Mittwoch, 4. November 2009

Darf ich ein Bild von dir machen?

Fotoausstellung im Kunstmuseum


Temeswar – Ihre Motive wissen, dass sie fotografiert werden: Die in Wien lebende Fotografin Vera Brandner (28) präsentierte vergangene Woche ihre erste Ausstellung in Rumänien. „Darf ich ein Bild von dir machen?“ ist das Motto der Expo, die noch vier Tage lang - bis am 8. November - im Temeswarer Kunstmuseum zu sehen ist. Die Ausstellung, unterstützt von der SRB Software&Consulting GmbH und unter der Schirmherrschaft der Österreichischen Botschaft, wurde anlässlich des Nationalfeiertags Österreichs eröffnet.


Die österreichische Fotografin Vera Brandner blickte ihrerseits für die BZ in die Kamera.

Foto: Zoltán Pázmány

Die meisten der 35 ausgestellten Schwarz-Weiß-Bilder wurden in Ländern der dritten Welt aufgenommen: in Angola, Pakistan, Jemen und Afghanistan. Auch drei Fotos aus Rumänien, in Budenbach/Sibiel und Kleinkopisch/Copsa Mica geschossen, sind innerhalb der Ausstellung zu sehen. Eines davon hat Vera Brandner als Titelbild der Einladung zur Vernissage gewählt: Es zeigt einen Jungen mit seinem Pferd. Das Kind blickt, wie fast alle fotografierten Personen, direkt ins Objektiv.

„Es gibt keine Regel, die vorsieht, dass der Fotografierte nicht in die Kamera schauen muss. Fotograf, Betrachter und Subjekt bilden eine Einheit“, sagt Vera Brandner. Die Fotografin ist Mitglied des 2003 ins Leben gerufenen ipsum-Vereins, der den Anspruch hat, eine Alternative zur stereotypen Berichterstattung zu schaffen. Das Kunstprojekt „ipsum“ sieht Workshops rund um die Welt vor, in denen Menschen ermutigt werden, sich auszudrücken. Mit diesem Projekt ist Vera Brandner durch die Welt gereist – ihre Eindrücke hat sie mit Hilfe der Fotokamera festgehalten.

Die Österreicherin ist nicht bei ihrem ersten Rumänien-Aufenthalt, findet aber Temeswar/Timisoara besonders „angenehm“. Eine Ähnlichkeit zwischen Wien und „Klein-Wien“ Temeswar gibt es „vielleicht bei der Architektur“, aber „ich finde die Architektur von Temeswar sogar spannender“, schließt Vera Brandner.

Raluca Nelepcu

20 Jahre Glaubensbote


Zu Ignaz Bernhard Fischer „Glaubensbote“, Cosmopolitan Art Verlag Temeswar 2009, ISBN 978-973-8903-61-6


Mitglieder der römisch-katholischen Gemeinschaft in Temeswar/Timisoara haben ihn mindestens einmal in der Hand gehabt. Die meisten haben ihn gelesen: Manche „zum Zeitvertreib“, andere „zur Erweiterung ihres geistigen Gesichtskreises“ oder „zur Erbauung“. Der Glaubensbote ist in den katholischen Kirchen Temeswars eine bekannte und gern gelesene Schrift. Nun kann eine Auswahl dieser Texte auch in Buchform nachgelesen werden. „Glaubensbote“ nennt sich der neue Band von Ignaz Bernhard Fischer, der im vergangenen Monat in der Reihe der Veröffentlichungen des Literaturkreises „Stafette“, herausgegeben von Dr. Annemarie Podlipny-Hehn, erschienen ist. Die Drucklegung war mit Spenden aus Deutschland möglich.

88 Glaubensboten können auf insgesamt 292 Seiten gelesen werden. Das Blättchen feierte in diesem Jahr sein 20. Jubiläum. Vor der Wende 1989 durften rumänienweit keine katholischen Publikationen erscheinen. Nach der Revolution kam der Bakowaer Ignaz Bernhard Fischer, damals Sekretär der Mehalaer Pfarrei, auf die Idee, einen Glaubensboten ins Leben zu rufen. Zusammen mit dem Diakon Reiner Debert und mit Hilfe eines Kopiergeräts aus der Schweiz wurde die erste Ausgabe gedruckt. Zuerst erschien der Glaubensbote jede zweite Woche und wurde in den katholischen Kirchen Temeswars verteilt. Nun wird der Glaubensbote nur monatlich gedruckt, und das „wegen meines fortgeschrittenen Alters“, wie Ignaz Bernhard Fischer, vor kurzem 83 geworden, im Vorwort schreibt. Auch die ADZ übernimmt Auszüge aus dem Glaubensboten im „Wort zum Sonntag“.

Tiefsinnig, ernst, ironisch, humorvoll, demnach, welches Thema angesprochen wird: Von Fischers Glaubensboten könnte sich wohl jeder Leser angesprochen fühlen. Denkwürdige Zitate können beim Durchblättern den Texten entzogen werden: „Tragen wir nur bei Maskenbällen Masken?“, „Liebe verbindet die Menschen, Hass trennt sie für immer“, „Vergeltung führt zur Spirale der Gewalt“ usw. Geschichte, Mythologie, aber auch aktuelle Tagesthemen verknüpft Fischer in seinen Texten und bringt sie so näher an die Gläubigen. Wer sie liest, dem wünscht der Autor zwei Dinge: Er solle entweder klüger, oder besser werden.

Raluca Nelepcu



Umschlag: Johannes der Täufer, Isenheimer Altar (Ausschnitt)

Zwei Freunde stellen aus

Raducan und Stoica zeigen Reiseeindrücke


rn. Lugosch - Die „Pro Arte“-Galerie in Lugosch/Lugoj beherbergt seit Freitag eine Malereiausstellung der besonderen Art. „Die Welt in 30 Tagen“ heißt das künstlerische Unterfangen von Vasile Stoica und Constantin Raducan. Sie umfasst Zeichnungen und Malereien, die die beiden auf ihren Reisen durch Europa, Australien und Amerika geschaffen haben. Das Werk besteht aus Reiseeindrücken: Constantin Raducan stellt Landschaftsgemälde, die in Holland, Frankreich, Spanien und Rumänien gemalt wurden, aus, während Vasile Stoica Bilder aus Australien, Nord- und Südamerika aber auch aus Europa vorstellt.

Dass die beiden zusammen ausstellen, kommt nicht von ungefähr. Sie kennen sich seit etwa 20 Jahren – seit Stoica eine Malerei nach einem Brief von Constantin Raducan geschaffen hat. Constantin Raducan (63) ist einer der bedeutendsten Künstler der Stadt an der Temesch und seit 1980 Mitglied des Vereins der Bildenden Künstler in Temeswar/Timisoara sowie des Internationalen Vereins der Bildenden Künstler. Er hat sowohl in Rumänien, aber auch außerhalb der Landesgrenzen, in Deutschland, Ungarn, Tschechien, Frankreich und Spanien, ausgestellt.

Der im Kreis Klausenburg/Cluj geborene Vasile Stoica (39), Ehrenbürger von Lugosch, hat 2001 einen Weltrekord für die längste im Rollstuhl zurückgelegte Strecke innerhalb von einer Stunde – 132 Kilometer – aufgestellt. Er hat mehrere Expeditionen zu Ende gebracht – jüngst auch eine Weltreise, auf der er etwa 30.000 Kilometer im Rollstuhl zurückgelegt hat (die BZ berichtete).

Schlusslicht in Sachen Wälder

Neupflanzungen sind eher ein „Tropfen auf den heißen Stein“


oi. Temeswar – Der Verwaltungskreis Temesch/Timis steht landesweit am schlechtesten in Sachen bewaldete Flächen. Ungefähr elf Prozent der Fläche sind bewaldet. Projekte für über 53 Hektar bei Giseladorf/Ghizela und 40 Hektar bei Sackelhausen/Sacalaz haben vor Kurzem grünes Licht für Neupflanzungen bekommen.

Es gibt einen Wettbewerb für Projekte, wobei der Gewinner über die Gelder verfügen kann. Vor einigen Monaten wurden durch ein solches Projekt 200 Hektar Wald bei Uivar neu gepflanzt. Zur damaligen Zeit war Ilie Sârbu Landwirtschaftsminister.

Bei Giseladorf soll um die neu zu entstehende Mülldeponie Wald angelegt werden. Das Projekt bei Sackelhausen sieht vor, dass die Neupflanzungen den Anschluss an den grünen Schutzwall rund um Temeswar/Timisoara bilden. „Weil wir im Kreis Temesch nur wenig Waldfläche haben, muss unter anderem auch die Landwirtschaft darunter leiden“, sagte vor einiger Zeit Kreisrat Viorel Sasca. Theoretisch können nicht nur die Bürgermeisterämter, sondern auch Besitzergemeinschaften, die über nicht bewirtschaftete oder heruntergekommene Grundstücke verfügen und diese aufforsten wollen, derartige Fonds anpumpen.

Der nationale Durchschnitt in Sachen Waldfläche liegt bei rund 27 Prozent. Die nationale Strategie für Aufforstung sieht vor, dass bis im Jahr 2035 zwei Millionen Hektar bepflanzt werden müssen. Insgesamt werden dafür rund 5000 Bäumchen pro Hektar benötigt. Die ganze Aktion würde Dutzende Millionen Setzlinge beanspruchen.

Im Kreis Temesch sollen, laut Angaben der Verantwortlichen, genügend Baumschulen existieren, in denen Pflanzgut erzeugt wird. Die größte Pflanzschule ist jene bei Rekasch/Recas. Angaben zufolge gibt es im Kreis Temesch fast eineinhalb Millionen Setzlinge, was den Bedarf des Kreises decken würde.


Die Wälder im Kreis Temesch sind „Ausnahmsware“.

Foto: Zoltán Pázmány

Großsanktnikolaus: Genereller Optimismus angesagt

Gelegentlich funkt jedoch die Wirtschaftskrise dazwischen / Von Siegfried Thiel

Es hängt wie so oft an kleinen Dingen, die Pessimismus von Optimismus trennen. Das ganz persönliche Schicksal, das Einkommen, die Ausbildung, die Einstellung und im Detail auch der jeweilige Arbeitsplatz können entscheiden, ob es einem (angeblich) gut geht oder nicht. Großsanktnikolaus/Sannicolau Mare an Rumäniens Westgrenze im Verwaltungskreis Temech/Timis hatte bis Ende vergangenes Jahres noch Vollbeschäftigung, ein gewisser Wohlstand war gesichert, auch wenn die Löhne nicht auf dem Niveau der Fabriken im 60 Kilometer entfernten Temeswar/Timisoara lagen – die Preise waren ebenfalls dementsprechend niedriger. Bedingt von Branche und Arbeitsplatz, geht es heute den Unternehmern, den Groß- und Einzelhändlern unterschiedlich. Fakt ist, dass seit Monaten in so manchem Restaurant der Kellner lange auf Kosumenten warten muss, Verkäufer im Allzweckladen warten die Hälfte des Arbeitstages auf Kunden und die meisten Unternehmen mussten Arbeitsplätze streichen. Optimismus ist in der Stadtverwaltung angesagt, wo der Bürgermeister sagt, die Haushaltseinnahmen seien durch „effizientes Arbeiten trotz Krisenjahr gestiegen“.

Bürgermeister Groza ist auf „effiziente Haushaltsplanung“ bedacht.


Großbetriebe stellen wieder Personal ein

„´Zoppas´ und ´Delphi´, die großen Arbeitgeber der 12.700 Einwohner zählenden Stadt Großsanktnikolaus haben zuletzt sogar wieder Personal eingestellt“, sagt der Bürgermeister D²nu] Groza (PDL). Anfang des Jahres war es nicht seht gut um die beiden ausländischen Betriebe bestellt, Arbeiter wurden entlassen. „Ich habe gefordert, dass die Betriebsleitungen Rücksicht darauf nehmen, dass sie in unserer Stadt angesiedelt sind und zunächst die Arbeitnehmer aus den anrainenden Gemeinden entlassen“, hatte der Ortsvorsteher der Banater Zeitung in einer Umfrage vor einigen Monaten gesagt. „Sie haben sich daran gehalten“, zieht Groza heute Fazit. „Nicht zuletzt hat das doch auch einen ökonomischen Hintergrund, wenn sie nicht mehr in die Nachbardörfer fahren müssen, um das Personal aufzulesen“, setzt er noch einen drauf. Auf der anderen Seite der Landstraße, gegenüber dem Zoppas-Werk, in der ehemaligen Kantine der längst geschlossenen Hanfspinnerei, ist Dorin Munteanu mit seinem Automec-Betrieb angesiedelt.


Im Stadtzentrum von Großsanktnikolaus - auch in Krisenzeiten viel los


Am Tag unseres Besuchs laufen die Einstellungspapiere für fünf Frauen, die das derzeit 70köpfige Team bei Automec vervollständigen sollen. Ende vergangener Woche feierte Automec das 20jährige Betriebsjubiläum. Zu Beginn waren natürlich auch Risiken da, danach kam ihm die Ansiedlung der Amerikaner von Delphi (Europavertretung in Österreich) und der Italiener von Zoppas entgegen, erzählt heute Munteanu. Zunächst machte er mit Delphi Geschäfte, sattelte dann aber auf eine Zusammenarbeit mit Zoppas um: „Die Kabelsätze für Zoppas sind einfacher herzustellen“, begründet Munteanu, und fügt hinzu, dass „die Kontakte zu den Österreichern freundschaftlich gut“ geblieben sind.


Nur Ausländern sitzt das Geld noch locker

An den beiden ausländischen Niederlassungen halten alle fest, der Bürgermeister, Unternehmer und Stadtrat Munteanu, aber auch die Bürger. „Die haben hier viel investiert, ich glaube nicht, dass sie kurzfristig ihre Zelte abbrechen werden“, hofft Bürgermeister Danut Groza. Diese Unternehmen sind Steuer- und Löhnezahler für einige Tausend Arbeitnehmer, ihre Gäste, Mitarbeiter und Partner aus dem Ausland geben gutes Geld in der Stadt aus. Im Restaurant des Drei-Sterne-Hotels Malvina – der Nobeleinrichtung der Stadt – meint der Kellner, in Großsanktnikolaus sei die Wirtschaftskrise noch nicht angekommen: „Die ist an der Grenze (Anm.: 18 Kilometer entfernt) hängen geblieben“, scherzt er. Auch der Carrefour-Laden gegenüber ist angeblich nicht von der Geldflaute in den Taschen der Bürger eingeholt – zumindest die Kassiererinnen sehen das so. In manch anderem Laden und Restaurant geht jedoch das Geschäft schleppend. Im Restaurant „Kam“ sind am frühen Nachmittag nur wenige Tische besetzt, einst war hier um die gleiche Uhrzeit Hochbetrieb. Die Bedienung kommt trotzdem – oder gerade deshalb – nach überdurchschnittlich langem Warten mit dem Bestellten. Der Allzweckladen von Ghizela und Gheorghe Petcov läuft ebenfalls nur mühsam – „in den letzten Monaten ist der Absatz gewaltig zurückgegangen“, sagen sie. Trotz Expansion in den Nachbarkreis Arad ist der Absatz des Erfrischungsgetränke- und Biervertreibers Leul Impex zuletzt erheblich zurückgegangen. „Sogar Personal mussten wir entlassen“, sagt der Lagerleiter der Firma, Ioan Morar. Er weiß, dass die Wirtschaftskrise im Allgemeinen die Bürger mit weniger Geld in der Tasche lässt, viele sind im Ausland beschäftigt, andere kaufen billiger in den Läden in Ungarn ein. „Im Preisvergleich können wir mit den Billigläden in Ungarn nicht mithalten. Die Biernachfrage ist um etwa 20 Prozent zurückgegangen“, erklärt er die Schwierigkeiten der Firma mit ihren über 100 Arbeitnehmern.


Zur freien Wahl: Deutsch intensiv und Sport

Er kommt unweigerlich immer auf seine Lieblingsbeschäftigung zurück: den Handball. Eine Herren-Mannschaft in der A-Liga, Kinder- und Jugendmannschaften betreut er sowohl als Vorsitzender der Handballabteilung des Sportvereins Unirea, aber auch als Trainer. Ein gutes Freizeitangebot für die Jugendlichen, glaubt sowohl Bürgermeister Groza, als auch Ioan Morar, sei der vom Bürgermeisteramt getragene Sportverein „Unirea“ (mit Abteilungen in Handball, Fußball und Kunstturnen). Umwerfend viel, als Freizeitgestaltung gibt es in Großsanktnikolaus nicht: Ich kann keine kostspieligen Vergnügungseinrichtungen bauen, „wenn es großen Nachholbedarf beim Straßenbau gibt“, konzentriert sich der Bürgermeister auf das Wesentliche. Etwas kommt doch hinzu: Den Fischteich am Stadtrand - in Richtung ungarischer Grenze - bringt gerade ein privater Investor auf Vordermann.


Für Sonja-Veronika Ditschinger gilt: heute Kinderbetreuung als freiwilliges Praktikum, morgen vielleicht schon Studiumsausrichtung


Jahre lang hörte praktisch das sonst gemütlich-nette Stadtbild hinter dem alten Hotel – heute Timisoara-Hotel - auf. Ein Feldweg mitten in der Stadt führte durch den Park und über den Aranca-Fluss in Richtung Stadion. Ein neuer Gehsteig verbindet heute die Stadionului-Straße mit dem Stadtzentrum. Unterwegs reihen sich Spielplatz, deutscher Kindergarten und Finanzamt aneinander. Im Kindergarten selbst – vom Roten-Kreuz aus Ludwigsburg/Deutschland gebaut – sind derzeit 41 Kinder in zwei Gruppen aufgeteilt. Adina Talpo{ und Corina Mala]cov sind die Erzieherinnen, Sonja-Veronika Ditschinger macht seit September „und mindestens bis zum 20. Dezember“ ein Praktikum im Kindergarten. Sonja ist 21, kommt aus Deutschland, ihre Mutter ist im benachbarten Tschanad/Cenad aufgewachsen. „Ich wollte schon immer wissen, wie es in dem Land aussieht, in dem ich geboren bin“. Als Kleinkind wanderten ihre Eltern mit ihr aus, nun hat sie sich schnell an neue Aufgabe und neues Umfeld gewöhnt. Vorbereitung auf den Kindergartenalltag, Betreuung und Sprache – so kann die Neue den beiden Kindergärtnerinnen helfen. „Vor allem in Hinsicht Sprache ist ihre Präsenz wichtig, denn die Kinder, die aus rumänischen Familien kommen, haben die Tendenz, mit uns rumänisch zu sprechen“, sagt Corina. Sprachkenntnisse sind besonders wichtig, „denn viele Eltern haben nicht den Mut, anschließend ihre Kinder in die deutsche Acht-Klassen-Abteilung in der Schule im Ort zu schicken. Zu groß ist nämlich die Angst, dass es die Kinder nicht schaffen werden“, weiß Adina Talpo{. Eine Alternative dazu gibt es bereits seit einigen Jahren: Die Grundschullehrerinnen bereiten Kinder Monate lang vor Beginn der ersten Klasse und unentgeltlich in deutscher Sprache vor.

Traditionspflege und bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt – dies als Grund, deutsch zu lernen, das sieht Bürgermeister Groza ein, wenn er auf die deutschen Bildungseinrichtungen hinweist: „Es gehört einfach zur Allgemeinbildung, eine Weltsprache zu beherrschen“, sagt er.


Rückkehrer mit neuen Ideen

Das Land dieser deutschen Weltsprache hat Hartwig Zahn verlassen, und ist seine Heimat zurückgekehrt. Aus der IT-Branche in Deutschland sattelte er auf Landwirtschaft um. „Precision farming“ nennt er das, was er gerade macht: Börsendaten liefern ihm die Informationen, die er in und für seine Verkaufs- und sogar Anbaustrategie braucht. Der Anbau seiner Mais- und Weizenkulturen auf überdimensionalen Flächen ist für ihn nicht das Allerbeste – obwohl Landwirte hierzulande gerade darin eine intensive Landwirtschaft sehen: „Das Ackerland in einem größeren Umkreis verteilt, ist mir lieber. Nicht überall ist in trockenen Jahren die Dürre gleich groß“, sagt Hartwig Zahn, der vor kurzem auch seinen letzten Traktoristen entlassen hat. Zuviel Ärger hatte er mit dieser Berufsgruppe, für die – anscheinend - ein sicherer Arbeitsplatz auch in Zeiten der Wirtschaftskrise nur bedingt ein Thema ist.


Fotos: Siegfried Thiel (2), Zoltán Pázmány (1)