Donnerstag, 2. Juli 2009

Bauwesen-Absolventen erhielten Doppeldiplom


Alexandru Irimie bei der Diplomprüfung in Temeswar. Vor einigen Wochen hatte er seine Arbeit in München vorgestellt.
Foto: Zoltán Pázmány


Deutsche Abteilung: „ein offenes Fenster in Richtung Europa“

Temeswar - Sie haben gleich zwei Trümpfe im Ärmel: Alexandru Irimie und Remus Tecusan sind die ersten Absolventen der deutschsprachigen Abteilung für Bauingenieurwesen an der TU Politehnica, die ein Doppeldiplom erhalten haben. Beide kommen ursprünglich aus Siebenbürgen, haben jedoch das Banat für ihr Studium gewählt: Alexandru Irimie stammt aus Fogarasch/Fagras, Remus Tecusan aus Agnetheln/Agnita. Die jungen Bauingenieure haben vier Semester an der TU Politehnica und vier an der TU München studiert – demnächst steht für beide ein Masterstudiengang in München an. „Ich weiß noch nicht, ob ich in Deutschland bleiben werde oder nicht“, sagt Remus Tecusan. Sein ehemaliger Kommilitone kann da schon Klartext sprechen: „Ich möchte nicht in Deutschland bleiben. Viele deutsche Unternehmen kommen nach Rumänien, hier wird ganz viel gebaut“, sagt Irimie.
Insgesamt 28 Absolventen der deutschsprachigen Bauwesenabteilung wurden am Montag mit Diplomen geehrt. Remus Tecusan beeindruckte die deutsch-rumänische Kommission mit seiner Arbeit. Originelle Arbeiten präsentierten auch Luiza Toma aus Roman, Kreis Neamt, und Tamas Demcsak aus Sathmar/Satu-Mare. An der feierlichen Diplomverleihung in der Fakultät für Bauwesen beteiligten sich Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland. Mit von der Partie, der deutsche Konsul Rolf Maruhn, Dr.-Ing. Norbert Vogt, Dekan der Fakultät für Bauingenieur- und Vermessungswesen der TU München, DAAD-Lektor Dr. Peter Erli, Prof. Thomas Wunderlich, Koordinator des Kooperationsvertrags der beiden Universitäten, u.a.
Die Abteilung für Bauingenieurwesen in deutscher Sprache an der TU Politehnica wurde 1991 ins Leben gerufen. Zwei Jahre später kam der Partnerschaftvertrag mit der TU München zustande. „Die Abteilung ist ein offenes Fenster in Richtung Europa“, sagt Prof. Radu Bancila, Leiter der deutschsprachigen Abteilung. Die Absolventen haben nicht nur in Rumänien, sondern auch im deutschsprachigen Raum sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Raluca Nelepcu

Nachrichten

Vorstandssitzung des DFDB
Die Vorstandssitzung des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat (DFDB) findet Freitag, den 3. Juli, um 17 Uhr im Videosaal des Adam-Müller-Guttenbrunn-Hauses statt. Auf der Tagesordnung steht der Bericht des Vorsitzenden Karl Singer sowie verschiedene Punkte betreffend der DFDR-Vorstandssitzung und –Vertreterversammlung vom 11. Juni in Hermannstadt/Sibiu. Dabei geht es um die Änderung der DFDR-Rahmensatzung, die Bestätigung des DFDR-Vorstandes und verschiedene Haushaltsangelegenheiten. Die Projekte des DFDB im zweiten Halbjahr 2009 werden ebenfalls besprochen.

Alcatel-Boss legt Amt nieder
18 Jahre war er bei Alcatel tätig, nun zieht er sich zurück: Dan Bedros, Präsident von Alcatel-Lucent für Südosteuropa, hat Ende letzter Woche einen offenen Brief an seine Mitarbeiter geschrieben, in dem er seine Absichten publik macht. Er wolle was Neues anfangen, vielleicht in einem anderen Unternehmen, oder eine Firma gründen – auf jeden Fall wolle er in der Telekommunikationsbranche tätig bleiben, so Dan Bedros. Heute wird Raoul Ros, Präsident von Alcatel-Lucent Vietnam, das Amt von Dan Bedros übernehmen. Die Temeswarer Filiale von Alcatel-Lucent wurde 1991 gegründet. Der weltweit führende Hersteller und Anbieter im Bereich Telekommunikations- und Netzwerkausrüstungen beschäftigt 1600 Mitarbeiter in Rumänien und verfügt über ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum.

20. Festival der Herzen im Rosenpark
Volksmusik aus aller Welt wird vom 1. bis zum 5. Juli im Temeswarer Rosenpark erklingen: Hier findet nämlich das 20. Festival der Herzen/Festivalul Inimilor statt. Volksmusikensembles aus Deutschland, Georgien, Griechenland, Mazedonien, Mexiko, Serbien, Ungarn, der Tahiti-Insel und der Türkei werden ihr musikalisches Talent zum Besten geben. Volksmusikgruppen aus ganz Rumänien werden ebenfalls auf der Bühne sein. Das Fest wird heute um 19 Uhr durch Bürgermeister Gheorghe Ciuhandu offiziell eröffnet. Morgen findet um 18 Uhr eine Kranzniederlegung am Kreuzigungsdenkmal vor der orthodoxen Kathedrale statt. Gleich danach marschieren die Trachtengruppen durchs Stadtzentrum. Der Auftritt der Original Burg-Windeck Musikanten aus der Gemeinde Ottersweier, Deutschland, ist für Samstag, den 4. Juli, geplant. Die Konzerte beginnen jeden Abend um 19 Uhr.

Temeswarer schrieb Geschichte in Dachau
Er hat das Unmögliche möglich gemacht: Der Temeswarer Stefan Cojocnean hat bei den Weltrekordspielen „Impossibility Challenger“ in Dachau, Deutschland, zwei neue Weltrekorde gebrochen. 100 Meter ist er auf Stelzen gelaufen und gleichzeitig Seil gesprungen – das Timing von 21,38 Sekunden und die 26 Seilsprünge konnte bisher kein anderer Sportler schaffen. Sein zweiter Rekord in Dachau: zwei Meilen auf Stelzen in 14 Minuten und 4 Sekunden laufen. Stefan Cojocnean hält außerdem zwei andere Weltrekorde: Er hat 25 Stunden lang Basketball auf Rollschuhen gespielt und 17 Stunden lang mit den Fäusten auf einen Box-Sack eingeschlagen.

„Lies und gib weiter!“


Buchhandlung mit „interaktivem Antiquariat“

Temeswar – „Lies und gib weiter!“: Unter diesem Prinzip wurde vor kurzem das „interaktive Antiquariat“ in Temeswar/Timisoara eröffnet. Die Buchhandlung „Das Sandbuch“ (Cartea de nisip) hat diese Möglichkeit Anfang Juni eingeführt. In der Buchhandlung an der Straße des 9. Mai Nr. 3 können die Kunden kostenlos ein Buch mitnehmen, das aber nur, wenn sie ein Buch als Ersatz auf dem Regal gelassen haben. Alte Bücher, die seit langem nicht mehr herausgebracht wurden, oder ganz einfach ein Lieblingsbuch weiter empfehlen, darin besteht das Prinzip des „interaktiven Antiquariats“. Etwa zehn Leute haben bereits diese Möglichkeit ausprobiert. „Dieses Programm ist eine Art Buchwechsel. Wir wenden uns an alle Buchfreunde, aber ich glaube, die Studenten werden das größte Interesse zeigen. Diese Initiative passt sehr gut zu dieser Krisenzeit“, meint Buchhändlerin Diana Balotescu.
Die Leitung der Buchhandlung hat sich eine einfache Prozedur ausgedacht: „Die Leute kommen und bringen ein Buch mit. Das Buch bekommt den Stempel der Buchhandlung und jeder kann sich ein anderes Buch aus dem Antiquariatregal auswählen“, sagt Buchhändlerin Balotescu. Die Bereiche sind sehr unterschiedlich. Der Kunde kann sich jedes Buch aus dem Regal auswählen, egal, was für ein Buch er mitgebracht hat. Ein solches Antiquariat ist bisher einzigartig in Temeswar. Eigentlich ist das Antiquariat in der „Sandbuch“-Buchhandlung auch das einzige in der Stadt. Das, weil die anderen Antiquariatläden in Temeswar im Laufe der Zeit geschlossen wurden.
Die einzigen Orte, wo noch alte Bücher zu günstigen Preisen gekauft werden können, sind die Regale der Straßenhändler in der Innenstadt. Ein Buch kostet dort mindestens fünf Lei, der Preis kann bis zu über 100 Lei in die Höhe gehen – für eine Medizinenzyklopädie, zum Beispiel.
Die Buchhandlung „Das Sandbuch“ wurde im Dezember 2008 eröffnet und veranstaltet unter anderen auch andere Projekte und Programme. Für jedes 724. verkaufte Buch wird dem Kunden kostenlos ein Bäumchen geschenkt. Dadurch soll das Umweltbewusstsein der Leser gestärkt werden.
Andreea Oance

Zu wenig Grün für die Arader


Stonehenge, der neueste Park in Temeswar
Foto: Zoltán Pázmány


EU fordert 26 Quadratmeter pro Einwohner bis 2013 / Von Ana Saliste

Schlusslicht in Sachen Grünflächen: Knapp sechs Quadratmeter pro Einwohner in Arad. Die Stadt an der Marosch liegt damit noch weit unter den europäischen Normen und zählt zu den Städten Rumäniens, denen es noch viel an Natur fehlt. Der Bauboom in Arad lässt den Stadtbürgern nicht genügend Grün- und Erholungsflächen übrig. Fassaden-Begrünungen und Strauchpflanzungen können nur bedingt einen Ausgleich zur Zerstörung der Landschaft bieten. „Die Grünanlagen werden mit Parkplätzen und Zementflächen ersetzt“, klagt Claudiu Cristea, Präsident der regierungsunabhängigen Organisation „Die Arader Bewegung“/„Miscarea aradeana“.
Ein Beispiel dazu: der Dragalina-Boulevard. Hier wurde die Grünfläche zwischen Gehsteig und den Häuserzeilen (die Lyzeen „Elena Ghiba Birta“ und „Sabin Dragoi“) von Parkplätzen verdrängt. Auch der Padurice-Park sei in den letzten Jahren zur Hälfte zerstört worden, so Claudiu Cristea. Hier wird derzeit der neue Sitz des Kreisrats errichtet. Corina Dr²ghici, Pressesprecherin des Bürgermeisteramtes, verneint jedoch die Aussage: „Das Gebäude wurde schon um das Jahr 1994 gebaut und nur in einer Ecke des Parks. Dabei wurde keine Grünfläche zerstört“, sagt sie.

Ehemalige Müllhalden, zu Grünflächen erklärt
Mindestens 20 Quadratmeter Grünfläche pro Einwohner sehen die europäischen Umweltnormen für die EU-Städte bis im Jahr 2010 vor. Ab 2013 soll dann eine strengere Norm für die Regelung der Mindestgrünfläche pro Einwohner gelten: 26 Quadratmeter. Damit hat die Bedeutung von Grünanlagen in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Um den Mangel an Grünflächen zu decken, habe das Arader Bürgermeisteramt, laut Claudiu Cristea, auch die ehemaligen Müllhalden zu Grünflächen erklärt. „Sie haben dort nicht etwa Hand angelegt - an Stelle des Mülls ist ganz einfach Gras gewachsen“, sagt Cristea. Laut Corina Draghici haben die Arbeiten an diesen Grünflächen bereits begonnen. „Im Unterschied zu Temeswar haben wir schon seit Jahren eine ökologische Mülldeponie. Es ist normal, dass wir ehemalige Müllhalden in Grünflächen umwandeln. Derzeit werden dort Bäume gepflanzt und Rasen angelegt“, sagt die Pressesprecherin. Dass sechs Quadratmeter pro Einwohner im Vergleich zu den von der EU festgelegten Normen wenig sind, weist Draghici von der Hand: „Wir werden nie alle Grünflächen normgerecht pflegen können. Denken Sie nur an die privaten Gärten, für die wir nicht zuständig sind“, sagt sie.

Temeswar: 750.000 Euro für exotische Bäume
Etwas anders sieht die Situation in Temeswar/Timisoara aus. Die Stadt an der Bega liegt mit 16 Quadratmetern pro Einwohner auf Rang fünf der Städte mit den meisten Grünanlagen. Die ersten Plätze werden von Craiova (rund 27 Quadratmeter pro Kopf), Hermannstadt/Sibiu, Jassy/Iasi und Kronstadt/Brasov belegt. Um den Anforderungen nachzukommen, muss Temeswar weitere 600 Hektar Grünflächen anlegen. 2008 wurden zehn ökologische Parkplätze eingerichtet. In diesem Jahr wurden bereits 5.000 exotische Bäumchen gepflanzt. Kostenaufwand: rund 750.000 Euro. Presse und Öffentlichkeit findet diese Ausgaben – gerade in Zeiten leerer Kassen - zu hoch. „Mit diesem Geld wurden nicht nur Bäume erworben, sondern auch die Kosten für deren Pflege ist in der Summe mit einbezogen“, sagt Diana Nica, zuständig für die Abteilung „Grünflächen“ im Temescher Umweltamt. „Rund 500 Hektar Grünfläche hat Temeswar derzeit. Wir haben noch weitere Flächen identifiziert, die wir zu Grünanlagen gestalten wollen. Diese müssen aber noch gekauft werden und Geld ist dazu vorläufig noch nicht vorgesehen. Wir versuchen aber, bis 2013 den EU-Normen nachzukommen“, schließt Diana Nica.

Umbauen und Umdenken an der Bega


Stillgelegt, am Bega-Ufer: Die Zigerattenfabrik
Foto: Zoltán Pázmány


Pläne sind fertig, Gelder stehen noch aus
Von Siegfried Thiel

Temeswar - „Lieber einen Plan, der zwar nicht alle Probleme auf einmal löst, dafür aber genehmigungsfähig ist, als einen Plan mit hochgesteckten Zielen, der aber keine Mehrheit findet (und damit nicht durch die Genehmigung kommt)“, sagte der Architekt Michael Buck von der Klausenburger Firma Planwerk am Rande einer Konferenz zum Thema: Qualität der öffentlichen Areale – Motor der städtischen Entwicklung. Er erklärt: „Hintergrund hierfür ist der Umstand, dass in Rumänien in vielen Bereichen Nachholbedarf ist und die Probleme, mit denen sich lokale Planer beschäftigen müssen, häufig den Rahmen des Möglichen sprengen“, erläutert Michael Buck.
Die Konferenz war Teil des 2.Bega-Boulevard-Festes in Temeswar/Timisoara. Kurz zuvor hatte Bürgermeister Gheorghe Ciuhandu den neu erstellten Bebauungsplan (PUZ) am Bega-Fluss/Kanal vorgestellt, denn außer Kunst, Kultur und Freizeit sieht der Stadtvater auch die wirtschaftlichen und baulichen Aspekte der Zukunft. Schiffsverkehr für Touristen und Fracht plant die Stadtverwaltung, aber auch der öffentliche Nahverkehr könnte schon bald über den Wasserweg erfolgen. Trotz zeitweiligen Stopps der Arbeiten rechnet Aura Junie, Leiterin der Direktion für Entwicklung in der Temeswarer Stadtverwaltung, damit, dass die begonnene Entschlammung bis Ende d.J. abgeschlossen wird. Sie glaubt auch fest daran, dass der Ankauf von Schiffen für den öffentlichen Nahverkehr in Temeswar keine Utopie ist.
Dienstleister und Wohngegenden, statt alter, meist stillgelegter Betriebe, so wünscht man sich in Temeswar die Ufer der Bega. Mit viel Grün: „Damit wir bis 2013 die vorgeschriebenen 26 Quadratmeter Grünfläche pro Einwohner erreichen”, sagt Ciuhandu. Um den neuen Plänen in der Entwicklungsstrategie der Stadt nachkommen zu können, sind Alleingänge keine Lösung: „Architekten und Landschaftsgestalter müssen eng zusammen arbeiten“, hieß es nicht selten.
All die guten Vorhaben sind nicht frei von Hürden: Ansprüche auf Eigentumsrecht und wirtschaftliche Interessen lassen ein langwieriges Tauziehen um Grundstücke in der Nähe der Bega erahnen. Auch die Schiffbarmachung des Flusses ist kompliziert und kostspielig. Die bereits begonnene Entschlammung - ersteinmal abgeschlossen – reicht nach Aussagen von Fachleuten allein für den Personenverkehr, für den Frachtverkehr sind jedoch überaus kostspielige Ausbaggerungs- und Ausbauarbeiten notwendig.

Haftanstalt mit offenen Toren



Hinter Gittern
Foto: Zoltán Pázmány


Tourismusagentur ANP: im Winter Bistritz, im Sommer Konstanza

Das Motto der Temeswarer Haftanstalt „Popa Sapca“ hätte am Freitag lauten können: „Rein kommt, wer will, raus geht, wer kann“. So jedenfalls von einem Wärter scherzhaft zu hören. Dass manche inzwischen zu Stammkunden geworden sind, bestätigt Magdalena Radu, Pressesprecherin der Strafanstalt. „Manche kommen hierher, bleiben drei Monate, gehen raus, kommen aber bald wieder. Hier haben sie Essen, ein Dach über dem Kopf, Warmwasser, alles von dem Geld der Steuerzahler“, sagt die Pressesprecherin. Auch für den Langweilefaktor ist irgendwie gesorgt, besonders durch die bestehende Gesetzgebung. Falls es einem Insassen irgendwie „zu langweilig“ in der Temeswarer Haftanstalt wird, kann er die Verlegung des Prozesses in einer anderen Gegend Rumäniens verlangen. In den Wintermonaten ist besonders das Gericht bei Bistritz/Bistrita beliebt, in den Sommermonaten beantragen einige die Verlegung nach Konstanza/Constanta. Dies alles wiederum auf Kosten der Steuerzahler. „Die Nationalverwaltung der Haftvollzugsanstalten (ANP) ähnelt inzwischen einer Tourismusagentur“, meint Radu lächelnd.
Zurzeit sitzen im Temeswarer Gefängnis ungefähr 1.000 Häftlinge. Jeder davon kostet den Staat ungefähr 1.600 Lei im Monat. Es gibt Zellen mit zwei, vier aber auch mit 20 Betten, in denen die Insassen leben. „Ihr solltet mal herkommen und sehen, wie wir auf 16 Quadratmetern überleben müssen“, schreien einige Häftlinge hinter den Gittern aus einem Zellenblock während des von der Leitung der Haftanstalt organisierten Rundgangs. Die Veranstaltung der offenen Tore wird jedes Jahr anlässlich des Festes der Heiligen Apostel Petrus und Paulus, Schutzpatronen des Gefängnissystems, am 29. Juni organisiert.
Den Häftlingen steht eine Bibliothek zur Verfügung, um informiert zu bleiben. Außerdem gibt es eine interne Zeitung, die von Insassen geschrieben wird. „Falls ich Muskeln hätte, würde ich wahrscheinlich auch die Schaufel in die Hand nehmen und draußen arbeiten“, sagt einer der Redakteure. Für die geleistete Arbeit werden die Häftlinge entlohnt und gleichzeitig wird ihre Haftzeit verkürzt. Profitabel ist die Angelegenheit auch für die ANP. 30 Prozent des Geldes kommt den Häftlingen zu, das restliche Geld fließt aufs Konto der ANP. Im vergangenen Jahr wurden auf dieser Art und Weise drei Millionen Lei erwirtschaftet. Die Auftraggeber scheinen ebenfalls zufrieden zu sein, da die Arbeitskraft billiger ausfällt und außerdem „einen guten Job leistet“, meint ein Auftraggeber.
Für diejenigen, die sich weiterbilden wollen, gibt es Schulprogramme. Wer es bislang versäumt hat, eine schulische Laufbahn einzuschlagen, kann hier die Klassen eins bis acht, das Lyzeum, eine Uni und sogar einen Masterstudiengang absolvieren. Ein 42-jähriger Häftling drückt zum ersten Mal die Schulbank: Er besucht die erste Klasse, wie Magdalena Radu mitteilt.
Popa [apc² ist seit Anfang dieses Jahres kein Hochsicherheitsgefängnis mehr, sondern eines im offenen und halboffenen Vollzug. Seit einiger Zeit werden hier keine Frauen mehr inhaftiert, diese wurden nach Arad versetzt. Was dem Gefängnis zurzeit fehlt ist ein Priester, nachdem der ehemalige Priester, Ionel Busuioc, vergangenes Jahr in einem Unfall ums Leben gekommen ist.
Bei der Gefängnisleitung herrscht zurzeit etwas Unzufriedenheit. Das Personal ist unzureichend, außerdem können keine freien Tage gewährt, die Überstunden nicht ausbezahlt werden. Der Fuhrpark ist veraltet, manche Fahrzeuge stellen sogar eine Gefahr für die Verkehrssicherheit dar. Gelder für die Erneuerung des Fuhrparks wurden beantragt, die Fahrzeuge sind jedoch – bis heute - die gleichen geblieben.
Olivian Ieremiciu

Aach so is es meeglich

Te Sch.Wob will ee Preis

Ee paar Plastik-Entn, tie wu uf te Bega schwimme, sin aarich interessant for tie Leit, tie wu tezukumme, wann in Temeschwar et Bega-Buleward-Fescht organisiert get. Iwerhaupt weil te Herr von te Ent, tie wu es erscht torch tie Bega schwimmt, ee scheene Preis kriet. Wie vor ensehalb Wuche wider mol tes Fescht ghal is gin, han ich mer gedenkt, wie mer mache kennt, tass mer te grooße Preis sicher gewinne kennt. Stell mer uns mol vor, tass es mit te Wertschaft besser geht un te erschte Preis zehnmol meh Geld kriet, wie jetz. Wer will net so ee Preis gewinne?
Un to spinn ich tie Idee weider: Weil ich unbedingt te Preis will, bemieh ich mich aarich tefor (dafür). Ich verschaff mer von meim Freind vum Katastrofeschutz ee Taucheranzuch, mei Plastikent tu ich uf ee Steckl (Stock), geh unner Wasser un schwimm so vor te anre Ente her. Iwer Telefon saat mer mei Sohn, wie schnell ich schwimme, soll, tass es net uffallt, wann ich zu weit vor te anre paar Tausnd Ente sin. (Wie te gsieht, kenne mer aach unner Wasser mit em „Hendi“ telefoniere.) Un tann geht es los: Am Uwer spillt ee Musichkapell ganz falsch ee paar Lieder. Oder kummt tas mir nor unner Wasser so falsch vor?
„Gib owacht, weil tie Organisatore schaue komisch in tei Richtung“, heer ich wie mei Sohn mir ins Telefon saat. Gleich tauch ich noch ee pissl tiefer, mach so, wie wann mei Ent e pissl tie Richtung verlor hätt un tann schwimm ich weider, weil hinner mir gsiehn ich schun te Schatte von te anre Ente. Ich frei mich schun, uf te Sieg. Ich stell mir vor, wie alle Leit mich feire were, wie mei Pild in te Zeitung is: Ich, mei Sohn un ee Plastikent un in te Hand so zehntausnd Euro Siegprämie. Tie gute Werscht wer ich im Teller han un net nor ihre Geruch in te Nas, kaltes Pier ritscht mer torch tie Gorgl und vill scheene Weiber mit korze Reck, trehn sich diskret newer ihrem Mann rum un lache mich aan. Wege tem Preisgeld, natierlich...
Wie ich so ganz tief tran tenk, was nohher kumme werd, gsihn ich, wie sich tie Ent vun tem Steckl losleest, un an Reiser, tie wu ufm Wasser schwimme, hänge pleipt. Ich han mich noch net vun tem Schock erhol, wie ich gsiehn: Irgndwu in ter Mitt von te Schaar Plastikviecher verliert sich mei Ent, ich muss pis weit naus gege te Stadtrand schwimme, pis ich mich aus em Wasser trau. Te Preis ist futsch, mei Mobiltelefon han ich verlor, tes Tauchergewand is ufgeriss, mei Sohn wees net wu ich sin, un ee Mann ruft tie Polizei an, weil er eene gsiehn hat (also mich) mit eem verrissene Tauchergwand torch tie Gasse laafe und er hat gemeent tie Marsmensche sin werklich kumm. Un tann fallt es mer in: Mei Ent hat tie Nummer 13 ghat und kaaft han ich se am vergangene Freitach.

Zum 16. Mal „Reschitzaer Deutsches Trachtenfest”


Die Vertreter der Steiermark bei der Kranzniederlegung am Denkmal für dieOpfer der Russlanddeportation 1945-1949.

Foto: privat

Eine der wichtigsten jährlichen Veranstaltungen der Banater Berglanddeutschen ist das „Reschitzaer Deutsche Trachtenfest“, das am 13. Juni bereits zum 16. Mal stattgefunden hat.
In diesem Jahr haben sich über 210 Trachtenträger aus dem Banat, aus Österreich und aus Slowenien daran beteiligt - eine farbenfrohe und gutgestimmte Veranstaltung. Dabei waren: die deutsche Volkstanzgruppe des Kindergartens Nr. 9 Reschitza/Resita (Leitung: Ingeborg Nemeşagu), die deutsche Volkstanzgruppe aus Steierdorf-Anina (Leitung: Georgeta Grolmusz), die deutsche „Freundschaft”-Volkstanzgruppe aus Bokschan/Bocsa (Leitung: Andreea Boscornea), die deutsche „Kornblume”-Volkstanzgruppe aus Lugosch/ Lugoj (Leitung: Karla Kina Molnar und Friderike Bakau), der Reschitzaer „Franz Stürmer”-Chor (Leitung: Elena Cozâltea), die deutsche Volkstanzgruppe aus Orawitza/Oravita (Leitung: Getrude Steţco und Robert Chelariu) und die deutsche „Enzian”-Volkstanzgruppe aus Reschitza (Leitung: Marianne und Nelu Florea). Mit aufmarschiert sind Gäste aus Nadrag/N²drag (Kreis Temesch/Timis) und je eine Abordnung aus Österreich und Slowenien.
Aus Österreich marschierten auf die Vertreter des Alpenländischen Kulturverbands „Südmark“ zu Graz (u.a. Obmann Univ.-Prof. Dr. Reinhold Reimann und stellv. Obmann Dr. Helge Schwab), Vertreter der steiermärkischen Landeshauptstadt Graz (Gemeinderat Mag. Andreas Molnar), des Amts der Kärntner Landesregierung (Mag. Udo Puschnig), aus Tirol unser treuer Freund Herwig Nachtmann, weitere Gäste aus der Steiermark. Aus Slowenien machte eine Delegation des Kulturvereins Deutschsprachiger Frauen „Brücken“ aus Marburg an der Drau, unter der Leitung der Obfrau Veronika Haring, mit. Für die Feststimmung sorgte die Karansebescher Blasmusik, die nicht zum ersten Mal bei den Reschitzaer Trachtenfesten aufspielte.
Die Heilige Messe zum Trachtenfest zelebrierte der römisch-katholische Pfarrer Martin Jäger aus Ferdinandsberg/Otelu Rosu, im Beisein des evangelisch-lutherischen Pastors des Banater Berglands Egon Wonner. Zum Beginn der Heiligen Messe begrüßte der römisch-katholische Erzdechant des Banater Berglands, Pfr. József Csaba Pál, alle Anwesenden in der Kirche. Musikalisch wurde die Heilige Messe vom „Fiamma”-Jugendchor der Pfarre umrahmt.
Sodann marschierte man von der Kirche aus, die sich in unmittelbarer Nähe der nicht mehr funktionierenden Siemens-Martin-Hochöfen befindet, bis zum Denkmal der Russlanddeportierten. Traditionsgemäß hielt man beim Russlanddeportiertendenkmal, um all jener zu gedenken, die Opfer dieses Unheils für die Rumäniendeutschen gewesen sind. Nachdem Pfarrer Martin Jäger und Pastor Egon Wonner Gebete sprachen, wurden Blumenkränze seitens der verschiedenen Ensembles und Delegationen am Denkmal niedergelegt.
Der Aufmarsch der Trachtenträger folgte mit einem Rundgang durch das Stadtzentrum von Reschitza und danach bis zum Kulturhaus der Gewerkschaften „Dr. Corneliu Diaconovici“. Im Festsaal des Kulturhauses folgte ein über zweistündiges Kulturprogramm, von den beteiligten Kulturgruppen dargeboten. Zwischendurch sprachen zum Publikum der Obmann des Alpenländischen Kulturverbands „Südmark“ zu Graz, Univ.-Prof. Dr. Reinhold Reimann, der Vertreter der steiermärkischen Landeshauptstadt Graz, Gemeinderat Mag. Andreas Molnar und der Vertreter des Amts der Kärntner Landesregierung, Mag. Udo Puschnig. Zum Schluss des „Reschitzaer Deutschen Trachtenfestes“ 2009 wurden alle Kulturgruppen und Delegationen zu einem Festessen in der Kantine des „Stefan Anghel“-Hüttenwerkslyzeums eingeladen. Auf Klänge der Karansebescher Blasmusik schwang man sogar das Tanzbein, was zum guten und stimmungsreichen Ausklang maßgebend beitrug.

Erwin Josef Ţigla