Mittwoch, 9. September 2009

Kurort in Kirchweihstimmung


Busiascher Trachtenpaare empfingen dreifachen Segen



Josef Kanton organisierte auch in diesem Jahr ein gelungenes Kirchweihfest.


Das Kirchweihfest in Busiasch/Buzias wurde am ersten September-Wochenende innerhalb der Busiascher Stadttage gefeiert. Wie schon zur Tradition geworden, hielt das Fest mehrere Tage lang an und wurde seitens des Demokratischen Forums der Deutschen in Busiasch und der römisch-katholischen Kirche in die Wege geleitet. Die Kirche feierte in diesem Jahr ihr 135. Jubiläum, sie wurde 1874 eingeweiht.



18 Kinderpaare standen an der Spitze des Kirchweihzugs.


Josef Kanton, Forumsvorsitzender, ist bemüht, jährlich neue Elemente einzuführen. Und es war ein Stadtfest für alle Bewohner und auch für die Kurgäste. Zu den Programmpunkten zählten: Prozession zum Friedhof und Kranzniederlegung, Aufstellen des Kirchweihbaumes, Einladen der Ehrengäste, Trachtenumzug, Gottesdienst und Segen in der römisch-katholischen Kirche sowie in den beiden orthodoxen Kirchen, Trachtenparade im Schulhof, Strauß- und Bockversteigerung, Kirchweihball. Als Besonderheit kann angeführt werden, dass die Trachtenpaare in Busiasch sowohl in der römisch-katholischen als auch in den beiden orthodoxen Kirchen den Segen empfangen. Und zwei Tage darauf, am 8. September zu Maria Geburt, wenn die rumänische „Ruga“ stattfindet, ziehen die Trachtenpaare in alle drei Gotteshäuser ein.



Das Vortänzerpaar begrüßt die Busiascher, die sich im Schulhof versammelt haben.


Das schwäbische Trachtenkleid, in Busiasch nicht einheitlich, sondern ein bunter Trachtenreigen, legten am Kirchweihsonntag die deutschen, ungarischen und rumänischen Jugendlichen an. Den Trachtenzug, bestehend aus 38 Paaren, führten stolze Kinderpaare an.



Jede Mädchentracht konnte in einer anderen Farbe bestaunt werden. Die Trachten wurden nach Modellen aus den umliegenden Ortschaften wie Bakowa/Bacova und Nitzkydorf/Nitchidorf nachgenäht und werden jährlich an andere Teilnehmer ausgeliehen. Die Buben tragen geschmückte Hüte mit vielfarbigen Bändern, auf der rechten Brustseite prangt ein Sträußchen, „Janklstrauß“ genannt, und in Händen trägt jeder Kirchweihbursche eine bebänderte gefüllte Weinflasche, daraus wird die edle Sorte den Zuschauern zum Kosten angeboten, das heißt, sie werden zum Fest eingeladen.




Bemerkenswert war der Einzug der Kirchweihpaare in das Busiascher Rathaus. Bürgermeister Viorel Alger Ilas sowie der gesamte Stadtrat wurden eingeladen. Bürgermeister Ilas durfte am Arm der Vortänzerin am Trachtenaufmarsch teilnehmen, er trug sogar den Kirchweihhut.




Dem Fest wohnte der DFDR-Abgeordnete Ovidiu Gant bei. „Ich sehe eine Parallele zu den deutschen Schulen, diese sind nicht mehr Schulen der Deutschen oder für Deutsche, sie sind für die ganze Gemeinschaft, die ihre Kinder in diese Schulen schicken möchten, da. Das Gleiche, was die Kerwei betrifft. Ein Auge weint, das andere lacht. Wir wissen ja alle, dass es kaum noch Schwaben im Banat gibt. Doch wenn man bedenkt, dass die Kinder und Jugendlichen schwäbische Tänze lernen, im Trachtenkleid auftreten, auch wenn sie keine Schwaben sind, ist dies erfreulich. Es ist ein schöner Tag für Busiasch, die Tradition wird aufrechterhalten und weitergeführt“, sagte Ovidiu Gant.

Helen Alba


Fotos: Raluca Nelepcu

Herausforderung auf modernen Stelzen


Extremsportler fordert die Temeswarer zur Bewegung auf/ Von Andreea Oance


Eine neue große Herausforderung plant der Sportler Stefan Cojocnean in Temeswar/Timisoara: Der vierfache Weltmeister in Extremsport möchte die Eltern überzeugen, wie wichtig es ist, die Kinder für Sport zu begeistern und ihnen keine Sportart zu verbieten. Eine Veranstaltung zur Förderung der Bewegung hat er bereits zum zweiten Mal in Temeswar in die Wege geleitet. Sport soll auch Spaß machen – das ist die Devise. Dafür hat der Temeswarer Sportler Kinder und Jugendliche auf dem Parkplatz der Iulius Mall eingeladen, ihre Grenzen zu überwinden und somit die modernen Stelzen auszuprobieren.

Nach der ersten Auflage der Bewegungsförderung im August wurden nun zwei Tage der „Herausforderung“ am vergangenen Wochenende gewidmet. Mehr als hundert Temeswarer kamen am Freitag und Samstag vor die Mall, um die modernen Stelzen zu testen. „Egal, ob einfach nur auf Stelzen gehen, laufen, Fußball spielen oder Kampfsport treiben, alle vertrauten uns und auch wenn sie manchmal von den Stelzen stürzten, alle wieder standen auf und machten weiter“, erzählt Stefan Cojocnean. Die Interessenten wurden Schritt für Schritt von Trainern beobachtet und eingeschult.

Die Bewegung auf modernen Stelzen ist sehr gesund, meint der Sportler Cojocnean. Diese sind sehr effizient beim Abnehmen und sehr gesund für Gelenke und Muskeln. Das Projekt „Bewegungsförderung auf modernen Stelzen“ geht auch in naher Zukunft weiter. Cojocnean plant in diesem Herbst eine ähnliche Veranstaltung auch für die Schüler des deutschen Adam-Müller-Guttenbrunn-Lyzeums in Arad.

Stefan Cojocnean hat in diesem Jahr zwei neue Weltrekorde in Dachau gebrochen, indem er zwei Meilen auf Stelzen in 14 Minuten 4 Sekunden gelaufen ist. Ihm gelang auch das, was kein anderer Sportler bisher geschafft hatte: 100 Meter auf Stelzen laufen, dabei sprang er gleichzeitig Seil - 26 Seilsprünge - mit einem Timing von 21,38 Sekunden. Cojocnean hofft, dass durch seine Veranstaltungen die Menschen auf die modernen Stelzen aufmerksam werden. Künftig möchte er einen neuen Weltrekord brechen: 100 Menschen dazu bringen, gleichzeitig auf Stelzen zu rennen. Dieser Rekord soll ins Guiness Book eingetragen werden.


Die Temeswarer lernten am Wochenende das Gehen auf Stelzen.

Foto: privat

Ein Herz für den Garten


Tag des Botanischen Gartens in Temeswar


Wie wichtig für die Stadt und seine Bewohner heute, wie nie zuvor, jeder Handbreit der grünen Stadtlunge geworden ist, versuchte die Temeswarer Kommunalverwaltung gemeinsam mit dem Verein für Lebensqualität Temeswar, am letzten Wochenende den Temeswarern mit der Veranstaltung eines Tages des Botanischen Gartens vor Augen zu führen. Weitere Partner des Events am vorigen Samstag von 11 bis 19 Uhr abends in einem der beliebtesten Grünzonen in der Stadtmitte waren Ozz Production, Therapie durch Kunst und Ena Design. So konnten die Teilnehmer, jung und alt, an einer ausführlichen Präsentation des Gartens, mit unentgeltlicher Führung, teilnehmen. Veranstaltet wurden verschiedene open-air-Kunstateliers mit Beteiligung von Berufs- und Amateurkünstlern, eine Ästhetik-Werkstätte "Zurück zur Natur" sowie ein Orientierungsspiel für Kinder "Auf der Suche nach dem geheimnisvollen Baum". Zu besichtigen war desgleichen eine Ausstellung mit Keramikgegenständen von jungen Temeswarer Künstlern. Während des ganzen Tages wurden an Verkaufsständen Kunstgegenstände, Bücher, ökologisches Spielzeug und Kleidung zum Verkauf angeboten. Zum Abschluss wurden die Sieger der verschiedenen Wettbewerbe und Ateliers mit Preisen und Diploms bedacht.

Bekanntlich ist der Botanische Garten in Temeswar zum Leidwesen vieler Temeswarer und Naturliebhaber seit Kurzem nicht mehr Naturschutzzone, der diesbezügliche Beschluss stammt vom Temescher Kreisrat. Laut Vizebürgermeister Adrian Orza wird die Stadt diesen wertvollen Park trotz diesem Beschluss und allen Unkenrufen über seine Freigabe auf dem Immobilienmarkt nicht aufgeben. Es wird versichert: diese Grünzone soll jedenfalls nicht in die Hände der Immobilienhaie fallen, der Park soll gemäß eines neuen Stadtprojekts mit EU-Finanzierung wiederbelebt und zu einem richtigen Botanischen Garten umgewandelt werden. Zwecks Einführung tropischer Flora sollen demnächst Glashäuser und ein Verwaltungsgebäude errichtet werden. Eingeplant ist u.a. auch ein Teehaus auf der Insel des Japanischen Gartens.Laut Vizebürgermeister Orza könnte das Projekt nach Genehmigung der EU-Mitteln in maximal einem Jahr verwirklicht werden. Die Machbarkeitsstudie wurde schon 2007 vom Stadtrat genehmigt. Der Park existiert auf der Stadtkarte schon seit 1936. 1959, nach Abzug der sowjetischen Besatzungstruppen, wurde der Park mit einer Gesamtfläche von 97.895 Quadratmetern vom städtischen Gartenbaubetrieb übernommen. Das Projekt für den Park wurde von der Temeswarer Architektin Silvia Grumeza entworfen. Die heutige Struktur erhielt der Park 1986-1990. Es wurden folgende Sektoren auf 9,8 Hektar eingerichtet, die an die Flora verschiedener Erdteile erinnern sollten: Zierpflanzen (1,6 Hektar), Flora und Vegetation Rumäniens (2,4 ), Mittelmeerflora (0,6), Flora Amerikas (1,8), Flora Asiens (1) mit dem Untersektor Japanischer Garten, systematischer Planzensektor (0,7), Heilpflanzen (0,25), tropische Flora-Glashäuser (0,10).

Von den 1000 Pflanzenarten sind in dem verwahrlosten Park nur mehr etwas über 218 Arten übriggeblieben.

Balthasar Waitz



So gepflegt und einladend erscheint leider nicht jeder Fleck im Botanischen Garten

Foto: Zoltán Pázmány

Sammy und der Balkan

Das FBI verzeichnet in seinen Archiven 28 Morde an Mitgliedern der Cosa Nostra, die Sammy Gravano, gegannt „der Stier“, begangen hat im Auftrag von John Gotti, dem Paten des Gambino Clans. Alle Morde, die Sammy Gravano zugeschrieben werden – und die er auch zugegeben hat, sie begangen zu haben – waren besonders grausam. Allerdings: die Polizei vermutet bis heute, dass Gravano viel mehr Morde begangen hat als zugegeben – man geht von über hundert aus.

Ein unverzichtbares Mordinstrument Sammy Gravanos war die „sizilianische Krawatte“, die dünne Drahtschlinge, die von hinten dem Opfer um den Hals gelegt und langsam zugezogen wird. Im Falle Gravanos: oft bis der Kopf vom Körper getrennt wurde. Zwischendurch ließ er sich diverseste Methoden der Quälerei des Opfers einfallen, um den Tod hinauszuzögern und die Todesqual zu verlängern. Alldas ist akribisch in den FBI-Archiven aufgrund der Aussagen Gravanos dokumentiert. Seine Opfer waren mehr oder weniger bedeutende Mitglieder von Mafia-Clans.

Als Sammy Gravano spürte, dass sich ihm selber die „sizilianische Schlinge“ bedrohlich näherte, kontaktierte er die Polizei und forderte, in ein Schutzprogramm aufgenommen zu werden. Im Gegenzug versprach er, auszupacken. Gegen seinen Clanchef, John Gotti.

Verhör vor Gericht: „Warum hast du diese Menschen getötet?“„Weil man mir sie gezeigt hat." „Warum hast du sie erst gemartert?" „Die haben immer gut gelebt. Es war wichtig, dass sie sich erst mal dessen bewusst werden, was sie verlieren.“ „Bedauerst du deine Taten?“ „Nein. Amerika und den Amerikanern geht es besser ohne sie.“

Die geschätzten Profite der amerikanischen Mafia übertrafen in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts um glatt das Vierfache den Reinertrag des damals größten amerikanischen Konzerns, Exxon. Dieser meldete in den 90er Jahren Reingewinne um die 80 Milliarden Dollar pro Jahr. Wirtschaftswissenschaftler deuten die vierfach höheren Gewinne der amerikanischen Cosa Nostra auch als Resultat der strafferen, undemokratischeren Organisation und der brutalen Unnachgiebigkeit, dem Fleiß des „kriminellen Managements“ mit der sie ihre „Geschäfte“ durchzogen.

Ähnlich funktioniert es bei uns. Nur balkanisch abgemildert und verwässert, kaum leistungsorientiert, ohne Fleiß. Zentrale, regionale, kreisliche und lokale Parteienfamilien haben sich festgekrallt am Staat, den sie leersaugen, dem Bürger Gebühren, Steuern aufbrummen, das Rechtssystem in der Westentasche halten, Profite unter sich aufteilen, sich im Fernsehen prostituieren und dem Wählervolk Rauschmittel verteilen, wenn der Wahlkampf kommt. Korruption und Schieberei, Spitzel und Geheimagenten, Schläger und die demokratischgen Vertretungen sowie die Gerichte – alles in einer Hand. Was fehlt? Die Legislativ-Kraft. So gesehen: Sammy, der die Befehle seiner Herrn durchführt, dass es Amerika besser geht ohne sie...

Werner Kremm