Donnerstag, 27. Mai 2010

Firmung im römisch-katholischen Dom

Der römisch-katholische Bischof Martin Roos vergab am Pfingstsonntag das heilige Sakrament der Firmung.
Foto: Zoltán Pázmány

Jugendliche in ihrem Glauben gestärkt
Temeswar
(BZ) - Sie versammelten sich im Hohen Dom zu Temeswar/Timisoara, um das heilige Sakrament der Firmung zu empfangen: 55 Jugendliche waren am Pfingstsonntag – einem sonnigen Sonntagmorgen - mit ihren Paten in den römisch-katholischen Dom gekommen, um durch den Bischof Martin Roos konfirmiert zu werden. Die Zeremonie begann mit einem Gottesdienst, im Rahmen dessen die eigentliche Firmung stattfand.
Das heilige Sakrament der Firmung liegt die Taufe zugrunde, wo die Eltern stellvertretend für das Kind das Glaubensbekenntnis abgeben. Bei der Firmung gibt der Jugendliche, der mindestens 12 Jahre alt sein muss, dieses Glaubensbekenntnis noch einmal ab. Gewöhnlich findet die Firmung ein paar Jahre nach der Heiligen Kommunion statt.
Bereits einige Monate zuvor muss sich der Firmling auf das Ereignis, das den offiziellen Wechsel vom Kind zum Erwachsenen kennzeichnet, vorbereiten. Während der Zeremonie werden dem Firmling vom Bischof die Hände auf die Stirn gelegt. Der Jugendliche wird mit einer in der Karwoche geweihten Mischung aus Balsam und Öl gesalbt. Abschließend tragen die Firmlinge das Glaubensbekenntnis vor. Bei der Firmung wird nicht nur der Glaube gestärkt, sondern man wendet sich zudem auch von den Mächten des Bösen ab. Die Firmung endet gewöhnlich mit einem Familientreffen, wo dem Firmling gratuliert wird.

BANAT AKTUELL

DSTT-Intendant geehrt
Der Intendant des Deutschen Staatstheaters Temeswar/Timisoara (DSTT), Lucian Varsandan (35), wurde vergangene Woche von der Kulturdirektion des Kreises Temesch/Timi{ geehrt. Er erhielt das Exzellenzdiplom für seine Verdienste in der Förderung der Kulturtätigkeit in der Stadt Temeswar. Ferner wurde der Theaterdirektor, nebst weiteren Banater Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft, Bildung und Geistesleben, zum Mitglied des Ehrensenats der Temeswarer West-Universität ernannt. Die Mitgliedsurkunde nahm der DSTT-Intendant, der an dieser Universität die Philologie- und Jura-Fakultät absolviert hat, innerhalb einer Festveranstaltung von Universitätsrektor Prof. Dr. Ioan Talpos entgegen.

Geldstrafen für Terrasseninhaber
Einige Terrasseninhaber am Domplatz in Temeswar/Timisoara erhielten vor Kurzem Geldstrafen, weil sie die von der Stadtverwaltung vorgegebenen Funktionsregeln nicht eingehalten hatten. Die Sonnenschirme waren nämlich mit Werbematerialien bedruckt, was seit 2007 untersagt ist. Die Geldstrafen betragen 200 bis 1000 Lei. Auf sechs Domplatz-Terrassen wurde anhand der Sonnenschirme für verschiedene Getränke geworben.

Patriarch kommt zum Klassentreffen
Der Patriarch der orthodoxen Kirche Rumäniens kommt am 5. Juni zur 40. Jahresfeier seit dem Abschluss des Coriolan-Brediceanu-Lyzeums in Lugosch/Lugoj. Die Festveranstaltung ist für 10 Uhr angesetzt. Der Patriarch Daniel ist am 22. Juli 1951 im Dorf Dobresti der Gemeinde Bara bei Lugosch geboren und hat bis 1970 das Coriolan-Brediceanu-Lyzeum besucht. Zusammen mit dem Lugoscher Pfarrer Mihai Sidei besuchte der Patriarch die Theologiehochschule in Hermannstadt/Sibiu. Im Juli vergangenen Jahres stattete das Oberhaupt der orthodoxen Kirche Rumäniens der Stadt an der Bega einen Besuch ab, im Rahmen dessen er die orthodoxe Kirche „Învierea Domnului“ einweihte. Es war das erste Mal in der Geschichte der Stadt, dass ein orthodoxer Patriarch nach Lugosch kam.

Deutschsprachige Medientage
Mit einer Pop-Rock-Tournee durch Rumänien, Serbien, Kroatien und Ungarn im Rahmen des Projekts „Deutsche Kulturregion Alpen-Donau-Karpaten 2010“ feiert der Verein FunkForum die deutschsprachigen Medientage. Die Konzerte der fünf Pop-Rock-Bands, die sich daran beteiligen, finden im Zeitraum 18. – 27. Juni statt. Das Projekt „Deutsche Kulturregion Alpen-Donau-Karpaten 2010“ ist ein Anlaufprojekt der diesjährigen europäischen Kulturhauptstadt Fünfkirchen/Pécs, das die Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen der deutschen Minderheit aus Ungarn und den Ländern aus dem südlichen Gürtel fördert.

Reschitza gewinnt Rumänienpokal
Die Handballer von UCM Reschitza/Resita haben den Rumänienpokal der Herren gewonnen. Im Endspiel traf die Mannschaft von Trainer Gligore Czari auf HCM Constan]a und siegte 30:29. In Reschitza gilt dieser Erfolg jedoch längst nicht als Ersatz für eine erneut verpasste Meisterschaft und ein frühes Ausscheiden aus dem Europapokal-Wettbewerb. Diese Mankos haben Trainer Aihan Omer vor wenigen Wochen den Job in Reschitza gekostet.

Zusammengestellt von Raluca Nelepcu

Jüdische Kulturwoche in Temeswar


Maia Morgenstern (rechts) bei der jüdischen Kulturwoche in Temeswar
Foto: Zoltán Pázmány



Filmprojektionen und Konzerte angesagt
as. Temeswar - Die Temeswarer Gemeinschaft der Juden lädt derzeit zur jüdischen Kulturwoche ein. Konzerte, Fotoausstellungen und Filmprojektionen stehen auf dem Programm. Unter dem Motto „Hebräische Romantik“ findet heute, um 19 Uhr im Orpheum-Saal der Temeswarer Musikhochschule (Libertatii-Platz, Nr. 1) ein Konzert mit Musik von Achron, Bruch, Lalo und Perlman statt. Es spielen Isabelle Durin (Geige) und Michaël Ertzscheid (Klavier). „Die Hebräische Musik ist direkt mit der Geschichte des jüdischen Volkes und seinem tragischen Schicksal verbunden“, sagt Künstlerin Isabelle Durin. Kinofreunde sind morgen zu einer Filmprojektion beim Sitz der jüdischen Gemeinschaft in Temeswar/Timisoara (Gheorghe-Lazar-Straße, Nr. 5) eingeladen. „La petite Jérusalem“ („Das kleine Jerusalem“) heißt der Film der Regisseurin Karin Albou, der morgen ausgestrahlt wird. Als „kleines Jerusalem“ wird ein Stadtviertel innerhalb eines Pariser Vorortes bezeichnet, wo hauptsächlich Juden wohnen. Hier versucht die 18-jährige Laura zwischen ihrem Philosophiestudium und ihrer religiösen Erziehung ein Gleichgewicht zu finden. „Der Film wiedergibt die Art und Weise wie uns unsere Abstammungskultur prägt“, sagt Luciana Friedmann, Leiterin der Jüdischen Gemeinschaft in Temeswar. Auch eine Zeichenausstellung der französischen Künstlerin Laureen Topalian zum Thema „Jüdisches Kulturerbe in Temeswar“ ist bis Anfang Juni im französischen Kulturzentrum zu sehen. In bunten Zeichnungen widergibt Topalian Details der Temeswarer Synagogen und bringt somit deren Bedeutung und Schönheit hervor.
Die Kulturwoche soll ein breites Publikum mit der jüdischen Kultur in Kontakt bringen und damit den Dialog über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg lebendig erhalten. „Das jüdische Kulturerbe soll in unseren Herzen bleiben. Wir müssen es weiter vermitteln“, sagt die Schauspielerin Maia Morgenstern, die gestern abend im Rahmen der jüdischen Kulturwoche eine jiddische Vorstellung bot. Jiddisch ist eine westgermanische Sprache mit hebräischen und slawischen Elementen. Jiddisch ging zur Zeit des Hochmittelalters aus dem Mittelhochdeutschen hervor und ist allgemein noch der deutschen Sprache sehr nahe.
Insgesamt 13.000 Juden waren es vor dem Zweiten Weltkrieg im Raum Temeswar. Heute sind es an die 600 Juden, die derzeit in der Stadt an der Bega leben. „Etwa die Hälfte davon kommen noch regelmäßig zu unseren Veranstaltungen. Ziel unserer Gemeinschaft ist, einerseits religiöse und kulturelle Veranstaltungen zu organisieren. Andererseits versuchen wir die Senioren unserer Gemeinschaft zu unterstützen, damit sie sich hier wie in einer Familie fühlen“, schließt Luciana Friedmann.

Kontrollbehörden kein Schreckgespenst

Ansicht wird jedoch nicht generell geteilt
Es ist immer eine Angelegenheit, aber auch eine Frage auf welche Seite der Schranke die jeweilige Partei steht. Kontrollbehörden jeder Art sehen sich als die Faktoren, die „bloß ihren Dienst versehen“, Transparenz ist für sie nichts Neues und oftmals sind sie die „netten Berater“. In Unternehmerkreisen fürchtet man jedoch jede Art von Kontrolle, muss oft das Konto plündern um saftiges Bußgeld zu begleichen und ist deshalb auch nicht selten geneigt, Geschichten nach Weidmanns Art über „geldgierige Kontrollgänger“ zu erzählen – Geschichten, die so häufig erzählt werden, dass sie letztendlich auch glaubwürdig erscheinen. Es ist nicht zuletzt auch eine Frage, was die Boni den Finanzbeamten bringen: Verweigerung von Schmiergeldern oder überkorrektes Kontrollieren, um je mehr Anteil an den Einnahmen aus Strafgeldern zu kassieren?
Von diesen Perspektiven ausgehend veranstaltete kürzlich die Temescher Industrie- und Handelskammer ein Treffen zwischen den Vertretern der verschiedenen Institutionen mit Kontrollaufgaben und den Unternehmern.
75 Leiter von Firmen hatten sich eingefunden, ihr Fokus richtete sich vor allem auf die Finanzpolizei (Garda Financiara), deren leitender Direktor, Florin Frujina am meisten den Fragen ausgesetzt war. Beschwerden über wiederholte Kontrollen, Art der Straferteilung und die Handhabung verschiedener Reklamationen von Außen waren die häufigsten Aspekte, die aus dem Saal aufgeworfen wurden. „Es ist nicht so, dass unsere Kommissare Firmenbesuche abstatten, mit dem klaren Vorsatz, Strafen zu verhängen. Das sind eher Geschichten verärgerter Firmenchefs, die Bußgelder zu begleichen hatten“, sagte nach dem Seminar Florin Frujina der Banater Zeitung. Frujina gab zu, dass Reklamationen oder thematische Kontrollgänge zusammen mit dem Finanzamt, Polizei, Zoll oder anderen Behörden oftmals dazu führen, dass innerhalb weniger Monate ein- und dieselbe Firma gleich des öfteren überprüft wird. „Prinzipiell wollen wir das nicht, doch es lässt sich nicht vermeiden“, sagt Frujina.
Gesundheitsamt, Veterinäramt oder Verbraucherschutz sehen sich in vielen Hinsichten nicht nur als Überwacher, sondern eine Behörde, bei der das Wort „Prävention“ ganz groß geschrieben wird. Wie es die Firmen sehen, bleibt auch nach dem erläuternden Seminar offen. Einer der Unternehmer dürfte als repräsentativ für viele der 75 Teilnehmer stehen. „Mal sehen“, schlussfolgerte er lakonisch. (st)

Prinz Eugen – Feldherr, Philosoph und Kunst-Freund

Prinz Eugen von Savoyen befreite 1716 Temeswar und das Banat von den Türken.
Foto: Privat



Anmerkungen zur Ausstellung im Unteren Belvedere in Wien/ Von Hans Dama

Dem legendären Staatsmann und Feldherrn in habsburgischen Diensten, der sich auch als Philosoph und Kunstfreund große Verdienste erworben hat, ist im Wiener Unteren Belvedere unter dem Titel „Prinz Eugen – Feldherr, Philosoph und Kunst-Freund“ eine umfangreiche Ausstellung gewidmet.
Das Wiener Belvedere mit zwei Schlössern und einer prachtvollen barocken Gartenanlage wurde Anfang des 18. Jahrhunderts von Johann Lucas von Hildebrand als Sommerresidenz für Prinz Eugen errichtet. Ein Rundgang durch das ehemalige Wohnschloss, die Orangerie, die Gärten zeigt den Mythos wie den Menschen Prinz Eugen, gleichzeitig lässt die barocke Farben- und Formenlust seine Zeit wieder aufleben.
Über den Prinzen Eugen (1663-1736), eigentlich Prinz Eugen Franz von Savoyen-Carignan-Soissons, der französische Philosoph Voltaire: „Er hat die Größe Ludwigs XIV. und die Macht der Osmanen erschüttert; er hat das Reich regiert, und im Verlauf seiner Siege wie seiner Staatsverwaltung achtete er Gepräge wie Reichtümer gleichermaßen gering“.
Die kleine zierliche Gestalt des Prinzen schien in Frankreich ein Hindernis für eine Militärlaufbahn zu sein, und man dachte, dass er eher ein Abbé werden sollte. Der Sonnenkönig verweigerte dem „kleinen Abbé“ die Aufnahme in seine Armee, unterschätzte aber dessen Tugenden gewaltig und bedauerte später diesen Schritt. Louis XIV.: „Dieser Prinz ist ein unnachahmliches Muster für alle Regenten und Staatsmänner; ich kann seine eiserne Treue und Anhänglichkeit an seinen Souverän, sein reines Gefühl von Vaterlandsliebe und den hohen Begriff von strenger Erfüllung seiner verschiedenen Pflichten nicht genügend bewundern; aber ich kann auch den Verlust, den Frankreich selbst an ihm erlitten hat, nicht genug bedauern.“ (überliefert von Madame de Maintenon an den Herzog von Richelieu Sartori 1808).
Liselotte von der Pfalz schrieb 1705 an die Raugräfin Louise von Baden: „Prinz Eugen hat ziemlich Inclination vor den geistlichen Stand, hätte ihm unser König eine Abtei gegeben oder nur eine Pension von 2000 Taler, so wäre er geistlich geworden und hier geblieben. (...) Er incommodiert sich nicht mit Damen, ein paar schöne Pagen wären besser sein Sach.“ Prinz Eugen kehrte seinem Vaterland Frankreich den Rücken und erlebte in dessen Kontinentalrivalen Österreich einen kometenhaften Aufstieg zum Feldherrn und einem der einflussreichsten Staatsmänner seiner Zeit, der das Geschick des Landes und auch dessen Kunst- und Kulturgeschichte nachhaltig geprägt hat.
Er war Diplomat und Ratgeber dreier Kaiser: Leopold I., Josef I. und Karl VI. (dem Vater Maria Theresias), reiste quer durch Europa, von einem Kriegsschauplatz zum anderen, und spielte eine maßgebliche Rolle für die Zukunft des Hauses Habsburg.
Der Prinz sprach lebenslang ein schlechtes Deutsch sprach und widmete sich mit Geschmack der Ausstattung seiner Wiener Residenzen – das Winterpalais in der Himmelpfortgasse beherbergt heute das Finanzministerium – und seines Jagdschlosses „Schloss Hof“ sowie dem Aufbau einer umfangreichen Sammlung von Gemälden und Kupferstichen, Inkunnabeln, illuminierten Handschriften und Büchern.
Von den Kriegsschauplätzen korrespondierte er mit Künstlern und Kunsthandwerkern, Gartenarchitekten, Baumeistern und führenden Persönlichkeiten seiner Zeit. Seine Erwerbungen schrieben europäische Kunstgeschichte und förderten den Kunsttransfer vom Hof des Ludwig XIV. nach Wien. Das naturwissenschaftliche Interesse des Prinzen bezeugt seine große Sammlung exotischer Tiere und Pflanzen.
In der Ausstellung werden Exponate seiner Kunstsammlungen, vornehmlich Gemälde der Turiner Galeria Sabauda und Zimelien der Bibliotheca Eugeniana aus der Österreichischen Nationalbibliothek, in Anlehnung an die originalen Raumdekorationen präsentiert. Die Themenräume der Wiener Ausstellung sind chronologisch geordnet und zeigen die kulturellen Erwerbungen des Prinzen im Zusammenhang mit seinen Kriegs- und Siegeslagern:
1. Der „kleine Abbé“ (Herkunft und Familie)
2. Bauherr im Felde (Kriegs- und Siegeslager – Fürsorge für seine Soldaten; Pfälzischer Erbfolgekrieg 1688-1696; Spanischer Erbfolgekrieg 1701-1714; Ungarische Rebellion; Italienfeldzug; Prinz Eugen und der Herzog von Marlborough; Schlacht von Höchstädt 1704; Friede von Rastatt 1714; Schlacht von Peterwardein 1716; Prinz Eugen, der „edle Ritter“)
3. Sammler und Mäzen (Gemäldesammlung; Schlachtenbilder; Stadtpalais; Gartenpalais Belvedere; der Belvederegarten)
4. Bücherfreund (Freundeskreis; Bibliotheca Eugeniana)
5. Naturfreund (Schloss Hof; Eugens letztes Kommando – der Polnische Erbfolgekrieg)
6. Tod (Tod, Erbschaft und Verklärung; Erbschaft und Verkauf; Kunsttransport von Wien nach Turin 1741; Verklärung)
Von der Wiener Albertina sind zahlreiche Kupferstiche aus der Sammlung des Prinzen Eugen ausgestellt, aus der Bibliotheca Eugeniana sind Porträts bedeutender Persönlichkeiten seiner Zeit zu sehen: Philosophen, wie z. B. Gottfried Wilhelm Leibnitz, Jean Jacques Rousseau; Eleonore Gräfin Stratmann, die Gemahlin des kaiserlichen Reichshofrats Heinrich Graf Stratmann (1662-1707), die zum engeren bzw. intimen Kreis des Prinzen gehörte sowie Eleonore Magdalena Ursula Gräfin von Batthyány (1672-1741), die „schöne Lori“ genannt, die die politischen Entscheidungen des Prinzen während seiner letzten Lebensjahre wesentlich beeinflusst hatte. Adam Müller-Guttenbrunn hat beide Frauengestalten in die Nebenhandlung – um den Kreis von Prinz Eugen – seines Romans „Der große Schwabenzug“ eingebaut.
Unter den Exponaten (Nr. 52) befindet sich nebst anderen wertvollen Ausstellungsstücken auch der 1696 in Augsburg gefertigte Silberschrein, in dem bis 2007 der Schädel des auf Geheiß des Sultans nach der verlorenen Schlacht um Wien (1683) am 25.12.1683 bei Belgrad mit der Seidenschnur gerichteten Großvesirs Kara Mustafa aufbewahrt wurde. 1688 wurde der Schädel nach Wien gebracht und bis 1976 im Museum der Stadt Wien ausgestellt, anschließend im Depot aufbewahrt und schließlich 2007 im Wiener Zentralfriedhof anonym beigesetzt.
Desgleichen werden Schlachtpläne (Peterwardein, Zenta u. a.) sowie eine Darstellung der Friedensverhandlungen von Karlowitz samt Verhandlungszelt, Sitzordnung usw. gezeigt.
Prinz Eugen ist durch die Einnahme der Festung Temesvár 1716 als Befreier der Stadt und des Banats –1718 – Friedensvertrag von Passarowitz: 21. Juli 1718 (heute: Požarevac in Serbien) –, demgemäß das Temescher Banat und die Kleine Walachei (die Oltenia im heutigen Rumänien) sowie Nordserbien mit Belgrad unter dem Namen Temescher Banat österreichisch wurden, in die Geschichte eingegangen.
Die Ausstellung widmet sich neben der chronologischen Aufarbeitung der wichtigsten historischen Ereignisse – vor allem der Person des Prinzen –, seinen philosophischen Qualitäten und seiner Sammelleidenschaft, versucht, Bezüge herzustellen, um auf diese Weise ein erweitertes Bild von einem der bedeutendsten Europäer zu vermitteln. Selbstbewusst unterstrich er mit seiner in drei Sprachen verfassten Signatur „Eugenio von Savoy“ seine Multikulturalität.
Ein weiterer Aspekt der Ausstellung ist sein Wirken als umtriebiger und genialer Bauherr, der es verstand, den Architekten seine bedingungslosen Anliegen und seine Entschlossenheit in kürzester Zeit so zu vermitteln, dass diese imstande waren, Großartiges zu leisten. So ließ der gerade zum Feldmarschall ernannte Eugen von Savoyen zwischen 1695 und 1697 sein Stadtpalais in der Himmelpfortgasse errichten. Das als gelungene Synthese von italienischen Hochbarock und französischer Klassik angesehene Umbauwerk entstammt im Wesentlichen der planenden Hand des Johann Bernhard Fischer von Erlach.
Als Prinz Eugen von Savoyen nach der Schlacht von Zenta, dem glänzendsten Sieg, den kaiserliche Heere jemals gegen die Osmanen errungen hatten, 1697 nach Wien zurückkehrte, befand sich die kaiserliche Hauptstadt Wien in einer Phase des großen Aufschwungs: Kaiserhof, Adel und Kirche wetteiferten in einer schier unbezwinglichen Baulust. Es entstanden Kirchen, Klöster, private Paläste und zahlreiche Gartenanlagen. Der Anteil des Prinzen am künstlerischen Gesamtbestand des österreichischen Barock, entsprossen aus der Sehnsucht nach fürstlicher Machtentfaltung und aus dem nach geziemenden Ausdruck ringende
n Willen zur Repräsentation, ist aus der Kunst des mittleren Europa nicht wegzudenken.

Im Unteren Belvedere in Wien ist bis am 6. Juni eine Ausstellung über Prinz Eugen zu sehen.

Foto: Privat

Erneuerbare Energien als Seminarthema

Deutsche Investoren - viel Potential in Rumänien
Braun- und Steinkohle werden immer teurer und mühsamer abzubauen, der Waldbestand ist in Rumänien nach der Wende um 40 Prozent zurückgegangen, herkömmlicher Flüssigtreibstoff ist mittlerweile mit harter Währung zu vergleichen. Deshalb mit ein Grund, warum erneuerbare Energien immer wieder in den Fokus von Investoren rücken. Die Hürden, die manch einem Investor in Sachen regenerierende Energien im Wege stehen, sind jedoch nicht gering. So kann Strom aus Bioanlagen noch nicht ins Netz eingespeist werden, Großlandwirte legen kaum Wert darauf, spezielle Pflanzen dazu anzubauen und Kleinbauern sind längst noch nicht auf den Gedanken oder den Geschmack gekommen, über Langzeitverträge mit Produzenten von Bioenergie zusammen zu arbeiten. Auch die Frage, ob es überhaupt lohnt, Mais anzubauen und später daraus Biotreibstoff herzustellen, führt zu unendlichen Debatten, wobei nicht zuletzt auch das Abernten dieser Flächen zur Umweltbelastung beiträgt. Fünf Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche würden in Rumänien jedes Jahr brach liegen, sagt Johann-Lucas Oradan, Direktor der deutschen EnviTec Biogas AG mit Niederlassung in Arad. „Darüber hinaus kann Energiemais als Erstkultur angebaut werden, als Zweitkultur besteht die Möglichkeit, Futterpflanzen anzubauen“. Mittlerweile gibt es auf den internationalen Märkten jedoch auch die Tendenz, spezielle Energiepflanzen anzubauen. Gefallen ist vor allem zuletzt beim interaktiven Seminar zum Thema „Biomassen-Energieträger“ der Begriff Switchgrass.
Auf Einladung von Europeans Contakts fand in Temeswar/Timişoara ein Seminar zu diesem Thema statt, an dem unter anderen der deutsche Peter Riesen von der Rifa Bio Systeme wie auch Dr. Johann Rumpler von der Landwirtschaftskammer des deutschen Bundeslandes Sachsen-Anhalt teilnahmen. Moderator des Events war Manfred Engelmann, Vorsitzender des Deutsch-Rumänischen Wirtschaftsvereins in Arad. Peter Riesen referierte, unterstützt von einer besonders übersichtlichen Power-Point-Präsentation, über „Energie aus der Region für die Region“. Die Redner des Seminars wiesen an diesem Tag auf immer knapper und teurer werdende fossile Brennstoffe hin sowie auch darauf, dass Holz als Brennstoff immer knapper wird. Anschaulich zeigte Johann Rumpler, dass die Verwertung von Materialien, die auf dem Acker produziert werden, eine gute Alternative für den Landwirt bietet. Energetisch verwertbar sind seiner Meinung nach sowohl Stoffe, die speziell zur Energieerzeugung angebaut werden, wie auch Reste, die bei der Lebensmittel- oder Futterproduktion anfallen. Es reicht längst nicht, durch den Anbau oder die Veredlung von Agrarreststoffen, verwendbare Energie zu erzeugen. Es bedarf nämlich innovativer Hightech und Deutschland ist auf diesem Gebiet als Vorreiter anzusehen. Johann-Lucas Oradan stellte das Prinzip einer Biogasanlage vor – der Banater Zeitung sagte er, dass diese Art von Anlagen in den kommenden Jahren an Gewicht und Anzahl deutlich zunehmen wird. Momentan gibt es noch keine in Rumänien, doch seine Firma EnviTec Biogas beginnt demnächst mit dem Bau solcher Anlagen – höchstwahrscheinlich im Banat. Gülle käme durch Biogasanlagen nicht mehr in den Boden und ins Grundwasser, sondern würde als Gärsubstrat aus Biogasanlagen für Wärme sorgen und so zum Brennstofflieferanten werden.
Die Redner fanden, dass es nicht reicht, Subventionen für landwirtschaftliche Nutzflächen zu erhalten, sondern es bedarf auch einer adäquaten Gesetzgebung und einer erfolgsorientierten, pragmatischen Durchführung. „Genehmigungsverfahren müssen einfach sein und der neuen Technik Rechnung tragen, Auflagen müssen auf das Nötige beschränkt werden und Subventionen transparent, kalkulierbar und zuverlässig sein“, hieß es bei den Rednern.
Siegfried Thiel

Der Held von Annapurna

Horia Colibasanu bei der Besteigung von Annapurna
Foto: Privat

Horia Colibasanu schafft neue Landespremiere

Aus 8091 Metern Höhe blickte er hinunter. Genauer gesagt, vom zehnthöchsten Ort der Erde. Der Temeswarer Bergsteiger Horia Colibasanu ist der erste Rumäne, der den 8091 Meter hohen Annapurna-Gipfel in Nepal bezwungen hat. Bereits zweimal hatte er versucht, auf den Gipfel zu gelangen. Bei der zweiten Expedition verlor er seinen Freund Inaki Ochoa de Olza, der in 7.000 Metern Höhe kollabierte. Erst der dritte Versuch, im April 2010, erwies sich für den Temeswarer als erfolgreich. Doch auch bei dieser Expedition forderte der Berg ein Opfer: Der spanische Alpinist Toto Calafat kam dabei ums Leben.


Der Annapurna-Gipfel gilt wegen der großen Lawinengefahr und dem Eisbruch als extrem gefährlich, 60 Bergsteiger fanden bei seiner Besteigung den Tod. Vor allem Wind und Kälte sind auf Annapurna gefürchtet. Horia Colibasanu erinnert sich: „Am schlimmsten war es nachts, da es extrem kalt war. An einem Punkt wollte ich meine Schuhe ausziehen, um zu sehen, ob meine Zehen nicht erfroren sind“. Zehn Stunden brauchte Colibasanu für den anstrengenden Aufstieg, rund vier für den Abstieg.
Auch das Zeitfenster, um den Gipfel zu besteigen, ist überhaupt klein. Nur bis Mai dauert die Saison an dem Annapurna-Gipfel. „Es klingt komisch, aber auf dem Gipfel war es ziemlich eng, wegen der vielen Bergsteiger, da es die ideale Zeit war“, sagt der Temeswarer. Vor allem Bergsteigerin Oh Eun-sun, die am selben Tag wie Colibasanu den Gipfel erreichte, brachte ein großes Team mit sich. Durch die Bezwingung von Annapurna wurde die Südkoreanerin die erste Frau der Welt, die alle Achttausender erklommen hat. Ein Ereignis, das sich die südkoreanischen Fernsehsender nicht entgehen lassen wollten. Ein Team von Kameraleuten begleitete die Bergsteigerin, um ihre fünf Millionen Euro teure Expedition live zu übertragen. „Wir mussten eine Strecke hinter ihnen bleiben, weil es zu gefährlich war, sie zu überholen. Eun-suns Team bewegte sich aber langsam, weil sie viel Gepäck hatten. Wir erreichten den Gipfel erst um 11 Uhr, statt 8 Uhr“, so Colibasanu.
Oh Eun-sun wurde oft wegen ihrer Methoden kritisiert. Die Südkoreanerin lasse sich von Sherpas den Rucksack tragen, mehrfach solle sie künstlichen Sauerstoff benutzt haben, was viele Bergsteiger ablehnen. „Wenn du künstlichen Sauerstoff benutzt, spielst du nicht fair. Es ist so, als wenn du die Frankreichtour mit dem Motorrad schaffst“, sagte Horia Colibasanu, der künftig auch den Mount Everest bezwingen will.
Sein Erfolg ist aber vom Tod des Bergsteigers Tolo Calafat beschattet. „Ich konnte mich meines Erfolgs nicht so richtig erfreuen“, sagt Colibasanu. Der 40-jährige Calafat war knapp 45 Minuten nach Oh Eun-sun mit einem Team am Gipfel. Den Abstieg schaffte er aber nicht mehr und blieb völlig entkräftet in 7500 Metern Höhe zurück. Ein am nächsten Morgen losgeschickter Rettungshelikopter konnte den Spanier nicht mehr finden. „Ich wollte mich auf der Suche nach ihm machen, leider hatten die anderen kein künstlicher Sauerstoff mehr übrig, das ich ihm hätte mitbringen können“, sagt der Temeswarer.
Horia Colibasanu will künftig alle Achttausender ohne künstlichen Sauerstoff besteigen. 2011 will er Lhotse (8516 Meter), den viertgrößten Berg der Erde, bezwingen. Lhotse liegt an der Grenze zwischen Nepal und China und ist der Nachbarberg des Mount Everest.
Ana Saliste

Lugoscher Ringstraße am 16. Juli fertig

Stau auf Nationalstraße DN6: Nachdem der Abschnitt Busiasch-Lugosch saniert wird, soll das Verkehrschaos auf der DN6 ein Ende nehmen.
Foto: Raluca Nelepcu
Abschnitt Busiasch-Lugosch wird generalüberholt
rn. Lugosch – Ab dem 16. Juli wird die Ringstraße der Stadt Lugosch/Lugoj befahrbar sein, teilte das Bürgermeisteramt mit. Der portugiesische Bauherr versicherte die Lugoscher Stadtverwaltung, dass die Arbeiten am 16. Juni ein Ende nehmen. Danach müssen nur noch die Verkehrsschilder angebracht und die Straßenmarkierungen vorgenommen werden. Jeweils ein Kreisverkehr wird an der Temeswarer, Fatscheter bzw. Karansebescher Straße eingerichtet. Nach der Inbetriebnahme der Umgehungsstraße werden die Hauptstraßen Bucegi und Cuza Vod², die durch den Schwerverkehr beschädigt wurden, asphaltiert.
Das portugiesische Joint-Venture Monte Adriano Engenharia e Construcao und Soares da Costa gewann 2008 die Ausschreibung für die Durchführung der Bauarbeiten an der Lugoscher Ringstraße. Ein Jahr dauerte es, bis die Entschädigungen an die Grundstücksbesitzer gezahlt wurden und die Arbeiten beginnen konnten. Die zweispurige Ringstraße wird 9,6 Kilometer lang und zwölf Meter breit sein. Außerdem werden auch eine Brücke über die Temesch, eine Überführung an der Nationalstraße DN68A Lugosch-Diemrich/Deva, eine Überführung über die Eisenbahnlinie Lugosch-Temeswar/Timisoara und eine an der Nationalstraße DN6/E70, die Temeswar mit Lugosch über Rekasch/Recas verbindet, errichtet. Die Investition hat einen Gesamtwert von 23,7 Millionen Euro. 17,8 Millionen Euro sind EU-Gelder, den Rest stellt der rumänische Staat zur Verfügung.
Anfang der Woche haben die Reparaturarbeiten an der Bucegi-Straße auf dem Abschnitt zwischen der Rumänischen Kommerzbank BCR und der Ampel am George-Enescu-Park begonnen. Auf dieser Strecke wird der Gehsteig erneuert. Insgesamt 8.000 Quadratmeter Gehsteig werden mit Fliesen versehen.
Auf der Nationalstraße DN6 verkehren zurzeit äußerst viele Fahrzeuge. Die meisten Fahrer wählen diese Variante, weil die Strecke über Busiasch/Buzias uneben und voller Schlaglöcher ist. Demnächst soll auch diese Straße generalüberholt werden. Die Firmen, die den 29 Kilometer langen Abschnitt Busiasch-Lugosch sanieren werden, wurden Mitte Mai bestimmt: Technocer und Confort müssen in 15 Monaten den Auftrag im Wert von über 28 Millionen Lei zu Ende bringen. In das Projekt werden nicht rückzahlbare EU-Fonds fließen.

Kein Lernzwang für die Kinder

Bei Montessori macht Schule Spaß/ Von Raluca Nelepcu
Auf den Fluren der West-Universität Temeswar/Timisoara herrscht reges Durcheinander. Studenten schlendern durch die Korridore, manch einer beeilt sich zur Vorlesung oder studiert intensiv für die bevorstehende Prüfung. Vor dem Aquarium-Saal im Erdgeschoss der Uni bleiben die meisten für einen Augenblick stehen. Sie staunen, denn das, was hier vor sich geht, ist äußerst untypisch für das Uni-Leben. Etwa 15 Kinder „lernen“ hier, doch wie klassisches Lernen sieht das, was die Kleinen tun, nicht aus. Auf einem ausgebreiteten Teppich arbeiten sie in Kleingruppen. Jedes Kind wählt sich aus, was es lernen möchte, damit Kindergarten und Schule so richtig Spaß machen. Die Bewohner des Montessori-Hauses sind für zwei Tage in die West-Uni gewandert und führen es allen vor, wie der Alltag in der alternativen Bildungseinrichtung verläuft. In Temeswar wird die Woche der Montessori-Pädagogik gefeiert.
„Ich zeige Iulia, wie es funktioniert, danach macht ihr zusammen weiter“, sagt die Pädagogin Karla Sinitean-Singer. Patrick und Iulia sind beide sechs Jahre alt und üben gerade die Zahlen, indem sie diese mit Perlen und Würfeln bildhaft darstellen. Die beiden bekommen von ihrer Lehrerin je eine vierstellige Zahl. Sie müssen erkennen, aus wie vielen Einern, Zehnern, Hundertern und Tausendern diese besteht und schließlich die Zahl anhand von verschiedenen Gegenständen darstellen. Nachdem die Pädagogin vorgeführt hat, wie das Spiel läuft, machen die Kinder allein weiter. Ganz nach dem Motto der italienischen Reformpädagogin Maria Montessori: „Hilf mir, es selbst zu tun“. Den Kleinen macht Mathematik offensichtlich Spaß. In einem klassischen Kindergarten würden sie so etwas in diesem Alter nicht lernen.
Seit 2007 gibt es in der Stadt an der Bega ein Montessori-Kinderhaus mit Unterricht in der Muttersprache Deutsch, im Herbst 2008 wurde die Schule eröffnet. Auf die Idee, einen derartigen Kindergarten zu gründen, kam ein junges Elternpaar, das seinem Kind eine alternative Erziehung bieten wollte. September 2009 übernahm Adina Jinaru, mit fast 30 Jahren Erfahrung im Schulwesen, die Leitung des Montessori-Hauses. Fast 90 Kinder besuchen das Kinderhaus, 17 Schüler im Alter von 6 bis 9 Jahren gehen in die Montessori-Schule. „Wir wollen das Schulsystem erweitern, so dass die Kinder nicht mehr in eine traditionelle Schule müssen“, sagt Adina Jinaru. Im Herbst wird das Kinderhaus in ein neu errichtetes Gebäude im Hof des jetzigen Hauses umziehen – in dem schon existierenden Bau bleibt die Schule. 2012 wird die Anerkennung vom rumänischen Bildungsministerium beantragt.
Wenn hinsichtlich des Kindergartens keine Bedenken bei den Eltern aufkommen, so sind sie weiterhin skeptisch, was die Schule anbelangt. Zwei Gründe liegen dem zugrunde: Zum Einen sind es die Kosten (über 300 Euro im Monat), die sich nicht jeder leisten kann, andererseits die Idee, dass in so einer Schule „nicht gelernt wird“, so Adina Jinaru. Um dieses Vorurteil abzubauen, möchte die Leiterin eine „Schule für Eltern“ einführen: Treffen mit den Eltern also, in denen ihnen Informationen über das Projekt vermittelt werden. Als Neuigkeit kommt ab dem kommenden Schuljahr auch eine Gruppe mit Englis
ch intensiv hinzu.

Iulia und Patrick stellen aus Perlen vierstellige Zahlen zusammen.

Foto: Zoltán Pázmány

Donnerstag, 20. Mai 2010

Bega-Fluss ab Juli schiffbar

Fast beendet: Entschlammung des Bega-Kanals
Foto: Zoltán Pázmány


Schiffe für den Nahverkehr im Plan
rn. Temeswar - Schiffe, Boote, Kajaks, Wasserfahrzeuge der unterschiedlichsten Art – und alles auf der Bega, mitten durch Temeswar/Timisoara. Ein Szenario, das für die Stadt an der Bega noch vor ein paar Jahren kaum vorstellbar war, ab Sommer diesen Jahres jedoch zum alltäglichen Stadtleben gehören könnte. Die Entschlammung des Bega-Kanals nähert sich mit schnellen Schritten dem Ende. Endtermin der Arbeiten ist der 30. Juni, im Juli 2010 heißt es dann, Start frei für den Wasserverkehr auf der Bega. Zurzeit werden die Ufer des Bega-Kanals in den Randvierteln von Temeswar neu hergerichtet.
Die Entschlammung des Bega-Flusses begann im Oktober 2008 nach zweimonatiger Verzögerung. Die Firmen, die die Ausschreibung verloren hatten, fochten das Ergebnis des Wettbewerbs vor Gericht an. Eine Machbarkeitsstudie für das Projekt, die eine holländische Firma erstellte, gab es bereits seit 1999. Ein Jahr lang sollten die Entschlammungsarbeiten dauern, aus Fonds-Mangel wurde das Unterfangen Sommers letzten Jahres für einige Wochen eingestellt und Anfang Juli 2009 wieder aufgenommen. Auch das Wetter spielte nicht immer mit, so dass die Durchführung der Arbeiten nicht immer möglich war.
Die Bega wurde auf einer Länge von ungefähr 40 Kilometern von Temeswar bis zur Grenze zu Serbien entschlammt. Das Projekt hat einen Wert von 17 Millionen Euro – zu 80 Prozent Gelder von der EU. Gleichzeitig mit der Entschlammung wurden auch die Ufer zweckmäßig angelegt und verstärkt. Im kommenden Monat soll ein Ausschuss gebildet werden, der die Kais und Orte, an denen die Schiffe umkehren werden, bestimmt. Ab Juli wird die Schifffahrt vom Temeswarer Wasserwerk bis nach Rumänisch Sanktmichael/Sânmihaiu Român möglich sein, so die Banater Behörde für Wasserbewirtschaftung. Das Bürgermeisteramt beabsichtigt demnächst, zwei Schiffe zu erwerben, die als Nahverkehrsmittel genutzt werden können. Diesbezüglich soll ein Projekt entstehen, das dem Kommunalrat vorgelegt wird.

BANAT AKTUELL

Ausstellung im Kunstmuseum
Temeswarer Kunstfreunde aufgepasst: Am Donnerstag, dem 20. Mai, um 18 Uhr findet im Temeswarer Kunstmuseum die Vernissage der Ausstellung „Lucian Bernhard – Werbung und Design im Aufbruch des 20. Jahrhunderts“ statt. Die Ausstellung ist bis am 6. Juni im ersten Stock des Kunstmuseums zu besichtigen. Lucian Bernhard (1883 – 1972) war ein deutscher Graphiker und Designer und der erste Professor für Plakatkunst überhaupt. Die Familien von Schriftstilen, die er entwickelte, werden als Bernhard bezeichnet. (as)

Euroregionales Theaterfestival in Temeswar
Das ungarische Staatstheater „Csiky Gergely“ in Temeswar/Timisoara lädt im Zeitraum 22. – 29. Mai zum vierten euroregionalen Theaterfestival ein. Theatergruppen aus Serbien, Ungarn und Rumänien werden dabei auf der Temeswarer Bühne auftreten. Ziel der Veranstaltungsreihe ist die Multikulturalität der Banat-Region hervorzuheben. Die Eintrittspreise hängen von jeder Vorstellung ab und betragen 10 bzw. 16 Lei. Schüler und Studenten verfügen über eine Ermäßigung von 50 Prozent. Zur Vorstellung „Sommernachtstraum“ von William Shakespeare - eine Produktion der Studenten der Theaterabteilung der Universität „Babes Bolyai“ in Klausenburg/ Cluj-Napoca - ist der Eintritt frei. Weitere Infos auf
www.theater-csikygergely.ro. (as)

Cristian Chivu kommt nach Reschitza
Cristian Chivu, der Kapitän der Nationalmannschaft Rumäniens, dessen Fußballerkarriere in Reschitza begann, kommt am 25. Mai nach Reschitza, um an den Feierlichkeiten der Enthüllung einer Büste seines Vaters Mircea Chivu teilzunehmen. Chivu hat die ausdrückliche Genehmigung vom Nationaltrainer R²zvan Lucescu, zwischen zwei Flügen die Büste im Domantal-Stadion zu enthüllen, wo sowohl sein Vater als Spieler und Trainer tätig war als auch er selbst seine Fußballerkarriere als Juniorenspieler des FCM Resita (und vorher des Schulsportclubs) begonnen hat. Die Initiative zur Schaffung einer Büste von Mircea Chivu hatte Cristian Bobar, der Direktor des Sportclubs im Domantal, ergriffen. (wk)

800 Schüler tanzen am Opernplatz
Hunderte Schüler, dieselbe Bewegung, derselbe Rhythmus! Mit einem Tanzrekord wollen 800 Schüler in Temeswar/Timisoara ihren Schulabschluss unvergesslich machen. Die Jugendlichen werden am Freitag, dem 21. Mai, um 13 Uhr am Opernplatz zusammen kommen und eine einzigartige Quadrille-Tanzshow darbieten. Die Zwölftklässler haben sich vorgenommen, zu einer Melodie aus der Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss loszulegen. Das Event findet gleichzeitig in mehreren europäischen Ländern statt. Getanzt wird u.a. auch in Österreich, Italien, Ungarn, Kroatien, Serbien und Bulgarien. Die Schüler hoffen, ins Weltrekord-Buch aufgenommen zu werden. In Temeswar findet morgen eine Generalprobe statt. Als bisheriger Weltrekord ist im Guiness-Buch ein Massentanz von 23.600 Menschen in 36 Städten verzeichnet. (as)

Montessori-Woche in Temeswar
Diese Woche ist in Temeswar/Timisoara der Montessori-Pädagogik gewidmet. Aus diesem Anlass finden in der West-Universität sowie in der Schule an der Brâncoveanu-Straße 73 verschiedene Ereignisse statt. Heute wurde im Erdgeschoss der West-Uni ein mobiles Klassenzimmer eingerichtet, wo Interessenten miterleben dürfen, wie ein Tag in der Montessori-Schule verläuft. Morgen ist in der Schule Tag der offenen Tür angesagt. Zwischen 9 und 12 Uhr bzw. zwischen 15 und 18 Uhr steht die Schule für Besucher offen. Um 18.30 Uhr initiiert Christiane Salvenmoser von der Montessori-Akademie Wien einen Workshop für Eltern. Die Woche der Montessori-Pädagogik endet am Freitag um 18 Uhr mit einer feierlichen Abschlussveranstaltung im HotelDelPack. (rn)

Empörung über die geplante Habitatsgebühr

Streit im Temeswarer Rathaus
Foto: Zoltán Pázmány
Bürger wollen angeblich „Zigeunerpaläste” nicht sanieren helfen
Temeswar - „Der Herrgot strafe euch, dass ihr die Debatte auf den heutigen Tag gelegt habt, wo doch heute so ein großes Fest ist (Anm. d. Red. Himmelfahrt des Herrn), ihr habt wohl geglaubt, dass keiner an der Debatte teilnehmen würde”, sagte ein äußerst unzufriedener Bürger aus dem Freidorf-Viertel. Er war nur einer von vielen, die während der Debatte um die Steuern und Gebühren, unter anderen die Einführung der Habitatsgebühr ab kommendem Jahr, lautstark zu Wort kamen.
Am meisten wurde der Direktor der Finanzbehörde des Temeswarer Bürgermeisteramts, Adrian Bodo, beschimpft. Unter anderen wurde ihm spontan der Beiname „Boc von Temeswar” verliehen. Eine Frau zeigte sich besonders darüber besorgt, wohin das Geld, das durch die Habitatsgebühr vom Budget eingenommen wird, gelangt. Die Summen sollten für die Generalüberholung von Gebäuden aus der Temeswarer Stadtmitte verwendet werden. „Wieso soll ich dem Zigeuner sein Haus errichten, damit die zum Dank nachher aus ihren schweren Jeeps auf mich hämisch herabzuschauen?”, empörte sich eine Temeswarerin. „Unser Temeswarer Boc hat eine unverschämte Idee, er selber jedoch hat keinen Temeswarer Ausweis, würde also diese Steuer überhaupt nicht bezahlen”, so weitere Anschuldigungen, die an Adrian Bodo gerichtet wurden.
Laut Projekt soll die Habitassteuer ab kommendem Jahr eingenommen werden. So jedenfalls ist es geplant. Jeder, der in der Stadt Temeswar wohnt und eine Immobilie besitzt, soll 40 Lei pro Jahr Jahr zahlen. Das Geld wird für die Sanierung der Gebäude aus der Stadmitte verwendet.
Die Unternehmen aus Temeswar sind auch nicht mit den Erhöhung der Gebühren einverstanden. Laut Emil Cristescu ist der Haushalt der Stadt einer der höchsten in ganz Rumänien, nämlich 160 Millionen Euro – Geld gibt es also seinen Aussagen nach jede Menge, es sollte jedoch mit mehr Umsicht verwaltet werden.
Laut Ovidiu Sandor von Modatim Invest, Mitglied im Konsultativrat des Temeswarer Bürgermeisteramts, würden durch die Einnahme der Habitatsgebühr ungefähr 750.000 Euro in den Stadthaushalt fließen. Dies würde der Summe entsprechen, die in einem Jahr für die öffentliche Toiletten ausgegeben würde (dies aber erst, nachdem ein stadtschädigender Mietvertrag abgeschlossen wurde, so Sandor). Außerdem wäre die Habitatsgebühr als eine neue Besteuerung auf Immobilien gesetzeswiedrig.
Weder der Bürgermeister der Stadt Temeswar, Gheorghe Ciuhandu, noch seine zwei Stellvertreter haben an der Debatte teilgenommen. Über die Einführung der Steuern und Gebühren für das Jahr 2011 wird in nächster Zukunft der Stadtrat abstimmen.
Olivian Ieremiciu

Verzweiflungstat: Vom Schreibtisch an den Herd

Temeswarer im Finanzdilemma/Das Fiasko mit dem Beamtenlohn/Von Siegfried Thiel
Generell gesehen müsste ihn die ganze Debatte um einen geringeren Gehaltsfonds, um weniger Rente oder Kürzung der Sozialausgaben komplett kalt lassen. Der reichste Rumäne, Dinu Patriciu, nennt die letzten Entwicklungen in der Wirtschafts- und Politszene der Rumänen eine „schlechte Lösung“. Dass den Staatsbediensteten ein Teil ihrer Gehälter ab dem 1. Juni gekürzt werden soll, nennt Patriciu „Verzweiflungstat nach kommunistischem Muster“. Eben die Kürzung nach gleichem Maßstab - je 25 Prozent - findet Patriciu kurios. Dabei ist nicht einmal so ganz klar, ob die Kürzungen der Beamten am Brutto- oder Nettolevel angesetzt werden.

Nur Regierung findet Sparpaket gerechtfertigt
Er sehe „sehr schwarz“, was auf Rumänien in den kommenden sechs Monaten zukommt, sagte Patriciu. Seine Aussage folgt auf die Vereinbarung Rumäniens mit dem IWF, die Gehälter der Staatsbediensteten um 25 Prozent, Renten und Arbeitslosengeld um je 15 Prozent zu kürzen. Auch sonst ist der Staatssäckel leer: wahrscheinlich wird das Mutterschaftsgeld reduziert, die Lebensmitteltickets besteuert und für die Zweitwohnung muss der Inhaber höhere Steuern bezahlen. „Diese Maßnahmen werden eine starke Wirtschaftsrezession mit sich bringen und dazu auch die Einrichtungen noch mehr dem Druck der Politik aussetzen“, sagt der Temeswarer Wirtschaftsanalytiker Nicolae Taran. Im Klartext: Wer zur „richtigen Partei“ gehört, hat größere Chancen, seinen Job zu behalten. Nicolae Taran geht davon aus, dass das gesparte Geld zwar den Haushalt entlasten, doch durch eine schwache Wirtschaftskonjunktur das BIP beeinträchtigen wird. Der IWF ist nach Ansicht von Taran genauso konfus wie die rumänische Regierung. Es wurde nie gesagt, wie denn der Notkredit von IWF, Weltbank und EU überhaupt ausgegeben werden muss. Genau gesehen war es „ein Darlehen für die Banken, um harte Währung aus Rumänien herauszuschaffen“, schätzt der Temeswarer Wirtschaftsprofessor. Er geht davon aus, dass den Banken sehr viel an einem stabilen Wechselkurs gelegen war, bei einem schwachen Leu hätten sie Verluste hinnehmen müssen.
Ciprian Cipu, Direktor des Zentrums für Kultur und Volkskunst in Temeswar, ist von den neuesten Maßnahmen überhaupt nicht erbaut. Es bleibe letztendlich wieder an den Direktoren der staatlichen Einrichtungen hängen, wie sie mit der neuen Situation fertig werden, sagt er. Erwartungsvoll sitzt eine seiner Mitarbeiterinnen an der gegenüberliegenden Seite seines Schreibtisches – so, als erhoffe sie sich doch noch etwas zu erfahren, was sich nach Wendepunkt im derzeitigen Finanzdesaster Rumäniens anhört. Innerhalb weniger Monate verliert sie durch die neuesten Finanzeinschnitte fast zwei Drittel ihres Einkommens. Zunächst wurden ihr allerlei Zuschläge gekappt, die 25 Prozent, die jetzt noch vom Verbliebenen wegfallen, werden sie – wenn sich nicht im letzten Moment etwas ändert - mit einem Nettoeinkommen unter dem Niveau des rumänischen Mindestlohnes nach Hause schicken. „Wie sollst du bei diesen Einkommen von einem Künstler erwarten, dass er auf der Bühne auch noch ein Lächeln zustande bringt“, fragt sich rhetorisch Cipu. Er weiß, dass durch diese Methode die Motivation für den Job ganz tief sinken wird. Was er nicht weiß, ist, ob denn seinem Personal die Kürzungen vom Brutto- oder Nettolohn abverlangt werden. „Wer 15.000 Lei im Monat verdient, der kann mit einem Viertel weniger noch immer ganz gut leben, wer aber zehnmal weniger erhält und eine Gehaltsreduzierung auferlegt bekommt, der hat ein richtiges Problem“, sagt Direktor Ciprian Cipu. Er, aber auch so manch anderer Bürger in Temeswar fragt sich nicht nur, wohin solche Maßnahmen führen sollen, sondern auch, wie lange Einschnitte, Kürzungen und Wirtschaftskrise letztendlich auf der rumänischen Wirtschaft lasten werden. Zu diesen Hiobsbotschaften gesellen sich noch weitere: 70.000 Beamte aus dem Staatsdienst sollen bereits im kommenden Halbjahr entlassen werden, 250.000 weniger erwartet der IWF in den kommenden Jahren.

Vielerorts stellt sich die Existenzfrage
Aber nicht nur das Personal im Staatsdienst stellt sich derzeit die Existenzfrage. All diese Kürzungen und die anstehenden Entlassungen werden schon bald auf die Konsumbremse drücken. Im Lebensmittelladen, in der Konfektionsabteilung und in der Kneipe wird weniger Geld in der Kasse klingeln und so mancher Kleinunternehmer wird auch in Zukunft sein Unternehmen schließen. Unter solchen Umständen glaubt kaum jemand an Neugründung von Arbeitsplätzen, sondern viel eher an eine tiefe Rezession. Begründet dann, dass Dinu Patriciu von „sehr schwarz“ zum Thema kurzfristige Wirtschaftslage in Rumänien sprach. Patriciu hat auch eine Lösung parat, die zunächst so klingt, als könne sie nur von einem völlig abgehobenen Milliardär stammen. 600.000 Arbeitnehmer aus dem Staatssektor würde er entlassen. Durch ein Herunterschrauben der Mehrwertsteuer von 19 auf 15 Prozent und der Flat Tax von 16 auf 10 Prozent hätte man die Wirtschaft ankurbeln und die im Staatsdienst beurlaubten Beamten in der Privatwirtschaft unterbringen können, glaubt Patriciu. Den Wechsel kann sich manch ein schlecht bezahlter Staatsbediensteter gut vorstellen. Eine Temeswarer Beamtin, die – ohne Hochschulabschluss – auch bisher im unteren Gehaltssegment angesiedelt war, hat seit Jahren einen Nebenjob: Abends und an Wochenenden hilft sie in einer Restaurantküche aus. Schwarz.

Ein Wasserkraftwerk feiert sich selbst

100 Jahre alt und noch voll funktionsfähig
Temeswar
- Man könnte sie als ein Museum bezeichnen, das noch voll in Betrieb ist: Die Wasserkraftanlage aus Temeswar/Timisoara. Diese hat in diesen Tagen ihr 100-jähriges bestehen gefeiert. Vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt könnte man sie sogar als kaum noch profitabel bezeichnen. Lediglich 0,4 MW pro Stunde produziert sie mit den drei noch funktionierenden Turbinen, von denen übrigen zwei stillstehen – jedoch nicht weil sie kaputt wären. Obwohl sie 100 Jahre alt sind, sind sie noch voll funktionsfähig.
Es geht um die Durchlaufmenge des Wassers, die nicht ausreichend ist, um alle Turbinen in Gang zu halten. Die Zentrale hat eine 5,6 Meter hohe Überlaufsschwelle und der installierte Durchfluss beträgt 30 Kubikmeter pro Sekunde.
Am 3. Mai 1910 ist die heutige Hidroelectrica Temeswar in Betrieb genommen worden. Heute noch sind die meisten Geräte, die vor einem Jahrhundert verwendet wurden, voll funktionsfähig. „Eine Delegation aus England, die uns vor einiger Zeit besuchte, war erstaunt, wie gut die Geräte instand gehalten wurden“, sagt ein Angestellter der Hidroelectrica. Die Konstruktion der Zentrale und des Überlaufwehrs erfolgte im Zeitraum 1906-1910. Sie wurde nach den Plänen des damaligen Chef-Ingenieurs der Stadt, Emil Szilard, errichtet. Zur damaligen Zeit war sie sowohl für die Regelung des Pegels des Bega-Flusses zuständig, als auch für die Erzeugung der elektrischen Energie: Drei Francis-Turbinen, mit Ganz Generatoren aus Budapest ausgestattet, lieferten zur damaligen Zeit die elektrische Energie für die Stadt.
Heutzutage, wäre bei einem Ausfall des Wasserkraftwerks das im elektrischen Verteilernetz der Stadt und Westrumäniens nicht wahrnehmbar. In einen Museumskreislauf kann es jedoch, nach Angaben der Leitung des Kraftwerks, nicht aufgenommen werden, da es zu einem der strategischen Punkte der Stadt gehört. Falls nämlich hier aus irgendwelchem Grund der Überlauf geöffnet werden würde, würde ein Teil der Stadt unter Wasser stehen. So die Erklärung von Hidroelectrica.
Olivian Ieremiciu

Das Wasserkraftwerk aus Temeswar
Foto: Zoltán Pázmány

Literaturtreffen in Reschitza, oder (m)eine Maienliebe

Poetischer Rück- und Ausblick einer (literarischen) Geschichte

Von Carmen Elisabeth Puchianu

Ein Mal Literaturtage in Reschitza, das reicht. Da hat man einen Eindruck gewonnen von der ganzen Sache. Ja, ja, das reicht. Ein zweites Mal muss wirklich nicht sein. Nicht wirklich, nein, nein!
So oder ähnlich hatte sich einmal ein Bekannter ausgedrückt, als ich mich erkundigte, ob man auch im kommenden, dem darauf folgenden, dem übernächsten oder dem über-übernächsten Jahr nicht doch auch wieder zu dem Literaturtreffen nach Reschitza reisen würde.
Nüchtern und bei Licht betrachtet, ist das für die Meisten eine große Strapaze, man muss mindestens ein Mal irgendwo in Rumänien umsteigen, ganz gleich, ob man mit dem Zug oder dem Bus anreisen würde, immerhin gibt es keinen Flughafen in Reschitza, die rumänische Bahn pfeift nun bald auf dem letzten Loch und die Kleinbusse der privaten Verkehrsunternehmen werden von Fahrern gefahren, deren Künste eher an jene von Henkern erinnern; außerdem ist das Wetter Anfang Mai oft noch etwas unbeständig, es kann sogar regnen und kühl bis kalt werden, Hochwasser können Fahrwege und Bahngleise überfluten und eine geplante Anreise erheblich erschweren oder gar vereiteln, oder es kann schon richtig schwül und gewittrig werden, dass man es im Hinterkopf und überhaupt in allen Gliedern zu spüren bekommt. Das alles wirkt sich auf Leib und Seele aus, die Kräfte lassen nach, daher sollte man es sich wirklich zweimal überlegen. Und was das an Zeit in Anspruch nimmt, nicht wahr, und dazu die geistige Anstrengung, so ein Treffen stellt immerhin gewisse Anforderungen, man kann sich nicht wie immer präsentieren, nicht wahr.. Wenn man das ein Mal auf sich genommen hat, sollte man es dabei belassen.
Oder etwa doch nicht?

Am Anfang war die Einladung
Ende 1995 oder Anfang 1996 muss es gewesen sein, als mich die freundliche Einladung in Kronstadt erreichte, anlässlich der VI. Auflage der Tage Deutscher Literatur in Reschitza einen Vortrag zum großen Rahmenthema „Rumäniendeutsches Literatur- und Kulturgeschehen nach 1989“ sowie eine Lesung zu halten. Bis dahin hatte man etliche Male in der Zeitung über die Initiative, in Reschitza ein Literaturtreffen abzuhalten, gelesen. Man war skeptisch und vielleicht sogar etwas pikiert, dass man nicht von Anfang an dazu geladen worden war, führte die Tatsache großzügiger Weise auf die etwas wirren Zustände nach der Wende zurück, wo alles im Auflösen begriffen schien, ganze Gemeinschaften im wahrsten Sinne des Wortes das Weite suchten und am allerwenigsten der Literatur gedacht wurde, zumal in Westeuropa längst schon die Totenglocken für sie geläutet und Nachrufe, einer ergreifender als der andere, mit Pauken und Posaunen verkündet wurden.
Im Spätherbst 1995, einige Monate vor dem Zeitpunkt, als meine Wenigkeit besagte erste Einladung nach Reschitza bekommen hatte, war gerade das umstrittene Buch Amsel-schwarzer Vogel erschienen, es hatte hohe Wellen geschlagen im siebenbürgischen Wasserglas und hatte auch einiges an persönlichem Ungemach verursacht, so dass man die Gelegenheit beim Schopf ergreifen wollte, um Frust und Lust von der Seele zu schreiben.

Glimmende Zuversicht
Der Vortrag Rumäniendeutsche Literatur nach 1989 – eine Illusion? mag einem heute vornehmlich als Produkt eines etliche Jahre jüngeren Hitzkopfes, der unbedingt Dampf ablassen musste, erscheinen. Abgesehen von persönlicher Betroffenheit und Vehemenz, von kritischer Barschheit und skeptischer Grundhaltung, zeugt jener Vortrag zumindest an seinem Ende von einiger Zuversicht, das Schicksal der besprochenen Literatur betreffend. Man hatte sich dazu hinreißen lassen, dem bald in Asche versinkenden Literaturvogel Phönix eine Amsel schwarze Auferstehung zu prophezeien.
Der Aufenthalt in Reschitza im Mai 1996 sollte auf jeden Fall schicksalhaft und zum Auftakt einer beachtlichen Folge weiterer Aufenthalte werden: außer eines plötzlich auftretenden Hals-, Ohren- und Nasenkatarrhs, einer anderweitigen Verpflichtung bzw. höherer Gewalt vermochte einen nichts von den Literaturtagen fernzuhalten.
Man sprach in Reschitza nicht nur wie ein Hitzkopf, man verhielt sich auch wie einer und wie ein Hitzkopf verliebte man sich nicht nur wegen des verführerischen Maiendufts – und auf wen passt der Begriff Hitzkopf denn besser als auf den Verliebten, der ganz plötzlich und aus scheinbar unerklärbaren aber immerhin guten Gründen in einen Zustand hitzigen und unbändigen Begehrens versetzt wird, der in keiner Weise mehr mit vernünftiger Gesittung und gesittetem Gebaren zu tun zu haben scheint? Der so Betörte gibt sich hemmungslos Emotionen und Leidenschaften hin, sucht mit fiebrigem Blick das Objekt seiner Begierde, lechzt und schmachtet danach, so dass bereits die aller kleinste Gefälligkeit, das mindeste Zeichen von Entgegenkommen dem Verzauberten schon orgiastische Freude und ebensolchen Schauder verursachen. Dem Betroffenen gehen nicht nur die Augen über, das Herz schlägt ihm bis zum Hals, dass es ihm völlig die Sprache verschlägt und Tränen in die Augen treibt, zu wortreichen Herzensergüssen verführt. Dann wiederum leidet er an Kurzatmigkeit, begleitet von Schweißausbrüchen, siedend steigt die Hitze ihm ins Gesicht und man bekommt ganz weiche Knie beim bloßen Gedanken an das so arg ersehnte Liebesobjekt. Und dann wäre noch der nagende Selbstzweifel und die quälende Ungewissheit darüber, ob das Liebessehnen des hoffnungsvoll Umtriebenen wohl auf gebührende Gegenliebe stieße. Nur ein Hitzkopf vermag solche Liebeskapriolen freiwillig ertragen!

Liebesgeschichte Literatur
So oder ähnlich beginnen die großen Liebesgeschichten, und das nicht nur in der Literatur. Und beruht dieses hitzköpfige Zünden tatsächlich auf Gegenseitigkeit, dann sind dem brünstigen Begehren und fieberhaften Erschauern, der ungehaltenen Erwartung und dem unendlichen Sehnen, der unbändigen Vorfreude und dem todeswütigen Abschiedsschmerz, darin jedoch die Gewissheit des nächsten Wiedersehens enthalten ist, einfach keine Grenzen gesetzt. Kurzum: Das Liebesglück ist vollkommen.
Und der Liebesbetörte darf sich ungehindert den Genüssen hingeben, die einem nach allen Regeln der Liebeskunst geboten werden: Das beginnt mit der sonderbaren Landschaft, darin sich weitläufige Milde mit herbem Hügel- und Gebirgsgelände zu einer verführerischen Mischung zusammentun - so erlebt während langer Spaziergänge in genehm vornehmer, elegant zuvorkommender, schelmisch witziger Gesellschaft beispielsweise durch die Schrebergärten rings um das Gelände der angeblich still gelegten Kanonenfabrik - Ihren Majestäten Carol, Joachim Heinrich und Hans sei Dank!- oder entlang des zauberhaft rauschenden und berauschenden Tales mit den Wassermühlen, der Rudarie – und es geht weiter mit allerlei Hochgenüssen, nicht zuletzt gastronomischer Natur - unser aller Erwin Josef sei Dank!
Der im Liebesrausch Genießende lechzt nach Abwechslung und Steigerung der Sinnesfreuden, weidet sich an der gegenseitigen Annäherung, am allmählichen Abtasten und Kennenlernen des Andern und – wie könnte es sonst sein in der Liebe? - des eigenen Selbst; man probiert aus und lässt ausprobieren, man gibt und nimmt und nimmt und gibt, dass zum Schluss Neues entstehe und man sich aufs Neue verliebe und das Spiel von Anziehung und Verzauberung, von Verführung und Verzückung, von Hinnahme und Hingabe weitergehe und sich wiederhole im gärend verwirrenden Gaukelspiel der Sinne. Diese dionysische Selbstaufgabe erreicht ihren eruptiven Höhepunkt in literarisch künstlerischen homunculi jeglicher Art.

Zur Vollständigkeit des Eindrucks
Und dann: was wäre eine Maienliebe ohne Nachwuchs, der wiederum die Dinge erst richtig durcheinander mischt und die Lebens- und sonstigen Geister aufwirbelt? Der Nachwuchs erst macht die Beziehung so recht fruchtbar und lohnenswert, so recht authentisch und lebensfähig, so recht aufmüpfig und herausfordernd, den Roberts sei Dank!
Ganz harmonisch aber - und das weiß jeder noch so Liebestrunkene, - kann keine Maienliebe bleiben. Kleinere oder größere Meinungsverschiedenheiten, Sticheleien aus purer Lust und Liebe bis hin zu handfesten Streitgesprächen machen das Liebesgerangel nur noch reizvoller, Annemarie und Edith sei Dank! Am Ende bleibt dem betörten Hitzkopf nichts erspart, man muss Kritik einstecken, man wird selbst barsche Töne anschlagen, sich zur Wehr setzen und zum Gegenangriff rüsten, Werner sei Dank! Denn keiner ist verletzlicher und keiner verletzt mehr als der von Liebe Heimgesuchte.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, Sie stimmen mir sicher zu, wenn ich sage, dass auf Dauer in jeder noch so hitzköpfigen Beziehung das Feuer irgendwann etwas nachlassen wird - auch das weiß man nicht nur aus der Literatur. Das Fieber und der Wahn, die Sucht und die Lust geraten in ruhigeres Fahrwasser, wallen nur noch gelegentlich ungezügelt auf – allerdings werden sie nie vollkommen erlahmen, oder gar den Geist aufgeben und in Vergessenheit geraten. Sie offenbaren sich nun dem immer noch Betörten auf höherer, platonischer Vergeistigung, und läuten eine nächste Stufe der Liebesbeziehung ein, die im Zeichen von reifer Beständigkeit und ruhiger Festigkeit steht. Der hitzköpfig Verliebte wird nun (vielleicht) leisere Töne anschlagen, die aufreizende Passion wird der Freundesgebärde weichen, harsche Kritik wandelt sich in verschmitzte Ironie und Selbstironie. Jetzt fühlt man sich in der Beziehung erst richtig aufgehoben, man hat sich in ihr beheimatet und man ist, wer man ist und was man ist: Man selbst, schreibende Frauen, schreibender Männer, die ein Mal im Jahr ihrer eingestandenen und uneingeschränkten Maienliebe frönen, dieser ihren Kunst-Tribut darbringen, sich hingebungsvoll an deren standhaft potente und rauschhafte Trunkenheit verlieren. Wie im letzten, im vorletzten, im vorvorletzten, wie im nächsten und dem übernächsten und dem darauf folgenden Mai.
Ein Mal Literaturtage in Reschitza, das reicht keineswegs. Da hat man längst keinen vollständigen Eindruck gewonnen von der Sache. Nein, das reicht einfach nicht. Ein nächstes Mal muss wirklich sein. Wirklich, ja, ja!

Kronstadt, 30.04.2010/ Reschitza, 7. 05. 2010




Die Autorin Carmen Elisabeth Puchianu

Foto: Zoltán Pázmány

Donnerstag, 13. Mai 2010

Fest der deutschen Literatur in Reschitza

Gäste aus Marburg an der Drau/ Slowenien bei der 20. Auflage der „Deutschen Literaturtage in Reschitza“: Hier die Gruppe unter der Leitung von Veronika Haring (1.v.l.n.r.)
Foto: Werner Kremm

Deutsche Literaturtage mit XX. Auflage
Reschitza - Was gar nicht mehr vorgeführt werden musste: Die deutschen Literaturtage in Reschitza, deren XX. Jubiläum am letzten Wochenende begangen wurde, sind längst keine Reschitzaer Angelegenheit allein, sondern schon zu einer bedeutenden Veranstaltung der deutschen Kultur und Literatur in Rumänien geworden. Unterstrichen wurde Grundkonzept und nachhaltige Auswirkung schon bei der Eröffnung durch den Hauptorganisator Erwin Josef Tigla und betont durch Carol König, Direktor im Rumänischen Kulturministerium im modernen Museum des Banater Montangebiets. Das DFBB hat da einem lokalen deutschen Kulturforum, im Rahmen einer allbekannten kleinen deutschen Kulturszene, zu einer überregionalen Tradition verschafft, was das reichhaltige Programm aber auch die Präsenz von Teilnehmern aus dem In- und Ausland nun zum wiederholten Male belegt.
Dass es die deutsche Kultur und Literatur hierzulande wert sei, gepflegt zu werden und erhalten zu bleiben, zeigt schon die wiederholte Präsenz mancher Teilnehmer: Edith-Guip Cobilanschi (Temeswar) war schon zum 17. Mal, Joachim Wittstock (Hermannstadt) zum 14., Annemarie Podlipny-Hehn (Temeswar) oder Carmen Elisabeth Puchianu (Kronstadt), jeweils zum 12. Mal mit dabei.
Zum Auftakt wurde die Ausstellung „Übermalungen“ (17 Exponate) der aus Lowrin stammenden Malerin, Schriftstellerin, Fotografin und Übersetzerin Ilse Hehn (Ulm) eröffnet: Die Übermalung des Alltagsgrau durch blickfängliche Farben ließ das Publikum eine neue und überraschende grafisch-fotografische Substanz entdecken. Mit ihrem Vortrag „Literaturtreffen in Reschitza oder (m)eine Maienliebe“ hielt Dr. Carmen Elisabeth Puchianu auf ihre humorvolle Art Rückblick auf die unvergesslichen Augenblicke der Jahr für Jahr abgehaltenen Literaturtreffen. Joachim Wittstock (Hermannstadt), eine der wichtigsten Stimmen der rumäniendeutschen Literatur, erinnerte in seinem Essay „Das Banatbild eines Siebenbürgers“ einfühlsam an unvergessene Literaturträger des Banater Berglands Otto Alscher, Anton Breitenhofer, Josef Puwak, Rolf Bossert und Alexander Tietz. Helmfried Hockl „Straßen der Erinnerung“ wurden von Edith Guip- Cobilanschi vorgestellt.Zum Abschluss des ersten Tages las Balthasar Waitz zwei Texte aus einem in Vorbereitung befindlichen Prosaband.
Anklang beim Publikum aber auch angeregte Diskussionen erweckten am Samstag in der Deutschen „Alexander Tietz“-Bibliothek zwei Buchpräsentationen: Annemarie Podlipny-Hehn stellte ihr kürzlich erschienenes Buch „DA-SEIN“, das ihre und die Memoiren des verstorbenen Malers Julius Podlipny über die Zeitspanne eines bewegten Jahrhunderts wiedergibt, vor. Ingmar Brantsch (Köln) referierte anhand seines Bandes „Ich war kein Dissident“. Als eigenwillige Stimme der rumäniendeutschen Lyrik ,die unweigerlich an Anemone Latzina erinnert, erwies sich erneut Carmen Elisabeth Puchianu, die Unveröffentlichtes mit ihrer typischen Ironie und Selbstironie vorlas. Anschließend war Prosa von Michael Astner ( Jassy) und Robert Gabriel Elekes ( Kronstadt) zu hören. Wertvolle Anleitungen gab Ilse Hehn auf ihre eigene Art zur literarischen Verarbeitung von Dasein und Welt mit ihren Lesungen aus den Bänden „In zehn Minuten reisen wir ab...“ und „Randgebiet“. Veronika Haring (Marburg an der Drau/ Slowenien) präsentiert die Anthologie „Zwischenmenschliche Bindungen“, worauf eine Lesung mehrerer Autoren aus Slowenien folgt. Viel Anklang fand auch der Deutsche Volkstumsabend mit Musik, Gesang und Tanz im Lyra-Saal des Reschitzaer Kunstlyzeum. Zum Abschluss der Literaturtage war am Sonntag eine literarische Reise an die Donau vorgesehen. Am Nachmittag wurde dann im Alten Theater „Mihai Eminescu“ von Orawitza in Premiere das Stück „Stühle für den neuen Mieter“, frei nach E. Ionesco, in der Adaption und gespielt von Robert Gabriel Elekes und Carmen Elisabeth Puchianu, alias „Duo Bastet“ (Transilvania-Uni Kronstadt), ein gerngesehener Traditionsgast aus Siebenbürgen, aufgeführt.
Balthasar Waitz

Die Buchmesse in der Krisenzeit

„Gaudeamus“ 2010: Viele Veranstaltungen, wenige Höhepunkte
Nicht gerade glücklich war die Planung der VI. Auflage der traditionellen Buchmesse „Gaudeamus“ in Temeswar/Timisoara für das Wochenende vom 5. bis zum 9. Mai. Die Messeveranstalter Radio România, Radio Temeswar in Kooperation mit der Temeswarer Kommunalverwaltung hatten heuer mit ihrer Veranstaltung im Riesenzelt am Domplatz nicht nur mit der allgemeinen Krise und Geldknappheit, sondern auch mit dem reichhaltigen Weekendprogramm von sich völlig überlappenden Film-, Theater- und Musikfestivals bis zu den populären Rassehunde- und Auto-Shows eine harte Konkurrenz. Nicht zu vergessen die das Zelt wie Pilze umgebenden Terassen am Domplatz. Konzept und vorrangige Erziehungszwecke - Die Messe ist erstens dem Schulbuch gewidmet - der Gaudeamus-Karawanne, die seit 2009 durch die wichtigsten Universitätszentren Craiova, Klausenburg/Cluj Napoca, Temeswar und Konstanza/Constanta führt, ist schon goldrichtig. 65 Exposanten, darunter auch wichtige Verlage wie Humanitas, RAO, Polirom, Nemira, Corint, Niculescu, TEORA, All aber auch der Adevarul-Holding (mit Gesamtangebot) und viele kleine Verlage hatten sich in Temeswar ein Stelldichein gegeben. Die Ankündigung der Expo als „Fest des Buches“ von Messedirektor Vladimir Epstein stimmte wohl mit der großen Vielfalt der Veranstaltungen im Rahmen der Messe überein, dem Buchangebot konnte sie nur zum Teil entsprechen. Für einen gewissen Anreiz sorgte schon der freie Eintritt, was vor allem Kinder und Jugendliche nutzen konnten. Vom Buchangebot war hier jedoch viel zu wenig von den Neuigkeiten der jeweiligen Verlage in den Regalen, desto mehr von den vielen Ladenhockern (die übrigens auch in den naheliegenden Buchhandlungen Humanitas, Carturesti oder Noi schon seit Wochen zu haben sind), die man zu ermäßigten Preisen bis zum Mindestpreis von 5 Lei erstehen konnte. An allen Ecken und Enden gab es dafür ein alternatives Angebot auf CD und DVD, mittendrin bot eine Privatfirma aggressiv gar ein „Wunderlösungsmittel“ für Brillenputzen (nur 30 Lei!?) an. Es fehlten also nur TV-Geräte, CD/DVD-Recorder....Haushaltsgegenstände und Autozubehör.
Schon zur Eröffnung wurde das 55. Jubiläum von Radio Temeswar und 20 Jahre seit dem Bestehen der Sendungen in ungarischer, tschechischer, slowakischer und bulgarischer Sprache feierlich begangen. Bei dieser Gelegenheit wurde der historische Dokumentarfilm „Die Legenden des Banats“ auf DVD präsentiert. Der Streifen erinnert an einige der geschichtlichen Helden des Banats u.a. der Heyducke Petru Vancea oder Achmed Pascha. Am Samstag lasen einige Temeswarer Schriftsteller, darunter Robert [erban, Eugen Bunaru, Radu Pavel Gheo aus ihren Werken. Im Programm standen Treffen mit Vertretern der Verlage, Präsentationen von Neuerscheinungen, die Zonenphase des Lesewettbewerbs „Mircea Nedelciu“, ein Buchbinder- und ein Theater-Atelier. Am Eingang war ein Messekorb eingerichtet, die hier gesammelten Buchschenkungen sollen den Bibliotheken vom Lande zukommen. Am Sonntag, dem 9. Mai, überreichte Ioan Coriolan Gârboni, Ehrenvorsitzender dieser Auflage, die
Gaudeamus-Preise 2010. Das war`s mal wieder.
Balthasar Waitz

Deutsche Investition durch Großmühle vervollständigt

Symbolträchtiger Mühlenstart im Verwaltungskreis Temesch. Im Bild (v.l.n.r.): Paul Milata, Klaus Brennecke, Marko Walde
Foto: Zoltán Pázmány
ATON Transilvania unter die Top Five der Mehlproduzenten
Von Siegfried Thiel
Als der CEO der ATON Transilvania, Dr. Paul Milata, Deutschlands Konsul in Temeswar/Timisoara, Klaus Brennecke, und Marko Walde, Geschäftsführer der Deutsch-Rumänischen Industrie- und Handelskammer in Bukarest, per Fernbedienung die Mühle in Mercydorf/Carani als neueste Investition der ATON Transilvania, starteten, hatten die Spitzen der Politik und Verwaltung aus dem Verwaltungskreis Temesch/Timis gefehlt. Dass Tiberiu Lelescu, Chef des Temescher Landwirtschaftsamtes, und der Bürgermeister von Sanktandres/Sânandrei, Dorel Demea, zugegen waren, blieb so gut wie unbeachtet – vor allem der Diskretion wegen, mit der die beiden am Event teilnahmen. Elf Millionen Euro hat ATON Transilvania in die neue High-Tech-Mühle investiert, die die höchste Kapazität in Rumänien hat
Wegen dem Fernbleiben der Kommunalbehörden kommt es nicht von ungefähr, dass nach Lobesworten an die Investoren, harsche Kritik an die Behörden folgte. Marko Walde: „Firmeneinweihungen sind beruflich mit Abstand das beste, was mir passieren kann“. Dass sich jedoch niemand aus dem Landwirtschaftsministerium für die ATON-Projekte und -Investitionen so richtig zu interessieren schien, stand auf der Schattenseite der Veranstaltung. Getätigt in Zeiten der Wirtschaftskrise, im Lebensmittelsektor und von erheblichem Ausmaß – dies alles sieht Walde als High-Lights „eines der größten deutschen Investitionen der letzten Jahre in Rumänien“. In knappen Zahlen das ATON-Engagement in Rumänien vermerkt: 260 Millionen Euro Investitionsgelder, die Bearbeitung von 20.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche, 550 Arbeitsplätze in mehreren Sparten und seit Mitte vergangener Woche die größte Mühle Rumäniens in Betrieb.
Die deutsche ATON GmbH – die im Holding System funktioniert – kam 2006 über die ATON Transilvania auf den rumänischen Markt. Diese erstand die 1993 gegründete Vital&Heyl, die damals eine Tageskapazität von 260 Tonnen in vier Mühlen schaffte. Wegen der veralteten Technologie, hat der neue Inhaber drei Mühlen stillgelegt.
500 Tonnen Weizen – dies die Tageskapazität der neuen Anlage „Moara Carani 5“ in Mercydorf, die somit zur größten Mühle Rumäniens wird. „Diese Mühle ist zwar die größte in Rumänien, doch wir haben nicht die größte Mahlkapazität im Land“, räumt Paul Milata eventuelle Fehleinschätzungen aus. Trotzdem mutiert ATON mit ihrer neuen Produktionsanlage unter die ersten fünf Mehlproduzenten Rumäniens. Zu den 500 Tonnen kommen nämlich noch 120 hinzu, die eine weitere Mühle des Unternehmens pro Tag aufnehmen kann. Für Konsul Brennecke ist die Investition ein klarer Beweis, dass „das Vertrauen in den Standort Westrumänien trotz stürmischer Krisenzeiten nicht verloren gegangen ist“. Und Paul Milata knüpft an den Gedanken des Diplomaten an: "Durch diese Mühle bezeugen wir unsere langfristige Planung als strategischer Investor in Rumänien".
Insgesamt nur 21 Mann werden den technischen Part der Mühle in ihrem 24-Stunden-Ablauf bestreiten. „Es ist die einzige Mühle in Rumänien, die in einem integrierten System funktioniert - vom Getreideanbau über Ernte, Lagerung in Getreidespeichern bis hin zur Lieferung von Fertigprodukten. “Zunächst bedarf es einer Einlaufzeit von etwa einem Monat, bis die volle Produktionskapazität möglich ist“, sagt Obermüller Marius B²d²u
ATON Transilvania ist die Rumänienniederlassung der deutschen ATON GmbH und tätigt außer dem Bereich Landwirtschaft noch Investitionen in Metallkonstruktionen, elektrische Energie, Wasser- und Abwasser, Steinbrüche und Kiesgruben sowie in einen Industriepark.

„Music Reflexion 2010“

Pianistin Adriana Dogariu und Walter Hilgers veranstalten das Projekt „Music Reflexion 2010“.
Zoltán Pázmány

Walter Hilgers erneut in Temeswar/ Von Ana Saliste

„Wir sind ohne Bildung, noch mehr, wir sind zum Leben,/zum richtigen und einfachen Sehen und Hören, zum/glücklichen Ergreifen des Nächsten und Natürlichen/verdorben und haben bis jetzt noch nicht einmal das/Fundament einer Kultur, weil wir selbst davon nicht/überzeugt sind, ein wahrhaftiges Leben in uns zu haben“. Der Text ertönt aus den Lautsprecherboxen im dunklen Konzertsaal des Temeswarer Musikkollegiums „Ion Vidu“. Zugleich werden Videoprojektionen ausgestrahlt. Erst wenn der Nietzsche-Text zu Ende ist, entdeckt der Zuschauer das Ensemble auf der Bühne. Denn bei diesem Konzert soll alles ineinander fließen. Der Szenenwechsel soll nicht vernommen werden. Nur noch die kleinen Lichter an den Notenpulten beleuchten den Saal, da ertönt leise Johannes K. Hildebrandts „Klangschatten II“ für Kammerorchester. Ein originelles Spiel mit Details, Videoprojektionen, Musik und Emotionen – dies wollte Prof. Walter Hilgers von der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ aus Weimar mit seinem neuen Projekt „Music Reflexion 2010“ zeigen.
Die Vorstellung, die am Dienstag, den 11. Mai, in Temeswar/Timisoara Premiere feierte, ist Teil des Projekts „Panoramic XX“, das von der Universitätsassistentin und Pianistin Adriana Dogariu und dem Konzertpianisten und Hochschullehrer Sorin Dogariu in die Wege geleitet wurde. Ziel des Projekts ist, die Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts zu fördern. Dazu wurden Walter Hilgers aus Weimar und Prof. Stefan Wilke von der Universität Erfurt eingeladen, ein Live-Kammermusikkonzert zu gestalten. Rund 30 Studenten und Lehrkräfte der Temeswarer Musikhochschule nehmen daran teil.
„Die Idee zu einem solchen Konzert stammt von den Kulturabenden ´Der Dialog der Künste´, die vom Kunstkritiker Deliu Petroiu seinerzeit veranstaltet wurden. Ich habe daran teilgenommen, als ich noch Schülerin war. Ich wollte nun diese wundervolle Stimmung wieder beleben“, erklärt Adriana Dogariu.
Das Konzert wird heute um 19 Uhr im Lugoscher Theatersaal aufgeführt. Am Donnerstag, den 13. Mai, um dieselbe Uhrzeit, ist das Konzert im Lira-Saal des Reschitzaer Lyzeums für Musik und bildende Kunst „Sabin P²utza“ anberaumt.
Es handelt sich um eine originelle Verflechtung von Musik des 19. und 20. Jahrhunderts, Videoprojektionen und Textauszügen. Eine Show, in der der Scheinwerfer nie still steht. Ein Detail nach dem anderen wird dem Zuschauer hervorgehoben. Und somit bleibt auch der Blick nie still. Ähnlich wie der Dirigentenstab. Mal zögert er länger und verbleibt kurz auf etwas gerichtet, mal springt er in Sekundenschnelle von einem Punkt zum anderen. Von einer Hand, die über das Klavier gleitet bis zu einem Instrumentenspieler, von Walter Hilgers in seinem weißen Künstlerhemd bis hin zu den Videoprojektionen. Mal wird Musik von Igor Strawinski gespielt, mal ertönt Erich Kästners Stimme aus den Lautsprechboxen. Und Kästners kritische Apelle an die Menschheit kommen nicht von ungefähr: Denn schon gleiten die Gedanken zu den „Herren der Bank und Industrie/ Minister und General“. Ob es sich um die Herren von heute oder die zu Kästners Zeiten handelt? Das soll der Zuschauer selbst bestimmen. Alles soll in Gedanken Verbindungen herstellen, jeder Musikklang, jeder Textabschnitt. Der Zuschauer kann sich aber auswählen: „Er kann entweder nur die Musik genießen oder er kann sich darüber Gedanken machen, was die Texte und die Musik eigentlich vermitteln“, sagt Walter Hilgers. Die „freudige, lustige Musik der 20er Jahre“, so Hilgers, soll jedoch ein ernstes Problem ans Licht bringen: Der Zuschauer wird dazu gebracht, über die „Schätze der Welt“ zu reflektieren. „Die Vorstellung soll die Menschen in einer positiven Art ermahnen, welche wertvollen Sachen sie mit der Welt in der Hand haben, die immer wieder durch Krieg kaputt gehen“, erläutert Walter Hilgers.
Musik von Igor Strawinski, Johannes K. Hildebrandt, Paul Bowles, Bohislav Martinu, Paul Hindemith, Dan Dediu und Mario Wiegand wechselt sich mit Texten von Friedrich Nietzsche und Erich Kästner und den vielfältigen Videoprojektionen ab, die Prof. Stefan Wilke dazu ausgewählt hat.
„Mich hat diese Kombination zwischen Musik und Video immer fasziniert. Die Projektionen können eine aufwendige Bühnenausstattung sehr leicht ersetzen“, erklärt Walter Hilgers. Ein ähnliches Projekt ist künftig für Italien und Deutschland vorgesehen. Auch in Temeswar soll das Unterfangen zu einer jährlichen Tradition werden. Der Name wird aber immerhin der gleiche bleiben: „Music Reflexion 2010“, auch wenn es im Jahre 2011 neu umgesetzt wird. „Zwanzig – Zehn, das ist ein fester, kompakter Begriff. Damit können sich die Menschen immer identifizieren“, schließt Hilgers.



„Weiterreichung der Armut“ im Gesundheitswesen

Das Temeswarer Kinderkrankenhaus „Louis Turcanu“ und alle die dazu noch gehörenden Kliniken sollen in diesem Jahr in kommunale Hände übergehen.
Foto: Zoltán Pázmány


Debatte um die Dezentralisierung der Krankenhäuser / Von Ana Saliste

Ab dem 1. Juli soll die Verwaltung der Krankenhäuser in lokale Hände übergeben werden. Dadurch wird deren Finanzierung von der Kreiskrankenkasse und den lokalen Verwaltungsstrukturen übernommen. Das Vorhaben zielt darauf ab, dass das Gesundheitssystem besser den
Bedürfnissen der Bevölkerung entsprechen soll. Landesweit werden Rundtischgespräche veranstaltet, an denen Krankenhausmanager, Lokalbehörden und Bürgermeister teilnehmen, um die Schwerpunkte der Dezentralisierung im Gesundheitswesen hervorzuheben.
In Temeswar/Timisoara kamen vor Kurzem Krankenhausmanager und Bürgermeister aus dem Verwaltungskreis Temesch/Timis zusammen, um über die Dezentralisierung des Gesundheitssystems zu diskutieren. Vier Krankenhäuser in Temeswar (das Kinderkrankenhaus „Louis Turcanu“, das Krankenhaus für ansteckende Krankheiten „Victor Babes“, die Klinik für Gynäkologie und Frauenheilkunde „Dr. Dumitru Popescu“, das Städtische Krankenhaus) und weitere sieben aus dem Verwaltungskreis müssen noch dieses Jahr aus der Trägerschaft des Gesundheitsministeriums in jene der Kommunalverwaltungen übergehen. Livius Cârstea, Vertreter der Sanitas-Gewerkschaft, warnt: „Es ist klar, dass der Staat kein guter Verwalter ist. Gerade deshalb muss diese Übergabe sehr ernst genommen werden und transparent sein. Wir reden hier über eine Weiterreichung der Armut. Der Staat hat ab Juli kein Geld fürs Gesundheitssystem mehr und schiebt die Verantwortung auf die Kommunalbehörden“.
Und noch eins steht dadurch fest: „Dezentralisierung bedeutet nicht, dass für das Gesundheitswesen mehr Geld veranschlagt wird“, ließ Prof.Dr. Stefan-Iosif Dragulescu, Rektor der Temeswarer Medizin- und Pharmaziehochschule, erkennen. Der Wechsel würde aber den Kommunalverwaltungen eine bessere Verwaltung der Krankenhäuser ermöglichen und dies sei eigentlich der Kern der Sache, so Dr²gulescu. Gesundheitsminister Attila Cseke versichert, das Ministerium werde die medizinische Betreuung nicht im Stich lassen und es weiterhin unterstützen.
Auch Dr. Horia Cristian, Temeswarer PNL-Abgeordneter, stimmt zu, die Übergabe sei nicht leicht, jedoch notwendig: „Die Ausbildung von kompetenten Krankenhausmanagern ist zwar keine leichte Sache, wir müssen aber den Übergang durchziehen“, so Horia Cristian. „Ein Bürgermeister kennt viel besser die Probleme, mit denen sich die Krankenhäuser in seiner Stadt konfrontieren und weiß genau, wo angepackt werden muss. Er kennt auch die Infrastruktur besser“, fügte er hinzu. Ob die Kommunen damit klar kommen werden? Der Lugoscher Bürgermeister Francisc Boldea bringt Optimismus auf: „Ich bin nicht entsetzt, ich kann es kaum erwarten. Es ist eine große Herausforderung für uns. Wir müssen uns nur an die Arbeit machen“, so Boldea.
Beim Rundtischgespräch kam auch Dorin Vancea, Manager des Temeswarer Krankenhauses „Victor Babes“ zu Wort: „Das Hauptproblem an der ganzen Sache ist, dass die Krankenhäuser mehr Geld für einen Patienten ausgeben müssen, als die Krankenversicherung zusichert. Die Durchschnittssumme für die Behandlung eines Patienten liegt im Ausland bei etwa 1500 Euro. In Rumänien ist diese zehnmal geringer und liegt bei rund 150 Euro“, so Dorin Vancea. „Die Übergabe, finde ich aber, ist eine gute Sache, auch wenn in diesem Jahr, meiner Meinung nach, nicht mehr viel gemacht werden kann“, fügte er noch hinzu.
373 Krankenhäuser werden bis zum 1. Juli in kommunale Hände übergehen - etwa 85 Prozent der gesamten Krankenhäuser in Rumänien. Nur noch 62 medizinische Einrichtungen bleiben unter der Trägerschaft des Gesundheitsministeriums. Es handelt sich dabei um die Kreis-Notfallkrankenhäuser aus den wichtigsten Universitätszentren, die Psychiatriekrankenhäuser und die auf die Behandlung von einem einzigen Krankheitstypus spezialisierten Krankenhäuser.

Mittwoch, 5. Mai 2010

Europatag in Temeswar



Die Feierlichkeiten zum 9. Mai werden die Bürger von Temeswar auf den Domplatz locken. Musik und gute Unterhaltung sind am Europatag angesagt.
Foto: Zoltán Pázmány


DJ Project und Cargo treten am Domplatz auf
rn. Temeswar - Start frei für die Feierlichkeiten zum Europatag in Temeswar/Timisoara: Das kommende Wochenende bringt den Bürgern der Stadt an der Bega ganz viel Musik und gute Unterhaltung. Die rumänischen Musikgruppen DJ Project und Cargo treten am Sonntag, dem 9. Mai, auf die Bühne am Domplatz. Mit dem Europatag wird offiziell auch die Veranstaltungsreihe zum Kulturprojekt „Temeswar – Klein-Wien“ eröffnet.
DJ Project ist eine rumänische Dance-Gruppe, die im Jahr 2000 in Temeswar gegründet wurde. Mitglieder der Band sind Gino Manzotti, Maxx und Giulia. Die Gruppe hat bisher sieben Alben auf den Markt gebracht. Auch die Rockband Cargo wurde in Temeswar ins Leben gerufen. Seit 1985 hat die Band sieben Alben lanciert. Begründet der Gruppe ist der Temeswarer Gitarrenspieler Adi Barar.
Die Konzerte am Domplatz eröffnen die Event-Reihe zum Kulturprojekt der Stadtverwaltung „Temeswar - Klein-Wien“. Dieses wurde 2005 initiiert und soll vor allem jungen Künstlern die Chance geben, sich zu behaupten. Auch renommierte Musiker traten im Laufe der Jahre auf die Bühne am Domplatz. Es ist nicht von ungefähr, dass die Kulturveranstaltungen am Domplatz stattfinden: Der öffentliche Platz mit seiner barocken Architektur soll in den internationalen touristischen Kreislauf mit einbezogen werden. Den ganzen Sommer über finden am Domplatz verschiedene Events statt, die dem Temeswarer Publikum den Zugang zu Kunst und Kultur erleichtern.
Wer keine Lust auf laute Musik hat, der kann am Abend des 9. Mai einen Abstecher nach Schag/Sag Timiseni wagen. Im orthodoxen Nonnenkloster bestreitet die Staatsphilharmonie „Banatul“ ein Konzert der Sonderklasse (die BZ berichtete). Der 9. Mai 1950 ist der Geburtstag der Europäischen Gemeinschaft. Die Erklärung des damaligen französischen Außenministers Robert Schuman gilt als Grundstein der heutigen Europäischen Union. In ganz Europa werden am 9. Mai verschiedene Feierlichkeiten organisiert, die den Bürgern die Grundgedanken der Europäischen Union näher bringen sollen.

Mit zwei PS durch Europa

Im Pferdeschritt zu den Partnerstädten von Karlsruhe
Von Olivian Ieremiciu
Willi Beyer und sein Kumpel Franz Endlicher kutschieren durch den Kontinent. Besonders haben sie es auf die Partnerstädte von Karlsruhe abgesehen. Von Temeswar/Timisoara aus – wo wir die originellen Kumpel kennenlernen durften – wollen sie nun nach Karlsruhe: die längste Strecke, die sie bis jetzt per Planwagen bewältigt haben. „Bislang betrug die längste Strecke 1.400 Kilometer, von hier bis nach Hause rechnen wir mit ungefähr 1.600 Kilometern“, sagt Willi Beyer. Auf Autobahnen und Schnellstraßen dürfen sie nicht fahren. Trotzdem scherzt er, als er nach dem Radio und den zwei Verstärkerboxen, die den Planwagen „schmücken“, gefragt wird: „Radio hören wir immer, um zu erfahren, ob auf der Autobahn Stau ist“, schmunzelt der Karlsruher Nomade.
Die beiden hoffen, bis Ende Juli an ihrem Ziel anzukommen. Als Datum – jedoch nur orientierungsmäßig, da den beiden ja nicht der Asphalt unter den Füßen wegrutscht – soll Ende Mai als Zwischenziel Wien erreicht sein. In Passau rechnen die beiden nach weiteren drei bis vier Wochen anzukommen „Wir wollen eigentlich bis zum 24. Juli in Offenburg angelangen, um an der Internationalen Pferdemesse ´Eurocheval´ teilzunehmen“, sagt der „Nomadenwilli“.

Den Norwegern wird eine kurze „Fußpflege“ verabreicht.

Foto: Zoltan Pazmany

3.000 Kilometer mit dem Planwagen
Einige Partnerstädte von Karlsruhe hat er per Planwagen bereits besucht, nämlich Nancy in Frankreich (jedoch nicht direkt, sondern über die Schweiz), Halle im ehemaligen Ostdeutschland und nun das rumänische Temeswar. Weitere Pläne sind noch gewagter. Es soll nämlich nach Nottingham gehen, etliche Kilometer entfernter und durch ein Meer von Karlsruhe getrennt. Noch weiter davon liegt das in Russland gelegene Krasnodar, fast 3.000 Kilometer entfernt, mit dem Karlsruhe ebenfalls eine partnerstädtische Beziehung pflegt. Zeit hat er zur Genüge, da er seit einem Monat in Rente ist.

Die Kosten trägt größtenteils er selber, mit einem kleinen Zuschuss seitens des Karlsruhers Bürgermeisteramts. „Es ist meine große Leidenschaft, meine große Liebe. Das letzte Hemd hat keine Taschen. Man sollte sich also seine Träume, soweit es geht, zu verwirklichen versuchen, so lange man es noch kann“. Außerdem werden die Kosten auch durch die Gastfreundschaft der Leute, die einen aufnehmen, verringert.


Willi Beyer (rechts im Bild) und sein Kumpel Franz Endlicher

Foto: Zoltan Pazmany

Der Planwagen ist sozusagen hand-made, also selber gebaut. Diesmal steht darauf großgeschrieben: „Karlsruhe grüßt Temeschwar“. Hinten wehen zwei Fahnen, die rumänische und die deutsche Fahne. Der kleinere Anhänger, in dem der Proviant befördert wird, hat auch eine Fahne - die der europäischen Union. Die zwei „Norweger“ (Pferderasse), die vorgespannt sind, hat Willi von einem Freund ausgeliehen. „Ein solches Pferd kostet von 2.000 Euro aufwärts“, so Willi Beyer. Wie schon gesagt, ein Radio ist drin, etwas älteren Modells, und zwei Lautsprecher, die oben im Planwagen montiert sind. Geschlafen wird meist im Planwagen. Ein kleiner Herd und eine Flüssiggasflasche sind wichtige Ustensilien, um den Hunger zu stillen. Gekocht wird nämlich auch von den beiden „Selbstversorgern“. Für die Pferde jedoch muss immer ein Schlafplatz gefunden werden. Wo sie hinfahren, und sie Pferde weiden sehen, und es Abend wird, wird nach einem Schlafplatz für die Pferde gefragt. Und meistens sind die Leute freundlich und bieten einen Schlafplatz an. Sie legen jedoch auch Hand mit an, wenn es um Arbeiten geht, die ihre Gastgeber zu verrichten haben. So zum Beispiel erzählt er, wie es bei einer Reise dazu kam, dass sie einer älteren Frau, die ihnen Unterschlupf gewährte, einen halben Tag halfen, das Heu zu wenden. „Seitdem schick ich ihr immer eine Karte, von den Plätzen an denen ich reise, wir sind seit damals in Kontakt geblieben“.

Die Pferde werden fürs Einspannen vorbereitet.

Foto: Zoltan Pazmany

Kleine Hürden müssen genommen werden
Nach Temeswar kamen die beiden samt Planwagen, Pferden und Hund mit dem LKW. Fast eine Woche lang blieben sie in der Stadt. Nun soll es endlich los gehen. Ein Problem besteht jedoch: Anders als in Deutschland, wo die Fahrt mit der Kutsche lediglich auf Autobahnen und Schnellstraßen verboten ist, ist in Rumäniens auf ziemlich allen Straßen die Fahrt mit den Pferdewagen verboten. Und dies obwohl – oder gerade wegen der Tatsache, dass es in Rumänien ungefähr 700.000 Pferdewagen gibt. Da es nur 80 Kilometer bis zur ungarischen Grenze nach Tschanad/Cenad sind, müsste das Problem jedoch bewältigbar sein.
Besonders wichtig ist es, „pferdeschonend“ zu fahren. „Die Pferde sind unser Motor, der uns nach Hause bringt. Wir dürfen sie nicht überstrapazieren und wollen sie sanft behandeln“, sagt Willi. Die Hufe haben Hartstahlstifte mit Stollen, da sie auf dem Asphalt sonst schnell kaputt gehen würden. Fast 1.200 Kilometer hat es Willi mit seinen früheren Pferden geschafft, zu fahren, ohne dass die Behufung gewechselt werden musste.
Bislang hatte er auf seinen Reisen keine Probleme. Vor einiger Zeit, unter dem Begriff kuriose Statistiken, wurde auch eine aufgeführt, die zu Willis Reise passt. Im Vergleich zu den Todesfällen, die wegen Autounfällen geschehen - pro Jahr gerechnet - war vor einem Jahrhundert die Zahl der Todesfälle, die sich wegen den Pferdewagen ereigneten, höher. Eine Kutschfahrt ist also doch nicht so leicht und ungefährlich, wie es auf den ersten Blick ihre Gemächlichkeit suggerieren könnte.
Planwagen werden heute in Irland, Ungarn oder Tschechien als Campingwagen für Urlauber, in Deutschland vor allem für Gruppenfahrten mit größeren Personengruppen eingesetzt. Der Innenausbau von Camping-Planwagen entspricht in der Machart häufig dem von einfachen
Wohnmobilen, während Planwagen für Gruppenfahrten meist zwei an den Längsseiten des Wagens angeordnete lange Sitzbänke mit einem langen Tisch in der Mitte aufweisen. Kleinere Planwagen lassen sich oft durch Abnehmen der Plane und des Gestänges zu einer normalen Wagonette umbauen. Historisch spielten Planwagen bei der Erschließung und Besiedelung des amerikanischen Westens eine wesentliche Rolle - wer es sich leisten konnte, transportierte dort Gepäck und Familie oft über weite Strecken durch unwegsames Gebiet mit Hilfe von Planwagen.