Montag, 2. Februar 2009

Cosma und seine Jünger


Aus dem Schiltal ist zu hören, dass die Bergleute in einem Migrationsprozess begriffen sind: von ihren bisherigen Gewerkschaften - schlechten Rufs, aber sozial zufriedenstellend – zu den zwei neuen Gewerkschaften, die seit Miron Cosmas Freilassung entstanden sind. Die „Liga Miron Cosma“ und die „Libertatea 2008“ gewinnen täglich neue Mitglieder. Laut Adrian Jurca, dem Gewerkschaftschef der Freien Gewerkschaft der Grube Livezeni, sind dort noch 1500 Gewerkschaftsmitglieder eingeschrieben, also etwa 500 weniger als vor Cosmas Freilassung.


Miron Cosma, in den neunziger Jahren zum Staatsfeind Nr.1 avanciert, indem er erst dem Ruf des Postkommunisten Ion Iliescu folgte und vermeinte, in Bukarest die „Revolution“ zu retten und dadurch auf den Geschmack gewalttätig ausgeübter Macht kam, dönt schon wieder von „eigener“ Gewerkschaft und „eigener“ Partei und unternimmt medienwirksame Aktionen, bei denen er von seinen treuen Jüngern Constantin Cre]an, Dorin Loi{, Vasile Savu und anderen sekundiert wird.


Jüngst „feierten“ Cosma und 50 seiner Jünger zehn Jahre seit der „Schlacht von Coste{ti“ (1999), als Cosma den Polizei- und Gendarmeriegenerälen eine Finte nach der anderen schlug. Beispielsweise ließ er seine mit Steinen und Knüppeln bewaffneten Bergleute von den Gemeindebewohnern – die sich in aller Stille solidarisiert hatten mit den Kumpeln – Katzen einsammeln und diese loslassen, just als die Hundestaffel der Gendarmerie auf die Masse der Bergleute gehetzt wurde. Cosma und seine 50 Begleiter pilgerten ins Hügelland um Coste{ti und tauschten Erinnerungen an ihre „Heldentaten“ aus, daran, was es praktisch heißt, das Gelände zu kennen, die Bevölkerung sympathisierend hinter sich zu haben und den Berufsgenerälen Überlegenheit zu demonstrieren. Nach mehreren Zusammenstößen mit den zusammengewürfelten Ordnungskräften und deren konfusem Generalstab waren die Kumpel zu Fuß bis Râmnicu Vâlcea ins Alttal vorgestoßen und zuletzt mit dem „Frieden von Cozia“ ruhiggestellt worden. Gelöst wurde der Konflikt durch die Verhaftung von Miron Cosma und seine Verurteilung.

Die ADZ haftet an der Wand


Renovierung im „Café des Bouquinistes“


oz. Temeswar – Hölzerne Bücherregale, klassischer Jazz und ein Dutzend Teesorten zählten schon immer zu den Markenzeichen von „Café des Bouquinistes“. Das literarische Café wurde vor Kurzem innerhalb von fünf Tagen renoviert. Der Inhaber, Tiberiu Popa, hat einen Studenten von der Fakultät für Bildende und Darstellende Kunst mit der Erneuerung seiner Bar beauftragt.

Die ADZ an der Übergangswand

Foto: Oliver Zsilko


Der angehende Akademiker hatte ihm schon voriges Jahr das Bild, auf dem Bücher zu sehen sind, im hinteren Raum gezeichnet. Diesmal sollte der Studierende Gesichter auf den Wänden zeichnen. Er zeichnete Abbildungen aus der Barockzeit und kam zusätzlich mit der Idee, Seiten(teile) aus Büchern und Zeitungen aufzukleben. Zuerst bildete er eine Tür aus Buchseiten am Übergang zwischen den zwei Großräumen nach. Zwischen den rumänischen und französischen „Zeilen“ haftet im Übergangsinneren ein Teil der ersten ADZ-Seite vom 4. April 2008. Weil der Inhaber für seine Bar zwei literarische Cafés aus Paris und Wien als Modell hatte, wollte er unbedingt auch Seitenblätter in deutscher und französischer Sprache an der Wand aufgeklebt haben. Ein paar alte Werbeplakate erinnern an den Sechszigern, wobei ein originales Moulin-Rouge-Plakat aus dem Chambre séparée das bedeutendste von allen ist. An der Bar steht eine neue Wand mit runden Öffnungen, in der Alkoholflaschen aufbewahrt werden. Drei alte Hängelampen, die zusätzlich die Räume beleuchten, hat Tiberiu Popa einer deutschen Rentnerin aus Bruckenau/Pischia abgekauft. Diese nutzte die Alte nicht mehr und sie lagen auf dem Dachboden.


Das literarische Café wurde nach dem Antiquariat benannt, das am Ufer der Seine zu finden ist. Wegen des neuen Rauchergesetzes in der Öffentlichkeit hat Popa beschlossen, aus „Café des Bouquinistes“ eine Raucherbar zu machen.


Abfälle direkt in die Kanalisation gespült


Krankenhäuser gewaltig an Umweltnormen vorbei


Der Flüssigabfall, unter anderem auch jener von Patienten, die an Hepatitis, HIV oder Tuberkulose leiden, wird direkt in die städtische Kanalisation geleitet. Das Victor-Babes-Krankenhaus in Temeswar/Timisoara verfügt über keine Kläranlage, die den Flüssigabfall entsorgen kann. Laut Gesetz dürfen die Flüssigabfälle, die aus Krankenhäusern stammen und zur Erkrankung der Bevölkerung führen können, nur nach Vorkehrungen in Sachen Sterilisation und Desinfektion, ins städtische Kanalisationsnetz geleitet werden.


Die Verbrennungsanlage Pro Air Clean ist auf die Beseitigung von Sondermüll spezialisiert.

Foto: Zoltán Pázmány

„Die Flüssigabfälle gelangen in die Toilette. Nur der Sondermüll des Krankenhauses wird von einem Unternehmen, das sich mit der Entsorgung des Sondermülls beschäftigt, abtransportiert. Wir hatten selber eine Verbrennungsanlage im Krankenhaus, die ist aber nicht mehr funktionstüchtig“, sagt Adriana Socaci, Leiterin des Victor-Babes-Krankenhauses. „Wir haben voriges Jahr Gelder vom Bürgermeisteramt beantragt, um eine Kläranlage zu errichten. Wir haben kein Geld bekommen. Es gibt Versprechungen, dass wir dieses Jahr die nötigen Gelder bekommen“, fügt Adriana Socaci hinzu.


Experten meinen, dass theoretisch jede Krankheit durch Abwasser übertragen werden kann. „Alle Krankheiten sind so übertragbar, wir hatten bislang jedoch keinen derartigen Fall. Man sollte jedoch schnellstens was machen, damit in Zukunft nicht derartige Fälle auftauchen“, sagt Dr. Iosif Marincu, ehemaliger Direktor des Krankenhauses.


Trotz dieser Tatsachen scheint keiner etwas dagegen zu unternehmen. Die Verantwortlichen der Temeswarer Gesellschaft für Siedlungswasserwirtschaft Aquatim sind der Meinung, dass die Krankenhäuser selber dafür verantwortlich seien, keine verseuchten Abwässer ins städtische Kanalisationsnetz zu leiten. Laut Gesetzgebung dürfen nur die Abwässer in der städtischen Kanalisation und in den Kläranlagen landen, die im vorhinein desinfiziert oder sterilisiert wurden. Diese Vorgänge müssten in Analysenblättern auftauchen, die periodisch vom Gesundheitsamt ausgestellt werden. „Das Gesundheitsamt muss ebenfalls dafür sorgen, dass die Krankenhäuser das Gesetz einhalten“, sagt Loredana Leordean, Referentin für Öffentlichkeitsarbeiten bei Aquatim. Das Gesundheitsamt ist da anderer Ansicht. „Jedes Krankenhaus muss einen Vertrag mit einem Unternehmen schließen, das sich mit dieser Art von Problemen beschäftigt. Wir überprüfen sie nicht“, sagt Dana Spac, Pressesprecherin des Temescher Gesundheitsamtes.

Olivian Ieremiciu