Montag, 5. Oktober 2009

Teilnehmerboom an Neuarader Kirchweih


Seit 120 Jahren – Schule im Mittelpunkt des Festes

Von Siegfried Thiel




Volkstanz im Schulhof

Foto: Siegfried Thiel


Die Mädchen zeigten an diesem Tag die gesamte Kirchweihtracht: jene von 1900, von 1920 und von 1940. Einen Anlass aber auch eine Möglichkeit dazu gab es am Sonntag in Neuarad. Zum einen war Kirchweihsonntag, zum anderen schien seit vielen Jahren wieder einmal die Sonne, wenn die Neuarader Katholiken das Fest ihrer Kirche begehen. Zur Erklärung: An etwa zwei Drittel der Kirchweihsonntage hat es in den letzten 100 Jahren geregnet. Veranstalter waren auch diesmal das Demokratische Forum der Deutschen in Arad, der Arbeitskreis Banat-Ja, die römisch-katholische Kirche und das Adam Müller-Guttenbrunn-Lyzeum.

Die Organisatoren befanden sich in diesem Jahr wahrlich im Wechselbad der Gefühle: „Auch in diesem Jahr wieder Kirchweih...“, hatte der Forumsvorsitzende Michael Szellner noch in die Einladungen geschrieben. Lange Zeit hatten die Veranstalter nämlich befürchtet, dass es in diesem Jahr gar keine Kirchweih geben würde. Bis Anfang September hatten sich nämlich nur wenige Paare gemeldet, doch dann kamen nach und nach insgesamt 26 Paare zusammen, in etwa so viele, wie überhaupt machbar, denn: „So viele Trachten haben wir zu Verfügung, sogar einige alte mussten aufgemotzt werden“, sagen Veranstalter wie Michael Szellner und Adelheid Simon.

Möglicherweise war es um das „Kirchweihbudget“ nicht all zu gut bestellt, da auch Kulturveranstaltungen von der Finanz- und Wirtschaftskrise beeinträchtigt sind. „Wie auch in anderen Jahren, haben wir die Unterstützung der Stadt und wir hoffen, dass wir auch vom Departement für Interethnische Beziehungen nachträglich noch einen Beitrag erhalten“, sagt Szellner. Das Forum, privat die Vorstandsmitglieder, Banat-Ja und die Kirchengemeinde tragen seit vielen Jahren einen Großteil der Realkosten ihrer Kirchweih. Private Spender, die ungenannt bleiben möchten, gesellen sich hinzu, sodass mehr als die Hälfte der Kosten aus diesen Quellen gesichert werden.






Vizebürgermeister Levente Bognar (links) und Michael Szellner


Seit 285 Jahren gibt es eine deutsche Schule in Neuarad, und nie waren – so in Dokumentationen festgehalten – nur deutsche Kinder an dieser Schule. Die deutsche Schule in Neuarad, früher waren es vier, mutierte bereits von etwa 120 Jahren ins Zentrum der Kirchweih. Zeitweilig mussten die Deutschen hinnehmen, dass die Kirchweih im Kommunismus als „Erntefest“ („Ziua Recoltei“) veranstaltet wurde. Zwischen 1987 und 1989 wäre manch einer sogar mit einer solchen Situation glücklich gewesen: Das Fest der Deutschen wurde nämlich gänzlich untersagt. Erst 1993 rafften sich die Organisationen der deutschen erneut zur „Kerwei“ auf. Vor einigen Jahren schlossen sich auch welche an, die keinen Bezug zur deutschen Gemeinde haben, „sie wollten eben für einen Tag Deutsche sein und daran halten sie fest“, sagt Michael Szellner.

Anwesend, und mit Tänzen vertreten - diesmal im Dirndl-Kleid die Tanzgruppe von Banat-Ja aus Nadlak/N²dlac woher seit vielen Jahren auch die Blaskapelle „N²dl²ceanca“ kommt, die die musikalische Untermalung bestreitet. Volkstänze und Tanzeinlagen für alle wechselten im Schulhof ab, lange hielt sich da auch der Vizebürgermeister von Arad, Levente Bognar, auf – er ist ein ständiger Gast, wenn die Arader deutsche Gemeinde feiert.

Ja nach den Gegebenheiten, haben die Vereine der deutschen Gemeinde immer auch, verdeckt oder auch offen – je nach politischer Lage – auch die Schule in das Fest eingebunden. Vor etwa 120 Jahren mutierte die Kirchweih aus dem sogenannten Hopfengarten (ehemaliger Gemeinde und dendrologischer Park) ins Zentrum von Neuarad – von da ab war die Schule Gastgeber des Festes. In der Altstadt von Arad wurde ebenfalls lange das Kirchenfest abgehalten, hatte jedoch nur einen religiösen Charakter. „Es ist einfach Spaß und Zugehörigkeitsgefühl, was die Jugendlichen veranlasst, mitzumachen“, kein Wunder, denn wer würde heute schon in der Lage sein, Kinder und Jugendliche zu zwingen, an einem Fest mitzumachen, bei dem moderne Trends mit deutscher Volksmusik ersetzt werden, oder wenn das Minikleid und die Jeans dem schwäbischen Festkleid weichen müssen.






Adi Ardelean oder Rundfunkjournalist in Tracht

Fotos: Siegfried Thiel

DSTT-Schauspieler Boris Gaza nach New York


as. Temeswar - Boris Gaza, Schauspieler des Deutschen Staatstheaters Temeswar/Timi{oara (DSTT), wird künftig zusammen mit acht anderen rumänischen Schauspielern in New York auftreten. In der Zeitspanne 26. September – 6. Oktober werden die Schauspieler in der Regie von Andrei [erban für ein Atelier Inszenierung proben. Anschließend soll eine öffentliche Aufführung stattfinden, die künftig im In- und Ausland aufgeführt wird. Das Unterfangen wird vom rumänischen Kulturinstitut finanziell unterstützt. Die Zusammenarbeit kam im Rahmen des diesjährigen Workshops „Academia itinerant² Andrei [erban“ zustande, der Anfang August in Horezu veranstaltet wurde und wo auch Boris Gaza mitgemacht hat.

Boris Gaza ist professioneller Schauspieler und tritt seit 1997 auf der DSTT-Bühne auf. Er ist ebenfalls als Solist in Konzerten, Operetten, Musicals und Musiktheater sowie in Film und Fernsehen aufgetreten und hat im Laufe der Jahre an zahlreichen nationalen und internationalen Theaterfestivals teilgenommen. Zugleich hat er Schauspiel im In- und Ausland unterrichtet.



Boris Gaza fliegt Ende September nach Amerika, wo er zusammen mit weiteren acht Schauspielern aus Rumänien an einem Workshop mit anschließender Inszenierung teilnehmen wird.

Foto: DSTT

Der Temeswarer Sergiu Luca tanzt für Deutschland

Nummer 54 im Ranking des Weltverbands für Amateurtänzer/ Von Andreea Oance


Der Temeswarer Tänzer Sergiu Luca (27) performt seit sieben Jahren in Deutschland und gewinnt für sein Adoptivland zahlreiche Preise. Im diesjährigen Ranking des Weltverbands der Amateurtänzer für Standard- und Lateintänze (IDSF) steht Sergiu Luca zusammen mit seiner Partnerin auf Platz 54.

Für Sergiu Luca wandelte sich das Tanzen schrittweise vom Hobby in eine Leidenschaft um und letztendlich wurde es zum Leistungssport. Mit zehn begann der Temeswarer zu tanzen und wusste sofort, dass er dies für sein Leben machen will. Mit 19 wurde der Club, wo er eingeschrieben war, aufgelöst und Segiu wusste nicht, welchen Weg er einschlagen soll. Ein Freund schlug ihm vor, sich im Internet über einen Club in Deutschland zu erkundigen. So tat er es auch und 2002 zog er dann schon nach Deutschland. Es war für ihn am Anfang gar nicht leicht, da er kein Wort Deutsch sprach und nur ein bisschen Englisch konnte. Das Tanzen gilt manchmal als internationale Sprache und davon profitierte er auch. „Ich wollte unbedingt tanzen. In Rumänien hätte ich in diesem Bereich keine Zukunft mehr gehabt, deswegen suchte ich eine Alternative. Es war gar nicht leicht am Anfang, mich mit den anderen zu verständigen, aber mein Wille war entscheidend“, erzählt der 27-jährige Tänzer. Um seinem Traum näher zu rücken, musste er hart arbeiten. Er musste Geld für den Tanzunterricht verdienen. Dafür verkaufte er sogar Zeitungen und konnte sich auf die Unterstützung seiner ersten Tanzpartnerin in Deutschland verlassen. Nach einem Jahr wurde er vom „Schwarz-Weiß“-Club in Pforzheim aufgenommen. Da trainierte er gleichzeitig Kinder und Junioren. Der Pforzheimer Club ist einer der größten und bekanntesten in Deutschland. Im Laufe der Jahre sind mehrere Tanzpaare des Clubs mehrfach deutsche aber auch internationale Meister geworden: Ralf Müller/Olga Müller-Omelchenko wurden drei Mal Latein-Meister (1994 – 1996) in Deutschland und Latein-Weltmeister 1996; Michael Torres/Sabine Kramski wurden in der Zeitspanne 1998 – 2000 drei Mal Latein-Meister in Deutschland.

Die Großstadt Pforzheim im Westen Baden-Württembergs ist weltbekannt für die hier ansässige Schmuck- und Uhrenindustrie, somit trägt die Stadt auch den Beinamen Goldstadt beziehungsweise Gold-, Schmuck- und Uhrenstadt. Der „Schwarz-Weiß“-Club hat von der Stadt ständig Unterstützung für den Sporttanz bekommen. Das erste große Turnier der Latein-Abteilung im Jahr ist traditionell der Goldstadtpokal in Pforzheim – dieser wird jährlich im Februar veranstaltet.

Seit drei Jahren wird Sergiu Luca von Harry Körner, einem der renommiertesten Trainer Deutschlands und Turnierchef des German Open Championship (GOC), trainiert. Nach bloß einem Jahr, seitdem er von Körner vorbereitet wurde, schaffte er es bei den internationalen Meisterschaften unter die ersten zwölf. Fünf Paare des Pforzheimer „Schwarz-Weiß“-Clubs befinden sich nun unter den ersten 50 Paaren im IDSF-Ranking. Zusammen mit seiner neuen Partnerin Maria Pia Arces steht Sergiu Luca in diesem Jahr auf Platz 54 im Ranking des ISDF von über 3.500 Paaren weltweit.



Sergiu Luca (27) und seine neue Tanzpartnerin Maria Pia Arces (22)

Foto: privat


Seit acht Monaten tanzt der Temeswarer mit der Italienerin Maria Pia Arces. „Wir passen ganz gut zusammen und das ist das Wichtigste für ein Tanzpaar“, sagt Sergiu Luca. Schon vom Anfang des Jahres haben die beiden sehr gute Ergebnisse im IDSF-Ranking gehabt: Platz 3 beim IDSF International Open Latin in Bosnien und Herzegowina, Platz 10 beim IDSF International Open Latin in Polen, Platz 4 in Belgien, Platz 4 in Bulgarien, Platz 5 in Österreich und Platz 7 in Ungarn. Sergiu Luca kommt auch ein Mal im Monat nach Rumänien und trainiert zurzeit vier Tanzpaare in Temeswar.