Milano: Die Modemetropole schlechthin / Von Nareda Cerdy
Mailänder Dom
Obwohl die Franzosen den Begriff “haute couture” erfunden haben, ist Mailand heute die Modemetropole schlechthin, dichtgefolgt, aber unüberholt, von Paris, London, New York und Tokyo. Und das, obwohl die meisten italienischen Modedesigner ihren Hauptsitz in Rom haben. Selbst wenn man Klamotten bei weltweit aktiven Kaufhausketten wie H&M oder P&K in Milano kauft, haben die ein gewisses Etwas, bloß weil sie aus Mailand sind. Als ob Stil ansteckend wäre und etwas von der klassischen Eleganz und den luxuriösen Stoffen der Markenlabels abfärben würde auf die Massenprodukte.
Aus Temeswar gibt es täglich ausser sonntags recht günstige Direktflüge nach Mailand und mit Wizzair kann man drei mal wöchentlich noch günstiger fliegen - wenn man frühzeitig bucht. Alle Flughäfen sind sehr weit von der Stadt entfernt, mit mindestens einstündigen Fahrtzeiten, die vor allem bei der Rückreise einzuplanen sind. Taxifahren ist dementsprechend teilweise so teuer wie der Flug selber, also sind die öffentlichen Verkehrsmittel empfehlenswerter. Es macht Sinn, ein Hotel zu wählen, das in der Nähe des Mailänder Doms liegt, denn dann ist man in Spazierreichweite aller Sehenswürdigkeiten und vor allem aller Einkaufsgelegenheiten...
Der gotische Mailänder Dom ist auch der bestmögliche Ausgangspunkt für eine Stadtbesichtigung. Er hebt sich von allen anderen Gebäuden ringsherum ab, durch seine komplizierte, filigran verzierte Fassade, die seine massige Größe (es ist die viertgrößte Kirche der Welt) gerade ausreichend erscheinen lässt für die Vielzahl von Verzierungen und Details, die in ihrer Komplexität an Gaudis Sagrade Familia in Barcelona erinnern, wenn auch in einem komplett anderen Baustil. Die Italiener sind streng katholisch: Den Dom darf man nur mit bedeckten Schultern betreten.
Also Damen aufgepasst, keine Spagettiträgertops oder wenn, dann Schal oder Tuch mitnehmen und die Schultern bedecken, sonst wird man von den Türstehern höflichst gebeten, sich zu bedecken, bevor man die Erlaubnis bekommt, den Dom zu betreten. Im Kontrast zu dem lichtüberfluteten, sonnenwarmen Platz vor dem Dom ist die Dunkelheit und Kühle im Inneren gewöhnungsbedürftig für die Augen und Sinne und etwas bedrückend. Da, wo die vielen Touristen Schlange stehen, ist der Fahrstuhl, der aufs Dach führt. Wenn man die Zeit hat: ruhig anstellen und hochfahren, die Aussicht über die Stadt von dem begehbaren Domdach aus ist herrlich. Rechts vor dem Domplatz erreicht man durch einen Triumphbogen die Viktor-Emanuel-Gallerie, eine Einkaufsgallerie aus dem 19. Jahrhundert, deren Glasdach, Fresken und Mosaike mit den Wappen italienischer Städte im Boden, neben dem Dom, die wohl bekanntesten Fotos von Mailand sind.
Glaskuppel der Einkaufsgalerie Vittorio-Emanuele
Fotos: Wikipedia
In der Gallerie gibt es viele Markenboutiquen mit Türstehern, von denen man sich nicht einschüchtern lassen soll – immer dran denken: Die lieben eure Kreditkarten, denen seit ihr selber egal! Also nicht schüchtern: Kopf hoch und immer hineinspaziert! Am anderen Ende der Gallerie erreicht man die weltberühmte Mailänder Scala, eines der renommiertesten Opernhäuser der Welt. Zum Unterschied von der Oper in Sydney, die auch von außen architektonisch auffällt, sieht die Scala so unscheinbar aus, dass man glatt daran vorbeiläuft, wenn man nicht aufpasst. Die zahlreichen hochklassigen Erstaufführungen während ihres mehr als 200jährigen Bestehens haben zur Berühmtheit der Scala beigetragen. Also Kunstbanausen aufgepasst, hier geht es um innere Werte! Lieber eine Opernkarte kaufen und sich dann erst eine Meinung bilden, nicht bloss vorbeilaufen und sich wundern, wieso die Scala so berühmt ist, obwohl sie architektonisch so langweilig aussieht wie ein Finanzamt.
Natürlich gibt´s in Mailand auch jede Menge Museen und Pinakotheken, aber so toll Tintoretto, Caravaggio oder Raphael auch gewesen sein mögen, dafür fliegt kaum jemand nach Mailand! Die kann man auch in anderen grossen Museen der Welt bewundern. Nach Mailand fliegt man, um Modisches einzukaufen, oder zumindest die Schaufenster der Modeboutiquen zu begaffen und nach Herzenslust teure Designerklamotten anzuprobieren. Die man sich im Grunde gar nicht leisten kann. In zehn Minuten Spazierreichweite vom Dom entfernt, in der Via Montenapoleone, ist alles, was Rang und Namen hat in der Modebranche, in Flagschiffboutiquen vertreten. Im berühmten Viereck der Mode, begrenzt von Via Montenapoleone, Via Andrea, Via Gesù, Via Borgospesso und Via della Spiga, bieten die Modeschöpfer mit den klangvollen Namen ihre sündhaft teuren Kreationen an.
Je nach Alter fühlt man sich mehr oder weniger angesprochen von verschiedenen Marken. Kleines Designermode-Einmaleins: Armani, Channel, Versace, Dior, Yves Saint Laurent und Prada sind erst ab 40 interessant. Die Marken sind mit den Designern gealtert. Louis Vuitton, Dolce & Gabbana, Hugo Boss und Calvin Klein sind schon ab Mitte 20 tragbar, Roberto Cavalli, Salvatore Ferragamo, Valentino sind ein Traum von Eleganz und heben die Weiblichkeit der jungen Trägerin hervor. Die Schuhboutique von Stuart Weitzman ist ein Muss für zierliche Damen, weil es da Schuhgrößen ab 34 gibt und an Jimmy Choo darf sowieso keine Frau, die etwas auf ihre Schuhe hält, vorbeigehen. Was hochwertige Materialien ausmachen und wieso die Schuhe so sündhaft teuer sind, merkt man erst, wenn man feststellt: Es gibt tatsächlich Schuhe, die man nicht erst zu Hause “einlaufen” muss, bevor man sich damit in die Welt traut, die keine Blasen bilden und nirgends reiben, selbst beim ersten Tragen ohne Strümpfe nicht. Einfach nicht auf den Preis schauen und anprobieren – Probe verpflichtet nicht zum Kauf, keine Sorge, aber unbedingt die Einwegstrümpfe verwenden, bevor man die Schuhe anprobiert, sonst ist das mit der Kaufverpflichtung vielleicht doch eine mögliche Konsequenz.
Wenn man sich dann am Ende einen Kühlschrankmagneten kauft als Andenken an Mailand und keine Jahresgehälter ausgegeben hat, macht das nichts. Wichtig ist, da gewesen zu sein, gesehen, anprobiert zu haben und eine Ahnung zu bekommen von der Supermodelllaufstegwelt, die man sonst nur im Fernseher sieht.












