Dienstag, 10. März 2009

Eine Banater Schwäbin auf Weltreise (23)


Milano: Die Modemetropole schlechthin / Von Nareda Cerdy





Mailänder Dom

Obwohl die Franzosen den Begriff “haute couture” erfunden haben, ist Mailand heute die Modemetropole schlechthin, dichtgefolgt, aber unüberholt, von Paris, London, New York und Tokyo. Und das, obwohl die meisten italienischen Modedesigner ihren Hauptsitz in Rom haben. Selbst wenn man Klamotten bei weltweit aktiven Kaufhausketten wie H&M oder P&K in Milano kauft, haben die ein gewisses Etwas, bloß weil sie aus Mailand sind. Als ob Stil ansteckend wäre und etwas von der klassischen Eleganz und den luxuriösen Stoffen der Markenlabels abfärben würde auf die Massenprodukte.


Aus Temeswar gibt es täglich ausser sonntags recht günstige Direktflüge nach Mailand und mit Wizzair kann man drei mal wöchentlich noch günstiger fliegen - wenn man frühzeitig bucht. Alle Flughäfen sind sehr weit von der Stadt entfernt, mit mindestens einstündigen Fahrtzeiten, die vor allem bei der Rückreise einzuplanen sind. Taxifahren ist dementsprechend teilweise so teuer wie der Flug selber, also sind die öffentlichen Verkehrsmittel empfehlenswerter. Es macht Sinn, ein Hotel zu wählen, das in der Nähe des Mailänder Doms liegt, denn dann ist man in Spazierreichweite aller Sehenswürdigkeiten und vor allem aller Einkaufsgelegenheiten...


Der gotische Mailänder Dom ist auch der bestmögliche Ausgangspunkt für eine Stadtbesichtigung. Er hebt sich von allen anderen Gebäuden ringsherum ab, durch seine komplizierte, filigran verzierte Fassade, die seine massige Größe (es ist die viertgrößte Kirche der Welt) gerade ausreichend erscheinen lässt für die Vielzahl von Verzierungen und Details, die in ihrer Komplexität an Gaudis Sagrade Familia in Barcelona erinnern, wenn auch in einem komplett anderen Baustil. Die Italiener sind streng katholisch: Den Dom darf man nur mit bedeckten Schultern betreten.


Also Damen aufgepasst, keine Spagettiträgertops oder wenn, dann Schal oder Tuch mitnehmen und die Schultern bedecken, sonst wird man von den Türstehern höflichst gebeten, sich zu bedecken, bevor man die Erlaubnis bekommt, den Dom zu betreten. Im Kontrast zu dem lichtüberfluteten, sonnenwarmen Platz vor dem Dom ist die Dunkelheit und Kühle im Inneren gewöhnungsbedürftig für die Augen und Sinne und etwas bedrückend. Da, wo die vielen Touristen Schlange stehen, ist der Fahrstuhl, der aufs Dach führt. Wenn man die Zeit hat: ruhig anstellen und hochfahren, die Aussicht über die Stadt von dem begehbaren Domdach aus ist herrlich. Rechts vor dem Domplatz erreicht man durch einen Triumphbogen die Viktor-Emanuel-Gallerie, eine Einkaufsgallerie aus dem 19. Jahrhundert, deren Glasdach, Fresken und Mosaike mit den Wappen italienischer Städte im Boden, neben dem Dom, die wohl bekanntesten Fotos von Mailand sind.





Glaskuppel der Einkaufsgalerie Vittorio-Emanuele


Fotos: Wikipedia


In der Gallerie gibt es viele Markenboutiquen mit Türstehern, von denen man sich nicht einschüchtern lassen soll – immer dran denken: Die lieben eure Kreditkarten, denen seit ihr selber egal! Also nicht schüchtern: Kopf hoch und immer hineinspaziert! Am anderen Ende der Gallerie erreicht man die weltberühmte Mailänder Scala, eines der renommiertesten Opernhäuser der Welt. Zum Unterschied von der Oper in Sydney, die auch von außen architektonisch auffällt, sieht die Scala so unscheinbar aus, dass man glatt daran vorbeiläuft, wenn man nicht aufpasst. Die zahlreichen hochklassigen Erstaufführungen während ihres mehr als 200jährigen Bestehens haben zur Berühmtheit der Scala beigetragen. Also Kunstbanausen aufgepasst, hier geht es um innere Werte! Lieber eine Opernkarte kaufen und sich dann erst eine Meinung bilden, nicht bloss vorbeilaufen und sich wundern, wieso die Scala so berühmt ist, obwohl sie architektonisch so langweilig aussieht wie ein Finanzamt.


Natürlich gibt´s in Mailand auch jede Menge Museen und Pinakotheken, aber so toll Tintoretto, Caravaggio oder Raphael auch gewesen sein mögen, dafür fliegt kaum jemand nach Mailand! Die kann man auch in anderen grossen Museen der Welt bewundern. Nach Mailand fliegt man, um Modisches einzukaufen, oder zumindest die Schaufenster der Modeboutiquen zu begaffen und nach Herzenslust teure Designerklamotten anzuprobieren. Die man sich im Grunde gar nicht leisten kann. In zehn Minuten Spazierreichweite vom Dom entfernt, in der Via Montenapoleone, ist alles, was Rang und Namen hat in der Modebranche, in Flagschiffboutiquen vertreten. Im berühmten Viereck der Mode, begrenzt von Via Montenapoleone, Via Andrea, Via Gesù, Via Borgospesso und Via della Spiga, bieten die Modeschöpfer mit den klangvollen Namen ihre sündhaft teuren Kreationen an.


Je nach Alter fühlt man sich mehr oder weniger angesprochen von verschiedenen Marken. Kleines Designermode-Einmaleins: Armani, Channel, Versace, Dior, Yves Saint Laurent und Prada sind erst ab 40 interessant. Die Marken sind mit den Designern gealtert. Louis Vuitton, Dolce & Gabbana, Hugo Boss und Calvin Klein sind schon ab Mitte 20 tragbar, Roberto Cavalli, Salvatore Ferragamo, Valentino sind ein Traum von Eleganz und heben die Weiblichkeit der jungen Trägerin hervor. Die Schuhboutique von Stuart Weitzman ist ein Muss für zierliche Damen, weil es da Schuhgrößen ab 34 gibt und an Jimmy Choo darf sowieso keine Frau, die etwas auf ihre Schuhe hält, vorbeigehen. Was hochwertige Materialien ausmachen und wieso die Schuhe so sündhaft teuer sind, merkt man erst, wenn man feststellt: Es gibt tatsächlich Schuhe, die man nicht erst zu Hause “einlaufen” muss, bevor man sich damit in die Welt traut, die keine Blasen bilden und nirgends reiben, selbst beim ersten Tragen ohne Strümpfe nicht. Einfach nicht auf den Preis schauen und anprobieren – Probe verpflichtet nicht zum Kauf, keine Sorge, aber unbedingt die Einwegstrümpfe verwenden, bevor man die Schuhe anprobiert, sonst ist das mit der Kaufverpflichtung vielleicht doch eine mögliche Konsequenz.


Wenn man sich dann am Ende einen Kühlschrankmagneten kauft als Andenken an Mailand und keine Jahresgehälter ausgegeben hat, macht das nichts. Wichtig ist, da gewesen zu sein, gesehen, anprobiert zu haben und eine Ahnung zu bekommen von der Supermodelllaufstegwelt, die man sonst nur im Fernseher sieht.

Willkommene Schneebrüche


Der Jahrhundertschnee vom vergangenen Februar könnte ein Segen für die Holzschlagunternehmen sein. Es gehört nämlich zum Tagtäglichen, dass die Forsteinrichtungen ihre Einschlaggenehmigungen viel leichter rausrücken, wenn eine Naturkatastrophe vorausgegangen war. Das war auch in der kommunistischen Zeit nicht anders – man denke an die großflächigen Schneebrüche in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts in den nördlichen Ostkarpaten und in der Bukowina, in deren Folge Forstleute aus ganz Rumänien dort konzentriert wurden, um das zu Fällende zu markieren, weil man massive Angriffe des Borkenkäfers befürchtete. Und die Berge der Bukowina sind kahlgeschlagen worden.


Unter den jetzigen Bedingungen, wo ein hoher Prozentsatz der rumänischen Neureichen ihr Vermögen mit dem Holz der Karpatenwälder vermehren, sind Naturkatastrophen ein wahrer Segen für die Mauschler unter dem Deckmantel der Legalität. Denn „Naturkatastrophen“ sind legale Vorwände, um Wälder flächendeckend zu fällen, die sonst noch mindestens ihre 20-30 Jahre hätten wachsen müssen, bevor sie unter die Motorsäge kommen.


In der Praxis läuft das so: Wenn, wie im vergangenen Februar geschehen, in noch nicht schlagreifen Holzschlägen unter der Last des Feuchtschnees ein paar Bäume zusammenbrechen, wird der betreffende Schlag flugs zur Schneebruchzone erklärt und zum Abernten freigegeben. Es kommt die Forsteinrichtung, stellt die Situation unter den wohlwollenden Blicken der Holzschlagunternehmen fest – in den Forsteinrichtungen sind die Löhne gering, jede Lohnaufbesserung willkommen... – und schon kommt der Markierhammer und die Motorsäge. Das Vorgehen ist umso prompter, je näher zu guten Straßen sich der betreffende Forstschlag befindet.


Denn laut Forstleuten ist die Zahl der Forststraßen, die von den Holzschlagunternehmen rumänienweit gebaut wurden, um schlagreife Wälder zu erschließen, an den Fingern von zwei Händen abzuzählen! Mehr noch: die seit zwei Jahren mit EU-Geldern gebauten Forststraßen werden kaum (bis überhaupt nicht) genutzt, entweder weil an ihrem Ende noch keine schlagreifen und markierten Wälder liegen, oder weil solche Gelegenheitskatastrophen wie unlängst nach obigem Vorgangsschema ausreichend Möglichkeiten bieten, ans Holz auch ohne Forststraßenbau zu kommen.


Damit werden aber die Straßen – in der Regel National- oder Kreisstraßen – die von den Forsttransportern genutzt werden, im Eiltempo zugrundegerichtet. Im Banater Bergland gab es mehrere Versuche, die Forsttransporte mit Sonderabgaben zu belegen, um die Instandhaltung der Straßen, die von ihnen vernichtet werden, zu finanzieren. Alle sind gescheitert.


Jetzt, wo durch Firmenkonzentrationen, aber auch durch gestiegene Reparatur- und Instandhaltungskosten der Fahrzeugparks die ersten Holzschlagunternehmen eingehen, wird der (eindeutig von Forstunternehmen verschuldete) schlechte Straßenzustand dafür verantwortlich gemacht. Ein Teufelskreis.

Werner Kremm

Bürgermeister ist Willkür der Politik ausgesetzt

Gheorghe Ciuhandu bleibt trotzdem Bauernpartei treu/ Von Siegfried Thiel


Zunächst stand die Entmachtung von Vizebürgermeister Adrian Orza zur Debatte, nun stellt der Temeswarer Großunternehmer Emil Cristescu den Bürgermeister Gheorghe Ciuhandu in Frage. Beide Stadtspitzen gehören der christ-demokratischen Bauernpartei (PNTCD) an und wegen fehlender politischer Unterstützung aus Regierung und Parlament haben sie keinen leichten Stand. Cristescu hatte – wie die ADZ bereits berichtete – das Stadtoberhaupt Ciuhandu als „Gefahr für Temeswar” hingestellt. Diese Aussage geht eben auf die fehlende politische Unterstützung zurück: Der Bürgermeister würde in gegenwärtiger politischer Lage kaum Geld aus Bukarest für Temeswarer Projekte erhalten, hatte Cristescu gesagt und Ciuhandu empfohlen, die Partei zu wechseln und sich einer der beiden großen Regierungsparteien anzuschließen.



Oft berufsbedingt zwischen lokalen Größen aus PDL und PSD. Trotzdem bleibt Gheorghe Ciuhandu (Bildmitte) seiner Partei treu.

Archivfoto: Zoltán Pázmány

Ciuhandu zeigte sich auf die dementsprechende Nachfrage der Banater Zeitung entrüstet über solcher Art Aussagen. „Es ist nicht akzeptabel, dass eine Administration von der politischen Couleur des Stadtoberhauptes abhängig gemacht wird“, sagte Ciuhandu. Nicht zuletzt betonte er, dass er bisher (einschließlich im Kommunismus), Mitglied einer einzigen Partei gewesen ist, und diese sei die PNTCD. „Und dies wird auch so bleiben”, betonte Ciuhandu.


Zum selben Thema äußerte sich auch der Abgeordnete der Deutschen Minderheit Ovidiu Gant – nicht zuletzt schon deshalb, weil das Deutsche Forum im Banat innerhalb der Allianz für den Kreis Temesch Gheorghe Ciuhandu als Bürgermeister unterstützt. Es liege am Demokratieverständnis, sagte Gant zu der Aussicht, den Bürgermeister und seine Unterstützung von der Parteizugehörigkeit abhängig zu machen. „Das Problem liegt eigentlich nicht bei Ciuhandu. Es kann nicht sein, dass ein Bürgermeister und die Gelder für eine Ortschaft von der Willkür der Minister und der Politik beeinflusst werden“, argumentiert Gant, der einen Parteiwechsel aus finanziellen Hintergründen „politische Prostitution“ nennt.


Kernfrage bleibt: Was würde geschehen, wenn nun die derzeitige Regierungskoalition noch während dieser Legislaturperiode auseinander gehen und eine neue Mehrheit geschaffen würde? Die logische Folge im Falle politischer Abhängigkeit der Verwaltung: Ein erneuter Parteiwechsel vieler Bürgermeister wäre so gut wie vorprogrammiert, oder gar Pflicht.

Das Banat – ein Raum der Erinnerung


Über die Flucht vor den Russen, die Russland- und die Baragan-Deportation


Temeswar – „Banatul din memorie. Studii de caz“ („Das Banat aus der Erinnerung. Fallstudien“) heißt der von Dozentin Dr. Smaranda Vultur (West-Universität Temeswar) herausgegebene Band, der unlängst in der Buchhandlung „Cartureşti“ (Florimund Mercy-Straße 7) in der Stadt an der Bega vorgestellt wurde. „Ein Dokumentationsbuch über die Erinnerung des Banats“, so die Herausgeberin. Mehrere Hochschullehrer verschiedener Bildungsrichtungen an derselben Universität beteiligten sich am Erscheinen dieses Buches. So enthält dieses Texte aus dem Bereich der Literatur, der Geschichte, der Soziologie und der Anthropologie. Die Autoren sind größtenteils bekannte Namen der hiesigen Kulturszene, wie Adriana Babeti, Cornel Ungureanu, Pia Branzeu, Valeriu Leu, Vasile Docea, Alin Gavreliuc und Otilia Hedeşan, aber auch jüngere Autoren wie Simona Adam, Daciana Branea, Gabriela Glavan und Dana Percep.



Bei der Buchvorstellung: Univ.-Doz. Dr. Smaranda Vultur (stehend, links), Univ.-Prof. Dr. Adriana Babeţi (Bildmitte) und der Schriftsteller Viorel Marineasa (im Vordergrund)

Foto: privat

Der Band erschien im Rahmen eines über den CNCSIS-Grant geförderten Forschungsprojektes, wodurch auch die Ausarbeitung der Hompage www.memoriabanatului.ro (die ADZ berichtete darüber) zustande kam. Das Buch „Banatul din memorie“ wurde im Temeswarer Marineasa-Verlag gedruckt und kann um den Preis von 15 Lei in den Temeswarer Buchhandlungen „Esotera“ (Lucian Blaga-Straße 10) und derjenigen im Erdgeschoss der West-Universität (Vasile Pârvan-Blvd 4) erstanden werden.


Die Buchvorstellung wurde von einem Treffen mit zwei Vertretern der deutschen Minderheit, Frau Margareta-Eva Docea und Stefan Ehling, begleitet. In der Moderation von Smaranda Vultur erzählten die beiden Gäste über das Deutschtum und ihre eigene Lebensgeschichte, auch mit die wichtigsten Erfahrungen der Eltern und Großeltern – vor allem Begebenheiten, die ihr Leben geprägt haben, wie etwa die die Russland-, die spätere Bărăgan-Deportation oder die Flucht der Banater Schwaben vor der Roten Armee im Jahre 1944. Über Letztere sprach Margareta-Eva Docea (Geborene Schannen), die Mutter des Historikers Vasile Docea, die in einem recht zarten Alter mit ihren Eltern aus der Temescher Ortschaft Perjamosch/Periam auf Anregung der sich zurückziehenden deutschen Truppen flüchtete. Es sind von den Eltern überlieferte Informationen: u.a. von der Straße, wo die Familie Schannen wohnte, flüchteten insgesamt vier deutsche Familien, von denen ein Jahr später nur die Familie Schannen aus Oberösterreich in der Nähe von Linz zurückkehrte. (Berichte zu diesem Thema sind in der zwischen 2004-2006 in der Banater Zeitung veröffentlichten „Auf der Flucht“-Serie zu lesen.)

Martin Reiter

Buch zum Projekt „Weltethos“


Lehrer können jederzeit an die Themen im Unterricht anknüpfen / Von Ana Saliste

Die Schlussfolgerungen und die wichtigsten Schwerpunkte des Projektes „Weltethos in Rumänien“, das im vergangenen Jahr mit deutschsprachigen Schüler- und Studentengruppen aus Rumänien, Bulgarien und der Republik Moldau organisiert wurde, sind nun in einem Buch zusammengefasst worden. Das Buch wurde Anfang des Jahres veröffentlicht und wird an den Schulen, die am Projekt teilgenommen haben, verteilt. Herausgeber ist Dr. Rolf Willaredt, Fachberater für Deutsch und deutschsprachigen Fachunterricht (DFU) im Auftrag der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) und Initiator des Projektes. „Durch dieses Buch wird eigentlich die Intention des Projektes fortgesetzt. Jedes der Themen kann auch in anderen Klassen zu einem Unterrichtsgegenstand werden, denn die Lehrer können es im normalen Unterricht einbauen“, sagt Rolf Willaredt.


Das Buch dokumentiert den Weg und die Ergebnisse des internationalen, interkulturellen und fächerübergreifenden Unterrichtsprojektes zur Vorbereitung der Prüfung zum Deutschen Sprachdiplom und im Rahmen des deutschsprachigen Fachunterrichts. Hauptziel des Projektes ist die Sprachförderung der deutschen Sprache an Schulen und Universitäten, aber nicht in Verbindung mit einzelnen isolierten Themen. Der Themenrahmen umspannt die Bereiche Religion, Politik, Ökologie, Medizin, Soziales, Kultur und Kunst. Ein Wissensfeld erstreckt sich auch über die großen Weltreligionen. Das Projekt ist desgleichen für alle Fächer des deutschsprachigen Fachunterrichts geeignet und kann jederzeit wieder mit anderen Teilnehmern wiederholt werden. Es dient zur Verbesserung der Sprachkompetenz auf jeder Stufe und bietet Gelegenheit zur fächerübergreifenden Teamarbeit auch unter den Lehrern. Der schüleraktive Unterricht wird favorisiert, damit die Schüler in den Stunden mehr als die Lehrer zu Wort kommen.


„Weltethische Themen“ im Vordergrund

Mehr als 1200 Schüler der Klassen 5. – 12. aus den etwa 20 Schulen, wo das Deutsche Sprachdiplom erworben werden kann, nahmen am „Projekt Weltethos“ teil. Eingeteilt auf Gruppen, sollten sich die Schüler mit „weltethischen Themen“ konfrontieren, wie zum Beispiel Religion, Ethik, aber auch Jugendkriminalität, Straßenkinder und Umweltverschmutzung. Die Gruppen sollten sich ein Thema auswählen und dazu ein Projekt erarbeiten.



Gruppenbild beim Endseminar in Mediasch

Dabei wurden nicht nur jene Schüler, die Deutsch als Muttersprache (DaM) studieren, sondern auch Schüler, die Deutsch als Fremdsprache (DaF) lernen, angesprochen. Rund 30 Prozent der Teilnehmer waren DaF-Schüler. „Die DaF-Schüler, die vielleicht die sprachliche Kompetenz nicht haben wie die DaM-Schüler, die aber das entsprechende Alter dazu haben, um über anspruchsvolle Themen zu reflektieren, versuchen dann im Rahmen ihrer Sprachfähigkeit besonders motiviert Sprachfortschritte zu machen. Das Thema sollte möglichst mit dem normalen Unterrichtsstoff gekoppelt werden. Die Schüler erstellen ein Projekt, bereiten sich aber im Idealfall gleichzeitig auch für den normalen Unterricht vor“, erklärt Rolf Willaredt. Mit Hilfe den ihnen gemäßen Themen wird somit auch bei DaF-Schülern ein Lernerfolg mit mehr Freude möglich.


Innerhalb des Projekts konnten die Schüler die Themen auch aus ethischem und religiösem Gesichtspunkt behandeln. „Es gibt keinen Weltfrieden ohne Religionsfrieden“, ist der Satz von Hans Küng, über den die Schüler in besonderer Weise nachdenken sollten, so Rolf Willaredt. Die interkulturelle Kompetenz wurde damit angesprochen.


Kontakte mit Sozialeinrichtungen weiter gepflegt

Viele Gruppen, die soziale Themen ausgesucht hatten, besuchten soziale Einrichtungen und Hilfsorganisationen – Altenheimen, Einrichtungen für Obdachlose, usw. Die Projekte wurden in die Klassen getragen und schließlich dann im Rahmen eines Seminars in Mediasch vorgestellt (die ADZ/BZ berichtete).



„Projekt Weltethos in Rumänien“ - nun auch als Buch

Fotos: privat



Das Buch umfasst eine Zusammenfassung aller Projekte, Hintergrundinformationen, Fotos sowie Zeitungsartikel, die zum Thema veröffentlicht wurden, sowie einen Beitrag zum welthistorischen Kontext der Religionen, von Hans Küng, dem international bekannten Theologen, Autor und katholischen Priester. Dem Buch sind auch zwei CDs beigefügt, die Fotos, sowie Radioberichte und Powerpoint-Präsentationen enthalten.


Zwar gilt das von der Zentralstelle für das deutsche Auslandsschulwesen initiierte und koordinierte Projekt „Weltethos“ als abgeschlossen, dessen Auswirkungen sind aber noch heutzutage zu sehen und sollen nachhaltig bleiben. Die Schüler können die Themen, die sie im Rahmen des Projektes bearbeitet haben, bei der Prüfung zum Deutschen Sprachdiplom wieder aufnehmen. Zahlreiche Kontakte wurden mit sozialen Einrichtungen geknüpft und werden [heutzutage] noch weiter gepflegt. „Mein Hauptwunsch ist es, dass man den Fortbildungsansatz nicht als etwas Abgeschlossenes sieht. Schülerzentrierter Unterricht zur Verbesserung der Sprachkompetenz mit lebensnahen Themen hat einen wichtigen Platz im modernen Unterricht aller Fächer. Es ist ein Geflecht, das in einigen Jahren alle erreichen sollen“, schließt der Fachberater für Deutsch.


Zurzeit läuft das Projekt „Johann Wolfgang von Heute“. Der Stand der dabei angesprochenen Themen ist vorläufig nur ein Zwischenstand. Das wird erfahrungsgemäß noch konkreter im Verlaufe des Monats, wenn die Schülergruppen zu Ergebnissen gekommen sind.


Der alte Redoutensaal in neuem Glanz

Moderner Saal für zwei Temeswarer Schaubühnen


Gute Gründe zum Feiern: In festlichem Rahmen eröffnete das DSTT und das Ungarische Staatstheater „Csiky Gergely“ der nach einer umfassenden Sanierung und Modernisierung in neuem Glanz erstrahlenden Großen Theatersaal. In dem ehrwürdigen Redoutensaal, der auf eine reichhaltige Tradition von 134 Jahren zurückblicken kann, jetzt harmonisch in den Grundfarben Blau und Weiß gehalten, waren bei dieser Zeremonie zahlreiche hohe Gäste aus dem In- und Ausland, Vertreter des Parlaments, der Lokal- und Kreisbehörden, der Kultur- und Geschäftsszene, viele gute Freunde und ein dankbares Publikum mit von der Partie. Präsent waren u.a. Füzes Oszkár, der Botschafter Ungarns in Bukarest, der deutsche Vizekonsul Uwe Zorn, DFDR-Abgeordneter Ovidiu Gant, Gheorghe Ciuhandu, Bürgermeister der Stadt Temeswar und Zoltan Marossy, Vizepräfekt des Kreises Temesch. DSTT-Intendant Lucian Varsandan, ein offensichtlich glücklicher Theatermanager, nannte das Ereignis in seiner Ansprache demnach auch treffend „einen wahren Feiertag für das Theater“.


Der 134jährige Theatersaal mit neuem Image

Foto: DSTT

Mit großzügigen Mitteln des Temeswarer Stadtrats wurde im Sommer 2008 die längst fällige Sanierung des von beiden Schaubühnen gemeinsam genutzten Saals durchgeführt. Sämtliche Sitzplätze wurden mit einem einheitlichen Amphitheater-System (126 Sitzplätze) ersetzt, der Saal erhielt zudem ein neues Akustiksystem-, eine moderne Ton (Tonmixer)- und Beleuchtungsanlage (Lichterorgel).


Der Saal (Ball- oder Redoutensaal) wurde 1872-1875 als Bestandteil des nach Plänen der Wiener Architekten Fellner und Helmer in der Stadtmitte errichteten Monumentalbaus im italienischen Renaissance-Stil eingerichtet. Das Theater erhielt den Namen Franz Josef, die Redoute wurde nach Kronprinz Rudolf benannt. Auf einer Seite war die Etagengalerie, auf der anderen das Orchesterpodium, der von Säulen geteilte Parterre hatte mehrere Eingänge. Die elektrische Beleuchtung wurde erst 1888 eingeführt, anfänglich gab es Gasbeleuchtung über Kron- und Wandleuchten. Hier gingen die wichtigsten kulturellen Veranstaltungen der Stadt (Musik, Theater, Ausstellungen, Gedenkfeier, Festessen) über die Bühne u.a. gab hier Bela Bartok 1906 sein erstes Konzert in Temeswar.

Balthasar Waitz


Auch Textilriese von schwacher Konjunktur eingeholt


Weiterer Abwärtstrend in Leichtindustrie fast vorprogrammiert


Temeswar - Der wirtschaftliche Einbruch im Betrieb für Konfektionen und Borten Pasmatex in Temeswar ist erheblich: 2008 ging der Umsatz der Pasmatexgruppe gegenüber dem Vorjahr um ganze 15 Prozent zurück. In diesem Jahr peilt die Aufsichtsratspräsidentin Maria Grapini das Vorjahresniveau an. Also weit von der Planung von 2007 entfernt, als ein jährliches Wachstum von 15 Prozent erwartet wurde. Die Rezession begann, laut Grapini, ab Oktober 2008, als die Aufträge aus der Automobil- und Möbelindustrie, aber auch in der Mode-Sparte drastisch zurückgegangen sind. Die Krise hat jedoch die gesamte Textilbranche erfasst. Die Zahl der Beschäftigten ist 2008 um 14 Prozent von 340.000 auf 298.000 Arbeitnehmer zurückgegangen. Maria Grapini, auch Vorsitzende des Unternehmerverbandes aus der Leichtindustrie (FEPAIUS), sagt, dass es dringend Unterstützung vom Staat bedarf, wenn man nicht weitere 15-20 Prozent der Arbeitsplätze in der Textilindustrie gefährden wolle.


Maria Grapini

Laut Maria Grapini hat letztes Jahr innerhalb der Pasmatex-Gruppe allein die Pasmatex-Conf, die Damenunterwäsche herstellt, schwarze Zahlen geschrieben und wesentlich am Umsatz in Höhe von fünf Millionen Euro der gesamten Unternehmensgruppe mit Hauptsitz an der Jiul-Straße in Temeswar beigetragen. „Die Aufträge sind mühsam an Land zu ziehen und von geringer Stückzahl”, klagt Grapini. Die Gewinnspanne sei bei Kleinserien viel geringer, da der Hersteller weder seine Produktion noch seine Materialeinkäufe richtig planen kann, zitiert Mediafax die Unternehmerin.


Die geringe Nachfrage hat die Pasmatex-Veratwortlichen veranlasst, drei betriebseigene Läden (je einen in Temeswar, Bukarest und Neustadt/Baia Mare) zu schließen. Geblieben sind zwei Läden in Temeswar und ein Show-Room in der Hauptstadt. Pasmatex unterhält fünf Betriebe, für Borten, Textilfaden, Konfektionen, Damenunterwäsche und Modedesign. Grapini ist überzeugt, dass die fehlende Unterstützung des Staates in der Krisensituation zu einem unausgeglichenen Wettbewerbsverhältnis mit westeuropäischen Firmen führe, da in diesen Staaten die Industrie Fördermittel erhält. Die hohen Bankzinsen in Rumänien führen letztendlich zu hohen Produktionskosten und will man diese durch den Preis decken, werden die rumänischen Waren aus dem Markt gedrängt, resümiert Grapini über die derzeitige Wirtschaftslage der rumänischen Textilindustrie.


Haupteingang zum Pasmatexbetrieb
Fotos: Zoltán Pázmány

Aus den Statistiken des Unternehmerverbandes FEPAIUS geht hervor, dass die Rumänen pro Jahr und Kopf etwa 80 Euro für Konfektions- und Textilwaren ausgeben. In Westeuropa sollen es denselben Daten zufolge zwischen 1200 und 1500 Euro sein. Durch den Rückgang der Pro-Kopf-Investition in Kleidung bestehe die Gefahr, dass sich die Zahl der Fälschungen und Raubkopien verdreifacht, was die einschlägige rumänische Industrie noch mehr in Schieflage bringen könnte, lässt Grapini Pessimismus walten.

Siegfried Thiel

Eine neue „unmögliche Herausforderung“


Temeswarer „No limits“-Team will Weltrekorde in Deutschland brechen/ Von Andreea Oance


17 Stunden lang auf einen Boxsack eindreschen - diesen Ausdauerweltrekord schaffte der ehemalige Kickboxer Stefan Cojocnean aus Temeswar im vergangenen Jahr in Deutschland. „Impossibility Challenger“ heißen die Weltrekord-Spiele in Dachau bei München, die jährlich veranstaltet werden.


Stefan Cojocnean trainiert auf den Straßen Temeswars das Stelzen-Rennen.

Foto: privat


2008 kickte und drosch Cojocnean auf einen Boxsack und einen Thaibox-Sack 17 Stunden lang ein, mit nur fünf Minuten Pause pro Stunde und 15 Minuten Pause alle fünf Stunden. Der Rumäne überwand damals zum dritten Mal das bishin noch angeblich Unmögliche und teilte seine Kräfte ein. Dann versprach er, im kommenden Jahr, also 2009, andere Rekorde zu brechen und sogar neue Weltrekorde aufzustellen.


Nun ist es soweit. Am 28. und am 29. März ist wieder die Zeit des „Impossibility Challenger“ in Dachau. Diesmal ist der 37-jährige Stefan Cojocnean aber nicht allein. Fünf junge Mädchen werden ihn in diesem Jahr las „No Limits-Team“ nach Deutschland begleiten. 17 Weltrekorde wollen sie zusammen, als Team, brechen, darunter aus den Sportbereichen Judo, Turnen, Kickboxen/Thaiboxen, Shotokan, Fußball, Basketball und sogar unglaubliche Geschicktheit auf Rollschuhen und Stelzen (Power-Risers) beweisen.


Cojocnean will in diesem Jahr vier Rekorde brechen: Eine Meile auf den sogenannten „Power-Risers“ (Stelzen) will er in weniger als sieben Minuten zurücklegen. Der Weltrekord bei dieser Probe wurde im vergangenen Jahr ins Guiness-Buch der Rekorde eingetragen. Der Autor ist der Amerikaner Ashrita Furman - der 54-Jährige ist mit seinen fast 200 Weltrekorden als „König des Guiness-Book´s“ bekannt. Der Temeswarer Cojocnean entwickelte aus dieser Probe eine andere: Geschwindigkeit auf Stelzen, aber gleichzeitig auch Seilspringen. Einen anderen Rekord will der Temeswarer auch im Bereich des Seilspringens aufstellen: mehr als 255 Sprünge in einer Minute. Der letzte Rekord, den er brechen will, ist mehr als 15 Minuten Kopfstand auf einem fahrenden Auto.


Die Mädchen aus seinem No-Limits-Team sind Studentinnen an der Sporthochschule in Temeswar und zwischen 19–38 Jahre alt. Romelia Visa (19) will je mehr Lowkicks in einer Stunde schlagen (diesen Weltrekord stellt ein Mann mit 2800 Kicks!) und acht Stunden auf einen Boxsack eindreschen. Silvia Usain (20) will zwei Rekorde im Bereich des Judos und des Fußballs aufstellen. Anda Ignat (19) will zehn Stunden Basketball auf Rollschuhen spielen, Melinda Ratiu (38) will einen Geschwindigkeits- und einen Ausdauerrekord aufstellen: 100 Meter und eine Meile auf Stelzen zurücklegen. Die meisten Rekorde will aber Elena Zbora (19) aufstellen – sechs Weltrekorde, zwei im Bereich der Kampfkunst und vier im Turnen.


Vor vier Jahren brach Stefan Cojocnean seinen ersten Weltrekord: Basketball auf Rollschuhen über zehneinhalb Stunden. Zwei Jahre später stellte er seinen eigenen Rekord ein: Er spielte Basketball auf Rollschuhen - 25 Stunden lang. Im vergangenen Jahr baute er seinen Rekord von 15 auf 17 Stunden auf einen Boxsack einzuschlagen aus. Laut Cojocnean begann alles aus dem Willen heraus, die Grenzen seines eigenen Potenzials auszuloten und sich selbst und seinen inneren Schweinehund zu überwinden.


Die Gesamtkosten für diese „unmögliche Herausforderung“ liegen laut Cojocnean bei etwa 7000 Euro. Dafür hat er bereits Gespräche mit der Telefon-Gesellschaft Orange Romania geführt und hofft nun auf deren Unterstützung. Rekordanwärter aus fast 15 Ländern bewerben sich jährlich bei den „Impossibility Challenger“-Spielen. Cojocnean und sein No-Limits-Team sind die einzigen Teilnehmer aus Rumänien.



Werkswohnungen zu versteigern


Noch keine Lösung für die Mieter gefunden


wk. Anina – Das im Juli 2007 pleiteerklärte Bergbauunternehmen SC Miniera Banat Anina wird über den gerichtlich bestellten Liquidator Stück für Stück verkauft, um den Gläubigern zumindest einen Teil der ausstehenden gelder zu erstatten. Nun kommt die Reihe an die Werkswohnungen – die Reihenhäuser, die zwischen 1880 und 1920 gebaut wurden, um günstige Wohnungen für das seinerzeit expandierende Unternehmen zu schaffen, das in jenen Jahren neben Kohlenbergbau auch Holzverarbeitung und Metallerzeugung (aus dem Blackband) sowie Schieferölerzeugung (durch Verdampdung und Kondensierung des Ölschiefers) betrieb.


Das pleitegegangene Kohlenbergbauunternehmen Anina (im Hintergrund) und Werkswohnungen als Reihenhäuser, in der für das Banater Bergland typischen Anordnung.

Foto: Zoltán Pázmány



Jeden Mittwoch finden nun in Anina Versteigerungen der rund 100 Werkswohnungen statt, die zum Zeitpunkt der Pleitererklärung noch dem Bergbauunternehmen gehört haben. Die Stadtleitung befürchtet in der Folge schwere soziale Unruhen, weil rund 100 Familien – die Mieter – obdachlos werden. Und Bürgermeister Gheorghe Neicu hat der Liquidationsfirma vorgeschlagen, die Wohnungen der Stadt zu einem Vereinbarungspreis zu überlassen – die Stadt werde binnen 90 Tagen ihrer daraus folgenden Zahlungsverpflichtung nachkommen.


Neicu: „Die Antwort des Liquidators zögert sich hinaus. Ich finde, es ist richtig unmenschlich, mitten im Winter hundert Familien auf die Straße zu setzen. Denn Geld zum Kauf ihrer Mietwohnungen haben diese Mieter, die meisten Arbeitslose, keines.“


Rund um die Auflösung des Bergbauunternehmens Anina gibt es seit 2007 Querelen zwischen der Stadt und dem Liquidator. Bürgermeister Neicu wirft zum wiederholten Mal dem gerichtlich bestellten Liquidator vor, „durch sein Vorgehen 200 Jahre Industriegeschichte zunichte“ zu machen, indem erst alles, was aus Stahl und Eisen war, zerstückelt und als Alteisen verkauft wurde – einschließlich der alten Dampfmaschinen, die man früher als Hebemaschinen am Grubeneingang benutzt hatte – wonach zur Verscherbelung der Grundstücke und nun der Immobilien geschritten wurde. Alles angeblich mit Genehmigung der Generalversammlung der gerichtlich registrierten Gläubiger – von welcher die Stadt nichts weiß, obwohl sie als einer der Hauptgläubiger des Bergbauunternehmens auftritt: „Keiner hier im Rathaus kann sich erinnern, je an einer solchen Generalversammlung teilgenommen zu haben, auf der von Schritten des Liquidationsvorgangs gesprochen wurde!“, sagt Neicu.


Die Stadt hat versucht, mittels Aide-Memoires an die Regierung und ans Ministerium für Kultur den Raubbau an der (Industrie-)Geschichte zu stoppen. Es gibt unter anderem auch ein Konzept, gemeinsam mit dem Museum des Banater Montangebiets in Anina ein Industriemuseum einzurichten. Auch mittels einer Eingabe beim Justizministerium soll diese Art der Vernichtung der Zeugnisse der Vergangenheit einer Ortschaft gestopp werden, indem beispielsweise der gerichtlich bestellte Liquidator ausgetauscht wird. Doch bislang ist alles vergebens.


Rechtlich gesehen hat der Liquidator sogar recht, so lange er sich im Rahmen des Gesetzes 85/2006 bewegt. Moralisch und sentimentalisch bewegt er sich aber wie der Elefant im Porzellanladen. Auch wenn er sich auf seine guten Beziehungen zum Kreisratspräses Sorin Frunzaverde beruft – von denen letzterer nicht zu wissen behauptet.



Reiseziel Ada Kaleh?


Tourismusministerium an Donautourismus interessiert


wk. Drobeta-Turnu Severin – Das Tourismusministerium hat über den Leiter seiner Abteilung Kommunikation, Stefan Lungu, mitgeteilt, dass es bereit sei, die kommunalen Autoritäten entlang der Donau, unterhalb des Donaustaudamms beim Eisernern Tor I, beim Ausbau touristischer Objekte, vor allem von Anlegestellen für Donau-Kreuzfahrtschiffe, zu unterstützen.


Svinita in der Donauklamm – eine Ortschaft mit Potenzial
Foto: Zoltán Pázmány

Desgleichen sei man auf der Suche nach einem Interessenten, der ein Schiff betreuen möchte, das Radler übersetzen kann auch ans andere Donauufer, die den von der GTZ Belgrad erschlossenen Donauradweg nutzen, aber auch zur Erschließung von Radlerzielen am rumänischen Ufer in der Donauenge.


Lungu teilte mit, dass der Kreisrat Mehedin]i binnen vier Wochen dem Ministerium seine Vorschläge zum Auf- und Ausbau touristischer Ziele vorlegen soll. Besonderes Augenmerk wolle das Tourismusministerium der alten türkischen Donaufestung Ada Kaleh widmen. Nachdem die Insel Ada Kaleh vom Donaustausee Eisernes Tor I unter Wasser gesetzt wurde und man die Türkenfestung auf eine Insel unterhalb des Staudamms, im Golf von Timian, verlegt hatte, ist diese seit über 30 Jahren in Vergessenheit geraten. Nun will das Tourismusministerium eine Trinkwasserleitung auf die Donauinsel verlegen und damit in Ada Kaleh zivilisierte Bedingungen schaffen. In Turnu Severin überlegt man es sich auch, die gerettete Inselfestung aus der Türkenzeit mit dem linken Donauufer mittels einer Seilbahn zu verbinden und aus dem Ostrov Timian und der Donauinsel mit der Türkenfestung ein Ziel des Wochenendtourismus zu machen.


Im weitesten Sinne in die selbe Richtung geht ein Projekt der Agentur für wirtschaftlich-soziale Entwicklung Karasch-Severin/Caras-Severin: der Ausbau des Straßenzugangs zum künftigen Grenzübergang Socol/Sokolarac-Zlatita, der kürzesten Verbidnung zum heute serbischen Banater Städtchen Weißkirchen/Biserica Alba/Bela Crkva und der Donauklamm, durch welche die Donaustraße DN 57 an Serbien anzuschließen ist. Das Projekt berührt im weitesten Sinn auch ein rumänisch-serbisches Abkommen über die Eröffnung des neuen Grenzübergangs.