Die Rumänisch – Deutsche Kulturgesellschaft sucht zum 01. April 2010 für das Deutsche Kulturzentrum in Temeswar einen Kulturmanager/ Kulturmanagerin für eine Halbtagsstelle, mit folgenden Aufgabenschwerpunkten:
Deutsch und Rumänisch in Wort und Schrift
Master und/oder 4-jähriges Studium (BWL, polit. Wiss., Germanistik)
·Verantwortliche Verwaltung und Personalführung
·Koordinierung der Sprachkurse in Absprache mit dem Lehrerkollegiumund dem zuständigen Referat.
·Abstimmung kultureller Projekte intern, mit der KG und Projektpartnern
·Kontaktpflege, PR & Medien
·Durchsetzungsvermögen,flexibel und vielseitig.
Bewerbungen sind zu richten an die Rumänisch - Dt. Kulturgesellschaft,
oi/rn/ao. Temeswar - Die meist gestellte Frage dieser Tage ist: „Wo hast du Neujahr verbracht?“. Falls in den vergangenen Jahren die Antwort oft „im Gebirge“ oder „im Ausland“ lautete, so war Silvester 2010 etwas heimischer angehaucht. Im Vergleich zum Vorjahr gingen die Einnahmen der Hotels und Pensionen landesweit um 13 Prozent zurück, von rund 142 auf 125 Millionen Lei, so die Vereinigung der Unternehmer im Tourismusbereich. Die Zahl der Bürger Rumäniens, die es vorgezogen haben, den Urlaub daheim zu verbringen, ist um acht Prozent gestiegen. Die Zahl jener, die nicht ins Ausland gefahren sind, ist im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent zurückgegangen.
Ein beliebtes Reiseziel im Banat ist das Schigebiet Muntele Mic bei Karansebesch/Caransebes. Nicht nur die Wirtschaftskrise hat im Luftkurort zugeschlagen, auch das Wetter hat zum Jahreswechsel nicht mitgespielt. Wintersportfans gingen eher enttäuscht nach dem Urlaub nach Hause. Am ersten Neujahrstag konnte weder Schi, noch Schlitten gefahren werden. Trotzdem waren, laut Aussagen der Verantwortlichen aus dem Winterkurort – die Pensionen ausgebucht. Die Preise bei Muntele Mic belaufen sich auf 80 Lei pro Übernachtung, Frühstück eingeschlossen. Trotz Krise sollen die Preise bestehen bleiben, heißt es bei den Hoteliers. „Es sind ganz vertretbare Preise“, meinen diese. Eine Hin- und Rückfahrt mit dem Sessellift kostet 40 Lei. Schifahrer müssen für eine Fahrt mit dem Schilift 2,5 Lei zahlen.
Silvester auf dem Semenik
Diejenigen, die sich eine Urlaubswoche im Banater Bergland gegönnt haben, schwankten vergangene Woche zwischen Agonie und Ekstase. Mal gab es Schnee, mal regnete es und dichter Nebel herrschte Silvester auf dem Semenik. Am Wochenende schneite es wieder auf dem Semenik-Plateau. 30 Zentimeter misst derzeit die Schneeschicht – „noch mild für den Wintersport“, sagt Virgil Pop von der Wetterwarte Semenik. Die schwachen Schneefälle haben in diesem Jahr den Wintersport nur an einigen Tagen ermöglicht. Die Preise sind auch deswegen in dieser Saison dieselben geblieben wie im vergangenen Jahr. Eine Fahrt mit dem Schilift kostet 4 Lei und eine Tageskarte 50 Lei. Ein Novum ist heuer die Halbtageskarte für 30 Lei. Schier und Schlitten können ebenfalls geliehen werden. Zehn Lei pro Tag kosten die Schier – kleine Schlitten bekommt man für fünf Lei, große für zehn Lei pro Tag.
Unterkunft ist eines der größten Probleme im Luftkurort. Das Gozna-Hotel, eines der ältesten Hotels auf dem Semenik, wurde Sommer 2007 geschlossen und wartet seitdem auf einen Käufer. Das Zwei-Sterne-Hotel „Du{an {i fiul“ bot zu Silvester, vom 30. Dezember bis am 2. Januar, Unterkunft samt Silvesterfeier und Essen für 880 Lei pro Person. Eine andere Möglichkeit war die Hütte „Andra“. 1.000 Lei kostete hier der dreitägige Spaß zu Silvester.
Winterkurort Rausor
Sie durften sich im Schlamm vergnügen, die etwa 200 Touristen, die Silvester in den Winterkurort Rausor im Kreis Hunedoara gereist sind. Sie alle hatten auf Schnee gehofft, Schier und warme Kleidung mitgeschleppt. In Râu{or gibt es nämlich eine Schipiste, genutzt werden konnte sie jedoch wegen des für diese Zeitspanne ungewohnt warmen Wetters nicht. Acht Pensionen standen den Touristen in der Gegend zur Wahl. „Diese waren zu 95 Prozent ausgebucht“, sagt Tourismusagent Andrei Vlad. Die Preise seien im Vergleich zum Vorjahr „ein wenig gesunken“, so der Fachmann. Hier wurde in Euro bezahlt: Eine Pension mit rund 25 Plätzen kostete 2500 Euro für vier Nächte ohne Frühstück. Von den acht Hütten bieten nur zwei die Möglichkeit einer warmen Mahlzeit. Schier werden für 15 Lei pro Tag geliehen, die Fahrt mit dem Skilift kostet 30 oder 60 Lei pro Tag, wobei 30 bzw. 60 Fahrten im Preis eingeschlossen sind.
Bloß nach Silvester kleidete sich der Semenik weiß.
Es gibt jede Menge Theater in Rumänien. Entweder sieht man schlechte Schauspieler auf dem Fernsehbildschirm, die manchmal Krokodilstränen fließen lassen, da es einem Parteifreunden nicht besonders gut geht, auf der Straße, überhaupt in jedwelcher Situation findet man „Amateurschauspieler“. Wirkliche Theaterprofis gibt es jedoch nur wenige. Viele Bühnen in Temeswar/Timisoara stehen ihnen auch nicht zur Verfügung. Man sollte sich nicht unbedingt an einer Stadt wie London messen, in der in fast jeder Straße (es ist natürlich übertrieben) ein Theater zu finden ist.
Temeswar stellt jedoch in Theaterhinsicht keine Ausnahme in Rumänien dar. Außer in Bukarest gibt es kaum eine Stadt hierzulande in denen mehrere Theater zu finden sind. In Temeswar beherbergt ein Gebäude gleich drei Theater (rumänisch, deutsch, ungarisch) und eine Oper. Eine Veränderung in dieser Hinsicht begann 2008, als vom Stadtrat entschieden wurde, die alte Reithalle hinter dem Continental-Hotel (Auch als Sportsaal Nummer 2 bekannt) dem Nationaltheater aus Temeswar zu Nutzungszwecken zu überlassen. Seitdem wurden auch einige Stücke hier „auf die Bühne“ gebracht.
Zukunftspläne in Sachen Theaterkultur
In der Kreishauptstadt werden voraussichtlich in nächster Zukunft Kultstätten in Kulturstätten umgewandelt. Es geht um jüdische Kultstätten, nämlich Synagogen. Von den drei in Temeswar existierenden Synagogen werden zwei ihre Funktion ändern: eine davon wurde der Philharmonie zur Verfügung gestellt (dies nachdem die Reparaturarbeiten am Gebäude beendet werden) und die Synagoge aus der Fabrikstadt, die zu einer „dritten Initiative des Nationaltheaters werden soll“, so jedenfalls Ada Hausvater, Generaldirektor des Nationaltheaters aus Temeswar.
Und wo es plötzlich so viele Bühnen gibt, ist auch Bühnenbild notwendig. Daher kam die Idee zur Einrichtung von Ateliers für die Herstellung von Bühnenbildern. Dadurch soll ein Teil der Räume des Staatstheaters frei werden, die zurzeit mit solcher Art Requisiten belegt sind.
Kurze „Operngeschichte“
Das Temeswarer Stadtzentrum wird auch Opernplatz genannt. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde auf dem Platz des heutigen Kulturpalastes die Kaserne „Por]ii Petrovaradinului“ gebaut, die auch die Kaserne der „Genadienilor“ genannt wurde. Vor der Kaserne befand sich die sogenannte „pia]eta de alarma“. Als das Theater gebaut wurde, stand noch nicht fest, wie groß der Platz vor dem Theater sein würde. Laut Architekt Mihai Opri{ ist der Triumphbogen des Theaters dadurch entstanden, da die umliegenden Gebäude, die rundherum gebaut worden waren, über das Theater hinausragten. In der Zeitspanne 1872-1875 wird das Theatergebäude unter dem offiziellen Namen „Franz Joseph Theater“ gebaut.
Das Gebäude wurde im Laufe der Zeit mehrere Male von Bränden heimgesucht. So auch am 1. Mai 1880. Bis 1882 wurde es wieder errichtet. Am 2. November 1920 brennt es erneut. Es wird zwischen 1923 und 1928 wieder aufgebaut, besonders das Innere des Theaters. Zwischen 1934 und 1936 wird die Fassade unter der Leitung des Architekten Marcu Duliu verändert. Es wird ein Bogen gebaut, die drei Arkaden im ersten Stock, die im historisch-eklektischen Stil gebaut wurden bekommen einen „neo-byzantinischen Touch“. Weil der Architekt einige Elemente aus der italienischen Architektur der damaligen Zeit verwendete, wird von einigen auch von der „faschistischer Strömung“ gesprochen. Im allgemeinen wird jedoch damit die Zeit Carol II. verbunden.
Zwischen gestern und heute
In einer der Broschüren des Temeswarer Nationaltheaters steht unter der Unterschrift des Architekten Mihai Opris auch ein Vergleich zwischen damals und heute (die Ähnlichkeiten zu heute sind seiner Aussagen nach zufällig). So zum Beispiel sollte das Gebäude, das nach den Plänen der Architekten Fellner und Helmer gebaut wurde, auf der Vorderseite vier Statuen haben, die Thalia, Melopomene, Euterpe und Terpsihore darstellen sollten. Jede wog ungefähr 900 Kilogramm und war an die drei Meter hoch. 1875 konnte keiner gefunden werden der die Statuen anbringen sollte. Diese lagen in einer Lagerhalle, da Jahr für Jahr, als über das Budget abgestimmt wurde, die nötigen Gelder für das Anbringen fehlten. In denselben Jahren jedoch entstanden immer mehr Paläste in Temeswar. Geld war als prinzipiell da – trotzdem konnte bis Ende des 19. Jahrhunderts die nötige Finanzierung für das Anbringen der vier Statuen nicht gesichert werden. Daher wurden diese im Sonderangebot für 200 Gulden an Mathias Stein verkauft, der sie in seinem Garten aufstellte.
Olivian Ieremiciu
Reparaturarbeiten amSportsaalNummer 2
Die Synagoge in der Fabrikstadt soll umfunktioniert werden.
Der rumäniendeutsche Bildhauer Ingo Glass wurde 1941 in Temeswar/Timisoara als „Europäer“ geboren. In einem Landstrich, wo mindestens fünf Minderheiten zusammenlebten - ein „Europa en miniature“, wie er zu sagen pflegt. Und nicht nur der Geburtsort sondern auch die Donau, der große völkerverbindende Fluß, bestimmte Glass´ Weg und veranlasste den Künstler dazu, seine monumentalen Stahlskulpturen in Galatz/Galati („Septenarus“), Dunaújváros („Alpha+Omega“), Gundelfingen („Nördlingen 25 A“) und anderen Donaustädten aufzubauen. Trotz der klassischen Kunstausbildung war Glass´ Absage an die figurative Kunst eindeutig. Denn nach der eiförmigen Urform von Brancusi könne man in diesem Bereich, laut Glass, nichts mehr reduzieren. Er wandte sich der konkreten Kunst zu. Seit Jahren arbeitet er nur noch mit drei Grundformen. DenenhaterbestimmteFarben fest zugeordnet, mit einer gewissen Abweichung von der auf Kandinsky zurückgehenden Bauhaus-Theorie: Glass akzeptiert es nicht, dass das Quadrat mit Rot und der Kreis hingegen mit Blau assoziiert wird. Für ihn ist Kreis immer rot, da er das Leben und die Bewegung symbolisiert. Das Quadrat steht für Ruhe und Meditation, daher teilt er ihm die Farbe Blau zu. Dem „aggressiven“ Dreieck gibt er die Farbe gelb.Über Heimat, Kunst und Auswanderung sprach der in München lebende Ingo Glass mit BZ-Redakteurin Ana Saliste.
Vor Kurzem haben Sie die Arbeit “Tor nach Serbien” der Stadt Temeswar gespendet. Sie wurde in unmittelbarer Nähe der Michelangelo-Brücke aufgestellt. Warum Tor nach Serbien?
Die Arbeit musste in Serbien aufgestellt werden, dies konnte aber aus finanziellen Gründen nicht realisiert werden. Es soll die gute Zusammenarbeit zwischen Serbien und dem Banat symbolisieren. Serbien war für Temeswar immer ein Tor zur Schönheit, zum Traum. Das Werk ist Teil meines Donauprojekts und rund 30.000 Euro wert. Das war eine meiner Spenden an Temeswar.
Sie haben 1976 in Galatz das „Donauprojekt“ begonnen, das mit seinen 13 Meter hohen Stahlskulpturen entlang der Donau bis hin nach Neu-Ulm ein Symbol der Völkerverbindung der Länder, die an der Donau liegen, darstellt. Warum sind alle Donauskulpturen 13 Meter hoch?
Es ist symbolisch gemeint. Zwölf ist die Heilige Zahl, wir haben zwölf Aposteln, das Jahr hat zwölf Monate usw. Ein Werk ist zwölf Meter groß plus eins, denn ich tue noch eines drauf. Es heißt, es geht weiter, es bleibt nicht stehen, symbolisch. Außer Neu-Ulm gibt es noch größere Werke in Ingolstadt und Regensburg und weitere kleinere Arbeiten in anderen Städten.
Sie arbeiten seit Jahren nur mit drei Grundformen und Grundfarben. Wie sind sie dazu gekommen?
Die Theorie der Bauhauslehre, also Wassily Kandinsky und andere, die hatten festgelegt, dass das Quadrat rot ist und der Kreis blau. Denen habe ich aber widersprochen. Ein Kunsthistoriker hat gesagt, die Kunstgeschichte wird es klären, wer recht hat, die Kunsthochschule oder der Glass. Ich kann mir nicht geistig vorstellen, dass ein Kreis blau ist. Kreis bedeutet ja Bewegung und jedwelche Bewegung und jeder Blutkreislauf ist rot. Zeichne ein Quadrat, einen Kreis und ein Dreieck und gib es einem Kind. Der Kreis wird für das Kind immer rot sein, es kommt ja von der Sonne her. Es ist ja auch ein Symbol der japanischen Fahne. Das Quadrat ist für mich eine ruhige meditative Form, weil es vier gleiche Seiten hat. Das Blau ist auch eine meditative Farbe.
In vielen Ihrer Werke kann man ein Tor, eine Öffnung oder einen Übergang erkennen. Kann man da von einem Leitmotiv sprechen?
Für mich war Brâncu{i derjenige, der im Bereich der gegenständlichen Kunst und des Volumens den Punkt auf das „i“ gesetzt hat. Mehr kann man da nicht tun, meiner Meinung nach. Sein Grundelement ist die eiförmige Urform, das Ei. Mehr kann man nicht reduzieren. Dann habe ich mich gefragt, wie kann man weiterkommen, was kann man weitermachen. Nach längerer Überlegung und mehreren Experimenten, habe ich angefangen, mit Raum und Flächen zu arbeiten. Ich habe Schnitte gemacht. Kein Volumen mehr, sondern Flächen im Raum. Ich schneide den Raum, aber ich will die Form auch öffnen. Wenn ich also zwei Formen paare, dann bilde ich auch eine Öffnung, weil die Luft, das Umfeld da drin, dann das Volumen für mich ist.
Ihren Werken liegt die konkrete Kunst zugrunde. Wie sind Sie dazu gekommen?
Die konkrete Kunst ist durch den Schweizer Max Bill in der Bildhauerei eingeführt worden. Die Vertreter der konkreten Kunst haben aber meist nur mit geometrischen Elementen gearbeitet, also vertikal, horizontal, diagonal und die hatten in ihrer Auffassung den Bogen, den Kreis nicht verwendet. Da widerspreche ich ihnen auch, weil der Kreis ja auch eine geometrische Figur ist. Ich bin eigentlich kein reiner konkreter Künstler, also ich bin mehr geometrisch-konkret.
Was bedeutet „Heimat“ für sie?
Ich habe mich das auch schon öfter gefragt und bin zu einer einzigen Antwort gekommen. Für mich ist Heimat Europa und die Welt, da ich bereits in Temeswar mehrsprachig aufgewachsen bin. Ich habe schon als Kind Deutsch, Englisch und Russisch gelernt.
Wie war für Sie die Auswanderung nach Deutschland?
Das war sehr kompliziert. 1948 kam mein Vater aus der amerikanischen Gefangenschaft zurück. Er war an der Westfront. Er kam heimlich über die Grenze nach Rumänien, weil er hier eine Frau und drei Söhne hatte. Die Nachbarn haben kritisiert, dass er aus Deutschland zurückgekehrt ist. Der Sicherheitsdienst „Securitate“ hat ihn als Spion lebenslänglich verurteilt. Er war in verschiedenen Gefängnissen. Dann ist Stalin gestorben und es kam eine Amnestie und dann haben sie ihn auch freigelassen. Ab dann hat meine Familie einen Antrag gestellt, um auszuwandern. Die Schwester meines Vaters lebte bereits in Nürnberg. Wir haben aber nie die Auswanderungserlaubnis erhalten.
Nach dem Hochschulabschluss war eine Stelle im Deutschen Kulturhaus in Bukarest frei. Ich hatte somit Kontakt zu deutschsprachigen Botschaftern, die das Haus besuchten. So bin ich mit einigen ins Gespräch gekommen. Keiner hat sich zuerst getraut, mir zu helfen. Da kam ein österreichischer Journalist und ich habe mit ihm gesprochen. Damals haben die Leute in Not gelebt. Und das schrieb er. Und er schrieb auch, „nicht alle Deutschen kriegen die Ausreisegenehmigung, so zum Beispiel kämpft seit Jahren die Familie Glass usw“. Es war eine ganze Seite.
Darauf hat die „Securitate“ reagiert und wurde auf Sie aufmerksam...
Ja, dann wurde ich eines Morgens zur „Securitate“ eingeladen. Ich habe auch einen kleinen Koffer eingepackt, weil ich dachte, dass sie mich einsperren. Die vom Sicherheitsdienst haben mich aber mit „Herr“ und nicht mit „Genosse“ angesprochen. Ich stand nicht einmal in der Warteschlange, um die Papiere zu erhalten. Die haben mir per Telefon gesagt, ich soll, wenn ich ankomme, nur meinen Namen sagen. Das tat ich, ein Offizier bot mir sogar einen Kaffee an. Ich habe ihm gesagt, ich trinke einen, nur wenn er auch einen trinkt. Als der Kaffee gebracht wurde, habe ich höflich gefragt „Darf ich?“ und ich habe die Tassen vor seinen Augen umgetauscht. Ich hatte gehört, dass sie manchmal Tropfen rein tun, um Leute zu betäuben. Da sagte er: „Es ist nicht der Fall“. Er sagte, ich soll zum französischen Journalisten, mit dem ich gesprochen hatte, in dessen Hotelzimmer gehen und ihm sagen, dass die Veröffentlichung des Artikels in der französischen Zeitung nicht mehr nötig sei, da ich die Formulare bekommen werde. In zwei Wochen waren wir weg. Ich habe gehört, hier in Banat und in Siebenbürgen, da wurden 8.000 Mark von der Bundesrepublik pro Kopf bezahlt. Es war ein Abkommen zwischen Helmut Schmidt und dem Ceau{escu-Regime. Umgerechnet auf heute, bin ich 4.000 Euro wert.
Wie kann sich ein deutscher Bildhauer, aus Rumänien stammend, durchsetzen?
Es gibt verschiedene Wege. Man muss aber sehr aktiv sein, um bekannt zu werden. Man muss in Galerien nachschnüffeln, um zu sehen was interessant ist, um die Sammlung mit neuen Sachen zu bereichern. Es gibt auch Ausschreibungen für Denkmäler. Es steckt viel Arbeit dahinter. Ich hatte den Vorteil, dass ich Deutsch sprach. Die anderen kommen hin, nähern sich den rumänischen Gemeinschaften und kommen von da nicht mehr raus. Sie lernen nicht einmal die Sprache. Mich haben auch die Landsmannschaften nicht interessiert. Sie kamen später, und fragten mich, ob ich nicht beitreten will, ob ich nicht die Banater Post lesen will. Ich habe gesagt, dass ichmeine 40 Euro Mitgliedsbeitrag begleiche, damit ich die Zeitung kriege, mehr nicht.
Bürger Rumäniens zum Sparen gezwungen/ Von Raluca Nelepcu
Die Preise ablesen, staunen und verzweifeln – ein Szenario, das sich bis Neujahr nur vor dem Fernseher zugetragen hat, nun aber in ganz Rumänien Wirklichkeit geworden ist. Verteuerungen bei Lebensmitteln, elektrischem Strom, Treibstoff und Zigaretten sind bereits am 1. Januar 2010 eingetroffen. Im internationalen Kontext der Wirtschaftskrise und die Arbeitslosigkeit befürchtend, sind nun Rumäniens Bürger sparsamer geworden.
„Ich schaue ständig auf den Preis, wenn ich etwas kaufen möchte, und entscheide mich für das billigere Produkt“, sagt Alexandru Csorba (25) aus Lugosch/Lugoj. So wie er, tun es viele, die auf den Geldbeutel achten wollen. Der Absolvent der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften in Temeswar/Timi{oara möchte in diesem Monat mit dem Rauchen aufhören. „Die Zigaretten sind um 1,5 Lei teurer geworden – soviel kostet ein Brot“, sagt er.
Horst Martin, Vorsitzender des Banater Vereins für Internationale Kooperation (BVIK) „Banatia“ in Temeswar, erklärt die schwierige Lage in Rumänien: „Es gibt viele Bürger, die nicht an den morgigen Tag denken, die keine Sozial- und Krankenversicherung haben und nichts auf die sogenannt Kante legen. In den vergangenen Jahren wurden Kredite nur mit dem Personalausweis gewährt und das hat viele in die Sackgasse geführt“. Auch, was die Unternehmer betrifft, sieht der BVIK-Vorsitzende Schwierigkeiten. „Viele haben keine Rücklagen, weil sie ihr Geld nicht in Ausstattung investiert haben, sondern nur in Äußeres, wie zum Beispiel teure Autos“, sagt Horst Martin. Als Weg aus der Krise sieht er eine positive Entwicklung bei einigen Bevölkerungsschichten: „Die Leistung der Gesellschaft könnte steigen. Die schwierige Situation könnte für manche ein Anreiz sein, mehr zu tun“. Auf dem Land zum Beispiel gibt es kaum noch Selbstversorger, Menschen also, die ihren Garten anlegen. „Das könnte sich künftig ändern“, meint der Banatia-Vorsitzende mit einem Hauch von Optimismus.
Wenn einige Schichten doch noch eine Chance haben, sich selbst in der Krise zu helfen, so haben es die Rentner umso schwieriger. Für sie gibt es kaum einen Ausweg aus der Krise. Karl Szélhegyi-Windberger (86) weiß es besser: „Im Allgemeinen haben die Rentner die Krise stark zu spüren bekommen, weil die Preise stark gestiegen sind. Und da ist nicht viel zu machen, man muss den Gürtel enger schnallen“.
Der ehemalige BZ-Fotoreporter hat bereits im vergangenen Jahr eine bedeutende Sparmaßnahme in seiner Wohnung getroffen. Er hat alle Glühbirnen mit Sparbirnen ersetzt. „Diese halten lange und auch der Stromverbrauch ist deutlich gesunken“, sagt Windberger. Aus Gesundheitsgründen hat er seine Ernährungsgewohnheiten umgestellt: Er isst nun mindestens drei Mal pro Tag Früchte. „Heute Morgen habe ich es wieder bemerkt: Die Clementinen sind alle. Ich teile sie mir so ein, dass sie für zwei Tage reichen. Ein Kilo kostet etwa 6 Lei, aber das Geld schwindet mit der Zeit“, sagt Karl Windberger. Der Fotograf hat es trotzdem besser als andere Rentner. Er bekommt Essen von der Adam-Müller-Guttenbrunn-Kantine. „Auf der Tagesordnung stehen unliebsame Überraschungen vom rumänischen Staat, aber man kann nichts dagegen tun. Man muss ruhig sein und hoch schreien“, scherzt Karl Windberger. Er ist zugleich einer der wenigen, die mit Humor durch die Krise gehen. Den meisten ist das Lachen schon längst vergangen.
Handelskammer mit neuer Strategie und neuen Mitgliedern
Von Siegfried Thiel
Heranziehen von EU-Fonds galt 2009 für viele Unternehmen als Lebensversicherung. In diesem Sinn hat auch die Temescher Industrie- und Handelskammer in ihrer bisherigen Strategie eigentlich ad-hoc umgedacht: Als die Kammermitglieder in der fast ausweglosen Krisensituation ihren Fokus auf EU-Gelder und -Projekte zu richten begannen, hat die IHK Beratung und Unterstützung beim Projekterstellen als eine ihrer Hauptaufgaben erkannt. Dies sagte auf der Bilanzpressekonferenz der IHK deren Geschäftsführerin Menu]a Iovescu.
Verzweiflungstaten der Kammermitglieder
Im Januar - Februar 2009 erlebten die Unternehmen im Verwaltungskreis Temesch/Timi{ einen Einbruch ihrer Aufträge bzw. der festen Verträge gegenüber der gleichen Zeitspanne 2008 um fast 50 Prozent. Ab März gab es laut Iovescu dann eine leichte Kurskorrektur, es blieb jedoch bei einem Auftragsminus von 20 – 25 Prozent im Jahresvergleich. Zur schlechten Auftragslage kamen erschwerte Kreditaufnahmen und Währungsfluktuation hinzu – alles Aspekte, die das Firmenmanagement schwer getroffen haben. Zunächst reduzierten die Unternehmen ihre Marketing– und Werbeausgaben, Personalentlassungen und Lohnkürzungen folgten. Die Finanzknappheit hat die Unternehmen wahrhaftig zu Verzweiflungstaten getrieben. Manche gingen so sehr auf Sparkurs, dass sie ihre Kammermitgliedschaft kündigten, andere erhofften sich in der IHK die notwendige Unterstützung und wurden Neumitglieder. Mit oder ohne spezielles Interesse – 45 Firmen schrieben sich 2009 in die Temescher IHK ein.
Zwei Förderbüros gegründet
Zu den High-Lights der Temescher Handelskammer im Jahr 2009 zählen zweifelsohne die Gründung des „Regionalen Büros zur Förderung und Zertifizierung von Cluster“, und die Gründung des „Regionalen Zentrums für eine dauerhafte Entwicklung im ehemaligen Großbanat“. Die Handelskammern der rumänischen Verwaltungskreise Temesch/Timi{, Karasch-Severin/Cara{-Severin zusammen mit den Kammern in Zrenjanin, Pancevo und Kikinda (alle Serbien) haben dieses Zentrum gegründet. Untergebracht ist das Koordinationsbüro im Gebäude der Temeswarer Industrie- und Handelskammer, die auch Projektgestalter ist. Die anderen Kammern sind Projektpartner.
Eine einheitliche Wirtschaftsentwicklung in der Grenzregion zwischen Rumänien und Serbien soll durch diese Zusammenarbeit gewährleistet werden.
„Regierungen tun zu wenig für die Förderung von Cluster“, hieß es auf einer Pressekonferenz vor der Eröffnung des Büros zur Cluster-Förderung. So gibt es nun offiziell einen Interessenvertreter und Förderer von Clustern im ehemaligen Großbanat. Mit dieser Initiative fahren die Partnerkammern aus Rumänien und Serbien auch auf der Schiene der EU-Kommission. „Wir wollen den Mitgliedstaaten nicht vorschreiben, in welche Bereiche sie investieren oder sich fachlich ausrichten sollen. Unser Ziel ist, allein den Weg vorzuzeigen, um einebessere Cluster-Politik zu haben“, so zu diesem Thema, Günther Verheugen, Vizepräsident der EU-Kommission. Cluster bringen Industrie, Forschung und Dienstleister einer Interessengemeinschaft zusammen und vernetzen diese. Europaweit sind etwa 2000 Cluster eingerichtet.
Automotive-Cluster gegründet
In Rumänien gibt es laut derzeitigen Informationen einen einzigen Cluster, jener für Automotive – gegründet in Temeswar von der Entwicklungsagentur ADR Vest. In Pancevo ist ein Cluster für Textilindustrie registriert. Cluster können sich „natürlich“ um einen sogenannte Leader-Firma herum bilden, Cluster, die über das neue Büro als solche identifiziert werden sollen. „Geplante“ Cluster, wie Technologieparks wären dann ein weiterer Schritt, den dann auch die „Natürlichen“ tun können - beide mit dem Zweck gezielter Kooperation und nicht zuletzt, gerade in Krisenzeiten, zum Akquirieren von Fonds.
„Cluster sind als Gebilde schon deshalb wichtig, damit sie über eine adäquate Finanzierung verfügen können“, erläutert die Geschäftsführerin der Temescher IHK, Menu]a Iovescu. Und sie beschäftigt sich derzeit besonders intensiv mit diesem Thema, schreibt sie doch ihre Doktorarbeit über die Clusterbildung.
Ehemaliger Starhandballer als Werbeträger und Heimkehrer
Von Siegfried Thiel
Die Einladung war auf Umwegen auf meinen Rechner gekommen, lange zuvor, doch dann hatte ich den Termin verpasst. Die Schriftstellerin Doina Magheti war dann die treibende Kraft. Johann Steiner – aus dem Banat stammender Buchautor und Journalist – und der ehemalige Starhandballer Hans Günther Schmidt befanden sich in Temeswar. Steiner und Magheti hatten als Herausgeber und Mitherausgeber ihr zweites Buch aufliegen. „Die Gräber schweigen – Berichte von der blutigsten Grenze Europas“ ist die deutsche Version, seit Kurzem gibt es auch eine rumänische Fassung: „Mormintele tac – Relatari de la cea mai sângeroasa granita a Europei“. Mit gemischten Gefühlen wähle ich das Temeswarer Hotel: „Steiner“ kommt es aus dem Hörer. Zum ersten Mal habe ich den Journalisten „Johnny“ Steiner am Telefon – er sagt einem Treffen zu: „Aber um elf sind wir weg“, weist er auf den bevorstehenden Abflug nach einer Woche Rumänienaufenthalt hin. Steiner und Schmidt kehren in ihre Wahlheimat Deutschland zurück – der Kommunismus hatte sie dahin verschlagen. Zum Treffen fährt Redaktionskollegin Andreea Oance mit – aus Nettigkeit macht sie heute den Fotografen, aber wohl auch aus Interesse – ihre Vorliebe für den Sport ist mittlerweile allbekannt. Hans Günther Schmidt habe ich vor Jahren als Schirmherr der Sportveranstaltungen beim Treffen der Banater Schwaben in Ulm in Erinnerung. ´Sehr offiziell´ schien er mir damals, heute gibt er sich locker und entspannt. Fast 50 Jahre nach seiner Flucht in den Westen hat Schmidt seine rumänische Herkunft nicht vergessen. Nun waren sie auf Rumänientour, um ein Buch vorzustellen, das so gar nicht in das Repertoire von Steiner – der eher Handballgeschichten und –geschichte zu Druck bringt - passt. Eigentlich auch zu Schmidt nicht. Oder doch?
Traurig: Titel und Geschichten
Zwei Banat-Heimkehrer: Johann Steiner (links), in Billed/Biled geboren, und Hans Günther Schmidt, stammt aus Marienfeld/Teremia Mare
Foto: Andreea Oance
Johann Steiner hat wohl die Vergangenheit eingeholt, Hans-Günther Schmidt sowieso. Und mit Doina Magheti fand sich in Rumänien eine Kennerin und Journalistin, die sich dem Anliegen von Steiner annahm. „Die Gräber schweigen“ besteht aus einer Reihe von Berichten von der „blutigsten Grenze Europas“, wie Buchautor Steiner die rumänisch-serbische Grenze zu nennen pflegt. „Mormintele tac“, ist eigentlich eine gekürzte Fassung der deutschen Herausgabe. „Wir haben die Berichte für die rumänische Fassung gewählt, die uns relevant erschienen“, sagte Doina Magheti der Banater Zeitung. Die Autoren lassen in ihrem Buch Menschen zu Wort kommen, sie lassen frei in der ersten oder dritten Person erzählen. Die Befragten berichten unterschiedlich über die Flucht in den Westen. Manche weit ausholend und argumentierend. Andere wieder gehen auf die Vorbereitungen der Flucht ein. Scheitern, Folter und gar Tod bleiben dem Leser nicht vorenthalten.
„Es gibt keinen Friedhof am serbischen Donauufer, auf dem nicht rumänische Staatsbürger bestattet sind. Es sind Grenzgänger, die in der Zeit des Kommunismus auf der Flucht aus Rumänien ums Leben gekommen sind. Sie sind entweder ertrunken, oder aber haben rumänische Grenzer sie ertränkt, erschossen, oder mit Schnellbooten absichtlich überfahren. Manch einer von ihnen hat im Winter das serbische Ufer schwimmend erreicht und ist erfroren. Ein serbischer Grenzer begrüßt eines Tages einen Siebenbürger Sachsen nach dem Durchschwimmen der Donau mit den Worten: `Ihr Rumänen seid verrückt. Geht und schaut euch einmal auf den Friedhöfen um, wie viele Tote dort begraben sind.´“ So beginnt Johann Steiner sein Vorwort zu „Die Gräber schweigen“. Auch 42 Seiten wird er Vorwort und Einleitung schreiben, auf weiteren mehr als 400 Seiten folgen Berichte von der „knapp 1000 Kilometer langen Westgrenze Rumäniens“ (...) an der „vermutlich mehr Menschen ums Leben gekommen sind, als an der innerdeutschen“, schreibt Steiner. Aus seiner Feder stammt auch eine gekürzte Einleitung zur rumänischen Fassung, das Vorwort kommt diesmal von Bogdan Murgescu.
Viele Erfolgserlebnisse geschildert
Trotz dieser tristen Einleitungen berichtet das Buch nicht nur von Mord, Tod und Folter, sondern auch von Erfolgen der Flüchtlinge. Viele erzählen heute das, was damals als gern gehörte Legende galt, hatte doch so mancher Flüchtling den Grenzern einen Streich gespielt.
Als Werbeikone für die beiden Bücher sieht sich Hans Günther Schmidt nicht und auch Buchautor Steiner „verkauft“ ihn nicht als solchen. Doch Schmidt ist auf jeden Fall der prominenteste Überläufer der im Buch erfasst ist. Der ehemalige Starhandballer, der nach seiner Flucht 1963 für den VfL Gummersbach in dessen Glanzzeiten spielte, spricht über Handball, Rumänien und seine Politiker und darüber, dass er als Auswahlspieler auch vor der Flucht ein „gutes Leben“ geführt hatte. Auch so genannt Privilegierte zog also der Bann des Westens an. „Ich bin mit Freude ins Banat zurückgekehrt um bei der Buchvorstellung meines Freundes Hans Steiner meinen Beitrag zu leisten. Mein Besuch ist auch eine Zeitreise, bietet mir jedoch gleichzeitig die Möglichkeit, zu sehen, wie die Menschen hier ihre zweite Chance genutzt haben – die sie vor 20 Jahren erhielten –ohne über die Grenze fliehen zu müssen“, sagt der heute 67 Jahre alte Hans Günther Schmidt beim Wiedersehen mit dem Banat.
Die Arbeiten sollen noch in diesem Jahr fertig sein
Temeswar (BZ) – Das Publikum hat entschieden: Die Villa „Elisabeth“ im Kurort Herkulesbad/Baile Herculane, Verwaltungskreis Karasch-Severin/Caras-Severin, hat in der Kampagne zur Sanierung der Altbauten und historischen Denkmälern die meisten Wählerstimmen erhalten. Die Kampagne wurde vom Kulturministerium und vom rumänischen Fernsehsender TVR im vergangenen Jahr in die Wege geleitet. Zuschauer aus allen Ecken des Landes konnten im Laufe von zweieinhalb Monaten unter 30 sanierungsbedürftigen Altbauten, Schlössern oder Denkmälern wählen und telephonisch abstimmen. Das Finale erreichten auch die Burg Hunedoara und das Amphitheater in Sarmizegetusa. Rund 22.000 Zuschauer haben gewählt, auf die Villa „Elisabeth“ aus Herkulesbad kamen die meisten Stimmen. Die Sanierungsarbeiten haben bereits 2009 begonnen und sollen schon in diesem Jahr fertiggestellt werden.
Die Villa steht in der historischen Innenstadt von Herkulesbad, dem ältesten Kurort Rumäniens und einem der ältesten Kurorte der Welt. Herkulesbad, malerisch im Cerna-Tal zwischen dem Cerna-Gebirge im Nordwesten und dem Mehedinţi-Gebirge im Südwesten gelegen, zählte im 19. Jahrhundert, neben Baden-Baden und Karlovy Vary, zu den schönsten Kurorten Europas.
Die Existenz der Siedlung ist seit dem Jahr 153 durch eine römische Inschrift belegt. In der Zeit des Römischen Reiches war Herkulesbad (lateinisch Aqua Herculis) ein wichtiger Kurort, der dem Gott Herakles gewidmet war. Aus dieser Epoche stammen verschiedene archäologische Funde.
Hier werden rheumatische, orthopädische, neurologische und gynäkologische Erkrankungen sowie Diabetes, Krankheiten der Augen, des Magen-Darm-Traktes und der Atemwege behandelt.Die berühmte Kaiserin Elisabeth von Österreich (Sissi) hat den Kurort fünfmal besucht und auch eine Kur vor Ort gemacht. Sie hat mehrere Male die Ortschaft in ihrem Tagebuch erwähnt und gelobt.
Das Bürgermeisteramt der Stadt Herkulesbad möchteauchdie Statue der Kaiserin sanieren, die in unmittelbarer Nähe der Villa errichtet wurde. Auch eine Grünfläche soll da angelegt werden.
Mit oder ohne „Projekte“: Es geht weiter / Von Erwin Josef Tigla
Am 2. August 2010 jährt sich zum 18. Mal der Gründungstag der Vinzenzgemeinschaft innerhalb der römisch-katholischen Pfarrei „Maria Schnee“ in der Altstadt Reschitzas. Gefunkt hat es damals anlässlich des Besuchs einer Abordnung aus Graz/Österreich. Traute Kaindlbauer und Hofrat Dr. Alois Fauland sind die Initiatoren. Hofrat Dr. Alois Fauland steht bis heute seinem Gründungskind nahe, unterstützt und fördert es!
Was wurde in diesen fast 18 Jahren geleistet?
Eine riesig große Zahl von Lebensmittelpaketen mit Grundnahrungsmitteln sind an Hilfsbedürftige, hauptsächlich kinderreiche Familien, alte Mitbürgerinnen und -bürger, Alleinstehende und Kranke, vermittelt worden. Tonnen von Zucker, Mehl, Maismehl, Öl, Reis, Nudeln, Margarine, Fleischkonserven, Süßigkeiten sind durch die Hände der Vinzenzgemeinschaft im Laufe der Jahre zu den Unterstützten gelangt.
Dazu kommt die soziale Tätigkeit im Sozialzentrum „Frédéric Ozanam“, dessen Zielgruppe Kinder verschiedenen Alters sind - der Mittelpunkt des karitativen Unternehmens unserer Vinzenzgemeinschaft, die unter der Leitung von Dipl.-Ing. Elfriede Gheorghiţa läuft. Dieses Sozialzentrum besteht seit dem 10. Mai 2000.
Viel für Kinder getan
Wir bemühten uns, hier den Kindern schöne und lehrreiche Stunden zu bieten. Durch zum Großteil pensionierte Lehrkräfte unterstützen wir sie mit unentgeltlichen Nachhilfestunden beim Lernen und Hausaufgabemachen sowie durch Fremdsprachenunterricht (Deutsch und Französisch). Die Kinder bekommen Grundkenntnisse zum Benehmen in der Gesellschaft - auch durch die Mithilfe freiwilliger Rentner. Ärzte und Sanitäter betreuen die Kinder gesundheitlich, was bei unserem Gesundheitssystem sehr viel bedeutet! Geistliche Betreuung bekommen sie durch römisch-katholische und rumänisch-orthodoxe Geistliche oder Religionspädagogen (ökumenisch!).
Wir haben mit Unterstützung der Ikonenmalerin Maria Tudur einen Kunstzirkel entwickelt. Dank dieser Initiative konnten wir Beziehungen und eine Partnerschaft mit der Temeswarer „Rudolf Walther“-Stiftung entwickeln. Dort ist dafür Prof. Ada Oancea-Şuteu verantwortlich. Seit Sommer 2000 bekommen die Kinder einmal in der Woche eine warme Mahlzeit. Dazu kommen oftmals Frühstück, Jausen, Getränke, Naturprodukte, alles im „Frédéric Ozanam“-Sozialzentrum.
Im Sozialzentrum werden zweimal im Jahr die „Tage der offenen Tür“ organisiert, am 10. Mai (Eröffnungstag des Sozioalzentrums) und am 9. September (Tag des Schutzpatrons: der selige Frédéric Ozanam).Das „Frédéric Ozanam“-Sozialzentrum steht auch im Mittelpunkt kultureller und religiöser Veranstaltungen im Laufe des Kalender- und Kirchenjahres. Man kann es zurzeit auch als „Kulturhaus“ der oberen Altstadt bezeichnen, denn in keinem anderen Gebäude finden so viele Kulturveranstaltungen statt! Seit dem 5. Dezember 2006 sind wir im Besitz eines Hauses am Rande Reschitzas, das „Vinzenz von Paul“-Haus, das wir mit Mitteln der Vinzenzgemeinschaft Südtirol erwarben.
Vom September 2001 bis 2007 haben wir für ca. 60 Kinder einer Volksschule am Randviertel der Stadt täglich eine Jause vorbereitet. Schon seit der Gründung organisieren wir Ferienaktionen für unsere Kinder, die Teilnahme an Ferienlagern in der Nähe von Reschitza (in den letzten Jahren hauptsächlich in der „Bergfreunde“-Hütte im Semenik-Gebirge), unterstützt durch die Vinzenzgemeinschaft aus Graz. Hofrat Dr. Alois Fauland und die Vinzenzgemeinschaft Graz, zusammen mit dem Land Steiermark und dem „Karl Brunner“-Europahaus in Neumarkt/Steiermark (Christa Hofmeister ist da unser guter Geist) sichern unseren Kindern seit 2005 einen Sommerferienaufenthalt in diesem Europahaus.Ausflüge organisieren wir immer wieder für unsere Kinder. Zweimal ging es durchs Land, viel öfter ins Banater Bergland oder in die umliegenden Verwaltungskreise, um das Lokale zu erforschen.Weitere Ferieninitiativen konnten wir durch die Unterstützung des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“ in Aachen („Dreikönigssingen“) entwickeln. Dieses Werk unterstützte uns auch beim Ausbau unseres „Frédéric Ozanam“-Sozialzentrums. Dank dieser Unterstützung konnten wir selbst ein „Dreikönigssingen“ aufbauen und damit durch Reschitza „pilgern“. Bei den mit dem Kindermissionswerk in Aachen entwickelten Projekte spielte auch die Partnerschaft mit der Gemeinde St. Gangolfus in Deutschland (Projektleiter: Dieter Louis) eine große Rolle.
Sozialhilfe aus Nächstenliebe
Wir haben hilfsbedürftige Familien bei der Bezahlung von Miete, Strom- und Heizungskosten und nicht zuletzt von Grund- und Haussteuern unterstützt, als Geste der christlichen Nächstenliebe.
Das Sprachrohr unserer Gemeinschaft ist die Jahresschrift „Glasul vincentienilor“ („die Stimme der Vinzentianer”), die im Dezember 2009 im 12. Jahrgang erschien.
Das alles und viel mehr hätte nicht ohne die bereits erwähnten Spender und Wohltäter passieren können. Neben der Vinzenzgemeinschaft aus der Steiermark sollen noch die Vinzenzgemeinschaften in Südtirol, in den Niederlanden und Belgien erwähnt werden. Dazu noch Gertraud Schnurrer aus Stattersdorf und Freunde in Böheimkirchen und Kirchstetten, alle Niederösterreich, sowie die Caritas der Diözese Temeswar, genauso wie verschiedene weitere soziale Einrichtungen aus dem In- und Ausland, etwa der Malteserverein und der Verein „Hl. Cosmas und Damianus“ der katholischen Ärzte aus Reschitza.
Die Reschitzaer Vinzenzgemeinschaft ist Gründungsmitglied der Union der Vinzenzgemeinschaften Rumäniens und ist von der weltweiten Föderation mit dem Sitz in Paris anerkannt. Zurzeit funktionieren in 144 Ländern der Welt 46.912 Vinzenzgemeinschaften mit 716.424 Mitgliedern.Auf Landesebene hat unsere Vinzenzgemeinschaft zweimal (8. - 9.09.2000 und 24. - 25.03.2006) Landestreffen aller rumänischen Vinzenzgemeinschaften in Reschitza organisiert. Und nicht zuletzt soll die stete Verbindung unserer Vinzenzgemeinschaft zur „Maria Schnee“-Pfarrkirche in Reschitza unterstrichen werden. Unser geistlicher Fürsorger, Domherr József Csaba Pál, Erzdechant des Banater Berglands, war stets bemüht, uns in unserer Arbeit geistlich zu unterstützen.
Gelebte Ökumene
Die Mitglieder in der Vinzenzgemeinschaft „Maria Schnee“ Reschitza sind verschiedener Muttersprache und christlicher Konfession. Das widerspiegelt im Kleinen das Banater Bergland in seiner Multikulturalität und -konfessionalität. Deshalb waren und sind wir immer bemüht, Kontakte auch mit der rumänisch-orthodoxen Kirche, mit der griechisch-katholischen Kirche, mit der reformiert-calvinischen Kirche, mit der evangelisch-lutherischen Kirche zu pflegen, was uns immer gelungen ist und gelingt. Alles, was hier geleistet wird, ist freiwilliger Einsatz!
Im amtlichen Informationsblatt des Landeskonsistoriums der evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, „Landeskirchliche Information“ Nr. 11/15.06.2008 konnte ich einen Bericht des Diakonischen Werks Rumäniens lesen. Viel davon finde ich auch heute und auch für uns als Vinzenzgemeinschaft anwendbar. Deshalb wiedergebe ich teilweise die Passagen, die auch für uns in diesem neuen Tätigkeitsjahr von Wichtigkeit sind.„Daran, dass die christlichen Kirchen aller Konfessionen u.a. auch den Auftrag haben, sich den Armen, Kranken und Notleidenden helfend zuzuwenden, dürfte wohl kaum jemand ernsthaft zweifeln. Unser Herr Jesus Christus selbst hat uns das vorgelebt. Er erwartet Gleiches von uns und wird uns dermaleinst an dem messen, was wir für seine geringsten Brüder getan oder unterlassen haben.(...)
Ich glaube, nicht falsch zu liegen, wenn ich behaupte, dass die in unserem Land sozial tätigen NGOs bisher fast ausschließlich aus dem Ausland finanziert wurden. Wie zu befürchten war, haben die ausländischen Zuwendungsgeber nach dem Beitritt unseres Landes zur EU begonnen, ihre Zuwendungen herunterzuschrauben oder einzustellen. (...) Es ist klar: Unser Sozialsystem, in welchem die NGOs bisher eine tragende Rolle gespielt haben, kann nicht ewig am Tropf des Auslands hängen! Wenn man nun fragt, was denn überhaupt finanziert wird, erhält man von staatlicher Seite die Antwort: Schreibt Projekte! und aus dem Ausland, einschließlich aus der EU, ist zu hören: Es werden neue und innovative Projekte gefördert. In beiden Fällen wird auch ein Eigenbeitrag des Antragstellers erwartet. Was das eigentlich heißt, möge folgender Vergleich verdeutlichen: Jemandem, der sich in bereits dünner Luft bewegt, wird empfohlen, zusätzliche Bewegungen zu machen, und es wird ihm in Aussicht gestellt, einen Teil des dafür notwendigen Sauerstoffs zu bekommen. Im Endeffekt steht dieser Jemand nach vollführter Bewegung, auch dann, wenn er den Sauerstoff erhalten hat, in noch dünnerer Luft da als zuvor! Sie werden zugeben, dass so etwas nicht gerade Mut macht, oder? Die Frage, wie man damit umgeht, bleibt. Folgende drei Alternativen bieten sich an:
- Man schmeißt einfach alles hin und gibt entmutigt auf, denn Bestehendes und inhaltlich Bewährtes scheint sowieso nicht als erhaltenswert zu gelten.
- Man lässt seine laufende Tätigkeit durch findige Projektschreiber in immer neue, innovativ scheinende Projektanträge verpacken und während die erhaltenen Gelder verwendet werden, schreibt man schon fleißig am nächsten sogenannten Projekt - ein aus christlich-ethischer Sicht zweifelhaftes Vorgehen. Wird aber praktiziert. (...) Als kritische Anfrage an diese Art der Finanzierung sollten sie dennoch wahrgenommen werden.
- Alternative 3, und darauf will ich hinaus, ist, dass man für seine laufende Arbeit neue, alternative Strukturen entwickelt. Wie? Indem man z.B. Möglichkeiten qualitativer und organisatorischer Verbesserung seiner Arbeit sucht, findet und in einem tatsächlich neuen und, warum nicht, innovativen Projekt nicht nur Mittel für die Umstrukturierung sondern auch für diese Arbeit beantragt.“
Die Vinzenzgemeinschaft „Maria Schnee“ Reschitza wird nicht alles hinschmeißen! Sie wird, mit oder ohne Projekte, aber auf unsere traditionellen Förderer bauend, auch im neuen Jahr 2010 ihre Tätigkeit fortsetzen. Unser Herr Jesus Christus wusste es besser, als er sagte: „Arme habt ihr allzeit unter euch, denen könnt ihr Gutes tun.“Und er hat Recht.
Im Europahaus Neumarkt/ Steiermark, im Sommer 2009
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Konstruktive Kritik ist willkommen, jedoch bitten wir um eine gepflegte Sprache.
Die Redaktion würde es begrüßen, dass jene, die Kommentare schreiben, sich nicht hinter der Anonymität verstecken.
IN EIGENER SACHE
1. Die Reportage unserer Kollegin Ana Saliste, „Aus der Kindheit einer Nobelpreisträgerin/ Wie die Bewohner aus Nitzkydorf den Erfolg der Schriftstellerin finden“, erschienen in der BZ Nr. 825vom 14. Oktober 2009 wurde inzwischen von der „Deutschen Presseagentur“ (dpa), von „Bild“ (auszugsweise), von der „Frankfurter Rundschau“ online sowie von „Die Berliner Literaturkritik“ übernommen.
2. Auf ihrem 47. Kongress, am 10. Oktober 2009, in Innsbruck, wählte die European Journalists Association (EJ) unsere Kollegin Raluca Nelepcu (25), Chef vom Dienst der Banater Zeitung, als Generalsekretärin in den Vorstand des von der EU anerkannten Journalistenverbands.
3. Die Reportage "Sie mussten in der Öffentlichkeit schweigen" von Raluca Nelepcu war unter den besten zehn von über 80 Einsendungen und für den n-ost-Reportagepreis nominiert worden.
Herausgeber: Demokratisches Forum der Deutschen im Banat
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