Dienstag, 2. März 2010

„Apokalypse von Nadlak bis Constanza“

Spediteure montieren Schilder ab

Nicht ganz so dramatisch wie versprochen, aber immer noch gesetzwidrig: Die Einfahrten nach Temeswar/Timisoara wurden am 1. März nicht blockiert, der Vorsitzende des rumänischen Spediteureverbands (FORT), Augustin Hagiu, hat jedoch das Gesetz gebrochen. Das Schild an der Lugoscher Straße, das die Einfahrt der Schwertransporte mit einer Gesamtlast von über 7,5 Tonnen verbot, wurde von Hagiu abmontiert. Und dies in Anwesenheit der Polizei. „Der Täter macht sich schuldig. Es ist ein Strafvergehen, das von der Straßenverkehrsordnung geahndet wird. Der Täter riskiert eine Haftstrafe zwischen sechs Monaten und zwei Jahren, oder eine Geldbuße“, so Florin Bolbos, Leiter der Temescher Verkehrspolizei.


Er macht sich straffällig: Augustin Hagiu montiert das Schild an der Lugoscher Straße ab.


„Wenn das Bürgermeisteramt nicht die Schilder an allen Einfahrten zur Stadt abmontiert, werden wir das tun“, so Hagiu. Seinen Aussagen nach ist nicht nur das Anbringen der Schilder, sondern auch die Stelle, wo diese montiert sind, nur eine Abzocklösung seitens des Bürgermeisteramtes. „Die Schilder sind gleich hinter der Einfahrt. Der Fahrer muss also in die Stadt rein und macht sich automatisch straffällig“, so der FORT-Vorsitzende. Seinen Aussagen nach machen sich sogar die Busse, die in die Stadt fahren, straffällig.

Wie schon zuvor wird auch das Fehlen der Umgehungsstraße bemängelt. „Es ist ein Pan-Europäischer Korridor. Die einzige Möglichkeit, die wir, Spediteure, haben, ist, durch die Stadt zu fahren“, fügt Hagiu hinzu. Falls die Gebühr jedoch in Zukunft eingeführt wird, werden es auch die Bürger in ihrem Geldbeutel zu spüren bekommen. Dies, weil die Spediteure das Geld irgendwie wiedergewinnen müssen, so jedenfalls Hagiu. „Es könnte eine apokalyptische Situation werden, in der wir von Nadlak/Nadlac bis Konstanza/Constanta lauter derartige Gebühren zahlen müssen“, sagt Siegfried Maier vom Unternehmerverband der Spediteure in Europa APTE 2002.

Im Mai vergangenen Jahres wurde von der Stadtverwaltung Temeswar eine Entscheidung gefasst, die besagt, dass Schwertransporte, die nicht im Verwaltungskreis Temesch registriert sind, eine Gebühr in Höhe von 200 Lei zahlen müssen, falls sie die Stadt durchqueren. Die Entscheidung wurde von der Temescher Präfektur angefochten, zurzeit wird vom Gericht verhandelt, ob die Gebühr gesetzwidrig ist oder nicht. Bis zum Gerichtsurteil wendet das Bürgermeisteramt eine andere Verordnung an, nämlich die der Verkehrskommission des Stadtrats, die besagt, dass Fahrzeuge mit einem Ladegewicht ab 7,5 Tonnen, die nicht im Verwaltungskreis Temesch registriert sind, die Stadt nicht passieren dürfen. Die Verantwortlichen der Spediteureverbände wurden am Donnerstag zur Sitzung der Verkehrskommission eingeladen, um ihren Standpunkt darzulegen.

Olivian Ieremiciu

Ein Märzchen zum Frühlingsbeginn

Hand-made-Ware hoch im Trend/ Von Ana Saliste und Raluca Nelepcu


Nun ist es amtlich: Der Winter hat sich endgültig verabschiedet. Dies erkennt man nicht nur an den milderen Temperaturen, sondern auch an die bunten Märzchen/“martisoare“, die derzeit an Frühlingsmänteln oder an Schultaschen hängen. Zwar werden die kleinen Anhänger nicht mehr so oft wie früher getragen, trotzdem werden sie weiterhin Jahr für Jahr an Frauen und Freunde verschenkt, als Symbol der Liebe oder der Freundschaft. Die Märzchen werden in der Regel über die gesamte Zeitspanne des Monats März getragen.



Dieses Jahr lagen besonders die handgemachten Märzchen hoch im Trend. Keramik, Holz, Papier und Pappe sind die am meisten verwendeten Materialien bei der Anfertigung von Märzchen. Auch Anhänger und Broschen, die witzige Tierchen oder Saisonblumen darstellen, ließen sich in diesem Jahr gut verkaufen. „Ich habe Anhänger in Form von Bären und Marienkäfer, auf deren Bauch ´Je t´aime` oder ´I love you´ steht, verkauft. Diese kann man sowohl als Märzchen, aber auch ganz einfach als kleines Andenken verschenken“, sagt Märzchenhändlerin Cristina Baba (25). Über zwei Stunden hat sie an jedem Märzchen gearbeitet. Zuerst zeichnet sie das Modell für die Anhänger auf Papier, erst dann wird es auf das Material gemalt. Für die Souvenirs hat Cristina auch handgemachte Geschenkkasten angefertigt. Derzeit bereitet sie sich gemeinsam mit dem Temeswarer Kunstverein „Cloud Factory“ auf den 8. März vor. Die Mitglieder des Vereins werden im Temeswarer Lokal „Manufactura“ kleine Geschenke zum Frauentag ausstellen. Hier werden auch zwei Kunstworkshops veranstaltet.


Die rot-weiße Schnur

Seit vielen Jahrzehnten gilt der Brauch zum ersten Frühlingstag als ein Fest der Freude und ist ein Sinnbild des Sieges des Guten über das Böse. Man vermutet, dass das Fest seine Ursprünge in Rom hat, als Neujahr am 1. März, dem Geburtstag des Gottes Martius, Landwirtschaftsgott und Symbol der Wiedergeburt der Natur, gefeiert wurde.



Im Mittelalter wurde der Beginn des Frühlings durch das rot-weiße Anmalen von kleinen Steinen gefeiert. Diese dienten damals als Glücksbringer das ganze Jahr hindurch. Rot steht für Sonne und Leben, aber auch für die Frau. Weiß ist die Farbe des klaren Wassers, des Himmels und des Mannes. Sie gehörten zusammen und konnten als Symbole des Lebens und der Unsterblichkeit der Natur nicht getrennt werden. „Das eigentliche Märzchen ist die rot-weiße Schnur, die an jedes Objekt befestigt wird. Ich mag diese modernen Märzchen mit allerhand Plüschtieren gar nicht“, gesteht der Temeswarer Lucian Blaga (25).

An diesen Tagen, bis am 9. März, müssen sich die Rumänen einen Tag auswählen, den man in Volksmund „Die Alte“/“Baba" bezeichnet. Die Tradition besagt, dass sein Glück in diesem Jahr vom Wetter des ausgewählten Tages abhängt: Ist der Tag schön und sonnig, so wird das Jahr auch so verlaufen. Ist der Tag trüb, wird auch das Jahr nicht so gut sein. Regnet es, so verdient man in diesem Jahr viel Geld. Viele Personen wählen sich die „Alte“ nach ihrem Geburtsdatum. Ist jemand an einem Datum mit zwei Ziffern geboren, so werden diese Ziffern addiert, um sich eine der neun „Alten“ auswählen zu können. Die Legende besagt, dass die ersten neun Märztage deshalb von abwechselndem Wetter geprägt sind, weil die Alte Dochia, eine bekannte Gestalt in der rumänischen Mythologie, täglich einen Mantel aus Schafspelz auszieht und so den Regen abschüttelt.



Gehäkelte Märzchen

Hundert Märzchen aus Fimo-Modeliermasse und nochmal ungefähr hundert gehäkelte Märzchen, das bot Lioara Pe]a (23) diese Woche den Spaziergängern durch das Zentrum von Temeswar. Es war keine leichte Arbeit, die Einzelstücke herzustellen, gesteht die junge Frau. Zwei Jahre ist es her, seitdem Lioara Pe]a mit dem Herstellen von Schmuckstücken aus Fimo angefangen hat. Das Hobby entwickelte sich allmählich zu einer guten Möglichkeit, ihr Einkommen aufzubessern. Der Verkauf von Märzchen in der Innenstadt hat ebenfalls dazu beigetragen. Sonnen, Frösche, Sternchen und andere bunte Figuren versah Lioara Pe]a mit weiß-roter Schnur. Die Märzchen können nach dem 8. März auch als Broschen, ohne Schnur, getragen werden. Die Preise für die Märzchen schwankten bei Lioara zwischen zwei und fünf Lei. „Sie durften nicht zu teuer sein, obwohl ganz viel Feinarbeit dahinter steckt“, sagt sie. Nun wartet sie auf ihre „Baba“, die jedes Jahr der 7. März ist. Sie hofft auf gutes Wetter, damit auch ihr Jahr ein erfolgreiches sein wird.



In diesem Jahr wurde eine Rekordzahl an Händler, die Märzchen herstellen und verkaufen, in Temeswar verzeichnet, teilte das Temeswarer Bürgermeisteramt mit. Schon am 23. Februar, dem ersten Tag, an dem die Händler ihre Ware zum Verkauf stellen durften, war der Opernplatz in Temeswar voll. „Ich habe schon 25 Märzchen verkauft“, sagte am ersten Märzchen-Verkaufstag die Arader Studentin Andreea Pal (23). Keramik-Märzchen zu 3,5 – 4 Lei das Stück hatte sie hergestellt. „Diese können sowohl als Anhänger für die Halskette, als auch als Ohrringe getragen werden“, sagt die Studentin. Seit drei Jahren fertigt sie Märzchen an. Im Stadtzentrum von Temeswar wurden in diesem Jahr 300 Plätze für die Händler bereitgestellt. Auf dem Opernplatz durften jedoch nur Bürger der Stadt Temeswar oder Studenten ihre Ware zum Verkauf stellen.

Nun steht den Temeswarern eine andere Überraschung bevor: Am 5. März wird der traditionelle Frühlings-/Ostermarkt eröffnet. Bis am 11. April wird ein riesiges Osternest mit bunten Eiern und lebendigen Osterhasen für Feststimmung am Temeswarer Opernplatz sorgen. Das Maskottchen des Frühlingsmarktes ist ein riesiger Plüschhase, mit dem sich die Kinder fotografieren lassen können. Holzhäuschen mit verschiedenen Geschenkideen werden in der Innenstadt eingerichtet. Nach rumänischer Tradition bemalte Ostereier, Lebkuchen, Ikonen, Keramik, Schmuckgegenstände und Blumen werden auf dem Frühlingsmarkt zu finden sein. Der Markt bleibt bis am 11. April geöffnet.