Beim Rundgang durch die Temeswarer Gedenkstätte der Revolution fällt ein eingerahmtes Foto auf. Ein Loch ist in der Mitte des Glases zu sehen, genau vor dem Herzen des Kindes. Im Bild: Ein zweijähriges Mädchen, das während der Revolution in Temeswar/Timisoara erschossen wurde. Sie zählt zu den rund 100 Toten, die in der Stadt an der Bega für Freiheit und Demokratie im Dezember 1989 sterben mussten. Gleich daneben, ein Foto mit einem erschossenen LKW-Fahrer aus Ungarn, der mit Lebensmittelhilfen aus dem Nachbarland gekommen war. Er starb an einem Kopfschuss.

Zum Anlass des 20. Jahrestags der Revolution und im Gedenken an die Verstorbenen und Verletzen, die 1989 für das Ideal der Freiheit ihr Leben opferten, wurde vor Kurzem im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus und im Temeswarer Revolutionsmemorial eine zweitägige Tagung veranstaltet. Buchvorstellungen, Fotoausstellungen, Filmprojektionen und Diskussionen standen auf dem Programm.
„Mit dieser Tagung wollen wir eine Hommage sowohl für alle Opfer bringen, als auch den Kollegen, die sich um die Gedenkstätte der Revolution kümmern“, sagte Ana Blandiana, Lyrikerin und Präsidentin der Stiftung „Academia Civica“ sowie Vorsitzende der Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus in Sighetul Marmatei.
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe kamen, unter anderen, auch László Tökés, Mitglied im Europäischen Parlament, die Politikwissenschaftlerin Anneli Ute Gabanyi, der französische Historiker Stéphane Courtois und der rumänische Journalist Petre Mihai Bacanu zu Wort. Während Anneli Ute Gabanyi über „ex-postkommunistische Aspekte und Entwicklungen in Deutschland und in Rumänien“ sprach, hielt der französische Historiker eine Rede über die politischen Agenten in Russland, in Tschechien und über die heutige Auffassung des Kommunismus in verschiedenen Staaten. „Wir haben eine tragische Erinnerung an das kommunistische Regime. Es gibt aber viele, die ein gloriöses Gedenken an den Kommunismus entwickeln. Ein solcher Fall ist, zum Beispiel, Russland. Wir haben noch negativistische Historiker, die alles verneinen, was die Kommunisten angerichtet haben. Wir müssen uns dessen bewusst werden“, schlußfolgert Stéphane Courtois. Der Journalist und Dissident Petre Mihai Bacanu sprach über seine Gefängnisjahre und über die Presse im kommunistischen Regime, die sich zu einer „Mauer, die die Welt von der Wahrheit trennte“ entwickelte. „Der größte Besitzer der Presse war damals die kommunistische Partei. Die Lyrikerin Ana Blandiana und die Dissidentin Doinea Cornea zählten damals zu den größten Vertreterinnen der Freiheit“, sagte Bacanu auf der Tagung. „Ich danke Temeswar, ich danke den Temeswarern, dass sie den Aufstand durchgeführt haben“, fügte er noch hinzu.
Fotoausstellung „Solidarisch mit Rumänien“Der Regisseur Sorin Iliesiu stellte zwei seiner Kurzfilme über die Revolte der Bergarbeiter (die „Mineriaden“) im Jahre 1995 vor und wie diese von ausländischen Medien präsentiert wurden. Projiziert wurde auch ein Film der TV-Produzentin Lucia Hossu-Longin über den Temeswarer Journalisten Iosif Costinas, der unter myteriösen Umständen ermordert wurde. „Der Film ist eine Hommage an den Temeswarer Journalisten. Er war eine harte Nuss bei der Untersuchung der Revolution, ständig auf der Suche nach der Wahrheit. 2005 habe ich den Präsidenten Traian Basescu gebeten, dass die Gerichtsakte Costinas nicht geschlossen wird. Dies ist aber nicht geschehen...“, sagte Lucia Hossu-Longin. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe fand auch die Vernissage der Fotoausstellung „Solidarisch mit Rumänien“ statt. Hauptveranstalter der Schau war das Polnische Institut in Bukarest. Der Historiker Stéphane Courtois hat im Rahmen der Tagung sein Buch „Der blinde Fleck des europäischen Gedächtnisses“ vorgestellt. Im Anschluss an die Veranstaltungsreihe wurde der Film „Wir sterben nicht“ des Regisseurs Gabriel Burza ausgestrahlt.
Fotos: Zoltán Pázmány






