Mittwoch, 18. November 2009

Angehende Politikwissenschaftler - Infos über ADZ/BZ





Die Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien kannten die meisten Studenten der deutschen Abteilung für Politikwissenschaften an der West-Uni in Temeswar. Viele jedoch nur vom Hörensagen. Am Dienstag konnten sie innerhalb einer Vorlesung mehr darüber erfahren. Auf Einladung von DAAD-Lektorin Tanja Becker kamen Siegfried Thiel und Raluca Nelepcu in die West-Uni, um die Zeitung vorzustellen und über den Journalistenberuf zu sprechen. Außerdem machten sie den Studenten ein Praktikumsangebot. Kollegin Andreea Oance war mit der Fotokamera dabei.

„Norigramme. Farbstücke in der Noris“

Der Künstler Diet Sayler stellt in Temeswar aus

„Farbe ist Freiheit“ heißt es für Diet Sayler erst Jahre nach seiner Auswanderung. Zunächst sind seine Werke nur von Schwarz und Weiß geprägt. Denn in den 70ern, als der Künstler von der Securitate verfolgt wird, kann er das Leben nicht mehr in Farben sehen. Auch nicht in Deutschland, wohin er 1973 auswandert. Erst 1989, nach mehreren Italienreisen, entdeckt der Künstler die Farbe wieder und lässt sie schrittweise in sein Werk einfließen. „Es war kein Zufall, dass ich die Farbe wieder entdeckte. Es war in der gleichen Zeit, als auch die rumänische Revolution stattfand“, sagt Diet Sayler mit traurigem Lächeln.
Diet Sayler stellt sein Buch „Die Malerei lügt nicht” vor.
Foto: Zoltán Pázmány

Farbig und etwas melancholisch sind nun seine Fotos, die zurzeit in der Temeswarer Kulturstiftung „Triade“ (Martirilor-Straße Nr. 51/45) ausgestellt sind. „Norigramme“ nennt sich die Fotoausstellung. Eine Ausstellung, die ein Bild der deutschen Stadt Nürnberg, wo Sayler seit 1973 lebt, schafft. Ein Einblick mittels monochromen Formen - diesmal jener des Fotografen (und nicht des Malers) Diet Sayler. „Noris ist der lateinische Name für Nürnberg und ´(en)gramm´ heißt Gedächtnisspur“, erläutert der Künstler. Die Vernissage der Ausstellung fand am Sonntag, dem 15. November, statt. Die Bilder haben bewusst keinen Titel. „Jeder soll sich dabei etwas ausdenken können, wenn er sie betrachtet“, sagt Sorina Jecza, Leiterin der Stiftung.
Kuratoren der Ausstellung waren Ileana Pintilie, Livius Ciocârlie und Marcel Tolcea. Aus diesem Anlass wurde auch das Buch „Norigramme. Farbstücke in der Noris. Mit 33 Epigrammen von Godehard Schramm“ vorgestellt. „Eigentlich ist die Fotoausstellung mehr eine Begleitung fürs Buch”, sagt Diet Sayler, der im nächsten Jahr eine umfangreiche Malereiausstellung im Temeswarer Kunstmuseum plant. „Ich konnte jetzt nicht meine Malereien bringen, da diese sehr groß sind und es zu teuer gewesen wäre. Sie werden im nächsten Jahr im Kunstmuseum zu sehen sein”, verspricht er. Die Schau in der Triade-Stiftung kann bis am 9. Dezember besichtigt werden. Auch die Monographie „Diet Sayler. La pittura non mente / Painting does not lie” („Diet Sayler. Die Malerei lügt nicht”) ist in der Stiftung zu finden. Das Buch stellt einen retrospektiven Querschnitt durch das Werk Diet Saylers seit der 1960er Jahre bis 2009 dar.
Diet Sayler ist 1939 in Temeswar/Timi{oara geboren und aufgewachsen. 1973 wandert er nach Deutschland aus. Von 1992 bis 2005 ist er Professor an der Kunstakademie in Nürnberg. Der Künstler hat in allen Ecken der Welt ausgestellt und wurde 1994 mit dem Ionel Jianu-Preis ausgezeichnet. 2011 soll in Bayreuth das „Diet Sayler”-Museum eröffnet werden. Sein gesamtes Werk - Malereien, Fotos, Schriften und Korrespondenz - wird künftig hier ausgestellt. „Das Museum befindet sich in unmittelbarer Nähe des Richard-Wagner-Museums”, verrät Sayler. Ein Interview mit dem Künstler können Sie in der nächsten BZ-Ausgabe lesen.
Ana Saliste

Moderne Neonatologie-Intensivstation




Frühchen haben bessere Überlebenschancen

Moderne intensivmedizinische Versorgung für Frühgeborene in Temeswar

„Ich bin ein Junge“ steht auf dem blauen Stück Pappe über dem Neugeborenen, der gerade von der Chefassistentin behandelt wird. Der Kleine wiegt nun 800 Gramm, um 200 Gramm mehr als vor eineinhalb Wochen. „Er kam schon in der 27. Schwangerschaftswoche zur Welt. Der moderne Brutkasten hat ihm fast das Leben gerettet, da er dank der modernen Ausstattung an Gewicht zugenommen hat“, sagt Constantin Ilie, Chefarzt der neonatologischen Intensivstation in der Temeswarer Bega-Entbindungsklinik. Hier wurde vor Kurzem eine neue, modern ausgestattete Neonatologie-Intensivstation eingeweiht. Auf dieser Station werden schwer kranke Neugeborene und vor allem extrem früh geborene Kinder behandelt. Die Räumlichkeit verfügt über vier modern ausgestattete Brutkästen. „Das größte Problem ist die extreme Frühgeburt, d.h. vor der 28. Schwangerschaftswoche. Frühchen können eine Reihe von Problemen entwickeln, da ihre Organe noch nicht ausgereift sind. Eine moderne Ausstattung und Pflege kann aber kurzfristig das Wachstum und die Nahrungsaufnahme verbessern“, erklärt Ilie. Die Intensivstation verfügt über insgesamt 16 Betten, acht davon sind für Notfälle vorgesehen.
In der Bega-Geburtsklinik kommen jährlich etwa 3.000 Kinder zur Welt, zehn Prozent davon sind Frühgeburten. „In den entwickelten Ländern liegt die Anzahl der Frühgeburten bei fünf oder sechs Prozent, weil da die Schwangerschaft durch moderne Ausstattung regelmäßiger geprüft wird“, sagt Constantin Ilie, der seit über 14 Jahren in der Klinik tätig ist.
In der Temeswarer Entbindungsklinik wurden auch zwei Geburtsräume modern ausgestattet. Die gesamte Investitionssumme beläuft sich auf rund 50.000 Lei. Das Geld kam von mehreren Sponsoren und aus dem Haushalt des Temescher Kreiskrankenhauses. „Ein Problem ist aber weiterhin die geringe Anzahl an Krankenschwestern. Wenn sich eine Krankenschwester im Ausland oder bei einer privaten Geburtsklinik um ein oder zwei Kinder kümmert, so betreut hier eine Krankenschwester 15 bis 20 Neugeborene“, sagt Gynäkologe Doru Anastasiu, Leiter der Geburtsklinik. Vier weitere Geburtsräumlichkeiten müssen künftig noch modernisiert werden.
Text und Foto: Ana Saliste



BANAT AKTUELL


Weihnachtsschmuck in Lugosch


Die Temescher Stadt Lugosch/Lugoj wird Weihnachten in einem Lichtermeer aufleuchten. 40.000 Euro sollen in diesem Winter für Schmuck und Lichter ausgegeben werden, wie der Kommunalrat vor Kurzem beschlossen hat. Anders als in den vergangenen Jahren werden nun auch die Seitengassen verziert. Girlanden werden entlang der Straße des 20. Dezembers, der Cuza-Voda-, Bucegi- und Mocioni-Straße bis hin zum Bahnhof angebracht werden, geschmückt werden auch Victoriei- und Iosif-Constantin-Dragan-Platz. Die Lichter sollen am 1. Dezember um 18 Uhr angemacht werden.

DSTT mit Eurothalia-Festival

Das Eurothalia-Festival des Deutschen Staatstheaters Temeswar/Timisoara (DSTT), das am 15. November begonnen hat, wird heute um 19 Uhr mit dem Stück des Jugendtheaters Piatra Neamt, „Herr Paul“ von Tankred Dorst, in der Regie von Radu Afrim fortgesetzt. Morgen findet um 18.45 Uhr im oberen Foyer des DSTT eine Buchvorstellung statt: „Mit Ion Caramitru von Hamlet zu Hamlet und weiter“, von Mircea Morariu. Um 19 Uhr wird das Stück „Man spielt nicht mit der Liebe“ von Alfred de Musset vom Jugendtheater Piatra Neamt aufgeführt. Am Freitag um 19 Uhr führt das selbe Theaterensemble „Gebrüllt vor Lachen“ von Christopher Durang auf. Für Samstag ist um 18 bzw. um 21 Uhr das Stück „Parzival“ nach Wolfram von Eschenbach, eine Produktion des Schweizer Theaters Biel Solothurn, anberaumt. Für Sonntag um 19 Uhr ist ein Tanzprojekt programmiert: „Before the end after“ unter der künstlerischen Leitung von Baczó Tünde.

Eislaufbahnen in Reschitza

Die Stadt Reschitza/Resita bereitet sich auf den Winter vor. Zwei Eislaufbahnen sollen in diesem Jahr eröffnet werden, verspricht Bürgermeister Mihai Stepanescu. Eine Schlittschuhlaufbahn wird im Stadtzentrum eingerichtet. Diese soll sich in diesem Jahr auf 800 Metern erstrecken. Die zweite Eislaufbahn wird auf einem Grundstück des Sportkomplexes „Francisc Va{tag“ am linken Bersau-Ufer montiert. Rund 40.000 Lei sind für die Vorbereitung der Stadt auf die Feiertage vorgesehen. Nicht nur die Haupt-, sondern auch zahlreiche Seitenstraßen sollen in diesem Jahr verziert werden.

Konzert im Hohen Dom

Ein Konzert, das dem 350. Geburtstag von Henry Purcell gewidmet ist, findet am Sonntag, dem 22. November, um 20 Uhr im Hohen Dom zu Temeswar/Timisoara statt. Auf dem Programm stehen Werke zum Tag der Heiligen Caecilie: Caecilienode, Te Deum, Jubilate, u.a. Es wirken mit: die Solisten Teodora Ciucur, Marilena Taculescu, Daniela Iancu, Monica Szirbik, Ovidiu Cozma und Lucian Onita, der Chorus Ecclesiae Cathedralis und die Capella Academica Timisiensis. Die Konzertleitung übernimmt Prof. Univ. Dr. Walter Kindl.

Zusammengestellt von Raluca Nelepcu

Immer öfter vor Gericht






Präfekt will erneut gegen das Bürgermeisteramt klagen


oi. Temeswar - Erneute Wortgefechte zwischen dem Präfekten des Kreises Temesch/Timis, Mircea Bacala, und dem Temeswarer Bürgermeisteramt. Wie schon inzwischen zur Gewohnheit geworden, geht es um die Heizbeihilfen für Familien mit einem niedrigen Einkommen. Ein weiterer Streitpunkt ist die Leitung des Temeswarer Nahverkehrsbetriebs RATT.
„Wir sind inzwischen im November. Wir haben noch keine Antwort vom Bürgermeisteramt bekommen, wie es mit den Heizbeihilfen für die 15.000 Familien in Temeswar bestimmt ist. Vom Gesetz her können diese Familien die Hilfen bekommen, die Aussagen, dass diese keine Unterstützung bekommen, sind einfach politische Aussagen, ohne ein gesetzliches Fundament“, sagte vor Kurzem Präfekt Bacala. Der Vizebürgermeister der Stadt sagte hingegen, der Präfekt solle sich noch ein bisschen informieren. Inzwischen hat das Gericht dem Stadtrat recht gegeben, die Präfektur hat den Prozess verloren. Die Entscheidung kann jedoch binnen 15 Tagen angefochten werden. Eine schlechte Nachricht für die Temeswarer: Falls die Entscheidung des Gerichts bestehen bleibt, werden die Bürger um 15 Prozent mehr für die Gigakalorie zahlen müssen.
Jetzt bereitet der Präfekt ein weiteres Gerichtsverfahren für das Temeswarer Bürgermeisteramt vor. Diesmal geht es darum, wie die Stelle des Leiters des städtischen Nahverkehrsbetriebs besetzt wurde. „Wir haben vom Bürgermeisteramt die Dokumentation gefordert, welche Kriterien beim Wettbewerb für die Besetzung des Postens als Leiter des RATT gegolten haben. Bislang haben wir keine Antwort bekommen. Dass der Gewinner, Ioan Goia, die Papiere nicht unterschrieben hat, bedeutet nicht automatisch, dass der Wettbewerb annulliert wird“, sagt Bacala. Die Verantwortlichen aus dem Bürgermeisteramt sind da anderer Meinung: Da Goia die Papiere nicht unterschreiben wollte, muss erneut ein Wettbewerb für die Besetzung des Postens organisiert werden.
Trotz der häufigen Gerichtsprozesse, die der Präfekt in letzter Zeit in die Wege geleitet hat, behauptet dieser, er sei kein Prozessfanatiker. „Ich werde in dem Augenblick, in dem ich Gesetzesübertretungen wahrnehme, die Schuldigen vor Gericht zitieren“, verspricht Bacala.

Foto: Zoltán Pázmány

Deutsche Filme, deutsche Geschichte


Good Bye, Lenin!

Sie leben in einem gespaltenen Deutschland und die Trennung ist auch für sie so gut wie vorprogrammiert: Der Familienvater zieht unerwartet in den Westen und lässt seine Frau Christiane und die beiden Kinder Alexander (Daniel Brühl) und Ariane Kerner (Maria Simon) in der DDR zurück. Es ist Sommer 1978. Nach schweren Depressionen beginnt Christiane (Katrin Saß), sich für den Sozialismus einzusetzen.
Elf Jahre später soll sie anlässlich des 40. DDR-Jahrestages eine Auszeichnung bekommen. Unterwegs ist sie Zeugin einer Demonstration, an der sich auch ihr Sohn Alexander beteiligt. Als sie beobachtet, wie der Junge von der Polizei geschnappt wird, erleidet sie einen Herzinfarkt. Monatelang bleibt sie im Krankenhaus im Koma. In der Zwischenzeit fällt die Berliner Mauer. Juni 1990 erwacht Christiane aus dem Koma – dann heißt es für Alexander, auf sie aufzupassen. Damit sie keinen Schock erleidet, lässt ihr Sohn im Zimmer seiner Mutter die DDR wieder aufleben.
Die Tragikomödie „Good Bye, Lenin“ (120 Minuten) aus dem Jahr 2003 in der Regie von Wolfgang Becker gehört zu den 15 erfolgreichsten deutschen Filmen in deutschen Kinos. Es ist ein Film, der die Geschichte der DDR humorvoll und locker dem Zuschauer näher bringt. In diesem Monat wird „Good Bye, Lenin“ im deutschen Fernsehen gezeigt. Es ist ein Streifen, der einen zum Nachdenken anregt: Eine Mischung aus Drama und Komödie, Witz und Kritik, ein Film, der mit viel Gefühl das heikle Thema der Wende behandelt.

Raluca Nelepcu

Müllentsorgung: Die Plage mit den Unzulänglichkeiten



Uni-Sortierkampagne nur in Temeswar erfolgreich


Nur 20 von insgesamt 199 Mülldeponien in Rumänien waren Ende 2008 EU-konform. 78 davon wurden Mitte 2009 auf Forderung der EU geschlossen. Die weiteren 101 haben eine endgültige Frist von acht Jahren und müssen nach und nach bis zum 16. Juli 2017 dicht gemacht werden. Dies wurde bei einem Seminar über „Nachhaltige Abfallwirtschaft“ in Temeswar/Timisoara gesagt. Veranstalter waren die Uni Stuttgart und die TU Politehnica in Temeswar.
In Zusammenarbeit mit den Umweltministerien Deutschlands und Rumäniens wurde 2008 eine Strukturanalyse des Hausmülls in den Städten Temeswar und Vaslui vorgenommen. Erfolgreich war sie nur in Temeswar und auch da mit Anlaufschwierigkeiten an der Uni, sagte der Banater Zeitung Dr. Cristian St²niloiu, der direkt in die Sortierkampagne impliziert war.
Vor dem Hintergrund der Kooperation zwischen dem Umweltministerium des Landes Baden-Württemberg und Rumäniens wurde im Jahr 2008 vom Umweltministerium des deutschen Bundeslandes eine Sortierkampagne von Siedlungsabfällen in Rumänien beauftragt. Die Universität Stuttgart und die TU Politehnica in Zusammenarbeit mit dem Entsorgungsunternehmen RETIM führten dieses Projekt gemeinsam durch. Ausblick zu diesem Thema war, den Wissenstransfer zu vollziehen, um in Rumänien die Abfallwirtschaft optimal zu gestalten.



Entsorgungsunternehmen RETIM förderte Sortierkampagne.

Foto: Zoltán Pázmány


Neun Millionen Tonnen Müll werden jährlich in Rumänien erzeugt, sieben Millionen davon von den einschlägigen Unternehmen entsorgt – so die Statistik der rumänischen Umweltbehörde. Ghizela Cep²nariu vom Regionalen Umweltamt mit Sitz in Temeswar sagt, die zwei Millionen gehen nicht alle auf Mängel in der Abfallbeseitigung der Unternehmen bzw. Kommunen zurück, wo zugelassene Firmen sich dieser Aufgabe annehmen, sondern sind eher darauf zurückzuführen, dass so manche Kommune noch immer keine geregelte Müllentsorgung betreibt. Auch ist der nicht entsorgte Abfall in der Stadt mehr als doppelt so hoch wie auf dem Land (0.9 Kilogramm/Kopf/Jahr, gegenüber nur 0,4 Kilogramm). Viel Hausmüll wird auf dem Land wiederverwertet, andererseits generiert die Dorfbevölkerung weniger Müll, da viele Lebensmittel aus der eigenen Wirtschaft stammen und nicht aus dem Supermarkt, sagt Ghizela Cepanariu.
Wirtschaftliches Wachstum wird in großem Umfang immer noch durch eine Steigerung des Ressourcenverbrauches erreicht. Die Abfallwirtschaft kann jedoch einen entscheidenden Beitrag leisten, durch Recycling einschließlich der biologischen Abfallverwertung den Verbrauch der Primärressourcen einzudämmen und gleichzeitig durch die Nutzung der Abfälle zum Klimaschutz beizutragen. Deshalb nicht von ungefähr, wenn in Fachkreisen immer mehr Termini wie „Müllentsorgung“ mit „Abfallverwertung“ und „Rohstoffgewinnung“ ersetzt werden. Die kürzlichen Entwicklungen in Rumänien, was die Müllentsorgung betrifft, machen Abfall noch teurer: Nach der Schließung der klassischen, umweltfeindlichen Müllhalden und mit wenigen Alternativen ist der Transport von Abfall – manchmal auch hunderte Kilometer weit – zu einer Last geworden, die weder die Müllunternehmen, noch die Bevölkerung tragen können. Deshalb ist Mülltrennung vor Ort ein Muss, verringert dies doch gehörig die Menge der abtransportieren Reste.
In der EU fallen jährlich riesige Abfallmengen an, verbunden mit einer deutlichen Zunahme in den letzten Jahren und auch wahrscheinlich in der Zukunft. „Durch die Abfall-Rahmenrichtlinie werden höhere technische Standards und Recyclingraten gefordert. Die fünfstufige Abfallhierarchie zeugt, dass die Abfallbeseitigung erst der letzte Schritt im Rahmen abfallwirtschaftlicher Maßnahmen sein kann“, sagt Professor Martin Kranert vom Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte und Abfallwirtschaft an der Uni in Stuttgart.
Siegfried Thiel

Continental: Ausbau von Umweltgenehmigung abhängig

Reifenhersteller investiert in neue Produktionsanlagen/ Von Siegfried Thiel

Noch gibt es keine volle Auslastung im Reifenwerk von Continental in Temeswar/Timisoara. Die weltweite Wirtschaftskrise hat die Fabrik gegenüber den Plänen zu Investitionsstart um zwei Jahre zurückgeworfen, sagt Thierry Wipff, Werksleiter in Temeswar. Trotzdem wurde 2008 – 2009 der Ausbau des Werks fortgesetzt, 2010 kommen neue Investitionen hinzu. Zuletzt mag man in der Hannoveraner Zentrale von Continental mit zuckenden Schultern nach Temeswar geschaut haben: Werden hier weitere Investitionen getätigt, oder nicht? So ähnlich dürfte die Kernfrage gelautet haben.
Drei Jahre lang funktionierte das Werk ohne Umweltgenehmigung, eine Zeit, in der Misstrauen und Proteste aus der Bevölkerung ständig zugenommen haben. Luftverschmutzung war zum Thema geworden. Von „schlechtem Geruch“ und „Gestank“ war immer wieder die Rede, ein Protestkommitee aus dem Stadtviertel, wo Continental liegt, hatte sich immer wieder geoutet. Als dann die Umweltgenehmigung ausblieb, fühlten sich die Anwohner in ihrer Vermutung bestätigt, dass sie Recht haben.
„Nun haben wir eine Genehmigung“, oder „Es stinkt nicht, sondern es riecht“, mit solch knappen Aussagen beantwortet Thierry Wipff zunächst unsere Fragen, warum die Bürger im Stadtviertel in der Nähe des Reifenwerks eine Umfrage von Banater Zeitung und Deutschlandradio nicht sonderlich positiv auf den Reifenhersteller zu sprechen waren.
Warum diese Behauptung von „stinken“ könne man bei Continental nicht verstehen, wiederholt Wipff. Dann aber redet der Werksleiter Klartext darüber, warum die Umweltgenehmigung ausgeblieben ist: Mein Vorgänger (Anm: Martin Kleinbrod) hat es 2006 versäumt, rechtzeitig den Antrag auf eine neue Genehmigung zu stellen. Diese muss jedes Jahr neu eingeholt werden, doch der Vorgänger hatte sich – wie Thierry Wipf sagt – arrogant verhalten, statt sich bei den Behörden zu entschuldigen. Dies sei dann auch Grund dafür gewesen, dass das gesamte Prozedere zur Genehmigung neu begonnen werden musste. Auf jeden Fall sollen im kommenden Jahr 250.000 Euro in Anlagen zur Geruchseindämmung investiert werden.
Heinz-Gerhard Wente, Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor der Continental AG, hatte in diesem Herbst für die Banater Zeitung bereits darauf hingewiesen, dass die Annahme, die Wirtschaftskrise habe nur die Autobauer, aber nicht die Reifenhersteller getroffen, nicht zutreffend sei. „In manch einer Familie bleibt das Zweitauto nun in der Garage“, hatte Heinz-Gerhard Wente gesagt. So auch nicht von ungefähr, wenn die Auslastung des Reifenwerkes am Temeswarer Jagdwald noch nicht vollkommen ist. 13 Millionen Reifen pro Jahr werden derzeit in Temeswar erzeugt, 16 Millionen sollen es in der letzten Ausbaustufe werden. Zur Expansion gehört die neu in Funktion genommene Kalander-Abteilung, wo die Komponenten zur Reifenproduktion durch Walzen vermischt werden. 2010 kommen Investitionen in Höhe von –zig Millionen hinzu, um eine weitere Ausbaustufe des Werkes zu erreichen. Wäre die Umweltgenehmigung ausgeblieben, hätte dies fast unweigerlich bedeutet, dass weitere Investitionen statt in Temeswar, in den Reifenwerken in Tschechien oder in der Slowakei getätigt worden wären.

Kalander-Abteilung – die neueste Continental-Investition in Temeswar. Im Bild: Werksleiter Thierry Wipff
Foto: Siegfried Thiel

Deutsche Investition in Temeswar

Häfele will sechs Millionen in zwei Jahren investieren

Das deutsche Unternehmen Häfele hat den Kauf der Temeswarer Firma Minerva Co angekündigt. Dieses ist in der Produktion von Beschlägen für Möbel und Türen spezialisiert. Die Anfangsinvestitionen der Deutschen werden drei Millionen Euro betragen. In dieser Summe ist nicht der Erwerb des Temeswarer Unternehmens mit einbegriffen. Die Anfangsinvestitionen bestehen im Erwerb von Waren und Rebranding. In den nächsten zwei Jahren sollen weitere drei Millionen Euro für den Bau eines neuen Sitzes und einer Lagerhalle ausgegeben werden. Ovidiu Toader, der Gründer von Minerva Co, wird sich weiterhin um die Geschäfte - diesmal um die von Häfele - kümmern.
Häfele Rumänien hat zurzeit 40 Angestellte, bis 2012 soll sich die Zahl verdoppeln. Für das Jahr 2010 hoffen die deutschen Unternehmer auf einen Umsatz von fünf Millionen Euro, 2012 soll dieser zehn Millionen Euro betragen. Bis 2011 will Häfele Marktführer in Sachen Beschläge für Möbel werden. Zu den Kunden des Unternehmens werden Produzenten, die Möbel auf Bestellung herstellen, aber auch Architekten oder nationale Brands, zählen.
Laut Angaben der Verantwortlichen hat das Temeswarer Unternehmen im vorigen Jahr einen Umsatz von 4,8 Millionen Euro erzielt. Für das Jahr 2009 jedoch rechnet man mit einem Einbruch der Zahlen. Nicht mehr als etwa drei Millionen Euro sollen erzielt werden können. Der Einbruch der Zahlen wird dadurch erklärt, dass die Nachfrage in der Möbelbranche zurückgegangen ist, zur selben Zeit gebe es Probleme mit der Bezahlung seitens einiger Geschäftspartner.
Häfele GmbH wurde im Jahr 1923 gegründet. Es ist eines der führenden Unternehmen weltweit, was die Produktion und Lieferung von Beschlägen für Türen und Möbel angeht. Der Konzern hat 34 Tochterunternehmen, 4.600 Angestellte weltweit und im letzten Jahr eine Umsatzziffer von 840 Millionen Euro erzielt.
Olivian Ieremiciu

Foodcourt, Intersport, Play Zone, Laserland

Die zweitgrößte Mall Rumäniens wurde eröffnet





Im Einkaufskoloss Iulius Mall
Foto: Zoltán Pázmány


„Eine regionale Mall“, so beschreibt Iulian Dascalu, Vorsitzender der Iulius-Group-Gesellschaft in Rumänien, die jüngst ausgebaute Iulius Mall in Temeswar/Timisoara. Nach eineinhalb Jahren ist die Temeswarer Mall zur zweitgrößten Mall in Rumänien geworden. Mit den nun nahezu 178.000 Quadratmetern nach dem Ausbau hat die Iulius Mall in Temeswar ihre Gesamtfläche verdoppelt. Auf etwa 95.000 Quadratmetern wurde im letzten Jahr gebaut, etwa 64.000 Quadratmeter davon beträgt die Mietfläche. Diese beherbergt insgesamt 310 Läden. 1.000 neue Parkplätze wurden durch den Bau eines unterirdischen Parkhauses geschaffen, das Foodcourt ist in einen größeren Raum umgezogen und ein Stockwerk ist dem französischen Hypermarket Auchan gewidmet.
Die Investition des Ausbaus überschreitet 60 Millionen Euro, so dass die Gesamtinvestition an der Temeswarer Mall von 2005 bis heute 105 Millionen Euro beträgt. Fünf Stockwerke hat nun die Mall nach dem Ausbau, auf zwei davon erstreckt sich das unterirdische Parkhaus. Ein ganzes Stockwerk steht dem Hypermarkt Auchan zur Verfügung, eines ist für die verschiedenen Markenläden bestimmt und im letzten Stock der Mall befindet sich das Almondo-Foodcourt mit 1.700 Sitzplätzen. 14 Fastfood-Läden wurden im neuen Flügel der Mall eingerichtet. Unter anderen sind bei Almondo Falafel King, Papri, Napoleon, 3F, Chang Cheng, Kartoffel, KFC, Mado, Pasta e Basta und andere Fast-Foods zu finden.
Zu den international bekannten Markenläden, die eine Räumlichkeit in der Temeswarer Mall gemietet haben, zählt auch der Einzelhändler Intersport – weltweiter Marktführer im Bereich der Sportartikel. Nach der Eröffnung der ausgebauten Mall stehen nun auch andere Läden wie Oltre, BioMarkt, Coccodrillo, Bebeloo, Segafredo, Adam´s by Secuiana, Orsay sowie eine neue Carturesti-Buchhandlung den Kunden offen.
In der ehemaligen Location des Foodcourts wird Black Box, der größte Club Temeswars, eröffnet. Auf einer Fläche von 2.400 Quadratmetern wird Blackbox über sechs Bowling-Pisten, 20 Billardtische, einen Snookertisch, fünf Darts-Apparate und über 20 Spielsimulatoren für Kinder verfügen. Kidsland erhält auch eine „Play Zone“, die das Kinderparadies vervollständigen wird. Als absolutes Novum in Temeswar können die Kunden „Laserland“ erforschen: Dies ist eine Art Paintball-Spiel, jedoch mit Laser-Strahlen.
„Ich bin froh, dass wir auch in Krisenzeiten unser Projekt vollbringen konnten. Wir freuen uns auf auf Konkurrenz, doch ich bin mir sicher, dass in den nächsten fünf Jahren keine weitere Mall in Temeswar eröffnet wird. Wir möchten auch weiterhin neue Marken und Brands nach Temeswar bringen. Eine Marktforschung zeigt nämlich, dass sich diese zuerst an uns wenden werden, weil wir die einzige fertig gebaute Mall vor Ort sind“, schließt Iulian Dascalu.
Andreea Oance

Hilton-Hotel in Temeswar

Rumänienweit: 25 Hotels in fünf Jahren

Die Hotelkette Hilton will in Temeswar/Timisoara ein Hotel eröffnen. In den nächsten fünf Jahren sollen durch Managementkontrakte oder auf Franchise-Basis 25 Hotels der Marke Hilton in Rumänien entstehen. Diese werden derzeitiger Planung nach in Temeswar, Klausenburg/Cluj, Kronstadt/Brasov, Jassy/Iasi, Arad und Craiova gebaut. „Wir haben weltweit eine aggressive Entwicklungsstrategie, nicht nur in Rumänien. Wir führen zur Zeit mehrere Gespräche mit lokalen und internationalen Entwicklern, um hier 20 bis 25 Hotels, unter allen Hilton Brands zu eröffnen“ sagt Rob Palleschi, Chef eines der Hilton Brands. Weiter meint er, dass der Brand, der verwendet wird, von der finanziellen Stärke des Entwicklers aber auch vom Markt und von der Lage abhängt. Die Hotels werden vier oder fünf Sterne haben.
Zurzeit wird in Großwardein/Oradea das dritte Hilton Hotel in Rumänien gebaut. Zwei weitere gibt es bereits: eines in Bukarest, Athenee Palace Hilton, das 1997 eröffnet wurde und in Hermannstadt, das Hilton Hotel, das auf einer Franchise-Basis besteht und im Juli dieses Jahres eröffnet wurde. Das Hotel in Bukarest ist unter der Schirmherrschaft des Unternehmers und Fußballfinanziers George Copos, das Hermannstädter Hotel gehört Nicolae Minea. Das Hotel in Großwardein wird im Herbst 2010 eröffnet. Die Investition, die vom Unternehmen Calipso getätigt wurde, beläuft sich auf 15 Millionen Euro.
Die Hilton Brands wurden Anfang dieses Jahres in zwei Kategorien aufgeteilt: Der Bereich full-service, das Hilton, Doubletree und Embassy Suites beinhaltet und die Sparte focus-service zu der Hilton Garden Inn, Homewood Suites, Hampton und Home2 Suites gehören. Dobletree hat in diesem Teil Europas die größte Verbreitung erfahren. Es ist ein Brand der Kategorie „upscale“ das in Europa im Frühjahr 2008 eingeführt wurde. Heute gibt es 225 Doubletree Hotels by Hilton in über 200 Städten, bis 2013 sollen 350 Hotels dieses Brands existieren.
Conrad Hilton hat sein erstes Hotel im Jahr 1919 in Cisco, Texas, eröffnet. Zurzeit zählt die Hotelkette über 3.400 Hotels weltweit mit insgesamt mehr als 550.000 Zimmern.
Olivian Ieremiciu

Turnen als Wahlfach im Kindergarten

„Baby Sport“ fördert Bewegung im frühen Alter/ Von Andreea Oance und Raluca Nelepcu
Um Sport auch für Kinder attraktiv zu gestalten, werden Tiere nachgeahmt.
Foto: Andreea Oance

Dreißig große Augenpaare schauen empor, als die Tür aufgeht. „Schnell, in eine Reihe!“, fordert Turnlehrerin Gina Milovanov. Ein reges Durcheinander herrscht für drei Minuten im Klassenzimmer, bis alle still stehen und keiner mehr aus der Reihe tanzt. Sandalen und Straßenschuhe darf keiner an haben, nur Socken oder Sportschuhe sind erlaubt. „Wisst ihr, was wir heute machen?“, fragt die Turnlehrerin. „Wettbewerbe“, kommt die Antwort von einem Fünfjährigen. Und dabei liegt er fast richtig. Es ist keine gewöhnliche Sportstunde im Kindergarten mit verlängertem Programm Nr. 29 an der Mure{-Straße in Temeswar/Timisoara. Es ist eine Sonderstunde, in der die Kinder von Profis trainiert werden.
Fünf Studentinnen der Fakultät für Sport innerhalb der West-Universität sind extra mitgekommen, um das zu promoten, was für ein gesundes Leben „unheimlich wichtig“ ist: Nämlich die Bewegung, die „vor allem im frühen Alter gefördert werden muss“, so Dan Leca vom Temescher Sportamt. Mehr als einhundert Kinder vom Kindergarten Nr. 29 haben ungeduldig darauf gewartet, dass die Kampagne „Baby Sport“ auch zu ihnen kommt. Es sind zwei mittlere und eine große Gruppe sowie eine Vorschulgruppe, die mitmachen. Insgesamt 280 Kinder besuchen den Kindergarten, aber nicht alle treiben Sport, „weil es nicht alle Eltern erlauben“, so Gina Milovanov. Viele Eltern befürchten, dass sich ihre verschwitzten Kinder eine Erkältung einfangen könnten.

Sport – ein Kinderspiel
„Überschwemmung“, ruft die Studentin. Die Kinder springen auf. „Aircraft“, ruft sie wieder und die Kleinen werfen sich platt auf den Bauch. „Wie macht der Frosch?“, fragt die künftige Sportlehrerin und alle springen herum. „Aber die Biene?“, ruft die junge Studentin, indem sie den Kindern zeigt, wie sie ihre Arme kreisen müssen. Von ihren Gesichtern ist abzulesen: Die Turnstunde macht den Kleinen reichlich Spaß. Denn „Sport ist leicht wie ein Kinderspiel“, so Dan Leca, „egal im welchem Alter“. Beim Stafettenlauf versucht jeder, so gut und schnell wie möglich zu sein. Am Ende werden den Kindern Preise verliehen: Badminton-Schläger, Bälle, T-Shirts, u.a. Der Kindergarten wird mit zwei Fahrrädern ausgestattet.
Die Kampagne „Baby Sport“ ist Teil des Projekts „Bewegung für Gesundheit“ im Programm „Sport für alle“ des Temescher Sportamtes. Der erste Kindergarten in diesem Programm ist der Kindergarten Nr. 24 in Temeswar. Hundert Kinder besuchen den Kindergarten an der M²slinului-Straße. 80 davon machen beim Bewegungsprogramm mit: Kinder der kleinen, der mittleren und der Vorschulgruppe. Von nun an werden die Kleinen immer einmal die Woche eine Sportstunde haben und jeden Morgen werden sie zusammen mit den Erzieherinnen Morgengymnastik treiben. „Diese Tätigkeit ist Teil des Landesprogramms Kalokagathia. Dies ist ein Programm zur Förderung des Interesses für Sport in den Reihen der Vorschulkinder und Schüler“, sagt Tamara Pantea, Leiterin des Kindergartens Nr. 24. „Wir hoffen auch, dass die Kinder, wenn sie im Kindergarten Sport treiben, auch zu Hause einige Übungen machen werden. Dies ist sehr wichtig für die gesunde und harmonische Entwicklung des Kindes“, sagt Bogdan Korbuly vom Temescher Gesundheitsamt. Im Programm zur Förderung der Bewegung sind Gesundheits- und Sportamt Partner. Auch der Kindergarten der Temescher Ortschaft Belint nimmt am Programm teil.


Beim Stafettenlauf durfte die Gewinnergruppe den Verlierern eine Strafe erteilen. Foto: Raluca Nelepcu

Lavinia Milosovici zu Gast
Als Ehrengast beteiligte sich auch die ehemalige Leistungsturnerin Lavinia Milosovici an der ersten Etappe des Projekts. „Wir sind sehr froh, dass Lavinia unsere Einladung angenommen hat“, sagt Dan Leca. „Ich unterstütze die Kampagne, möchte mich aber diesbezüglich nicht äußern. Ich bin hier bloß als Gast zugegen“, sagte die ehemalige Olympia-, Welt- und Europameisterin Lavinia Milosovici. Die ehemalige Turnmeisterin trauert noch ihrer Tochter nach, die im vergangenen Jahr nach einer langen und qualvollen Krankheit gestorben ist. Die kleine Denisa Florentina kam 2004 als Frühgeburt zur Welt, kurz darauf entdeckten die Ärzte, dass das Kind an einer Nervenkrankheit und einer Bewegungsbehinderung leidet. Obwohl dem Kind der ehemaligen Turnerin durch eine Wohltätigkeitsaktion 25.000 Dollar für eine OP in China gespendet worden waren, starb das Mädchen zwei Jahre später.



Vier Monate Elternschule zur Kindeserziehung




Elterntreffen beim Temescher Kinderschutzamt
Foto: Zoltán Pázmány
Mutter Daniela Mihaila: „Wir müssen an uns feilen“ / Von Ana Saliste
Schlechte Noten, Nachhilfestunden, die Angst vor der strengen Lehrerin – die Alltagsprobleme in der Schule überfordern nicht nur die Kleinen, sondern auch deren Eltern. Konflikte werden ausgelöst, es wird geschimpft und gestritten. „Das größte Problem ist, dass man sich nicht versteht“. Damit meint Daniela Mihaila die Kommunikationsprobleme mit ihrem 10-jährigen Sohn. Dass Bildung und Erziehung hauptsächlich für Kinder und Jugendliche einen bedeutenden Faktor bilden, ist für Daniela Mih²il² klar. Doch: „Wir müssen vor allem auch an uns Eltern feilen. Schließlich sind wir die Hauptpersonen bei der Erziehung. Unsere Fehler können langanhaltende Auswirkungen haben“, sagt sie. Ihr stimmt auch Lavinia Blojo, Mutter der 8-jährigen Paula, zu: „Ich muss auch noch vieles dazulernen. Zum Beispiel, dass ich mehr entspannt mit meinem Kind sprechen muss. Dass einige Konflikte bis zu einem bestimmten Zeitpunkt normal sind“, sagt sie.
Hauptsächlich Mütter sind es, die ab Juni diesen Jahres an den Kursen der ersten Elternschule beim Temescher Kinderschutzamt teilnehmen. „Die Väter haben im Laufe der Zeit aufgegeben“, sagt Claudia Borza, Psychologin und Leiterin des Kurses, lächelnd. Während ihre Kleinen lesen, rechnen und schreiben lernen, klären die Mütter gemeinsam schul- und kommunikationsbezogene Probleme auf.
Zweimal im Monat treffen sie sich für ungefähr zwei Stunden in kleinen Gruppen – je nach dem Alter des Kindes - um die Probleme, die bei der Erziehung auftauchen, sowohl miteinander als auch mit Fachleuten zu besprechen. Zu den häufigsten Problemen zählt die Kommunikation. „Am Anfang dachte ich, dass mein Kind nicht genug lernt. Als es eine Sage lesen musste, begann ich zu schimpfen, da es die Legenden des Olymps nicht gelesen hatte, um besser zu verstehen. Dazu kam meine Kritik, dass es zu wenig von Erdkunde weiß, um die einzelnen Orte zu kennen. Da wurde mir aber klar, dass es dadurch, sein ganzes Interesse verloren hat“, sagt Daniela Mih²il². „Das Problem ist, dass ich bei einem Streit über eine bestimmte Sache, mit den Vorwürfen nicht aufhöre. Diese häufen sich und das Kind kann kaum noch was sagen“, fügt sie hinzu.
Die Vermittlung der Kenntnisse bei den Lehrgängen geschieht in Form von Kursen, die von PsychologInnen, SozialarbeiterInnen und PedagogInnen gehalten werden sowie durch Beratungsgespräche. Ebenso wird dem Erfahrungsaustausch mit anderen Eltern große Bedeutung beigemessen. „Es ist gut zu wissen, dass sich auch andere Eltern mit den gleichen Problemen, wie ich konfrontieren“, sagt Daniela Mihaila. Zu den Themen des Lehrgangs zählen: das sogenannte „Wutmanagement“, die Aufteilung der Rollen in einer Familie, die Faktoren, die zur Entwicklung der Eltern-Kind-Beziehung beitragen, die sexuelle Entwicklung des Kindes sowie das Verständnis für Benehmen und Verhalten. „Die Eltern müssen lernen, nicht an Stelle ihrer Kinder nachzudenken, sondern diese selbst denken zu lassen“, sagt Psychologin Borza. Die Eltern werden im Anschluß ein Teilnehmerdiplom bekommen. Sie haben bereits auch das Handbuch „Die Elternschule“ erhalten. Hier sind die in den Kursen behandelten Themen detailliert erläutert. Der Kurs ist kostenlos, die Eltern können sich jederzeit beim Temescher Kinderschutzamt für weitere Kurse melden.