Von Raluca Nelepcu
„Ein größenwahnsinniges Projekt“ nennt es „die Opposition“ (PDL). „Solche Meinungen interessieren uns nicht!“, antwortet heftig Francisc Boldea (PSD), Bürgermeister der Temescher Stadt Lugosch/Lugoj, wenn er darauf zu sprechen kommt. Es geht um die Umsetzung einiger Vorhaben, die der Stadtvater stolz der Presse präsentiert. Das städtische Freibad soll zu einem Aquapark im wahrsten Sinne des Wortes werden (die BZ berichtete), so einer, wie es Dutzende im benachbarten Ungarn gibt (und wohin die Temescher pilgern) – hinzu kommt die Errichtung einer Fußgängerbrücke, die die Verbindung vom städtischen Markt zum Strand-Viertel herstellen wird. Ein dritter Tourismusmagnet soll die Reitbahn der Stadt werden, die das Bürgermeisteramt nach fast zehn Jahren Gerichtsstreit vom Temeswarer Berufungsgericht per nicht mehr angreifbarem Urteil zugesprochen bekommen hat. Auch das Victoria-Kino soll demnächst die Bürger der Stadt Lugosch erfreuen.
Eine Brücke für Passanten
Die Freizeitprojekte hat Bürgermeister Boldea schon längst in der Tasche und präsentiert sie gern jedem, der dafür Interesse zeigt. Da, wo früher das städtische Freibad war, im Strand-Viertel, soll ein Aquapark entstehen. „Schwimmbecken für Erwachsene, mit warmem und mit kaltem Wasser, Whirlpool, trockene und feuchte Sauna, Massage-Kabine, Raum für Unterwassermassage, Umkleidekabinen, Yoga- und Fitness-Saal – das und vieles mehr soll der Aquapark umfassen“, sagt der Stadtvater. Hinzu kommen Wasserrutschen und ein Restaurant. Um den Bürgern den Zugang zum Freibad zu erleichtern, soll eine Brücke für Passanten errichtet werden, die vom Stadtzentrum über die Temesch ins Strand-Viertel führt.
Die ehemalige Reitbahn der Stadt erhielt das Bürgermeisteramt letztes Jahr per Gerichtsbeschluss. Fast zehn Jahre hat der Prozess gedauert, den die Stadt Lugosch mit dem Ministerium für Bildung, Forschung und Innovation geführt hat. „Die Reitbahn war früher einer der Lieblingsorte der Lugoscher“, sagt Francisc Boldea. Das dem Verfall preisgegebene Gebäude soll ein neues Gesicht bekommen. „Wir werden dort auf 10.000 Quadratmetern einen drei Meter tiefen künstlichen See anlegen“, sagt Francisc Boldea. Der See resultiert aus den Arbeiten zur Errichtung eines Damms für die Kläranlage, wofür jede Menge Erdreich nötig ist. Auch an der Nationalstraße nach Karansebesch/Caransebe{, an der Stadtausfahrt, soll eine Freizeitanlage entstehen: Da gibt es 22 Teiche auf 22 Hektar, die von der griechischen Baufirma, die Ausgrabungen für die Straße Lugosch-Temeswar durchgeführt hat, unfreiwillig geschaffen wurden. „Die Teiche könnten touristisch genutzt werden. Kleinboote können hier von einem Teich zum anderen verkehren, du kannst ein wunderschönes Freizeitgebiet einrichten“, sagt Francisc Boldea.
Stadtkino seit Jahren geschlossen
Das ehemalige Victoria-Kino soll ebenfalls neu eingerichtet und mit einem Raum für 3D-Filmprojektionen ausgestattet werden. Vor dem Eingang soll ein Hollywood-Stern mit dem Namen des aus Lugosch stammenden Schauspielers Béla Lugosi (1882 – 1956), dem ersten unter den zahlreichen Hollywood-Darstellern des Grafen Dracula, angebracht werden. „Er darf nicht in Vergessenheit geraten“, sagt Francisc Boldea, der sich schon bewusst ist, dass zurzeit viele Lugoscher überhaupt nicht mehr wissen, wer Béla Lugosi gewesen ist. Der in Lugosch geborene Schauspieler gilt weltweit als (Mit-)Begründer des Grusel- oder Horror-Films. Am Geburtshaus von Béla Lugosi in der Bucegi-Straße Nr. 5 hing bisher kein Schild, das darauf hinwies, dass die Top-Persönlichkeit der Stadt Lugosch einmal da gelebt hat. „Der Hausbesitzer, der dies nicht zulassen wollte, ist inzwischen verstorben. Wir werden in diesem Jahr das Anbringen eines solchen Schildes in einer unserer Stadtratssitzungen zur Debatte vorlegen“, sagt Boldea.
Anfang September sollen nach drei Jahren die Sanierungsarbeiten am Museum für Geschichte, Kunst und Ethnographie beendet werden. „Der Lugoscher Bildhauer Constantin Grangure und der Maler und Kunstkritiker Ioan Iovan werden einige ihrer Werke dem Museum spenden“, verriet Francisc Boldea der BZ. Es werden zwei Ausstellungsräume für zeitgenössische Kunst eingerichtet, wo alle Künstler aus Lugosch ihre Werke ausstellen können. Ein Raum soll dem Schauspieler Béla Lugosi gewidmet werden.
Die meisten touristischen Vorhaben des Stadtvaters ruhen zur Zeit noch in der Projektphase. „Wir haben mehrere potenzielle Investoren eingeladen und ihnen die Unterfangen präsentiert. Wir warten noch auf Antwort“, sagt der Bürgermeister.




