Mittwoch, 30. Juni 2010

Juventus-Preisverleihung in der „Triade“

Willi Gromatzki, Petrica Stefan, Peter Hochmuth und Sorina Jecza bei der Juventus-Preisverleihung
Foto: Zoltán Pázmány


Thema des diesjährigen Wettbewerbs war das Porträt

Die Temeswarer Kulturstiftung „Triade“ lud am Sonntag alle Kunstliebhaber zur achten Juventus-Preisverleihung ein. In einer feierlichen Atmosphäre und mit viel guter Laune überreichten Peter Hochmuth, Präsident des Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs Banat, Sorina Jecza, Leiterin der „Triade“-Stiftung, und Clubmitglied Willi Gromatzki die Preise an die jungen Künstler. Thema des diesjährigen Kunstwettbewerbs, den die Stiftung jährlich in Zusammenarbeit mit dem Deutschsprachigen Wirtschaftsclub organisiert und als Ziel die Förderung der Nachwuchskünstler hat, war das Porträt. „Die Porträtmalerei war für viele Künstler eine Form, wodurch sie ihr Geld verdienen konnten. Rembrandt oder Rubens können nicht unbenannt bleiben. Diese Malereiform ersetzte damals die noch fehlende Fotografie, die Motivation war aber die gleiche: sich sehen und sich zeigen lassen“, erläutert Jurymitglied Willi Gromatzki das diesjährige Thema. „Das Porträt ist ein Thema, das man eigentlich ziemlich schwer aufgreift, denn man stellt sich immer wieder die Frage: Worauf muss man mehr achten, auf Kreativität oder auf Ähnlichkeit?“, fügt Cristian Sida, Lehrkraft an der Temeswarer Kunsthochschule, hinzu.
Neun Künstler wurden in diesem Jahr mit Auszeichnungen bedacht. Der erste Preis ging an Petrica Stefan, für sein in warmen Ölfarben geschaffenes „Selbstporträt“. „Es ist ein Selbstporträt, das viel mehr einen Zustand und nicht einen Gesichtsausdruck oder ein Gefühl vemitteln soll. Es handelt sich nicht um Traurigkeit oder Glück, sondern um den Zustand des Malers bei der Arbeit und wie er in seinem Schaffen alles andere um sich herum vergisst“, erklärt der Künstler. Die Kunststudenten Daniel Brici und Alexandru Baciu wurden mit dem zweiten bzw. dem dritten Preis ausgezeichnet. Magdalena Marculescu, Austrian Airlines-Vertreterin in Temeswar/Timisoara, hat die Werke von Stefania Becheanu und Ionua Vacareanu mit jeweils einem Sonderpreis ausgezeichnet. Die Ehrenpreise der Jury gingen an Bogdan Nueleanu, der „mit relativ wenig Pinselstrichen und wenig Kontrast viel Expressivität in sein Werk gepackt hat“, so Willi Gromatzki, und an die Künstlerin Emanuela Madalina Pop. „Das Bild von Emanuela Madalina Pop ist eine interessante Kombination, die Gestalt sucht etwas oder sucht jemanden. Diese Suche hat die Künstlerin erfolgreich ausgedrückt“, argumentiert Willi Gromatzki die Entscheidung der Jury.
Auch die Temeswarer „Iulius Mall“ hat in diesem Jahr einen Sonderpreis gestiftet: Die Auszeichnung ging an Emanuel Alexandru Gliga. Der junge Künstler hat somit die Chance bekommen, seine Werke in der Temeswarer Mall auszustellen. An der diesjährigen Preisverleihung beteiligte sich auch die Hamburger Stiftung „Ars Pontem“, die einen Sonderpreis für die Künstlerin Alexandra Buzatu stiftete. Die Kunstwerke können noch bis Ende Juli in der Temeswarer Kulturstiftung „Triade“ (Martirilor-Straße Nr.51/45) bewundert werden.
Ana Saliste

sTRAdART soll historische Altstadt beleben


Gegenwartskunst in der Fabrikstadt vorgestellt

In Hip-Hop-Rhythmen und mit einem Grafitti-Workshop startete am Wochenende das vierte sTRAdART-Festival in der Temeswarer Fabrikstadt. Tanz- und Grafittiworkshops, Filmprojektionen sowie Tanzaufführungen standen auf dem Programm. Ziel des Unterfangens war, die Fabrikstadt zu beleben und einen Einblick in die rumänische und ausländische Gegenwartskunst zu schaffen. Das Festival lockte aber in diesem Jahr nur wenig Interessenten. Zum diesjährigen Publikum gehörten großteils Kinder, die sich aus purer Neugier um die Bühne am Trajansplatz versammelten. Den Veranstaltern machte dies jedoch nichts aus: Sie arbeiteten mit den Kleinen gut zusammen.

„Fabric“ – mit dicken Buchstaben zeichnet der 22-jährige Flavius Roua das Wort auf ein Blatt Papier. Neugierig verfolgen die Kleinen, die sich um ihn versammelt haben, seine Handbewegungen. „Versucht jetzt auf oder um dieses Wort etwas zu zeichnen, was euch anspricht oder einfach nur, was euch im Moment einfällt“, sagt er und gibt das Blatt an den Jungen weiter, der links neben ihm steht. Dabei stellt er sich immer wieder mit seinem Spitznamen vor: „Jones“, ein „nicht–kommerzieller“ aber „allgemeiner“ Name, der für „alles und nichts“ stehen soll, wie Flavius Roua zu sagen pflegt.
Mit ihrem Grafitti-Workshop versuchen die Temeswarer Grafiker „Jones“ und „Karm“ den jungen Leuten einen Einblick in die Grafitti-Kunst zu gewähren. Im Rahmen der Werkstatt wollen sie die Teilnehmer mit der Geschichte der Grafitti-Kunst und deren Basistechniken vertraut machen. „Wir bringen ihnen bei, was sie bei einer Grafitti-Zeichnung in Betracht ziehen müssen, wie sie mit den verschiedenen Sprays und Farbkombinationen umgehen sollen und wie sich Grafitti im Laufe der Zeit zu einer Kunstform entwickelt hat“, erzählt Jones. Bereits seit zwei Jahren pflegen die beiden Grafiker eine Zusammenarbeit mit dem Bürgermeisteramt und erhielten somit die Erlaubnis, die Wände unter der Brücke am Mariaplatz, POD 16, mit farbigen und lebendigen Grafitti-Zeichnungen zu bemalen.
Auch die Tanzworkshops der französischen Tänzer „Bouba“ Landrille Tchouda und Cédric Guéret sollen im Rahmen des sTRAdART zum Blickfang werden. Die Franzosen präsentieren dem Publikum originelle Hip-Hop-Bewegungen, die sie auch den Teilnehmern ihrer dreitägigen Workshops zu vermitteln versuchen. Die zwei haben 2001 das französische Tanzunternehmen „Malka“ gegründet, das sich vornimmt, mehrere Tanzarten und verschiedene Gemeinschaften zusammen zu bringen, die sich durch die Energie der urbanen Tänze verbinden lassen.
Ziel des sTRAdART-Festivals ist, den Temeswarern die urbane Kunst nahe zu bringen und somit auch die historische Fabrikstadt wieder zu beleben. Hier sollen künftig neue Entfaltungsstandorte für kulturelle Ereignisse entdeckt werden. „Wir erzielen eigentlich die Dezentralisierung der kulturellen Events, die meist nur in der Innenstadt veranstaltet werden“, erklärt Eric Baude, Leiter des Temeswarer Französischen Kulturzentrums, Hauptveranstalter des Events. „sTRAdART ist eine bedeutende Veranstaltungsreihe für unsere Stadt. Die Fabrikstadt ist ein historisches Stadtviertel, das noch einige Probleme aufweist. Wir versuchen somit die Leute durch Kunst zu erziehen und freuen uns, dass solche Events veranstaltet werden“, so der Bürgermeister Gheorghe Ciuhandu in seiner Eröffnungsrede.
Ana Saliste


Grafitti-Workshop im Rahmen des vierten sTRAdART-Festivals
Foto: Zoltán Pázmány

TEMESWAR EMPFEHLEN (2)

Karl Singer ist der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat. Er wohnt im Temeswarer Fratelia-Viertel. „Für die vielfältige Palette von Wünschen, die Stadt Temeswar kennen zu lernen, sind Ratschläge teure Geschichten. Der Besucher/Tourist genießt fast den Kultus einer rettenden Erscheinung im Leben der Gemeinde – empfangen von hier vorhandenem vielsprachigem Potenzial“, sagt er. Touristen, die der Stadt an der Bega einen Besuch abstatten möchten, schlägt er Folgendes vor:

Zum Sehen: Für den Rundgänger der Stadt mit Interesse für Architektur, historische Bauten und Denkmäler sind es die Besichtigungen der Vielfalt von Kirchenbauten: die orthodoxe Kathedrale, die katholische Domkirche, die Synagoge in der Innenstadt, die Kirchen in jedem Stadtteil: Fabrikstadt, Elisabethstadt, Josefstadt, Mehala, Fratelia und Stadtzentrum – alle vermitteln ein Bild geistlicher Vorstellung von Gottnähe in ihren materiellen Darbietungen als bauliche Kunstwerke. Geschichte erzählt jede Straße, jedes Gebäude – ihre Zusammenfassung findet der Besucher sicher im Banater Museum und gut dokumentarisch belegt in der Bibliothek der Akademie. Akademische Interessen sind mit den Besuchen von fünf staatlichen und drei privaten Universitäten, mit einem guten Pensum Zeit, zu befriedigen. Immerhin studieren in Temeswar zirka 35.000 Studenten –fast eine Welt für sich.

Zum Genießen: In der Mitte dieses eigentümlichen Habitats findet man zur Pause ein mittelalterliches Restaurantkonzept, „Lancelot“, voller kulinarischer Überraschungen für jeden Besucher. Ist man übersättigt von globalisierten Essensangeboten, so findet man dennoch lokalspezifische Kulinarien im „Nora“-Restaurant in Fratelia. Für Romantik steht das Begaufer in der Innenstadt immer zur Verfügung – ein Stillstand in der „Flora“-Terrasse macht Sie bekannt mit einem der besten Köche Temeswars und dem Banater Wein.

BANATER PERSÖNLICHKEITEN

Der unsterbliche Schwabe aus Freidorf
„Ich Tarzan, du Jane“: Mit solch kindlichen Sätzen und einem kuriosen Schrei, dem Tarzanschrei, den der Mann bei Jodelwettbewerben geprobt hatte, wurde er weltberühmt. Johnny Weissmüller, ein Banater Schwabe, auch heute noch der wohl bekannteste Temeswarer in der Welt (geb. am 2. Juni 1904 in Freidorf, heute Temeswarer Stadtteil) erreichte Weltruhm als US-Schwimmer, 5facher Olympiasieger und als Hollywood-Filmstar. Im Alter von sieben Monaten wanderte er mit den Eltern in die USA aus, wo er in Chikago die typisch schwierige Kindheit der Einwandererfamilien durchmachte. Mit zwölf verließ er die Schule und schlug sich als Liftboy und Page durch. Mit 17 wurde er US-Schwimmmeister. Als bester Schwimmer seiner Zeit wurde er in Alameda/ Kalifornien 1922 der erste Mensch, der die 100 Meter-Strecke unter einer Minute bewältigte. Offiziell stellte Weissmüller 51 Weltrekorde auf, 1924 errang er fünfmal Olympiagold. 1932 begann er seine fulminante Laufbahn als Hollywood-Schauspieler. Bis 1948 spielte er die Rolle des Urwaldmenschen Tarzan in zwölf Filmen u.a. Tarzan der Affenmensch ( mit Maureen O Sullivan), Tarzans Rache, Tarzan und sein Sohn, Tarzan und die Nazis und sogar Tarzan, Bezwinger der Wüste. Darauf drehte er die sechzehnteilige Fernsehserie „Jungle Jim“. Nach 1956 erhielt er immer wenige Rollen, 1967 hatte er nur mehr eine kleine Nebenrolle in der Komödie „Won Ton“. In dieser Zeit trat er auch in der Ed Sullivan Show auf. Johnny Weismüller war fünfmal verheiratet. Entgegen zahlreicher Behauptungen soll der Star kein Alkoholiker gewesen sein. Im Alter hatte er jedoch Herzprobleme und war mehrmals wegen Bein- und Hüftbruch in Behandlung. Johnny Weissmüller starb verarmt und nach mehreren Schlaganfällen 1984 in Acapulco/ Mexiko. Bei seiner Beerdigung erklang der berühmte Schrei des Dschungelmenschen. 1965 erfolgte seine Aufnahme in die International Swimming Hall of Fame, ein Stern erinnert an den Star auf dem Hollywood Walk of Fame. Im Geburtsort Freidorf wurde eine Gedenkstätte eingerichtet. Obwohl die Temeswarer Stadtväter sich schon seit Jahren mit dem Gedanken tragen, eine Statue für den berühmten Temeswarer aufzustellen, ist es leider noch nicht dazu gekommen.(bw)

Dauerregen – das Maß allen Übels

Entschlammung des Bega-Flusses auf dem Temeswarer Stadtgebiet
Foto: Zoltán Pázmány
Anpassungsbedarf im Amt für Wasserbewirtschaftung
Von Siegfried Thiel

Die Klimaveränderungen zwingen auch die Ämter zur Bewirtschaftung der Gewässer zu besonderen Maßnahmen. Trotzdem stehen die Behörden den Naturgewalten oft machtlos gegenüber. In einem der ärmsten EU-Länder, wie Rumänien es ist, kommen noch häufige finanzielle Engpässe hinzu. Der Risikograd zu Überschwemmungen ist mancherorts zehnmal so groß wie in den viel reicheren Ländern Europas; die geringe landwirtschaftliche Produktion, brach liegendes Ackerland und daher wenig Geld für Investitionen in Entwässerungskanäle drehen sich hierzulande in einem nie enden wollenden Teufelskreis. Titu Bojin, Direktor des Amtes zur Wasserbewirtschaftung „Apele Române Banat“, schätzt, die Lage in seinem Territorium (Anm.d.Red: das gesamte Territorium der Verwaltungskreise Temesch/Timis und Karasch-Severin/Caras-Severin und Teile der Kreise Arad, Gorj, Mehedinti und Hunedoara) unter Kontrolle zu haben. Zumindest was die Flüsse angeht. Weder die Natur noch finanzielle Engpässe kann er aus seinem Amt heraus steuern bzw. beheben. Auch seine weiteren Mitarbeiter nicht, deren Anzahl innerhalb der letzten 20 Jahre von 1350 auf 600 reduziert wurde. Europaweit gebe es ein Programm, das das Umgehen mit Wassermassen voraussehe, sagt der Regionaldirektor des Wasseramtes.

Schuld am Übel: Dauerregen, Müll und Waldrodung
Ausbaggerungen der Flüsse Temesch/Timis und Bega sind zum Teil beendet oder werden in Kürze abgeschlossen. „Wir graben bis in die Tiefe, die der Fluss einst hatte“, widerlegt Titu Bojin die Vermutungen, verheerende Überschwemmungen seien Folge des vielen Schlammes auf dem Grund der Flüsse. Er gibt aber auch zu, dass noch immer reichlich Müll in die Flüsse geworfen wird. „Wasser schwemmt zwar Leergut, Müll und Abfälle weg, aber nur bis zu einem gewissen Punkt“, sagt Titu Bojin. Er findet es äußerst wichtig, dass in den Flussauen die Bäume abgeholzt wurden, sogar die serbischen Behörden habe man überzeugen können, am Unterlauf der Temesch, in Flussnähe die Bäume abzuschlagen, damit das Wasser problemlos fließen kann. Kritik übt der Leiter des regionalen Wasseramtes an der unkontrollierten Rodung von Wäldern, die als Gürtel in Flussnähe gestanden haben: „So löst sich Erdreich und gerät in die Flüsse“. Es geht jedoch nicht nur um die Flüsse, die häufig viel Wasser führen. „Große Wassermassen in einer kurzen Zeit machen heute Behörden und Bevölkerung zu schaffen und die kommen vom Regen“, sagt Bojin. Er weiß aber auch, dass in reicheren Ländern die Möglichkeit größer ist, vorbeugende Maßnahmen gegen Überschwemmungen zu treffen. Durch Deichwände aus Beton kann der Risikograd bei Hochwasser eingedämmt werden. „Wenn das kalkulierte Risiko einer Hochwasserkatastrophe in Westeuropa gelegentlich bei 500 Jahren liegt, ist dieses Risiko in Rumänien oft auf nur 50 Jahre beschränkt“, sagt Bojin. Er weist darauf hin, dass die Deiche im Banat vor 150 Jahren mit einfachen Mitteln angelegt wurden und auch heute bloß Erde zum Auffüllen verwendet wird. Nach drei-vier Tagen sei jedoch ein solcher Deich aufgeweicht, verweist Direktor Bojin.

ANIF – ohne Investitionen nicht tragbar
Bewässerungs- und Entwässerungskanäle sind zwar von der Terminologie her verschieden, jedoch meist die gleichen und dass sie oft unbenutzbar sind, hängt ebenfalls vom selben Aspekt ab: vom Geld. Nicht selten waren Hiobsbotschaften durchs Land gezogen, dass das Banat im Zuge des Klimawandels genauso wie ein Großteil Südrumäniens Gefahr läuft, ein wüstenartiges Gebiet mit kargem Ackerboden zu werden. Doch aus finanziellen Nöten ist Bewässerung vielerorts kaum noch ein Thema. Die Bauern erwarten Entgegenkommen vom Staat, um die Bewässerungen wieder aufzunehmen und die Agentur für Bodenverbesserungen (ANIF) wartet auf Berieselungen, die das Geld bringen sollen, um die Kanäle wieder betriebsfähig zu machen. „Viele der Entwässerungskanäle sind verstopft oder zugeschüttet worden, weil sich die Bauern so einen durchgehenden Weg über den Acker geschaffen haben. Unter den gegebenen Umständen ist der Fortbestand der ANIF nicht mehr gerechtfertigt“, sagt Bojin. Er ist überzeugt, dass auch der Staat nicht mehr in der Lage ist, etwas zu unterhalten, das nicht verwendet wird. Eventuell dann, „wenn die Landwirtschaft eine sehr gute Entwicklung erfährt, von der Regierung beginnend“.
Derzeit bleiben jedoch weiterhin große Landstriche unberieselt, aber auch die Trockenlegung leidet darunter. Titu Bojin zufolge sind nicht die Flüsse, ihre Beschaffenheit oder deren Wartung Schuld an den häufigen Überschwemmungen, sondern das Regenwasser, dessen Menge z.B. vergangene Woche in Temeswar/Timisoara 43 Liter/Quadratmeter in nur 35 Minuten ergeben und in anderen Gegenden Wellen ausgelöst hat, die alles in ihrem Weg mitrissen.

Junge Bauingenieure verlassen die Uni


Drei Absolventen legen Doppeldiplom-Prüfung ab
Gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt, sowohl in Rumänien, als auch im Ausland: Das bietet die Abteilung für Bauingenieurwesen in deutscher Sprache an der TU Politehnica. Denn immerhin sind gute Deutschkenntnisse ein großer Pluspunkt, wenn sich ein junger Bauingenieur um einen Job bewirbt, weiß Prof. Radu Bancila, Leiter der Abteilung für Bauingenieurwesen in deutscher Sprache. Mehr als 20 Absolventen werden in diesem Jahr die guten Chancen nutzen können. Sie sind der 15. Absolventenjahrgang der deutschsprachigen Bauwesenabteilung der TU Politehnica in Temeswar/Timisoara, der am Freitag, dem 25. Juni, feierlich verabschiedet wird. Doch nicht, bevor die letzte Prüfung stattfindet: Die Absolventen müssen ihre Arbeiten vor einer Kommission präsentieren.
Am selben Tag findet bereits zum zweiten Mal die doppelte Abschlussprüfung im Bachelor-Studiengang Bauingenieurwesen der TU München und der TU Politehnica statt. Drei Studenten legen in diesem Jahr die doppelte Prüfung ab: Gabriel Irimescu und Mircea Popa aus Hermannstadt/Sibiu sowie Mircea Trînc aus Großwardein/Oradea. Diese haben vier Semester in München studiert und ihre Arbeit dort bereits vorgestellt. Im vergangenen Jahr erhielten zwei Absolventen das Doppeldiplom. Mitglied der Kommission wird in diesem Jahr Prof. Eberhard Zoller von der Technischen Hochschule in Konstanz, Deutschland, sein.
Die Abteilung mit deutscher Unterrichtssprache an der Fakultät für Bauwesen der TU Politehnica wurde 1991 ins Leben gerufen. Zwei Jahre später, am 25. Juni 1993, unterzeichnete die Temeswarer Universität einen Partnerschaftsvertrag mit der TU München. Der Austausch von Lehrkräften und Studenten sowie die ständige Unterstützung seitens des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) ermöglichte die Entwicklung der Abteilung.
Die Abschlussprüfung beginnt am Freitag um 8 Uhr und wird etwa um 13 Uhr beendet. Zum Schluss werden den Absolventen ihre wohlverdienten Diplome verliehen, wobei sowohl die beste, als auch die originellste Arbeit ausgezeichnet wird. Der deutsche Konsul Klaus Brennecke wird zur Veranstaltung erwartet. Im vergangenen Jahr legten 28 Absolventen die Abschlussprüfung ab und erhielten ein Bachelor-Diplom. Im nächsten Jahr feiert die Bauwesenabteilung in deutscher Sprache ihr 20jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass soll das Programm der Abschlussveranstaltung besonders umfangreich ausfallen.
Raluca Nelepcu


Die Absolventen der deutschsprachigen Abteilung für Bauingenieurwesen mussten 2009 ihre Diplomarbeit vor einer deutsch-rumänischen Kommission vorstellen. Prof. Radu Bancila (oben rechts) zeigte sich mit den Ergebnissen seiner Studenten zufrieden.
Foto: Raluca Nelepcu

Haiducken kehrten zurück

Die legendäre Band trat zusammen mit der Temeswarer Philharmonie auf.
Foto: Raluca Nelepcu
Der Phoenix-Vogel ist in Temeswar auferstanden

Von Raluca Nelepcu und Andreea Oance

Dichte Wolken ballen sich am Himmel und irgendwie steckt in jedem die Angst, dass uns der Regen auch heute nicht verschont. Die Fans haben sich am Eingang in den Rosenpark versammelt. Sie alle warten darauf, reingelassen zu werden. An jedem Eingang in den Park gibt es Sicherheitskräfte. Das Konzert unter freiem Himmel ist nicht kostenlos wie andere Konzerte, die auf der Grünanlage in Zentrumsnähe bestritten werden. 70 Lei kostet ein VIP-Ticket für die ersten Reihen, 50 Lei ein Sitzplatz ein bisschen weiter hinten und 25 Lei der Stehplatz. Die meisten Fans haben die billigste Variante gewählt – denn immerhin wird Rockmusik sowieso nicht im Sitzen gehört. Ein besonderes Ereignis bringt heute Rocker, Biker und Nostalgiker im Rosenpark zusammen: „Symphoenix“, das wohl größte Konzert der legendären rumänischen Rockband Phoenix in den letzten 45 Jahren, findet heute in Temeswar/Timisoara statt.
Nachdem die Sängerin Sabina Abrudian die Musikliebhaber in Konzertatmosphäre versetzt hat, treten die Jungs von „Phenomenon“ auf die Bühne. Die Gitarre kreischt, der Bass brummt, das Schlagzeug bebt: Die vier jungen Männer heizen das Publikum mit bekannten Rocksongs ein. Die Schüler performen etwa eine Stunde, solange, bis dem Publikum die Lust aufs Warten vergeht. Es dunkelt schon, als „Phenomenon“ die Bühne im Applaus der Zuschauer verlassen. Es ist Zeit, Platz für die Legenden zu machen.

„Symphoenix“ mit renommierten Musikern
Fast hundert Leute stehen auf der Bühne. Zu den Phoenix-Mitgliedern hat sich der Chor und das Orchester der Staatsphilharmonie „Banatul“ gesellt. „Symphoenix“ nennt sich das Ereignis, das das Temeswarer Publikum verzaubern soll. Zu den Ehrengästen, die heute auf die Bühne treten, zählen der erste Phoenix-Leadsänger Moni Bordeianu, der Bukarester Oboe-Spieler Adrian Petrescu und die Erstsolistin der Rumänischen Oper, Tina Munteanu. Das Orchester der Banater Philharmonie dirigiert der Bukarester Daniel Jinga.
Das Konzert beginnt plötzlich, ohne Worte: Im Rosenpark erklingen die ersten Riffe des traditionellen Instrumentalstücks, mit dem Phoenix immer ihre Shows beginnt. Die etwa 2.000 Zuschauer applaudieren rhythmisch. Es folgt das Lied, das das Publikum von den Sitzen reißt: „Timisoara“ heißt der Song, der den Phoenix-Fans aus Temeswar Gänsehaut verleiht und sie in Nostalgie versetzt. Dies ist der Augenblick, der alle begeistert. Das fast zweistündige Warten hat sich gelohnt. Es ist ein Lied, das ein klein wenig von allen Hits der Band enthält, denn es spricht von Strauchdieben, Zigeunern, Flöten, einer Wiederkehr in die Heimat und dem gelben Kanarienvogel. Das Lied, das die Identität der Band festlegt – alle sollen wissen: „Dies ist die Stadt, wo wir in einer längst vergangenen Zeit geboren wurden“. („E orasul în care ne-am nascut, în vremuri ce-au trecut“…).

Keine Vorwürfe mehr
Nun kann nichts mehr schief gehen. Das Publikum ist angeregt. Neue und alte Lieder werden vorgeführt. Mit heiser Stimme versucht der Solist und Bandleader mitzusingen. Gleichzeitig kitzelt er die Gitarre. Der alte Haiducke Nicu Covaci steht vor den Leuten, die ihn zu dem gemacht haben, was er heute ist. An diesem Abend scheint er seiner Stadt gegenüber keine Vorwürfe mehr zu haben. Die Verwaltung der Stadt wird zu einem alten Kumpel, mit dem er Jahre lang zerstritten war, sich dann aber doch noch versöhnt hat. Nicu Covaci scheint nicht mehr daran zu glauben, dass seine Stadt ihn verstoßen hat. Sein Publikum ist immer noch das gleiche: Jung und Alt sind gekommen, um die Songs, die früher mal so beliebt waren, live zu hören. Erst ein wenig schüchtern, dann mit Freude in den Stimmen und heftig applaudierend beginnen die Zuschauer, die schon seit Jahrzehnten bekannten Refrains mitzusingen. Die bedrückende Atmosphäre ist nun vorbei. Gute Stimmung schwebt in der Luft und das Wetter spielt diesmal auch mit, denn der Regen lässt auf sich warten. Die Stimmung steigt weiter. Die heisere Stimme beginnt ihr Herzenslied zu singen: „Strunga“. Er würde dieses Lied singen, auch wenn er wüsste, dass er danach sterben würde. Das Publikum erkennt die Geste von Nicu Covaci, als Zeichen seiner Freude. Das Konzert geht weiter mit anderen bekannten Liedern: „Mugur de fluier“, „Nunta“, „Mica Tiganiada“, „Ochi negri, ochi de Tigan“.

Publikum vermisst Mani Neumann
Das Konzert wird durch den Song „Negru Voda“ abgerundet. Ein elektrisches Lied, das mit einem „Teufelssolo“ von Ovidiu Lipan „Tandarica“ endet. Der gut 60-Jährige spielt energischer als je zuvor und beweist noch einmal, dass er seinen Spitznamen „Tandarica“ mit Ehre trägt. Kaputte Drumsticks fliegen herum – die Schläge können alles in Scherben und Splitter versetzten, so stark schlägt Ovidiu Lipan auf sein Instrument. Das Ergebnis: fabelhaft! „Ich habe die Stadt Temeswar 1975 kennengelernt. Sie hat sich seitdem nicht verändert und dafür danke ich euch“, sagt Schlagzeuger „Tandarica“, den in Rumänien wohl jeder kennt. Ovidiu Lipan ist eines der wenigen Phoenix-Mitglieder, die bisher noch nie in Konflikt mit Lead-Sänger Nicu Covaci geraten waren. Zumindest in der Öffentlichkeit nicht. Er ist der letzte der alten Phoenix-Gruppe von vor 48 Jahren, der noch geblieben ist und zusammen mit Nicu Covaci regelmäßig auftritt. Sogar Mani Neumann, der Geigenspieler, verließ die Band vor einigen Jahren. „Die Lieder klingen gut, egal, in welcher Zusammensetzung. Die Mitwirkung der Philharmoniemusiker klingt ausgezeichnet. Die Musik ist aber trotzdem nicht mehr die gleiche ohne das Geigenspiel von Mani Neumann“, sagt Valentin Serbanut, ein 27-jähriger Fan. Zum Schluss, beim Verlassen des Parks, sagt er zufrieden. „Ich habe dasselbe Gefühl wie damals, als ich vor Jahren auf meinem ersten Phoenix-Konzert war. Unabhängig von den Konflikten mit Covaci und vom Verlassen der Band durch die verschiedenen Mitglieder im Laufe der Jahre: Phoenix bedeutet die Tradition der rumänischen Rockmusik. Manchmal denke ich, Phoenix ist weit mehr als Nicu Covaci“, sagt er. Das Konzert endet spektakulär: Die Gruppe lässt den Phoenix-Vogel auferstehen. Auf der Bühne singen alle mit: Cristi Gram, Bogdan Bradu, Ionut Contras, Dzidek Marcinkiewicz, Volker Vaessen, Ovidiu Lipan, Moni Bordeianu und Nicu Covaci. Die Ehrengäste sind auch dabei, während das Publikum laut mitsingt: „Fie sa renasca numai cel ce har, are sa renasca, curatit prin jar/ Din cenusa-i proprie si din propriul scrum/ Astazi ca si mâine, pururi si acum!“

Jubiläum einer Kirche, Fest einer Glaubensgemeinschaft

Bischof DDr. Christoph Klein auf der Kanzel
Foto: Privat
100 Jahre evangelische Kirche in Reschitza – fast ein Rückblick
Von Werner Kremm

Die Hundertjahrfeier der Reschitzaer evangelischen Kirche war Grund und Anlaß des Besuchs des Bischofs der evangelischen Landeskirche AB, DDr. Christoph Klein, des Landeskirchenkurators Dr. Friedrich Philippi, des Hauptanwalts der Landeskirche, Friedrich Gunesch, aber auch des Dechants des Mühlbacher Kirchenbezirks, Dr. Wolfgang Wünsch und der jungen evangelischen Priesterschaft dieses Kirchenbezirks. Pfarrer Egon Wonner, der neben dem Banater Bergland auch Lugosch betreut, durfte auch Vertreter christlicher Schwesterkirchen begrüßen, unter anderen den rumänisch-orthodoxen Pfarrer der Kirche im Reschitzaer Stadtzentrum, Ioan Albu, den Pastor der slovakischen evangelischen Kirchengemeinde von Reschitza, Dusan Vanko, den ungarischen reformierten Pastor Attila Megyasszai-Biró oder den serbisch-orthodoxen Popen Vasa Lupulovic. Es war, wie in Reschitza üblich, intensiv gelebte Ökumene, was man hier beobachten konnte. Und die evangelischen und calvinistischen Pastoren von Reschitza gehören zu deren Vorreitern.
Das mit der Ökumene, die unbedingt Toleranz voraussetzt, das war nicht immer so. In einer von Georg Schmidt (Grevenbroich, Einleitung und Karten) und Pfarrer Walther Sinn (Semlak, Recherche und Texte zu den Kirchengemeinden) klug mit ergänzenden Fotos und Karten zusammengestellten Dokumentation (44 Seiten), die Pfarrer Egon Wonner in seine Ausstellung zum Jubiläum eingebaut hatte, ist auch, ressentimentfrei, einiges über die schwierigen Anfänge des Lutheranismus im Banat zu erfahren, Dinge, die in der Regel von den Banater Heimatbüchern und Ortschroniken totgeschwiegen werden.

Schule und Pfarrer im selben Haus
Es beginnt mit den vielgelobten Toleranzpatent des Aufklärungskaisers Joseph II: „Joseph II. erließ 1781 das Toleranzpatent für Lutheraner, Kalvinisten und Orthodoxe,“ heißt es in der Dokumentation von Schmidt und Sinn. „Dadurch wurde diesen in den österreichischen Ländern die private Ausübung ihrer Religion gestattet. Der katholischen Religion verblieb das Privileg der öffentlichen Religionsausübung. Protestantische Bethäuser unterlagen diskriminierenden baulichen Beschränkungen. Sie durften äußerlich nicht wie Kirchen aussehen. So waren zum Beispiel Rundfenster nicht gestattet. Außerdem mussten sie zumindest 50 Meter von einer Hauptstraße entfernt liegen und einen von der Hauptstraße abgewandten Eingang haben. Sie durften insbesondere keinen Turm besitzen. Ausnahme bestand für dort, `wo es nicht schon anders ist`“.
Ganz so schlimm wie im aufgeklärten 18. Jahrhundert war es in Reschitza zur Zeit des Baus der gefeierten Kirche nicht. Trotzdem hatten die evangelischen Gläubigen auch im – wegen seinem Fachleutebedarf – gegenüber dem ländlich geprägten Banat toleranteren Reschitza ihre Probleme, bis sie zum Bau einer eigenen Kirche schreiten konnten. Unter anderen haben sie zehn Jahre lang bei den serbisch-orthodoxen Gläubigen in deren Kirche Gastrecht genossen, wurde bei der Eröffnung der Jubiläumsausstellung gesagt. „Nur aufgrund von Interventionen auf Höchster Ebene“ (Dr. Wünsch) war es 1909 gelunden, die Genehmigung für die Grundsteinlegung der 2010 gefeierten Kirche zu legen. Noch schwieriger war es für die traditionell fest auf Ratio getrimmten Evangelischen, sich in ungarischer Zeit mit der deutschen Schule durchzusetzen.
1871 hatten sie ein stockhohes Haus als Schulhaus gekauft und den Pfarrlehrer Johann Pantyik aus Werschetz/Vrsac angeworben, es 1872 geweiht und Pfarrlehrer Pantyik durch den Werschetzer Pfarrer Moritz Gratz feierlich ins Amt gewählt und einführen lassen und nach anfänglich spürbarem Aufwind – 1875 wird die Schule nach Tilgung aller Kaufschulden auf die Kirchengemeinde übertragen, 1879 ganz in Besitz genommen und als deutsche Schule und Pastorenwohnung genutzt, 1890 wird ein zweiter Lehrer angestellt (gegen den Willen der verwaltenden Ungarn: ein Deutscher), 1909 Auflösung der deutschen evangelischen Schule, weil ihre Einrichtung den Gesetzen nicht entsprach – darauf gab es ein Tief (auffällig: nach der Weihe der heutigen Jubiläumskirche, 1910) und ab 1925 einen neuerlichen Aufschwung des Unterrichts in deutscher Sprache in Reschitza dank der evangelischen Schule.

Traditionell aktive Solidarität
Erster Rektor der evangelischen Schule war Koloman Hajtmaszky, vormals Hilfskaplan in Záy-Ugrócz. Am 8. Juli 1871 wurde die erste Prüfung abgenommen, war aus dem Beitrag von Bezirksdechant Dr. Wünsch anlässlich der Ausstellungseröffnung zu erfahren
Zwischen 1873 und 1959 hatte Reschitza nur zwei evangelische Pastoren, Johann Pantyik (32 Jahre lang, bis 1907) und Ferdinand Szende (zwischen 1908-1959), letzterer auch viele Jahrzehnte Bezirksdechant des Banater evangelischen Kirchenbezirks. Zu seinem 50jährigen Pfarrer-Jubiläum waren Bischof Dr. Friedrich Müller und Hauptanwalt (bzw, der spätere Landeskirchenkurator) Albert von Hochmeister am 1. September 1957 nach Reschitza angereist.
Kirchenrechtlich war die erste evangelische Kirchengemeinde 1850 eine Tochtergemeinde von Klein-Schemlak/Semlacu Mic. 1855 schloss sie sich Lugosch an, „mit der Bedingung, dass der Pastor gut deutsch, slovakisch und – wenn möglich – auch ungarisch kann“ (Dr. Wünsch). 1866 versuchte man es mit dem Anschluss ans seinerzeit wirtschaftlich sichtbar aufstrebende Steierdorf-Anina, wo Pastor Gustav Bujkosszky diente. 1871 „erklärte Senior Johann Frint die Gemeinde Reschitza als Muttergemeinde“ (Schmidt/Sinn), wobei diese von vielen evangelischen Vereinen unterstützt wurde: der Frauenverein aus Pest spendete Abendmahlsgerätschaften, die Gustav-Adolf-Vereine aus Zürich, Basel, Leyden, Bremen, Halle, Siegen, der Hauptverein schickten Unterstützungen. Persönlich spendeten Kaiser Franz Joseph I (Auch die evangelische Kirche in Ferdinandsberg/Otelu Rosu – 1862 fertiggestellt - erfreute sich der finanziellen und moralischen Unterstützung des Kaisers und Wiens – die Gedenktafel mit einer Dankesinschrift auf schwarzem Marmor soll bis auf den heutigen Tag auf dem Kirchturm der Kirche in Ferdinadsberg liegen, nachdem sie nach dem ersten Weltkrieg „vorsichtigerweise“ von dessen straßenseitigem Frontispiz abmontiert worden war.) und Deutschlands Kaiser Wilhelm. Als ein sehr spendierfreudiger hoher Beamter, dessen Arbeit eng mit Reschitza verbunden war, erwies sich der seinerzeitige Generaldirektor der „k.u.k. priv. österr.-ung. Staats-Eisenbahn-Gesellschaft“ (Kürzel: StEG), Emil Kopp, der sowohl zur Gründung der evangelischen Muttergemeinde Reschitza eine Spende überreichte, als auch, als es 1875 um die Tilgung der Schulden beim Kauf des Schulgebäudes ging und Direktor Kopp mit einer Spende von beachtlichen 2000 Gulden einsprang. Ebenfalls zu seiner Zeit wurde die jährliche Unterstützung der StEG für die evangelische Schule von 240 auf 400 Gulden angehoben, wobei aber der Haupterhalt der Schule die längste Zeit über durch Kirchen- und Schulgebühren bestritten wurde.
Heute ist die evangelische Gemeinschaft im gesamten Banater Bergland, einschließlich Lugosch und die Gemeinden des Verwaltungskreises Temesch stark geschrumpft. In Reschitza ist noch von 65 evangelischen Deutschen und von 50 slovakischen Evangelischen die Rede, in Karansebesch, Ferdinandsberg, Steierdorf von ein paar Dutzend. Erfreulich, dass sich der junge Pfarrer Egon Wonner fest in seine Aufgaben gekniet hat und die Aufgabe einer Art Wanderpfarrer für Reschitza, Karansebesch, Anina, Ferdinandsberg und Lugosch mit viel Ernst wahrnimmt. Zur 100-Jahr-Feier der Kirche hatte man auch den Eindruck, dass es viel Sympathie für die und Solidatrität mit den Reschitzaer Evangelischen gibt. Traditionell waren unter den Teilnehmern an der Feier der Evangelischen in Reschitza auch viele Katholiken dabei.

Montag, 21. Juni 2010

Jugendtheaterfestival in Temeswar

Theaterintendant Lucian Varsandan freut sich über das NiL-T-Shirt. Links im Bild: Schauspielerin Isolde Cobet, die das Festival initiiert hat.
Foto: Raluca Nelepcu

DSTT-Intendant zum Ehrenmitglied der NiL-Gruppe
as. Temeswar - „Von den vielen vermeintlich überflüssigen Dingen des Lebens ist Theater eines der schönsten. Denn sonst würde der Mensch nur essen, trinken, verdauen und sich fortpflanzen“, zitierte Klaus Brennecke, Konsul der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar/Timisoara, den deutschen Humoristen Loriot am Freitagabend im Auftakt des 11. Deutschsprachigen Jugendtheaterfestivals. Das Theaterfestival wurde von der Schauspielerin Isolde Cobet, die gleichzeitig auch Leiterin der NiL-Theatergruppen des Nikolaus-Lenau-Lyzeums ist, in die Wege geleitet. Bei der feierlichen Eröffnung des Festivals wurde Lucian Varasndan, Intendant des Deutschen Staatstheaters Temeswar (DSTT), zum Ehrenmitglied der NiL-Gruppe ernannt. Besonderen Dank gebührte der Schauspielerin Dana Borteanu, die „zweite NiL-Mama“, die Isolde Cobet bei der Veranstaltung des Festivals geholfen hat.
Das 11. Internationale Deutschsprachige Jugendtheaterfestival geht heute erfolgreich zu Ende. Insgesamt 200 Jugendliche aus Rumänien, Deutschland, Kroatien und Ungarn nahmen an der diesjährigen Auflage teil. Im Rahmen des Festivals konnten sie sowohl die zahlreichen Aufführungen genießen, als auch an den Theaterworkshops zum Thema Improvisation, Bühnenbewegung und Sprache teilnehmen. Die Workshops wurden von Theaterpädagogen und Schauspielern aus Rumänien und Deutschland geleitet. Das bereits zur Tradition gewordene Festival geht auf ein Projekt der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg zurück und wird vom Temeswarer Nikolaus-Lenau-Lyzeum in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Staatstheater Temeswar organisiert. Für die künstlerische Leitung des Festivals waren die DSTT-Schauspielerinnen Isolde Cobet und Dana Borteanu zuständig.
Die Temeswarer Lenauschule war beim diesjährigen Festival mit zwei Theatergruppen vertreten: Die Gymnasialschüler von NiL-Junior, die am Samstag die Vorstellung „Folge dem Stern“ auf die Bühne brachten und die NiL-Gruppe, die dieses Jahr die Aufführung „...Eines Clowns“ präsentierte. Auch die Theatergruppe „After NiL“, die aus ehemaligen Lenauschülern, derzeit Studenten, besteht, war dabei. Sie führte das Stück „Die Gespenster des singenden Spatzes“ auf.

110 Jahre Fußball in Banat

Diesbezügliche Enzyklopädie erschienen
ao. Temeswar - Die gesamte Geschichte des Banater Fußballs wurde in rund 650 Seiten gesammelt und vergangene Woche in einer Enzyklopädie herausgebracht. „110 Jahre Fußball in Banat“ heißt das Buch, das von Buchautor Gheorghe Popa geschrieben wurde. Die frühen Errungenschaften der Mannschaft Chinezul Temeswar/Timisoara, die große Traditionsmannschaft Ripensia, das Reschitzaer Team UDR oder der Aufstieg in die zweite Liga von Unirea Triebswetter/Tomnatic, die erste Dorfmannschaft, die damals ein solches Niveau erreicht hatte - das Buch erzählt bis in kleinste Detail über alles, was im Banat mit Fußball zu tun hat; ab 1901 und bis heute. Dafür arbeitete Gheorghe Popa fünf Jahre lang. Er führte Gespräche mit ehemaligen Fußballspielern aus dem Banat und mit deren Familien, sammelte alte Fotos und Berichte aus Zeitungen. Schriftsteller Popa ließ erkennen, dass die Enzyklopädie „aus Liebe für den Fußball“ entstanden ist und „ist den Fußballern aus allen Zeiten gewidmet, denn sie haben uns alle mit deren Finten, Dribblings, Fußballtricks und Torschüssen begeistert“.
Die Buchvorstellung fand im Restaurant Clabucet statt. Das Lokal gehört der Witwe des verstorbenen Spielers Gheorghe Cotec, ehemaliger Mittelfeldspieler bei Poli Temeswar. Bei der Vorstellung waren auch ehemalige Fußballspieler aus dem Banat dabei. Zu den ältesten zählten Constantin Popa, von Vulturii Lugosch/Lugoj und Ion Vulc²nescu, ehemaliger Spieler bei Ripensia.
Das Buch „110 Jahre Fußball in Banat“ ist das dritte Buch des Schriftstellers, nach „Gloria zilelor de ieri“/ „Der Ruhm von gestern“ (2007) und „Gloria alb-violet²“/ „Der weiß-lila Ruhm“ (2008). Die Fußball-Enzyklopädie ist im Buchhandel erhältlich und kostet 80 Lei.

„Aus Liebe zum Beruf“

Ciprian Cipu: „Die Investition im Kulturbereich hat sich gelohnt“.
Foto: Raluca Nelepcu


Gespräch mit Ciprian Cipu, Leiter des Temescher Zentrums für Kultur und Kunst

Für Ciprian Cipu ist die Kulturszene des Verwaltungskreises Temesch/Timis Teil seines Lebens und das seit mehr als 40 Jahren. Der Leiter des Zentrums für Kultur und Kunst möchte die „wahre Kunst“ fördern und schenkt der Volkskunst besonderes Augenmerk. Was genau er mit „wahrer Kunst“ meint und wie er das in Zeiten schwieriger konjunktureller Rahmenbedingungen schaffen wird, erzählt er den BZ-Redakteurinnen Ana Saliste und Raluca Nelepcu in folgendem Interview.

Sie leiten seit vielen Jahren das Zentrum für Kultur und Kunst des Kreises Temesch. Wie groß ist die Verantwortung einer solchen Funktion?
Der Job an sich ist nicht so schwer. Groß ist aber die Verantwortung, die man dafür tragen muss, wenn man den Job als Leiter einer kulturellen Einrichtung richtig ausüben möchte. Wenn du eine Kulturveranstaltung planst, kannst du es dir nicht leisten, mit der Kultur und den Traditionen eines Volkes zu spielen und den Kitsch bzw. die Non-Kultur zu fördern. Der größte Feind der Volkskultur ist heutzutage der Kitsch. Ein weiterer Feind der Kultureinrichtungen sind die Medien, vorwiegend das Fernsehen. Die deutsche Sendung zum Beispiel respektiert ihre Zuschauer und fördert die Volkskunst. Die sogenannten „Manele“-Sendungen promoten jedoch die vulgäre Kleidung und die Non-Kultur. Der Leiter einer Kulturinstitution muss in erster Linie seinen Beruf schätzen und von seinem Zweck überzeugt sein.

Wie schaffen Sie es denn, die „wahre Kunst“ zu fördern?
Indem man echte und repräsentative Kulturveranstaltungen organisiert. Das ist die beste Waffe gegen den Kitsch. Ein gutes Beispiel dafür ist der Kreis Temesch/Timis. Als hier ein Manele-Konzert veranstaltet wurde, kauften nur wenig Leute Karten. Andererseits unterstützen uns die regionalen Fernseh- und Radiosendungen in unserem Unterfangen und fördern unsere Veranstaltungen.

Wie reagiert das Publikum darauf?
Wir haben es geschafft, insbesondere das Publikum aus den Dörfern wieder anzusprechen und es zu unseren Veranstaltungen zu locken. Die Auswanderung der Deutschen trug dazu bei, dass Bürger von etwa 30 rumänischen Verwaltungskreisen die Banater Dörfer besiedelten. Und es waren nicht die Besten, die hierher kamen. (lächelt) Beispiele dafür sind Nitzkydorf/Nitchidorf, Alexanderhausen/Sandra oder Triebswetter/Tomnatic. Dort hatten wir am Anfang viele Probleme: mit der Anpassung der Leute an die lokale Tradition, mit der Einhaltung der Sitten und Bräuche. Wir haben aber zusammen mit dem Temescher Kreisrat verschiedene kulturelle Veranstaltungen organisiert, um den Menschen diese Volkskultur näher zu bringen. Sie begannen, das Kulturzentrum zu respektieren, sich eigene Volkstrachten zu besorgen und selbst Tanzgruppen zu bilden. Wir haben in einigen Ortschaften kleine Museen gegründet und dafür gesorgt, dass in den Ortschaften, wo es auch eine deutsche und ungarische Minderheit gibt, deren Bräuche ebenfalls zur Geltung kommen.

Sie haben von Kultur und Traditionen gesprochen. Hat sich etwas in der Mentalität der Bürger nach 1989 verändert, was das Interesse für die Volkskunst angeht?
Gleich nach der Revolution gab es schwere Zeiten für die traditionelle Kunst. Die Bürger haben nach Demokratie gelechzt und jetzt wissen sie nicht, was sie damit machen sollen. Aber das ist eine andere Diskussion. Anfang der 90er sind die sogenannten „Laienkünstler“ verschwunden. Die Jugendlichen wurden ursprünglich von ihren Lehrern gezwungen, bei traditionellen Veranstaltungen mitzumachen. Im Laufe der Jahre ist aber eine andere Art von Kultur auf dem Lande entstanden. Für unser Festival „Lada cu zestre“, zum Beispiel, hat sich mit der Zeit ein neues Zielpublikum gebildet: junge Leute, die wirklich aus Liebe zur Kultur unseren Veranstaltungen beiwohnen.

Wie schaffen Sie es, die Leute für Volkskunst zu begeistern?
Durch die zahlreichen Events, die wir organisieren. Inzwischen ist sogar ein Wettbewerb unter den Gemeinden entstanden. Es geht darum, wer die schönsten Trachten hat, die beste Tanzgruppe usw. Durch diesen Wettbewerb ist aber auch eine besondere Beziehung zwischen den Dörfern und Gemeinden entstanden. Wenn zum Beispiel Großscham/Jamu Mare die Kirchweihe feiert, dann kommen hierher auch Gäste aus Tschakowa/Ciacova oder Morawitza/Moravita. Mit den Schulbussen, die uns die Kommunen zur Verfügung gestellt haben, konnten die Gäste die Veranstaltungen erreichen. Und noch etwas: Der Tanz verbindet Menschen, verbindet Minderheiten und erzieht die Bürger. Das ist der Banater Geist, den wir aufrecht erhalten müssen. In Triebswetter wurde die deutsche Volkskultur wieder belebt. Bis vor ein paar Jahren kam es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den Bürgern aus Murani und Orzydorf/Ortisoara zum Beispiel. Nun bilden sie gemeinsam eine Tanzgruppe und können es kaum erwarten, sich zu treffen. Das ist ein Beweis dafür, dass sich unsere „Investition“ gelohnt hat. Viele meckern, dass man mit dem Geld besser die Straßen reparieren sollte. Aber ein Kilometer Asphalt kostet in Rumänien soviel wie all unsere Kulturveranstaltungen in einem Jahr. Wir pflegen gute Beziehungen mit dem Schulinspektorat, der Kirche, dem Kreisrat und den Bürgermeisterämtern in den Kommunen.

Welche sind die bedeutendsten Errungenschaften des Zentrums für Kultur und Kunst in den letzten zehn Jahren?
Die größte Errungenschaft ist die jährliche Aufstellung der kulturellen Agenda zusammen mit dem Kreisrat, der uns recht stark finanziell unterstützt. Zweitens: Die stabilen Beziehungen und die gegenseitige Zusammenarbeit der Künstler mit den Einrichtungen des Kreisrats. Unsere dritte Errungenschaft ist die Volkskunstschule, die Ausbildungen in 25 Kulturbereichen bietet. Wir haben über 600 Schüler da, Tanzensembles für Jugendliche, einen Mini-Verlag und eine Druckerei. Eine vierte Errungenschaft ist die Organisierung von verschiedenen Veranstaltungen auf den Dörfern in Zusammenarbeit mit den Kommunen. Wir haben in fast allen Kulturheimen Kulturreferenten, die gute Arbeit leisten.

Für welchen Kulturbereich der Volkskunstschule besteht die größte Nachfrage?
Das größte Interesse besteht für die Folklore, aber auch die Grafik-Abteilung ist gut besucht. Unsere Schüler haben viele internationale Preise nach Hause gebracht. Zahlreiche Reporter und Kameraleute sind Absolventen der Foto- und Filmabteilung, worauf wir sehr stolz sind.

Wie werden Sie ihre Kollegen motivieren können ab dem Zeitpunkt, wo es durch die angesagten Gehaltskürzungen keine finanzielle Motivation mehr geben wird?
Die Mehrheit meiner Kollegen übt ihren Beruf mit Herz und Seele aus. Natürlich beklagen sie sich auch und das ist auch verständlich. Aber wenn du wirklich eine besondere Neigung dazu hast und deine Arbeit wirklich von Herzen gern tust, dann kommst du auch mit den Schwierigkeiten klar. Wir Künstler sind träumerische Seelen. Wenn wir einen großen Erfolg haben, dann ist es uns egal, ob wir zwei Gerichte auf dem Tisch haben, oder nicht. Aber endlos darf das trotzdem nicht weitergehen.

Neuer Zündstoff für einen nicht zu endenden Streit

Winter 2010: Glühende Heizkörper, leere Geldbeutel
Foto: Alexandru Iordache



Bürgermeisteramt und Präfektur stacheln Bürger zum Prozessieren an
oi. Temeswar - Der Preis der Gigakalorie: Eines der Gesprächsthemen dieser Zeit in Temeswar/Timisoara, das die Gemüter anheizt. In der letzten Zeit sind diesbezüglich neue Aspekte aufgetaucht. Zum Einen möchte das Bürgermeisteramt die Temescher Präfektur in der Angelegenheit „Gigakalorie“ vors Gericht zerren. Andererseits stellte der Vizebürgermeister Sorin Grindeanu vor kurzem das Projekt vor, laut dem „wohlhabende Familien den Preis der Gigakalorie gänzlich bezahlen sollen“.
Anfang dieses Monats hat das Gericht in Großwardein/Oradea entschieden, dass die Preiserhöhung der Gigakalorie von 162 auf 187 Lei, die vom Stadtrat im vergangenen Jahr beschlossen wurde, nicht gesetzwidrig war. Zum Prozess kam es, da die Temescher Präfektur den Stadtratsbeschluss angefochten hatte. Der neu beschlossene Preis hätte ab dem 1. August 2009 in Kraft treten sollen. Nun sagt Gheorghe Ciuhandu, Bürgermeister der Stadt Temeswar, dass jemand für die Verluste, die wegen des Preisunterschieds in dieser Zeitspanne entstanden sind, aufkommen muss. Berechnungen zufolge, die das Temeswarer Bürgermeisteramt durchgeführt haben will, beträgt der Verlust des Heizwerkunternehmens Colterm für diesen Zeitraum 17,2 Millionen Lei. Von wem genau das Geld nun wieder gewonnen wird, konnte Ciuhandu nicht sagen, das Bürgermeisteramt überlegt jedoch, möglicherweise die Präfektur in dieser Angelegenheit zu verklagen. Die Entscheidung, wie das Geld zurückerlangt wird, liegt jedoch bei Colterm, so der Bürgermeister. Für den Fall, dass die Bürger aus ihrer Tasche die Differenz werden zahlen müssen, meint Ciuhandu, dass diese die Präfektur selber verklagen können. Zurzeit liegt auf dem Tisch des Stadtrats jedoch ein weiteres Projekt vor. Dieses besagt, dass ab dem 1. August 2010 der Preis der Gigakalorie auf 207 Lei erhöht werden soll. Darüber werden die Stadträte in der kommenden Zeit abstimmen.
Seinerseits legt Mircea B²cal², Präfekt des Kreises Temesch, den Temeswarern nahe, das Bürgermeisteramt zu verklagen. Als Grund dafür gibt er die „unglaublich schlechte Art und Weise“, in der Colterm bisher verwaltet wurde. Als Beispiel für das schwache Management gibt er die viel umstrittene Hütte am Semenik-Gebirge, die das Heizwerkunternehmen baut, sowie die Fußballmannschaft von Colterm an. Nur in diesen zwei Projekten soll viel Geld geflossen sein. „Ich glaube, die Temeswarer sollten den Bürgermeister verklagen. Mit den 17 Millionen will der Bürgermeister das Hotel am Semenik-Gebirge fertigstellen und ein Schwimmbecken für die Fußballmannschaft errichten. Das Geld wird mit Sicherheit nicht für Investitionen, die für die Stadtbürger von Nutzen sind, verwendet werden“, sagt Bacala.
Während sich der Disput zwischen Bürgermeisteramt und Präfektur austrägt, stellt der Vizebürgermeister Sorin Grindeanu ein neues Projekt vor: Der Preis der Wärmeenergie soll von den wohlhabenden Familien gänzlich gezahlt werden. Die Subventionen sollen nur noch jene, die wirklich in Nöten sind, erhalten. Wer genau als „wohlhabend“- und wie viel diese verdienen müssen, um in diese Kategorie eingegliedert zu werden, konnte Grindeanu nicht sagen. „Mann muss noch überlegen, wir müssen noch einige Berechnungen durchführen“, so der Vizebürgermeister. Was das für diejenigen heißt, die in den Augen der Verantwortlichen als wohlhabend gesehen werden: Der Preis der Gigakalorie wird sich für diese verdoppeln. Zurzeit soll der Realpreis der Gigakalorie 312 Lei betragen, die Bevölkerung zahlt – noch – 162 Lei. „70 Lei werden durch Staatssubventionen an Colterm gezahlt, 40 Lei pro Gigakalorie werden vom Bürgermeisteramt gezahlt. (Anm.d.Red.: Die Differenz sind wohl Verluste von Colterm). Falls die Regierung die Subventionen streicht, wird das Bürgermeisteramt sowieso nicht in der Lage sein, die Gesamtkosten zu tragen“, so Grindeanu. Aus diesem Grund soll eine sogenannte „Differenzierte Zahlung“ eingeführt werden.
Zurzeit sind es 90.000 Abonnenten in Temeswar, die am zentralen Heizwerksystem angeschlossen sind, so Grindeanu. Die Subventionen für Wärmeenergie, die in diesem Jahr vom Bürgermeisteramt getragen werden, erreichen 35 Millionen Lei.

Continental-Automotive: Ausbau auch in Rezessionszeiten

Gebäude auf der Martirilor-Straße in Temeswar: Seit dem Jahr 2000 Sitz der Forschungsabteilung
Foto: Zoltan Pazmany
Positive Bilanz nach zehn Jahren Rumänien
investition
Von Siegfried Thiel
Es sei nicht nur das Fest an und für sich etwas Besonderes, sondern „auch der gesamte Kontext“, sagte Ovidiu Gant, Abgeordneter des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, als er sich an die Anwesenden beim zehnjährigen Jubiläum der Continental Automotive wandte. Der Parlamentarier bezog sich dabei auf die wirtschaftliche Lage, die derzeit das gesamte Umfeld prägt. Vor zehn Jahren hatte Siemens ihre VDO-Sparte in Temeswar/Timisoara gegründet, 2007 wurde diese vom Reifen- und Systemhersteller Continental gekauft. Nun feierte Continental VDO in festlichem Rahmen ihr Jubiläum, anwesend waren Würdenträger aus Verwaltung und Politik, Diplomaten, Führungskräfte von Continental, Freunde und Partner des Unternehmens.
In dieser Zeitspanne hat die Automotive-Gruppe 180 Millionen Euro in Rumänien investiert und beschäftigt mittlerweile 4.000 Mitarbeiter, die in drei Forschungs- und Entwicklungszentren (Temeswar/Timisoara, Jassy/Iasi und Hermannstadt/Sibiu) sowie in zwei Produktionsniederlassungen in Temeswar und Hermannstadt tätig sind. Es seien zehn erfolgreiche Jahre gewesen und die stetige Expansion zeige „unser langfristiges Engagement in Rumänien und in der Region“, sagt Dr. Elmar Degenhart, Vorstandsvorsitzender bei Continental. Christian von Albrichsfeld, Leiter der Automotive Romania, wies darauf hin, dass Continental auch im Krisenjahr 2009 in Rumänien keinen einzigen Mitarbeiter entlassen hat; noch mehr das Unternehmen hat Personal eingestellt. 70 Prozent der Arbeitnehmer sind Ingenieure.
Meilensteine in der zehn Jahre alten Geschichte von VDO hat es wohl genug gegeben, nachdem 2000 Siemens VDO ins westrumänische Temeswar gekommen ist: Der eintausendste Mitarbeiter vor fünf Jahren, die Eröffnung neuer Forschungszentren, die Produktionsstätten, oder das ein Millionste Display, das vor wenigen Tagen vom Band der Temeswarer Produktionsstätte lief. Nicht zuletzt sei die 2007 erfolgte Übernahme durch die Continental AG erwähnt. Damals hatten nicht wenige bei Siemens mit Bedenken in die Zukunft geblickt – wie bei vielen Fusionen und Akquisitionen vermuteten sie, dass auch in ihrem Fall die Veränderung mit Arbeitsplatzabbau verbunden sein wird. Der Weg zum heutigen Unternehmen sei „von Herausforderungen geprägt gewesen, (…) doch wir haben unser gesetztes Ziel eingehalten, in Rumänien einen unserer HighTech-Standorte zu machen“, sagt Dr. Christian von Albrichsfeld, nicht nur im Kontext der mittlerweile verworfenen Bedenken so manchen Arbeitnehmers aus dem Jahr 2007. Die Worte des Direktors erhalten Substanz: Continental will nämlich in diesem Jahr allein in Rumänien in die Automotive-Sparte 30 Millionen Euro investieren, davon die Hälfte in die Niederlassung in Temeswar. Die Investitionen sind vorwiegend dem Forschung- und Entwicklungsbereich gedacht, aber auch in die Ausweitung der Produktion elektronischer Komponente.
Mit diesen Investitionen sind auch neue Arbeitsplätze verbunden: 2010 soll die Automotive-Belegschaft in Rumänien um 15 Prozent aufgestockt werden.



Mitarbeitervorteil - Affinität für Fremdsprachen

BZ-Interview mit Dr. Christian von Albrichsfeld, Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung, bei Continental-Automotive in Rumänien. Das Gespräch führte Siegfried Thiel.


Rumänien ist kein Billiglohnland mehr. 36 Prozent aller Manager aus der rumänischen Wirtschaft behaupten, dass Ihnen geeignetes Personal fehlt. Wie können Sie unter diesen Umständen in Rumänien effizient sein?
Wir haben schon frühzeitig erkannt, dass ein Mangel an geeigneten Arbeitskräften auftreten könnte, deshalb haben wir mit sechs Universitäten sehr enge Kontakte geknüpft. Wir arbeiten in Temeswar/Timisoara speziell mit der Politehnica-Universität gut zusammen. Da haben wir vier Laboratorien ausgestattet, arbeiten in der Definition der verschiedenen Curricula mit und kommen dadurch mit Studenten in Kontakt, die wir für unsere Produkte begeistern können. Durch Programme wie Sommerpraktika, oder Jobs neben dem Studium können wir sie an unsere Firma binden. Wir kommen somit über diesen Weg vor allem an gut qualifizierte Leute, speziell für unsere Entwicklungsaktivitäten, heran.

Sie sprachen die Entwicklungssparte an. Was hat sich bei Ihnen seit der Übernahme von Siemens VDO durch Continental konkret verändert?
Wir haben nach der Übernahme zusammen mit Continental eine Geschäftsstruktur aufgesetzt. In Rumänien haben wir Hermannstadt/Sibiu als Standort hinzubekommen. So können wir über Temeswar, Hermannstadt und Jassy die Aktivitäten sinnvoll aufteilen und somit eine höhere Effizienz in unserer Arbeit erzielen.

Was schätzen Sie ganz besonders von dem, was Sie in Temeswar bzw. in Rumänien erforscht oder geleistet haben?
Als Leiter einer Einheit versucht man dem Ganzen ein wenig einen eigenen Stempel aufzudrücken. Ich bin jetzt ein Jahr und paar Monate hier. Anfänglich versucht man erst einmal das Geschäft zu verstehen und voranzutreiben. Ein wesentliches Element meiner Arbeit im letzten Jahr bestand darin, in der Krise, die wir hatten, in Rumänien die Stabilität zu bewahren. D.h. - trotz einbrechender Umsätze weltweit - den Mitarbeitern noch genügend Arbeit zu verschaffen und hier immer noch den Ausbau der Tätigkeiten fortzusetzen. Das ist uns sehr gut gelungen – wir haben in ganz Rumänien niemanden entlassen müssen und an einzelnen Stellen, wo es erforderlich war, sogar zusätzlich noch Leute eingestellt. Und dies war für das vergangene Jahr eine meiner Hauptaktivitäten und meine Hauptzielsetzung.

Und wenn Sie nun gezielt an Produkte denken…
Was die Produktpalette betrifft, arbeiten wir noch sehr stark weltweit in unserem Verbund. Es ist eher das Thema Kompetenzausbau. Wir versuchen also sehr stark die Kompetenzen zu fördern, um in Rumänien eine gesamte Produktpalette entwickeln zu können, die weltweit benötigt wird. Sicherlich kann man sich vorstellen, dass man in Zukunft auch lokale Kunden bedient. Z.B. spezielle Produktgruppen für Dacia in Rumänien entwickelt und vor Ort auch fertigt.

Sie sprechen hier von Zukunftsplänen. Kann man die zeitlich eingrenzen?
Wir sind mit Dacia in engen Kontakten und versuchen, gemeinsam eine möglichst effiziente Zusammenarbeit zu erwirken; momentan sind wir diesbezüglich noch in der Gesprächsphase.

Nennen Sie drei Standortvorteile in Rumänien...
Wir haben in unseren Betrieben engagierte junge Menschen, die wissbegierig und sehr engagiert sind. Damit können sie sich selbst und auch ihr Land voranbringen. Das gilt für Gesamtrumänien. Im Banat und in Siebenbürgen haben wir auch den großen Vorteil, dass wir hier eine sehr große Affinität zu Fremdsprachen haben. Die Leute beherrschen mehrere Sprachen, weil sie in einem interkulturellen Umfeld aufgewachsen sind. Eben diese kulturelle Vielfalt bedeutet uns sehr viel.

Und die Negativpunkte des Standortes Rumänien?
Da wäre vor allem die Infrastruktur zu erwähnen. Den Straßenbau muss man vorantreiben, damit die relativ geringen Entfernungen auf der Karte auch zeitlich kurz werden. Dazu käme das Thema Bürokratie, da müssen wir nur täglich den Fernseher einschalten. Das ist ein Thema, das jetzt auch stark im politischen Fokus steht. Es besteht einfach zu viel Staat und zu viele Verordnungen, wo man auch noch Wesentliches verändern könnte. Wichtig ist auch, dass man im Bildungssystem die Qualität aufrechterhält. Es ist gefährlich, wenn wir in einem Land kein duales Bildungssystem haben. Die Leute können nur auf die Uni gehen oder direkt in die Firma. Es gibt zu wenig Alternativen. Die praktisch veranlagten Jugendlichen sind somit gezwungen, ebenfalls auf die Universität zu gehen. Letztendlich haben wir auch damit die Schwierigkeit, dass wir z.B. keine ausgebildeten Arbeiter finden oder keinen Vorarbeiter – also Meister, wie wir ihn bei uns nennen würden.

Emotionen und Tränen am letzten Schultag

30 Schüler schlossen in diesem Jahr das Gerhardinum-Lyzeum ab.
Foto: Zoltán Pázmány


30 Gerhardinum-Schüler verließen die Schulbänke
Von Raluca Nelepcu

Groß war die Aufregung, als sich die Klassenlehrerin Mihaela Petric zum letzten Mal ans Katheder setzte und den Absolventen des Gerhardinum-Lyzeums Ratschläge fürs Leben gab. Die Mädchen hatten Tränen in den Augen und ein Junge meinte, „ein wenig erkältet zu sein“, als er seine Nase mit einem Papiertaschentuch wischte. „Heute hat sich für euch das Tor der Kindheit geschlossen. Ihr sollt niemals vergessen, für eure Eltern zu beten, die euch ununterbrochen unterstützt haben. Und behaltet im Herzen einen Platz für die schönen Erinnerungen“, sagte Musiklehrerin Ildiko Draskovits, die zusammen mit der elften Klasse des römisch-katholischen Lyzeums in Temeswar/Timi{oara ein Lied für die Absolventen einstudiert hatte.
30 Schüler verließen vergangene Woche die Bänke des Gerhardinum-Lyzeums. „Wir hatten in diesem Schuljahr zwei Abschlussklassen mit Unterricht in rumänischer und ungarischer Sprache“, sagte Schulleiterin Ilona Iakab. Voller Emotionen war der Tag, an dem Mädchen und Jungen feierlich gekleidet in die Schule kamen, um von einander Abschied zu nehmen. Mit einem Lied wurden sie empfangen, als sie ihr Klassenraum – zum letzten Mal als Schüler - betraten. „Ich verabschiede mich jetzt, aber ich werde euch für immer in Erinnerung behalten“, sangen die jüngeren Schüler. Das Lied der rumänischen Musikgruppe Holograf hieß „R²mas bun“/“Abschied“. Emotionen schwebten in der Luft und sogar die Eltern, die nun ausnahmsweise am Unterricht teilnehmen durften, ließen sich mitnehmen.
Das „Gerhardinum“ im Zentrum von Temeswar ist das römisch-katholische Lyzeum der Temeswarer Diözese. Es funktioniert nun in dem historischen Gebäude, in dem bis zum Zweiten Weltkrieg das Gymnasium des Piaristenordens untergebracht war. Der Gebäudekomplex wurde nach den Plänen des Temeswarer Architekten László Székely gebaut. „Wir versuchen, die Piaristentradition fortzusetzen. Besonderes Augenmerk gilt der christlichen Erziehung“, sagt Ilona Iakab. Die Mehrheit der Schüler ist römisch-katholisch, jedoch niemand wird ausgeschlossen. „Alle müssen die katholischen Normen akzeptieren und respektieren“, erklärt die Schulleiterin. 127 Schüler besuchen derzeit das Lyzeum. „In unserer Schule sind sieben Ethnien vertreten“, sagt Ilona Iakab. Eines der Prinzipien der Piaristen war nämlich, niemanden auszuschließen, egal, welcher Religion oder Ethnie er angehörte. 28 Mitarbeiter sind innerhalb des „Gerhardinums“ tätig, davon 17 Lehrer, die die Schüler in den verschiedensten Fächern unterrichten. Der Fremdsprache Deutsch wird besondere Bedeutung beigemessen, lässt die Direktorin wissen. „Ein Gerhardinum-Schüler bekommt zusätzlich eine spirituelle Erziehung. Er lernt, die religiösen und menschlichen Werte zu schätzen. Wir hoffen im nächsten Jahr auf mehr Schüler“, sagt Ilona Iakab.
Auf die Absolventen des Gerhardinum-Lyzeums kommt nun eine neue Zeit voller Aufregung zu. Sie müssen sich dieser Tage für eine Fakultät entscheiden. Möglichkeiten gibt es in Temeswar reichlich. Die meisten entscheiden sich für die Fremdsprachenabteilungen der West-Universität, aber auch die Fakultät für Medizin und Pharmazeutik sowie die TU Politehnica sind gute Alternativen, lässt die Schulleiterin wissen.

Roman-Hotel verkauft

Das Roman-Hotel, in den 70er Jahren im Naturschutzgebiet Domogled-Cerna-Tal direkt ins Flussbett der Cerna erbaut
Foto: Wikpedia
Ob es auch zeitgerecht bezahlt wird?
wk. Herkulesbad - Seit geraumer Zeit versucht die Direktion für Öffentliche Finanzen und Staatskontrolle der Finanzen des Verwaltungskreises Karasch-Severin (DGFPCFS), die Hotels Roman und Afrodita der SC Hercules SA/SC Argirom International SA zu verkaufen, um die Steuerschulden einzutreiben, welche vom vor sieben Jahren privatisierten Bade- und Kurunternehmen in Herkulesbad/Baile Herculane angehäuft wurden. Im zweiten Anlauf ist es nun anscheinend gelungen, einen Interessenten für das Hotel Roman zu gewinnen.
Die Kompanie Casito Aerotransport aus Hunedoara hat die Garantiesumme von 10 Prozent des Verkaufspreises hinterlegt und muss nun, als einziger Anbieter, binnen fünf Tagen die gesamte Kaufsumme überweisen.
Ursprünglich war das Hotel Roman auf 11,519 Millionen Lei geschätzt worden. Zu diesem Preis hat sich kein Interessent zur öffentlichen Ausschreibung eingestellt und nach einer rund 25prozentigen Abwertung auf 8,6 Millionen Lei meldete sich die Firma aus Hunedoara beim zweiten Termin und schlug zu. Allerdings gibt es leise Zweifel an der Zahlungswilligkeit des Kaufinteressierten, weil bislang noch kein Geld – außer der „Anzahlung“ von 860.000 Lei, die zur Ausschreibungsteilnahme berechtigte – überwiesen wurde. Sollte das Geld nicht auf dem Konto des Fiskus eintreffen – obwohl man bei DGFPCFS bei triftigen Gründen auch mit einer Stundung einverstanden sein könnte, heißt es -, gibt es eine neuerliche Ausschreibung, mit einer weiteren Preisverminderung „von bis zu 25 Prozent", wird seitens der Ausschreibers verlautet.
Die Stadtverwaltung von Herkulesbad hat über Bürgermeister Nicu{or Vasilescu bekanntmachen lassen: „In unseren Augen beginnt erst mit diesen Verkäufen die wahre Privatisierung der Anlagen und Einrichtungen des Badekurorts. Was Argirom International über die SC Hercules SA gemacht hat, das war ein sträfliches Verfallenlassen des Kulturguts des ältesten Badekurorts Rumäniens, der einst zu den „Perlen der Monarchie“ (Kaiser Fraz Joseph I) gehört hat.“
Der Kurort Herkulesbad wurde, wie bereits berichtet, unter der PSD-Regierung (2000-2004) des Adrian N²stase vom seinerzeitigen Tourismusminister Dan Matei Agathon an beider PSD-Parteigenossen Iosif Armas (dem Hauptaktionär der SC Argirom International und Schwiegersohn eines Ex-Leibarztes von Nicolae Ceausescu und ehemaligen Gesundheitsministers) in „Direktverhandlungen“ verschachert. In der Folge erdreistete sich die „Käuferfirma“ (zu deren Hauptaktionären auch weitere „prominente“ PSD-Spitzenleute gehören, unter anderen ein Ex-Justizminister seitens der PSD), keinen der im Verkaufsprotokoll zusammengefassten Artikel zu respektieren, einschließlich die Verpflichtung zu ignorieren, für die Geschäfte der Hotels Steuern und Gebühren zu entrichten. Auch wurde nicht ein einziges der historischen Hotels des Kurorts, wie in der Kaufverpflichtung vorgesehen, renoviert, was heute den absolut desolaten Zustand des Kurorts bestimmt. Seit Jahren schon wird rumänienweit die Rückgängigmachung des seinerzeitigen „Verkaufs“ unter Parteikumpanen erfolglos gefordert.

Donnerstag, 10. Juni 2010

Jahrgangsübergreifendes Lenau-Treffen


Der Forumsabgeordnete Ovidiu Gant (links) war drei Jahre lang Direktor der Lenauschule. Mit auf dem Bild: Franz Quint, Vorsitzender des Vereins der Freunde der Lenauschule, und Lenauschulleiterin Helene Wolf
Foto: Zoltán Pázmány


200 Absolventen kamen in Temeswar zusammen

Von Andreea Oance
Es sind schon sieben Jahre vergangen, aber es fühlt sich an wie gestern. Beim Betreten der Schule habe ich das selbe komische Gefühl im Bauch, als wäre ich wieder einmal zu spät gekommen oder als würde eine Kontrollarbeit bevorstehen. Ich laufe die Treppen hoch. Die Fotos der Absolventen zieren die Wände im ersten Stock der Nikolau-Lenau-Schule in Temeswar/Timisoara. Die Korridore, die einst so riesig schienen, wirken nun schmaler und dunkler. Sogar der Raum, wo ich vier Jahre lang studiert habe, ist nun anders. Der ehemalige Saal 29 im zweiten Stock der Schule hat sich mittlerweile in einen Informatiksaal umgewandelt. In meine alte Bank kann ich mich nicht setzen, weil die Bänke nun anders gestellt sind, doch an meinen Platz, in der letzten Bank der mittleren Reihe, kann ich mich noch sehr gut erinnern.
Auf den Fluren der Schule ist es heute besonders viel Lärm. Zahlreiche Leute verschiedenen Alters schauen sich melancholisch um. Sie lächeln. „Hier war mal mein Klassenzimmer. Im Physiklabor habe ich zum ersten Mal entdeckt, dass ich Physik studieren möchte“, sagt Lenau-Absolventin Carlette Sandu (45). In der Lenauschule ist heute ein besonderes Ereignis: Nach vielen Jahren sind zahlreiche Absolventen verschiedener Generationen in die Schule gekommen, um für einen Tag wieder Schüler sein zu können. Das jahrgangsübergreifende Lenau-Treffen, das bis in den 90er Jahren in Deutschland veranstaltet wurde und im vergangenen Herbst wieder ins Leben gerufen wurde, kam nun zum ersten Mal nach vielen Jahren wieder „nach Hause“.
Im Festsaal der Schule versammeln sich die ehemaligen Lenau-Schüler. Maskenball, Chorproben, Theatervorführungen oder Preisverleihungen – der Saal lässt viele Erinnerungen wach werden. Wie nehmen Platz im sanierungsbedürftigen Raum. „1956! 1983! 2003! 2009!“: Im Saal erklingen die verschiedenen Abschlussjahre der Anwesenden. Über 200 Absolventen sind an diesem Tag in die Schule gekommen. Sie sind aufgeregt. „Diese Begegnung ist eine Ehrung aller Lehrer und aller Schüler, die uns geholfen haben, das zu werden, was wir heute sind“, sagt die ehemalige Lenau-Absolventin und nun Schulleiterin Helene Wolf. Dann wird es plötzlich still. Wesentlich aufgeregt hören sie die Grußworte der Ehrengäste an. Erstens die des Bürgermeisters Gheorghe Ciuhandu, selbst ehemaliger Lenauschüler, dann des Abgeordneten im rumänischen Parlament Ovidiu Gant, ehemaliger Lehrer und Schulleiter und schließlich des deutschen Konsuls in Temeswar Klaus Brennecke.„Ich habe seit der Abitur meine eigene Schule nie wieder betreten. In die Lenau komme ich immer gerne“, sagt der deutsche Konsul und fährt fort: „Es gibt wenige Schulen, die auf deren Tabellen einen Nobelpreisträger haben. Lenau hat einen: Herta Müller“.
Die ältesten Teilnehmer am Treffen sind die Vertreter des Jahrgangs 1956: der Hochschullehrer Peter Kottler und Günter Kappler, Ingenieur und Wissenschaftler. Günter Kappler ist Stifter des Preises „Elsa-Lucia-Kappler“. Der Preis trägt den Namen seiner Mutter, ehemalige Lenau-Schülerin, die zwischen den Jahren 1956-1960 Deutschlehrerin an der Schule gewesen ist. Sandrina Ban aus der 10. Klasse und Bianca-Lucia Gîju aus der 12. Klasse sind die diesjährigen Preisträgerinnen. Durch eine Spende von 1.000 Euro wurde für die Schule ein Beamer gekauft. „Ich bin 1960 ausgewandert. Seitdem bin ich nun zum ersten Mal wieder in Temeswar und in der Lenau. Dass die Tradition der Schule weitergeht, das macht mich sehr stolz“, sagt Günter Kappler. Mit einem Ehrendiplom wird Kappler vom Temeswarer Bürgermeister geehrt.
Die ehemaligen Lenauschüler möchten die Schule unterstützen. Dem ersten jahrgangsübergreifenden Treffen im November des vergangenen Jahres in Neusäß bei Augsburg wohnten insgesamt 400 Teilnehmer bei. Mit den Einnahmen des Neusäßer Treffens wird in diesem Sommer neues Parkett im Festsaal der Lenauschule gelegt. Mit Hilfe des Vereins der Freunde der Lenauschule e. V. wurden bereits mehrere Klassenräume neu möbliert. Auch die Renovierung einiger Interneträume erfolgte mit Unterstützung des Vereins.

Sprachdiplomverleihung in der Lenauschule

Drei Schülerinnen zählen zu den besten weltweit
Mit 94 von insgesamt 96 Punkten erzielte Bianca Gîju, Schülerin der „Nikolaus Lenau“-Schule in Temeswar/Timisoara, eines der besten Ergebnisse weltweit bei der Prüfung zum Deutschen Sprachdiplom Stufe 2. Weitere zwei Lenauschülerinnen erreichten in diesem Jahr hervorragende Resultate: Sie bestanden die Prüfung mit über 90 Punkten. „Ein solches Ergebnis erreicht man nur durch jahrelange Arbeit. Ich gratuliere euch. Damit gehört ihr zu den allerbesten aus der ganzen Welt“, beglückwünschte Thilo Herberholz, Fachschaftsberater für Deutsch, die Schülerinnen. „Ich habe viel von euch gelernt, mehr als ihr denkt. Und vielleicht viel mehr als ihr von mir gelernt habt. Danke für eure Geduld“, fügte der Lehrer hinzu.
46 der 58 Lenauschüler haben in diesem Jahr die Prüfung zum Deutschen Sprachdiplom bestanden, 25 davon haben in allen Bereichen das Höchstniveau C1 erreicht. Die zwölf Teilnehmer, die eigentlich nur bei der schriftlichen Prüfung durchgefallen sind, werden im Dezember noch einmal die Chance haben, die Prüfung anzutreten. Dieses Jahr mussten sich die Schüler bei der schriftlichen Prüfung mit dem Thema „Leistungssport“ auseinandersetzen. „Es war ein äußerst komisches Thema, zu dem man sich ziemlich schwer äußern konnte. Dies insbesondere deswegen, da in Rumänien der Leistungssport nicht so sehr entwickelt ist“, sagte Lenauschülerin Bernadetta Chisarau, die das Sprachdiplom mit 88 Punkten bestanden hat.
Die Urkunden zum Deutschen Sprachdiplom wurde vergangene Woche in feierlichem Rahmen von Dr. Rolf Willaredt, Fachberater für Westrumänien der Zentralstelle für Auslandsschulwesen (ZfA), und Klaus Brennecke, deutscher Konsul in Temeswar, überreicht. „Das Sprachdiplom ist ein großer Vorteil für diejenigen, die es in der Tasche haben. Die Schüler können damit in Deutschland studieren, ohne einen Sprachkurs besuchen zu müssen. Oder sie können sich bei Firmen anstellen lassen, die einen Sprachnachweis verlangen“, sagte Dr. Rolf Willaredt. Hervorgehoben wurde auch der Erfolg der Sprachdiplom-Prüfungen in Rumänien. „Rumänien hat, wie jedes Jahr, die besten Ergebnisse“, fügte Dr. Rolf Willaredt hinzu.
„Das Deutsche Sprachdiplom dient als pädagogisches Instrument zum Aufbau eines modernen Unterrichts und ist auch ein wichtiges Instrument zur Förderung der deutschen Sprache im Rahmen der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Ich gratuliere hiermit auch den guten und qualifizierten Lehrkräften, die den Unterricht leicht und attraktiv machen“, sagte Klaus Brennecke in seiner Begrüßungsrede. Die Schüler, die in allen Bereichen das Niveau C1 erreicht haben, haben auch einen Buchpreis bekommen. Alle Teilnehmer wurden mit weißen T-Shirts zur Fußballweltmeisterschaft seitens des deutschen Konsulats beschenkt.
Das Deutsche Sprachdiplom ist eine Sprachprüfung, die an deutschen Schulen im Ausland und an ausgewählten staatlichen Schulen in 67 Ländern abgelegt wird. Die Prüfung existiert seit über 30 Jahren. Mehr als 16.000 SchülerInnen aus über 800 Schulen nehmen jährlich an dieser Prüfung teil. Anbieter des Deutschen Sprachdiploms ist die Kultusministerkonferenz in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt und der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen.
Ana Saliste

Thilo Herberholz, Klaus Brennecke, Bianca Gîju und Rolf Willaredt bei der Sprachdiplomverleihung
Foto: Zoltán Pázmány

Ein Ticket für zwei Festivals

Gemeinsame Initiative von IRAF und Plai

ao. Temeswar - Mit einem Ticket zwei Festivals besuchen und dabei Geld sparen, das dachten sich zwei Temeswarer Kulturvereine aus. Hiermit soll die Teilnahme an verschiedenen Kulturveranstaltungen gefördert werden. Das International Romani Art Festival (IRAF), zwischen dem 22. und 25. Juli und das Plai-Festival, zwischen dem 10. und 12. Juli, haben eine Partnerschaft geschlossen und ein gemeinsames Ticket entworfen. Dieses kostet 100 Lei und kann seit vergangener Woche im Internet auf der Seite
www.bilete.ro bestellt oder in Juli beim IRAF gekauft werden. Insgesamt 45 Lei kann man somit ersparen. Getrennt kostet ein Abo beim IRAF für die drei Tage des Festivals 70 Lei und beim Plai 75 Lei. Das sogenannte „1 Ticket“ soll laut der Vertreterin des Plai-Festivals Andreea Iager ein Beispiel für alle Kulturveranstaltungen im westlichen Teil des Landes sein. „Das Publikum wird so die Möglichkeit haben, zu einem günstigen Preis mehrere kulturelle Ereignisse besuchen zu können“, sagt Andreea Iager. „Dies ist auch ein wichtiger Schritt zur Entwicklung einer richtigen Konkurrenz zwischen den verschiedenen kulturellen Veranstaltungen“, sagt Adrian Vochi]escu, Vorsitzender des Kulturvereins TURN.
Innerhalb der beiden Festivals in Temeswar/Timsoara werden über 250 kulturelle und künstlerische Ereignisse, darunter 21 Konzerte, stattfinden. Bekannte Namen der Musikindustrie weltweit werden daran teilnehmen, darunter: Misia, Trilok Gurtu, Christoph Pepe Auer beim Plai-Festival und Balkan Beat Box, Paco Peňa und Mitsoura beim IRAF.

Verschoben und verteuert

Voraussehbare „unvorhersehbare Ereignisse“ beim Parkhausbau
oi. Temeswar - Ursprünglich hieß es, dass die Temeswarer ihre Autos noch in diesem Sommer beim 700er Markt unterirdisch parken können. Darauf müssen die Autofahrer aber noch warten. Laut Liviu Barbu, Direktor der Verwaltung der Öffentlichen Domäne ADP, sind im Zeitraum, seit dem dies beschlossen wurde, verschiedene Probleme aufgetaucht, finanzieller oder gesetzlicher Natur.
Wenn anfangs gleich 17 Unternehmen sich an einer Mitarbeit an diesem Projekt interessiert zeigten, das durch eine öffentlich-private Partnerschaft zustande kommen sollte, ist letztendlich nur noch ein einziges Unternehmen übrig geblieben, das am Projekt teilnimmt. Constructim heißt die Firma, die auch tatsächlich Geld ins Projekt gesteckt hat, in Zusammenarbeit mit der Verwaltung der Öffentlichen Domäne ADP. Vom Stadtrat ist für den Bau des unterirdischen Parkhauses im Frühjahr des vergangenen Jahres grünes Licht gegeben worden, nach zehn Monaten sollte es, den damaligen Aussagen zufolge, fertiggestellt sein.
Ein Kuriosum in dieser Hinsicht ist, dass die Baugenehmigung erst vor ungefähr einem Monat erteilt wurde. Ein weiteres Problem stellen die falschen Berechnungen dar, die beim Bau der Finanzdirektion gemacht wurden. Dadurch sind 800 Quadratmeter, die für den Bau des Parkhauses vorgesehen waren, von der Finanzdirektion „verschluckt“ worden. Daher musste auf der letzten Plenarsitzung, ein Grundstück in der selben Größenordnung beim 700er Markt für den Bau des Parkhauses zur Verfügung gestellt werden. „Unvorhergesehene Ereignisse“ (die bei Bauarbeiten in Temeswar kein Novum darstellen) wie zum Beispiel die Verlegung eines Kabels, der nicht im Bauplan vorkam, lässt nun die Kosten von 5,2 auf 6,3 Millionen Euro anwachsen. Zurzeit arbeitet man bei der "nördlichen Baugrube", wo, laut Barbu, ein spezielles Fahrzeug aus Bukarest gebracht werden musste, wo spezielle Wände gegen das Grundwasser gebaut werden müssen. Da es ein unterirdischer Parkhaus ist, hätte jeder Laie mit dem Grundwasser rechnen müssen, in einer Stadt, die seit ihrer Entstehung mit Grundwasserproblemen zu kämpfen hat.
Laut Barbu könnten die Arbeiten noch in diesem Jahr fertiggestellt werden. Das Parkhaus soll 470 Parkplätze bieten.

Liviu Barbu (rechts im Bild) und Gheorghe Ciuhandu im vorigen Frühjahr, als es hieß, dass das unterirdische Parkhaus in zehn Monaten fertiggestellt sein würde.
Foto: Zoltán Pázmány

Taufen und Hochzeiten sollen in Erinnerung bleiben



Kleine Gläschen mit viel drin: Honig, Kaffeebohnen, Reis, Pfeffer oder Bonbons sollen in einem bunten Mix die Gäste überraschen.

Ein Blickfang: Handgemachte Gläschen als Andenken
Von Raluca Nelepcu

Sie sind klein, aber oho! Auf dem dunkelbraunen Holztisch stehen acht bunte Gläschen, jedes mit etwas anderem gefüllt: mit Honig, Kaffeebohnen, Reis und Pfeffer, mit Bonbons und bunten Streuseln. Die Objekte sind normaler Weise zum Mitnehmen, doch heute darf ich sie nur betrachten. Die handgemachten Gläschen haben nämlich eine ganz andere Bestimmung: Sie stehen bei Hochzeiten und Tauffeiern auf den Tischen und können von den Gästen als kleine Erinnerung an das Ereignis mitgenommen werden. Auf die Idee, kleine Andenken für besondere Anlässe von Hand herzustellen, sind zwei junge Frauen aus Temeswar/Timisoara gekommen: Die Wirtschaftswissenschaftlerin Ana Maria Negovan (24) und die Journalistin Olivera Carson (26) wollen das Business mit den Gästegeschenken demnächst ausbauen.


Ana Maria Negovan (links) und Olivera Carson stellen Andenken für besondere Anlässe her.
Fotos: Zoltán Pázmány
Ein faires Geschäft
Schon lange hatten die zwei Freundinnen gegrübelt, was für ein privates Geschäft sie trotz schwieriger konjunktureller Bedingungen gründen könnten. Ihnen kam ursprünglich nichts in den Sinn. Bis Ana Maria Negovan plötzlich ein Licht aufging. Die junge Frau feiert nämlich im November Hochzeit und möchte ihren Gästen ein kleines Dankeschön zum Schluss der Feier mitgeben. Die kleinen Gläser mit Honig, auf denen die Namen des Brautpaares stehen, werden auch von diversen Eventveranstaltern angeboten, allerdings „zu unverschämten Preisen“, sind sich die beiden Freundinnen einig. „Rund zehn Lei kostet ein solches Gläschen mit Honig. Bei 200 Gästen zahlt man bis zu 2000 Lei, das ist enorm“, sagt Ana Maria Negovan. Sie nahm sich vor, die Gläschen selber anzufertigen. Zusammen mit ihrer Freundin Olivera erkundigte sie sich, was sie für die Herstellung der Andenken benötigt. „Wir wollen ein faires Business machen und nicht die Kunden schröpfen“, sagt die Journalistin.
Allmählich wurde aus der ursprünglichen Idee mehr: In die Gläser können verschiedene Füllungen kommen, die den Wünschen der Kunden entsprechen und gleichzeitig ein Blickfang sind. Die Preise für die handgemachten Andenken sind gering im Vergleich zum derzeit bestehenden Angebot: 3,5 bis 4 Lei das Gläschen. „Auch bei diesen Preisen erzielen wir einen guten Gewinn“, verrät Olivera Carson.
Die kleinen Andenken, die zu verschiedenen Veranstaltungen den Gästen verschenkt werden, sind, wie gesagt, keine neue Erfindung. Die ersten derartigen Erinnerungen wurden im Altertum von Adeligen verschenkt. Es waren verzierte Bonbonbehälter aus Kristall oder Porzellan mit Kandiszucker oder anderen Füllungen, die das Wohlergehen und den sozialen Status der betreffenden Person symbolisierten. Zucker war seinerzeit nämlich ein Luxusprodukt. Im Laufe der Zeit wurden die Bonbonbehälter durch Schachteln mit Mandeln ersetzt. Im 13. Jahrhundert verschenkte das Ehepaar gezuckerte Mandeln. Fünf Mandeln wurden in eine kleine Box gesteckt und an die Gäste verschenkt. Sie sollten die Fruchtbarkeit, Langlebigkeit, das Wohlergehen, die Gesundheit und das Glück symbolisieren. Die Kombination von Bitter und Süß sollte als Sinnbild für das Eheleben, mit süßen und bitteren Momenten, verstanden werden.

Individuelle Andenken
Hochzeitsandenken verschenken, das war bis vor zwei-drei Jahren noch Neuland in Rumänien. Niemand hatte damals auch nur daran gedacht, die Gäste mit einem kleinen Geschenk zu überraschen. Säckchen mit Bonbons lagen am Anfang auf den Tischen, die aß man schnell während der Feier und das Andenken war damit auch weg.
Nun wünschen sich die frisch Verheirateten, dass sich auch Freunde und Familie ab und zu an den schönsten Tag in ihrem Leben erinnern können. Die Füllung wird nicht gleich vernascht und wenn schon, dann bleibt zumindest das schicke Gläschen als Andenken übrig. Ana Maria Negovan und Olivera Carson bestellen die Gläschen aus Klausenburg/Cluj-Napoca. Das Etikett gestalten sie im Bilderbearbeitungsprogramm Photoshop. Für die Füllung haben die beiden schon einige Vorschläge auf Lager, aber vor allem der Kunde selbst soll in diesem Fall das Sagen haben. „Wir wollen individuelle Andenken schaffen. Das Objekt soll das junge Brautpaar charakterisieren“, erklärt Olivera Carson. Zu den Modellen, die sie entworfen haben, gehören „Honey, are you nuts?“ – ein Gläschen mit Honig- und Nussfüllung, sowie „Homemade sweetheart“ mit der Lieblingskonfitüre des Brautpaares. Die Ideen präsentieren sie auf ihrem Blog
http://borcanele.wordpress.com.
Zurzeit erforschen die beiden Freundinnen den Markt. Anfragen haben sie schon bekommen, doch eine konkrete Bestellung trudelte bislang noch nicht ein. „Wir wollen vor allem direkt mit Privatpersonen in Kontakt treten und nicht mit Firmen, die dann unsere Andenken teurer an die Kunden weiterverkaufen“, sagt Ana Maria Negovan. Die zwei Freundinnen beabsichtigen demnächst, eine eigene Firma zu gründen. „Wir würden gerne eine Veranstaltungsagentur betreiben“, verrät Olivera Carson.

Tiere und Landwirtschaftsgeräte

Die Kinder freuten sich der ausgestellten Tiere.


Zum Anschauen schön, zum Kaufen unerschwinglich: Traktoren und Mähdrescher
Fotos: Zoltán Pázmány

Für Landwirte waren die Preise unerschwinglich
oi. Temeswar - Wo man hinsah, waren es am vor allem die Kinder, die sich an den ausgestellten Tieren erfreuten. Alldies bei der Messe „Timagralim“, die in diesen Tagen in Temeswar/Timisoara abgehalten wurde. Die Kinder konnten unter anderem beim Kuhmelken oder bei verschiedenen Kutschfahrt-Vorführungen zusehen. Zuchtpferde oder Ponys, Schafe oder Hasen zogen die Blicke auf sich.
Andere waren an den verschiedenen Vogelarten interessiert: Sei es Fasanen oder kleineres Gefleucht, von Tauben und Papageien angefangen bis hin zu Wachteln. Rund um ein hier angebrachtes Becken, in dem drei Störe schwammen, gab es auch reges Interesse. Nach wie vielen Jahren gibt es die erste „Kaviarernte“, wie schwer können die Fische werden? „Sieben Jahre alt müssen die Störe werden, um den Kaviar zu ernten. In Gefangenschaft werden sie bis zu 20 Kilogramm schwer, in der freien Wildbahn können sie sogar 100 Kilogramm erreichen“, so der junge Fischzüchter.
Die Messe fand in diesem Jahr an zwei Orten statt: Auf dem Gelände der Landwirtschatsuniversität „Banatul“ und beim Regionalen Geschäftszentrum CRAFT. In Zusammenarbeit mit den Gesellschaften der Viehzüchter und der Landwirte wurden Tiere verschiedener Rassen und jede Menge Geräte für die Bewirtschaftung der Felder ausgestellt.
Bei der Messe nahmen Unternehmen aus Deutschland, Ungarn, Serbien und Rumänien teil. Auf einer überdachten Fläche von 1.600 Quadratmeter und auf 2.500 Quadratmeter Außenflächen stellten 75 Unternehmen ihre Produkte aus.
Tiere, Tiererzeugnisse und Geräte konnten auch erworben werden. Sei es Hasen, Papageien, Honig oder Milch. Für Feinschmecker standen auch Wachteln und Wachteleier (eines kostete 0,35 Lei) im Angebot. Falls die Landwirte hier größere Geräte für die Felderbewirtschaftung kaufen wollten, gingen sie eher etwas enttäuscht davon. Nicht weil es kein reichhaltiges Angebot gegeben hätte, oder weil die Qualität zu wünschen übrig gelassen hätte. Es waren die Preise, die die meisten potenziellen Käufer abschreckten: Zwischen 150.000 und 300.000 Euro kosteten verschieden Traktoren und Mähdrescher. Auch bei anderen Geräten waren die Preise für die Landwirte kaum erschwinglicher. Zwischen 30.000 und 60.000 Euro wurde für einen Pflug, eine Sämaschine oder eine Heupresse verlangt. Für einen Landwirt, der seine 50 Hektar bewirtschaftet, ist es kaum erschwinglich, derart viel für ein einziges Gerät zu bezahlen. Worüber auch noch geklagt wurde waren die Schwierigkeiten, die auftauchen, falls man von der Bank, als Landwirt, einen Kredit beantragen will. „An EU-Gelder heranzukommen ist ebenfalls schwierig. Und jetzt sollen auch noch die Subventionen gestrichen werden“, klagte ein Temescher Landwirt. Er stand nicht alleine ziemlich belämmert da.