Montag, 26. April 2010

Immer ein Blickfang: Die imposante Lloydzeile in Temeswar
Foto: Zoltán Pázmány
Fotoschau über wertvolle Altbauten Temeswars
Nicht nur vorführen soll offensichtlich die Fotoausstellung „Temeswar – Architektur-Sequenzen in Daten und Bildern“, die vor Kurzem im Temeswarer touristischen Infocenter, Alba-Iulia-Straße Nr. 2, eröffnet wurde. Die Autoren sind zwei der angesehensten Architekten der Stadt: Die Fotos stammen von Mihai Botescu, die Begleittafeln mit geschichtlichen Daten von Mihai Opris. Das Thema ist ein lehrreiches, dem einheimischen Publikum und den Touristen werden einige der bleibenden Kostbarkeiten der Stadtarchitektur, von Barock- bis Jugendstil, präsentiert. Die Schau ist jedoch nicht vordergründig auf die Förderung und Verwertung des touristischen Potentials ausgerichtet, vielmehr soll es die Temeswarer Bevölkerung und die in der Bewahrung und Sanierung der historischen Stadtbauten implizierten Faktoren aufrütteln helfen. Die Ausstellung, die 23 Exponate zählt, geht bis ins 18. Jahrhundert zurück: Im Mittelpunkt steht selbstverständlich der Domplatz, das Schatzkästlein der Stadt, und die 1736-1774 errichtete Domkirche (Entwurf: Johann Bernhard Fischer von Erlach), das bedeutendste Barockdenkmal des Banats, mit Außen- und Innenansicht. Vervollständigt werden diese Ansichten mit Details des Barock-Stils (Portals des Bischofspalais und des Hauses Nr. 10, Domplatz, Metallgitter usw.). In die gleiche Epoche fällt auch der Bau der serbischen Kathedrale (1744-48). Im Bild folgt der Freiheitsplatz, ältester städtischer Platz, mit dem alten Rathaus (1731-1734), das die Stadtverwaltung bis 1848-49 beherbergt hat. Ein Großteil der Ausstellung ist den zahlreichen und noch gut erhaltenen Monumentalbauten im Jugendstil gewidmet: So der Opernplatz als Architekturensemble mit einer kurzen Historie seines Werdens vom Lloyd-Palais (1910-12, Entwurf Lipot Baumhorn), zu den Palästen der Lloydzeile (bis 1913), der orthodoxen Kathedrale (1936-1946), der Handelskammer, des Löffler-Palais usw.
Vertreten sind u.a. auch die Milleniumskirche ( 1896-1901, Fabrikstadt), die Dezebal-Brücke (1909-10), der Schlachthof (1904-05, Enwurf Arch. Laszlo Szekely), der Stefania-Palast und einige wertvolle Denkmäler, allen voran die Pestsäule. Die Fotoschau kann bis zum 11. Mai besichtigt werden. (bw)

BANAT AKTUELL

Hundeschau am Jagdwald
Die schönsten Hunderassen werden am 8. und 9. Mai im Banater Dorfmuseum am Jagdwald in Temeswar/Timisoara bewundert werden können. Hier finden nämlich verschiedene Hundeausstellungen und –wettbewerbe statt. Gastgeber der Veranstaltungen ist die Temescher Filiale des Rumänischen Vereins der Hundezüchter in Zusammenarbeit mit dem Temescher Kreisrat. Das Ereignis wird am 8. Mai um 10 Uhr offiziell eröffnet. (rn)

TimiShort in Temeswar
Das Kurzfilm-Festival „TimiShort“ findet vom 5. bis zum 9. Mai in Temeswar/Timisoara statt. Zu den Zielen der Veranstaltung gehören unter anderen die Entdeckung neuer Talente im Kurzfilmbereich und die Bekanntmachung von bedeutenden Filmen, die jüngst auf die Leinwand gekommen sind. In diesem Jahr treten in den Wettbewerb 16 Kurzfilme, vier davon wurden von rumänischen Autoren geschaffen. Die Jury besteht aus Filmexperten aus dem In- und Ausland. Die Filme werden im Timis-Kino gezeigt. Mehr Infos auf www.timishort.ro. (rn)

Automesse auf dem Mall-Parkplatz
„Car Show“ nennt sich das Ereignis, das vom 7. bis zum 9. Mai Autofans aus dem Banat auf den Parkplatz der Iulius Mall in Temeswar/Timisoara locken möchte. Produkte und Dienstleistungen werden auf der Messe angeboten. Verschiedene Autohändler aus Westrumänien, Bankmitarbeiter und Vertreter von Leasing-Unternehmen werden den Messebesuchern alle Infos rund um den Erwerb eines neuen Autos liefern. Ein Sonderbereich innerhalb der Messe ist dem Auto-Tuning gewidmet. Das Event wird vom Temeswarer Autovermieter „Aid Cars“ organisiert. (rn)

Gebäck für Vierbeiner
Die erste Bäckerei, die ausschließlich Gebäck für Hunde herstellt, wurde am Sonntag in Temeswar/Timisoara eröffnet. Hier werden fünf Kekssorten, die ohne Konservierungs- und Farbstoffe produziert wurden, gebacken. Die Bäckerei für Vierbeiner wurde von Ana Maria Petritan ins Leben gerufen und funktioniert in der Hundeherberge (Albinelor-Straße Nr. 63) des Hundetrainers Vali Chirita. Solange die Hundebesitzer das Angebot im Laden begutachten, können die Vierbeiner auf einem Grundstück von 3.000 Quadratmetern herumlaufen. (rn)

Schüler spielen Cricket
Die Schüler des Sportlyzeums „Banatul“ in Temeswar/Timisoara werden ab kommendem Schuljahr die Sportart „Cricket“ ausüben können. Eine Partnerschaft zwischen der Schule am Dan-Paltinisanu-Fußballstadion sowie den Lions-Cricket-Clubs im Banat und in Rumänien hat als Ziel, vier Junioren-Cricket-Mannschaften zu gründen. Die Temeswarer Schule erhielt als Spende die notwendige Ausrüstung für das Cricket-Spiel. Fortbildungskurse für Sportlehrer werden stattfinden, damit diese ihren Schülern das Spiel beibringen können.
Die Ballsportart „Cricket“ wird zwischen zwei Mannschaften ausgetragen. Das Spiel wird vor allem in England und den Ländern des Commonwealth praktiziert. (rn)

Kein Geld für geschichtsträchtige Immobilie

Gedenkstätte der Revolution: Miete oder Umzug
Foto: Zoltán Pázmány
Ministerantwort: Ausweichend und enttäuschend
Von Siegfried Thiel

Die Immobilie, in der die Gedenkstätte der Revolution von Temeswar/Timisoara untergebracht ist, bleibt weiterhin Streitobjekt und das gesamte Projekt in der Schwebe. Der Kauf des per Gesetz rückerstatteten Gebäudes auf der Emanoil-Ungureanu-Straße durch den Staat ist derzeit schon aus finanziellen Gründen nicht möglich, rechtlich kann es nicht enteignet und zu gemeinnützigen Zwecken verwendet werden. Dies kurz das Fazit eines Schreibens aus dem Kultusministerium an den Abgeordneten des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, Ovidiu Gant.
„Die Immobilie wurde dem rechtmäßigen Eigentümer rückerstattet, die Gedenkstätte muss deshalb ausziehen. Das Urteil ist unwiderruflich“, schreibt Ovidiu Gant an den rumänischen Kultusminister Kelemen Hunor. Von dieser Sachlage ausgehend, hatte Ovidiu Gant an den Minister geschrieben und darauf hingewiesen, dass es einer Überlegung wert sei, nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen: Entweder das Gebäude vom Eigentümer zu kaufen, oder zu öffentlichem Nutzen zu enteignen. Die dazu erforderlichen Gelder sollten in den Hauhalt von 2011 eingeplant werden. „Ich weise darauf hin, dass in den vergangenen Jahren das von Ihnen geleitete Ministerium, aber auch andere öffentliche Einrichtungen, erhebliche Summen dafür ausgegeben haben, den Ausbau und die Sanierung des Gebäudes zu sichern“, schloss Ovidiu Gant seinen Text an das Ministerium.
Die Stadtverwaltung hatte die Gedenkstätte der Revolution von 1989 in Temeswar der Vereinigung „Memorialul Revolutiei“, für eine Nutzungsdauer von 99 Jahren zugesprochen. Danach wurde die Immobilie jedoch gesetzmäßig an den rechtmäßigen Eigentümer rückerstattet. Dies dann Grund für ein langwieriges Tauziehen und die Suche nach entsprechenden Lösungen. „Wir haben das Gebäude zur Langzeitnutzung zugesprochen bekommen, und es aus Eigenmitteln saniert“, hatte nach dem Prozess der Vorsitzende der Revolutionärenvereinigung und Leiter der Gedenkstätte, Traian Orban, gesagt.
„Momentan besteht die Möglichkeit, dass der Inhaber das Gebäude an die Vereinigung vermietet. Die Rechtslage in Betracht ziehend, (rückerstattes Privateigentum, Geschichtsdenkmal der B-Klasse) muss die Möglichkeit zur Enteignung zu öffentlichen Zwecken innerhalb des gesetzlichen Rahmens analysiert werden“, heißt es im Antwortschreiben des Ministers an den Abgeordneten der Deutschen Minderheit. Und weiter: „Um die Immobilie zu kaufen, muss diese vom Inhaber zum Verkauf angeboten werden. Laut Gesetz 422/2001 zum Schutz von Baudenkmälern hat das Kultusministerium Vorkaufsrecht; vorausgesetzt, dass das Gebäude zum Verkauf angeboten wird und dazu dem Ministerium die dazu notwendigen Gelder zur Verfügung stehen“.
Im übrigen erklärt das Ministerium auf dem mehr als zwei Seiten langen Brief die verschiedenen rechtlichen Aspekte, die eingehalten werden müssten, um einen der Vorschläge von Ovidiu Gant berücksichtigen zu können, um dann letztendlich zu schlussfolgern: „Die rechtlichen und faktischen Aspekte in Betracht ziehend, kann das Kultusministerium Ihrem Anliegen nicht stattgeben“.
Ovidiu Gant zeigte sich „enttäuscht von dieser Antwort, die eine rein bürokratische ist und nichts Neues zu diesem Thema aussagt“. Der Abgeordnete hatte „eine Antwort erwartet, die den politischen Willen zeigen sollte, dieses Problem zu lösen“.

DSTT-Spielplan im Mai

Am 16. Mai: „Fette Männer im Rock“ erlebt Premiere

Das Deutsche Staatstheater Temeswar/Timisoara (DSTT) hat für den Monat Mai einen umfangreichen Spielplan vorbereitet. Am 3. Mai 2010 wird um 11 Uhr im DSTT-Saal das musikalische Märchen „Der Zauberer von Oz“, eine Vorstellung mit rumänischer Übertitelung, in der Regie von Eva Labadi Megyes, aufgeführt. Am selben Tag ist um 19 Uhr die Vorstellung „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ von Edward Albee vorgesehen.
Das DSTT beteiligt sich an den Deutschen Kulturtagen in Sathmar/Satu-Mare. Die „Komödie im Dunkeln“ von Peter Shaffer wird am Sonntag, dem 9. Mai, um 18 Uhr im Sathmarer Nordtheater aufgeführt. Die Regie übernahm Zeno Stanek aus Wien. Am Montag, dem 10. Mai, spielt das Deutsche Staatstheater um 11 Uhr das Märchen „Der Zauberer von Oz“ im Nordtheater.
Am 11. Mai wird um 19 Uhr im Saal des DSTT „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett aufgeführt. Eine Premiere ist für Sonntag, den 16. Mai, um 19 Uhr angesagt: Die schwarze Komödie „Fette Männer im Rock“ von Nicky Silver ist ein Projekt im Rahmen des Programms „Die erste Reihe“ zur Förderung junger Theaterschaffender. Regie führt Simona Vintil². Es treten Isolde Cobe], Horia S²vescu, Dirk Linke, Ina Ionescu und Anne-Marie Waldeck auf.
Am Mittwoch, dem 19. Mai, wird im Saal des DSTT „Die kahle Sängerin“ von Eugene Ionescu in der Regie von Alexandru Dabija aufgeführt. „Der Zauberer von Oz“ folgt am 20. Mai um 11 Uhr. Um 19 Uhr ist das Stück „Fette Männer im Rock“ angesagt.
Das DSTT beteiligt sich am Festival der Rumänischen Komödie in Bukarest und bietet am 22. Mai um 19 Uhr im großen Saal des Komödientheaters die Vorstellung „Die Kahle Sängerin“. Das Ensemble des Temeswarer Theaters begibt sich Ende Mai nach Sombor in Serbien. Hier wird am 26. Mai im Rahmen des Deutschen Kulturtages die „Komödie im Dunkeln“ aufgeführt.
Die Vorstellungen werden ins Rumänische übersetzt (simultan oder mit Übertitelung). Karten können an der Theaterkasse in der Alba-Iulia-Straße Nr. 2 (Di, Do, Sa: 10-13 Uhr und Fr: 10-13 und 17-19 Uhr) oder unter Tel. 0256/435743 bzw. Internet
www.deutschestheater.ro reserviert werden. Karten sind auch vor Ort, eine Stunde vor Vorstellungsbeginn, erhältlich.
Raluca Nelepcu

Mega-Projekt „Aquapark“ für Großraum Temeswar

Junge Gemeinde: Nachholbedarf und Aufholjagd
Von Siegfried Thiel

Ein Aquapark, eine junge Gemeinde und hohes Entwicklungspotenzial, so in etwa stellt Alin Nica (PNL), Bürgermeister von Neubeschenowa/Dudestii Noi, kurz die Kommune vor, deren Bürgermeister er seit 2004 ist. An diesem Tag jedoch scheinen zumindest sich die Uhren anders zu drehen als gewöhnlich: Der Gemeindevater verpasst den Termin mit den Redakteuren der Banater Zeitung, im Ort ist wegen Reparaturarbeiten Stromausfall angesagt und bereits kurz vor 11 Uhr trinken Schulkinder mir Genuss Erfrischungsgetränke aus der Dose im Dorfwirtshaus. Einziger Trost: Mülltrennung ist für sie kein Fremdwort und die Dosen fliegen in die richtige Tonne.

Kommunaleinnahmen: Ein Aquapark soll´s richten

„Wir wollen nicht nur von den Grundstückspreisen und dem Immobiliensektor abhängig sein“, sagt der 29 Jahre alte Bürgermeister. Seine Offenheit und sein Pragmatismus lassen uns schnell die Terminverzögerung vergessen. Eben wegen der angestrebten wirtschaftlichen Unabhängigkeit hat für ihn der geplante Aquapark einen gehobenen Stellenwert. Geht es so halbwegs nach den Vorstellungen des Ortsvorstehers im 2800 Einwohner zählenden Neubeschenowa bei Temeswar/Timisoara, kommen bereits in drei Jahren die ersten Gäste in den Aquapark – der Größte in der gesamten Region. „Um die Anlage herum wird sich ganz von allein ein Konglomerat an Dienstleistungen entwickeln: Gaststätten, Hotels und andere“. Bis dahin jedoch ist unschlüssig und auch im Unklaren, wer und wie den Aquapark betreiben wird. Alin Nica kann sich ganz gut vorstellen, dass in Zukunft ein Privatunternehmer die Anlage übernimmt. „Einer, der schon Erfahrung auf diesem Gebiet hat, macht das auf jeden Fall besser als wir aus der Verwaltung“. Komplett aus dem Projekt ausscheiden möchten die jetzigen Projektpartner (Gemeinderat und Kreisrat Temesch/Timis) aber trotzdem nicht.
„Wir kommen mit dem Grundstück dem Projekt entgegen“, und dann verblüfft Nica und noch heute weiß ich nicht, war es Spaß oder umwerfende Ehrlichkeit. „Wenn wir Projektpartner sind, werden wir uns auch bei administrativen Fragen stärker einsetzen“.

Idealfall Gemeindegründung

„Es ist heute ein fördernder Wettbewerb zwischen unserem Ort und dem benachbarten Kleinbetschkerek/Becicherecul Mic“. Alin Nica spielt gezielt auf die Zeiten von vor 2004 an, als seine Gemeinde ein eingemeindetes Dorf von Kleinbetschkerek war. Für ihn ist es ein klarer Fall: Die Trennung von der ehemaligen Gemeinde war eine gute Entscheidung. „Damals hatten wir zwölf Firmen im Ort, heute sind es 102“. Vor allem auf den Logistikpark eines französischen Unternehmers und auf den Möbelhersteller Rus Savitar ist der Bürgermeister besonders stolz. „Wir setzten damit die Tradition der alten Möbeltischlerei fort. 300 Arbeitnehmer sind da beschäftigt“.
In der Perspektive sieht es recht optimistisch aus, doch es gibt noch manch steinigen Weg im Ort unweit der Nationalstraße nach Tschanad/Cenad. Und weil eben schon von „steinigen Wegen“ die Rede war: „Fotografieren Sie doch die schlechten Straßen des Bürgermeisters“, schreit einer aus seinem Pkw unserem Fotografen zu. Alin Nica, der gerade über ein 2,1-Millionen-Euro-Projekt das Wasser- und Kanalisationsnetz ausbauen und erweitern lässt, hat zur Situation der Straßen ebenfalls eine Antwort parat. „Es macht keinen Sinn, die Straßen zu sanieren, bevor nicht die Kanalisationsarbeiten abgeschlossen sind. Sonst reißen wir ja morgen auf, was wir heute gebaut haben“. Nichts ist wohl prägnanter in Neubeschenowa als der Unterschied zwischen den alten, oft baufälligen, aus Lehm gestampften Bauernhäusern und den Ansätzen erster Villenzüge der Temeswarer, die sich im Ort ein Heim errichten. Um nicht etwa in Kürze ein vielfarbiges Häuserkonglomerat zu haben, musste der elfköpfige Gemeinderat eine Sonderverordnung verabschieden: Die Häusergiebel müssen in Gelb oder Orange gehalten werden, heißt es da. Als Beispiel macht die Kommunalverwaltung es mit all ihren öffentlichen Einrichtungen vor.
Trotz Stadtnähe fahren nur etwa 10 Prozent der Kinder nach Temeswar zur Schule; die anderen bleiben in der Acht-Klassen-Schule in der Gemeinde, unterrichtet von ausgebildeten Lehrkräften, die zum Teil aus Temeswar anreisen. Und eben dieses Pendeln trieb bis vor kurzem dem jungen Bürgermeister tiefe Sorgenfalten ins Gesicht. Erst als sich Alin Nica innerhalb der zukünftigen Metropolitanzone um eine Express-Bus-Linie von Temeswar nach Neubeschenowa bemühte, wurde auch das Transportunternehmen zusehends entgegenkommender – die Kritik nahm ab und die Ticketpreise wurden halbiert. Marktwirtschaftlicher geht´s nicht.


Landleben in Neubeschenowa
Foto: Zoltán Pázmány

Neue Gebühren stehen an

Schon wieder Pläne zur Habitatsgebühr
oi. Temeswar - Die Habitatsgebühr erneut im Gespräch. Die Temeswarer werden am 13. Mai im Bürgermeisteramt erwartet, um ihre Meinung zu diesem Projekt zu äußern. Die Habitatsgebühr sieht vor, dass jeder Bürger der Stadt, der eine Wohnung oder ein Grundstück in der Stadt besitzt, jährlich eine Gebühr von 40 Lei zahlen soll. Ausgenommen von dieser Taxe sind jene, deren Einkünfte niedriger als der Mindestlohn sind. Das Geld wird, so jedenfalls sieht es das Projekt vor, für die Sanierung von Gebäuden in der Stadt verwendet werden.
Es ist eher unwahrscheinlich, dass sich die Temeswarer über diese Zusatzgebühr freuen, zumal im vergangenen Jahr, als diese eingeführt werden sollte (aber im Stadtrat abgelehnt wurde) die Bürger meinten, dass jeder Eigentümer für sein Haus selbst zuständig ist, und nicht die gesamte Gemeinschaft. Im Gegenzug besagt das Projekt, dass „die Fassade eines Gebäudes nicht den Eigentümern oder den Bewohnern eines Hauses gehört, sondern der ganzen Gemeinschaft“. Immerhin: Sie wirkt sich aus auf das Gesamtbild der Stadt, indirekt also auch auf die Immobilienpreise. Weiterhin besagt das Projekt: „Die Habitatsgebühr wird in zwei gleich hohen Raten bezahlt, eine bis zum 31. März, die zweite bis zum 30. September 2011. Im Falle der Nichtbezahlung bis zum besagten Datum werden Verspätungszuschläge zu entrichten sein. Diese werden 0,1 Prozent pro Tag betragen. Diejenigen, die eine Eigentumswohnung im Verlauf des Jahres 2011 kaufen, müssen die (Jahres-)Gebühr ab dem Ersten des auf den Erwerb folgenden Monats begleichen“.
Weitere Vorschläge, die ins Geld der Bürger der Stadt Temeswar/Timisoara gehen, kommen vom Steueramt beim Temeswarer Bürgermeisteramt. Dieses schlägt nämlich eine Erhöhung der Steuer auf Immobilien für Privatpersonen um sechs Prozent, für Rechtspersonen um 20 Prozent vor. Gültig bleibt jedoch die zehnprozentige Ermäßigung für all jene, die ihre Steuern auf Häuser und Grundstücke bis zum 31. März 2011 begleichen

Frisch sanierte Gebäude am Domplatz: Die Besitzer könnten nächstes Jahr eine Habitatsgebühr für die Grundstücke begleichen.
Foto: Zoltán Pázmány

„Pilotprojekt Herkulesbad“



Herkulesbad, ein Kurort mit großem touristischen Potenzial
Foto: Zoltán Pázmány



Herkulesbad (BZ) - In einem Schreiben ans Ministerium für Regionalentwicklung und Tourismus (WDRT) verlangte die Reschitzaer Regionalzeitung „Jurnal de Caras-Severin“ Details zu den wiederholt gemachten Versprechungen von Ministerin Elena Udrea, etwas zum Überleben und zur Sanierung des Badekurorts Herkulesbad/Baile Herculane zu unternehmen. Zur Überraschung der Journalisten kam jüngst aus Bukarest eine Antwort auf die Anfrage.
Die Antwort ist nicht so kurz und pauschal wie befürchtet. Zuerst wird eingegangen auf die Ursachen, die in der Sicht des MDRT zum Niedergang des Kurorts geführt haben (dieser Teil der Antwort gilt wohl für alle alten Badekurorte Rumäniens, mit lokalen „Spezifika“). Zusammengefasst handelt es sich in der aktuellen Sicht des MDRT um „die Destrukturierung des Tourismus auf nationaler Ebene in der Zeitspanne 1990-2008“ und um „das Fehlen einer zentralen, regionalen und lokalen Entwicklungsstrategie für einen nachhaltigen Tourismus“.

Haken der Pauschalprivatisierung
Bezugnehmend auf die Privatisierungen ganzer Kurorte, wie sie zu Beginn des neuen Jahrtausends (unter der Regierung Adrian Nastase und seinem Tourismusminister Dan Matei Agathon – die im MDRT-Schreiben allerdings nicht namentlich genannt werden) praktiziert wurden, wird eingeschätzt, dass „bei der Vertragsaufsetzung richtigerweise den neuen Besitzern der touristischen Aktiva Auflagen bezüglich dringender Investitionen aufgelistet“ wurden, dass in den Kaufverträgen steht, dass die Neubesitzer „konstante Investitionen in die Qualität und Diversifizierung des Tourismus“ zu tätigen haben – dass aber nirgends klar und unmissdeutbar steht, welches diese Maßnahmen, ganz konkret, sind. Es fehlen auch konkrete Termine zur Umsetzung der Maßnahmen. Aber es wurde bislang auch nie überprüft, ob und in welchem Maß die Verpflichtungen, die in den Kaufverträgen stehen, erfüllt wurden. Indirekt sollte das möglicherweise auch als ein Eingeständnis der eigenen Grenzen verstanden werden, denn seit es das MDRT gibt ist keine Erkenntnis über eine Überprüfung der Kaufverträge für ganze Kurorte und der in den Kaufverträgen enthaltenen Verpflichtungen der Käufer an die Öffentlichkeit gedrungen.
Problematisch und zusätzlich erschwerend für Herkulesbad/Herculane sei, dass im zwischen den PSD-Parteigenossen Dan Matei Agathon und Iosif Armas (als Vertreter der SC Argirom Internationl, welche die SC Hercules SA übernommen hat) ausgehandelten Kaufvertrag als Teil des Vertrags auch der Besitz der Thermalquellen gleich mit verkauft wurde (was nach wie vor von vielen der Kritiker des Kaufvertrags von 2004 als Illegalität angesehen wird, weil Bodenschätze Staatsbesitz sind und bleiben müssen – die Verteidiger des Kaufvertrags machen da subtile Nuancierungen zwischen z.B. Mineralien und Erdöl als Bodenschätze und Quellen).

Jetzt kommt ein Expertenteam
Auf alle Fälle ist das MDRT der Meinung, dass das „Monopol der SC Hercules SA über die Thermalquellen die Tätigkeit aller anderen Unternehmen aus Herkulesbad zur Verwertung dieser Ressourcen erschwert“. Zugegeben wird auch, dass Herkulesbad „viel zu wenig beworben und gefördert“ wurde/wird. Dafür gäbe es aber eine gewisse Entschuldigung, weil der Zerstörungszustand des historischen Teils des Kurorts jede positive Werbung erschwert. Nicht zuletzt sei die „schwerfällige, unvollständige und fehlerhaft angewandte“ Gesetzgebung sowie die „zum richtigen Zeitpunkt verpasste Intervention staatlicher Institutionen“ am heutigen Zustand von Herkulesbad schuld.
Allgemein und etwas schütter fällt die Definierung der Absichten des MDRT bezüglich der Rettung von Herkulesbad aus. Man wolle einen „Pilot-Kern von Badekurorten“ schaffen im Rahmen der Nationalen Strategie über die Entwicklung des Badetourismus sowie „je schneller die Studien und Projekte ausarbeiten für den Start der Investitionen“. Gleichzeitig soll die Gesetzgebung bezüglich Kurtourismus überarbeitet werden, vor allem die Kapitel über Verantwortungsbereiche. Speziell auf Herkulesbad bezogen soll demnächst "ein Expertenteam" die Lage des Kurorts „analysieren“ und die Ausarbeitung einer „Vor-Machbarkeitsstudie“ koordinieren, welche die Sanierung des historischen Teils des Kurorts zum Ziel hat. Gleichzeitig sollen „neue Formen des Tourismus“, außer dem Badetourismus, identifiziert werden. Alles soll im von Ministerin Elena Udrea Anfang April angekündigten „Pilotprojekt Herkulesbad“ münden.

Banater lassen die Bowling-Kugeln rollen

Spielzentren am Wochenende ausgebucht
Von Ana Saliste und Raluca Nelepcu
Witzige „Hausschuhe“ anziehen, Bowling-Kugeln rollen lassen und gleichzeitig viel Spaß mit Freunden haben – das könnte ein gemütlicher Abend werden. Das aus Amerika importierte Bowlingspiel liegt bei den Banatern seit einigen Jahren hoch im Trend. Besonders bei launischem Aprilwetter können sich Groß und Klein auf der Bowlingbahn aufhalten – und hier so richtig die Kugeln schwingen. Doch welche Möglichkeiten gibt es im Banat, die Präzisionssportart, bei der alle Pins umgeworfen werden müssen, auszuüben? Die BZ hat recherchiert, wo man in Temeswar/Timisoara, Lugosch/Lugoj und Arad am besten Bowling spielen kann.

Wer die Kugel auf der Bahn rollen lassen will, dem stehen in Temeswar drei große Bowling-Anlagen zur Verfügung: im Tequila-Club, in der Iulius Mall und im „Daf“-Restaurant in der angrenzenden Ortschaft Girok/Giroc. Am Wochenende sind die drei Spielzentren komplett ausgebucht. Die Reservierungen müssen schon ein paar Tage früher vorgenommen werden.
Der Tequila-Club im Studentenviertel verfügt über vier Bowlingbahnen. 30 Lei kostet hier die Spielstunde. Außerdem werden im Laufe des Jahres verschiedene Bowling-Wettbewerbe veranstaltet. Wer wie ein Profi mit der Kugel werfen will, der liegt hier genau richtig: Der Club bietet auch Bowling-Unterricht an.
Im Giroker Bowlingcenter muss man 40 Lei pro Spielstunde begleichen. Die Spielanlage ist jedoch nur mit zwei Bahnen ausgestattet. Verbunden mit der Gastronomie - das „Daf“-Restaurant - und weiteren Unterhaltungsmöglichkeiten, ist das Bowlingcenter in Girok ein guter Anlaufpunkt für Feierlichkeiten jeder Art. „Ich mag es, hierher zu kommen, auch wenn es etwas weit weg ist. Die Ausstattung ist modern, man kann nachher etwas Leckeres essen, das Restaurant hat auch eine kleine Terrasse, wo man bei schönem Wetter entspannen kann“, sagt die Temeswarerin Diana Laza (26), die ab und zu in ihrer Freizeit Bowling spielt.
Das Bowlingcenter der Iulius Mall verfügt über sechs Bowlingbahnen, die extra aus Amerika gebracht wurden, und ist somit das größte Entertainment Center dieser Art in Temeswar. Da müssen die Bowlingfans jedoch bedeutend mehr Geld aus der Tasche ziehen: Die Preise hängen von Tag und Uhrzeit ab. Von Montag bis Freitag, zwischen 10 und 18 Uhr, muss man 55 Lei für die Spielstunde bezahlen. Ab 18 Uhr kostet eine Stunde Bowling um 10 Lei mehr; die Spielstunde zwischen 22 und 23 Uhr kostet 70 Lei. Am Wochenende, von Freitag bis Sonntag, ist das Center auch nachtsüber geöffnet. Da liegen aber die Preise deutlich höher: Zwischen 10 und 18 Uhr - 65 Lei, zwischen 18 und 22 Uhr - 70 Lei und von 22 bis vier Uhr morgens, 75 Lei/Spielstunde.
In der Temescher Stadt Lugosch/Lugoj gibt es ein Freizeitzentrum, das vor allem dem Kegelsport gewidmet ist. „Space Bowling“ heißt der Club in der Timisorii-Straße Nr. 121A, der ein umfangreiches Angebot an Gesellschaftsspielen bietet. Sechs Bowlingbahnen stehen den Lugoschern zur Verfügung, für Kinder wurden zwei Bumpers-Bowlingbahnen eingerichtet. Die seitlichen Rinnen auf der Bahn wurden erhöht, damit jeder Wurf ein Treffer ist. Die Tarife für Bowling sind unterschiedlich und hängen von Tag und Uhrzeit ab. Von Montag bis Donnerstag kostet die Spielstunde 60 Lei zwischen 16 und 20 Uhr bzw. 50 Lei zwischen 20 und 24 Uhr. Am Freitag gibt es einen einheitlichen Tarif von 40 Lei. Am Wochenende müssen Bowling-Begeisterte 60 Lei für eine Spielstunde aus der Tasche ziehen. Im „Space Bowling“-Club gibt es auch die Möglichkeit, Billard, Snooker und Darts zu spielen. Auch in Arad steht den Spielern eine Bowlinganlage zur Verfügung: Diese umfasst zwei Bahnen und befindet sich im Continental-Hotel am Revolu]iei-Boulevard. Die Spielstunde kostet hier 50 Lei. Reservierungen können unter der Telefonnummer 0257206416 vorgenommen werden. Wer in seiner Freizeit das Spiel mit den Pins ausprobieren möchte, der weiß es nun: Im Banat gibt es ein paar gut ausgestattete Clubs, wo man Bowling spielen kann. Wer alle zehn Pins auf einmal umwerfen will, der muss schon ein wenig üben. Reines Anfängerglück zählt in diesem Fall wohl kaum.

„Eine große Entlastung für den rumänischen Staat“

Gespräch mit Herbert Grün, Geschäftsführer der Caritas Temeswar

Von Kinderheimen über Frauenhäuser bis hin zu Obdachlosenstätten und Pflegestationen: Der Caritas-Verband der Diözese Temeswar/Timisoara widmet sich seit 1993 allen Formen von Sozial- und Gemeinschaftshilfe. „Gemeinsam für die Menschen“ lautet das Motto der römisch-katholischen Hilfsorganisation „Caritas“. Und gerade dieser Einsatz zum Wohle der Gemeinschaft ist der Motor des Verbandes, der Jahr für Jahr einigen Hundert Menschen in Not aus den Verwaltungskreisen Temesch, Arad, Karasch-Severin und Mehedin]i unter die Arme greift. Welche Bedeutung die Projekte der Caritas haben und wie es der Verband schafft, diese über Jahre hinweg auszubauen und zu erhalten, erzählte Geschäftsführer Herbert Grün der BZ-Redakteurin Raluca Nelepcu.


Welche sind die Sozialprojekte der Caritas?
Die Caritas Temeswar hat mehrere Sozialprojekte, die verschiedene Gebietsebenen decken. Es sind hauptsächlich Projekte für Waisenkinder, Obdachlose und alte Leute sowie Projekte zur medizinischen Betreuung. Zu den Kinderheimen gehören das Mutter-Kind-Heim in Temeswar, ein Kinderheim in Wetschehausen/Pietroasa bei Lugosch/Lugoj, eines in Neutpetsch/Peciu Nou und eines in Neubeschenowa/Dudestii Noi. In unseren Heimen finden 70 Kinder eine Unterkunft. Dann gibt es die Tagesstätte für Kinder in Bakowa/Bacova - das Pater-Berno-Haus mit 28 Kindern. Eine weitere Tagesstätte mit 35 Kindern haben wir in Nadrag und eine in Perjamosch/Periam – für 30 Roma-Kinder. Außerdem funktioniert auch in Wetschehausen eine Tagesstätte, wo wir mit etwa 40 Kindern aus der Schule arbeiten und ihnen Nachhilfestunden anbieten. Für Obdachlose gibt es das Temeswarer Nachtasyl mit 80 Plätzen und die Jugendfarm in Bakowa, ein Integrationsprojekt für Obdachlose und Straßenkinder, wo den Nutznießern 22 Plätze zur Verfügung stehen. Das Frauenhaus mit sechs Plätzen in Temeswar ist eine Notstelle für Frauen, Opfer häuslicher Gewalt. Frauen und Kinder können hier bis zu drei Monaten bleiben und inzwischen ihre rechtliche Situation klären. Wir haben Sozial- und Pflegestationen insbesondere für alte und sozialschwache Leute. Solche gibt es in diesem Jahr in Temeswar, Busiasch/Buzias, Ferdinandsberg/Otelu Rosu, Karansebesch/Caransebes, Steierdorf-Anina und Reschitza/Resita, wo alte Leute zu Hause medizinisch versorgt werden. Für Alte haben wir auch Suppenküchen. Eine Suppenküche für 90 Personen gibt es in Temeswar, in Nadrag funktioniert eine für 40 Nutznießer. Wir haben außerdem ein Hospiz, eine Palliativpflege und Sterbebegleitung vor allem für krebskranke Menschen. Das Hospiz funktioniert auf Krankenhausbasis, weil wir einen Vertrag mit der Krankenkasse abgeschlossen haben.

Welches von diesen Projekten halten Sie für das Wichtigste?
Alle sind wichtig. Ein besonderes Projekt ist aber die Jugendfarm in Bakowa, wo wir nicht nur soziale, sondern auch wirtschaftliche Dienstleistungen anbieten. Wir haben Produktionsstätten und betreiben Landwirtschaft. Wir bewirtschaften 230 Hektar Land, Schweine und Kühe werden gezüchtet. Wir können dadurch unsere Grundnahrungsmittel selbst produzieren. Die Farm ist praktisch als eine Selbstversorgung gedacht. Von hier werden also die meisten unserer Projekte, die an Lebensmittel hängen, beliefert. Wir haben auch eine Getreidemühle hier, wo wir Mehl mahlen und mit fünf Bäckereien zusammenarbeiten, die für unsere Projekte Brot backen.

Seit wann gibt es dieses Produktionsprojekt?
Dieses Projekt ist in einer ständigen Aufbauphase. Wir haben mit der Einrichtung der Farm im Jahr 2000 begonnen. Seit fünf Jahren wird in Bakowa auch Landwirtschaft betrieben.

Wie finanziert sich die Caritas im Jahr 2010?
Die Caritas finanziert sich im Jahr 2010 wie auch bis jetzt: zumeist aus Spenden. Ungefähr 70 Prozent unserer Einnahmen sind Spenden, vor allem aus dem Ausland. Einen Teil der Kosten übernehmen die Gemeinden und ein Teil fließt aus dem Staatshaushalt - das ist aber sehr wenig. Wenn es um medizinische Dienstleistungen geht, übernimmt auch die Krankenkasse einiges.

Von wo kommen die meisten Spenden?
Die meisten Spenden kommen aus Österreich und Deutschland.

Wie groß ist die Entlastung, die die Caritas dem rumänischen Staat bietet?
Es ist schon eine sehr große Entlastung für den Staat, wenn wir die Zahl der Nutznießer und unsere Ergebnisse im Jahr betrachten. Wir versorgen täglich an die 500 Leute über Suppenküchen und Tagesstätten. 80 Obdachlose haben eine Übernachtungsmöglichkeit, im Frauenhaus finden über 40 Frauen pro Jahr eine Unterkunft. Außerdem sind es die zahlreichen Waisenkinder, die seit über 15 Jahren bei uns wohnen. Das sind also Kinder, die nicht in staatlichen Heimen untergebracht werden müssen.

Inwiefern wird die Caritas von der Stadt Temeswar unterstützt?
Von der Stadt Temeswar bekommen wir eine gute Unterstützung. Wir haben zu Jahresbeginn eine Finanzierungslücke beim Nachtasyl gehabt, aber durch den Stadtrat und den Bürgermeister haben wir eine sehr gute finanzielle Möglichkeit gefunden. Ich möchte mich hiermit beim Bürgermeister und beim Stadtrat bedanken. 60 Prozent der Betriebskosten und fünf Löhne für unsere Angestellte werden vom Kommunalhaushalt gesichert.

Was wünschen Sie sich dringend für die nächste Zukunft?
Für die nächste Zukunft würde ich mir wünschen, dass der rumänische Staat vielmehr von unseren Kosten übernehmen würde, weil wir ja eine Dienstleistungsorganisation für die Bevölkerung sind. Ich glaube nicht, dass es für immer solche Dienstleistungen geben kann, die von anderen Ländern finanziert werden.


Herbert Grün: „Das Nachtasyl war Anfang des Jahres in Frage gestellt, nun wurde eine Finanzierungsmöglichkeit gefunden“.

Foto: Zoltán Pázmány

Temeswarer Caritas setzt Sozialengagement fort

Musiktheater für sozial Benachteiligte aufgetreten
„Es ist keine ´normale` Farm. Hier wird Sozialarbeit mit Produktion verbunden“, sagt Reiner Oster, Farmleiter der Caritas Temeswar in Ortschaft Bakowa/Bacova. Dreißig Kilometer von Temeswar/Timisoara hat die Caritas im ehemals von Banater Schwaben besiedelten Bakowa eine richtige Industrie aufgebaut. Da wird Landwirtschaft betrieben, Schweine und Kühe gezüchtet und in Werkstätten Reparaturen und Tischlereiarbeiten durchgeführt. Auf fünf Hektar erstrecken sich die Gebäude, aber auch der Bereich, auf dem Sozialarbeit angesagt ist. Hier werden erwachsene Obdachlose untergebracht und betreut und über einen Job auf der Farm soll die soziale Ausgrenzung dieser vermieden werden.
Ganz einfach ist es jedoch nicht - weiß der 29 Jahre alte Reiner Oster - denn nicht selten verlassen die untergebrachten Obdachlosen ihre Wohnungen, um wieder auf der Straße zu landen. Vor allem im Sommer ist dies der Fall, sagt der Farmleiter. Studien haben erwiesen, was Raimund Walter – zuständig für Investitionen bei der Caritas Temeswar – in seinem Job ebenfalls längst erfahren musste: Je länger Obdachlose auf der Straße leben, umso schwieriger ist es, sie wieder voll zu integrieren. Für Reiner Oster ist ein ehemaliger Obdachloser erst dann voll integriert, wenn er sich selbst seinen Unterhalt sichern kann, ohne auf die Unterstützung der Sozialeinrichtungen angewiesen zu sein. Zwei mal vier Zimmer (zu je zwei Betten) standen bisher auf der Farm zur Verfügung. „Es ist ein geordnetes Leben hier auf der Farm und zu tun gibt es immer etwas“, sagt einer der Farmbewohner – ehemals Obdachloser.
Seit vergangenem Samstag kommt das sogenannte Pater-Titus-Haus hinzu, das sowohl Wohnungen als auch Küche und Verwaltungstrakt enthält. Das Haus vervollständigt das 2007 gestartete Projekt eines „Zentrums zur sozialen und beruflichen Integration von erwachsenen Obdachlosen“. Außer den Gönnern aus dem Ausland hat die Caritas bei diesem Projekt als Partner das Temescher Amt für Kinderschutz und Soziales.
Eingeweiht wurde das Titus-Haus zusammen mit dem Fest-Spiel-Haus, das zu Events und Freizeitaktivitäten vorgesehen ist. Momente tiefster Überlegungen lieferte die Geschichte über das Titus-Haus, das nach einem österreichischen Priester benannt wurde, der gegen Ende des zweiten Weltkrieges wehrlose Frauen und Kinder vor sowjetischen Soldaten schützte, dabei aber mit dem eignen Leben bezahlte. Anwesend bei der Veranstaltung waren Partner und Spender aus Deutschland und Österreich, die mit der Temeswarer Caritas seit vielen Jahren zusammen arbeiten und deren Projekte unterstützen. Unterstützung, aber auch Unterhaltung gepaart mit Nostalgie brachte die freie Theatergruppe „teatro“ aus Wien. Mit dem Musical „Sara, die kleine Prinzessin … und ihre Liebe zu den Straßenkindern” hatten die jungen Künstler bereits über ein Benefizkonzert Geld für Obdachlosenprojekte der Temeswarer Caritas gesammelt, nun zeigten sie live aber auch auf Leinwandaufnahmen einen Großteil der Aufführung aus einer Welt von Bettlern und Straßenkindern – einen idealeren Ort und Augenblick dazu hätte es kaum geben können… (st)