Anmerkungen zur Ausstellung im Unteren Belvedere in Wien/ Von Hans Dama
Dem legendären Staatsmann und Feldherrn in habsburgischen Diensten, der sich auch als Philosoph und Kunstfreund große Verdienste erworben hat, ist im Wiener Unteren Belvedere unter dem Titel „Prinz Eugen – Feldherr, Philosoph und Kunst-Freund“ eine umfangreiche Ausstellung gewidmet.
Das Wiener Belvedere mit zwei Schlössern und einer prachtvollen barocken Gartenanlage wurde Anfang des 18. Jahrhunderts von Johann Lucas von Hildebrand als Sommerresidenz für Prinz Eugen errichtet. Ein Rundgang durch das ehemalige Wohnschloss, die Orangerie, die Gärten zeigt den Mythos wie den Menschen Prinz Eugen, gleichzeitig lässt die barocke Farben- und Formenlust seine Zeit wieder aufleben.
Über den Prinzen Eugen (1663-1736), eigentlich Prinz Eugen Franz von Savoyen-Carignan-Soissons, der französische Philosoph Voltaire: „Er hat die Größe Ludwigs XIV. und die Macht der Osmanen erschüttert; er hat das Reich regiert, und im Verlauf seiner Siege wie seiner Staatsverwaltung achtete er Gepräge wie Reichtümer gleichermaßen gering“.
Die kleine zierliche Gestalt des Prinzen schien in Frankreich ein Hindernis für eine Militärlaufbahn zu sein, und man dachte, dass er eher ein Abbé werden sollte. Der Sonnenkönig verweigerte dem „kleinen Abbé“ die Aufnahme in seine Armee, unterschätzte aber dessen Tugenden gewaltig und bedauerte später diesen Schritt. Louis XIV.: „Dieser Prinz ist ein unnachahmliches Muster für alle Regenten und Staatsmänner; ich kann seine eiserne Treue und Anhänglichkeit an seinen Souverän, sein reines Gefühl von Vaterlandsliebe und den hohen Begriff von strenger Erfüllung seiner verschiedenen Pflichten nicht genügend bewundern; aber ich kann auch den Verlust, den Frankreich selbst an ihm erlitten hat, nicht genug bedauern.“ (überliefert von Madame de Maintenon an den Herzog von Richelieu Sartori 1808).
Liselotte von der Pfalz schrieb 1705 an die Raugräfin Louise von Baden: „Prinz Eugen hat ziemlich Inclination vor den geistlichen Stand, hätte ihm unser König eine Abtei gegeben oder nur eine Pension von 2000 Taler, so wäre er geistlich geworden und hier geblieben. (...) Er incommodiert sich nicht mit Damen, ein paar schöne Pagen wären besser sein Sach.“ Prinz Eugen kehrte seinem Vaterland Frankreich den Rücken und erlebte in dessen Kontinentalrivalen Österreich einen kometenhaften Aufstieg zum Feldherrn und einem der einflussreichsten Staatsmänner seiner Zeit, der das Geschick des Landes und auch dessen Kunst- und Kulturgeschichte nachhaltig geprägt hat.
Er war Diplomat und Ratgeber dreier Kaiser: Leopold I., Josef I. und Karl VI. (dem Vater Maria Theresias), reiste quer durch Europa, von einem Kriegsschauplatz zum anderen, und spielte eine maßgebliche Rolle für die Zukunft des Hauses Habsburg.
Der Prinz sprach lebenslang ein schlechtes Deutsch sprach und widmete sich mit Geschmack der Ausstattung seiner Wiener Residenzen – das Winterpalais in der Himmelpfortgasse beherbergt heute das Finanzministerium – und seines Jagdschlosses „Schloss Hof“ sowie dem Aufbau einer umfangreichen Sammlung von Gemälden und Kupferstichen, Inkunnabeln, illuminierten Handschriften und Büchern.
Von den Kriegsschauplätzen korrespondierte er mit Künstlern und Kunsthandwerkern, Gartenarchitekten, Baumeistern und führenden Persönlichkeiten seiner Zeit. Seine Erwerbungen schrieben europäische Kunstgeschichte und förderten den Kunsttransfer vom Hof des Ludwig XIV. nach Wien. Das naturwissenschaftliche Interesse des Prinzen bezeugt seine große Sammlung exotischer Tiere und Pflanzen.
In der Ausstellung werden Exponate seiner Kunstsammlungen, vornehmlich Gemälde der Turiner Galeria Sabauda und Zimelien der Bibliotheca Eugeniana aus der Österreichischen Nationalbibliothek, in Anlehnung an die originalen Raumdekorationen präsentiert. Die Themenräume der Wiener Ausstellung sind chronologisch geordnet und zeigen die kulturellen Erwerbungen des Prinzen im Zusammenhang mit seinen Kriegs- und Siegeslagern:
1. Der „kleine Abbé“ (Herkunft und Familie)
2. Bauherr im Felde (Kriegs- und Siegeslager – Fürsorge für seine Soldaten; Pfälzischer Erbfolgekrieg 1688-1696; Spanischer Erbfolgekrieg 1701-1714; Ungarische Rebellion; Italienfeldzug; Prinz Eugen und der Herzog von Marlborough; Schlacht von Höchstädt 1704; Friede von Rastatt 1714; Schlacht von Peterwardein 1716; Prinz Eugen, der „edle Ritter“)
3. Sammler und Mäzen (Gemäldesammlung; Schlachtenbilder; Stadtpalais; Gartenpalais Belvedere; der Belvederegarten)
4. Bücherfreund (Freundeskreis; Bibliotheca Eugeniana)
5. Naturfreund (Schloss Hof; Eugens letztes Kommando – der Polnische Erbfolgekrieg)
6. Tod (Tod, Erbschaft und Verklärung; Erbschaft und Verkauf; Kunsttransport von Wien nach Turin 1741; Verklärung)
Von der Wiener Albertina sind zahlreiche Kupferstiche aus der Sammlung des Prinzen Eugen ausgestellt, aus der Bibliotheca Eugeniana sind Porträts bedeutender Persönlichkeiten seiner Zeit zu sehen: Philosophen, wie z. B. Gottfried Wilhelm Leibnitz, Jean Jacques Rousseau; Eleonore Gräfin Stratmann, die Gemahlin des kaiserlichen Reichshofrats Heinrich Graf Stratmann (1662-1707), die zum engeren bzw. intimen Kreis des Prinzen gehörte sowie Eleonore Magdalena Ursula Gräfin von Batthyány (1672-1741), die „schöne Lori“ genannt, die die politischen Entscheidungen des Prinzen während seiner letzten Lebensjahre wesentlich beeinflusst hatte. Adam Müller-Guttenbrunn hat beide Frauengestalten in die Nebenhandlung – um den Kreis von Prinz Eugen – seines Romans „Der große Schwabenzug“ eingebaut.
Unter den Exponaten (Nr. 52) befindet sich nebst anderen wertvollen Ausstellungsstücken auch der 1696 in Augsburg gefertigte Silberschrein, in dem bis 2007 der Schädel des auf Geheiß des Sultans nach der verlorenen Schlacht um Wien (1683) am 25.12.1683 bei Belgrad mit der Seidenschnur gerichteten Großvesirs Kara Mustafa aufbewahrt wurde. 1688 wurde der Schädel nach Wien gebracht und bis 1976 im Museum der Stadt Wien ausgestellt, anschließend im Depot aufbewahrt und schließlich 2007 im Wiener Zentralfriedhof anonym beigesetzt.
Desgleichen werden Schlachtpläne (Peterwardein, Zenta u. a.) sowie eine Darstellung der Friedensverhandlungen von Karlowitz samt Verhandlungszelt, Sitzordnung usw. gezeigt.
Prinz Eugen ist durch die Einnahme der Festung Temesvár 1716 als Befreier der Stadt und des Banats –1718 – Friedensvertrag von Passarowitz: 21. Juli 1718 (heute: Požarevac in Serbien) –, demgemäß das Temescher Banat und die Kleine Walachei (die Oltenia im heutigen Rumänien) sowie
Nordserbien mit
Belgrad unter dem Namen Temescher Banat österreichisch wurden, in die Geschichte eingegangen.
Die Ausstellung widmet sich neben der chronologischen Aufarbeitung der wichtigsten historischen Ereignisse – vor allem der Person des Prinzen –, seinen philosophischen Qualitäten und seiner Sammelleidenschaft, versucht, Bezüge herzustellen, um auf diese Weise ein erweitertes Bild von einem der bedeutendsten Europäer zu vermitteln. Selbstbewusst unterstrich er mit seiner in drei Sprachen verfassten Signatur „Eugenio von Savoy“ seine Multikulturalität.
Ein weiterer Aspekt der Ausstellung ist sein Wirken als umtriebiger und genialer Bauherr, der es verstand, den Architekten seine bedingungslosen Anliegen und seine Entschlossenheit in kürzester Zeit so zu vermitteln, dass diese imstande waren, Großartiges zu leisten. So ließ der gerade zum Feldmarschall ernannte Eugen von Savoyen zwischen 1695 und 1697 sein Stadtpalais in der Himmelpfortgasse errichten. Das als gelungene Synthese von italienischen Hochbarock und französischer Klassik angesehene Umbauwerk entstammt im Wesentlichen der planenden Hand des Johann Bernhard Fischer von Erlach.
Als Prinz Eugen von Savoyen nach der Schlacht von Zenta, dem glänzendsten Sieg, den kaiserliche Heere jemals gegen die Osmanen errungen hatten, 1697 nach Wien zurückkehrte, befand sich die kaiserliche Hauptstadt Wien in einer Phase des großen Aufschwungs: Kaiserhof, Adel und Kirche wetteiferten in einer schier unbezwinglichen Baulust. Es entstanden Kirchen, Klöster, private Paläste und zahlreiche Gartenanlagen. Der Anteil des Prinzen am künstlerischen Gesamtbestand des österreichischen Barock, entsprossen aus der Sehnsucht nach fürstlicher Machtentfaltung und aus dem nach geziemenden Ausdruck ringende
n Willen zur Repräsentation, ist aus der Kunst des mittleren Europa nicht wegzudenken.