Dienstag, 23. Februar 2010

VIP-Präsentation beim Wirtschaftsclub

Gäste aus Serbien stellten sich in Temeswar vor



Viele Gäste beim Wirtschaftsclub (v.l.n.r.): GTZ-Projektkoordinator in Belgrad, Wolfgang Limbert, Peter Hochmuth, Präsident des Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs im Banat, Konsul Dragomir Radenkovic und VIP-CEO Branislav Bugarski

Text und Foto: Siegfried Thiel


Der Krieg in Ex-Jugoslawien hat Serbien ein schweres Erbe hinterlassen: Das schlechte Image lastet auf dem Land, das gerade dabei ist, sich zu öffnen, das den EU-Beitritt wünscht und auf dem Weg ist, die Kooperation mit den EU-Staaten in ihrer breiten Dimension zu vollziehen. Diese Zeilen könnten kurz das Fazit umreißen, das aus dem Treffen zwischen einer Wirtschaftsdelegation aus der Autonomen Region Wojwodina mit dem Deutschsprachigen Wirtschaftsclub im Banat hervorgeht. Zu dieser Begegnung war es im Vorfeld der Präsentation gekommen, die die Entwicklungsagentur VIP (Vojvodina Investment Promotion) in Zusammenarbeit mit der Temescher Handelskammer in Temeswar/Timi{oara veranstaltete.

Um 12 Prozent ist die Industrieproduktion Serbiens im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2008 zurückgegangen, beim Brutto-Inlandsprodukt waren es für die gleiche Zeitspanne drei Prozent weniger. Doch „Serbien hat sich für Europa entschieden“, sagt Serbiens Konsul in Temeswar, Dragomir Radenkovic. Letzten Umfragen nach sind das etwa 65 Prozent der serbischen Bevölkerung. Radenkovic, aber auch der serbische Handelsdelegierte in Temeswar, Mirko Atanackovic, wiesen auf die Visafreiheit nach Serbien hin, dass Serbien auf der „weißen Schengener Liste“ steht.

Dass es um eine nun wirklich autonome Region im Falle der Wojwodina geht, sprach der Vorsitzende der Entwicklungsagentur aus der Wojwodina, Branislav Bugarski, an. Nach der neuesten Verfassung Serbiens und dem derzeitigen Statut der Wojwodina wurden fast 160 Zuständigkeiten von der Regierungsebene an die Region übertragen. Doch auch Negativaspekte sind da nicht wegzudenken: Wie so oft in solchen Fällen, ist nicht genau definiert, wie diese Kompetenzen finanziert werden können“, sagt Bugarski.

„Als Motor der serbischen Wirtschaftsentwicklung“ stellten die serbischen Gäste in ihrer Präsentationsrunde bei der Temescher Industrie- und Handelskammer die Wojwodina vor. Brown- und Greenfield-Investitionen in der Automobilindustrie haben diesen Sektor zu einem der dynamischsten in Serbien gemacht. Ein freundliches Investitionsklima ergeben vor allem ein verbessertes Rechtssystem und eine Unternehmensgewinnsteuer von zehn Prozent, die damit eine der niedrigsten in ganz Europa ist. (st)

Arader Ringstraße noch ohne Projekt


Weiterhin Warten auf Baustart

Arad - Keine guten Aussichten gibt es für die Arader Ringstraße einschließlich für den Autobahnausschnitt Nadlak/ Nadlac- Temeswar/ Timisoara. Auf dem Papier sah alles bis vor Kurzem bestens aus: Im November 2009 versicherten Vertreter des rumänischen Transportministeriums, dass das Projekt bis Jahresende vorliegen und die Bauausführung der Arader Ringstraße 24 Monaten dauern würde. Jetzt kam heraus, dass noch immer kein technisches Projekt präsentiert wurde. Laut Transportminister Eusebiu Pistru wurde dem Bauausführer, dem spanisch-österreichischen Konzern FCC-PORR, nun ein Ultimatum gestellt, bis Monatsende dieses Projekt fertigzustellen. Transportminister Pistru schließt auch eine Kündigung des Bauvertrags mit diesen beiden Baugesellschaften nicht aus, da ohne Einhaltung der Fristen an eine termingerechte Fertigstellung der Arader Ringstraße im April 2011 nicht zu denken wäre. Was steckt dahinter? Ein Teufelskreis? Es hat sich herausgestellt, dass der Bauausführer FC-PORR seinerseits große Schwierigkeiten mit den beiden Firmen hat, die das Projekt zu erstellen hatten. Auf den Vertrag mit einer der Firmen musste man schon im November verzichten. Das Transportministerium, das keinerlei Interesse an einer Vertragskündigung hat – Für dieses Projekt wurden schon die obligaten Vorschüsse an FCC-PORR ausgezahlt -, schlug nun eine Kompromisslösung vor: Der Bauausführer soll als Notlösung Teilprojekte für einzelne Abschnitte der Umgehungsstraße erarbeiten, um den Baustart nicht mehr hinauszuzögern. Was wurde im Rahmen des Gesamtprojekts auf der Baustelle praktisch realisiert? Bisher konnte lediglich die provisorische Marosch-Brücke mit einer Länge von 100 und einer Breite von 8,2 Metern Ende November 2009 fertiggestellt. Über diese Brücke sollen die während den Bauarbeiten anfälligen 1,7 Millionen Tonnen Erde und Abfälle transportiert werden. Außerdem hat man noch einige erforderliche Zufahrtswege angelegt. Bekanntlich wurde Projekt und Bauausführung der Arader Ringstraße, ein wichtiger Abschnitt des Projekts der Westautobahn Nadlak- Arad- Temeswar 2009, vom Baukonsortium FCC-PORR übernommen. Bis April 2011 sollten laut Plan zwölf Kilometer Autobahn, 13 Brücken und vier Straßenknoten fertiggestellt werden.
Balthasar Waitz

Gedenkveranstaltung in Temeswar

Gedenkveranstaltung in Temeswar

20 Jahre “Verein der ehemaligen Russlanddeportierten”

In der Lenau–Schule, seinerzeit der Veranstaltungsort vieler Gründungsversammlungen von Vereinen und Institutionen, die mit dem Schikcsal der Banater Deutschen zu tun hatten, fand am 23. Februar 1990 auch die Gründungsversammlung des Vereins der ehemaligen Russlanddeportierten statt. Nachdem das Gesetz Nr.118/1990 im Amtsblatt veröffentlicht wurde, welches alljenen eine Zusatzrente in Aussicht stellte, die unter der kommunistischen Diktatur Verfolgung, Kerkerhaft und Deportation erleiden mussten, kämpfte auch der neugegründete Verein darum, für seine Mitglieder ebenfalls diese monatliche Vergünstigung zu erhalten.

Mit Unterstützung des Demokratischen Forums der Deutschen aus Rumänien gelang es, im Dezember 1990 das Dekret Nr. 38 durchzusetzen, welches das Recht auf eine monatliche Zusatzrente auf den 23. August 1944 vorverlegte! Somit erhielten die Überlebenden der Russlanddeportation rückwirkend ab dem 1. April 1990 nun auch regelmäßig eine Zusatzrente.

Im Mai 1991 wurde der Verein als Rechtsperson anerkannt und war ab sofort Ansprechpartner nicht nur der rumänischen Behörden, sondern auch für ausländische Hilfsorganisationen, vorwiegend aus Deutschland und Österreich. In der Zeitspanne 1991 – 2005 konnte der Verein erreichen, dass die ehemaligen Deporti

erten unentgeltlich mit der Bahn fahren durften sowie Freikarten für Behandlungen in diversen Kurorten erhielten. Ab 2006 übernahm die Pensionskasse diese Aufgaben.

Durch das unermüdliche Bemühen des Vorsitzenden, Ignaz B. Fischer erreichte der Verein, dass die Bundesrepublik Deutschland, seit 1997, jährlich eine finanzielle Unterstützung für die ehemaligen Russlanddeportierten bereit stellt.

Am kommenden Dienstag, dem 23. Febr

uar, um 14 Uhr, findet im AMG-Haus in Temeswar die jährliche Gedenkfeier der zwischen Januar 1945 Deportierten statt, wo der Vorsitzende Fischer einen Rückblick auf die 20 Jahre Vereinsarbeit geben wird.

Elke Sabiel, Ehrenvorsitzende des Vereins


Im Deportationslager Romanka, Archivfoto

Bücherspende in der Lenauschule

Drittklässler lesen „Spaß im Zirkus Tamtini“



Foto: Zoltán Pázmány

as. Temeswar
- Der Temeswarer Rotary Club besuchte vor Kurzem die Lenauschule, um die Kinder der zweiten und dritten Klasse mit je einem Buch zu beschenken. Die Lehrerinnen bekamen dazu ein professionell ausgearbeitetes didaktisches Handbuch zur Begleitung des Unterrichts. Die Spende erfolgte im Rahmen des Projekts „Lesen lernen – Leben lernen“, das bereits im vergangenen Jahr in Temeswar/Timisoara gestartet hat. 2009 wurde das Buch „Es muss auch kleine Riesen geben“ verteilt, in diesem Jahr können sich die Kinder über das Buch „Spaß im Zirkus Tamtini“ freuen. „Für die Lehrer ist es ein willkommenes Projekt. Die Kinder können dadurch viel Spaß am Lesen und Inszenieren haben“, sagt Schulleiterin Helene Wolf.
Das Projekt läuft seit einigen Jahren in Deutschland, wo rund 100.000 Kinder aus über 5.000 Klassen mit einem Buch beschenkt wurden. Die Aktion soll auch im nächsten Jahr in Rumänien fortgesetzt werden. „Die Bücher werden künftig ins Rumänische übersetzt, damit das Projekt landesweit umgesetzt werden kann. Wir können dann die Bücher auch an rumänische Schulen verteilen“, verspricht Rüdiger Wisser, Clubmeister des Temeswarer Rotary Clubs. Ziel dieser Aktion ist die Förderung des Leseverständnisses und eine lebenslange Lesemotivation.


BANAT AKTUELL

Bibliothek mit Kinderbüchern

Die erste Bibliothek mit Kinderbüchern in mehreren Fremdsprachen steht ab dem 1. März bei der Temeswarer Gesellschaft „Babel Education“ (Tudor-Vladimirescu-Straße Nr. 9) dem Publikum offen. Das Projekt hat das Motto „1500 Bücher“ und wurde 2009 von „Babel Education“ in die Wege geleitet. Bei der Weihnachtsmesse von 2009 wurden rund 4.000 Lei gesammelt, um die ersten Bücher zu erwerben. Ziel des Unterfangens ist, dass jedes Kind Zugang zu neuen, qualitativ guten Büchern in verschiedenen Fremdsprachen hat. Die Einrichtung soll nicht nur Bücher zum Ausleihen, sondern auch einen angenehmen Lesesaal bieten. Interessenten können weitere Informationen zum Projekt von den Internetseiten www.babeljunior.ro oder www.1500carti.ro abrufen. (as)

Spielplatz im Französischen Kulturzentrum

Die französische Sprache spielend lernen: Diese Methode wendet das Französische Kulturzentrum in Temeswar/Timi{oara für seine kleinsten Besucher an. Eine Spielwerkstatt für Kinder zwischen 4 und 8 Jahren wird am ersten Mittwoch (16 Uhr) oder am letzten Samstag (12 Uhr) im Monat organisiert. Ein Malatelier für Kinder wird am zweiten Samstag im Monat (10.15 Uhr) veranstaltet. Dieselbe Werkstatt – für Kinder über 12 – findet am dritten Samstag im Monat (12 Uhr) statt. Pantomime und Kindertheater sind am zweiten Samstag im Monat (11 Uhr) für Kinder zwischen 9 und 15 Jahren angesagt. Für Jugendliche über 15 gibt es am dritten Samstag im Monat (12 Uhr) das selbe Atelier. Die Teilnahme an den Werkstätten ist kostenlos für die Kinder, die bei der Mediathek angemeldet sind. Zusätzliche Infos unter Tel. 0256/490544. (rn)

Sozialzentrum für Kinder in Blumenthal

„Für das Lächeln eines Kindes“ heißt das Zentrum für Kinder mit besonderen pädagogischen Anforderungen, das letzte Woche in der Temescher Ortschaft Blumenthal/Ma{loc eröffnet wurde. Das Förder- und Bildungszentrum kam auf Initiative der Speran]a-Stiftung zustande. Finanziert wurde es vom Temescher Kreisschulamt, dem Kommunalrat Blumenthal, dem Förderverein Rumänienhilfe Marpingen und dem Schweinemastbetrieb „Smithfield“. Es ist die zweite Institution dieser Art im Kreis Temesch - ein ähnliches Zentrum gibt es in Großkomlosch/Comlo{u Mare. Ziel der Einrichtung ist, Kindern mit Behinderung zu helfen, am Schul- und Sozialleben teilzuhaben. 60 Kinder aus der Ortschaft und den naheliegenden Dörfern werden das Zentrum besuchen können. (rn)

Konzert für Schülerprojekte

Die Künstlerin Ada Milea unterstützt die Temeswarer Schüler und das „YouthBank“-Programm. Zusammen mit Bogdan „Bobo“ Burl²cianu, Mitglied der Band „F²r² Zah²r“, wird sie am 21. Februar im Capitol-Saal in Temeswar/Timi{oara ein Konzert abhalten. YouthBank ist ein Programm für Lyzealschüler, das von der Rumänischen Entwicklungsbank (BRD) gefördert wird. Durch das Programm werden Fonds gesammelt, die in Schulprojekte fließen. Das hiesige „YouthBank“-Team besteht aus 13 Schülern mehrerer Temeswarer Schulen (darunter Nikolaus-Lenau-, C.D.Loga-, Ana-Aslan-, Emanoil-Ungureanu-, Ion-Mincu- und Kunstlyzeum). Die Eintrittskarten für das Konzert von Ada Milea können in den C²rture{ti-Buchhandlungen sowie an der Kasse der Philharmonie gekauft werden. (ao)

Kultur gefördert

EU-Gelder für Arader Projekte

Arad – Die „A. D. Xenopol“-Bibliothek und das Puppentheater in Arad werden in diesem Jahr finanziell von der EU unterstützt. Internationale Kulturprojekte werden über EU-Fonds verfügen.
Das Bürgermeisteramt wählte zwei Arader Institutionen aus, die in das europäische Kulturprogramm 2007-2013 eingeschlossen werden. Die Bibliothek „A. D. Xenopol“ wurde ausgewählt. Das Projekt „Geschriebene Bilder, gezeichnete Wörter“ entstand in Partnerschaft mit dem Bürgermeisteramt Straßburg (Frankreich), dem „Deri“-Museum in Ungarn, dem polnischen Bürgermeisteramt in Warschau, dem Bürgermeisteramt Brno (Tschechien) und dem spanischen Bibliothekkonsortium in Barcelona. Über 181.000 Euro, EU-Gelder, werden in dieses Projekt fließen. Diese Summe bedeutet 50 Prozent des Gesamtwertes.
Ein anderes Projekt, das über EU-Fonds finanziert wird, ist das Projekt „Vagabondaj“ des Arader Puppentheaters. Das Projekt wurde zusammen mit dem Puppentheater aus Belfort (Frankreich) und das Sirius-Theater in Sofia (Bulgarien) ins Leben gerufen. 45 Prozent der Gesamtsumme wird über EU-Fonds gesichert, d.h. 200.000 Euro. „Vagabondaj“ nimmt sich vor, in den drei teilnehmenden Ländern (Frankreich, Bugarien und Rumänien) Workshops und Schaffungswerkstätte für Marionettenspieler, Theater in schwarzem Licht u.a. zu veranstalten. Die Teilnehmer werden lernen, Marionetten oder Gliederpuppen mit Hilfe von Fäden zu bewegen. Das Projekt wird mit einer Aufführung enden. Das Allgemeinthema des Auftritts wurde auf europäischer Ebene bestimmt: die Armut und die soziale Ausgrenzung.
Das Puppentheater in Arad ist das einzige Theater in Rumänien, das Mitglied und Mitveranstalter im EU-Kulturprojekt des Programms „Kultur 2007-2013“ ist.
Andreea Oance

Nun auch Deutschkurs für Mediziner

Viele Neuigkeiten in der Bibliothek des Deutschen Kulturzentrums Temeswar


Mit interessanten Novitäten erwartet die Bibliothek des Deutschen Kulturzentrums Temeswar/Timi{oara (Augustin-Pacha-Straße Nr. 2) seine Leser. Laut Krisztina Molnar, ab Februar neue Bibliothekarin, wurde die Auswahl an Büchern, Zeitschriften und audiovisuellen Medien in deutscher Sprache ab Jahresbeginn mit vielen neuen und aktuellen Titeln über das Goethe-Institut aufgefrischt. Die Bibliothek zählt derzeit 900 eingeschriebene Leser und verfügt derzeit über einen Bestand von 4.500 Titeln, die die gesamte Bandbreite von Sachgebieten (Kultur, Kunst, Geschichte Erdkunde, Philosophie, deutsche Sprache und Literatur, Gesellschaft und Wirtschaft) deckt.

Zum Neuesten zählt die Fachliteratur für Mediziner, zur Verfügung stehen das Fachmagazin für Complementär-Medizin CO-MED und die Tageszeitung „Ärztezeitung“, als Beistand für Studierende oder praktizierende Ärzte aus Temeswar.

Leser können aus dem erweiterten Bestand deutscher Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts (ein online-Katalog ist hilfreich) ausleihen: Die Mitgliedgebühr ist 40 Lei und ermäßigt 20 Lei pro Jahr. Ermäßigungen gelten für Kinder bis zu sieben Jahren, Schüler, Studenten, Rentner. Die neuen Öffnungszeiten der Bibliothek sind: Montag, Mittwoch 15-18 Uhr, Dienstag, Donnerstag 14-18 Uhr. In der Leseecke kann in allen Büchern und Medien geschmökert werden, es steht auch ein PC-Arbeitsplatz mit Internetzugang zur Verfügung.

Laut Bibliothekarin Molnar erwiesen sich die Studenten der Politik-Fakultät von der West-Uni Temeswar als fleißigste Leser. Zu diesem Stammpublikum kann man noch die Sprachschüler ( Interesse für leichte Lesetexte und CDs) und die Kinder zählen. Das Lehrmittelzentrum, vor allem von Studierenden und Lehrern besucht, ermöglicht eine Ausleihe der Lehrmittel auf 48 Stunden für alle Niveaus des Deutsch-Lernens (von A1 bis B2). Die beliebte Kinder- und Jugendbibliothek mit Büchern (u.a. Erich Kästner, Brüder Grimm, Christian Morgenstern, Janosch oder Claudia Toll), Gesellschaftsspielen, DVDs, CDs, Hörkasetten und Videos hat eine Kinderecke, wo nicht nur gelesen, sondern auch gemalt, gebastelt und gespielt werden kann. Auch heuer können Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren in Begleitung ihtrer Eltern eingeschrieben werden.

Krisztina Molnar, neue Ansprechspartnerin in allen Bibliotheksfragen, im Zeitraum 2006-2007 Kulturreferentin ebenda, ist auch für den Bereich Kulturprojekte der Bibliothek zuständig.


Einladung auch für die Kleinsten: Die Bibliothek des DKZ Temeswar

Foto: Zoltán Pázmány

Temeswarer Kulturwoche im März

Dokumentarfilme, Kunstwerkstätten und Rundtischgespräche



Temeswarer können die Kunst des Blumenarrangierens erlernen.

Text und Foto: Ana S²li{te


Temeswar – Die Temeswarer Filiale der Kulturstiftung „Noua Acropol²“ lädt im Zeitraum 18. – 24. März zu einer einzigartigen Kulturwoche ein, die eine „Reise“ durch das Kulturerbe der Menschheit bieten will. Die Veranstaltungsreihe findet im Temeswarer Militärkreis/Cercul Militar statt und wird in Zusammenarbeit mit dem Temeswarer Bürgermeisteramt organisiert. Zahlreiche Projektionen von Dokumentarfilmen, Debatten und Vorlesungen zu verschiedenen kulturellen Themen („Die Kommunikationskunst“, „Mandala – ein Image der Welt“ u.a.) sowie Gemälde-, Theater-, Pantomime- und andere Kunstwerkstätten stehen auf dem Programm. Auch ein Rundtischgespräch zur Frage „Was lernen wir aus den Mythen?“ wird organisiert. Ein Seminar über die guten Manieren soll weitere Besucher locken. Für die Kleinen sind Märchenwettbewerbe, Volkstänze und andere Überraschungen vorgesehen.

Die Veranstalter planen praktische Workshops zum Thema Malerei auf Basrelief und zur Ikebana (wörtlich: lebende Blumen), der japanischen Kunst des Blumenarrangierens. Ikebana ist eine ausschließlich in Japan entwickelte Kunstform, die zwingend zur Ausbildung jedes Adligen gehörte. Praktiziert wurde sie auch von Samurai und Priestern der buddhistischen Klöster. Sie war zunächst ausschließlich Männern vorbehalten. Erst später wurden auch die Frauen des Adels in dieser Kunst unterrichtet.

Auch eine Büchersammlung, um die Schulbibliotheken auf dem Land zu fördern, wird im Rahmen der Kulturwoche veranstaltet. Weitere Informationen zum Programm sind auf den Internetseiten des Bürgermeisteramtes (www.primariatm.ro) und der Kulturstiftung (www.noua-acropola.ro) zu finden.

Der Baum aus Papier

Öko-Projekt in Temeswar



Schüler des Sportlyzeums beim Pflanzen der Bäumchen im Schulhof

Foto: Copacul de Hârtie


Von winzigen Streichhölzern bis zu riesigen Häusern: Den Rohstoff Holz kann man auf unterschiedlichster Art und Weise nutzen. Aus Holz wird auch Papier hergestellt. Um eine Tonne Papier zu erzeugen, müssen drei hohe Bäume gefällt, bis zu 400.000 Liter Wasser verbraucht und 7.600 Kilowatt Energie eingesetzt werden. Doch auch Papier kann zu Bäumen werden. Wie, zeigen die Initiatoren des Projekts „Copacul de hârtie“/„Der Baum aus Papier“, 2007 in der Hauptstadt Bukarest ins Leben gerufen. Ein umweltbewusstes Team sammelt das Papier von Privatpersonen und Firmen ein und verkauft es an Recycling-Firmen. Von dem dadurch gewonnenen Geld werden Setzlinge erworben und gepflanzt.

Seit Januar 2009 gibt es auch in Temeswar ein kleines Team, das sich für Umweltschutz einsetzt. Andreia Ispas koordiniert das Projekt vor Ort, ihr hilft ein freiwilliger Student. Die Beiden fahren in einem Großfamilienauto durch die Stadt, um Papier von Personen und Firmen einzusammeln. „Mit dem Auto können wir nur 500 Kilo Papier befördern. Wenn ich die Fahrten programmiere, denke ich immer an den Verkehr und an die Quantität, die uns angeboten wird“, sagt Andreia Ispas. Ein Kilo Papier kostet 15 Bani. „Die Arbeit ist nicht produktiv und kaum renatabel“, gesteht die Projektkoordinatorin. Die Bürger würden diesen Einsatz jedoch schätzen, meint Andreia Ispas. Zu Beginn zeigten die Temeswarer großes Interesse für das Projekt und brachten das Papier – auch wenn nicht in großen Mengen - zum Dan-P²ltini{anu-Fußballstadion, wo es Andreia Ispas sammelte.

In letzter Zeit sei aber das Interesse seitens der Privatpersonen gesunken. Das meiste Papier stammt nun von Unternehmen. „Die Firmen machen Lobby für uns: Sie erzählen weiter, dass es uns gibt“, sagt Andreia Ispas. Zu den Unterstützern des Projekts gehört auch das Deutsche Staatstheater Temeswar (DSTT). „Wir spenden das ganze Papier, das nicht mehr gebraucht wird, das heißt alte Programmhefte, Plakate, Zeitungen, Flyer, Notizblöcke und sonstiges Papiermaterial. Wir benützen übrigens jedes Blatt Papier auf beiden Seiten, das heißt, dass Papiere, die wir nicht mehr brauchen, als „Konzeptblätter“ gelten, und auf der anderen Seite erneut bedruckt werden. Selbstverständlich versuchen wir auch nicht alles zu drucken, was wir nicht wirklich als Dokument auf Papier haben wollen“, sagt Mihai Moldoveanu von der Pressestelle des DSTT. Letzten Monat hat das Theater „Copacul de Hârtie“ zirka 100 Kilogramm Altpapier gespendet. Für das DSTT ist Recycling ganz wichtig. „Wir sind als Einrichtung des öffentlichen Dienstes eine Institution, in der der Papierverbrauch relativ hoch ist. Deswegen versuchen wir, so viel wie möglich davon zu recyclen“, fährt Mihai Moldoveanu fort.

Ziel des Projekts in Temeswar ist, ein Mal pro Jahr zusammen mit Schülern eine Grünfläche mit Bäumchen zu bepflanzen. Zwei Monate nach Projektbeginn in Temeswar, am 31. März 2009, wurden im Hof des Sportlyzeums „Banatul“ 50 Bäumchen und Hecke gepflanzt. „Das Projekt soll das Umweltbewusstsein der Schüler fördern“, sagt Andreia Ispas.

Das Öko-Projekt „Der Baum aus Papier“ gibt es in Bukarest, Temeswar, Craiova, Klausenburg/Cluj-Napoca und Constan]a. Auf der Internetseite www.copaculdeghartie.ro können Personen, die Papier gesammelt haben, erfahren, wie sie dieses zum Projektteam in ihrer Stadt bringen können.

Raluca Nelepcu

Privatprojekte für ärztliche Betreuung im Aufwind

BVIK BANATIA: Vier forumseigene Projekte beantragt

Zu Beginn des zweiten Krisenjahres sind bei der Banater deutschen Wirtschaftsstiftung BVIK BANATIA die Weichen für neues Förderjahr gestellt. Die Ausgangsbasis lässt durchaus auf ein erfolgreiches Jahr hoffen, bewertet Geschäftsführer Horst Martin. Der DFDB-Haushalt ist gut bestückt: Die Regierungszuwendungen im Wert von 632.000 Lei, gleichbleibend gegenüber 2009, führen u.a. auch zu einer Entlastung der Banater Wirtschaftsstiftung. Als Motor und Hauptstütze der Gesamttätigkeit gelten jedoch die guten Ergebnisse der Jahresplanungskonferenz vom Januarende. Aus BMI-Geldern stehen der BANATIA für die Wirtschaftsprojekte 2010 nahezu 120.000 Euro zur Verfügung. Für die gemeinschaftsfördernden Forums-Projekte bzw. für Ausstattung, Renovierung der Forumssitze sowie für die KFZ-Wartung kann man heuer mit einer Gesamtsumme von 30.000 Euro rechnen.
Für diese Gelder müssen die Antragsteller bzw. Ortsforen die strengen Finanzkriterien des BMI und des BVA berücksichtigen. Der Wert der Projekte darf bekanntlich die Höchstgrenze von 10.000 Euro, bei einer Eigenleistung von fünf Prozent, nicht überschreiten.
Laut Geschäftsführer Martin können die Forumsprojekte heuer nur aus dem Revolvingfonds der Stiftung finanziert werden.
Im Rahmen der kürzlich abgehaltenen DFDB-Vorstandsitzung wurden drei Forumsprojekte für 2010 vorgeschlagen: Es handelt sich um Reparaturarbeiten am Festsaal des AMG-Hauses Temeswar (9.500 Euro), am Festsaal vom DFD Steierdorf (6.000 Euro) sowie um die an der Temeswarer Jugendherberge (2.700 Euro). Die erforderliche Gesamtsumme ergibt 18.200 Euro. Laut Geschäftsführer Horst Martin ist unterdessen ein vierter Antrag eingelaufen: Das DFD Lugosch benötigt 6.000 Lei für die Sanierung eines forumseigenen Altbaus.
In Sachen Wirtschaftsförderung sind bei der BVIK schon zahlreiche Anträge eingelaufen. Interesse für Förderung und Investitionen bestehen weiterhin in den Bereichen Landwirtschaft (Technik), Medizin (Zahntechnik, Facharztpraxen), Lebensmittelherstellung (Bäckereien), leider gemäß eines anhaltenden Trends weniger in den Bereichen Handwerk und Produktion. Laut BVIK-Geschäftsführer Martin ist die Tätigkeit in den beiden letzten Bereichen sehr geschwächt, in etlichen Produktionsbereichen ( z.B. Möbelherstellung) gar ganz aufs Eis gelegt. Überraschend Positives ist aus der Sparte ärztliche Betreuung zu vermelden. Zahntechniker, Zahn- und Fachärzte rüsten auf eigene Faust ihre Praxen und Labors verstärkt mit teurer Technik der letzten Generation aus. Auf eine umfassende Analyse der Projekte folgt wie alljährlich Anfang Mai die Gutachterreise (Begutachtung der Antragsteller und Projekte vor Ort) und die Schlussbesprechung, heuer in Sathmar.
Balthasar Waitz

Ein BANATIA-Projekt aus Temeswar: Die schmucke Gaststätte „Evian`s“
Foto: BVIK

200.000 Euro wegen einer Flüssiggasflasche

„Kaum jemand in Temeswar hat eine Versicherung abgeschlossen“

Von Olivian Ieremiciu



Die Fenster des zweiten und dritten Stockwerks sind zersprungen. An der Eingangstür des Wohnblocks ist das Fenster ebenfalls nicht mehr ganz. Am Eingang fällt der erste Blick auf die Post die herumliegt: meist sind es Rechnungen vom hiesigen Gasbetreiber eon-Gas. Im dritten Stockwerk angelangt, wo die Explosion am 15. Januar um fünf Uhr in der früh stattgefunden hat, ist ein Bild der Verwüstung. Schutt, herumliegende Sachen, Ratten die herumirren, Stützbalken, damit die Struktur nicht einstürzt. Von der Druckwelle der Explosion völlig verbogene Türen aus Eisen, eingestürzte Wände und fehlende Fenster. Ein paar Kommunalpolizisten die am Eingang stehen, damit nicht die von den Bewohnern zurückgelassenen Sachen verschwinden. Und dies wohl für die nächsten sechs Monate. Der Wohnblock ist auf der Constantin-Br²iloiu-Straße, hinter der Martirilor-Straße gelegen. Die Gegend zählt nicht unbedingt zu den „Highlights“ aus Temeswar.


Der Flur des dritten Stockwerks des Wohnblocks: Jetzt ist es ein Zuhause für Ratten.


„Tja, ihr habt es gut, jetzt müsst ihr kein Geld mehr bezahlen“. „Dies sagte ein kleiner Penner zu mir. Ich war etwas konsterniert“, erzählt mit einem etwas bitteren Lächeln Marius Truic² das Ereignis vor dem Internat des „Ion Mincu“-Lyzeums. Er ist auf Besuch bei seiner Schwester, die seit der Explosion hier untergebracht wurde.

Er versucht, die Geschehnisse vom 15. Januar mit bitterem Humor zu nehmen. An diesem Tag ist nämlich der Wohnblock, in dem er selbst ebenfalls ein Appartement besaß, in die Luft geflogen. Es wird gemutmaßt, dass der Schlauch, der die Flüssiggasflasche mit dem Herd verbindet, leck war und so Gas ausströmte.

Nach einigen Jahren hatte er zusammen mit seiner Schwester es geschafft, sich das Nötigste zu kaufen, um ein einigermaßen komfortables Leben führen zu können. „Willst du einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine? Die sind neu. Zur Zeit kann ich sie nicht gebrauchen,“, so der Geschädigte. “Ich wohne jetzt bei meiner Freundin. Ohne die Explosion glaube ich kaum, dass ich bei ihr so schnell eingezogen wäre“. Worüber er sich zurzeit Sorgen macht, ist die eigene Heizzentrale, die sie sich montiert haben, und die „so ziemlich viel“ gekostet hat. Ob er sie abmontieren soll, ob jemand sie klaut? „Glücklicherweise war kein Parkplatz in der Nähe frei, also wurde mein Auto etwas weiter geparkt. Später hatte keiner mehr Lust, es näher zu bringen. Sonst hätte ich auch kein Auto mehr, zumindest keine Scheiben“, so Truic².


Manche hatten Glück...andere weniger

Die Ereignisse vom besagten Abend schildert er so: „Wir waren zu Hause, ich glaube, ich sah mir einen Film an. Man hörte einen Knall, danach waren Leute auf der Straße. Die Feuerwehr und die Polizei räumten den Wohnblock. Zu uns kamen sie jedoch nicht, weil wir einen separaten Eingang an einer Seite des Blocks haben. Die meisten Fenster sind zersplittert, überall waren Glassplitter“, erzählt er.

Einige hatten Glück, jedenfalls erzählt man es sich so. „Einer ging gerade ins Bad. Er war gerade im Türrahmen des Bades, als die Eingangstür dreißig Zentimeter an ihm vorbeischoss. Die Explosion hatte sie nämlich aus der Verankerung gerissen. Ein Kind schlief in einem Klappbett. Es hatte ebenfalls Glück, dass das Bett zusammengeklappt ist, und ihm fast nichts passiert ist“, erinnert sich Truic².

Einige hatten jedoch weniger Glück. Der 50-jährige, in dessen Wohnung die Flüssiggasflasche explodierte, verstarb einige Zeit nach der Explosion. Er erlag den schweren Verbrennungen. Ebenfalls schwere Verbrennungen erlitt die 28-jährige Lebensgefährtin des Verstorbenen. Im Wohnblock waren weitere 15 Familien die Gasflaschen verwendeten, die meisten übrigen waren an das Gas-Netz angeschlossen.


Der Plattenbau hat kleine Zimmer, auch an Armierung wurde bei der Konstruktion gespart.


Pflichtversicherung. Seit Jahren nur Debatte

„In meiner Wohnung habe ich alles auf Elektrizität umgerüstet. Ich wollte kein Gas, irgendwie hatte ich Angst davor“, sagt eine Betroffene, die am Eingang des Wohnblocks mit den Kommunalpolizisten plaudert. Und, Ironie des Schicksals: gerade das Gas ließ sie jetzt – wenigstens für die nächsten Monate – ohne ein Dach über dem Kopf. „Ich habe mich nicht geschämt, hier zu wohnen, wir haben unsere Wohnung schön eingerichtet. Und es ist unsere Wohnung. Es ist schon mal was, eine Wohnung sein Eigentum nennen zu können“, sagt die etwa 30-jährige. „Jetzt sind wir zu viert zu ein paar Freunden gezogen. Wir haben jedoch auch einen Antrag für eine provisorische Unterkunft im Schulheim eingereicht. Wir können doch nicht ewig von der Gutmütigkeit unserer Freunde profitieren“. Schäden an ihrem Appartement hat sie keine, da sie im ersten Stock wohnt. „Es sind keine Schäden, wir können aber unser Appartement nicht benutzen“, sagt die Frau. Dass sie keine Versicherung abgeschlossen hat, bedauert sie sehr. „Wer hätte gedacht, dass so etwas passiert? Wenn man überhaupt in Temeswar die Leute fragt, haben sie keine Versicherungen abgeschlossen. Nach dieser Sache schließe ich ganz bestimmt eine Versicherung ab“, bekräftigt die Frau. Obwohl seit Jahren die Diskussion immer wieder auftaucht, ob es eine Pflichtversicherung für Wohnungen geben sollte, ist diese Angelegenheit bis heute nicht geklärt. Vor Wahlen blasen Politiker solche Angelegenheiten wohl immer kurzerhand ab. Und besonders populär, denjenigen, die sowieso nicht viel besitzen auch noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen, wäre diese Maßnahme nicht.


Die Reparaturarbeiten

Insgesamt mussten 126 Personen ihre Wohnungen räumen. Die meisten der Familien wohnten zu Miete hier. Einige davon leben jetzt in Heimen von Schulen („Henri Coand²“ und „Ion Mincu“), andere haben bei Freunden einen Schlafplatz gefunden. Der Wohnblock braucht Konsolidierungsarbeiten, da seine Stabilität infolge der Explosion zu leiden hatte. Gemutmaßt wird mit einer Dauer von sechs Monaten, bis die Bewohner im besagten Wohnblock wieder einziehen können. Die Kosten belaufen sich auf ungefähr 200.000 Euro, so jedenfalls den jetzigen Schätzungen zufolge. Die Gelder sollen aus dem Reservefonds der Regierung kommen. Es gab ursprünglich zwei Varianten: eine war die billigere, die vorsah, dass nur das nötigste an Reparaturarbeiten vorgenommen werden, die andere (die 200 Tausend Euro Variante) sieht größere Arbeiten vor. Nach Bukarest wurde die zweite Variante geschickt. „Wir hoffen jetzt, dass wir dadurch vielleicht auch eine Wärmedämmung auf unseren Wohnblock bekommen“, meint eine Einwohnerin. Man braucht nicht unbedingt Experte zu sein, um zu bemerken, dass es dem Plattenbau von vor 1989, besonders an Armierung fehlte, noch waren die Wände besonders dick.

„Ich habe selber Angst, dass mir so etwas passieren könnte. Wo ich wohne, werden Flüssiggasflaschen verwendet. Ich habe etwas ältere Mitbewohner, einige sind über 80 Jahre alt, und man weiß nie, ob sie vergessen, das Gas abzudrehen oder sonst was passiert“, sagt ein besorgter Eigentümer eines Appartements in Temeswar. Eine Versicherung hat er jedoch bislang nicht abgeschlossen. Vor einigen Tagen gab es in Klausenburg/Cluj-Napoca eine Explosion, mehrere Personen kamen ins Krankenhaus. Grund der Explosion: Anhäufung von Gas.





Am Eingang des Wohnblocks: Die Gasrechnungen springen einem gleich ins Auge

Fotos: Zoltán Pázmány

Freiwillige Jugendliche gesucht

Arbeit für den Frieden in Großsanktnikolaus


Ein Ferienangebot alternativer Art – so wendet sich der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. an junge Leute, die sich auf besonderer Art und Weise freiwillig engagieren wollen. Unter dem Leitmotiv des Volksbundes, „Versöhnung über den Gräbern“, können Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren nicht nur Land und Leute kennen lernen, sondern auch bei der Pflege von Kriegsgräbern und Gedenkstätten in ganz Europa mithelfen.

Der Landesverband Thüringen veranstaltet auch in diesem Jahr Workcamps in Großsanktnikolaus/Sânnicolau Mare sowie drei andere Camps: in der Ukraine bei Laspi/Krim sowie in Jena und Gotha, Deutschland. Somit suchen die Vertreter des Volksbundes auch in diesem Jahr Teilnehmer aus Rumänien: sechs Jugendliche für das Workcamp in Großsanktnikolaus und je drei für die Camps in Deutschland.

Teilnehmen können Jugendliche, die freiwillig etwa zwei Wochen bei der Pflege und Instandsetzung von Kriegsgräbern und Gedenkstätten helfen wollen. „Diese sollen als Mahnmale für den Frieden erhalten bleiben“, sagt Dieter Jeck, Campleiter in Großsanktnikolaus. Doch nicht nur Arbeit steht auf dem Programm der Teilnehmer. Sie werden sich kennenlernen, gemeinsame Freizeit erleben und sich mit der deutschen und europäischen Geschichte auseinandersetzen. Reisen und Stadtführungen durch die Umgebung werden unternommen, Museen und andere Gedenkstätten besichtigt. Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten in den jeweiligen Regionen sowie Spiel und Spaß kommen bei diesen Begegnungen auch nicht zu kurz.

In den Camps des Volksbundes können Jugendliche Geschichte auf einzigartiger Weise erleben. „Sie arbeiten, damit die Opfer von Krieg und Gewalt nicht vergessen werden und sorgen bei der Begegnung mit Gleichaltrigen aus anderen Ländern dafür, dass Europa friedlich zusammenwächst“, sagt Dieter Jeck.

2009 wurde das Workcamp in Großsanktnikolaus zum ersten Mal vom Landesverband Thüringen veranstaltet. 25 Jugendliche aus drei Ländern waren im vergangenem Jahr in der Temescher Kleinstadt Großsanktnikolaus beim Workcamp dabei. Neun Rumänen, neun Deutsche und sieben Moldawier brachten Kriegsgräber und Denkmäler der zwei Weltkriege in vier Friedhöfen der Stadt wieder in Ordnung. Das Camp war ein Novum für das Banat. Andere Workcamps des Volksbundes wurden im Laufe der Jahre in Rumänien in Jassy/Ia{i, Kronstadt/Bra{ov und Heltau/Cisn²die veranstaltet. Einige dieser Camps waren mit deutsch-rumänischen Gruppen, einige auch nur mit Teilnehmern aus Deutschland besetzt.

2009 feierte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. sein 90-jähriges Jubiläum. Seit dem Ende des Ersten Weltkriegs kümmert sich der Volksbund um die Gräber deutscher Kriegstoten im Ausland. September 1919 legten acht Männer in Berlin den Grundstein für eine Organisation, die sich nicht nur der Pflege der Kriegergräber, sondern auch der Versöhnung der Völker verpflichtete.

Andreea Oance


2009 pflegten 25 Jugendliche die in Großsanktnikolaus vorhandenen Kriegsgräber.

Foto: die Verfasserin

Der rumänische Tag der Liebenden

Immer mehr junge Leute feiern Dragobete



Der Blumenladen am 700er Markt wartet auf Männer, die ihre Geliebten zum Dragobete beschenken wollen.
Foto: Zoltán Pázmány


„Trends kommen gewöhnlich aus Hollywood“, äußerte sich der 30-jährige Alexandru I. zum Valentinstag am 14. Februar. Der „Valentin“ stammt eigentlich aus Italien, die Amerikaner haben jedoch das Fest „so kommerziell“ gemacht, dass es eigentlich „seine Bedeutung komplett verloren hat“, so der Temeswarer. Er hat am 14. Februar seiner Freundin keine Blumen oder Pralinen geschenkt. Erst heute, am 24. Februar, wird er seine Geliebte mit etwas Schönem überraschen - am „Dragobete-Tag“, der rumänischen Variante des Valentinstags. Heute feiert man in Rumänien erneut den „Tag der Liebenden“.
Für das Bewahren dieser „schönen alten Tradition“ plädiert auch der 21-jährige Marius Brumar. „Dragobete sollte, mindestens für uns, Rumänen, eine größere Bedeutung als der Valentinstag haben. Und es ist auch schön, mal anders als die anderen zu sein und unser eigenes ´Markenzeichen´ zu haben“, sagt er. Dass sich die jungen Leute immer mehr der alten Tradition zuwenden, lässt seit einigen Jahren auch die Blumenverkäufer strahlen. Das heißt: Im Februar sind gleich zwei Tage mit Höchstverkauf angesagt. Fällt der 24. Februar auch auf einen Arbeitstag, wie es in diesem Jahr der Fall ist, so ist der Verkauf von Blumen noch größer, meinen die Händler. „Vielleicht genau so hoch wie am Valentinstag“, hofft eine Blumenverkäuferin am 700er-Markt. Dazu verhilft auch die Werbung im Fernsehen und Rundfunk. Die Schaufenster in der Stadt sind immer noch mit roten Herzchen geschmückt, Sonderangebote für zwei gibt es bis heute bei Fitnessstudios oder Kinos. Immer mehr Rumänen haben sich im Laufe der Zeit auf den Dragobete-Tag eingestellt. Eigentlich, nachdem Valentine´s Day auch nach Rumänien importiert wurde, erfuhren viele Rumänen, dass sich in der rumänischen Folklore ein ähnlicher „Valentin“ verbirgt. Er heißt Dragobete. Doch wer war eigentlich dieser Kerl? Im Unterschied zum romantischen, ruhigen Valentin, war Dragobete, Sohn der alten Dochia, ein gutaussehender und energischer Mann, immer gut gelaunt, der die „Heirat der Tiere“ zu Frühlingsbeginn zelebrierte. Der 24. Februar gilt in der rumänischen Tradition auch als der Tag, an dem die Natur zum Leben erwacht und die Vögel ihre Nester für den Frühling vorbereiten. An diesem Tag trafen sich die Verliebten und feierten ihre Beziehung, damit ihre Liebe so lange wie die der Vögel, die sich an dem Tag „verlobten“, anhielt. Die Vögel galten damals als „Gesandte der Götter“. Laut rumänischer Tradition werden die Leute, die den Dragobete feiern, das ganze Jahr hindurch von allen Krankheiten verschont.
Ana Saliste



Schwarzhandel mit Zigaretten blüht

Schärfere Polizeikontrollen auf den Märkten/ Von Raluca Nelepcu


Die Zigaretten sind am 1. Januar 2010 teurer geworden – der Schwarzhandel blüht. Auf den Temeswarer Märkten floriert das illegale Geschäft mit den Glimmstengeln. Gleichzeitig verstärkt die Polizei ihren Einsatz – durch unerwartete Kontrollen macht sie Jagd auf die Zigarettenhändler.



Am 700er Markt floriert der Schwarzhandel mit Zigaretten.

Foto: Zoltán Pázmány


Temeswar – Josefstädter Markt, 12 Uhr. Im Nieselregen stehen sie da, die Männer mit dicken Jacken. Ihre Jackentaschen sind voll. Mehr als zehn Männer verschiedenen Alters spazieren in der Gasse, die am Blumenmarkt entlang zum Kleintiermarkt führt. Sie flüstern dir zu, wenn du sie versehentlich anschaust: „}ig²ri, ]ig²ri“. Ein junger Raucher spricht sie an. „Zwei Pall Mall Lights“, verlangt er leise von einem der Männer. Sein Kollege habe welche, sagt er dem Kunden. Die Händler spielen scheinbar im selben Team. „Schnell, weil die schon wieder kommen“, drängt der Kollege und meint damit die Sicherheitskräfte. Unweit des Marktes steht ein Auto der Gendarmen. Die Händler gehen aber das Risiko ein, immerhin lohnt es sich. Das Geschäft wird prompt abgeschlossen: Der Dealer steckt ihm die Schachteln in die Tasche, der Mann bezahlt und mischt sich unter die Leute.

Seitdem am 1. Januar 2010 die Zigaretten um rund zwei Lei teurer geworden sind, floriert der Schwarzhandel mit Glimmstengeln auf dem Markt mehr denn je. Viele Raucher haben die Zigaretten sogar gewechselt, nur, um sie unter der Theke billiger zu bekommen. Schließlich sind nicht alle Marken auch im Schwarzhandel erhältlich: Luxuszigaretten wie Kent gibt es weiterhin nur im Geschäft. „Ich bin auf Pall Mall umgestiegen, damit ich sie mir billiger vom Markt kaufen kann“, sagt Andrei Bota (Name auf Wunsch geändert). Mehr als zehn Jahre lang hat der 26-jährige Kettenraucher Kent 8 geraucht. Nun lohnt es sich für ihn, auf den Markt zu gehen: Der Preisunterschied ist erheblich. Wenn eine Schachtel Pall Mall im Laden 10 Lei kostet, so muss Andrei Bota auf dem Markt nur sechs Lei dafür bezahlen. Auf dem Markt findet man Zigarettenmarken wie Pall Mall, Assos und Marble.

„Wir führen periodisch Kontrollen auf den Märkten durch, beschlagnahmen die Ware und erteilen Strafen“, sagt Andrei Emil, Pressesprecher der Temescher Polizei. In der Nähe des Grenzübergangs Stamora-Moravi]a gibt es seit Anfang vergangener Woche eine permanente Polizeikontrolle, die die Fahrer in Richtung Rumänien aufhält. Knapp zwei Wochen ist es her, seitdem die Temescher Polizei fünf unerwartete Razzien in der Stadt Temeswar durchgeführt und dabei mehr als 90.000 unverzollte und unversteuerte Zigarettenpackungen im Wert von 800.000 Lei sichergestellt hat – in diesem Jahr der größte Schlag gegen die Zigarettenmafia.


Zigarettenschmuggel im Pkw – die Ware wäre zu den Händlern gekommen, doch die Polizei war in diesem Fall schneller.

Foto: Temescher Polizei


Die meisten der Zigarettenstangen, die auf den Temeswarer Märkten unter der Theke verkauft werden, stammen aus den Duty Free Shops an den Grenzübergängen zwischen Rumänien und dem Nicht-EU-Land Serbien. Im Kreis Temesch/Timi{ gibt es zwei Grenzübergänge, wo derartige Duty Free Shops funktionieren: Stamora-Moravi]a und Hatzfeld/Jimbolia. Ab dem 30. März soll aber in diesen Grenzläden der Verkauf von Zigaretten und Alkohol untersagt werden. Ab dem 12. Februar dürfen die Inhaber ihre Läden nicht mehr mit den bald verbotenen Gütern versorgen. Für sie heißt es nun, die bereits vorhandene Ware loszuschlagen.

„Nächste Woche werden die Zigaretten acht Lei auf dem Markt kosten, hat mir ein Dealer gesagt“, erzählt Andrei Bota. Vielleicht auch, weil die Polizei nun noch mehr Jagd auf die Zigarettenmafia macht und die Händler einen Risikozuschuss verlangen müssen, grübelt der junge Mann. „Dann geh´ ich nicht mehr auf den Markt, es lohnt sich nicht mehr“, sagt der Raucher. Eigentlich treiben sich Zigarettenhändler auf allen Großmärkten Temeswars herum. Das Geschäft floriert sogar mitten in der Stadt: Am 700er Markt wird die Ware direkt aus den Kofferräumen der geparkten Autos an den Mann gebracht.


Große Auswahl an Märzchen

Der Frühlingsmarkt wird bald eröffnet


Sie haben schon längst mit den Vorbereitungen begonnen, so dass der 1. März ruhig kommen kann: Die Märzchen-Händler in Temeswar/Timi{oara rüsten sich für den Tag, an dem ihr Geschäft florieren wird. Dann werden nämlich die typisch rumänischen Kleingeschenke mit rot-weißer Schnur an Familie und Freunde verschenkt. In diesem Jahr wird eine Rekordzahl an Händlern, die Märzchen herstellen und verkaufen, in Temeswar registriert. Dies teilte vor Kurzem das Temeswarer Bürgermeisteramt mit. Vom 23. Februar bis am 3. März werden die Händler am Opernplatz ihre Ware zum Verkauf anbieten.




Der Märzchenhandel boomte schon im vergangenen Jahr am Opernplatz in Temeswar. Heuer wird es noch mehr Verkäufer geben, kündigte das Bürgermeisteramt an.

Foto: Zoltán Pázmány


„Ich werde am Freiheitsplatz zu finden sein. Ich möchte durch den Verkauf der selbstgemachten Märzchen mein Einkommen aufbessern“, sagt Lioara Pe]a (24). Die junge Frau stellt zusammen mit ihrer Mutter besondere Märzchen aus Fimo-Modeliermasse her. „Sie werden nicht mehr als drei-vier Lei kosten, obwohl es komplizierte Feinarbeit ist. Ich habe gestern drei Stunden gearbeitet und nur 15 Stück erzeugen können“, gesteht Lioara Pe]a. Außerdem stellt ihre Mutter gehäkelte Märzchen her.

Die Abteilung für Werbung und Handel im Temeswarer Bürgermeisteramt musste in diesem Jahr mit einem großen Ansturm wegen Verkaufsgenehmigungen seitens der Märzchen-Händler zurechtkommen.

Ursprünglich hatten sich die Zuständigen im Bürgermeisteramt überlegt, den Händlern 200 Plätze für den Handel mit den traditionellen Märzchen zur Verfügung zu stellen – diese für Schüler und Studenten, aber auch für Bürger der Stadt Temeswar. Eine einzige Bedingung an die Temeswarer: Die Verkäufer sollten all ihre Schulden an die Stadt beglichen haben. Die große Anfrage seitens der Händler stimmte die Mitarbeiter der Handelsabteilung um: 300 Plätze werden sie den Interessenten am Opernplatz zur Verfügung stellen. Die Bedingung: Die Händler dürfen nur traditionelle Ware verkaufen. Das heißt, Märzchen, Glückwunschkarten, Miniaturobjekte und Saisonblumen. Es wird den Händlern verboten, Zelte aufzubauen oder Schirme am Opernplatz aufzustellen. Nur Regenschutz darf aufgestellt werden, keine Sonnenschirme.

Am 5. März ist es dann soweit: Der bereits traditionelle Frühlings- oder Ostermarkt wird zum dritten Mal in der Temeswarer Innenstadt veranstaltet. Diesmal bleibt der Ostermarkt bis am 11. April geöffnet. Auch in diesem Jahr wird ein riesiges Osternest voller bunter Eier und lebendiger Osterhasen für eine feierliche Stimmung am Temeswarer Opernplatz sorgen. Das Maskottchen des Frühlingsmarktes ist erneut der riesige Plüschhase, mit dem sich die Kinder fotografieren lassen können.

Holzhäuschen werden auch heuer die Innenstadt zieren und den Kurzentschlossenen jede Menge Geschenkideen bieten. Nach rumänischer Tradition bemalte Ostereier, Lebkuchen, Ikonen, Keramik, Schmuckgegenstände und Blumen, wie auch andere Ostergeschenke werden auf dem Frühlingsmarkt zu finden sein.

Andreea Oance, Raluca Nelepcu