeuropäer nicht gewöhnt ist. Februar 2009, wenn eine neue Kupfer- und Spiegeldeckung den Turm zieren wird, werden die Deutschen diesen Anblick los.
Wir steigen hinab, an einer verrosteten Kirchenuhr vorbei. Das Gerüst knarrt, doch unsere Höhenangst ist weg. Die Glocken im Dachgeschoss läuten.
Die Ikone, die Wunder wirkt
Die Geschichte der Maria-Radna-Kirche geht auf das Jahr 1520 zurück. Eine Kapelle wurde in jenem Jahr von einer Witwe genau an der Stelle, wo sich heute die Kirche erhebt, gebaut. Nachdem die Türken das Banat besetzen, nutzen die Franziskanermönche, die am nördlichen Maroschufer Zuflucht finden, die Kapelle. 1668 spendet der alte Georg Vriconosa, ein Händler kroatischer Abstammung, die Ikone der Heiligen Maria der kleinen Kirche in Radna. Das Heiligenbild wird extra aus Italien gebracht. 1695: Die Türken setzen die Kirche in Flammen, die vollständig abbrennt. Nur die Ikone bleibt erhalten. Das Wunder dringt bis zu den Ohren eines türkischen Anführers, der die Situation selbst in den Griff bekommen möchte. Er überquert die Marosch und reitet bis zur abgebrannten Kirche, um das Bildnis der Heiligen Maria zu zerstören. An der Stelle angekommen, passiert ein Wunder: Ein Stein erweicht unter dem Huf seines Pferdes und das Pferd kann nicht mehr weiter. Die Ikone wird nochmals gerettet. Der Stein mit der Hufspur ist auch heute noch in der Kirche zu sehen. Die Echtheit des Steins wurde 1980 von einer Kommission aus Bukarest bestätigt. Die Spur stammt nicht von einem Meißel, zieht die Kommission Fazit.

Vorarbeiter Jan Kaufmann
Am 7. Juli 1756 wird der Grundstein für eine neue Kirche in Radna gelegt – die alte ist inzwischen zu klein für die vielen Gläubigen, die jährlich hierher kommen. Die Jahre vergehen und das Aussehen der Kirche ändert sich. Hinzu kommen ein Altar aus Carrara-Marmor, ein Silberrahmen und zwei Kronen aus Gold für die Maria-Ikone, die Türme werden um jeweils 30 Meter erhöht. 1820 werden die Bauarbeiten an der neuen Kirche beendet. Der Erzbischof und ungarische Prinz Alexander Rudnay, der immer wieder gerne nach Radna kommt, schreibt in seinem Testament, dass sein Herz in der Kirche bewahrt werden soll, was tatsächlich auch passiert. Das Herz befindet sich heute in einer Wand. Man soll manchmal ein Klopfen aus der Wand vernehmen, meinen einige.
1935: Über 73.000 Gläubige pilgern nach Radna zusammen mit dem Diözesanbischof Augustin Pacha. Nachdem die Kommunisten alle Kirchenorden in Rumänien verbieten, lassen sich alle Franziskaner aus Rumänien in Radna nieder. Das Regime versucht mehrmals, die Aktivität der Gläubigen in Radna zu verhindern. 1954 werden die Ortschaften Radna und Soimos aufgelöst und Lippa/Lipova eingemeindet. Der Bahnhof in Radna bleibt jedoch erhalten – in Lippa hingegen gibt es bis heute noch keinen. Polizeiämter gibt es weiterhin sowohl in Lippa, als auch in Radna. Das Jahr 1980, als die Bukarester Kommission die Echtheit des Wundersteins bestätigt, ist von großer Bedeutung für die Kirche. Ein anderes Ergebnis hätte ihr Ende bedeuten können. 2003 verlässt der letzte Franziskaner die Kirche in Radna. Pfarrer Andreas Reinholz kommt aus Temeswar nach Radna und betreut seitdem die römisch-katholische Gemeinde da. Etwa 150 Personen römisch-katholischen Glaubens bilden die Gemeinde.
Spenden weiterhin nötig
In der Kirche ist es ziemlich kühl. Links und rechts vor dem Altar hängen symbolische Silbergegenstände an der Wand: Herze, Beine, Kreuze, Arme. Die Gegenstände wurden von Gläubigen gespendet, die nach dem Beten in der Radna-Kirche auf wunderbarer Art und Weise von ihren Krankheiten geheilt wurden. Etwa 400 solche Stücke zieren die Wände, doch Wunder soll es weit mehr gegeben haben. Nur ein Mensch von zehn sei zurückgekehrt, um zu danken. Die Bedeutung der Gegenstände ist umso größer, zumal zur Zeit, als diese gefertigt wurden, sich nicht jeder den „Luxus“ leisten konnte. Ein besonderes Bild ziert die rechte Kirchenwand: die Verlobung von Maria und Josef. Das Bild ist nur noch in anderen fünf Kirchen aus Europa anzutreffen. In einem Gang wurde ein Museum von Votivbildern eingerichtet. Dabei geht es vor allem um Bilder, die von Gläubigen der Kirche als Zeichen des Dankes gespendet wurden. 800 solche Bilder können besichtigt werden – weitere etwa 1700 sollen künftig auch ausgestellt werden.
Jedes Jahr kommen etwa 15.000 Pilger und Touristen nach Radna. Die meisten hinterlassen meistens etwas, soweit die Möglichkeiten reichen. Ein Konto, in dem das Geld eingesammelt wird, gibt es auch: RO38 RZBR 0000 0600 0692 0465 der Raiffeisen Bank Lippa, Swift Code RZBRROBU. Spenden für die Renovierung der Maria-Radna-Kirche sind weiterhin willkommen.

Blick auf die Maria-Radna-Kirche
Fotos: Zoltán Pázmány