Mittwoch, 25. März 2009

Eine Banater Schwäbin auf Weltreise (25)


Zürich: Die Schweizer haben die Zeit erfunden / von Nareda Cerdy

Von einer Großstadt der Welt erwartet man Hektik. Mit diesem Vorurteil betrachtet, pulsiert das Leben in Zürich wie im Zeitraffer, so langsam und bedächtig, als hätten sie die Zeit erfunden oder alle Zeit der Welt zu ihrer alleinigen Verfügung. Dabei behaupten die Züricher auch noch von sich selber, sie seien schnell im Vergleich zu Bern.

Züricher Altstadt am Limatquai


Morgens vor zehn Uhr bewegt sich gar nichts. Da schläft die Stadt noch und abends nach 21 Uhr bekommt man in keinem Restaurant mehr was zu essen, um 21:30 Uhr, spätestens 22 Uhr werden die Restaurants geschlossen. Zur Mittagspause ist natürlich obligatorisch alles zu und die Banken arbeiten auch überhaupt nur bis mittags oder im besten Fall bis 16 Uhr. Die Schweizer sind die einzigen die ich kenne, welche die Deutschen im Bereich Ordnung und Pedanterie übertreffen.

Hier gilt das akademische Viertelstündchen umgekehrt, man muss 15 Minuten vor einem Termin da sein, um als pünktlich zu gelten. Wenn man in Deutschland schon für das Nichtbenutzen von Müllsäcken einen Strafzettel bekommen kann, gibts den in der Schweiz auch schon einen, wenn man einen Müllsack in der falschen Farbe benutzt. Zürich ist eine Großstadt mit dem Flair und der Atmosphäre eines kleinen Bergdorfes. Still und friedlich, am Züricher See gelegen, klettert die Stadt die umliegenden Berge hoch. Das Herz der Altstadt erstreckt sich zwischen Bahnhof und Seepromenade (hier Quai genannt). Um das zu erkunden braucht man keine halbe Stunde. Diskret ist hier die Crème de la Crème aller Designerboutiquen versteckt, so dezent, dass man sie beharrlich suchen muss.

Nur die Uhrengeschäfte und Schweizer Taschenmesser in den Läden fallen auf. Das wahre Schweizer Altstadtgefühl kriegt man aber nur auf der anderen Limatflussseite, jenseits der Einkaufsstraße am Bahnhof, den Berg hoch. Viele kleine Restaurants laden hier zum Verweilen ein. Immer der Nase nach: da wo es am stärksten nach Käse stinkt - hinsetzen und Fondue bestellen. Das schweizer Käsefondue ist ein Topf über einem kleinen Stövchen, in dem erhitzter geschmolzener Käse ist. Dazu gibt es klein geschnittene Brotwürfel, die man aufspießt und in den geschmolzenen Käse tunkt. Dazu ein Glas Wein und man stellt überrascht fest, dass Käsefondue immer nur den Nachbarn stinkt, aber nie dem Essenden selber.


Zürichsee während der Streetparade
Fotos: Wikipedia



In derselben Altstadthälfte auf dem Berg, über dem Fluss, ist versteckt ein Arabisches Bad, in einem unscheinbaren Altstadtgässchen. Man steigt hinunter in den Keller und befindet sich plötzlich in der Welt von 1001 Nacht. Es ist eine Oase des Friedens und der Entspannung und vor allem für unerfahrene Anfänger geeignet, weil man wasserfeste schriftliche Anleitungen mitbekommt, was man in welchem Raum zu tun hat.
Egal, ob man im Winter der Kälte oder im Sommer der Hitze entfliehen möchte, ist das ein wenig beworbenes touristisches Juwel, an dem man auf keinen Fall vorbeigehen sollte. Da nur sehr wenige Räume im Bad FKK-Räume sind und man ansonsten ein Handtuch um haben muss, ist es auch für Schüchterne geeignet. Der Züricher See und die ihn umgebenden Promenaden sind die beliebtesten Flaniermeilen in Zürich. Zu Recht, denn die Aussicht auf die umliegenden Berge ist atemberaubend. Auf dem See selbst kann man Bootsausflüge buchen und so auch die entlegeneren Teile der Stadt kennenlernen oder zum Beispiel den Chinagarten besuchen.
Ebenfalls am See findet jeden Sonntag Vormittag ein Flohmarkt statt, den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte, wenn man zufällig sonntags in Zürich ist. Vom See, der Strassenbahn entlang zum Bahnhof spazierend, nach einem obligatorischen Abstecher zur Sprüngli Confisserie (beste Schweizer Schokolade) am Paradeplatz, erreicht man den Straßenbahnknotenpunkt der Stadt, von wo aus fast alle Straßenbahnlinien starten – auch die zum Zoo. Der Zoo liegt hoch oben auf dem Züriberg und man muss nach der Endstation der Straßenbahn noch ein Stückchen zu Fuß laufen.
Bevor man sich die Reise antut, ist zu bedenken, dass der Eintritt recht teuer ist – damit man nicht davor steht und gleich wieder zurück will, wenn man den Ticketpreis von 25 CHF pro Person sieht. Aber da man schon bis hoch gelaufen ist, sollte man auch rein gehen. Es ist einer der schönsten Zoos, nicht in letzter Linie wegen der Masoala-Regenwald-Halle, die als solche in Europa einmalig ist. In allen Reiseführern wird empfohlen, mit der Ütlibergbahn auf den Ütliberg zu fahren. Es ist aber nur was für hartgesottene Bergwanderer, alle anderen können sich die lange Fahrt sparen, denn es gibt dort nichts, außer Wanderwegen, noch nichtmal eine lohnenswerte Aussicht, welche für die Strapazen entschädigen würde. Der Aussicht wegen und vor allem, wenn man sich zu besonderen Anlässen etwas Dekadentes genehmigen möchte, sollte man sich bei der Hotelwahl für das Dolder Grand Hotel entscheiden. Nicht gerade günstig, aber dafür jeden Cent wert, mit dem Endloswhirlpool außen, in dem man auch im kältesten Winter eine herrliche Aussicht über die Stadt und den See hat.
Wenn man zufällig im Sommer in Zürich ist, dann ist die Zeit der Streetparade und/oder des Caliente-Straßenfestes die rechte Besuchszeit der Wahl, weil dabei die Stadt in einem Meer von Musik und Straßenfestatmosphäre auflebt und man von der sonstigen Schweizer Verschlafenheit nichts mehr merkt. Eigentlich sollte man als Teen- oder Tweenager Zürich nur dann besuchen, es sei denn, man/frau ist ein sehr gemütlicher Mensch und stellt sich unter einem Städtetrip ein Kurwochenende vor, mit viel Zeit für Müßigang und von den Uhrzeiten her mit den Essensgewohnheiten eines Rentners.

Ou Freitag nou d dritte Klass

Ich war so 9 bis 10 Jouhr alt, mei Leit sein schun frie morjetz in d Schnitt ufs Feld, ich un mei Schweschtr s Res hun d Houm d ganze Lade gschmiß. Mei Motter hot mich noch kortz g weckt un sat zu mir, im kloune Reindl is d Gießbrei for eich zwa, in d Reer im Ouwe sein noch Krumbiere fun geschtr un for jed s fun eich ach ou Hinglsfligl, seit schee brav un vrgeß net d Stall auszumischte un neies Schtroh einzuschtraue.
Na als erschtes hun ich mol die Hälft vum Grießbrei geß, un wie's Res kumm is hun mr sei Hälft nochmol g dalt un wie mr nout ali zwa satt ware, sein mr uf die Gaß gang for schpiele.Do fahrt grad d Kreiners Henrichvetter mit seinr Evwes vrbei un ruft: Fritzche willscht net reite? , mir fahre Kukuruz heifle do kannscht reite bis mr fertich sein. Ich sein glei mitgfahr un sein g ritt bis alles fertich war. S erscht war des jo wunnerschej un schpedr hots do une an meim Sitzfleisch immer mehr gbrennt. Wie mr fertich ware hot mr d Henrichvettr 4 Lei geb, do hat ich mei Kipparsch glei vergeß.

Ufm Houmweg sein ich nout ghupst un gschprung for lauter Freid, ich hat jo 4 Lei im Sack, un vun dem Rumhupse sein ich widr gschwitzt un do hots do hine wider ganz ferchterlich gbrennt. D Houm hun ich mei Hinnrgschtell am Brunne ins Wasserfaß ghengt, iwr dem gehts Gasseterche uf un um Heinz Martin sei Motter frot, is bei eich alles in Ordnung Fritzche? Ich war so verschrock, hun mei Hos zu schnell rufgzou, un hat nout die Hos voll Wasser ghat! Ich hun nout Krumbiere un Hinglsfligl im Schteije geß weil bei mr alles gwatscht hat.

Am Nomittag sein mei Freind alli kumm, un des ware net wenich. Im Houf bei uns war ou Akazinascht mit truckene Blätter g'lee, die hum mr vrriwlt for Tuwak, s Staars Martinche, domol 5 oder 6 Jour, hot uns die Reibhelzr ghoult, for des hots ach Rache derfe. Wie die Blättr un die Reibhelzr alli ware, sein mr uf die Gaß gang for Gatschgei schpiele, un do ware meischtns die Nochbrsmädle ach d bei, 2 vuns Fellrs, 2 vuns Baurs, 2 vuns Hoffmann s Staar Evi uns Tindorf Kathrin, mr ware ou ganze Haufe Kinner un ware so richtich mitte drin im Schpiele. Ich hun grad noch gsie wie die Kuh sichs Terche selwr ufgmach hot, do is mr eigfall das d Schtall noch net g mischt ist, wie ou Blitz sein ich dere Kuh nou, un hun se ougbun.
For Mischte hat ich awer jetzt kou Zeit , also schnell ou Korb Schtrou un alles war sauwr iwrgschtraut, dann sein ich glei widr uf die Gaß for Schpiele gang.Ich hun net gsie wie mei Leit houm kumm sein un hun net ghert wie mei Mottr gruf hot. S Hoffmann Kathrin hot mr gsat, dei Motter ruft, du sollsch houmkumme!. Ich sein ach glei gang, in d Gedange war ich awr schun widr ufm Rickweg for uf die Gass. Awr hinnrm Gasseterche hot sichs Wettr gännert. Mei Vatr hot grad sei Sens g denglt, un frot mich glei ob heit jemand doe bei uns war un was mr heit schpielt hun. Ich hun m glei gsat s war heit niemand do bei uns un ich hun draus mit d anre Kinn Gatschgai un Hupapa gschpielt.

Er sat nou ganz ruhig, do nem mol den alte Backkorb un tu mol alli Tschick do im Houf zammsammle, zähle un in d Korb schmeiße. Fun jetzt ou hots mr hinne ougfangzu popre. Ich hun mr noch gedengt wu nor die viele Tschick herkumme, awr ich hun alles gzählt un m Vatr gbrung. Iwr dem schreit mei Motter im Schtall, ich sein glei zu ihr grennt un wolltr helfe, an den iwrschtraute Kuhpladr wu s jetzt bis an die Knechl drin gstann hot, hun ich nimmi gdenkt. Awer sie hot glei nou mr gkrapscht un hot mich a glei ghat, sie hot mr gsat das der Dreck net fun heit ist, un hot mol richtich drufgdrescht, in meim Ejlend hun ich gsat , Mottr schlat mich net ich geb eich 4 Lei, awr des hot alles nix gnutzt sie war so richtich in Schwung.
Endlich hat ich des Glick un war r ausgwischt, un glei ruft mei Vatr: na Fritzche wievl Tschick hoscht gsammelt? Ich hun gsat 29, hun awr net gsie dasr d Schusterrieme schun in d Hand ghat hot, un schun hotr mich iwrm Knie ghat un druf ghaa. Uf mei Kipparsch hat ich schun ganz vrgeß. Nou hotr mr nochmol siwe odr acht iwrgzou un sat, die erschti ware for des, weil heit niemand doe war, un die letschte weil du nou d driti Klaß noch net bis simmunferzich (47) zäjle kannscht.
Ufgschrieb vum Vetter Fritz Raff

Dreimol Kerwei!


Kerwei, in Semiklosch...


...wiedrum, jetzt in Steierdorf,...


...un nochemol Kerwei! (desmolrum is se e bissle nass... die Kerwei vun Sanktanna).

Fotos und Texte: Karl Windberger. (ins Schwäbische übersetzt: Helen Alba)