Mittwoch, 14. Oktober 2009

Rumänische Riviera

Dass der Tourismus, wo er seinen Einzug hält, nicht mehr viel von der Realität übrig lässt, ist bekannt. Es ist ja nicht nur so, dass er die Einheimischen zu Kellnern und Zimmermädchen macht, sie zum Service erklärt, und damit sich selbst zum umworbenen Arbeitgeber, er verändert buchstäblich alles, was um ihn herum ist. Dabei erhält nicht nur jeder Gegenstand seine touristische Funktion, die Orte selbst werden ihm zugeordnet, im besten Fall werden sie zu Attraktionen dekretiert.

Der Tourismus ist eine Art Zirkus ohne Zelt. Zu seinem Spektakel gehört alles zwischen Himmel und Erde, und über all das und noch viel mehr verfügt letzten Endes er, der Tourist, der Pauschaltourist, und das mit dem Ziehen einer einzigen Waffe, die auch noch schlecht geladen sein kann, der Kreditkarte. An ihr hängt der Rest der Welt wie an einem Tropf.

Seit einiger Zeit nun konnte man annehmen, die Angelegenheit sei durch nichts mehr zu überbieten. Hat sich der Tourist doch unter Zuhilfenahme der Last-Minute-Strategie zum Beherrscher von Luft und Wasser erhoben, zum Beobachter des Temperierens, wenn man so will.

Aber es kam dann doch noch was hinzu. Nachdem die cleveren Verkäufer von Luft und Wasser, die Rundum-Animateure, herausgefunden hatten, dass die Touristen ja gar nicht auf was Neues aus sind, dass sie vielmehr den Wiedererkennungseffekt suchen, den Geschmacksverstärker und die Allerweltsdisco, den austauschbaren Turnschuh, gingen sie dazu über, den Orten, die sie neu erschlossen haben, Namen zu geben, die bereits bekannt sind, um damit den beruhigenden Eindruck zu vermitteln, dass es an dem neuen Ort nichts zu befürchten gebe, dass jedenfalls nicht die Gefahr bestehe, auf was Neues, was Unbekanntes zu stoßen. Als wollte man sagen: Auch dort ist unser Bier. Und nichts als das. Ihr könnt es euch bequem machen.

Diese Art Veranstalter wäre durchaus in der Lage, selbst die Hölle zum Wohlfühlort umzugestalten, zur Schnupperhölle. Man muss allem, was ist, nur den richtigen Erlebniswert verpassen und es dem entsprechend umbenennen.

So wurde die türkische Ägäis, ihre zugebaute Küste, plötzlich zur türkischen Riviera ernannt, und die türkischen Frauen an der Hotelrezeption waren mit einem Mal allesamt blond gefärbt. Seither sehen sie wie blondgefärbte Italienerinnen aus. Das Konzept muss aufgegangen sein, denn es hat Schule gemacht. Wir haben inzwischen auch eine Rumänische Riviera, am Schwarzen Meer. Sie lockt uns in den Katalogen und aus dem Netz.

Was hätte Ovid wohl dazu gesagt. Er, der Dichter, an die Rumänischen Riviera verbannt! Zum Zwangsaufenthalt unter Touristen verurteilt. Zum Glück ist es ihm erspart geblieben. Wenigstens ihm.

Richard Wagner

Vier Jahrzehnte deutsche Begegnungsstätte

Die VHS Temeswar feierte ihr 40. Jubiläum


Das lange Leben und der Erfolg der Temeswarer deutschen Volksuni waren im Oktober 1968 bei der Gründung dieser gefragten Vortragsreihe kaum vorauszusehen. Ihr Vater, kann man heute ruhig sagen, war Prof. Erich Pfaff, Gründer und erster VHS-Lektor in einem, ihre Mutter die Lenauschule, der der rührige Lehrer damals vorstand. Nach vier Jahrzehnten ununterbrochener Tätigkeit entwickelte sich diese vielbesuchte Vortragsreihe aus der „Ära Pfaff“, nach der Wende und trotz dem Aderlass der deutschen Bevölkerung, im Rahmen des DFDT zu einer richtigen Volksuni im AMG-Haus, einer Begegnungsstätte der Deutschen aus Temeswar und dem Banat. Die am Wochenende im AMG-Haus veranstaltete Feier zum Anlaß des 40. Jubiläums lief demnach auch unter dem schönen, alten Motto „Aus Temeswar, aus dem Banat, aus Rumänien, aus Europa und aus der ganzen Welt“.

Angesichts der vielen treuen Hörer, darunter auch „Veteranen“, brachte Volksuni-Leiterin Dipl. Ök. Alexandrina Paul zum Auftakt der Feierlichkeiten im Festsaal ihre Genugtuung zum Ausdruck: “Vierzig Jahre, das ist ein halbes Menschenleben!“ DFDT-Vorsitzende Luise Finta führte darauf Revue dieser vier Jahrzehnte anhand eines Dia-Vortrags, der gleichzeitig mit kostbaren Erinnerungen in Wort und Bild auch das Material für das in Kürze erscheinende Jubiläumsbuch der VHS abgeben soll. Erinnert wurde dabei an das stetige Werden der VHS, die Tätigkeit der drei Volksuni-Leiter, Erich Pfaff (1968-1993), Stefanie Funk (1993-1997) und Alexandrina Paul (1997-2009).

Gewürdigt wurde die Langjährige Tätigkeit der nach der Wende immer zahlreichetr gewordenen hauseigenen Volksuni-Lektoren aus den verschiedensten Tätigkeitsbereichen: Lucia Atanasiu, Roland Cucuruz, Franz und Luise Finta, Arthur Funk, Annemarie Podlipny-Hehn, Peter Kottler, Eugen Szabo, Alexandrina Paul, Stefan Boleraz, Magdalene Maringer, Charlotte Theiss, Else von Schuster, Marius Terchila usw.

Als interessante Kostprobe hielt Prof. Peter Kottler zum Anlaß des Schiller-Jahres 2009 einen Vortrag über unvergessliche Zitate von Friedrich Schiller. Im AMG-Haus war auch ein Rundtischgespräch zum Thema der weiteren Gestaltung der Volksuni-Tätigkeit anberaumt. Am Samstag stand Annemarie Podlipny-Hehn den Teilnehmern und Gästen für eine Stadtführung in Temeswar zur Verfügung. Abschließend boten am Sonntag die Kulturgruppen „Temeswarer Liederkranz“, „Bunter Herbstreigen“ und als Gast der Reschitzaer „Franz-Stürmer“-Chor ein Kulturprogramm im AMG-Festsaal.

Balthasar Waitz



Volksuni-Leiterin Alexandrina Paul eröffnet die Jubiläumsfeier im AMG-Festsaal

Foto: Zoltán Pazmány

Hundert Jahre Piaristenschule

bw. Temeswar - Die römisch- katholische Diözese Temeswar und das Temeswarer katholische Gerhardinum-Lyzeum veranstalten am 15.-18. Oktober eine großangelegte Feier zum Anlaß des 100. Jubiläums seit dem Bau des Temeswarer Piaristenkomplexes. Eingeleitet werden die Feierlichkeiten morgen, um 19 Uhr, mit einem Festkonzert in der Temeswarer Piaristenkirche. Es treten auf György Kurtag, der aus Lugosch stammende weltbekannte Komponist (Frankreich), der Musiker Lászlo Roth (Israel), ehemalige Schüler der Piaristenschule und der Chor des Gerhardinum-Lyzeums. Die festliche Eröffnung der Jubiläumsfeier findet am Freitag, dem 16. Oktober, um 10 Uhr in der Aula Magna des Lyzeums statt. Es sind mehrere Ansprachen und Vorträge zur Geschichte des Piaristen-Gymnasiums, die Präsentierung der Monographie des Lyzeums und des Piaristenklosters (Autor: der Temeswarer Historiker János Szekernyés) sowie die Enthüllung einer Gedenktafel anberaumt. Für Samstag, den 17. Oktober, ist um 10 Uhr ein Treffen der ehemaligen Absolventen der Piaristenschule aus dem In- und Ausland in der Piaristenkirche vorgesehen. Zum Abschluß der Jubiläumsfeier hält József Ruppert, der Vertreter des Piaristenordens aus Rom, am Sonntag, dem 18. Oktober, um 18 Uhr, eine heilige Dankesmesse in der Piaristenkirche.

Ins Banat kam der Lehrorden der Piaristen schon 1750, 1788 kamen die Piaristenpater auf Verordnung von Kaiser Josef II. von einer ersten Mittelschule in Sanktanna nach Temeswar. Der Schulkomplex, einschließlich Internat, Kirche und Kloster, wurde 1909 nach einem Entwurf des Stadtarchitekten Laszlo Szekely errichtet. 1948 wurde diese Banater Eliteschule vom kommunistischen Regime geschlossen. In Nachfolge der Piaristenschule gründete die Diözese 1992 das nach dem Hl. Gerhard benannte Gerhardinum-Lyzeum, die einzige katholische Lehranstalt Temeswars.



Der ehrwürdige Piaristenkomplex: Ein Jahrhundert Stadtgeschichte

Foto: Zoltán Pázmány

BANAT AKTUELL

Kirwa in Wolfsberg

Das 138. Kirchweihfest findet am Samstag, dem 17. Oktober, in Wolfsberg/Garâna statt. Das Fest wird vom Demokratischen Forum der Deutschen in Wolfsberg und dem A.K. „Banat-JA“ e.V. Deutschland und Rumänien organisiert. Das Fest beginnt um 11 Uhr mit einer Heiligen Messe in der römisch-katholischen Kirche. Um 12.30 Uhr wird der Kirchweihbaum aufgestellt. Um 20 Uhr ist der Kirchweihball angesagt. Im vergangenen Jahr beteiligten sich 41 Paare an der traditionellen Wolfsberger „Kirwa“.


Ausgrabungen bei Cornesti

Die Archäologen des Banater Museums setzten die Ausgrabungen bei Cornesti, Kreis Temesch/Timis, fort. Fachleute aus Deutschland, den USA und Rumänien sind für drei Wochen an der Ausgrabungsstätte tätig, um das Grundstück geo-magnetisch zu scannen. Bei Corne{ti befindet sich die größte Festung aus der Bronzezeit in Europa. Diese ist über 3500 Jahren alt und erstreckt sich auf 1800 Hektar. Die Ausgrabungen werden voraussichtlich 15 – 20 Jahre dauern.


Elektronische Musik

Das Festival für elektronische Musik TM09BASE findet vom 15. bis zum 17. Oktober in Temeswar/Timi{oara statt. Es ist bereits das 12. Mal, das das Ereignis in der Stadt an der Bega organisiert wird. Die meist erwarteten DJs und Gruppen sind in diesem Jahr Bassface Sascha aus Deutschland, High Contrast, The Qemists und True Ingredients aus England, Netik aus Frankreich, u.a. Auch in diesem Jahr steigt die rumänische Gruppe [uie Paparude auf die Bühne. Der Eintritt zum Festival kostet insgesamt 70 Lei.


Vest Fashion

Die sechste Leichtindustriemesse „Vest Fashion“ beginnt heute im mobilen Pavillon auf dem Parkplatz des Billa-Einkaufszentrums an der Circumvala]iunii-Straße. Die Messe steht den Besuchern bis zum 18. Oktober offen. Besucher können hier Kleidung, Schuhe, Kosmetika und Schmuckgegenstände zu „moderaten Preisen“ erwerben, versprechen die Veranstalter. 80 Firmen aus Rumänien, Ungarn und Indien werden ihre Ware ausstellen. Die Eintrittskarte kostet zwei Lei. Die Expo kann täglich von 10 bis 20 Uhr besucht werden.

Zusammengestellt von Raluca Nelepcu

Inter- und Multikulturalität im Banat

Internationale Germanistik-Tagung in Temeswar

In der Zeitspanne 23.-24. Oktober veranstaltet der Temeswarer Germanistik-Lehrstuhl, gemeinsam mit der West-Universität, der Hanns-Seidel-Stiftung und der Österreich-Bibliothek Temeswar die internationale Tagung „Inter- und Multikulturalität im Banat“. Veranstaltungsorte sind die West-Universität (Raum 248), das Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus (Festsaal, Foyer), die Österreich-Bibliothek (Raum 401) und das Deutsche Staaatstheater Temeswar. Eröffnet wird die Veranstaltung am Freitag, um 9 Uhr, im AMG-Festsaal mit Ansprachen und Grußworten von Prof. Dr. Roxana Nubert, Leiterin des Temeswarer Germanistik-Lehrstuhls, und von Prof. Dr. Hanns-Peter Niedermeier, Leiter des Förderungswerks der Hanns-Seidel-Stiftung München. Am ersten Tagungstag sind im AMG-Haus von 9,30 bis 20.30 Uhr Vorträge anberaumt .

Referate zu Problematik des multikulturellen deutschen Sprachraums und zu Themen der interkulturellen Kommunikation präsentieren Karl Stocker, Margit Riedel (München), Michel Cullin (Wien), Günther Ofner (Graz), Vilma Göte (Miercurea Ciuc) und Karla Lup{an (Temeswar). In der Sektion Interkulturalität und das Banat kommen Vorträge über Aspekte aus dem Werk der Banater Schriftsteller Otto Alscher (Gabriela Sandor- Temeswar), Franz Liebhard (Maria Stânga-Temeswar), Balthasar Waitz (Robert G. Elekes-Kronstadt), C²t²lin Dorian Florescu (Graziella Predoiu-Temeswar) zu Gehör. Andreas Pogany, Roxana Nubert und Laura Micu (Temeswar) referieren über Aspekte der mehrsprachigen und deutschsprachigen Banater Literatur. Über interkulturelle Aspekte rumäniendeutscher Literatur am Beispiel der Werke von C.D. Florescu, Eginald Schlattner, Richard Wagner, Karin Gündisch und Joachim Wittstock berichten Veronica Buciuman (Großwardein). Melanie Goina (Sanktanna), Petra Kory und Tanja Becker

(Temeswar), Mariana Virginia Lazarescu (Bukarest) und Carmen Elisabeth Puchianu (Krinstadt). Desgleichen sind Vorträge zum Thema DSTT in interkultureller Perspektive sowie Dialektologie als Interkultureller Prozeß (Moderation Peter Kottler) anberaumt.

Zum Abschluss des ersten Tages findet um 19.30 Uhr eine Lesung des Hermannstädter Autors Joachim Wittstock statt. Am Samstag, um 8.30 Uhr hält Erhard Peter Müller (München) einen Workshop über Theaterpädagogik. Im Rahmen der Sektion Interkulturalität und Österreich (Moderation Beate Petra Kory) sind Vorträge über Stefan Zweig (Karin Dittrich-Temeswar), Michael Scharang (Gottfried Schnödl-Wien), Max Reinhardt (Isabella Kesselheim-Budapest) und Titu Maiorescu (Ana-Maria Romi]an, Bogdan Mihai Dasc²lu – Bukarest) eingeplant. Die Beiträge werden im siebenten Band der Temeswarer Beiträge zur Germanistik veröffentlicht.

Im kulturellen Rahmenprogramm sind außer der Lesung mit Joachim Wittstock noch ein Auftritt des Theaterensembles Duo Bastet (Transylvania-Universität Kronstadt) und die Tage der offenen Tore an der Österreich-Bibliothek (19.24. Oktober) eingeplant. Im AMG-Foyer wird am 23. Oktober ein Bücherstand mit Veröffentlichungen der Temeswarer Germanisten eingerichtet.

Balthasar Waitz

Aus der Kindheit einer Nobelpreisträgerin

Wie die Bewohner aus Nitzkydorf den Erfolg der Schriftstellerin finden / Von Ana Sălişte

Still ist es an diesem sonnigen Oktobertag vor Herta Müllers Geburtshaus. Still ist es in allen Gassen des kleinen Banater Nitzkydorf, rund 30 Kilometer von Temeswar entfernt. Das Bellen einiger Hunde und das Schnattern der Gänse sind zwischen den etwas verwahrlosten Häusern zu hören. Menschenstimmen hört man nur in der kleinen Bar mit roten Plastikstühlen. Josef Kradi, ehemaliger Nachbar von Herta Müller, trinkt Kaffee. Anton Kohl, einstiger Schulfreund von ihr, trinkt ein Bier. Ihre Blicke wirken müde. Emilia Marta, jetzige Besitzerin des Geburtshauses von Herta Müller, bäckt gerade Käsekuchen, den sie später einem deutschen Journalisten anbieten wird.

Ab und zu kommt ein Dorfbewohner zu Fuß oder auf dem Fahrrad vorbei. Autos sind kaum auf den Gassen zu sehen. Dass hier die 56-jährige Nobelpreisträgerin Herta Müller geboren ist, interessiert die Vorbeigehenden kaum. „Ich kenne sie nicht“, sagt eine Frau, die gerade am Geburtshaus vorbeigeht. „Fragen sie die jüngeren Leute, vielleicht wissen die was“, meint sie und trägt ihren halb vollen Sack auf der Schulter weiter. Manche der Dorfbewohner gucken misstrauisch zu den fremden Gesichtern der Journalisten hinüber, die neugierig zu ihren Höfen blicken. Andere weichen ihnen aus, wenn diese sie ansprechen wollen. Die Reporter selbst reden kaum miteinander und beäugen sich misstrauisch. Geistiger Diebstahl beginnt bei der Dokumentation.


Der Rumänischlehrer liest aus ihren Büchern vor

„Viele Bewohner sind einfache Bauern und kannten Herta Müller nicht. Erst nach diesem großen Medienrummel haben sie was von ihr gehört“, sagt Tiberiu Laurenţiu Buhnă-Dariciuc, Rumänischlehrer an der Allgemeinbildenden Schule in Nitzkydorf. Er hat die Kinder mit Herta Müllers Werke vertraut gemacht, ihnen daraus vorgelesen. „Es fiel mir ziemlich schwer, Auszüge auszuwählen, die Kinder nicht abschrecken“, sagt er lächelnd.

Tagtäglich pendelt er aus Silasch/Silagiu, um die 250 Schüler, die die Schule in Nitzkydorf besuchen, zu unterrichten. Stolz kommt er uns mit einem Buch von Herta Müller entgegen. 2005 hat er in Temeswar ein Autogramm von ihr bekommen. Er wollte die Schule nach ihr benennen. Die Schriftstellerin war aber dagegen. „Sie meinte, sie will nur durch ihre Werke bekannt bleiben, nicht durch Plakatierung an irgendwelchen Schulen“, sagt Buhnă-Dariciuc.

Im Dezember – wenn die feierliche Nobelpreisverleihung an Herta Müller stattfindet - will er gemeinsam mit Schulsekretärin Anneliese Ivan ein Schulfest veranstalten. „Wir müssen das sorgfältig planen“, sagt er zu Anneliese. Er besitzt alle ins Rumänische übersetzten Bücher von Herta Müller und interessiert sich schon seit Jahren für ihr Leben. Im Dorf sind ihre Bücher nirgends zu finden. Keine Schulbibliothek, längst keine Buchhandlung. In Temeswar sind in den letzten Tagen alle ihre Bücher ausverkauft worden.


Neun Schwaben leben noch in Nitzkydorf

Als Herta Müller noch ein Kind war, lebte im rumänischen Banat eine große Gemeinde von Schwaben. Mehrere süddeutsche Dialekte schmolzen dabei zusammen. „Einerseits war der schwäbische Dialekt da, andererseits ware es der österreichische Dialekt, von den Kolonisten aus Tirol“, erinnert sich eine Dorfbewohnerin. Derzeit leben aber nur noch neun Schwaben in Nitzkydorf. Die anderen sind entweder gestorben oder ausgewandert. Auch Herta Müller ist 1987 mit ihrem damaligen Mann, Richard Wagner, nach Westberlin geflohen.

Ukrainer und Moldauer wurden in den 80-er und 90-er Jahren im Dorf ansässig. Deshalb ist die katholische Kirche fast jeden Sonntag leer. Nur einmal im Monat wird eine heilige Messe für die verbliebenen Katholiken von einem Priester zelebriert, der aus dem 10 km entfernten Busiasch/Buzias kommt. Eine 88-jährige Schwäbin ist die Einzige, die noch die traditionelle Alltagstracht trägt. Oft sitzt sie einsam vor ihrem Haus. An Herta Müller kann sie sich nicht erinnern.


Die Schwaben warfen ihr Nestbeschmutzung vor

Die Meinungen der hier gebliebenen Schwaben über die Nobelpreisträgerin sind geteilt. „Sie wird von manchen Schwaben misstrauisch beäugt“, sagt Ivan. „Sie fühlten sich betrogen, weil Herta Müller viel Intimes über sie preisgegeben hat, in ihrem ersten Buch ´Niederungen´. Die Schwaben empfanden das als Nestbeschmutzung. Wollten ihr das immer vorwerfen. Haben sie aber nicht mehr getroffen“, erzählt sie, während sie Herta Müllers Abschlussdiplom der achten Klasse aus einer hölzernen alten Schublade holt.

„Sie war eine sehr gute Schülerin. Hatte nur Höchstnoten. Nur in Rumänisch hatte sie in der ersten Klasse eine Sieben. Wahrscheinlich, weil sie die Landessprache in der Schule erst erlernt hat – in einem Dorf, wo alle deutsch - schwäbisch – sprachen. Denn sie selbst hat zugegeben, sie hätte erst spät Rumänisch gelernt“, sagt Anneliese Ivan.

Auch die in Rente gegangene Lehrerin Mărioara Doboşan erinnert sich an die Schriftstellerin, als diese noch im Kindergarten war: „Ich hab´ sie auch heute noch vor den Augen, in ihrer Uniform mit blau karrierter Musterung. Immer sehr energisch und ständig mit den Mädchen zusammen. Herta war nicht eingebildet, obwohl ihre Eltern sehr reich waren“, sagt Doboşan, während sie zwischen den hölzernen Bänken eines etwas dunklen Klassenzimmers langsam spaziert, als ob das ihr dabei helfen würde, sich besser an das zierliche Mädchen von damals zu erinnern. Das Lehrerpult und manche Möbelstücke sind vielleicht noch die gleichen von Herta Müllers Schuljahren, die Bänke aber ganz bestimmt nicht.

In der Schule sind noch zwei Bücher aus ihrer Bibliothek zu finden: „La Medeleni“ (Bei Medeleni) von Ionel Teodoreanu, ein Roman über Kindheit und Jugend und „Gefährliche Liebschaften“ von Choderlos de Laclos. Ihr Name steht noch, mit blauer Tinte geschrieben, auf die ersten Seiten der Bücher. „Ihre Mutter hat vor dem Auswandern alle ihre Habseligkeiten verkauft“, erinnert sich Anneliese Ivan.


Herta Müllers Mutter zu Besuch

Das Haus von Herta Müller hatten wir auf der Hauptstraße entdeckt, ein graues Eckhaus. Auf der einen Seite sind noch die alten Rollläden zu sehen, ein wenig verrostet. Die Fenster auf der anderen Seite sind mit Wärmedämmfenstern ersetzt.

Die Lehrerin Emilia Marta ist 1987 - einen Monat, nachdem Herta nach Deutschland ausgewandert ist - ins Haus eingezogen. Im Garten treffen wir einen Journalisten von DIE ZEIT. Emilia Marta erzählt ihm gerade von ihrem Umzug: „Alles war ordentlich und sauber. Richtig beeindruckt war ich von den Erdbeeren im Garten“, sagt sie. „Ihre Eltern waren reich, sie hatten einen Laden und sie verkauften auch viel Getreide aus eigener Produktion“, ist das, was Marta damals von den Dorfbewohnern über Herta Müllers Familie erfahren hat. Sie ist 1987 aus Siebenbürgen hierher gezogen ist. Anfang der 90er Jahre, während der Frühlingsferien, bekam sie Besuch von Hertas Mutter. „Sie war sehr aufgeregt und hatte Tränen in den Augen“, erinnert sich Emilia Marta.

Neben dem Geburtshaus entdecken wir den Nachbarn von Herta Müllers Familie, Josef Kradi. Er sitzt einsam auf der kleinen Bank vor seinem Haus und ahnt sofort, wer wir sind. Kradi ist der Verwalter des Friedhofs und fährt bei Begräbnissen den Leichenwagen des Dorfes. An diesen Tagen hat er mehreren Journalisten den Grabstein von Herta Müllers Vater, Josef Müller, der 1978 gestorben ist, gezeigt. Anbei sind auch ihre Großeltern mütterlicherseits begraben, Franz und Elisabeth Gion. Von Hertas Nobelpreis hat Josef Kradi von den Journalisten erfahren. „Ich habe vor ein paar Tagen drei Autos vor ihrem Haus gesehen und habe die Nachbarn gefragt, was die wollen. Die haben mir dann gesagt, die Herta hat was gewonnen“, sagt Kradi.


Herta Müller – ein Vorbild für die Kinder von Nitzkydorf

„Herta und ihre Familie haben hier viel gelitten“, bilanziert Schulsekretärin Anneliese Ivan. Ihr Großvater war ein wohlhabender Bauer und Kaufmann, der von den Kommunisten enteignet wurde. Herta Müllers Mutter musste 1945 zur Zwangsarbeit in die UdSSR. Herta Müller selbst war ständig von Sekuritate-Leuten und deren Handlangern verfolgt. Kühl und bitter erzählt sie in einem Artikel, wie sie das Essen mit Entsetzen schluckte, voller Angst, dass es vergiftet sein könnte. Mehrere Male wollte sie sich das Leben nehmen. Ihre Bücher zeugen von traurigen Erinnerungen an diese düstere Vergangenheit. “Vielleicht vermeidet sie deshalb diesen Ort. Das Böse hat sich aber auch zu etwas Gutem gewandelt. Hätte sie nicht so Vieles erlebt, hätte sie auch nicht darüber geschrieben und vielleicht keinen Nobelpreis bekommen. Ich finde es toll, dass sie damit ausgezeichnet wurde“, meint Anneliese Ivan. Sie würde sich freuen, wenn Herta Müller ihre alte Schule besuchen würde und den Kindern von ihrer Kindheit in Rumänien erzählte, wie im Hörbuch „Die Nacht ist aus Tinte gemacht.“ „Herta Müller könnte für die Kinder ein Vorbild sein“, schließt Anneliese Ivan.



Das Geburtshaus von Herta Müller


Anneliese Ivan und der Rumänischlehrer Tiberiu-Laurentiu Buhna-Dariciuc


Herta Müllers Abschlussdiplom der achten Klasse


Josef Kradi, Nachbar von Herta Müller und Verwalter des Friedhofs

Fotos: Zoltán Pázmány

Ab im Ballon und auf in den Himmel!

Jede Fahrt mit dem Heißluftballon - ein pures Erlebnis/ Von Andreea Oance


„Glück ab und Gut Land!“ das ist ein Gruß, den sich jeder Ballonfahrer merken muss. Die Faszination für den Ballonflug ist seit der Erfindung des Heißluftballons im 18. Jahrhundert ungebrochen. Das älteste Luftfahrzeug des Menschen, so wie der Heißluftballon bekannt ist, wurde nach heutigem Wissen von den Brüdern Joseph Michel und Jacques Etienne Montgolfière erfunden. Die ersten Ballonfahrer in der Geschichte waren Jean-François Pilâtre de Rozier und der Gardeoffizier François d’Arlandes, die am 21. November 1783 aus dem Garten des Schlosses La Muette bei Paris mit einem Heißluftballon aufstiegen.

Ballonfahren blieb bis zum Anfang des 20. Jahrhundert hauptsächlich den Adeligen vorenthalten. Deshalb wird jeder Passagier nach der sicheren Landung durch die traditionelle Ballonfahrertaufe in den Adelsstand der Lüfte erhoben. Die Ballonfahrertaufe geht aus alten Traditionen hervor und wird noch heute strengstens eingehalten. Bei der Jungfernfahrt des Passagiers präsentiert der Ballonpilot die Geschichte des Heißluftballons. Letztendlich gehören Erde, Feuer und ein Schluck Sekt dazu (letzterer zum Löschen des Feuers!). Jeder Passagier muss sich seinen Adelstitel merken. Laut Tradition müssen sich die Luftballonfahrer mit dem Adelstitel vorstellen. Wer seinen Adelsnamen vergisst, der muss Getränkerunden an alle ausgeben.

Fliegen beim Sonnenaufgang

Noch vor dem Sonnenaufgang treffen sich Ballonfahrer auf dem Parkplatz eines Supermarktes am Stadtrand von Temeswar/Timi{oara. Früh am Morgen – dies ist der beste Zeitpunkt für eine erfolgreiche Ballonfahrt. Die Temperatur, der Luftdruck und der Wind spielen eine große Rolle. Auch abends, vor dem Sonnenuntergang, bietet die Ballonfahrt ein schönes Erlebnis.

Etwa 20 Kilometer von der Stadt entfernt, auf einem Ackerfeld bei der Temescher Ortschaft Billed/Biled helfen alle mit beim Aufbau des Ballons und bei den Startvorbereitungen. Zuerst wird der Korb mit Gasbehältern und Brenner vorbereitet, dann die Ballonhülle ausgebreitet. Die platte Hülle wird mit kalter Luft gefüllt mittels Ventilatorgebläse, danach wird die Luft durch den Brenner erwärmt. Eine Stunde später kann dann der Ballon starten. Ab in den Korb und dann in den Himmel! Mit nichts anderem als heißer Luft steigt der Ballon in die Höhe. Bis zu 2.000 Meter kann ein Ballon aufsteigen. Wir schweben jedoch bei etwa 140-200 Meter über die Erde. Allein der Wind bestimmt die Richtung. Einmalige Aussichten und die unglaubliche Ruhe begeistern jeden Ballonfahrer, so dass Minuten wie Sekunden vergehen, Stunden, wie bloß einige Minuten.

Es ist nicht möglich, einen Ballon direkt zu steuern. Um die Fahrtrichtung und Geschwindigkeit zu bestimmen, werden die verschiedenen Windrichtungen und -geschwindigkeiten ausgenutzt. Diese sind bei unterschiedlichen Höhen voneinander verschieden. Durch gezieltes Steigen oder Sinken können Winde so ausgenutzt werden, um sich einem gewünschten Ziel zu nähern. Durch Betätigung des Brenners wird die Luft in der Hülle erwärmt, wodurch der Ballon steigt. Durch langsames Abkühlen der Luft beginnt der Ballon wieder zu sinken.

Wir schweben und schweben: Ackerfelder, Schafherden, Feldhasen und sogar Rehe scheinen von oben wie kleine Ameisen. Der Ballon fliegt über Ortschaften und lässt für einige Minuten Menschen mit ihren Blicken in die Luft verweilen. Jede Fahrt ist vom Wind bedingt. Nie kann man genau sagen, wann der Heißluftballon landet. Wir schweben schon seit einer Stunde von Billed in Richtung Warjasch/Varia{. Das Landen ist immer eine Herausforderung, sagen sogar die Profis. „Ein Heißluftballon hat immer Feuer am Bord und endet immer mit einer Notlandung“, sagt ein Sprichwort. Ein „sanfter“ Boden sollte es sein: Diesmal war es ein Feld voller Maisstoppeln. Die bremsen effizienter.


Ein „himmlisches Erlebnis“: Der Ballon YR-9014 (www.balloony.ro) steigt in die Luft.



Die Verfasserin – „Gräfin von Warjasch“ – bekommt die Ballonfahrertaufe.

Fotos: Andreea Oance, Claudiu Patt

Neues Onkologiezentrum in Temeswar

Patienten werden jährlich kostenlos behandelt


Ein modernes Onkologiezentrum wurde vor Kurzem in Temeswar/Timisoara an der Ciprian-Porumbescu-Straße Nr. 59 geöffnet. Die Einrichtung kam durch den Verein „ONCOHELP“, die Kosmetikfirma „Avon Cosmetics România“ und den Rotary-Club Temeswar zustande. Der Verein „ONCOHELP“ wurde vor vier Jahren von Ärzten und Krebspatienten gegründet und hat als Ziel die Gründung neuer medizinischer Einrichtungen.

Die gesamte Investitionssumme beläuft sich auf rund 300.000 Euro, fast die Hälfte davon (140.000 Euro) wurde von „Avon Cosmetics“ gespendet. Der Temeswarer Verein der Unternehmerinnen rückte dafür rund 40.000 Euro heraus, die in den vergangenen Jahren bei zwei Wohltätigkeitsbällen gesammelt wurden. Weitere anonyme Spenden von Krebspatienten wurden gemacht. Auch der Temeswarer Rotary-Club unterstützte das Unterfangen mit rund 20.000 Euro.

Die feierliche Eröffnung fand Anfang Oktober statt. Bürgermeister Gheorghe Ciuhandu und der Rektor der Temeswarer Medizinhochschule Stefan Dragulescu wohnten der Veranstaltung bei. „Ich finde es bemerkenswert, dass sich so viele Menschen für dieses Onkologiezentrum eingesetzt haben. Ich gestehe, dass ich am Anfang skeptisch war, dass dieses Projekt erfolgreich umgesetzt wird. Aber nun ist dies ein Beweis dafür, dass die rumänische Gesellschaft ihre Mentalität geändert hat, im guten Sinne“, sagte Bürgermeister Ciuhandu bei der Eröffnung.

Über 1.000 Patienten können jährlich im neuen Spital kostenlos behandelt werden. Das Krankenhaus erstreckt sich über 1.000 Quadratmeter und verfügt über 14 stationäre Betten und 18 Behandlungsplätze. Es dient als modernstes Zentrum zur Behandlung von Tumorpatienten in der Westregion. „Wir versuchen, den Patienten alles so leicht wie möglich zu machen“, sagte [erban Negru, Direktor des Zentrums. Dazu werden künftig Fernseher und Radios in den Behandlungszimmern eingerichtet, um die Chemotherapie-Patienten vom Krebsgedanken, so weit es geht, fern zu halten. Solche Zentren wurden bereits in Klausenbrug/Cluj Napoca, Iassy/Iasi und Bukarest geöffnet.

Rund 2.500 Patienten werden jährlich in Kreis Temesch/Timis mit Krebs diagnostiziert. Laut [erban Negru gibt es derzeit rund 14.000 Krebskranke im Temescher Kreis. Die häufigsten Krebsformen sind Lungen- und Brustkrebs.

Ana Saliste

CET Arad strebt Partnerschaft an

Besorgniserregende Lage der Heizlieferanten der Westregion


Die Verantwortlichen des Wärmelieferanten CET Arad lassen verlauten, dass die Gesellschaft nicht verkauft wird, sondern nur eine Partnerschaft eingehen wird. Nachdem die Entscheidung der Trennung der Gesellschaft in zwei Teile gefallen ist, gibt es jetzt auch die nötige Dokumentation und die Statistiken die einem Unternehmen, das an einer Investition interessiert ist, vorgelegt werden können. „Wir können jetzt den Unternehmen, die an einer Partnerschaft interessiert sind, sowohl unsere Erwartungen als auch unser Angebot vorlegen“, sagt Cornel Secianschi, Direktor des CET Arad.

Damit die möglichen Partner eine Übersicht über die Tätigkeit des Heizwerks haben, wurde das schwedische Unternehmen AF Consulting beauftragt, Daten zu sammeln und einen Vorvertrag auszuarbeiten. Obwohl anfangs der Preis auf 15.000 Euro festgelegt wurde, haben es sich die Schweden anders überlegt: Nun werden 50.000 Euro verlangt. „Ich bin über den Vorgang des schwedischen Unternehmens sehr enttäuscht. Wir haben einen Preis ausgehandelt, jetzt wollen sie das Dreifache. Als wir ihr Vorhaben erfahren haben, haben wir die Zusammenarbeit mit ihnen abgebrochen. Letztendlich wollten sie erneut 15.000 Euro und meinten, dass sie die Sachlage so verstanden hätten, dass CET verkauft wird und nicht eine Partnerschaft geplant wird“, fügte Secianschi hinzu.

Eine der Bedingungen für den zukünftigen Partner ist , dass keine Entlassungen vorgenommen werden dürfen. Dies jedenfalls nicht, bevor größere Investitionen in der Heizzentrale und im Vertrieb getätigt werden. „Nachdem diese modernisiert und die Arbeit automatisiert sind, kann das Problem der Kündigungen angegangen werden, bis dahin schließen wir jedoch jegliche Kündigung aus“, so Secianschi.

In Temeswar/Timisoara ist die Lage von CET auch nicht viel besser. Laut Bürgermeister Gheorghe Ciuhandu wird der Temeswarer Wärmelieferant die Tore schließen müssen, falls der Preis der Gigakalorie nicht um 15 Prozent erhöht wird. Die Präfektur hat den Stadtratsbeschluss, den Preis der Gigakalorie um 15 Prozent zu erhöhen, angefochten, zur selben Zeit jedoch meinen die Verantwortlichen der Temescher Präfektur, die Heizbeihilfen, die ebenfalls um 15 Prozent erhöht werden sollten, nicht angefochten zu haben.



Das Arader Heizwerk will sich mit einer Partnerschaft aus dem Schlamassel retten

Foto: Zoltán Pázmány

„Temeswarer Bürger mit niedrigem Einkommen können die Heizbeihilfen, die um 15 Prozent erhöht werden sollten, bekommen“, dies jedenfalls ist von den Verantwortlichen der Präfektur zu hören. Vom Bürgermeisteramt kommen jedoch schlechte Nachrichten: es gibt kein Geld dafür, jedenfalls nicht, wenn nicht zur selben Zeit auch der Preis der Gigakalorie, ebenfalls um 15 Prozent, erhöht wird.

Laut Vertreter der Präfektur Temesch/Timis wurde nur der erste Punkt des Stadtratsbeschlusses 272/2009 angefochten. Dies würde heißen, dass die Heizbeihilfen weiterhin bezahlt werden können. Die Gerichtsverhandlung, die ursprünglich für den 6. Januar 2010 vorgesehen wurde, hat man nun auf den 21. Oktober vorverlegt. Die Präfektur hatte hinsichtlich des Datums die Vorverlegung beantragt. Zur selben Zeit wurde auch vermerkt, dass von der Präfektur nur der erste Punkt des Stadtratsbeschlusses 272/2009 angefochten wird.

Der Vizebürgermeister Sorin Grindeanu sagt, dass diese Maßnahme nicht aus dem Stadthaushalt finanziert werden kann. „Es ist einfach Populismus, es gibt nicht genügend Geld. Außerdem könnten wir, falls der Preis der Gigakalorie nicht um 15 Prozent erhöht wird, in die gleiche Lage wie Kronstadt/Brasov geraten, wo der Wärmelieferant keine thermische Energie mehr liefert“, sagt der Vize der Stadt.

Olivian Ieremiciu

Was macht die Heed?

Iwer Sacklas bis Hatzfeld


Ich war neigierich, wie es derzeit um unser Heed bstellt is. Un han mich ufgsitzt un sin schnurstracks kreiz un quer derdorch kutschiert. Allererscht geger Sacklas. Ich men, es dauert gar nimi so lang, bis Temeschwar un Sacklas ens sin. Weil iwerall git gebaut, die Mehala is schun so ausgebaut, dass mer, wann mer do am End is, schun die Neibaute vun Sacklas gsieht. Doch han ich mer denke misse, is jo nit so noh meim Gschmack. Weil een stockhoches Haus is newers anri gedrickt, alles is so eng, mer kennt menne, dass derzwische nitemol Platz zum Schnaufe is. Die Sacklaser Haapgass is jo in Ordnung, die Kerch steht noch uf ihrem Platz, is a leidlich instandghal. Fascht an jedem Ecke gsieht mer e Wertshaus, oder wie des neijerdings – Kaffeebar – genennt git. Die Leit stehn un hucke rum, schlurpse an ihrem Kaffee, manche lesche de Dorscht mit eem Bier am friehe Morjet, anri mache sich schun Appetit ufs Mittachesse un vergunne sich e Ruhm.

Un wies geger Beregsau gang is, han ich mer denke misse: Ja, was macht eigentlich unser Heed? Sie steht wie eh un je. Mancherorts is de Kukrutz noch gar nit gebroch, annerorts warte die Stengle uf die Laabschneider. Die Schweinställ vun frieher – do han jo Leit allerorts Naveta gemacht, weil se do e Arweitsplatz ghat han – gaffe Lecher in die Luft.

Un schun fahre mer in Gertjanosch in. Ach do git anstatt gearweit uf der Gass gstann un geglurt, oder an de Ecke Siesta gemacht. Ich schau noh em Haus vun der Bäsl Leni Pfeifer, do war vor Jahre noch e Konditorei, wu mer unbedingt Halt hat mache misse. Doch nix mer dergleichen, es Haus steht zwar, die Kondi aa, doch alles is zugsperrt, ke Aushängeschild lad zum Kucheesse in.

Vun eem Museum zum anre

Jetzer geht’s langscht vun Clari Vii, des war jo schun immer nor e Halterstell mit phaar Ställ un kleeni Heisle. Ich wees zwar nit, ob de Zug noch halt, awer es stehn nor me die Maure vum Zugheisl, ke Gspur vun eem Bahnhofswärter. Un schun fahre mer dorch Hatzfeld, bis zur Stefan-Jäger-Gedenkstätte. Do hat alles sei Ordnung. Mei Ufmerksamkeit fallt uf e grosses Wandbild vum Stefan Jäger, es stellt e Oma, de Ota mit ihrem Enkelskind dar. Un akkar vun weller Seit mer uf des Bild schaut, ment mer, dass die zwaa Schwoweleit em direkt ins Gsicht schaue.

Un was for mich arich intressant war, des war e Bsuch im Hatzfelder Pressemuseum, es soll es enzichi derartichi Museum im ganze Land sin. Natierlich han ich mer alli ausgeleete Zeitunge, Zeitschrifte un Kullennre angschaut, doch ganz lang verweilt han ich dorte, wu die deitsche Zeitunge ausgeleet ware. Un ich saan eich, es sin ihrer villi. Angfang vun Zeitunge vor em Erschte, noh em Zweite Weltkriech un bis zu unsrer heitichi ADZ/BZ. Betracht han ich die Pipatsch mit der Nummer NBZ 73 un han mer denke misse: sie hat jo doch e langes Lewe, unser Pipatsch. Un ich han mer vorghol, am e Tach mich mol dorte ganz in Ruh umzuschaue, weil es git a e reichhaltiches Archiv un ich sin mer sicher, villes ufzustewre, was mer bisher unbekannt is.

Gfoppt, gekloppt, geroppt

Es is frieher gsaat gin, dass derjenich, der wu dorch Grawatz, Schadat un Bogarosch fahrt, ohne gfoppt, gekloppt, geroppt zu gin, ufm richtiche Wech is un grosses Glick ghat hat. Also, mir is an sellem Tach weder des een noch anri passiert. Die Strooss vun Hatzfeld bis Grawatz un weiter uf Schadat losst zu winsche iwrich. Doch de Schadater Richter, der wu eigentlich e Grawatzer is un schun vun Kind aus schwowisch rede tut, der is in Ordnung. Er hat sich als Richter bewähre misse, weil er eigentlich vorher was ganz anres gemacht hat – er is nämlich Gastronom, also Wert. Un in dem Schadat, do riehrt sich a was. Es kumme villi Bsucher in des Lenaumuseum, sie were alle freindlich vun der Elfriede Klein empfang un berot, was de Nikolaus Lenau un es Museum anbelangt. Des Weib war richtich froh, dass mer mol so noh Herzensluscht schwowisch han rede kenne. Die Kerch is in Ordnung, dervor sorcht in erschter Reih die HOG un ihre Vorsitzende Werner Griebel. Un was es do so Neijes git, han ich a erfahre kenne. De Kerchhof, der werd vun eener Fussballmannschaft, die sich AS HOG Lenauheim nennt, instandghal; de Fahrwech in der Proviant-Gass is frisch asphaltiert gin; de „Mischthaufe“ am Dorfrand is verbot, die Haushaltsreschte gin in jedem Haus gsammelt un die Gemeinde muss e Leesung finne, dass die a irgendwie abghol were; seit phaar Monate erscheint do e Informationsblatt in vier Seite gedruckt, es nennt sich „Beowachter der Gemeinde Lenauheim“ un bringt aktuelli Themen for die Bewohner. Um des Blatt kimmert sich de Richter Ilie Suciu heekschtperseenlich.

Bogarosch aktuell

So, un wie ich langscht die Bogaroscher Miehl gfahr sin, han ich ganz eenfach die Aue zugedrickt, weil ich nit han wille in de Kerchhof ninschaue….. Die Kerch, die steht noch immer in ihrem trauriche Zustand. Doch desmolrum kumm ich mit gude Nachrichte. Sowohl die Haap- wie aach Schulegass sin asphaltiert gin – was mich stark beeindruckt hat. Awer a die Tatsach, dass an de Gasseecke grossi Kontainer aus Droht ufgstellt gin sin (es soll es Verdienscht vun de Gemeinderäte sin), in die kenne die Leit ihre leeri Plastikflasche schmeisse un wann se voll sin, gin se entleert un entsorcht. Es Pharrhaus is an e Lehrerfamilie verkaaft gin. Des sin jungi Leit, die han gsaat, des Haus is vill zu groß for sie. Un han sich was infalle gelosst. Mit Unerstitzung vun eener Stiftung han se so e Computerraum ingericht, wu Kiner, die sich ke Computer derhem leischte kenne, vun de zwaa Lehrer in die moderni Technik ingfiehrt gin, wu se ach Hausaufgaben mache kenne. Un de Sergiu ausm MUT-Kinerheim, er is grad 14 Johr alt, de gsieht mer dreimol täglich mitm Kercheschlissl dorch die Haapgass gehn. Er tut Betloch un Mittach leide, in der katholisch Kerch natierlich. Was ich noch mitkriet han: es friehrichi Gschäft, dort wu de Kremling Vetter Hans un sei Bäsl Klari immer alles angebot un verkaaft han, was de Schwob, un nit nor, so gebraucht han, dorte is jetz e Billiard-Stub un Kaffeebar. Newedran, im friehriche Eisegschäft, verkaaft es Erika Lebensmittel un Getränke vun A bis Z. Un wu es Kino war, do soll demnächscht e Diskotek ingericht gin. Der wu des alles sei Eigen nennt, un wahrscheinlich Geld wie Hai hat, des is de Vetter Marcus – er will for Bogaroscher Richter kandidiere, weil es soll do e selbstständichi Gemeinde ingericht gin. Abwarte un Maul halle! Am End vun der Schulegass geger die Halterstell gsiehn ich ufmol so etwas wie e lange Schopp, schreiich rot geweisslet. Neigierich geh ich gustiere, weil es war ke Menscheseel zu gsiehn. Un es hat mich umghau: Am End vum Dorf e Mini-Marketing. Ja, wisst der, ich muss a die neimodische Ausdrick verwenne, es is mer noch nit ingfall, wie mer so e Gschäft schwowisch nenne soll. Vleicht „Alles-Zu-Krien“? Un des an eener Strooss, wu saat mer alli halwi Stund e Auto langschtfahrt?

Schwowehaus Schanderhaas un Billeder Forumssitz

Ja, un dann sin mer weiter iwer Satul Nou bis Schanderhaas. Schun vun weitem gsieht mer die zwaatirmichi Kerch un dernewert des „Schwowehaus“, wu jetz so mancher „wie Gott in Frankreich“ schlofe un esse kann – es is nämlich e Gaststätte. Natierlich han ich wisse wille, ob sich so etwas in eem Dorf lohnt. E freindlichi Wertin im Dirndlkleid hat mer ekschpliziert, dass Täch sin, an dene se Gäscht han, an anre Täch misse se sich zufriede gin, mitm Warte uf Kundschaft.

In Billed han ich mer des aus- oder angebauti Forumshaus, des vu vum Roswitha un Adi Csonti verwalt git, anschaue misse. Wie immer – alles tipp topp un bikobello. Mir sin die Treppe hochgang un ich war iwerrascht. Drei Gästezimmre warte uf Billeder, die hemkumme wille un nit han, wu iwernachte. Jedes Zimmer hat sei eigenes Bad. Un die Gäscht krien ach morjets es Fruhstuck serviert. Do is awer ach so e AMG- Sozialeinrichtung, es git for 30 Leit aus Billed zu Mittach gekocht, es Esse git ausgfiehrt, vun Montach bis Samschtach. Am letschte Tach krien die Leit zwaa Porzione, dass se am Sunntach a es Mittachesse han.

Text un Bilder: Helen Alba



Tuutlblume uf der Heed


In der Bogaroscher Dorfmitt. Blick ufs ehemalich Eisegschäft un Kino. Solchi Zallasche stehn an de Dorfecke, die Leit kenne ihre leeri Plastikflasche ninwerfe.


Schun johrelang stehn die Banater Trachtepuppe in Glaskäschte im Lenauheimer Museum.


Mit Intresse schaue sich die Bsucher im Hatzfelder Stefan-Jäger-Haus die scheene Bilder an.