Von dem Presserummel gestört: Einige Roma wollten nicht gefilmt werden.Fotos: Zoltán Pázmány
Roma aus Frankreich auf Kurzurlaub in Rumänien
Von Olivian Ieremiciu
Temeswar, Freitagnachmittag. Das Flugzeug ist gelandet. „Wieso ist die ganze Presse und die Polizei hier?“, fragen einige Fluggäste anderer Linien, die gerade aus dem Urlaub kommen. „Oh ja, klar“. So die meisten, nachdem man ihnen erklärt, dass gerade 124 Roma, aus Frankreich kommend, gelandet sind. Der französische Staat beschenkte jeden erwachsenen Roma, der freiwillig das Land verlassen und ins Heimatland zurückgekehrt ist, mit 300 Euro. Für jeden Minderjährigen wurden 100 Euro ausgezahlt.
Ob es der Presserummel war, die Hitze oder gar ein bisschen Unmut über die Rückkehr nach Rumänien: Einige der Roma zeigten sich extrem aggressiv, schimpften, spuckten, nach einem Kameramann des Nachrichtensenders Realitatea TV wurde mit einem Stück Salami geworfen. Auf die Frage, woher sie denn kommen, da sie sich so aufführen, kam prompt die Antwort: „Aus dem Dschungel“. Ein Großteil zeigte sich jedoch den Medien gegenüber etwas wohlgesinnter und antwortete artig auf die Fragen der Journalisten. „Ihr provoziert sie doch bloß“, klagte vorwurfsvoll ein Verantwortlicher einer regierungsunabhängigen Organisation für die Romaintegration. Da sich die Medien auf jeden ausgecheckten Fluggast stürzten, war die Aussage auch irgendwie verständlich.
„Für den Urlaubsmonat August stellt der französische Staat den willigen Roma 300 Euro für Erwachsene und 100 Euro für Kinder zur Verfügung, um in ihre Heimatländer zurückzukehren. Ein Flug wird ebenfalls unentgeltlich zur Verfügung gestellt“. Wenn so die Werbung eines Reiseunternehmens lauten würde, wären nicht wenige sofort empört, dass die Reiseanbieter diskriminierend vorgehen: In diesem Fall würden sich jedoch diejenigen diskriminiert fühlen, die nicht der Roma-Abstammung sind.
Dass es sich für die Neuankömmlinge in der alten Heimat um einen Kurztrip handelt, geben die meisten der Neuankömmlinge gerne zu: „Ich bleibe ein paar Tage und kehre nach Frankreich zurück“, sagte einer der Befragten. Ein anderer hat es noch eiliger: „Ich setze mich sofort ins Auto und weg bin ich“, sagte dieser. Dass sie es auch ernst meinen, wurde nach der Ausfahrt aus dem Temeswarer Flughafen „Traian Vuia“ deutlich. Nachdem die Roma in die Busse eingestiegen waren, die ihnen für die Fahrt zur Verfügung gestellt wurden, fuhren viele nur einige Meter, bis hinter die Schranke des Flughafenparkplatzes. Hier stiegen sie um. In Fahrzeuge von Freunden und Verwandten: Alle mit französischen und italienischen Kennzeichen...
Wieso sie nicht in Rumänien bleiben möchten? „Hier sterbe ich den Hungertod. Die Franzosen sind viel besser und spendabler“, so eine Romnia mittleren Alters. „Wir haben keine Arbeit und niemand stellt uns ein, weil wir Zigeuner sind“, klagte ein „Rückkehrer“. Wie die Roma die Diskriminierungsschiene europaweit fahren, erzählte George Schopflin, Europaabgeordeneter aus den Reihen der ungarischen Fidesz-Partei für die rumänische Tageszeitung EVZ. Roma kamen laut Schopflin in England an und beantragten Asyl. Der Grund: Diskriminierung und Verfolgung in den Heimatländern. „Selbstverständlich gewähren wir euch Asyl“, lautete die Antwort der britischen Regierung. Einige Monate später: die selben Roma, wieder bei der Asylbeantragung. „Ihr wart weg? Wo kommt ihr denn her?“, lautete die wohl berechtigte Frage der Briten. „Wir waren zu Hause, um Weihnachten zu feiern“, so die Antwort der in den „Heimatländern Verfolgten“.
Großgeschrieben und breitgetreten wird das Wort „Integration“. Was das genau heißt und wie es vonstatten gehen soll? Auf diese Frage folgt meist ein Schulterzucken oder, bestenfalls, ein paar vage, theoretische Erklärungsversuche. Viel in dieser Richtung ist in Rumänien jedenfalls nicht geschehen. Und wie es weitergehen soll mit der Integration der Roma, ist auch fraglich. Fest steht, dass beim Ankommen einer anderen Kultur und Mentalität die Verantwortlichen (europaweit, nicht nur in Rumänien) keine Lösungen finden. Paradebeispiel Frankreich 2010.