Ein bisschen Kuba in Temeswar/ Von Olivian Ieremiciu
Ein leichter Cognac-Geruch, der schnell durch dichten, schweren Rauch ersetzt wird. Der erste Tabakladen, der Kubanische Zigarren führt, ist ab nun in Temeswar offen. El Unico Deluxe Tobacco Shop liegt in der Nähe des Marasti-Platzes, in der Marasti-Straße.
Paffen und Genuss
Foto: Zoltán Pázmány
Die Preise für eine Zigarre liegen zwischen sieben und 100 Lei. Außerdem können hier Feuerzeuge und andere Accessoires, die für den Zigarrenkonsum verwendet werden, akquiriert werden. Allerdings liegt die gesamte Ware in einer gehobenen Preisklasse. Ein Beispiel, das recht viel aussagt: 6.000 Lei ein Feuerzeug.
Der Laden verfügt über einen Raum, in dem „Liebhaber des blauen Dunstes“ bei einem „Havanna Club“-Rum eine „paffen“ können.
Die Zigarren müssen in einem speziellen Raum gehalten werden – mit einer Durchschnittstemperatur zwischen 16 - 18 Grad. Die Luftfeuchtigkeit sollte bei 60 - 70 Prozent liegen. Sparsam mit einer solchen Zigarre umgehen und sie mal einige Zeit liegen lassen – davon raten Fachleute ab: Nach dem Kauf sollte die Zigarre nach einem-zwei Tagen geraucht werden, danach verliert sie ihr Aroma.
Am Eröffnungsevent nahmen Lokalpolitiker, wie der Vizebürgermeister von Temeswar, Adrian Orza und der Vizepräsident des Kreisrats, Adam Craciunescu, teil. Ebenfalls mit dabei war der Botschafter Kubas, Manuel Ismael Hermida Medina.
Die Zigarren, die im El Unico zum Kauf angeboten werden, sind zu 100 Prozent hand-made. Aus mehreren Gründen (hauptsächlich Kostengründe) sind viele Produzenten weltweit auf maschinelle Herstellung umgestiegen. Die USA sind der größte Zigarrenproduzent weltweit, fast keine Marke wird hier jedoch in Handarbeit gefertigt. „Keine Maschine kann eine Hand gedrehte Zigarre ersetzen. Die feinen Tabak-Blätter, die die Zigarre umgeben, können nur per Hand gerollt werden, eine Maschine würde sie zerreißen“, so die Veranstalter.
Die USA haben schon seit Jahrzehnten ein Embargo für Kuba verhängt. Das heißt, dass in den USA keine Ware aus Kuba importiert werden darf, auch keine Zigarren. Trotzdem wird in den USA die „heiße Ware“ aus Kuba unter der Theke gehandelt. Kuba exportiert zur Zeit ihre Markenware „Zigarre“ in über 150 Länder weltweit.
In Kuba wird Tabak auf insgesamt 62.000 Hektar angebaut. Die Zigarrenproduktion hat in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts begonnen, in kleinen Fabriken und in kleinen Mengen. Als richtiger Start der Zigarrenindustrie kann das Jahr 1827 angegeben werden. In diesem Jahr wurde die erste richtige Zigarrenfabrik gebaut - die Marke Partagas entstand. Später kamen weitere Markennamen wie Por Larranga (1834), H.Uppman (1844), Ramon Allones (1845), El Rey del Mundo (1882) und Montecristo (1935) hinzu.
Die wohl bekannteste und beste Region der Welt für den Tabakanbau ist Vuelta Abajo (32.000 Hektar). Obwohl versucht wurde, künstlich adäquate Bodenbeschaffenheiten, Sonneneinstrahlung, Feuchtigkeit und Meeresbrise zu sichern, konnten die hohe Qualität und das Aroma der Tabakpflanze, die in Vuelta Abajo gezüchtet wird, nie erreicht werden.
Eine große Rolle in der Akzeptanz der Zigarren in der „Welt der Gastronomie“ tragen Meisterköche. Alain Sanders, Guy Savoy, Alain Dutournier und Pierre Troisgros sind die ersten, die die Havanna-Zigarre promoteten.
Womit man die Zigarre eher verbindet, ist Alkohol. Entweder Whisky, Cognac, Brandy oder Rum, ein Glas Bordeaux oder ein Porto Wein „gehen exzellent“ zu einer Zigarre.
Eine der meistzitierten Repliken der rumänischen Literatur ist die Frage des „besoffenen Bürgers“ in I. L. Caragiales Wahlsatire „Eine stürmische Nacht“: „Mit wem wähle ich?/Eu cu cine votez?“ Erst die Nachwendezeit beginnt diese gut ein Jahrhundert für alle verwirrten Wahlbürger Rumäniens gültige Frage zu relativieren. Sie müsste zunehmend lauten: „Wen wähle ich?“ Diese Frage ist aktuell nicht nur, weil auch 2009 ein Wahljahr ist – im Juni sind Wahlen für das Europaparlament und im November die zunehmend wichtigen für das eigentlich laut Verfassung ziemlich unwichtige Amt des Präsidenten.
„Wen wähle ich?“, wem delegiere ich meine demokratisch durch Wahlen verankerte Meinung, die ich alle vier-fünf Jahre ausdrücken darf und wer garantiert mir, dass der von mir demokratisch Beauftragte auch tatsächlich bei der Mehrheit der Gelegenheiten seiner Stimmabgabe in Parlament oder Senat MEINE MEINUNG vertritt?
Man hat zunehmmend den Eindruck, dass gerade hierzulande mit der Meinung der Wähler offen schindluder getrieben wird. Das zeigen nicht nur der Parteientourismus der in ihre Ämter und vor allem Pfründe verkrallten Parlamentarier, ihre Meinungsoszillationen und Politikfaulheit, ihr offenes Ignorieren der Gesetze, das weisen auch die Stimmabgaben bei Entscheidungen nach.
Vergangene Woche stimmten alle Parlamentarier Rumäniens – bei einer einzigen Gegenstimme – für die Verdoppelung der Löhne der Priester, das heißt deren faktischen Angleich an die Lehrerlöhne. Keinem einzigen der Parlamentsmitglieder ist es eingefallen – den Mut, daraus einen Vorschlag für einen Gesetzesartikel einzubringen, traue ich eh keinem zu! – zumindest parallel mit dieser enormen Lohnerhöhung trotz Krisenzeiten und Sparhaushalt wenigstens ein Artikelchen hinzuzufügen zum Gesetz, in welchem ab sofort verboten wird, unter der Hand Geld von den Gläubigen anzunehmen. Denn Taufe, Segen, Heirat und Tod kosten teures Geld - für das nie eine Quittung zu sehen ist!
So gesehen haben alle Parlamentarier Rumäniens, mit einer einzigen Ausnahme, einer allbekannten und offen gepflegten Form der Korrumpierung und des Sich-Korrumpieren-Lassens zugestimmt! Wenn bisher galt, dass die Priester (wie die Kellner, deren der Lohn gering gehalten wird, weil sie „ja sowieso Trinkgeld kassieren“), keine höheren Löhne brauchen, weil sie zusätzlich von den Gläubigen „unterstützt“ werden, dann fällt dieses Argument ab sofort. Erschütternd, dass die Parlamentarier so wenig Rückgrat zeigten, dies „nicht erkannt“ zu haben. Und wenn da zu hören war, dass bei so einer Masse von Zu-Stimmungen eine Gegenstimme mehr oder weniger nicht ins Gewicht gefallen wäre, dann sollte sich jeder Parlamentarier vergegenwärtigen, dass er sein Hinterteil im Parlament nur breitsitzt, weil er dazu von seinen Wählern delegiert wurde, zum Zweck, deren Meinung zu vertreten und nicht dem Herdentrieb zu verfallen! Werner Kremm
oi. Temeswar - Fast 750.000 Euro für Bäumchen in Temeswar. So viel will das Bürgermeisteramt zahlen, um verschiedene Baumarten anzupflanzen. Diese stammen hauptsächlich aus Ungarn und Holland. Insgesamt sollen in diesem Jahr 5.000 Bäumchen gepflanzt werden. Pro Stück gerechnet: 150 Euro. Der Vizebürgermeister Adrian Orza sagt, dass bereits 2.000 Bäumchen gepflanzt wurden, weitere 3.000 kommen bald hinzu.
Bäumchen, zu 150 Euro das Stück
Foto: Zoltán Pázmány
Bislang wurden Baumarten wie Prunus x Acolade, Prunus sargentii Rancho, Parotia persica, Prunus padus Nana, Acer negundo Flamingo, Magnolia kobus, Catalpa bignonioides Nana, Sophora japonica Pendula und Tilia americana gepflanzt. Frei übersetzt wären dies Lindenbäume, Magnolien mit weißen Blüten und Seidenbäume.
Die Bäume wurden hauptsächlich auf den Straßen gepflanzt, wo Modernisierungsarbeiten bereits durchgeführt wurden und sollen für eine bessere Luft für die Temeswarer sorgen. Die Preise, die die Stadt bezahlt hat, sind – zumindest verglichen mit anderen Angeboten - überzogen. Auf einschlägigen Internetseiten sind die meisten der oben genannten Baumarten zu viel geringeren Preise zu erwerben. So zum Beispiel kostet eine Mimose bei einer Firma, die auf Gartenbau und/oder Landschaftsgestaltung spezialisiert ist, nur 40 Lei. Für die selbe Pflanze gibt jedoch das Bürgemeisteramt 600 Lei aus. Andere Beispiele wären der Catalpa bignonioides, der für 100 Lei zu erwerben wäre oder Acer negundo für 90 Lei.
Der Vize der Stadt fordert in einer Pressemitteilung die Einwohner von Temeswar auf, die Bäume zu schützen. „Auf diesem Weg fordern wir alle Bürger auf, die Bemühungen des Bürgermeisteramts zu unterstützen, da der Kauf der Bäumchen und deren Pflege etwa 150 Euro kosten“, so Orza.
Nach Temeswarer Ehrenbürger auch wissenschaftlicher Titel
bw. Temeswar - In festlichem Rahmen soll König Mihai von Rumänien am 21. Mai in Temeswar der Ehrendoktortitel (doctor honoris causa) der Temeswarer West-Universität verliehen werden. Damit möchte die Leitung der West-Universität die großen und bleibenden Verdienste von König Mihai in der Gründung dieser führenden Banater Hochschule vor 65 Jahren würdigen. Die Gründung geht auf eine Gemeinschaftsinitiative mehrerer bedeutender Banater Kulturpersönlichkeiten, allen voran Sever Bocu, zurück, deren Ansuchen zu einem Bericht des damaligen Kulturministers an König Mihai geführt hatte. Die Gründung der Universität wurde darauf durch das königliche Dekret Nr. 660 vom 30. Dezember 1944 fester Beschluss. Zu den ersten Fakultäten gehörten die für Rechtswissenschaften, Sprachwissenschaften und Philosophie, Wissenschaften, Medizin, Tiermedizin, Pharmazeutik und für Theologie.
Herzlicher Empfang für König Mihai in der Temeswarer Oper 2006
Foto: Zoltán Pázmány
Anlässlich dieser Feier, deren Start für den 21. Mai, um 10 Uhr, vorgesehen ist, wird an der West-Universität im Beisein von König Mihai auch eine Galerie der zwölf Rektoren dieser Universität eröffnet. Desgleichen wird in feierlichem Rahmen auch ein Bildnis von Sever Bocu eingeweiht. Dieses stellt ein Werk des Temeswarer Bildhauers Victor Gaga dar. Am Nachmittag wird Ioan Talpos, Rektor der West-Universität, mehreren Persönlichkeiten, darunter auch zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland, für deren Verdienste im Werdegang der Institution, Auszeichnungen und Jubiläumsmedaillen überreichen. Zum Abschluss ist um 18.30 Uhr, in der Temeswarer Oper, eine Sondervorstellung vorgesehen, woran außer den Solisten des Temeswarer Opernensembles, auch das Orchester und Solisten der Staatsphilharmonie „Banatul“, Studenten von der Temeswarer Musikfakultät, aber auch Folkloresänger wie Elena Jurjescu und Nicolae Furdui Iancu teilnehmen werden.
Im Februar dieses Jahres gewährte der Temeswarer Stadtrat auf Vorschlag von Bürgermeister Gheorghe Ciuhandu König Mihai auch den hohen Titel eines Ehrenbürgers der Stadt Temeswar. Die Ehrung wurde mit der bedeutenden Rolle des Königs in der Gründung wichtiger Unterrichts-, Kultur- und Kultusinstitutionen der Stadt an der Bega und damit in der Entwicklung der Stadt begründet. Es handelt sich dabei außer der West-Universität um die orthodoxe Kathedrale, die Rumänische Oper, die Universität für Medizin und Pharmazeutik, die Staatsphilharmonie „Banatul“, die Agronomie-Fakultät, später zur Universität für Landwirtschaftswissenschaften des Banats herangewachsen.
oz. Temeswar - Der Temescher Kreisrat fördert mit zwei Millionen Lei den Bau eines Luftfahrtmuseums in Traian Vuia zum Gedenken an den rumänischen Erfinder, nach dem die Ortschaft benannt wurde.
Gedenkstätte im Kulturhaus von Traian Vuia
Foto: Zoltán Pázmány
„Weil die Arbeiten am Museum gut vorangehen, hoffen wir, dass bis Ende des Jahres das Museum errichtet sein wird“, sagt Ioan Nicolae Lazarescu, Ingenieur im Museum des Banats von Temeswar. Wenn das Museum den Bau verwaltet, so hat der Temescher Kreisrat diesen mit rund zwei Millionen Lei gefördert.
In der Nähe der orthodoxen Kirche, in der Traian Vuias Vater einst Pope war, wird das Luftfahrtmuseum errichtet. Das Gebäude soll einstöckig werden und in Zukunft sowohl als Gedenkstätte, als auch als technisches Museum dienen. Lazarescu meint, dass das Museum aber erst Mitte 2010 als touristische Attraktion funktionieren wird, weil zahlreiche Auszeichnungen, Gemälde, Bücher und Briefe des Luftfahrtpioniers aus dem Ausland nach Rumänien gebracht werden müssen. Zusätzlich werden Dokumente, die kennzeichnend für Traian Vuia sind, aus dem Kulturhaus der Gemeinde hierher verlegt. Die bedeutendste Sehenswürdigkeit wird im Museum jedoch ein Modell der 1906 in Montesson gebauten Flugmaschine sein. Das „Flug-Automobil“, so wie es Traian Vuia selbst nannte, wird in Normalgröße nachgebaut und jenem am Temeswarer Flughafen ähneln.
„Das Museum wird vollständig ausgestattet sein und sogar einen Konferenzraum haben“, so Razvan Hrenovschi von der Kulturabteilung im Temescher Kreisrat. Sowohl nach Hrenovschi, als auch laut Lazarescu soll das Luftfahrtmuseum an einem geeigneten Ort erbaut werden und so ein wichtiges Reiseziel werden, da es nur 25 Kilometer von Lugosch/Lugoj entfernt ist und direkt an der Nationalstraße DN68A Lugosch-Deva gelegen. Auch die zu bauende West-Ost-Autobahn soll in der Nähe vorbeiführen.
Stereotypen der heutigen Welt - im Freien ausgestellt
ao. Temeswar - Der Temeswarer Verein für Amateurfotografen „fototm“ veranstaltet zwischen dem 11. und 25. April eine Street-Art-Expo am Domplatz vor dem Kunstmuseum. „Stop! Du hast ein einziges Leben: Was für einen Gott hast du?“ heißt die Fotoausstellung der „fototm“-Mitglieder.
Street-Art-Expo vor dem Kunstmuseum am Domplatz
Foto: Zoltán Pázmány
Die Initiative einer Ausstellung im Freien hatte Cristina Dogaru, Mitglied der Gruppe „fototm“: „Der Mensch hat ein einziges Leben und jeder kann es verschiedenartig leben. Viele Faktoren können heutzutage unser Leben beeinflussen, darum soll der Mensch sehr sorgfältig mit seiner Lebensweise umgehen“.
Die ausgestellten Fotos sind Stereotypen der heutigen Welt: der Mensch, der für seine Kariere lebt, der gläubige Mensch, die verschiedenen Laster des Menschen (Alkohol, Drogen, Glücksspiele) u.a. Die Gruppe „fototm“ will dem Temeswarer Fußgänger auf diese aufmerksam machen: „Die eigentliche Entscheidung trifft jeder Einzelne“, sagt Cristina Dogaru.
Eigentlich ist die Expo auch als eine Umfrage gedacht. An jedem Foto hängt ein Notizblock: Die Fußgänger können ihre Meinung bezüglich der Fotografie oder der jeweiligen Situation, die im Bild widerspiegelt wird, äußern.
„Wir wollten die Kunst ins Leben der Bürger transponieren. Nicht viele Leute betreten Kunstgalerien, für viele ist die Straße einfach näher“, erklärt die Temeswarer Fotografin, warum der Temeswarer Domplatz als Ausstellungsort gewählt wurde.
Schwergeschädigter Wildbestand/ Drei Jahre Jagdverbot bei Checea
Von Bestürzung bis zu heller Entrüstung waren die Sofortreaktionen bei den Bewohnern der Temescher Gemeinde Checea bis zur Umweltschutzbehörde, dem Jägerverband und in die entfernte Kanzlei des Präfekten, als vor Kurzem auf den Feldern bei Checea ein makabrer Fund gemacht wurde: Nahezu 150 Tiere aus dem lokalen Wildbestand, darunter 40 Rehe, 50 Hasen, Füchse, Dachse und Wildenten waren dem hier auf unverantwortliche Art und absichtlich zur Bekämpfung der Nagetiere ausgestreuten Gift zum Opfer gefallen.
Auch im Banat wird der Lebensraum für Wild immer enger: Hier Reh auf der Landstraße bei Kalatscha
Foto: Zoltán Pázmány
Die ersten Untersuchungen ergaben, dass diese auf ungefähr 700 Hektar vergifteten Felder zu den von der italienischen Gesellschaft „Agricola San Giorgio“ mit Sitz in Grossanktnikolaus in dieser Zone gepachteten 3.500 Hektar gehören. Laut Marian Eperies, Chefkommissar der Regionalen Umweltschutzpolizei Temesch, handelt es sich bei der toxischen Substanz um „T plus“, ein starkes Gift des Grades eins, das nicht gegen Nagetiere sondern nur gegen größere Tiere zum Einsatz kommt, in diesem Fall jedoch klar gewissenlos und ungesetzlich, ohne Genehmigung und ohne Fachpersonal, verstreut worden war.
Die Untersuchungen - impliziert sind u.a. Umweltschutzpolizei, Landwirtschaftsdirektion, Gendarmerie, der Temescher Jägerverband, Kreispolizei und die Kommunalverwaltung Checea - laufen weiter, an Ort und Stelle sowie im Labor des Kreisamts für Tiermedizin. Es wurden strikte Maßnahmen zur Reinigung und Bewachung der Zone getroffen, da man unterdessen auch ein totes Schaf von einem privaten Schafhirt der Gegend entdeckt hat.
Höchst betroffen reagierte der Voritzende des Temescher Jäger- und Anglervereins (AJVPS)Cornel Lera: „ Ein solches von Menschenhand verursachte Massaker habe ich noch nicht erlebt. Und ich bin schon seit 27 Jahren im Jägerverband!“ Laut Lera wurde dem Wildbestand von Checea, eines der reichsten der 26 verwalteten Reviers im Kreis, schwere Langzeitschäden zugefügt. Es wird nämlich sicher zu einem totalen Jagdverbot von bis zu drei Jahren führen. Dem hohen Schaden gemäß, bisher schätzungsweise 250.000 Euro (allein der Wert eines Rehs wird auf 4-5.000 Euro geschätzt), wurde auch sofort Strafanzeige erstattet. Auch Präfekt Mircea Bacala bestand nach einem kurzen Arbeitsbesuch am Tatort auf Strafanzeige gegen diese Firma. Den Schuldigen blühen laut Gesetz gar Haftstrafen bis zu 20 Jahren!
Summa summarum: Das Ökodisaster von Checea ist nicht das einzige, das im Kreis Temesch in den letzten Jahren verzeichnet wurde: Erinnert sei u.a. an die großflächigen Umweltschäden durch die Überschwemmungen 2005, die gefährliche Schweinepest 2007, der Ökounfall von Margina und die Ölverseuchung der Temesch 2008. Nicht zu vergessen die Comtim-Altlasten, die tickende Ökobombe „Solventul“ in der Mitte der Stadt Temeswar, hunderte gefährliche Müllhalden und –ablagerungen usw. Checea wird also leider kaum lange Zeit das letzte Umweltdisaster im Banat bleiben.
Größtes Spielfeld in Westrumänien eröffnet/Von Oliver Zsilko
„Counter Strike“ und „Half Life“ sind zwei der bedeutendsten Taktik-Shooter, die weltweit sowohl von Jugendlichen, als auch von Erwachsenen am Computer gespielt werden. Diese Computerspiele begeistern auch in Rumänien je mehr PC-Benutzer – sie werden in Internetcafés oder von Zuhause unter Freunden oder sogar mit unbekannten Teilnehmern rund um die Welt gespielt. Im Gegensatz zu den Spielen, die auf Phantasie beruhen, ist „Paintball“ der Wirklichkeit viel näher. Mit Hilfe einer Luftdruckwaffe müssen in diesem Sport Farbkugeln „abgeschossen“ werden.
Wenn aus allenSeiten geschossen wird, ist nicht einmal der doppelte Reifenstapel sicher
Foto: der Verfasser
„Wir spielen selbst gerne Paintball und weil es dafür noch kein Spielfeld von dieser Größe in Temeswar gegeben hat, haben wir uns gedacht, dass es geeignet wäre, ein solches einzurichten“, sagt Nicolae Oprea, der Inhaber des Paintball-Spielfeldes. Vor Kurzem hat er zusammen mit Sorin Tivadar in Neubeschenowa/Dudestii Noi ein Freizeitzentrum für Paintball eröffnet. Die Einrichtung auf rund 5.000 Quadratmeter verfügt über zwei Spielfelder. Zusätzlich gibt es auf einer dritten Fläche einen Umkleideraum mit Dusche und Toilette. Außer diesen werden hier den Kunden im Freien Getränke und Imbisse angeboten.
Obwohl Alin Nica, der Bürgermeister von Neubeschenowa, als Letzter zur Einweihung des Spielplatzes kam, ging er als bester Spieler vom Platz. Aus insgesamt sechs Deathmatch-Spielen führte er seine Mannschaft zu vier Siegen. „Deathmatch“ ist eines der vier Szenarios, die Oprea und Tivadar den Paintball-Spielern anbieten. Dabei werden zwei Mannschaften mit gleicher Spieleranzahl gebildet, die sich gegenseitig „abschießen“ müssen. Gewinner sind diejenigen, die als erste all ihre Gegner beseitigen. Im Spiel kann auch ein sogenannter Arzt eingesetzt werden, der einen Spieler, der verletzt wurde oder der eine Farbkugel ins Gewähr abbekommen hat, ins Spiel erneut einsteigen lassen kann. Das, indem er dem Mitspieler die Farbe von der getroffenen Stelle abwischt. Wird ein Wettkämpfer jedoch am Kopf oder Körper getroffen, so muss er auf der Stelle das Spiel verlassen.
Anzüge mit Schutzwesten und Helmen werden den Spielern angeboten – eben, damit alles ohne Risiken verläuft. Für 37 Lei bekommen Interessenten das kleinste Spielangebot mit Gewehren und 120 Farbkugeln und können ungefähr drei Runden spielen. Insgesamt gibt es drei Spielangebote – das teuerste davon kostet 68 Lei.
Unabhängig von der Zeit enden die Wettkämpfe, wenn die Gelatinekugeln alle sind. Gegebenenfalls können Kunden von Zuhause ausgestattet zum Paintball kommen. Um spielen zu dürfen, müssen sie nur die „Munition“ kaufen.
Auf der Internetseite: www.skypaintball.ro sind Informationen zum Paintball-Spielfeld zu finden. Im Juni wird das Spielfeld in Neubeschenowa mit einer Flutlichtanlage ausgestattet.
Schmuckstücke aus Blumen und Möhren / Von Ana Saliste
Der 24-jährige Cristian Ilea wickelt einen Blumenstiel mit einem grünen Blatt ein. Um dem kleinen Kunststück eine lebendige Farbe zu verleihen, fügt er noch ein orangefarbenes Möhrenstück hinzu und schon ist der erste Ohrring fertig.
Cristian Ilea stellt Schmuckstücke und Dekorationen aus Blumenstiele und Gemüse her.
Foto: Ana Saliste
Nun muss er genau aufpassen, dass ihm auch das andere Paar gut gelingt. Ob aber das Blatt und die Stange lang halten und nicht trocknen? Da lächelt der junge Laienkünstler im gelben Hemd und dunkelbrauner Hose. „Das will ich grade mal testen, wieviele Menschen bereit sind, Geld für etwas auszugeben, das nicht lange hält, jedoch ein originelles Kunststück ist“, sagt Cristian Ilea, der vor Kurzem am Temeswarer Domplatz seine handgemachten Schmuckstücke und Verzierungsobjekte ausgestellt hat. Zwar haben viele vorbeigehenden Fußgänger seine Sachen bewundert, 7 Lei für ein Paar Ohrringe, die in maximal einer Woche „trocknen“ wollten jedoch nur wenige Menschen ausgeben. Mehr Erfolg hatten jedoch seine Dekorationen aus Calla-Blüten und anderen Pflanzen, die er vor Ort angefertigt hat.
Seit Jahren stellt er zahlreiche Schmuckstücke, hauptsächlich Ohrringe aus Blumen, Gras, Holz sowie Gemüse und einzigartige Verzierungsobjekte her. „Ich wollte irgendwie die Kunst mit der Natur verbinden und somit das Natürliche in meiner Kunst einschließen“, sagt der 24-jährige Absolvent der Abteilung für Landschaftsgestaltung der Temeswarer Universität für Landwirtschaftswissenschaften und Veterinärmedizin. Gemeinsam mit drei Freunden hat er damit angefangen, zahlreiche Deko-Objekte und Verzierungen aus Blumen, Gras und Pflanzenstielen anzufertigen. „Landschaftsarchitekten“ nennen sie sich auf ihren Visitenkarten.
„Private Design“ soll die Firma heißen, an deren Gründung die vier künftigen Geschäftspartner zurzeit arbeiten. Als Arbeitsstelle gilt vorläufig nur eine Werkstatt, sie wollen aber in kurzer Zeit einen neuen Sitz in der Nähe der Temeswarer Innenstadt finden. „Wir haben schon mit mehreren Architekten und Bauarbeitern gearbeitet und ihre Gärten und Häuser dekoriert. Es ist aber schwer, Kunden zu finden, die nicht in den Bereichen Architektur oder Kunst arbeiten, weil viele die Bedeutung einer solchen Dekoration nicht verstehen und eine solche Verzierung für nicht rentabel halten“, erklärt Cristi Ilea, der auch Mitglied im rumänischen Verein für Landschaftsgestaltung ist.
In Zusammenarbeit mit dem Temeswarer Bürgermeisteramt haben die Vier in diesem Monat auch den Garten des Vereins der Blinden in Temeswar dekoriert. Dabei mussten sie auf bestimmte Blumen und Verzierungen zurückgreifen. „Es war wichtig, Blumen zu wählen, die schön und stark riechen und die man gut betasten kann, wie zum Beispiel Lavendel. Die Textur muss sich schön anfühlen, wir haben Pflanzen vorgezogen, deren Blätter sehr weich sind“, erklärt er. Auch in Zusammenarbeit mit dem Bürgermeisteramt wollen die vier Freunde künftig die Räume in den Temeswarer Wohnblockvierteln verschönern. „Wir haben uns mit den Vertretern der Stadtteilräte getroffen und mit den Bürgern die ersten Schritte besprochen. Wir wollen dadurch auch diesen Gegenden ein bisschen Farbe und Leben verleihen“, sagt Cristian Ilea.
Rumänienaktion Aachen Nordwest unterstützt häusliche Pflege im Banat/ Von Iulia Sur
„Schwerpunkt dieses Kurses ist die Vermittlung der Prinzipien der Altenkrankenpflege sowie die Mobilisierung der Patienten und nicht zuletzt die Sensibilisierung der jungen Leute gegenüber der Alten und deren Krankheiten“, betont Gabriela Bors, Leiterin des unlängst veranstalteten eintägigen Kurses über Krankenpflege im römisch-katholischen Pfarrhaus in der Karascher Bergstadt Karansebesch/Caransebes. Es ist der zweite von der Caritas Temeswar/Timisoara organisierte Fortbildungskurs im Bereich der Krankenpflege in der Stadt an der Temesch/Timis. Die Krankenschwester und Leiterin der elf Sozial- und Pflegestationen der Caritas Temeswar teilt den 20 Kursanten aus ihrer 30 Jahren Arbeitserfahrung in der Krankenpflege mit.
Beim Vortrag (v.l.n.r.): Gabriela Bors, Marlies Frohn und die Franziskanerin Iuliana Andries
Die Kursanten sind Schülerinnen und Schüler an der Postlyzealen Sanitärschule „Carol Davila“, einer privaten Bildungseinrichtung in Karansebesch. Die Ausbildung zur Krankenschwester oder zum Krankenpfleger nimmt drei Jahre ein. Für ein Studienjahr müssen 1.200 Lei beglichen werden, wobei für die Lehrbücher und das Praktikum zusätzliche Gebühren anstehen. Die derzeit rund 100 Schüler kommen aus Karansebesch und den herumliegenden Ortschaften. Der Wunsch vieler davon sei, im Ausland Arbeit zu finden, so Aurica Georgescu, die Inhaberin und zugleich Vorsitzende des 2002 gegründeten Vereins der Karansebescher Frauen. Manche Absolventinnen ihrer Lehreinrichtung sind nun in Italien und Spanien als Krankenschwestern tätig. „Viele Schülerinnen arbeiten als Schwesterhelferinnen und kommen zur Postlyzealen Sanitärschule, um Krankenschwestern zu werden“, sagt Georgescu.
Es ist auch der Fall von Ilincuţa Balan, Schülerin im ersten Jahrgang, die auch dem von Gabriela Bors geleiteten Kurs beiwohnt. Die 37-Jährige ist bereits seit 18 Jahren als Schwesterhelferin im Labor für medizinische Untersuchungen des Munizipalkrankenhauses in Karansebesch beschäftigt. Auf Ermutigung ihrer Kollegen begann sie die Postlyzeale Sanitärschule zu besuchen. Sie nimmt ihre neue Aufgabe recht ernst: Nach der täglichen siebenstündigen Labortätigkeit geht sie jeden Tag gewissenhaft zur Schule. Anschließend möchte sie als Krankenschwester arbeiten, auch in der Krankenpflege der älteren Personen, denn auch die Alten brauchen Hilfe, beteuert Balan.
Deutsche Fachberatung in Krankenpflege
Unterstützt bei ihrem Vortrag wird Gabriela Bors von Marlies Frohn, die auch seit 30 Jahren als Krankenschwesterin im Einsatz ist, davon 23 Jahre in der ambulanten Krankenpflege und seit 1986 bei der Caritas Aachen (Deutschland). Sie ergänzt nicht nur pünktlich die Aussagen der Kursleiterin, sondern beteiligt sich aktiv am praktischen Teil: Sie übernimmt sogar die Rolle des Patienten, um die Übungen zur Mobilisierung der Patienten den Lehrlingen, die fleißig mitmachen, anschaulicher darzustellen.
Frohn leitet seit 1995 die mit 48 Krankenschwestern und Pflegehelferinnen größte Ambulate Pflegestation der Caritas Aachen. Hier ist sie mit der Organisation und der eigentlichen Pflege der Kranken beschäftigt. Seit Jahresanfang koordiniert Frohn auch die neue Ambulate Palliativpflegestation der Caritas Aachen, der sie sich in Kürze ausschließlich widmen wird. Es handelt sich um eine Einheit mit einem Team von sechs Schwestern. Die Patienten werden zu Hause bis zum Tode gepflegt und die meisten möchten daheim sterben, so Frohn. Dafür ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Haus- und Facharzt der Patienten notwendig. Die Haupttodesursache ist Krebs: Bronchial-, Brust-, Prostata- oder Nierenkrebs. Mehr als 50 Prozent der Patienten sind junge Menschen. Die Unterstützung und Kraft um ihre Aufgabe zu bewältigen, nimmt die Krankenschwester von ihrer Familie, dem Gottvertrauen sowie aus Gesprächen mit ihrem Team und dem Geistlichen. „Man muss den Beruf gern tun“, schließt Frohn.
Die Schülerin Ilincuta Balan und Schulinhaberin Aurica Georgescu
Der vor kurzem beendete Kurs für Krankenpflege wurde gleich dem ersten vor zwei Jahren von der Caritas Temeswar auf Anregung der Rumänienaktion Aachen Nordwest, die seit mehreren Jahren die Caritas Karansebesch unterstützt, veranstaltet. In den letzten Jahren fördert der deutsche Hilfsverein auch die Sozial- und Pflegestation der Caritas Temeswar in Karansebesch, namentlich jährlich die Lohnkosten für eine der zwei hier tätigen Krankenschwestern, zwei Franziskanerinnen von der Karansebescher Niederlassung der Franziskanerinnen von Salzkotten (Deutschland). Außer diesen ist noch eine Pflegerin hier beschäftigt. Das dreiköpfige Team versorgt etwa 70 Nutznießer pro Jahr, meistens arme alte Personen, auch Behinderte.
Die Schülerin Ilincuta Balan und Schulinhaberin Aurica Georgescu
Zur letzten Caritas-Lehrveranstaltung äußert sich Rolf Igel von der Rumänienaktion Aachen Nordwest: „Ich finde es ganz wichtig, dass dieser Fortbildungskurs hier in Karansebesch nun zum zweiten Mal stattfindet.“ Der Aachner hofft auch auf eine Unterstützung seitens der Lokalverwaltung: „Es ist gut, wenn für die Zukunft der Bürgermeister und der Stadtrat für die Weiterexistenz der häuslichen Pflege garantiert“.
Arm, alt und allein
Die 82-jährige R.K. ist eine der bedürftigen Seniorinnen und Senioren, die über die Caritas-Sozialstation in Karansebesch betreut und gepflegt werden. Die Frau ist zur Hälfte Deutsche und zur Hälfte Tschechin. Sie ist ein Sozialfall und erhält täglich über die Sozialkantine der Caritas Karansebesch ein warmes Mittagessen. Mit ihrer geringen Monatsrente, den etwa 100 Lei (24 Euro), könnte sie gar nicht überleben. Die Wohnung, in der sie untergebracht ist, eine kleine dunkle Stube im Obergeschoss eines alten Herrenhauses im Teius-Park, wo mehrere Familien beherbergt sind, wurde vom Bürgermeisteramt der Stadt zur Verfügung gestellt. Die Miete dafür und die dazugehörenden Verwaltungskosten werden von den Franziskanerinnen getragen.
Sr. Iuliana Andrieş (links) und Gabriela Borş (rechts) zeigen die korrekte Bewegungsweise eines Patienten vor.
Fotos: die Verfasserin
In den kalten Jahreszeiten heizt sie ihr Zimmer mit einem Ofen, der wegen fehlerhafter Montage den Raum völlig eingeräuchert hat, was auch das Atmen eines zeitweiligen Besuchers beengt, für die Alte aber, die nur noch drei Viertel ihrer rechten Lunge besitzt, recht beschwerlich ist. Bei warmem Wetter lässt sie die Tür offen. Die hinein dringende frische Luft kann den Rauch trotzdem nicht aus der Stube verdrängen, als ob dieser bereits in die Wände eingedrungen sei und von der Wohnung Besitz ergriffen hätte.
Die gebückte, magere, auf die Decken versunkene Gestalt der Frau hinterlässt einen hoffnungslosen Anblick. In ihr Gesicht sind unzählige Falten eingeritzt und hinter jeder Falte scheint sich eine traurige Geschichte zu verbergen: Eine freudenlose Kindheit mit einer Stiefmutter, die für sie nicht sorgte, die Jugend geprägt vom Zweiten Weltkrieg, das im Sozialismus verbrachte Erwachsenenleben, zwei gescheiterte Ehen, kinderlos und keine Angehörige. „Mein Vater hatte drei Häuser, eins wurde vom Staat enteignet“, erzählt sie. „Sein ganzes Hab und Gut verlor er und starb dann in einem Altenheim“. Mühsam erhebt sie sich vom Bett, geht langsam zum grünen Küchenschrank und bringt ein altes Hochzeitsfoto ihrer leiblichen Eltern. Das gepflegte elegante Aussehen der Abgebildeten erinnert an vergangene Zeiten – ein krasser Gegensatz zur Armut der Alten.
Die Frau wiederholt sich, die Geschichten überschneiden sich, jedoch ein Lebensabschnitt hat sich in ihr Gedächtnis hinein gebrannt: Die über vier Jahre Haft, die sie für ihre Gutgläubigkeit bezahlte – eine harte Zeit, an die sie sich eigentlich nicht mehr erinnern möchte.
„Wenn man mich um Hilfe bat, habe ich den Menschen geholfen, so war ich nun mal“, erinnert sich R.K. seufzend. Nun ist sie selbst auf Hilfe angewiesen. Ihre einzige Freude ist der wöchentliche Besuch der Franziskanerin, Sr. Iuliana Andrieş, die junge Krankenschwester, die jeden Dienstag die Alte aufsucht. „Ich fühle ihren Puls, messe ihren Blutdruck und meistens erzähle ich mit ihr“.
R.K. begleitet ihre Besucher in den Hof bis ans Tor. Die Trennung von den Menschen, die ihr Aufmerksamkeit geschenkt und mit denen sie hat reden können, fällt schwer. Sie vergewissert sich noch, dass die Krankenschwester am Dienstag die Schere nicht vergisst. Haarschneiden steht an. Der Abschied ist nun unvermeidlich.
Ich sen e Knieser Schwob, leb awer schon lang nimmi dort. Wie das em Lewe schon so geht, muss mer jo schaue, von wo s täglich Brot herkommt. For das muss mer e Beruf leere on wann mer das derhem net kann, muss mer halt sei Heimatort verlosse on in di "Fremd" gehn. Das war aa bei mir so. Ich leb jetz zeider 27 Johr met meiner Familie en Deitschland, awer ich kann eich schon saan, dass ich "mei" Knies net vergess han; netmol mei Knieser Dialekt han ich vergess. Das es schon e Sach, weil ich han jo kaum Gelegnheit, schwowisch zu redde, hechschtns wann ich mol met alde Knieser Freinde oder Landsleit zammkomm, oder met meim Bruder, de wo aa sei "Motterschproch" noch net vergess hat!
Jo, so es das: wie mer s in der Kindheit geleert hat, so bleibt s eem em Kopp, do kenne noch so vill Johre vergeen. Mer werd emmer so rede, wie eem de Schnawl gewaks is...(so men ich wenschtns!).
Also, was soll ich eich jetz verzähle? Ich wer mol mei geischtiches "Erinnrungsbuch" ofmache on bissi drenrom "bläddre".
Ich sen en Billed of di Welt komm (1929), awer en Knies ufgewaks. Mei Vatter, de Frank Lambert on mei Onkl Hans (Billeder Schwowe) han en Knies di Mill kaaft on sen so Knieser gen. Mei Motter war e Knieserin.
Knies leit so zirka 28 Kilometer von Temeschwar weg. Die Nochberderfer sen Hodonje (Hodoni), Barndjas (Baratzhausen), Billed, Schanderhaas (Alexanderhausen) on Ketfel. Zwischn Barndjas on Mercydorf leit s Kulatschi-er Bad (Kalatscha) - dorthin sen di Schwowe emmer hingfahr for sich gsondbaade. Ich han gheert, dass Kulatschi heit modernisert on e gut bsuchtes Bad es, nor werre heitzutach sicher nimmi so vill Schwoweleit dorthin fahre, well di minschte jo enzwischn woanerscht ehre Tschattre ofgschlaa han...
Knies es e Dorf mit 3 Kerchethirm on di gheere zu 3 Kerche: e rumänischi, e serwischi on e deitschi. (Natierlich sen das zwaa orthodoxe on e katholisch Kerch - awer di Leit han halt so gsaat). Friejer hat mer schon von weidm noch de Raafang von onsrer Mill gsien. De hat mer gebreicht, weil di Mill domols jo noch e Dampfmill war. Di Dampfmaschin war awer so e richziche "Holzfresser" geween - onser Maschinist, de "Gena" es net fertich gen met ganze Holzscheidle en de Phans von der Maschin ninstoppe. En onserm Millehof war s Holz waggoneweis ofgschlicht, so dass mer manchsmol net em Nochber sei Hof ningsien hat. Späder han mei Vatter on mei Onkl di Maschin verkaaft on e moderne Dieselmotor (aus Köln) ningstellt (ich men, das war 1938); das hat sich schon ausgezaalt ghatt, weil s motorina jo domols noch billicher war. On wie di Mill so richzich modern "ausstafeert" war, es se 1947 enteignt gen. Wievill Eigntimer die zeider der Zeit ghatt hat, wees ich net on ich wees aa net, wie se heit ausschaut... Wie ich awer gheert han, hat de jetziche "proprietar" se scheen renovert on e modernes Haus draus gemach.
Oms Dorf rom hat s en meiner Kendheit vill Wassre ("Lake", "Baare") gen. Ich erinner mich ans große Hanefwasser, iwer das es e schmali Puntche gang. Ich sen awer nie gere driwer gang, well ich emmer schwindlich gen sen. Of dr Hutwed ware zimlich vill "Gänselecher" geween, dort han di Leit di fremde Gänscher on Entcher ningeleet ("rata de bitanga"). En de Knieser Wassre hat s domols aarich vill Fisch gen. Manche rumänische Baure han sich drom aa met Fischfange bschäfticht on oweds, wann de Zug dorch onser Dorf gfaar es (die Statzion heescht "Chinezu"), sen die Baure an die Bahn gang on han ehre Fisch verkaaft.
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IN EIGENER SACHE
1. Die Reportage unserer Kollegin Ana Saliste, „Aus der Kindheit einer Nobelpreisträgerin/ Wie die Bewohner aus Nitzkydorf den Erfolg der Schriftstellerin finden“, erschienen in der BZ Nr. 825vom 14. Oktober 2009 wurde inzwischen von der „Deutschen Presseagentur“ (dpa), von „Bild“ (auszugsweise), von der „Frankfurter Rundschau“ online sowie von „Die Berliner Literaturkritik“ übernommen.
2. Auf ihrem 47. Kongress, am 10. Oktober 2009, in Innsbruck, wählte die European Journalists Association (EJ) unsere Kollegin Raluca Nelepcu (25), Chef vom Dienst der Banater Zeitung, als Generalsekretärin in den Vorstand des von der EU anerkannten Journalistenverbands.
3. Die Reportage "Sie mussten in der Öffentlichkeit schweigen" von Raluca Nelepcu war unter den besten zehn von über 80 Einsendungen und für den n-ost-Reportagepreis nominiert worden.
Herausgeber: Demokratisches Forum der Deutschen im Banat
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