Mittwoch, 11. Februar 2009

Vom Jugendpfarrer zum Generalvikar


Ehemaliger Spiritual Zsolt Szilvágyi wurde Nummer Zwei der Diözese Temeswar


Am gleichen Tag bzw. dem 23. Dezember 2008, als Papst Benedikt XVI. den Temeswarer Prälaten und bisherigen Generalvikar der katholischen Diözese Temeswar, Laszlo Böcskei an Stelle des in Ruhestand getretenen Bischofs József Tempfli zum neuen katholischen Bischof von Großwardein/ Oradea ernannte, erfolgte auch die Ernennung des neuen Leiters des Generalvikariats durch Diözesanbischof Martin Roos.


Böcskei hatte 1991-1999 das Amt des Bischofssekretärs und 1999-2008 das des Generalvikars inne. Die Nachfolge als Generalvikar ( lat. vicarius generalis) und als Moderator der Bischöflichen Kurie von Temeswar trat der 23jährige Zsolt Szilvágyi an.


Der Generalvikar, in der katholischen Kirche schon seit dem Mittelalter Stellvertreter des residierenden Bischofs und Nummer Zwei der Rangordnung, ist laut geltenden Kirchenrechts für die Verwaltung der Diözese zuständig. Er muss Priester , mindestens 30 Jahre alt und Doktor oder Lizentiat im kanonischen Recht oder der Theologie sein. Ein Generalvikar wird vom Bischof frei ernannt und kann von diesem auch frei abberufen werden.


Zsolt Szilvágyi hat sich in den letzten Jahren in der Diözese Temeswar einen Namen als Spiritual des katholischen „Gerhardinum“-Lyzeums und Leiter der katholischen Diözesanjugend gemacht. Der gebürtige Arader (geb. 1977) hat die Grundschule in der Heimatgemeinde Neuschimand und in Arad das „Csiky-Gergely“-Lyzeum ( Abschluss: 1995) besucht. Den ersten Deutschunterricht erhielt er von einer Notre-Dame-Schwester. Nach einem zweijährigen Studium der Theologie in Karlsburg/ Alba Iulia, setzte er sein Studium für vier Jahre an der Theologie-Fakultät in Fulda (Deutschland) fort, wo er einige der berühmtesten deutschen Theologen als Lehrer hatte. Die Priesterweihe erhielt er am 6. Oktober 2001 durch Jozsef Tamas, den Karlsburger Weihbischof, darauf die Diakonweihe durch Bischof Martin Ross. In der Zeitspanne 2001-2004 war er Bischofssekretär und 2004-2008 Jugendseelsorger der Diözese. Vor allem durch seine Tätigkeit als Spiritual des „Gerhardinum“-Lyzeums, wo er auch als Religionslehrer wirkte, wie auch als Leiter der deutschen Jugendgruppe „Credo“ und der ungarischen Gruppe „Szent Gellert“ hat er sich bei der katholischen Jugend beliebt gemacht und Überzeugendes geleistet. “Die Arbeit als Jugendpfarrer war eine schöne und wertvolle Erfahrung“, bekennt der neue Generalvikar. „Etwa drei bis viertausend Jugendliche beteiligten sich an jährlich zirka fünfzig Veranstaltungen, darunter den traditionellen Jugendwallfahrten und Jugendlagern.“


Seine Nachfolge als Spiritual des „Gerhardinum“-Lyzeums trat Zoltán Kocsik, bisher Kaplan der Pfarrei Arad-Sega, an.

Balthasar Waitz


PDL strebt neue Mehrheit in Temescher Kommunalverwaltung an


Trotz Protokoll: Stellvertreter in Kreis- und Stadtrat auf der Abschussliste /
Von Siegfried Thiel

Das Regierungsprogramm der PDL und der PSD auch auf kommunaler Ebene umsetzen, darum geht es derzeit auch im Verwaltungskreis Temesch/Timis. Dies hieße im Klartext, nicht nur viele neue Gesichter in den öffentlichen Ämtern, sondern auch eine neue Mehrheit im Kreisrat, aber auch im Temeswarer Stadtrat herstellen, was unweigerlich zur Entmachtung des Liberalen Kreisratsvizes Liviu Borha wie auch zu jener des Vizebürgermeisters Adrian Orza (Bauernpartei) führen würde. Die PSD als Partner der Regierungskoalition hat gerade im Kreis Temesch eine besondere Situation zu meistern: Aufgrund einer Vereinbarung mit der Allianz für den Kreis Temesch (Bauernpartei, Liberale und Deutsches Forum) muss die PSD die Situation meistern, ohne der Regierungskoalition im Wege zu stehen, aber auch die Vereinbarung auf lokaler Ebene einhalten. Um eine erste Übersicht der Situation noch im Vorfeld der finalen Gespräche und Entscheidungen zu schaffen, fragte die Banater Zeitung bei Spitzen der verschiedenen implizierten Parteien nach.


Der Vizepräsident der Temescher PDL, Constantin Ostaficiuc, will das Regierungsprogramm umsetzen und eine neue Mehrheit schaffen. Noch wurde auf lokaler Ebene keine Entscheidung getroffen, doch die Absichten liegen nach Aussage von Ostaficiuc klar auf der Hand. „Im Interesse der Kommunalverwaltung sollte der Kreis Temesch nicht isoliert dastehen“, sagt er, mit Hinweis und Absicht auf neue Mehrheiten, kreiert von PDL und PSD. „Das Interesse der Kommunalverwaltung sollte Vorrang haben und vor die Interessen lokaler Gruppierungen gestellt werden“, so der wohl klare Fingerzeig von Ostaficiuc auf die PSD und deren Devise für die kommenden Gesprächsrunden in dieser Hinsicht.


Der Temeswarer Vizebürgermeister und Vorsitzende der Temeswarer Filiale der Bauernpartei, Adrian Orza, wollte das Thema überhaupt nicht kommentieren. Sein Chef im Bürgermeisteramt und auch Vorsitzender der Kreisfiliale der Bauernpartei, Gheorghe Ciuhandu, ließ Kritik an dem hierzulande als Entmachtungsinitiator gehandelten PDL-Parlamentarier, Alin Popoviciu, walten. Popoviciu habe sich auf Orza eingeschossen, sagte Ciuhandu zu der Initiative von Popoviciu. „Die ganze Sache ist ein falsches Problem. Ich habe keine Signale, dass die PSD sich von ihrem Protokoll verabschieden möchte und zweifle daran, ob sie es je tun wird. Sowohl im Kreis-, wie auch in Stadtrat gibt es keine Probleme bezüglich Bündnis zwischen Allianz für den Kreis Temesch und PSD“, so Gheorghe Ciuhandu.


Karl Singer, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat, wollte sich in dieser Phase der Gespräche nur zurückhaltend zu diesem Thema äußern, „es gibt derzeit keine Anzeichen, dass die Vereinbarungen auf kommunaler Ebene ihre Gültigkeit verlieren würden und wir hoffen, dass das auch so bleibt“.


Der Vizepräsident der Temescher Sozialdemokraten (PSD), Sorin Grindeanu, sagte zum Thema: „Aus meiner Sicht ist es eine ganz klare Angelegenheit. Sofort nach den Kommunalwahlen haben wir ein Verwaltungsprotokoll mit der Allianz für den Kreis Temesch unterzeichnet, das wir bis zum Mandatsende einhalten wollen. Ich bin eigentlich einer derjenigen, die sich der Verantwortung eines solchen Protokolls gestellt haben und deshalb sehe ich es auch als eine Pflichtaufgabe an, die Vereinbarung einzuhalten, ohne die Verhältnisse in den Kommunalräten zu verändern. Es gibt natürlich die derzeitige Regierung, die eine Mehrheit im Parlament geschaffen hat, mit einem Regierungsprogramm, das sich auf die Verwaltung des Landes bezieht. Auf kommunaler Ebene ist jedoch kein Freiraum zu Interpretationen. Natürlich übt die PDL Druck aus, um die Verhältnisse auch auf kommunaler Ebene zu verändern. Aber meines Erachtens nach muss man von zwei Arten von Wahlen sprechen: Kommunalwahlen und Parlamentswahlen und das sind immerhin zwei verschiedene Aspekte. Wir sprechen da von unterschiedlichen Wahlangeboten und Mehrheiten, und auch von verschiedenen Vereinbarungen“.

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Allianz für den Kreis Temesch: Bei der Gründung (v.l.n.r.) Liviu Borha (Liberale), Gheorghe Ciuhandu (Bauernpartei) und Karl Singer (Deutsches Forum)

Foto: der Verfasser

Das Schäflein (Miorita)


(Übersetzung von Hans Diplich)


Hoch am Almenrand,

Wie in Gottes Hand,

Sieh, auf Wegen schmal,

Steigen sie ins Tal,

Schafherden drei,

Drei Hirten dabei.

Moldauer der ein’,

Einer vom ungrisch Rain

Und einer vom Drintschastein.

Doch der vom ungrisch Rain

Und der vom Drintschastein

Sieh! zu böser Tat

Hielten sie den Rat:

Um das Abendrot

Schlagen sie mir tot

Jenen Moldowaren,

Reicher und erfahren,

Denn er hat mehr Schafe,

Schön gehörnte brave.

Und Pferde gut und jährig

Hunde treu und gelehrig.

Doch das liebe Lämmlein,

Schwarzwollig und fein,

Seit drei Tagen her

Schweigt sein Mund nicht mehr,

Schmeckt ihm das Gras nicht sehr.

- Schwarzlockiges Lamm,

Krauswolliges Lamm,

Seit drei Tagen her

Schweigt dein Mund nicht mehr!

Schmeckt dir das Gras nicht sehr?

Wirst wohl kränklich sein?

Liebes Schäfchen mein!

- Hirte du Lieber,

Treib uns hinüber

Zum dunklen Gesträuch,

Das Gras ist dort reich

Und Schatten für euch.

Auch dies tu ich kund,

Ruf einen Hund,

Deinen allerbesten,

Treuesten und festen!

Denn ums Abendrot

Schlagen sie dich tot,

Der vom ungrisch Rain

Und der vom Drintschastein.-

- Mein lockiges Lamm

Vom Burzenstamm,

Sollte ich hier sterben,

Auf dem Feld verderben,

Sag dem Wrantschasohn

Und dem Ungarsohn,

Beide sollen mir

Das Grab schaufeln hier

Im Pferch meiner Schafe,

Daß ich bei euch schlafe

Und hör im Hürdengrunde

Bellen meine Hunde.

Sonst kein Wort verlier,

Doch zu Häupten mir

Leg die Buchenpfeife,

Die das Herz ergreife.

Eine Flöte aus Bein

Wiege die Wehmut ein!

Die Flöte aus Hollunder

Singe der Liebe Wunder!

Wenn der Windhauch geht,

Durch die Flöten weht,

Die Schafe sich vereinen,

Blutge Tränen weinen

Und meinen Tod beklagen,

Brauchst du nicht zu sagen,

Daß man mich erschlagen.

Jeder nur erfahr,

Daß meine Hochzeit war

Und ich mir gefreit

Eine Königsmaid.

Mir ist angetraut

Dieser Welten Braut.

Doch schweige vor allen,

Daß ein Stern gefallen

An dem Hochzeitstage;

Und noch dieses sage:

Der Mond und die Sonne

Hielten mir die Krone.

Und als Gäste standen

Ahornbäum und Tannen.

Berge Priester waren,

Spielleut Vogelscharen,

Tausend Vögelein

Und Sterne Fackelschein!

Sollest aber sehen,

Im Vorübergehen

Auf den Feldern weit,

Weinend vor Leid,

Den Wollgürtel tragend,

Alt Mütterlein klagend

Jeden befragend

Und jedem sagend:

- Wer hat ihn gekannt,

Wer hat ihn gesehn,

Den Hirtenknaben rank,

Wie die Tanne schlank.

Sahst den Burschen nicht,

Dessen jung Gesicht

Ist wie Milch der Schaum,

Überm Mund der Flaum

Wie die Weizenähre

Wie des Feldes Beere

Dunkle Äugelein!

Und das Haar des Knaben

Die Feder des Raben! –

Du, Schäfchen mein,

Sollst mitleidig sein,

Die Mutter bloß erfahr,

Daß meine Hochzeit war,

Daß ich mir gefreit

Eine Königsmaid

Dort am Almenrand

In Gottes Hand.

Doch dem Mütterlein

Sag nicht, Teures mein,

Daß ein Stern gefallen

An dem Hochzeitsfest

Und daß meine Gäste

Ahornbäum und Tannen,

Daß Berge Priester waren,

Die Spielleut Vogelscharen,

Tausend Vögelein

Und Sterne Fackelschein.


(In: Hans Diplich: Rumänische Lieder.Nachdichtungen, 1. Teil. Verlag des Südostdeutschen Kulturwerks, München 1973. Dritte Auflage S. 47 – 5)

Am 23. Februar jährt sich zum 100. Mal der Geburtstag des bekannten Banater Kulturhistorikers, Übersetzers, Schriftstellers, Herausgebers und Kulturvermittlers, des in Großkomlosch/Comlosul Mare geborenen Hans Diplich

Worschtkoschtprob 2009


Feststellungen post-faktum zum Redaktionsfest der Banater Zeitung

Von Werner Kremm


Die Worschtkoschtprob 2009 ist hauptsächlich von den jungen Redakteuren der „Banater Zeitung“ in der Hauptregie von Raluca Nelepcu organisiert worden. Das Echo darauf lautete allgemein: Sie war gelungen. Die „Banater Zeitung“ konnte in etwa die selbe Sponsoringsumme aquirieren wie 2008.


24 Wurstproben von industriellen Herstellern und 16 von Hauswurstmachen sind zusammengekommen. Auffiel, dass es immer weniger Leute gibt, die privat ihre Wurst machen. Ein Grund soll das Fehlen von Räuchermöglichkeiten für Privatinteressenten sein, vor allem in den Städten. Die Firmen, die Wurstwaren herstellen, werden immer größer und marktbeherrschender. Folge: die Auswahl an Wurstwaren, das Angebot an den Wursttheken – wird immer geringer. Letztendlich haben wohl die strikt einzuhaltenden EU-Vorschriften (auch?) auf diesem Markt zu einer Verarmung des Angebots geführt.


Ein Beispiel: einer der größten Hersteller von Wurstwaren im Banat ist nach dem EU-Beitritt Rumäniens, unter Zugzwang, dazu übergegangen, sich einen modernen EU-konformen Schlachthof zu bauen. Als Übergangslösung für die kontinuierliche Produktion – sein eigener Schlachthof war inzwischen gesperrt worden - kaufte sich der große Wurst- und Fleischwarenproduzent ein bei einem kleinen Schlachthof, der auf dem selben Gelände einer ehemaligen SLB-Farm angesiedelt war. Dieser kleine Betrieb besaß eine Produktionslizenz bis 31. Dezember 2008. Selbige nutzte der große Hersteller, um seine Marktposition zu halten und weiter zu produzieren (und zu verkaufen). Jetzt, 2009, produziert er in der brandneuen eigenen Anlage und ein kleiner Wurstwarenfabrikant ist damit völlig vom Markt verschwunden. Sein Schlachthof ist stillgelegt. Alles auch auf Kosten der Diversität.


Wie diesem kleinen Betrieb ging es Vielen. Entweder weil sie nicht das Geld hatten, um für EU-Konformität zu investieren, oder weil sie das EU-Vorschriftendickicht in rumänisch potenzierter Adaption meiden wollten. Unterm Strich sind die Kleinen verschwunden und die Großen noch größer geworden. Doch die Großen bevorzugen die Massenproduktion, was auf Kosten der Vielfalt des Angebots passiert: Mit dem besten Willen ist es uns nicht gelungen, im gesuchten Produktesegment luftgetrockneter „Hauswürste“ in ganz Temeswar mehr als 24 Musterbeispiele ausfindig zu machen. Wenig ist das (noch!) nicht, aber trotzdem: Es hat uns nahezu einen ganzen Tag gekostet. Und welcher Otto Normalverbraucher investiert schon dafür so viel Zeit?


Urteilt man nach dem Preis der Bratwürste, die Ende Januar 2009 in Temeswar angeboten werden, dann ist zweifelsfrei festzustellen, dass diese um 30-35 Prozent teurer sind als im Januar 2008. Wir nannten das unter uns „die reale Inflationsrate“. Die Inflation mag zwar nicht ganz binnen dieser Spanne liegen, aber ein Indiz ist die Feststellung mit Sicherheit.

Valentinstag lässt Kitsch aufleben


Fest der Liebe schmälert Konto der Liebenden


Dutzende Herzen zieren die Schaufenster der Läden in Temeswar/Timisoara, überall sind Sonderangebote ausgehängt, in den Reisebüros tummeln sich Menschen. Im Februar ist es wieder soweit: Der Tag der Liebenden naht. Für die meisten ein zusätzlicher Grund, sich gegenseitig die Liebe zu erklären, für Ladenbesitzer eine gute Gelegenheit, Profit zu machen. „Ich kann diesen importierten Feiertag nicht leiden. Alles reduziert sich nur auf das Kommerzielle, alles dreht sich nur ums Geld“, sagt der Anthropologielehrer Dr. Gheorghe Sechesan. Seine Empörung ist umso größer, als die Rumänen einen eigenen Festtag der Liebe haben: den „Dragobete“, der am 24. Februar gefeiert wird. „Ich zweifle, dass die Rumänen irgendwann mal wieder zurück zur Tradition finden werden. Die heidnischen Feiertage, die keinen religiösen Hintergrund haben, sind im Laufe der Zeit verloren gegangen“, erklärt Sechesan, wieso der „Dragobete“ und andere traditionellen Feiertage der Rumänen nur noch an wenigen Orten begangen werden.


Herzchen, Plüschtiere und Schokolade sind die wohl häufigsten und beliebtesten Geschenke zum Valentinstag. Blumen dürfen bei dieser Gelegenheit auf keinen Fall fehlen. Die Blumenverkäufer am 700er Markt nutzen die Verliebtheit der Kunden aus und treiben die Blumenpreise sogar um das Doppelte in die Höhe. Wer sich nicht die Mühe machen möchte, vor Ort einen Blumenstrauß auszusuchen, der kann einen im Internet bestellen. Die Webseite www.floriintimisoara.ro bietet ein umfangreiches Angebot an Blumen für jede Gelegenheit. Die Preise sind hier aber deutlich höher als auf dem Markt. Ein Strauß mit drei Rosen kostet 70 Lei – für fünf Stiele müssen schon 110 Lei auf das Konto des Anbieters überwiesen werden. Als Blickfang auf der Seite gelten die Blumenherzen. Ein Herz mit Gerbera und 23 Rosen kostet 330 Lei – ein Rosenherz ist für 390 Lei erhältlich. Hinzu kommen noch zehn Lei Transportkosten für Temeswar und 25 Lei für den Kreis Temesch. Ein Blumenstrauß, der via Internet bestellt wird, kann frühestens in vier Stunden seine Empfängerin erreichen.


Eine reiche Palette an Geschenkideen für den Valentinstag steht dieser Tage den Temeswarern im Jugendhaus/Casa Tineretului und im Regionalen Geschäftszentrum CRAFT der Industrie- und Handelskammer zur Wahl. „Valentine´s Days“ nennt sich die Schau, die heute im Jugendhaus beginnt und bis am 15. Februar dauert. Das Motto der Veranstaltung: „Das Fest der Liebenden ist... jeden Tag“. Schmuck, Kleidung, Schuhe, Süßigkeiten und Blumenarrangements stehen den Kunden zur Wahl. Morgen startet im CRAFT die Ausstellung „Sweet Valentine“. Neben den Leichtindustrieprodukten, die käuflich erworben werden können, wird den Besuchern der Schau auch ein Unterhaltungsprogramm geboten. Der Karikaturist Radu Cle]iu, der 2005 von einer Guiness-Book-Jury in Frankreich zum schnellsten Zeichner der Welt ausgezeichnet wurde, wird sein Talent zum Besten geben. Parfümpräsentationen und Schmink-Demos stehen ebenfalls auf dem Programm. Ein professioneller Astrologe wird den KundInnen ihr Schicksal vorhersagen. Die Schau ist bis zum 14. Februar täglich von 11 bis 20 Uhr geöffnet.


Wer am Valentinstag dem Alltagsstress entfliehen möchte, der kann sich für ein romantisches Wochenende an einem der beliebtesten Reiseziele in Europa entscheiden. Paris und Venedig gelten als die Städte der Liebe schlechthin. Bei vielen Reisegesellschaften sind jedoch die Reisen zum Fest der Liebenden bereits seit Wochen ausgebucht.

Raluca Nelepcu



Spielzeugläden, die Plüschtiere und Herzen im Angebot haben, machen diese Woche guten Umsatz.

Foto: die Verfasserin

Eine Karriere in Uniform


Die Militärlaufbahn: Am attraktivsten für untere Mittelschicht

„Unser Büro ist wie ein Laden, der für alle offensteht“. So Major Sorin Ionescu vom Rekrutierungsbüro aus Temeswar/Timisoara. Jeder der sich ein Bild über eine Karriere in der Armee machen möchte, wird hier beraten. Dass jedoch die Tür nicht immer wortwörtlich offen steht, konnten die Redakteure der BZ selbst erfahren.

Wer nun mal den Wunsch hat, beim Militär Karriere zu machen, sollte folgende Aspekte in Betracht ziehen (Gesetz 384/2006): Er sollte zwischen 18 und 26 Jahre alt, rumänischer Staatsbürger sein, keine Vorstrafen haben und mindestens die zehnte Klasse absolviert haben, gesundheitlich dazu tauglich sein und in kein Parteimitglied sein.

„Wir haben mehrere Abteilungen, aber die meisten sind die sogenannten freiwilligen Soldaten (SGV soldat grad voluntar)“, erläutert Sorin Ionescu. Um Armeeangehöriger zu werden, müssen die angehenden Soldaten eine viermonatige Ausbildung in Caracal absolvieren. In dieser Zeit wird ihnen Verpflegung, Unterkunft, Ausrüstung und die Hälfte des zustehenden Soldes erteilt. „Wie viel Geld das ist, weiß ich nicht genau“, sagt man uns ehrlich. Dies, obwohl er selber zugibt, dass eine der meist gestellten Fragen der Jugendlichen, die sich im Rekrutierungsbüro informieren wollen, die nach dem Lohn ist. Im Durchschnitt liegt der Sold eines Soldaten bei 1.200 Lei. Nach den vier Monaten Ausbildung in Caracal folgen zwei Monate Training in den Einheiten, die die Rekruten selbst ausgewählt haben. Danach wird ein Vierjahresvertrag unterschrieben. Falls die Soldaten in dieser Zeit jedoch merken, dass sie doch nicht für das Militär geschaffen sind, müssen sie zurückzahlen. „Nämlich ein Teil des Geldes, das die Armee für ihre Ausbildung in den vier Monaten ausgegeben hat“, fügt Ionescu hinzu. Über die Höhe des Betrags, der zurückgezahlt werden muss, konnte er keine Angaben machen.

Dass auch in der Armee die Förderung in der Hierarchie auf Seilschaften und Beziehungen zurückzuführen ist, verneint der Major aufs heftigste. „Im Militärsystem erfolgt die Förderung in der Hierarchie strikt nach Kriterien der Vorbereitung und Ergebnisse“, sagt Ionescu. „Alles Blödsinn“, sagt ein aus der Armee ausgetretener. „Ich hatte keine Chance einen höheren Grad zu bekommen“, fügt der Befragte hinzu. Wieso er überhaupt zur Armee wollte? „Ich hatte zu jener Zeit keinen Job und das Angebot sah verlockend aus“. Im Vorjahr waren im Kreis Temesch 102 Plätze in der Armee zu vergeben, dafür bewarben sich 400 Kandidaten.

Die meisten Kandidaten sollen aus der unteren Mittelschicht stammen. „Sie sehen bei uns die Möglichkeit sicheres Geld zu verdienen, aber auch eine richtige schulische Ausbildung zu bekommen“, sagt der Major.

Olivian Ieremiciu


Der Sitz des Rekrutierungsbüros am Temeswarer Freiheitsplatz

Foto: Zoltán Pázmány

Der Betrachter auf dem Floß der Medusa


Hans/Ion Stendl wird am 18. Februar 70 Jah
re alt / Von Werner Kremm


„Ich fühle mich wohl in dieser postmodernen Welt, wo ein Kentaur authentischer sein kann als ein Ferrari. Ich lasse meine Blicke oder meine Gedanken schweifen durch das wunderbare imaginäre Museum und bin fasziniert von den Schätzen des Sichtbaren, die mich umgeben. Nach einem Tag der Plage setze ich mich müde aufs Floß der Medusa, das am Rande der Lehmwüste gestrandet ist und ich sehe von hier aus, wieder und wieder, das Entstehen der Dinge. Häufig kuschelt sich die Melancholie neben mich und im dichter werdenden Schatten des Abends schaffe ich es, mich wohlzufühlen in dieser postmodernen Welt, wo ein Kentaur...“


Hans/Ion Stendl, der kommende Woche seinen 70. Geburtstag feiern wird, hat diese eigenwillig-poetischen Worte einer seiner großen Ausstellungen im Rundsaal/Sala Ronda des Nationaltheaters in Bukarest/Bucuresti vorangestellt. Und er synthetisiert in diesem originellen Geleitwort zur Ausstellung – Stendl organisiert große Ausstellungen meist dann, wenn er eine Werkschau als Schlusspunkt einer Schaffensetappe zeigen möchte – einige der Konstanten seines Werks: der Kentaur (mit seinen Pendants: Thrakischer Reiter, Pferd, trojanisches Pferd), die Melancholie (Dürer und die Großen der italienischen Renaissance, allen voran Michelangelo Buonarotti und Leonardo da Vinci, die ihm Vor-Bilder, Stützen und Zeugen seiner durch Kunst und handwerkliche Meisterschaft geschaffenen Welten sind), das Floß der Medusa (als Sinnbild von Hoffnung in der Verzweiflung, des Schwimmens trotz Allem), das „imaginäre Museum“ (für das bei Stendl nicht nur die zahlreichen „archäologischen Zitate“ auf der Leinwand oder diversen anderen flachen, zweidimensionalen Unterlagen stehen, sondern auch die „Buchobjekte“, die Versuche zur Rettung und Veredlung schriftlich festgehaltenen Gedankenguts in Form neuer Kunstgegenstände), die Faszination, welche das mit dem Auge Erfassbare ausübt, das „Entstehen der Dinge“ (gleichzusetzen mit dem allgemeinen Werden, aber auch mit der Prozessualität des Schaffens beim Künstler).




Der Thrakische Reiter, 1976

Der in Reschitza geborene Hans/Ion Stendl ist einer der wenigen Künstler Rumäniens, die hohen Wert auf Bildung und Handwerk legen und der Kunstgeschichte der Menschheit in ihrem Lebenswerk einen festen Platz eingeräumt haben: als kongeniale Inspirationsquelle, als Legitimation der Wahrheit der Aussage, als handwerkliche Voraussetzung für die Perfektion der Botschaft. All das verleiht Stendls Werk nicht nur eine schier unverkennbare Individualität und die Originalität des bescheiden gebliebenen Einzigartigen, es enttarnt ihn auch als Lehrer und Meister – vergessen wir nicht: Hans Stendl war lebenslang Lehrer an der Akademie für Bildende Kunst in Bukarest, zuletzt als deren Dekan, ein Posten, den er per Ausschreibung (man verstehe: nicht durch „ein gutes Wort“ oder eine Parteienseilschaft) besetzt hatte, wie er nie vergisst zu unterstreichen



Selbstporträt auf der Schiefertafel, 2000

An einer Wand seines Ateliers in Bukarest ist, links unter einer zentralen Dornenkrone, ein mit turnenden Modellen geschriebenes „DANKE unserem Meister Stendl“ zu sehen. Die Botschaft seiner Lehrlinge. Übrigens: rechts oberhalb der Dornenkrone, diagonal zum DANKE: ein Porträtfoto seiner Mutter (beide Eltern Hans Stendls waren 1945 aus Reschitza in die Sowjetunion zur „Wiederaufbauarbeit“ deportiert worden).


Das Werk von Hans/Ion Stendl strahlt Abgeklärtheit aus. Jedoch keineswegs eine Altersabgeklärtheit, die Abgeklärtheit dessen, der sich mit dem Leben abgefunden hat, sondern eindeutig eine Haltung des Über-den-Dingen-Stehens-infolge-von-Wissen/Weisheit. Ein Wissen, das man sich durch Bildung und durch „das größte Vergnügen der menschlichen Rasse“(Brecht), das Denken, aneignen kann.


Hans Stendl entpuppt sich beim genaueren Hinsehen als Fragender, als einer, der sich die Antworten „verdient“ durch ehrliche und strebsame Arbeit, also mit Mühe („Wer immer strebend sich bemüht...“, heißt es im „Faust“). „Die Renaissance war nicht nur eine `Wiedergeburt`“, schreibt Hans Stendl in seiner Doktorarbeit („Die Zeichnung. Ästhetik. Grundlagen. Materialien“, Bukarest 2004), „sie hat auch zahlreiche `Geburten` initiiert. Eine von diesen war die Zeichnung, so wie wir sie auch heute in hohem Maße verstehen.“ Dieser Feststellung geht ein Loblied auf die Renaissance voraus, das auch als Motivation des Künstlers Hans/Ion Stendl verstanden werden muss: „Die Renaissance brachte eine Re-Evaluierung der antiken Konzepte der Filosofie, der Künste, ein Wiedererwachen der Gefühle für die Natur und eine Entzifferung der Realität mittels Mathematik. Und die Renaissance favorisierte das Heraustreten des Künstlers in den Vordergrund des Geschehens. Der Künstler verließ die handwerklichen Statute des Mittelalters und wurde zur selbstständigen, wichtigen und bewunderten Persönlichkeit. Dieser Künstler entfaltete seine Tätigkeit auf dem Unterbau der Wissenschaft. Seine Kreativität wird durch die Erkenntnisse der Mathematik und der Geometrie beflügelt. Auftauchende Probleme werden mit Vernunft geregelt. Die Wege dazu zeigt der Künstler auf, indem er im Atelier schafft.(...) `Die Proportionen der Natur reflektieren die Harmonie der Welt, und das geordnete System bildet eine Hierarchie, an deren Endpunkt sich Gott befindet`.(Uwe Westfehling: Zeichnen in der Renaissance)“.


Mir scheint, dass der perfekte Zeichner Hans/Ion Stendl diese Aussage in seiner Doktorarbeit auch als Selbstdefinition und Eigeninterpretation des Künstlers Hans/Ion Stendl verstanden wissen will. Denn sie illustriert vollkommen, was er tat und tut, seinen nachhaltigen und ununterbrochenen Versuch, die Welt mittels Zeichnen und gestützt auf das Vor-Wissen und die Vor-Arbeit von als kongenial aufgefassten Vorgängern zu verstehen.


Dass Stendls Fragen rund ums Geschehen in der Welt mal augenzwinkernd gestellt werden („Goethe – Odaliske“, 2002), mal kraftvoll-provokativ („Thrakischer Reiter“, 1978), dann wieder besinnlich und voller dürerhafter Symbolik („Der Philosoph“, 1998, „Dürer malt die Melancholie“, 1999) oder auch mal resigniert-gedankentraurig („Selbstporträt auf Schiefertafel“, 2000) oder gar vorgeblich blindlings („Tastsinn“, 2000), in allen Fällen versucht Stendl, die vorgegebene Zweidimensionalität der Zeichenfläche zu sprengen: mittels kollagenhaften Überlagerungen und auseinanderdriftenden Bild- und Gedanken-Suggestionen, mittels des Versuchs, die Momentaufnahme in der Bewegung aufzuweichen, mittels Neudeutung zitierter Motive durch Neuzusammensetzungen, mittels Relativierung von Zeit- und Raumzusammenhängen


Der Philosoph, 1998


Vielleicht macht das die Aktualität und möglicherweise auch das Zeitenüberdauernde des denkenden Zeichners und des sozialaktiven Künstlers Hans/Ion Stendl aus.



Goethe – Odaliske, 2002




Tastsinn, 2000