Donnerstag, 1. April 2010

Blick auf die Speisekarte zu Ostern

Lammfleisch, bei den Banater Schwaben eher selten

as. Temeswar - Bald geht die 40-tägige Fastenzeit zu Ende. Das bedeutet nicht zuletzt auch, dass die Lust am Fleisch „offiziell“ wieder voll und ganz erlaubt ist. Da sind die Vorbereitungen des Lamm-, Schweine- oder Hühnchenbratens und der dazu passenden Soßen wieder im vollen Gange. Die BZ hat einen Blick auf die traditionelle Speisekarte zu Ostern geworfen: Lammfleisch gehört natürlich zum traditionellen Ostermahl und wird meist mit Knoblauch gebraten. Bei den Banater Schwaben kommt noch Apfel-, Pfirsich-, Birn- oder Kirschkompott hinzu, anstatt Sauerkraut oder saurer Gurken. Das Lammfleisch hat sich aber erst in den letzten Jahrzehnten zu einem traditionellen Ostermahl bei den Banater Schwaben etabliert. „Lammfleisch wurde mehr in der Berggegend verspeist. Im Banat wurde meist Hühnerfleisch mit Soße und Kartoffeln gegessen“, erinnert sich Ignaz Bernhard Fischer, Vorsitzender des Vereins der Ehemaligen Russlanddeportierten. Beim ersten Gang wird gewöhnlich Hühnersuppe serviert. Meist wird aber auch Lammsuppe, eine traditionelle rumänische Speise, vorbereitet. „Ich bereite die sogenannte ´ciorb² de miel´ zu, weil sie mir und meiner Familie sehr gut schmeckt“, sagt Dagmar [iclovan, Geschäftsführerin des Demokratischen Forums der Deutschen in Temeswar. Was man für die Lammsuppe braucht? Gemüse, Sellerie, Petersilie, etwas Reis, Lammkopf und Rippenfleisch. Und wie im Falle jeder leckeren Speise, gibt es auch hier eine „geheime“ Zutat: „Das gehackte Liebstöckel“, gibt Dagmar [iclovan preis. Der Braten wird meist mit Kartoffeln und „Krensoße“ (Meerrettichsoße) verzehrt. Die in Salzwasser gekochten Kartoffeln werden ein bisschen gebraten und in größeren Stücken serviert. Am Abend, nach der Auferstehungsprozession, wird meist geräucherter Schinken mit Käse gegessen.

Was das Dessert angeht, so ist dieses von Haus zu Haus unterschiedlich. „Ich backe gewöhnlich den Baumstamm, mit Nussteig und Butterkrem mit Kakao“, so Dagmar [iclovan. Auch Beigli mit Mohn und Nuss wird meist zu Ostern verspeist. „Bei den Schwaben gab es den sogenannten Scheiterhaufen. Getrocknetes Brot wird in mit Milch verquirlten Eiern eingeweicht, man fügt noch Rosinen hinzu und das Ganze wird in einer Form gebacken. Am Ende wird es mit Staubzucker bestreut. Das war die Torte der Schwaben“, sagt Ignaz Bernhard Fischer.

Auch die bunt gefärbten Eier dürfen zu Ostern nicht fehlen. Diese werden meist mit Zwiebelschalen und manchmal auch mit Spinat gekocht, um dabei die chemischen Farben zu vermeiden. Zum Dekorieren eignen sich Blattspitzen oder Kräuterblätter.



Der „Baumstamm“, ein beliebtes Dessert zu Ostern

Foto: Zoltán Pázmány

Tiefe Einschnitte trotz moderat gehaltener EU-Auflagen

Traditioneller Hirtenberuf mit vielen Engpässen konfrontiert

Von Siegfried Thiel


Wann er denn mit dem Schafe Hüten und Züchten angefangen hat? Nicolae Podean umgeht es, die Antwort mit genauen Daten zu belegen: „Von Kind auf ist das bei uns so, dass der Sohn Schafe und Job vom Vater einfach erbt“, erklärt er die „Generationssache Hirtendasein“. Doch der Wendepunkt steht an: Im hügligen Murani, eingemeindetes Dorf der Temescher Gemeinde Bruckenau/Pi{chia, nimmt seine Herde zusehends ab. Fortschreitendes Alter, wenig Entgegenkommen der Behörden, kaum Nachwuchs für den Schäferberuf, niedrige Preise für die Produkte. Er sieht geringe Chancen für einen Beruf, der dem rumänischen Volk über Jahrtausende Nahrung, Tradition, Balladen und eine Prise Humor eingebracht hat. Ein Schäfer selbst schämt sich seines Status´ nicht - trotz aller ausgelassener Witze über seinen Berufsstand.

EU-Auflagen. Streng ist etwas anderes

Elektroschocker vor dem Schlachten, elektrische Melkmaschinen, Fahrzeuge für den Wechsel zwischen Sommer- und Winterweide, das alles hatte kurz vor und gleich nach dem EU-Beitritt Rumäniens die Schäfer in helle Aufregung versetzt. Seitdem ist vielleicht auf dem Papier so einiges geschehen, im Hinterland wird „klassisch“ mit dem Messer abgeschlachtet, Melkmaschinen sind teuer und bei Schafen wenig effizient („Da brauchst du für eine Herde den ganzen Tag, nur um zu melken“, sagt Nicolae Podean) und der Weidewechsel ist zumindest in Flachland und Hügelgegend so gut wie abgeschafft.

Also gar nicht so streng genommen, die EU-Auflagen, die den archaischen Schäferberuf einen Tick humaner und moderner erscheinen lassen sollten. Trotzdem schaut Niculina Podean, die Frau des Hirten, betrübt über die Herde, die in der Ferne grast. Innerhalb von drei Jahren ist der Bestand an Schafen und Lämmern um ein Drittel zurückgegangen. 600 waren es damals, 400 sind geblieben. Jetzt wäre eigentlich die Zeit, Geld zu machen. Vor Ostern ist das Lammfleisch zu 9,5 Lei lebendes Vieh zu verkaufen, danach fällt der Preis auf etwa die Hälfte. Die Rumänen haben nicht etwa ihre Vorliebe für Lammfleisch zu Ostern aufgegeben: Die Lämmer sind einfach zu klein, um derzeit geschlachtet zu werden. Die meisten wiegen gerade mal halb so viel, wieviel sie geschlachtet an reinem Fleisch ergeben müssten. Kein gutes Weideland und die auf Anfang April fallenden Ostern sind die Hauptgründe, warum die Lämmer zum Teil erst wenige Tage alt sind. „Gutes Weideland mit saftigem Gras ist mit einer Bedingung, dass Mutterschafe frühzeitig Lämmer haben“. Schuld an dem teilweise kargen Weideland trägt nicht so sehr die Gegend, die nicht mit den Weiden in Siebenbürgen vergleichbar ist, sondern die Art, wie Konzessionsverträge angelegt werden. „Sehen Sie, das sind die 32 Hektar Weideland, die wir von der Gemeinde gepachtet haben“, zeigt Nicolae Podean über das Tal und bis hinauf zum gegenüberliegenden Hügel. Ein Fünf-Jahres-Vertrag zur Konzession der Weide läuft in Kürze aus, wahrscheinlich wird auf weitere zweieinhalb Jahre verlängert. „Verträge dieser Art müssten über zehn oder fünfzehn Jahre laufen, sonst macht es keinen Sinn, in das Weideland zu investieren“, weiß der Hirte.

Gehilfen, Farm und Konzession – alles nur Mankos

Gute und verlässliche Schäfergehilfen zu finden, ist heute schwer. „Die meisten sind im Ausland als Erntehelfer, aber auch als Hirten beschäftigt“, so die Podeans. Ihr letzter Gehilfe hat vor kurzem seinen Job geschmissen: Er wurde von Hirten einer angrenzenden Weide wegen einer Lappalie verprügelt. Er wollte nämlich Schafe seiner Herde von der Nebenweide holen. Die anderen sahen dies jedoch als ein Eindringen auf ihr Territorium. „Es gibt Reibereien zwischen den Hirten“, erläutert Niculina Podean. Der einzige für sie derzeit in Frage kommende Hirte stammt aus einem Nachbardorf und ist 70 Jahre alt: Er kommt jedoch nur, wenn es warm ist.

Sehr viel Sorgen scheinen Nicolae Podean all die Kontroversen und Probleme trotzdem kaum noch zu machen. Etwa zwei Jahre will er den Hirtenberuf noch ausüben, dann in Rente gehen. Er hat es moderner angestellt als viele Städter: Seit Jahren zahlt er in eine Privatrente ein, vor 1989 haben sich ebenfalls noch einige Jährchen angesammelt, als er bei Arad auf einer Farm tätig war. An die Farm eines Großbauern ist Podean, wie auch die anderen Schäfer aus Murani angeschlossen. Es ist eben dieser Teufelskreis: Um Fonds zu erhalten, müssen die Herdenbesitzer offiziell als Farm registriert werden. Seine Niederlassung wenige Kilometer außerhalb des Dorfes mit Futterplatz und Schlafbehausung für den Hirten reicht dazu sicher nicht. Und Strukturfonds heranziehen, kann man nur als registrierte Farm. Nicolae Podean ist auch mit dem Begriff Sapard-Fonds vertraut. Doch vertrauen tut er diesen nicht: „Das ist so kompliziert, dass viele aufgeben, lange, bevor das erste Geld fließt“.

Einen Ansatz zur Farmgründung wollten sich die Podeans vor Jahren schaffen. Den Sohn hatten sie nach Temeswar auf die Abendschule geschickt, um später mal Farmer zu werden. Mittlerweile ist dieser von zu Hause ausgezogen und die Tochter kennt die Arbeit bei der Herde so gut wie gar nicht. „Sie pendelt in die Stadt in die Berufsschule, besucht zwar die Fachausrichtung Handel, doch den Farmer wird Tochter Elena kaum abgeben“, weiß ihre Mutter.

Einfach Abschied

Sie selbst können keine Anträge auf EU-Unterstützung stellen: „Wir sind zu alt dazu“, sagt der Hirte. Was Mutter Niculina Podean jedoch am meisten kränkt: Elena sollte ihre gute Stimme mehr nutzen, um Volksmusiksängerin zu werden. Trotz einiger bisher guten Ansätze träumt Elena davon, einen Schönheitssalon in Temeswar zu eröffnen. Den biederen Kindheitstraum von vor drei Jahren, dies im Heimatort zu tun, hat sie aufgegeben: „Wer soll denn da im Dorf in den Schönheitssalon gehen“? fragt sie sich rhetorisch.

Die Herde verkaufen, „ein paar Schafe neben der Wirtschaft“ und nach vielen Jahren ins Heimatdorf in den Verwaltungskreis Alba zurückkehren, so sinnieren die Senioren aus der Familie Podean. Es sieht nach „was bleibt uns anderes übrig?“ aus. Aber nicht sehr das Wirtschaftliche oder die Frage, ob die Kinder den Umzug befürworten, bedrückt derzeit die Frau, sondern mehr ihr tief verwurzelter Glaube und die Furcht vor Gott: Dass zuletzt massiv Schafe ihrer Herde verenden, schreibt sie ihrem Mann zu. Er hat in diesem Jahr vor Ostern auf Fasten verzichtet.




Hader wegen hoher Kosten. Niculina Podean weist auf hohe Preise für Weideland und Futtermittel hin.

Fotos: Zoltán Pázmány

Kinderwünsche zu Ostern

Hunde und Katzen hoch im Trend/ Von Raluca Nelepcu

Sie wollen diese Woche besonders brav sein, denn immerhin sind nur noch vier Tage übrig geblieben, bis der Osterhase kommt: Die Kleinen warten schon seit einem Monat auf das Ereignis des Frühlings. Ostern naht und alle wissen schon, was sie sich vom Osterhasen wünschen. Hunde und Katzen gehören in diesem Jahr zu den beliebtesten Ostergeschenken, aber auch Dinge wie Computer, Roller oder Spielzeug sind bei den Kleinsten „in“.

„Ich wünsche mir einen Laptop“, sagt Bibi. Das Mädchen geht in den Kindergarten der Nikolaus-Lenau-Schule. Die über 20 Kinder, die die große Gruppe besuchen, warten schon seit zwei Wochen auf den Osterhasen. Ein Nest aus Gras haben sie gemacht, ein Osterbäumchen mit selbst bemalten, ausgepusteten Eiern geschmückt. Sie haben Lieder und Gedichte über den Frühling gelernt. „Osterhäschen, komm zu mir, komm in unsern Garten! Bring uns Eier, zwei drei vier, lass uns nicht lang warten!“, sagen die Kinder im Chor. In ganz Europa ist der Osterhase als osterlicher Eierbringer bekannt. Erste Belege für den Osterhasen sind auf das Jahr 1678 zurückzuführen und stammen vom Heidelberger Medizinprofessor Georg Franck von Frankenau. Vor über dreihundert Jahren ist der Brauch im Elsass, in der Pfalz und am Oberrhein entstanden. Der Hase geht im Frühjahr auf Futtersuche in Dörfer und Gärten, deswegen wird ihm gleichzeitig das Ablegen der Eier angedichtet. Damit in Verbindung steht das Frühlingserwachen der Tiere und Pflanzen. In Zürich, in der Schweiz, erscheint in alten Aufzeichnungen der Osterhase als Eierbringer. Dabei ist es von den Paten Brauch gewesen, Kinder einzuladen, um mit ihnen den Osterhasen zu jagen: Im Garten wurden versteckte Eier gesucht. Die bunten Eier wurden dem Osterhasen zugeschrieben, weil er viel flinker ist und die Hennen keine bunten, verzierten Eier legen können. Auch die christliche Deutung aus dem Psalm 104,18 ist möglich. In der Übersetzung wird von Klippdachsen gesprochen, jedoch findet man in alten Übersetzungen auch die Wörter „Hase“ oder „Kaninchen“.


Lebendige Kaninchen – ein Ostergeschenk, das jedem Kindergesicht ein Lächeln entlockt.


Foto: Zoltán Pázmány


Doch was wünschen sich die Kleinen in diesem Jahr vom Osterhasen? „Einen aufblasbaren Airbus A380“, sagt Flavius. „Einen Hund“, sind sich David, Vlad, Rare{ und Selena einig. „Eine Katze“, meinen Adriana und Remus. „Eine Katze und ein Häschen“, sagt Theodor. Die meisten Kinder wünschen sich in diesem Jahr Haustiere, aber auch Spielzeug wie Ponys und Barbie-Puppen würden die Mädchen gern bekommen. „Ich wünsche mir ein Spiel, das sich ´My Life´ nennt“, sagt Theodora, Schülerin der ersten Klasse an der Lenau-Schule. Bei den Erst- und Zweitklässlern ist „Hannah Montana“, die Fernsehserie der Walt Disney Company, sehr beliebt. Daher wünschen sich die Mädchen Spiele, Bettzeug und sonstige Accesoires mit dem Foto von Hannah Montana als Ostergeschenk. Die Jungen tippen in diesem Jahr auf „Backugan“, das Spiel mit Karten und Monstern zum gleichnamigen japanischen Animé. Wenn der Brief für den Osterhasen geschrieben wurde und die Eltern ihn schon versandt haben, heißt es nur, brav sein und abwarten. Am frühen Morgen des 4. April wird im Nest sicherlich das gewünschte Geschenk liegen.



Besuch im Lenau-Kindergarten: Die Kleinen wünschen sich Haustiere zu Ostern.

Foto: Melinda Tarita