Mittwoch, 4. März 2009

Teure Ware zum 8. März


Silberne Anhänger und Blumen, am meisten verkauft/ Von Ana Saliste


„Der 8. März und das Märzchen kennen keine Krise“, sagt die 28-jährige Alina, Kunstabsolventin und Märzchen-Verkäuferin am Temeswarer Opernplatz. Dass sie in diesem Jahr weniger Märzchen verkauft hat, daran sei nicht die Finanzkrise schuld. Schon seit Jahren ist dies kein profitables Geschäft mehr. „Niemand tut das, um reich zu werden. Das ist klar. Denn wir alle wissen, dass dabei nicht viel Reingewinn bleibt“, sagt sie. Viel mehr sei es ein Hobby, das einmal im Jahr auch ein wenig Taschengeld sichert. Ob sie aber angesichts der Finanzkrise die Preise erhöht hat – das weist Alina von der Hand. Die Preise seien dieselben wie im vergangenen Jahr, versichert die Verkäuferin. Dabei geht es um silberne Anhänger, die auch zum 8. März geschenkt werden können. Die Preise dazu schwanken zwischen 14 und 34 Lei.

Nicht derselben Meinung ist aber die 24-jährige Amalia, die bereits am 1. März nur noch ein paar Märzchen übrig hatte. „Ich habe über die Hälfte der Ware an Bekannte und Freunde verkauft. Sie haben mich angerufen und eine genaue Anzahl von Märzchen bestellt“, sagt sie lächelnd. Dies ermuntert sie, künftig auch ihre eigene Schmuckfirma zu gründen. „Ich glaube nicht, dass es dabei viel Profit geben wird, aber ich mag das und ich habe schon meine Kunden“, sagt Amalia. Sie hat die Preise in diesem Jahr um Einiges erhöht, nicht wegen dem teurer gewordenen Material, sondern viel mehr wegen der Zeit, die man für die Anfertigung von Märzchen braucht. „Ich habe im letzten Monat nächtelang geschuftet. Es war auch meine Schuld. Ich hätte schon früher mit der Arbeit beginnen müssen, aber ich habe auch einen festen Job und deswegen nicht sehr viel Freizeit übrig“, sagt sie.

Andere Verkäufer, die Hand-made-Märzchen aus Keramik anfertigen, geben auch zu, sie mussten die Preise erhöhen, weil das Material teurer wurde. „Ein Märzchen, das im vergangenen Jahr 2 Lei gekostet hat, habe ich in diesem Jahr um 3 Lei verkauft“, sagt Andreea, eine Verkäuferin, die seit fünf Jahren Märzchen verkauft. Von der Finanzkrise fühlt sie sich ebenfalls nicht betroffen. „Seit drei Jahren verkaufe ich nicht mehr so viele Märzchen wie früher, es geht nicht mehr um die Krise. Die Menschen vernachlässigen immer mehr diese Tradition oder improvisieren. Anstatt eines Märzchens kaufen sie eine Blume oder einen Kuchen oder irgend etwas anderes“, sagt sie.

Das geben auch die Kunden zu. Enkelkinder zum Beispiel kaufen für ihre Großmütter längst kein Märzchen mehr, sondern Blumen. „Jedes Jahr schenke ich meiner Großmutter und meiner Mutter je einen Blumenstrauß zum 1. März. Für den 8. März ist es komplizierter, denn ich muss passende Geschenke suchen“, sagt Mihai Farkus.

Die Märzchen-Verkäufer am Temeswarer Opernplatz
Foto: Nicoleta Dobos


Wenn man aber ein üppigeres Geschenk zum 8. März kaufen will, da liegen die Preise schon bedeutend höher. „Viele Kunden entscheiden sich für einen Set mit einem Paar Ohrringen und einem Anhänger aus Silber. Nur die, die es sich leisten, aber“, gibt Bianca Chiri]oiu, Verkäuferin in einem Schmuckladen, zu. Für einen solchen Set muss der Kunde rund 80 Lei aus der Tasche ziehen. Wer aber keine Ahnung hat, was die beschenkte Person genau möchte, der entscheidet sich meistens für einfachere Geschenke: wie zum Beispiel einen Set Duschgel, Body-Lotion oder ein Parfüm. Dabei versuchen die Kosmetikfirmen sich an die Krise anzupassen und locken in diesen Tagen ihre Kunden mit verschiedenen Sonderangeboten. „Wir bekämpfen die Krise mit niedrigen Preisen“: Mit diesem Motto versucht eine Kosmetikfirma ihre Ware zu verkaufen. Die Vertreter der Firma geben zu, dass sie die Preise im diesem Jahr nicht erhöht haben.

Die Frühlingsblumen bleiben aber die meist verkauften „Geschenke“ in diesem Jahr. Egal ob sie zu einem größeren Geschenk hinzu kommen oder ganz einfach zu einer Tafel Schokolade, viele Kunden entscheiden sich für einen kleineren oder größeren Blumenstrauß: je nach Kasse eben. „Die meist verkauften Blumen sind Tulpen, Fresien und Hyazinthen“, sagt uns eine
Blumenverkäuferin. Die Blumenpreise sind aber nicht gerade niedrig: Fünf Lei kostet eine Tulpe, vier Lei eine Fresie und acht Lei eine Rose. Für den traditionellen Blumenstrauß müssen die Männer dieser Tage mindestens 20 Lei ausgeben.

Geishas, Sushi und Sapporo


Japanischer Abend in Temeswar/ Von Siegfried Thiel

„Die Beleuchtung kann auf Wunsch der Gäste eingeschaltet werden“, sagt Mihaela, die Studentin ist und Halbtags im Hotel „Timisoara“ jobt. Jeden Mittwoch gibt sie, zusammen mit ihrer Kollegin Corina, eine Geisha ab. Das diffuse Licht also kein versteckter Hinweis auf die einst erotische Aufgabe der Geishas im fernöstlichen Japan. Die angepriesen „diskrete Gastfreundschaft“ der Geishas von heute haben sich jedoch auf die rumänischen Geishas übertragen. Mindestens zwei Monate lang ist jeden Mittwoch ab 19 Uhr japanischer Abend im Hotel angesagt; dann stehen Mihaela und Corina in ihren bunten, langen Gewändern im Mittelpunkt. „Anpassen an den neuen Job war nicht gerade schwer, allein mit trippelnden Schritten herumlaufen, das wollte geübt sein“, sagt Mihaela.

Ein Blick auf die Speisekarte und ich bestelle: Yakitori-Hühnchen am Spieß, Reis mit Bambus und der Konsequenz wegen, ein Reisbier mit dem Namen, der mir aus der Sportsendung geläufig ist: Sapporo. In der ruhigen Atmosphäre, bei leisen Musikklängen, im Wasser schwimmende Blüten, Kerzenschein und Räucherstäbchen brauche ich schon einige wenige Minuten zum Einleben. Diskret werden die Gäste bedient, laute Gespräche sind – schon rein gefühlsmäßig – nicht angebracht. 10-15 Minuten nach der Bestellung kommt bereits das Essen auf den Tisch, das männliche Personal im herkömmlichen Kellnerjackett. „Kommt das Essen so schnell, damit ihre Gäste nicht etwa aus Langeweile Harakiri machen?“, kann ich mir eine Frage nicht verkneifen.

Allein am Tisch, mit viel Reis, der doch gehörig mühsamer mit Stäbchen aus Taiwan zu essen ist, als mit der Gabel, geht mir an diesem Abend eben Schelmisches durch den Kopf. Warum denn allein? Weil mein Ausgang zum „Japanisch“ ein Dienstauftrag ist, und weil ohnehin die Zeit für einen geruhsamen Abend nicht gegeben ist, auch wenn es mundet und Geishas auch eines zweiten Blickes würdig sind. Nämlich um die Zeit, wo der letzte Happen verschlungen ist, nimmt der FC Bayern bereits seine Aufwärmübungen vor: In wenigen Minuten spielt die Mannschaft im Achtelfinale bei Sporting Lissabon. Aber zuprosten kann ich dem Team aus der Ferne schon mal, denn ein Schlückchen Bier ist ja noch da. Und wer das Resultat kennt, weiß, dass mein leiser Trinkspruch geholfen hat.

Horia heißt der Mann hinter den Pfannen und Töpfen, der für fernöstliche Esskultur aufkommt. Kochkurse in Bukarest haben ihn zum Fachmann gerade für japanische Gerichte gemacht. Was nicht japanisch ist: Verzichtet hat er auf das in Japan übliche Bereitstellen des gesamten Menüs auf einmal. Mit der sukzessiven Auftischung der Gerichte habe er „das Japanische etwas europäischer gestaltet“. Auf zwei Monate ist das Japanische vorerst begrenzt. „Wir wollten mal was Neues ausprobieren“, sagt Amalia Matei, PR-Verantwortliche der Bega-Group, Eigentümer des Hotels. Und bleibt der japanische Abend bei vielen so geschmacks- und gefühltbetont zurück, wie dies bei mir der Fall war, wäre ein Auftischen von Sushi und Calamar durch die Geishas nur das Sahnehäubchen – in diesem Fall und im übertragenen Sinn - auf dem Daifuku-Dessert.

Ein Senior des Banater Schrifttums


Das Vermächtnis des Anavi Adam: Wertvolle Mittlerrolle im Banater Kulturraum

Anavi Adam, der absolute Senior des Banater Schrifttums, mit seinen fast hundert Lebensjahren ältestes Mitglied des Rumänischen Schriftstellerverbands, ist dieser Tage von uns gegangen. Es geschah am 23. Februar, nur drei Tage vor seinem 100. Geburtstag. Seine Schriftstellerkollegen hatten schon eine Sonderehrung vorbereitet, im Ungarischen Staatstheater liefen die letzten Vorbereitungen für die Erstaufführung von Anavis Stück „Mathyi II.“. Der Schriftsteller, der seine Lebensphilosophie schon seit Jahren mit dem Sprichwort „Lebe lang und sterbe schnell!“ mit seinem typischen Galgenhumor umschrieb, zeigte sich in den letzten Wochen allen Besuchern recht belustigt über seine Situation: Seit Dezember war er nämlich bettlägrig wegen einem kleinen Unfall, was ihn wie stets eher amüsierte als verdross.

Francisc Frucht ist ein gebürtiger Siebenbürger, er wurde am 26. Dezember 1909 in Turda geboren. Der spätere Dichter Anavi Adam („Erst mit 16 war ich mir sicher, ein Dichter zu sein“, bekannte er) ging zuerst bei seinem Vater, dem Uhrmacher Isidor Frucht, in die Lehre. Sein großer Wissensdurst führte ihn jedoch bald in höhere Regionen: 1937 beendete er sein Studium an der Psychologie-Fakultät in Klausenburg. Vor 70 Jahren verschlug es ihn ins Banat, wo er bis zu seinem Lebensende bleiben sollte. In Temeswar, wo er lange Jahre als angesehener Lehrer der Psychologie, Philosophie und Logik tätig war, sollte er sich einen angesehenen Namen als Lyriker, Autor von Theaterstücken und Kinderbücher, als hervorragender Übersetzer aus der deutschen, ungarischen oder rumänischen Literatur machen. Nach Franyo Zoltan (1887-1978) und Franz Liebhard (1899-1989) als Letzter der großen Banater mehrsprachigen Schriftsteller und Persönlichkeiten mit enzyklopädischer Bildung anzuführen, hat Anavi eine bedeutende Rolle als Wortführer der multikulturellen Banater Kultur und Mittler zwischen Minderheiten und Mehrheit (Anavi galt auch als einer der aktivsten und repäsentativsten Persönlichkeiten der etwa 600köpfigen jüdischen Gemeinschaft von Temeswar) gehabt.

Lange Jahre war er Leiter des Literaturkreises „Franyo Zoltan“, sein kreativer und kritischer Geist zeigte seine Früchte auch im deutschen AMG-Literaturkreis und in den Sitzungen der rumänischen Schriftstellerkollegen. Obwohl er mit einem Theaterband (1940) debütierte und bis heute zahlreiche Bände mit Theaterstücken herausgebracht hat, zeigte sich sein großes Talent vor allem in der Lyrik. Als Krönung seines Schaffens brachte der Concord-Media-Verlag 2004 seine gesammelten Gedichte heraus. Als bleibende Werte sind zudem seine Lyrik-Übertragungen von Eminescu. Arghezi, Blaga oder Dinescu sowie die Übersetzungen der Prosa von Sorin Titel anzusehen.
Balthasar Waitz

Wirtschaftskrise trifft rumänischen Sport direkt ins Herz


Agonie und Ekstase für die Frauenfußballmannschaft Ripensia 2000 / Von Andreea Oance

Vom Schock zur Verzweiflung, aber bis zuletzt auch ein wenig Hoffnung – alles durften die 15 Fußballerinnen der Frauen-Mannschaft Ripensia 2000 in Temeswar/Timisoara innerhalb einer einzigen Woche miterleben. Von Agonie zur Ekstase: Mit zehn Siegen und bloß einer Niederlage sind die Spielerinnen aus Temeswar Tabellenführer in der ersten Liga der rumänischen Frauenmeisterschaft. Und trotzdem stand deren Traum von der Meisterschaft kurz vor dem Zerplatzen. Das Echo der Wirtschaftskrise hat auch im Bereich des Sports seinen Widerhall. Vor allem die Firmen im Bereich des Bauwesens sind von der weltweiten Wirtschaftskrise beeinflusst - die Temeswarer Firma Constructim macht keine Ausnahme, sie wurde auch von diesem Problem betroffen. Constructim, als Hauptsponsor der Fußballmannschaft „Ripensia 2000“, gab vergangene Woche zu verstehen, dass die finanzielle Unterstützung des Teams ab nun ausbleiben könnte.

Mit Verzweiflung musste der Club „Ripensia 2000“ Anfang der vergangenen Woche gestehen: „Es gibt leider keinen Ausweg für uns: Ohne unseren Sponsor, können wir uns die Kosten nicht mehr leisten und müssen somit die Mannschaft aus dem Wettbewerb zurückziehen“, sagte Mihaela Naftica, die Lizenzspielerbetreuerin des Temeswarer Clubs.

Deren Traum so nah und trotzdem so fern
Landesmeisterinnen zu werden, dieser Traum ging für die 15 Fußballspielerinnen, aber auch für den Trainer (der ehemalige Poli-Fußballer Octavian Popescu) unter. Insgesamt 117 Tore schossen die Fußballerinnen in der Hinrunde der Meisterschaft - bekommen haben sie bloß zwei. Das Rekordergebnis kam in der Partie gegen Comanesti Bacau zustande: 31-0. „Die Mädchen hatten noch weitere zehn klare Torgelegenheiten. Wir haben in Temeswar eine sehr starke Mannschaft entwickelt“, sagt Trainer Octavian Popescu. Kurz vor der Rückrunde (Start am 15. März) liegen die Frauen von Ripensia 20 mit 30 Punkten auf dem ersten Platz, Punktgleich mit Clujana Klausenburg und CSS Targoviste.

„Eine so gute Mannschaft wie unsere, wird sich so schnell nicht wieder in Temeswar entwickeln. Es wäre schade um uns, auseinander gehen zu müssen“, sagte Andreea Pa{ca, die Torschützenkönigin der Mannschaft, kurz nachdem die Nachricht, wie eine Bombe einschlug, dass die Mannschaft aufgelöst wird.

Wieder Grund zur Hoffnung
Nachdem die Lizenzspielerbetreuerin Mihaela Naftica vergangene Woche mit Bedauern das Auflösen der Mannschaft ansagte und die Spielerinnen als vertragsfrei erklärte, gab es zu Wochenbeginn wieder Grund zur Hoffnung. Die Fußballerinnen wollten nichts von einem Ende der Mannschaft wissen: „Am liebsten würde ich mein ganzes Team mitnehmen, wenn ich zu einer anderen Mannschaft gehen müsste. Und wenn ich zwischendurch auch Temeswar verlassen müsste, dann würde ich so schnell wie möglich zurück zu der Ripensia-Mannschaft kehren, wenn sie wieder ins Leben gerufen wird“, sagte Goalgetterin Andreea Pasca.

Die Lage des Titelanwärters Ripensia 2000 sprach sich auch beim großen und erheblich reicheren „Bruder“ FC Temeswar herum. Dessen Geschäftsführer Gheorghe Chivorchian sprach in dieser Hinsicht dem Poli-Boss Marian Iancu an, das Frauenteam zu unterstützen. Eine Antwort lag bei Redaktionsschluss der BZ noch nicht vor.

Letztendlich von der Presse und vom Bedauern der Fans beeinflusst, scheint auch die Baufirma Constructim ihre Meinung ändern zu wollen. Die Firma könnte weiterhin die Mannschaft finanzieren. „In den letzten Jahren haben die Vertreter der Firma Constructim vieles für uns gemacht. Sie waren sehr vom Mitgefühl der Temeswarer beeindruckt und entschlossen nun die Mannschaft weiter zu finanzieren. Es gibt doch wieder Hoffnung Landesmeister in diesem Jahr zu werden und das freut uns sehr!“, schließt Lizenzspielerbetreuerin Naftica.

Ripensia – ein Name mit Geschichte und Tradition
Der Name „Ripensia“ ist überaus geschichtsträchtig: 1928 wurde die erste Profi-Fußballmannschaft in Rumänien unter dem Namen „Ripensia“ gegründet. Die Mannschaft gewann den Rumänien-Pokal 1934 und 1936 und die Landesmeisterschaft in den Jahren 1933, 1935, 1936 und 1938. 20 Jahre später wird die Mannschaft aufgelöst, deren Geschichten und Errungenschaften blieben aber in der Erinnerung vieler Leute landesweit. Der im Jahr 2000 - vor allem als Verein für Kinder und Jugend gegründet – nahm zwar den ehrwürdigen Namen auf wähnte sich jedoch nie als Nachfolger des ehemaligen Renommierclubs.
Foto: privat

Eine Banater Schwäbin auf Weltreise (22)

Frankfurt: Wolkenkratzer-Skyline am Mainufer/ Von Nareda Cerdy


Der „Römer“, das Frankfurter Rathaus

Carpatair bietet Direktflüge von Temeswar/Timisoara nach Frankfurt. Aber wieso sollte irgendjemand, außer wenn´s geschäftlich ist, dorthin fliegen wollen? Das, was man sich unter einem Urlaubsort vorstellt, ist Frankfurt ja nicht gerade und wirklich außergewöhnlich interessant als Städtetrip auch nicht. Aber Frankfurt hat einen der größten Flughäfen der Welt und aus Frankfurt hat man die besten interkontinentalen Flugverbindungen. Also wenn man Urlaub auf einem anderen Kontinent macht, am besten einen Flug aus Frankfurt buchen, wegen der Häufigkeit der Flüge und der großen Jumbo-Jets sind die Flüge zu interkontinentalen Zielen aus Frankfurt besonders günstig. Und wenn man schon über Frankfurt in Urlaub fliegt, könnte man ja einen Tag früher anfliegen oder einen Tag länger bleiben, sich etwas Erholung vor oder nach einem langen Flug gönnen und die Stadt erkunden.

Und wenn man schon in Frankfurt ist, dann am besten ein Hotel in einem Wolkenkratzer wählen. Mitten im Bankenviertel liegt das Innside Eurotheum Hotel, in einem Glasfronthochhaus, mit Glasaufzug, das einen wunderschönen Ausblick über Frankfurt bietet und mit seinen sehr modernen und architektonisch exotischen Zimmern einen Eindruck vom Frankfurter Zeitgeist vermittelt. In Deutschland ist Frühstück eine wichtige Mahlzeit, auch ein Grund sich zu treffen, gemeinsam zu frühstücken. In Frankfurt, gibt es viele Cafés, die den ganzen Tag über Frühstück anbieten, meistens zu einem Festpreis, mit einem Buffet, wo man sich so oft man möchte bedienen kann. Für Langschläfer ist das ein ganz besonderer Genuss, sehr zu empfehlen, denn das gibt es sehr selten: Frühstück nicht wie in den meisten Hotels bis zu einer bestimmten Uhrzeit. Das bekannteste an Frankfurt ist seine Skyline. Das berühmteste Bild sind die vielen Wolkenkratzer, längst nicht mehr der olle Goethe.

Frankfurter Skyline

Es gibt einen guten Grund, wieso diese so bekannten Bilder immer aus dem gleichen Winkel und der gleichen Perspektive aufgenommen sind: die Brücken am östlichen Main-Ufer sind der einzige Ort, von wo aus die Wolkenkratzer aussehen, als würden sie so dicht nebeneinander stehen, als wäre man in New York oder Hong Kong, was der City auch den Namen Mainhatten verliehen hat, in Anlehnung an Manhatten in New York. Aus anderen Winkeln sehen sie eher wie einzelstehend aus, gar nicht so dicht, gar nicht so beeindruckend. Aber das Main-Ufer ist ein guter Ausgangspunkt für einen Spaziergang durch Frankfurt. Die Baum-Allee an der Uferpromenade ist der ideale Rahmen für ein klassisches Touri-Foto in Frankfurt, von den typisch beschnittenen Bäumen umringt und mit der Skyline im Hintergrund. Hier, am sogenannten Museumsufer steht unter anderem das Postmuseum, welches Kommunikation kunstvoll in Szene setzt und unter anderem spannende Zeitgeschichte ausstellt, wie zum Beispiel Stasi-Abhörmethoden für Telefongespräche – neuestens auch in Rumänien wieder brandaktuell!


Wenn man nicht wegen seiner Eigenschaft als Finanzzentrum nach Frankfurt gekommen ist und nichts mit den vielen hier ansässigen Banken zu tun hat, dann ist das Frankfurter Rathaus der richtige Ausgangsort, auch Römer genannt, wegen seiner Lage am Römerberg. Der Rathausplatz hat eine ganz andere Atmosphäre als der Rest der Stadt, ein Hauch von mittelalterlicher Altstadt mit engen Gassen, so ganz anders als die modernen Glasfronthochhäuser, ein bisschen, als wäre man in einem Freilichtmuseum, in dem das alte Frankfurt präsentiert wird. Hier, am Rathausplatz, gibt es ein sehr gutes Restaurant namens “Schwarzer Stern” – die Portionen sind riesig und zum Mittag- oder Abendessen empfiehlt es sich, einen Tisch vorzureservieren, aber es lohnt sich. Übrigens, Apfelwein, originalgetreu “Äbbelwoi” ausgesprochen, ist das hier typische Getränk, das man probieren sollte anstelle des Bieres, das man sonst in Deutschland bestellen sollte. Hanskäs mit Musik ist ein typisches Frankfurter Essen – ein leckerer, würziger Käse mit Zwiebeln, als Vorspeise sehr zu empfehlen. Es gibt natürlich für Fans auch etliche Kirchen in Frankfurt zu besichtigen (Kaiserdom, Paulskirche, Liebfrauenkirche, etc), aber die kann man auch überspringen, so beeindruckend oder bemerkenswert sind sie nicht wirklich, es sei denn die Geschichte(n) drumherum. Viel sehenswerter ist die Zeil - Fußgängerzone und Einkaufsstraße schlechthin. Alles was das (vor allem Damen) Herz begehrt, für alle Preisklassen und Geschmacksrichtungen, gibt es hier zu kaufen.

Die Zeil endet bei der Hauptwache, dem Stadtmittelpunkt, eine barocke Wache, vor welcher es im Sommer ein schickes kleines Café gibt, mit Sonnenschirmen, zum ausruhen nach einer anstrengenden Shopping-Tour oder zum Sehen und Gesehen Werden. Die Alte Oper am Opernplatz, an der man unweigerlich entlangspaziert, wenn man durch die Fußgängerzone schlendert, ist nur eine der vielen Bühnen im lebendigen Theaterangebot der Stadt für Banausen einfach sich davor stellen und Touri-Foto machen, das kommt zu Hause immer gut an. Und was wäre ein Frankfurt-Besuch ohne einen Abstecher zu einer Würstchenbude? Frankfurter Würstchen schmecken natürlich in Frankfurt am besten. Man muss nur gut suchen, dann findet man auch in einer auf den ersten Blick öden deutschen Großstadt Erlebenswertes.
Fotos: Wikipedia

Anonyme Alkoholiker: Ein Leben nach dem Schnaps

„Erst ganz unten angekommen, kann man wieder aufstehen“/ Von Olivian Ieremiciu

Die Volljährigkeit: ohne einen Tropfen Alkohol gefeiert. Der Verein der Anonymen Alkoholiker hat sein 18-jähriges Bestehen gefeiert. Die Pause: In einem mittelgroßen Raum, mit einer immer undurchsichtigeren Rauchwolke, jede Menge Kaffee und viel Getränk. Alkoholfreies Getränk.

„Mein Name ist Sandu und ich bin seit sieben Jahren trocken. Mein Name ist Raluca und ich bin seit einer Woche trocken“. Manche seit längerer Zeit, andere seit Kurzem. Alle mit einem neuen Leben: Ohne Alkohol. Freude und Leid in einem. Freude über das neu gewonnene Leben, das, wie die Anonymen Alkoholiker (AAs) meinen, endlich Lebenswert ist.

Das Leid, das auf ihren Gesichtern zu lesen ist, spricht jedoch Bände. Ein Leben zwischen Flasche, Alkoholbeschaffung, Arbeitslosigkeit, Familienverlust, Psychiatrie und Obdachlosigkeit hat seine Spuren hinterlassen. „Als ich nichts zu trinken hatte, und mich mein Mann in der Wohnung einsperrte, damit ich nicht in die Kneipe kann, ließ ich vom Balkon eine Schnur und bat Passanten, mir vom Geschäft nebenan ein paar Bier oder eine Flasche Wodka zu kaufen“, sagt ein AA Mitglied. „Eine Flasche Wodka diente mir bloß zur Aufwärmung. An einem Tag kam ich schon auf fünf bis sechs Wodkaflaschen“, sagt ein etwa 50-jähriger Teilnehmer. Diejenigen, die an der AA teilnehmen, sind meist zwischen 30 und 60 Jahre alt, sowohl Frauen wie auch Männer. „Was sehr erschreckend ist, ist die Tatsache, dass der Griff zur Flasche in letzter Zeit von immer jüngeren getätigt wird“, sagt ein Temeswarer Arzt.


Für manche eine schwere Last


AAs helfen sich gegenseitig
Das Treffen der Anonymen Alkoholiker versammelt jährlich Dutzende ehemalige Trinker aus allen Landesteilen. Sie helfen sich gegenseitig, mit dem Suff aufzuhören. „Falls ich den Drang verspüre, wieder mal etwas zu trinken, kann ich jederzeit jemanden aus der Gruppe anrufen, der mir dabei hilft, die Flasche aus der Hand zu lassen“, sagt Stelian, Ex-Trinker. Falls sein Telefon klingelt und jemand aus der AA Gruppe dran ist, weiß er: Es ist wichtig. „Ich sehe es als einen kriminellen Akt an, nicht einem Freund aus der AA Gruppe zu antworten“, fügt Stelian hinzu. In seinem Leben hat er drei Familien zerstört. Außerdem hat er 12 Selbstmordversuche hinter sich, 23 mal wurde er bereits in die Psychiatrie eingewiesen. Inzwischen sind mehrere Jahre vergangen, seitdem er keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken hat. Trotzdem bereut er nichts in seinem Leben. „Ich wäre nie der Mensch der ich jetzt bin, ohne meine Sucht“, meint Stelian. Er wurde enterbt, hat mit der Zeit angefangen, in Mülltonnen zu stöbern. „Für ein Jahr und zwei Monate war mein Zuhause die Psychiatrie“, fügt er hinzu.

In Temeswar/Timisoara selbst trifft sich die AA Gruppe fast täglich. Zwischen 20-30 ehemalige Trinker nehmen an den Treffen teil. „Wir haben zwei Leben: Eins in der Gruppe, das andere draußen“, sagt Dorian, der seit einigen Jahren trocken ist.

Die Anonymen Alkoholiker sind sich in einer Sache einig: jeder sogenannte Sozialtrinker ist ein potentieller Alkoholiker. Der Bildungs- und IQ-Level sind nicht unbedingt ein Kriterium, je gebildeter man jedoch ist, umso mehr findet man Erklärungen für den Suff. „Und nicht nur für sich selbst, auch anderen kann man sein Trinken facettenreich und plausibel erklären“, sagt Stelian.

Logo der Anonymen Alkoholiker

Viele derjenigen, die bei den Anonymen Alkoholikern sind, sind nicht beim ersten Versuch, mit dem Alkohol aufzuhören. Einige haben mehrere Entzüge hinter sich, immer wieder wurden sie schwach. „Auch jetzt, wenn ich mit Freunden in einer Kneipe sitze fällt es mir schwer, kein Bier zu bestellen. Ich habe jedoch gelernt, ´nein´ zu sagen“, meint Stelian. Seiner Ansicht nach bleibt ein Alkoholiker bis zu seinem Tod alkoholabhängig. Viele der Treffen der Anonymen Alkoholiker werden in Kirchen abgehalten. „Ich bin nicht unbedingt gläubig, ich habe eine spezielle Bindung mit Gott. Wir sind auch keine Sekte“, sagt der ehemalige Trinker. Für einige jedoch scheint der Glaube ein wichtiges Kriterium und Halt zu sein.

Alkoholiker und die Gesellschaft
Worüber die Ex-Alkoholiker eine klare Meinung haben: Alkoholismus ist eine Krankheit. Anders die Gesellschaft. „Sie prangern uns an und bespucken uns“, so die gängige Antwort. „Die Gesellschaft ist Schuld, weil sie den Alkoholismus nicht als Krankheit betrachten will“, sagt Marcel. Einer der Selbstmordversuche, des bereits genannten Stelian beruht auf der Tatsache, dass ihn ein Firmeninhaber nicht einstellen wollte. „Ich war seit acht Monaten trocken, habe ihm dies auch gesagt. Dieser meinte nur: Danke, auf Wiedersehen“, erinnert sich Stelian. Inzwischen hat er seine eigene Firma. „In zehn Jahren habe ich es vom Mülldurchstöberer zum Unternehmer geschafft“, so Stelian. Jetzt, als Firmeninhaber, gibt er anderen die Chance, die ihm andere nicht gewährt haben. Dies jedoch nur denjenigen, die schon mit dem Trinken aufgehört haben. Wieso? „Weil diejenigen, die noch trinken, am Abgrund des Leidens ankommen müssen, um sich eine Veränderung zu wünschen“, erklärt er seine Haltung.

Das Programm der AA ist auch eine Philosophie, die man leben muss. „Das Leben ohne Alkohol ist endlich ein Leben, das auch einen Sinn hat. Ich zum Beispiel konnte morgens, ohne vorher sechs Bier zu trinken, nicht auf Touren kommen“, sagt eine Teilnehmerin aus Bukarest.

Laut einer Studie des Britischen Instituts hinsichtlich des Alkoholkonsums ist Rumänien eines der führenden Länder in Europa. In Rumänien werden im Durchschnitt 18,5 Liter Alkohol pro Jahr getrunken, in der EU liegt der Durchschnitt bei 15 Liter. Laut Gesundheitsministerium soll rund zehn Prozent der Bevölkerung Rumäniens Alkoholprobleme haben. Und die Zahlen steigen. „Wir freuen uns, dass immer mehrere ihre Probleme erkennen und sich unserer Gruppe anschließen“, sagt ein Mitglied das seit vier Jahren bei den AA dabei ist.

Eine Grenze zwischen einen Sozialtrinker oder schon einem Alkoholiker ist schwer zu ziehen. Was jedoch die Ex-Trinker über ihr Vorleben meinen: „Wir tranken, bis wir unter den Tisch fielen“.

Fotos: Zoltán Pázmány

Ein Leben in Bildern und Glockenklängen

50 Kinder versuchen täglich die Anpassung an die Welt/ Von Ana Saliate

Die 12-jährige Ioana lebt in einer Welt, wo sie hauptsächlich mit Hilfe der Bilder und der Zeichensprache kommuniziert. Sie kann jetzt schon ganz gut von den Lippen ablesen, es fällt ihr jedoch schwer, sich mündlich auszudrücken. Sie hält aber ganz fest die kleine Glocke in der Hand und lächelt. Und wenn sie in der Musikstunde an der Reihe ist, zittert schon ihr ganzer Körper, wenn sie die Glocke erklingen lässt. Dabei verspürt sie nur noch eine starke Vibration, den Klang kann sie nicht hören, weil sie von Geburt her an Taubheit leidet. Ioana geht tagsüber schon seit einigen Jahren ins Arader Zentrum für geistig Behinderte und an Autismus leidende Kinder „Raza de soare“ (“Der Sonnenstrahl“). Dabei lernt sie, gemeinsam mit anderen 50 Kindern, sich an die normale Welt anzupassen.

Kommunikation durch Vibrationen
Durch Musiktherapie mit Hilfe von speziellen Glocken versuchen die Lehrer, den Kindern einen gewissen Rhythmus beizubringen. Jeder Glocke ist ein gewisser Musikton zugeordnet. Jedes Kind bekommt eine Glocke und eine Nummer. An der Tafel werden große Kartons mit den Nummern aufgehängt. Die Lehrerin deutet mit einem Stock auf eine Nummer. Die kleine Daria ist ein bißchen schläfrig, Hunger hat sie auch schon und möchte lieber gleich zum Mittagessen. Sie weiß, dass nachher der Mittagsschlaf folgt. Ihrem Kollegen Teo, der an Muskeldystrophie leidet und im Rollstuhl sitzt, fällt es schwer, die Glocke zu benutzen. Ihm wird von einer Heilpädagogin geholfen.
In einer anderen Gruppe ist Bastelstunde angesagt

Ioana hingegen, kann zwar die Töne ihrer Kollegen nicht hören, sie verfolgt jedoch aufmerksam die Bewegung des Stockes. Wenn die Nummer drei an die Reihe kommt, dann ist sie dran und bewegt ihre Glocke. Ganz zufällig haben die Lehrer erkannt, dass sie auf einem Ohr noch einige Vibrationen aufnehmen kann. „Ich habe ihr ein paar Kopfhörer übergestülpt. Vom linken Ohr hat sie den Hörer abgenommen, aber den Hörer vom rechten Ohr hat sie behalten“, sagt die 25-jährige Logopädin Monica Zaharie, die seit vier Jahren im Zentrum arbeitet. Die Therapiemethode mit den speziellen Handglocken, „chimes“ genannt, stammt aus Amerika. Das Zentrum wird von einer amerikanischen christlichen Stiftung gefördert. Regelmäßig kommen amerikanische Lehrer und Heilpädagogen zu Besuch, die den Angestellten des Zentrums verschiedene Therapien und Spielmethoden beibringen. „Die Kinder sind glücklich, wenn sie etwas selber schaffen. Wenn etwas aus ihren eigenen Händen entsteht. Bei der Musiktherapie geht es darum, dass sie gemeinsam Lieder erklingen lassen“, erklärt Daria Ne]a, Leiterin des 2002 gegründeten Zentrums.

Das tägliche Programm wird in Bildern angezeigt
Jeden Morgen werden die Kinder mit einem Bus ins Zentrum gebracht, wo sie auch das Frühstück und das Mittagessen einnehmen. Rund 30 Lehrer und Pädagogen arbeiten mit Gruppen von je sechs Kindern. Die Kinder sind zwischen drei und 13 Jahre alt. In den bunten Räumlichkeiten hängt je ein Programm in Bildern an der Wand. Ein kleiner Teller mit Suppe bedeutet Mittagessen, ein offenes Buch steht für Lektüre. Auch das Wetter wird täglich mit kleinen Symbolen angezeigt. Ein Mädchen klebt ganz fest eine kleine Sonne an die Tafel, während sich der Busfahrer des Zentrums neben den kleinen Dieter hinsetzt und ihm beim Puzzle hilft. Auf ein paar DIN A4-Seiten sind Familien dargestellt. Die Kinder müssen aus Zeitschriften Personen ausschneiden, die eine Familie darstellen. Einen Mann für den Vater, eine Frau für die Mutter. „Sie haben noch Probleme damit. Viele erkennen nur ihre eigenen Eltern, sonst können sie die Bedeutung ´Mutter´ und ´Vater´ nicht verstehen“, erklärt die Erzieherin Neli.

Im Arader Zentrum „Raza de soare“ wird mit speziellen Glocken gearbeitet

„Dieter hat zwei Puzzlestücke richtig zusammengebracht. Bravo Dieter“, verkündet der Busfahrer freundlich ein paar Minuten später. Dabei springt Neli vom Stuhl und streichelt das Kind leicht und liebevoll über die Schultern. Auch die Tische sind im Saal speziell aufgestellt. Sie stehen in U-Form, damit der Lehrer ganz leicht hinter jedem Kind stehen und ihm über die Schulter blicken kann. In einem anderen Saal sitzen fünf Kinder in kleinen bunten Sesseln und singen ein Lied zum 8. März. Gleich nebenan schauen sich drei Jungen einen Film an. „Meistens können sie einen Film nicht verfolgen, aber die rumänischen Märchen verstehen sie. Auch bei den Zeichentrickfilmen mit ´Tom und Jerry´ lachen sie viel“, sagt Monica Zaharie.

Für den 1. März haben die Kleinen, gemeinsam mit Lyzealschülern, Märzchen gebastelt. „Wir versuchen, die Kinder an die täglichen Aktivitäten zu gewöhnen. Es kommen Kinder, die vor der Gesellschaft Angst haben und elementare Sachen nicht wissen. Wie sie eine Toilette benützen sollen, wie sie essen müssen. Das versuchen wir ihnen beizubringen“, sagt Daria Ne]a.

Ein Heilgymnast, ein Logopäde sowie ein Psychologe arbeiten täglich mit den Kindern. Regelmäßig werden Fahrten mit der Straßenbahn und Einkaufsbummel in den Supermarkt organisiert, damit die Kleinen in Kontakt mit Menschen kommen und sich daran gewöhnen. Im Sommer werden zahlreiche Ausflüge unternommen. Manche Kinder machen in ein paar Jahren solche Fortschritte, dass sie nachher in eine normale Schule gehen können. „Es ist schön zu sehen, wie ein Kind sein eigenes Leben führen kann. Viele kommen auch später noch regelmäßig vorbei. Es ist eine schwere Arbeit als Logopäde, denn man muss eine Menge Geduld aufbringen. Es ist aber sehr schön“, schließt die 24-jährige Monica Zaharie, die Adoptivtochter der Leiterin Daria Neta.

Fotos: Zoltán Pázmány

Manchmal leben auch Puppen

Vom staatlichen zum privaten Bühnenspiel/ Von Oliver Zsilko

„Das Wunder in diesem Beruf ist, dass die Materie lebendig wird. Das Puppenspiel ist nicht nur mein Beruf, sondern auch mein Hobby, weil ich mich die ganze Zeit damit befasse. Die Puppen sind mein Leben“, sagt Eva Labadi Megyes, ehemalige Künstlerin des Temeswarer Puppentheaters. Das Bühnenspiel der Puppen feiert dieses Jahr sein 60. Jubiläum in Temeswar/Timisoara. Was am 17. April 2000 umbenannt wurde und heute „Merlin“-Puppentheater heißt, wurde erstmals 1949 auf Initiative einiger Studenten der Fakultät für Bildende Künste ins Leben gerufen. Seitdem wurden fast 600 Premieren gefeiert, denen zahlreiche Kinder beiwohnten. Das Puppentheater, das unter der Obhut des Temescher Kreisrats steht, feiert sein Jubiläum Mitte April dieses Jahres im Rahmen des „Excalibur“-Festivals.

Früher angestellt, heute privat
Zu den Puppenspielern, die im Temeswarer Theater ein- und ausgestiegen sind, gehört auch Eva Labadi Megyes, die heute ihr eigenes Puppentheater leitet. Die ehemalige Künstlerin des Staatstheaters bekam ihre erste Rolle 1986, nachdem sie der damalige Intendant, Ilie Gyurcsik, auf der Straße ungarisch reden hörte. Weil Gyurcsik damals eine Mowgli-Stimme für die Aufführung des „Dschungelbuchs“ suchte, bot er Megyes die Rolle an. So begann Eva Megyes erst mal als Teilzeitbeschäftigung am Temeswarer Puppentheater mitzuarbeiten. Bis sie fest angestellt wurde, hatte sie sich vieles von Olimpiu Vesa abschauen müssen, um dann elf Jahre lang fast nur Hauptrollen zu spielen. „Die Hauptrolle ist nicht wichtig im Puppentheater, denn die Kinder suchen sich meistens eine Puppe aus. So kommt es oft vor, dass sie nur die Figur verfolgen und dabei die Handlung im Puppenspiel übersehen“, sagt die „Puppet Mania“-Leiterin.
Die Nichtregierungsorganisation „Puppet-Mania“ hat Eva Megyes 2004 als Weiterführung ihres privaten „Puck“-Theaters umbennant. Sie hat den Mut gehabt, nur aufgrund ihrer jahrelangen Erfahrung ein privates Puppentheater zu eröffnen. Sie meint, dass die Arbeit an einem Staatstheater viel leichter sei, als in einem privaten. Wenn sie früher nur mit der Rolle beauftragt war, so muss sie heute sowohl Leiterin, als auch Putzfrau in ihrem Puppentheater sein. Trotzdem sagt Megyes: „Ich mochte nie Vorgesetzte, deshalb freue ich mich über die unbegrenzte Freiheit, die mir mein Theater bietet. Und das ist das Wichtigste im Schaffensprozess.“

Unter Kindern
Eva Megyes spielt aus Leidenschaft und denkt, dass ein Puppenspiel immer vom Publikum anerkannt werden wird, solange man es professionell vorträgt. Sie sagt, sie habe noch nie das Gefühl gehabt, dass ihr Puppentheater schlecht angekommen wäre. Denn sogar die Eltern, die ihre Kinder zum Bühnenvortrag begleiteten, erlebten durch Megyes` Vorführungen längst vergessene Gefühle wieder. „Charakteristisch in meinem Puppentheater ist, dass ich auf der Bühne das Stück nach der Reaktion der Kinder frei vorführe, improvisiere. Dadurch gebe ich den Kindern das Gefühl, dass sie das Spiel gestalten“, so die Künstlerin, die sowohl gutes Feedback, als auch schlechtes bekommen hat.

Megyes erzählt, welche die Reaktion der Kinder war, auf ihre Bühnenpräsentation über den Prinzen, der die Prinzessin beim Äpfelstehlen in seinem Garten erwischt und nicht mehr fortlaufen lässt. Um gehen zu dürfen, muss die Prinzessin den Prinzen erst küssen. Weil sie sich immer wieder weigert, fangen die Kinder flehend an, zu betteln: „Gib ihm doch ein Küsschen!“ Die kleinen Bengel reagierten aber nicht nur positiv auf Eva Megyes` Bühneautritte. Einmal, als sie sich die Maske der bösen Hexe aufsetzte, wurde sie von den Kindergartenkindern aus der erste Reihe spontan angegriffen. Sie musste die Maske absetzten, worauf diese aufhörten sie zu schlagen und zu kratzen. Die Geschichte mit dem Hut auf dem Besenstiel ist kennzeichnend dafür, wie unberechenbar Kinder sein können. Als Megyes die Oma spielte, hatte sie den Besenstiel mit Hut als ihren Jugendfreund Gica den Kindern vorgestellt. Auf ihre Frage: „Was glaubt ihr Kinder, was ich mit Gica in meiner Jugendzeit gemacht habe?“antworteten 60 Zwerge im Chor: „Sex!“ Dazu waren sie auch noch tief enttäuscht, als sie erfahren mussten, dass Gic² mit der Oma früher einen Walzer tanzte.

Da in dieser Zeit sich ständig etwas von heute auf morgen verändert, spielt Eva Megyes Gegenwartsstücke. Die Klassischen fehlen auch nicht, werden jedoch modern präsentiert. So finden auf ihrer Bühne sowohl Rotkäppchen, als auch der Herr der Ringe ihren Platz. In ganz Europa hatte sie schon Auftritte mit „Puppet Mania“, vorwiegend in Ungarn. Die schönste Ausfahrt aber erinnert die Künstlerin an Kanada, wo sie unter anderen in einer multikulturellen Theatergruppe mitspielte.