Seit 120 Jahren – Schule im Mittelpunkt des Festes
Von Siegfried Thiel

Volkstanz im Schulhof
Foto: Siegfried Thiel
Die Mädchen zeigten an diesem Tag die gesamte Kirchweihtracht: jene von 1900, von 1920 und von 1940. Einen Anlass aber auch eine Möglichkeit dazu gab es am Sonntag in Neuarad. Zum einen war Kirchweihsonntag, zum anderen schien seit vielen Jahren wieder einmal die Sonne, wenn die Neuarader Katholiken das Fest ihrer Kirche begehen. Zur Erklärung: An etwa zwei Drittel der Kirchweihsonntage hat es in den letzten 100 Jahren geregnet. Veranstalter waren auch diesmal das Demokratische Forum der Deutschen in Arad, der Arbeitskreis Banat-Ja, die römisch-katholische Kirche und das Adam Müller-Guttenbrunn-Lyzeum.
Die Organisatoren befanden sich in diesem Jahr wahrlich im Wechselbad der Gefühle: „Auch in diesem Jahr wieder Kirchweih...“, hatte der Forumsvorsitzende Michael Szellner noch in die Einladungen geschrieben. Lange Zeit hatten die Veranstalter nämlich befürchtet, dass es in diesem Jahr gar keine Kirchweih geben würde. Bis Anfang September hatten sich nämlich nur wenige Paare gemeldet, doch dann kamen nach und nach insgesamt 26 Paare zusammen, in etwa so viele, wie überhaupt machbar, denn: „So viele Trachten haben wir zu Verfügung, sogar einige alte mussten aufgemotzt werden“, sagen Veranstalter wie Michael Szellner und Adelheid Simon.
Möglicherweise war es um das „Kirchweihbudget“ nicht all zu gut bestellt, da auch Kulturveranstaltungen von der Finanz- und Wirtschaftskrise beeinträchtigt sind. „Wie auch in anderen Jahren, haben wir die Unterstützung der Stadt und wir hoffen, dass wir auch vom Departement für Interethnische Beziehungen nachträglich noch einen Beitrag erhalten“, sagt Szellner. Das Forum, privat die Vorstandsmitglieder, Banat-Ja und die Kirchengemeinde tragen seit vielen Jahren einen Großteil der Realkosten ihrer Kirchweih. Private Spender, die ungenannt bleiben möchten, gesellen sich hinzu, sodass mehr als die Hälfte der Kosten aus diesen Quellen gesichert werden.
Vizebürgermeister Levente Bognar (links) und Michael Szellner
Anwesend, und mit Tänzen vertreten - diesmal im Dirndl-Kleid die Tanzgruppe von Banat-Ja aus Nadlak/N²dlac woher seit vielen Jahren auch die Blaskapelle „N²dl²ceanca“ kommt, die die musikalische Untermalung bestreitet. Volkstänze und Tanzeinlagen für alle wechselten im Schulhof ab, lange hielt sich da auch der Vizebürgermeister von Arad, Levente Bognar, auf – er ist ein ständiger Gast, wenn die Arader deutsche Gemeinde feiert.
Ja nach den Gegebenheiten, haben die Vereine der deutschen Gemeinde immer auch, verdeckt oder auch offen – je nach politischer Lage – auch die Schule in das Fest eingebunden. Vor etwa 120 Jahren mutierte die Kirchweih aus dem sogenannten Hopfengarten (ehemaliger Gemeinde und dendrologischer Park) ins Zentrum von Neuarad – von da ab war die Schule Gastgeber des Festes. In der Altstadt von Arad wurde ebenfalls lange das Kirchenfest abgehalten, hatte jedoch nur einen religiösen Charakter. „Es ist einfach Spaß und Zugehörigkeitsgefühl, was die Jugendlichen veranlasst, mitzumachen“, kein Wunder, denn wer würde heute schon in der Lage sein, Kinder und Jugendliche zu zwingen, an einem Fest mitzumachen, bei dem moderne Trends mit deutscher Volksmusik ersetzt werden, oder wenn das Minikleid und die Jeans dem schwäbischen Festkleid weichen müssen.
Adi Ardelean oder Rundfunkjournalist in Tracht
Fotos: Siegfried Thiel



