Montag, 2. August 2010

Béla Lugosi wird seinen Stern bekommen

Ehrgeizige Freizeitprojekte müssen noch umgesetzt werden
Von Raluca Nelepcu

„Ein größenwahnsinniges Projekt“ nennt es „die Opposition“ (PDL). „Solche Meinungen interessieren uns nicht!“, antwortet heftig Francisc Boldea (PSD), Bürgermeister der Temescher Stadt Lugosch/Lugoj, wenn er darauf zu sprechen kommt. Es geht um die Umsetzung einiger Vorhaben, die der Stadtvater stolz der Presse präsentiert. Das städtische Freibad soll zu einem Aquapark im wahrsten Sinne des Wortes werden (die BZ berichtete), so einer, wie es Dutzende im benachbarten Ungarn gibt (und wohin die Temescher pilgern) – hinzu kommt die Errichtung einer Fußgängerbrücke, die die Verbindung vom städtischen Markt zum Strand-Viertel herstellen wird. Ein dritter Tourismusmagnet soll die Reitbahn der Stadt werden, die das Bürgermeisteramt nach fast zehn Jahren Gerichtsstreit vom Temeswarer Berufungsgericht per nicht mehr angreifbarem Urteil zugesprochen bekommen hat. Auch das Victoria-Kino soll demnächst die Bürger der Stadt Lugosch erfreuen.

Eine Brücke für Passanten
Die Freizeitprojekte hat Bürgermeister Boldea schon längst in der Tasche und präsentiert sie gern jedem, der dafür Interesse zeigt. Da, wo früher das städtische Freibad war, im Strand-Viertel, soll ein Aquapark entstehen. „Schwimmbecken für Erwachsene, mit warmem und mit kaltem Wasser, Whirlpool, trockene und feuchte Sauna, Massage-Kabine, Raum für Unterwassermassage, Umkleidekabinen, Yoga- und Fitness-Saal – das und vieles mehr soll der Aquapark umfassen“, sagt der Stadtvater. Hinzu kommen Wasserrutschen und ein Restaurant. Um den Bürgern den Zugang zum Freibad zu erleichtern, soll eine Brücke für Passanten errichtet werden, die vom Stadtzentrum über die Temesch ins Strand-Viertel führt.
Die ehemalige Reitbahn der Stadt erhielt das Bürgermeisteramt letztes Jahr per Gerichtsbeschluss. Fast zehn Jahre hat der Prozess gedauert, den die Stadt Lugosch mit dem Ministerium für Bildung, Forschung und Innovation geführt hat. „Die Reitbahn war früher einer der Lieblingsorte der Lugoscher“, sagt Francisc Boldea. Das dem Verfall preisgegebene Gebäude soll ein neues Gesicht bekommen. „Wir werden dort auf 10.000 Quadratmetern einen drei Meter tiefen künstlichen See anlegen“, sagt Francisc Boldea. Der See resultiert aus den Arbeiten zur Errichtung eines Damms für die Kläranlage, wofür jede Menge Erdreich nötig ist. Auch an der Nationalstraße nach Karansebesch/Caransebe{, an der Stadtausfahrt, soll eine Freizeitanlage entstehen: Da gibt es 22 Teiche auf 22 Hektar, die von der griechischen Baufirma, die Ausgrabungen für die Straße Lugosch-Temeswar durchgeführt hat, unfreiwillig geschaffen wurden. „Die Teiche könnten touristisch genutzt werden. Kleinboote können hier von einem Teich zum anderen verkehren, du kannst ein wunderschönes Freizeitgebiet einrichten“, sagt Francisc Boldea.

Stadtkino seit Jahren geschlossen
Das ehemalige Victoria-Kino soll ebenfalls neu eingerichtet und mit einem Raum für 3D-Filmprojektionen ausgestattet werden. Vor dem Eingang soll ein Hollywood-Stern mit dem Namen des aus Lugosch stammenden Schauspielers Béla Lugosi (1882 – 1956), dem ersten unter den zahlreichen Hollywood-Darstellern des Grafen Dracula, angebracht werden. „Er darf nicht in Vergessenheit geraten“, sagt Francisc Boldea, der sich schon bewusst ist, dass zurzeit viele Lugoscher überhaupt nicht mehr wissen, wer Béla Lugosi gewesen ist. Der in Lugosch geborene Schauspieler gilt weltweit als (Mit-)Begründer des Grusel- oder Horror-Films. Am Geburtshaus von Béla Lugosi in der Bucegi-Straße Nr. 5 hing bisher kein Schild, das darauf hinwies, dass die Top-Persönlichkeit der Stadt Lugosch einmal da gelebt hat. „Der Hausbesitzer, der dies nicht zulassen wollte, ist inzwischen verstorben. Wir werden in diesem Jahr das Anbringen eines solchen Schildes in einer unserer Stadtratssitzungen zur Debatte vorlegen“, sagt Boldea.
Anfang September sollen nach drei Jahren die Sanierungsarbeiten am Museum für Geschichte, Kunst und Ethnographie beendet werden. „Der Lugoscher Bildhauer Constantin Grangure und der Maler und Kunstkritiker Ioan Iovan werden einige ihrer Werke dem Museum spenden“, verriet Francisc Boldea der BZ. Es werden zwei Ausstellungsräume für zeitgenössische Kunst eingerichtet, wo alle Künstler aus Lugosch ihre Werke ausstellen können. Ein Raum soll dem Schauspieler Béla Lugosi gewidmet werden.
Die meisten touristischen Vorhaben des Stadtvaters ruhen zur Zeit noch in der Projektphase. „Wir haben mehrere potenzielle Investoren eingeladen und ihnen die Unterfangen präsentiert. Wir warten noch auf Antwort“, sagt der Bürgermeister.

Rumänische Imker schlagen Alarm

Die Honigproduktion war in diesem Jahr „katastrophal“.
Foto: Zoltán Pázmány
Magere Honigproduktion wegen schlechtem Wetter/ Von Raluca Nelepcu
Statt warmer Frühling, reichlich Regen und niedrige Temperaturen: Das launische Wetter hat den rumänischen Imkern in diesem Jahr einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Die Honigproduktion war in diesem Jahr nicht schlecht, sondern katastrophal“, betont Simona Cozma, die extra aus Diemrich/Deva nach Temeswar/Timisoara gekommen ist, um am ersten Honigfest, der Messe für Honigprodukte, teilzunehmen. Auf den Tischen liegen dutzende Gläser vor, alle gefüllt mit der goldenen Süßware, die nicht nur lecker, sondern auch äußerst gesund ist. Ab und zu kommen Leute an den Pult und interessieren sich für die zum Verkauf gestellten Produkte. „Unser Honig ist hundertprozent bio“, sagt die junge Frau, die zusammen mit ihrem Mann Alin eine Imkerei betreibt.

Zu viel Bürokratie
500 Bienenvölker besitzt die Familie Cozma bei Diemrich, „eine relativ große Imkerei“, sagt Simona. Die Vorfahren ihres Gatten waren Imker gewesen, deswegen entschied auch er, die Tradition weiterzuführen und ein Business in diesem Bereich aufzubauen. „Obwohl wir für all unsere Bienenvölker ein Bio-Zertifikat besitzen, wurde uns mitgeteilt, dass wir Subventionen nur für 50 Völker bekommen können. Das finde ich äußerst komisch“, sagt Simona Cozma. Der Betrag, der für die Bio-Zertifizierung kommt, beträgt 70 Lei pro Bienenvolk.
Die rumänische Regierung macht in diesem Jahr Subventionen im Wert von 6,7 Millionen Lei für die Bienenzucht locker, von der Europäischen Union sollen fast zwei Millionen Euro kommen. Doch EU-Fonds möchte Familie Cozma vorläufig noch nicht beantragen, denn „es ist zu viel Bürokratie“, sagt Simona und schaut auf die ausgestellten Honiggläser. Schlecht ist es in diesem Jahr auch den Banater Imkern ergangen. Wenn vor zwei Jahren noch 400 Tonnen Honig im Banat produziert wurden, so ist in diesem Jahr die Produktion um etwa 70 Prozent gesunken. Und das, obwohl in der Region des Banats theoretisch gute Gegebenheiten für die Honigproduktion vorherrschen: ein mildes Klima mit verschiedenen Blumenarten und Heilpflanzen. Auch die Subventionen für Imker wurden in diesem Jahr halbiert. 2009 hatten rumänische Bienenzüchter mehr als 7 Millionen Lei von den etwa 13 zur Verfügung gestellten Millionen Lei zugeschossen bekommen.

Weniger Honig, weniger Qualität
Auf die Frage, wie denn die Produktion in diesem Jahr ausgefallen sei, antwortet Simona Cozma mit Kopfschütteln: „Schlecht, sehr schlecht. Wir haben vielleicht ein Viertel der Produktion vom vergangenen Jahr erzielt“. 2009 haben die Imker aus Diemrich ungefähr 16 Tonnen Honig hergestellt. Simona Cozma zeigt auf ein Glas Akazienhonig. „Auch von der Qualität her ist der Honig in diesem Jahr minderwertiger. Der Akazienhonig muss äußerst hell sein, unserer ist schon gelblich“, sagt die Frau. Die Preise des Honigs sind wegen der schlechten Wirtschaftslage in die Höhe gegangen. Wenn in den vergangenen Jahren ein Kilo Akazienhonig 20 Lei gekostet hat, so liegt der Preis nun bei etwa 26 Lei. „Bienenzucht zu betreiben ist nicht leicht. Es ist aber gleichzeitig eine schöne Beschäftigung, wenn man gut organisiert ist. Wir müssen uns ein Beispiel von den Bienen nehmen“, sagt Simona Cozma lächelnd. Was die „gute Organisierung“ anbelangt, so sei Italien ein Musterbeispiel auf diesem Gebiet. „Da sitzen die Bienenvölker auf Paletten, bei uns leben sie noch immer in Pavillons“, erklärt sie.

Honig weiterhin gut verkauft
Trotz der vielen Schwierigkeiten gibt es auch eine Genugtuung für die Imkerfamilie Cozma: „Trotz Krise kaufen die Leute weiterhin Honig“, sagt die Imkerin aus Diemrich. Derselben Meinung ist auch Adriana Stoian, die das Apicola-Geschäft am Trajansplatz in Temeswar verwaltet. „Die Menschen wollen sich heutzutage gesund ernähren und greifen auf Naturheilmittel zu“, sagt Adriana Stoian. Der Honig- und Honigprodukthersteller Apicola aus Temeswar bietet ein umfangreiches Angebot: Außer dem traditionellen Honig liegen auf der Theke Naturarzneimittel, Salben, Tinkturen sowie Kosmetika vor. Die Traditionsfirma Apicola verteilt Erzeugnisse des Honigverarbeitungskombinats und Forschungsinstituts für Imkerei Bukarest. „Die Produktion liegt landesweit bei etwa zehn Prozent im Vergleich zu den Jahren davor. Ich kenne keinen Imker, der sich in diesem Jahr mit seiner Honigproduktion rühmt“, beteuert auch Adriana Stoian, die seit 25 Jahren bei Apicola tätig ist. „Es hat ständig nur geregnet“, fügt sie hinzu. „Wir hoffen, dass mindestens jetzt, wenn die Sonnenblumenfelder blühen, etwas aus der Produktion wird“, sagt sie. Auf die Frage, wie man denn guten Honig von schlechtem unterscheiden kann, antwortet sie prompt und führt das „Experiment“ vor: Sie stellt ein mit Honig gefülltes Glas auf den Kopf. „Wenn sich eine Luftblase bildet, dann ist der Honig gut“, erklärt sie.
Der goldene Saft schmeckt nicht nur gut, sondern er ist auch sehr gesund. Er soll Erkältungsbeschwerden lindern, Fieber senken und die Wunderheilung beschleunigen. Flavonoide im Honig helfen gegen Viren und werden heute auch als Mittel gegen Krebs erprobt. Weltmeister im Honigessen sind die Deutschen. Jeder verzehrt pro Jahr durschnittlich 1,4 Kilogramm Honig. Ein Fünftel davon produzieren die etwa 81.000 Imker mit ihren mehr als 700.000 Völkern in Deutschland. Der Rest wird durch den Import gesichert. In Rumänien wurden letzes Jahr mehr als 21.000 Tonnen Honig von insgesamt 1,1 Millionen Bienenvölkern produziert. Ungefähr 60 Prozent davon dienten dem Export nach Deutschland, Großbritannien, Italien, Frankreich, Österreich, den USA, Kanada, Japan und China. Die zahlreichen Niederschläge haben als Folge eine schwache Honigproduktion in diesem Jahr: Nur 15.000 Tonnen sollen es sein, so der Rumänische Verband der Bienzüchter. Der Honigkonsum liegt in Rumänien bei 500 Gramm pro Einwohner.

Kampfflugzeuge über Temeswar

Insbesondere die Kinder waren von der Flugshow fasziniert
Foto: Zoltán Pázmány


Auch SALVO zeigt sein Können: Wie man eine Dacia aus der Bega fischt
oi. Temeswar - Von Câmpia Turzii nach Temeswar in 15 Minuten. Nein, es ist nicht ein neues Angebot der Bahn (mit dieser braucht man etliche Stunden), noch mit Bus oder Auto ist das Ziel in dieser Zeit zu erreichen. So lange braucht ein Kampfflugzeug des Typs MIG 21 LanceR, um die 289 Kilometern zurückzulegen.
Vergangene Woche wurde am Militärflughafen aus Jahrmarkt/Giarmata der Tag der rumänischen Luftfahrt gefeiert. Einige Hunderte Schaulustige wollten die PUMAs (Hubschrauber) und die MIGs bei den Vorführungen sehen.
Besonders viele Kinder und Jugendliche kamen, um die Flugshow zu sehen. „Das ist eines der Hubschrauber, das während des Hochwassers bei G²taia viele Menschenleben gerettet hat“ erzählt ein Vater, der bei dem Militärflughafen arbeitet, seinem etwa fünfjährigen Sohn über einen der Hubschrauber des Typs IAR 330 PUMA.
Ein solcher Hubschrauber wird für den Transport von Material, Evakuierung von Verletzten oder Rettungsmissionen verwendet. Ungefähr 850 Kilometern kann der Hubschrauber mit einem vollen Tank zurücklegen, viereinhalb Stunden kann er in der Luft bleiben.
Diejenigen, die sich für die Fluggeräte interessierten, konnten auch in den Hubschrauber einsteigen. Besonders die Kinder erfreuten sich des Angebots.
Das Event startete mit einer – für den Verfasser etwas in die Länge gezogene – Predigt.. Da es jedoch in Rumänien Mode geworden ist, für jede Sache eine ganze Schar von Priestern kommen zu lassen (sei es um ein Fußballstadion oder ein Auto zu segnen) konnte mit der langen Predigt eigentlich gerechnet werden.
Die Flugshow an sich startete mit einer Demonstration der PUMA-Piloten. In Formation fliegen, Drehungen, Ab- und Aufflugmanöver. Besonders wurde aber auf die Flugshow der MIGs gewartet. Von den vier, die in Formation von Câmpia Turzii nach Temeswar flogen, drehte nur ein einziger ein paar Runden auf dem Himmel über Temeswar. Ein paar Loopings, ein paar Steilflüge, ein paar Wendungen und Schluß war es. Die Besucher waren, obwohl die Show nicht besonders lange gedauert hat, begeistert. Die MIGs, die der rumänischen Armee angehören, haben schon etliche Jahre auf dem Buckel. „Wieviel MIGs die rumänische Armee hat, kann ich nicht genau sagen, es muss sich um Dutzende handeln. Sie stammen vom Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre“, sagt Pilot Daniel P²curaru.
Am 20. Juli, dem Tag der rumänischen Luftfahrt, wird hierzulande auch der Heilige Ilie Tesviteanul gefeiert, der „sich in einem Feuerwagen zum Himmel erhob“.
Einen Tag später stellte auch die Rettungsmannschaft von SALVO ihr Können unter Beweis. SALVO ist der Volontärdienst für Krisensituationen. Diesmal wurde eine Übung für das Eingreifen bei extremen oder gefährlichen, wetterbedingten Naturerreignissen durchgeführt. Die Übung fand an der Bega-Brücke in der Josephstadt statt.
Um 10 Uhr haben die Sirenen zu heulen angefangen. Der „Naturkatastrophenalarm“ besteht aus 5 Klängen von jeweils 16 Sekunden, mit 10 Sekunden Pause dazwischen. Simuliert wurde ein Unfall, in dem ein Mann aus einem Autowrack gerettet werden musste. Ein weiteres Auto war bei der Simulation aus der Bega herauszufischen gewesen. Hunde und eine Tauchermannschaft mussten sowohl die Insassen, als auch das Auto bergen.
Schaulustige versammelten sich, um der raren Demonstration beizuwohnen. Eine Stunde lang dauerte das Spektakel. Einige Passanten dachten wahrlich, es würde sich um einen Ernstfall handeln. „Ich ging hier vorbei und sah die Leute und die Dacia, die aus dem Fluss gefischt wurde. Ich dachte, dass wirklich ein Unfall passiert ist“, bekannte eine Passantin. Ob es eher nach Enttäuschung klang, dass es nur eine Übung ist, sei dahingestellt.