Freitag, 30. Januar 2009

Winterschlussverkauf in Temeswar


Trotz schlechter Konjunktur: Läden weiterhin voll

Temeswar (BZ) - Große Plakate zieren die Schaufenster der Läden in der Temeswarer Innenstadt. Sie kündigen den Winterschlussverkauf an, der zurzeit rumänienweit in vollem Gange ist. Die meisten Ladeninhaber in Temeswar locken mit Rabatten von 35 bis zu 75 Prozent. Eine Bluse, die im Dezember noch für 129 Lei käuflich erworben werden konnte, kostet nun knapp die Hälfte in einem Kleiderladen am Opernplatz. Auch bei Schuhen gibt es Preisnachlässe: Stiefel können nun mit einem Rabatt von bis zu 35 Prozent im Schuhgeschäft neben dem Bega-Einkaufszentrum erworben werden. (Dabei sind die Preise nicht gerade gering: 300 Lei statt 500 Lei für ein Paar Lederstiefel)


Der Winterschlussverkauf hat in Temeswar am 15. Januar begonnen und dauert bis am 15. März. 20 Geschäfte haben auch das Bürgermeisteramt darüber informiert, dass sie ihren Kunden Rabatte anbieten – so die Informationen aus dem Amt für Handelsangelegenheiten. Laut Gesetz darf der neue, reduzierte Preis nicht niedriger als der Herstellerpreis sein, d.h. die Ladeninhaber dürfen die Ware nicht „mit Verlust“ verkaufen und somit gegen den Wettbewerb verstoßen. Die Sonderangebote müssen nicht beim Bürgermeisteramt gemeldet werden, dies muss aber ausdrücklich auf der Ladentür stehen. Wer Saisonrabatte anbietet, ohne auch das Bürgermeisteramt darüber informiert zu haben, der riskiert eine Geldstrafe zwischen 200 und 1000 Lei.


Die Kunden und vor allem die Kundinnen lassen sich trotz schlechter Konjunktur nicht davon abhalten, von den Preisnachlässen in Temeswar zu profitieren. „Ich habe bereits einige Kleidungsstücke und Beauty-Produkte erworben und will auch weiterhin von den niedrigen Preisen profitieren“, sagt Lavinia Bolintiru (24). Die Temeswarerin Delia Manciu hat erst vor einigen Tagen mitbekommen, dass die Geschäfte Preisnachlässe anbieten. „Ich werde am Wochenende auf Schnäppchenjagd in die Julius Mall gehen“, nimmt sich die 24-Jährige vor. In der Mall gibt es vor allem Sonderangebote für die Kunden. Im vorderen Ladenabschnitt ist schon die Frühjahrsmode 2009 zu sehen. Die reduzierten Kleidungsstücke hängen eher im hinteren Ladenabteil, was aber kein Hindernis für die einkaufslustigen Temeswarer darstellt. „Ich brauche ein paar Sachen und werde natürlich die Sonderpreise suchen. Ich werde wohl die letzten Tage des Winterschlussverkaufs erwischen“, sagt eine Temeswarer Studentin.


Wer noch Schnäppchen in Temeswar erwischen möchte, der sollte sich beeilen. Die Normalgröße M, die von den meisten Frauen getragen wird, geht nämlich am schnellsten aus – an den Ständern bleiben zum Schluss der Rabattperiode nur die Extremgrößen, die nur wenige tragen, hängen.


70 Prozent Rabatt bei Schuhwaren in der Innenstadt

Foto: Zoltán Pázmány

Jugendliche werden kreativ


Impact-Azur-Gruppe mit eigener Schaffenswerkstatt

Die Jugendgruppe für freiwillige Arbeit Impact-Azur in Temeswar/Timisoara verfügt seit einer Woche über eine eigene Schaffenswerkstatt. Vor Kurzem wurde ein Saal des Azur-Chemielyzeums in eine Schaffenswerkstatt umgewandelt. “Gras-Grün” (“Verde Crud”) nennt sich die neue Werkstatt, die vergangene Woche eröffnet wurde. Die Finanzierung der Einrichtung wurde durch ein landesweites Projekt der Stiftung „Neue Horizonte“ („Noi Orizonturi“) – „One Level Up“ gesichert. EU- und Privatgelder wurden für das Projekt bereitgestellt.


Das „One Level Up“-Projekt war als Wettbewerb zwischen verschiedenen Schulen in Rumänien gedacht. Es war eigentlich ein Wettbewerb der Ideen mit einem unternehmerischen Charakter. Landesweit wurden zwölf Projekte ausgewählt und mit jeweils 800 Euro finanziert. Eine der ausgewählten Gruppen war auch die Impact-Azur-Jugendgruppe. „Von diesem Geld haben wir ein ehemaliges Klassenzimmer des Chemielyzeums in eine Werkstatt umgewandelt und das Notwendige für unsere künstlerischen Projekte erworben“, sagt Cristian Milos, Leiter der Temeswarer Jugendgruppe. Was die Tätigkeit innerhalb der Werkstatt angeht, nimmt sich die Gruppe vieles vor. Wöchentliche Kurse in verschiedenen Bereichen sollen dabei unternommen werden: Malerei, Deko-Kunst, Keramik, Theateraufführungen, Gitarrenspielen, Origami und Fotografie.


Nach der offiziellen Einweihung der Schaffenswerstatt fand auch die Vernissage der Fotoausstellung von Vlad Boldura statt. Ein Gitarrenkonzert rundete den Abend ab. Einige Mitglieder der Jugendgruppe zeigten den Gästen, wie Ohrringe aus spezieller „Fimo“-Plastmasse hergestellt werden.


Die Impact-Azur-Jugendgruppe wurde 2006 in Temeswar gegründet und steht unter der Obhut der Stiftung „Noi Orizonturi“. Etwa 15 Mitglieder der Impact-Azur-Gruppe kommen zum wöchentlichen Treffen im Azur-Chemielyzeum. Die in einem Klassenraum eingerichtete Kappelle ist deren Treffpunkt. Hier spielen die Mitglieder Theater, basteln oder führen interaktive Spiele durch und das zwei Stunden lang, jeden Donnerstag.


Die Jugendgruppe erarbeitet periodisch verschiedene Projekte. Diese werden durch Sponsoren oder mit Unterstützung des zentralen Impact-Clubs finanziert. Informationen über die Projekte des Impact-Clubs in Rumänien können von der Internetseite noi-orizonturi.ro abgerufen werden. Mehr Infos zur Tätigkeit der Impact-Azur-Jugendgruppe in Temeswar gibt es unter noi-orizonturi.ro/azur.


Andreea Oance


Impact-Azur-Leiter Cristian Milos zeigt, wie Fimo-Ohrringe hergestellt werden.

Foto: Impact Azur

Wann kommt der 3. November 2008?


Umgehungsstraße von Karansebesch immer noch in der Schwebe

Karansebesch (BZ) – Die Ausschreibung für den Bau der Umgehungsstraße von Karansebesch/Caransebes hatte im September ihre Deadline. Am 3. November sollte die Nationale Kompanie für Autobahnen und Nationalstraßen (CNADN) dem Gewinner der Ausschreibung den Zuschlag erteilen. Bis heute ist über den Bauausführer der Umgehungsstraße nichts bekannt.


Inoffiziell war aber von CNADN zu erfahren, dass die Kompanie bereits den Namen des Siegers der Ausschreibung nach Brüssel bekanntgegeben hat (man munkelt, das seien die Österreicher von der Strabag) – dort, wo das meiste Geld, 75 Prozent, für das Vorhaben herkommen soll, kann man niemand hinhalten – offiziell kam heraus, dass bis Ende Januar der Ausschreibungssieger bekanntgegeben wird. Beworben haben sich für das 12 Kilometer lange Bauprojekt, das um die 40 Millionen Euro kosten soll, die Konsortien oder Firmen: Kemna Construc]ii-Kemna Bau Andreae-Concefa, Tirenna Scavi, Shapir Structures 1991, Monteadriano-Soares da Costa, Sogeosa-Copisa, Strabag AG, Colas SRL, Sird-Straco-Genesis, Betonut-Confort und die Romstrade SRL. Letztere ein südrumänischer Dauerpartner der CNADN, rund um den es immer wieder Verdachtsmomente wegen parteienmanipulierter Zuschläge gibt. Bekanntgegeben wurde auch, dass die offizielle Vertragsunterzeichnung mit dem Ausschreibungssieger Anfang Februar geschehen soll.


All dies, wenn es keinen Einspruch gegen den Zuspruch geben wird, der vor der Nationalen Schiedskommission für öffentliche Ausschreibungen untersucht und beschieden werden muss. Worauf dann das Ausschreibungsprozedere an gewissen Punkten möglicherweise neu gestartet werden muss.


Mehr und mehr kommt damit der Fertigstellungstermin der Umgehungsstraße ins Wackeln. Bis Ende 2010 eine 12 Kilometer lange Straße mit drei großen Flussbrücken (über Temesch/Timis, Sebes und Zlagna), zwei Eisenbahnüberführungen und einem halben Dutzend kleineren Brücken sowie Anschlüssen an zwei wichtige Verkehrsstraßen – die E70 Temeswar-Bukarest und die DN68 Richtung Eisernes Tor Siebenbürgens-Hatzeg zu schaffen sowie ein auch ansonsten schwieriges Gelände zu bewältigen ist kein Kinderspiel. Denn todsicher werden beim Bau noch diverse fremdfinanzierte Sonderwünsche (man bedenke: die Umgehungsstraße verläuft am Flughafen und dem dort vorgesehenen Gewerbegebiet vorbei, in der Nähe der Hauptsitze des Karansebescher Maschinenbauwerks, des Bremsbelegeherstellers TMD Friction, des Getreidegroßhändlers sowie Mühlen- und Großbäckereienbetreibers Agrobanat und des Großgeländes der Holzverarbeitungsunternehmen im Osten der Stadt, und alle wollen ganz sicher gute Anschlüsse zur Umgehungsstraße bekommen).


Die Verzögerungen beim Bau dieser Umgehungsstraße haben die Karansebescher auch weitgehend selbst verschuldet. Denn erst waren die Bürgerbefragungen massiv von Interessengruppen beeinflusst worden, die jede für sich die Umgehungsstraße in ihrer Nähe haben wollte – und nicht nur, um die Grundstückspreise in die Höhe zu treiben sondern auch aus handfesten wirtschaftlichen Interessen der Gewerbeansiedlung! – dann hat der Stadtrat daran herumgeforkelt, um es jedem Ratsherrn recht zu machen und nur nach einem langen Gärprozess konnten die Planungen in Auftrag gegeben werden – etwa zweieinhalb Jahre nach dem dafür ursprünglich vorgesehenen Termin. Zudem war durch die von den Transportministern Berceanu und Orban verfügte Übernahme der Nationalstraßen, die durch Karansebesch führen (DN6/E70, DN58, DN68), durch die Nationale Kompanie CNADN das Interesse der hierdurch der Instandhaltungsarbeiten enthobenen Stadtleitung an einer Umgehungsstraße merklich abgeschwächt worden.


Das Abfertigungsgebäude des Flughafens Karansebesch

Foto: Privat

Informatiklabors reichen!


Nur 35 Rechner für Neunt- und Zehntklässler angekommen


Reschitza (BZ) – Bis Ende 2008 hätten im Banater Bergland 435 Rechner für die Neunt- und Zehntklässler ankommen müssen, die ihnen zum Privatgebrauch bis zur Beendigung des Lyzeums überlassen bleiben sollten. So sah es ein Dringlichkeitsbeschluss der Ende November 2008 abgewählten Tariceanu II – Regierung vor. Da der neue Regierungschef Emil Boc von allen seinen (mehr oder weniger) frischgebackenen Ministern spektakuläre Sparmaßnahmen beim Amtsanstritt forderte (um den Populismus zu nähren), hat Unterrichtsministerin Ecaterina Andronescu als Erstes mal das 200 Milionen Euro teure Computerprogramm für die 15-16Jährigen gestrichen.


Frau Prof. Dr. Andronescu, die schon mal Unterrichtsministerin war (2000-2004), aus dem tiefsten Oltenien stammt und für ihre Passion berüchtigt ist, den Dienstwagen mit Maximalgeschwindigkeit über die Straßen des Vaterlandes fegen zu lassen, wenn sie persönlich am Steuer sitzt – und das möchte sie immer, hat mal ihr seinerzeitiger Dienstfahrer geklagt! – hat also gegenüber ihrem direkten Dienstherrn Boc ihre Pflicht getan. Sie sei von der Nützlichkeit der Computer überzeugt, aber nur als Ausstattung für die Informatiklabors, ließ sie in den Schulinspektoraten verbreiten.


Nun können die Neunt- und Zehntklässler unter anderem nicht mehr auf den vom Staat gespendeten Rechnern das so begehrte AeL (Administrare eLearning)–Programm auf ihren Computern speichern, das sowohl Lehrern wie Schülern mundgerecht die Lektionen und Hausaufgaben liefert, bei extrem leichter Zentralisierung der Daten.

Andererseits ist den drei Gewinnern der Ausschreibung für die rumänienweite Lieferung der 450.000 Computer – Romtelecom, Altex und Siveco – das respektable Einkommen von 200 Millionen Euro durch die Lappen gegangen. Wieso sie eigentlich nicht gegen das Unterrichtsministerium vor den Khadi gehen, bleibt rätselhaft. Schließlich ist der Staat vertragsbrüchig geworden. Die fast zeitgleich mit der Suspendierung des Programms durch die Unterrichtsministerin erfolgte Unterbrechung der Lieferungen seitens des Konsortiums, das eine Neuaushandlung des in Euro festgeschriebenen Preises wollte, wegen der Talfahrt der Landeswährung gegenüber dem Richtpreis in Euro, werden nun sicherlich nicht mehr stattfinden. Der größte Verlust dürfte aber der Kreativitäts- und Wissensverlust sein, der durch das Vorenthalten der versprochenen Rechner bei den Jugendlichen eintreten wird.



Das Ausbildungsideal der rumänischen Bildungsministerin: nicht jeder
Schüler mit seinem Computer, sondern Informatiklabors

Foto: Ana Kremm