Donnerstag, 26. März 2009

Studium, Job und Karriere


Bildungsangebote zur Schau gestellt


Temeswar - Ganze Klassen reisten an, als die Bildungsmesse RIUF (Romanian International University Fair) nahezu 40 Hochschulen und Bildungsdienstleister mehrerer europäischer Länder im Regionalen Business-Zentrum (CRAFT) in Temeswar/Timisoara unter einem Dach zusammen brachte. Buchstäblich Schlange standen - meist Lyzealschüler - bereits kurz nach der Eröffnung vor den Ständen der verschiedenen Hochschulen, holten sich erste Informationen und sammelten reichlich Faltbogen und Beschreibungen der Studiengänge. Großes Interesse sowohl für die Angebote einheimischer Universitäten, als auch für jene aus dem Ausland.


Warum das so ist, fasst Lucia Nedelcu von der deutschen Abteilung des Diaconovici-Tietz-Lyzeums in Reschitza in einem einfachen Satz zusammen: „Es ist auf jeden Fall besser, in Deutschland oder Großbritannien zu studieren”. Auch wenn sie erst in der 11.Klasse ist, findet sie rechtzeitige Informationen für ihren beruflichen Werdegang besonders wichtig. Studenten hingegen ging es um Masterstudiengänge – das Ausland schien besonders gefragt. „Mit einem Schlag kann man viele Fragen zum Thema Hochschule aus dem Weg räumen. Nicht zu verachten: Da erfährst du direkt etwas von Hochschulen, von denen du bisher nicht einmal gehört hast”, sagt Alin Dobre, Schüler der 12. Klasse, bei einem Plausch im Büffet.


Katja Lasch, Leiterin des DAAD-Informationszentrums in Bukarest sagt über die Nachfrage, dass man im Banat die deutsche Prägung und die Nähe der deutschen Lyzeen in Arad, Reschitza und Temeswar ganz gut spürt. An Studienplätzen in Deutschland seien mittlerweile auch immer mehr Jugendliche interessiert, die nicht deutsch sprechen, aber durch das Angebot der englischen Studiengänge in Deutschland angelockt werden. Laut DAAD studieren derzeit etwa 4100 rumänische Staatsbürger in Deutschland. Rumänien liegt damit in der Hierarchie ausländischer Studenten in Deutschland irgendwo auf den Plätzen 10-15. Zu diesen gehört auch Manuel Viorel Semen, wissenschaftlicher Mitarbeiter der TU Bergakademie Freiberg. Zusammen mit Manuela Junghans vom Internationalen Universitätszentrum der Bergakademie stellt er die Bildungseinrichtung vor.


Die gelegentlich aufgeworfene Frage, ob die Präsenz ausländischer Studenten in Deutschland nicht dem dortigen Arbeitsmarkt schaden könnte, weist der Doktorand zurück. „Zum einen kann auch Deutschland gute Leute gebrauchen, wenn diese bleiben wollen, zum anderen will er selbst nach dem Abschluss nach Rumänien zurückkehren. Ein Mann mittleren Alters – wohl Vater eines Schülers oder gar Lehrer – zeigte sich begeistert vom Interesse, den die Schüler oder Studenten an den Tag legten, als es um Bildung, Karriere und Zukunft ging. Am Ausgang ließen sie sich den Stempel der Veranstaltung auf die Hand drücken – sie wollten nämlich etwas später wieder kommen und brauchten so kein zweites Eintrittsticket zu lösen.(st)

Der Floh und der Hund


„Na, was machen wir“, fragt der Floh den anderen, mit dem er grad eine Opernaufführung besucht hatte, „hupfen wir nach Haus oder bedienen wir uns des erstbesten Straßenköters?“ Daran musste ich denken, als die Präsidententochter Elena ihren zeitweiligen Austritt aus der PDL und ihre Direktkandidatur für einen EU-Parlamentsposten verkündete, um im Anschluss sofort die Anwesenden und die bislang von ihr geführte Jugendorganisation der PDL zu bitten, ihr beim Zustandekommen der Liste mit den 100.000 Befürworterunterschriften behilflich zu sein.


Dieses für ihren Vater (im Journalistenjargon: „Zeus“) typische Vermischen von unmittelbarem und Langzeitinteresse, von Persönlichem (denn was sonst ist eine Direktkandidatur, hinter der keine Partei stehen soll) und Parteieninteresse (denn das präsidiale Püppchen, das sein Geld auf dem Catwalk mit Modepräsentationen verdient, aber auch mit Firmenvertretungen, etwa für Luxten, verkündete sofort, nach den Wahlen zum Europaparlament wieder der PDL beizutreten, eben wie obiger Floh den Straßenköter benutzt, um müheloser weiterzukommen und dann auf- oder abzuspringen).


Es gilt als sicher, dass hinter dem B²sescu`schen Manöver Vater Zeus steckt, der schon heftigst Wahlkampf-ohne-Gegner, wie Schattenboxen, betreibt und der seine oft tolpatschig auftretende Tochter mit ihren grammatikalischen Fehltritten irgendwie von seiner Leib- und Seelenpartei PDL fernhalten möchte, ohne sie gänzlich rauszuhalten. In ihrer Erklärung zum Manöver, zu dem sie die Politologin und Dramaturgin Alina Mungiu-Pippidi zwang, die mit ihrem Rückzug von der Kandidatenliste drohte (wo sie aufgrund einer Bitte von Zeus hingelangt war), weil sie keine intellektuelle Unterrepräsentierung an ihrer Seite haben wollte, flötete die Präsidententochter, sie wolle im Europaparlament die Jugend als Jugendliche vertreten.


Was dann natürlich die balkanischen Speichellecker der PDL auf den Plan rief, die ihr heftigstes Bedauern über den zeitweiligen Austritt der Zukunftshoffnung ausdrückten und dozierten, wie sehr dies der Partei schade.


Einen Pluspunkt muss man dieser causa Elena Basescu zugestehen: die Wahlen fürs Europaparlament kamen in die Skandalpresse und erfreuten sich einer unerhörten Gratiswerbung. Endlich sind die Wahlen ins wichtigste Parlament des neuen Europa auch in Rumänien zum Gesprächsstoff geworden. Das ist allein der Zeus-Tochter zu verdanken, die sich ins Rampenlicht der skandalehungrigen Öffentlichkeit stellen ließ. Keinen interessiert, dass der außenpolitisch hyperaktive Adrian Severin in Brüssel einen guten Job schiebt, dass Daniel Daianu das Grundsatzpapier des Europaparlaments zur Weltkrise redigiert hat, dass Gabriela Cretu und Adina Valean sich unter den Sozialisten bzw. Liberalen in nur zwei Jahren einen guten Namen gemacht haben.


Nun wissen alle dank der Präsidentenjüngsten mit dem Püppchengesicht:

Hoppla! Im Juni haben wir Europawahlen!

Werner Kremm

Gemischte Gefühle und gedämpfter Optimismus


Autohändler: Talsohle in ihrer Branche noch nicht erreicht

Von Siegfried Thiel


„Kostenbewusst“, besser und diskreter hätte es Robert Krafft, Leiter des Autohauses Banat Car, Temeswarer Niederlassung des BMW-Dealers Automobile Bavaria, eigentlich gar nicht nennen können. Gemeint hatte er nämlich die sparsame Art, mit der ein Banater zum Autohändler geht, im Vergleich zu einem Bukarester. Bevor Robert Krafft in das Autohaus an der Ausfallstraße nach Lugosch/Lugoj kam, war er einige Jahre in Bukarest tätig, deshalb kann er diese Unterschiede klar erkennen.

Kuriosa pur: Beim BMW-Dealer lassen sich derzeit teure Autos am besten verkaufen


Sein Autohaus kämpft, genauso wie die gesamte Branche mit den dunkelroten Absatzzahlen: In den ersten beiden Monaten 2009 ging in Rumänien die Anzahl der verkauften Autos laut Statistik des Europäischen Vereinigung der Autobauer (ACEA) um 66,5 Prozent gegenüber der gleichen Zeitspanne des Vorjahres zurück. „Die Spitze des Eisbergs ist noch nicht erreicht“, glaubt Robert Krafft.


Etwas besser geht es derzeit den Autohändlern, die sich in das Umweltprogramm zur Entsorgung von Schrottkarossen eingeschrieben haben. So hat der Temeswarer Skoda-Dealer bereits in der ersten Woche nach Beginn des Abwrackprogramms alle seine ins Programm aufgenommenen 30 Wagen abgesetzt. 20.000 Wagen sind landesweit im ersten Drittel des diesjährigen Entsorgungsprogramms von Altautos festgehalten. Auf der Angebotsliste stehen 19 Marken, darunter gängige und vom Preis her durchaus verkäufliche Wagentypen, aber auch solche, denen viele einen Absatz trotz Abwrackprämie nicht zumuten.


Autos teurer Marken würden sich über solche Programme bestimmt nicht verkaufen, heißt es nicht selten, denn „wer auf eine Abwrackprämie von weniger als 1000 Euro angewiesen ist, der kauft sich eh nur einen Wagen der billigeren Sorte“. Andere glauben, dass renommierte Firmen nicht unbedingt ihre teuren High-Lights anbieten, wenn es um Anlocken der Kunden über die Abwrackprämie geht. Fakt ist, dass in diesem Jahr das Schrottkarrenprogramm was die Anzahl der Autos, aber auch was die Prämie betrifft, nach oben gegangen ist. Die Anzahl der Wagen wurde für das Gesamtjahr von 40.000 auf 60.000 aufgestockt, die Prämie beträgt nun 3.800 statt 3.000 Lei. Und um dem Ganzen eine weitere Kuriosität beizufügen: Beim BMW-Dealer Banat Car verkaufen sich momentan am besten der X6 und der X5, also die teuren Marken.

Alte Dacias sind nur noch über Abwrackprämie rentabel

Fotos: Zoltán Pázmány


Nicht nur das Konsumvertrauen ist eingebrochen, sondern auch das Geld, dass für größere Einkäufe notwendig ist, ist nicht mehr da. Wirtschaftsexperten behaupten, dass dies nicht unbedingt an der Tatsache liegt, dass in den letzten Monaten reichlich Personal entlassen wurde: „Wer von einem Durchschnittslohn in einem Werk ein Auto kaufen will, der sollte darauf nicht bauen“. Fachleute aus dem Finanzwesen, aber auch Robert Krafft, sehen den Preisverfall bei Grundstücken und Immobilien als Hauptgrund für die derzeitige Flaute beim Kauf von Langzeitgebrauchsgütern.


Zurückhaltung pur gab es in den ersten Tagen nach Beginn des Unterfangens „Schrottkarre“. Der Umweltminister Nicolae Nemirschi hatte nämlich zu verstehen gegeben, dass im Falle geringen Interesses für die ersten 20.000 im Umweltprogramm aufgenommenen Wagen, die Abwrackprämie aufgestockt würde. Ende der Woche machte der Minister jedoch einen Rückzieher, mit dem Hinweis, das sei nie so gemeint gewesen, und außerdem würde die Initiative zur Erneuerung des Autoparks durch eine höhere Entsorgungsprämie ihren Zweck verlieren.


Zum Unterschied von Robert Krafft sagt Radu Suciu, Leiter des Opel-Händlers „Autoglobus“, dass sich bei ihm nur billige Marken verkaufen lassen. Auf gemeinsamem Nenner sind sie jedoch, wenn beide behaupten, dass die Talsohle noch nicht erreicht ist.


Auch über Preisreduzierungen würden die Autohändler ihre Ware nicht mehr lange anbieten können: „Nur bei gehobener Absatzzahl hast du auch, woher einen Discount zu gewähren“, sagt Suciu, der zugibt, dass es seinem Autohaus derzeit schlecht geht. Und noch eine Hürde steht ihm im Weg. Obwohl in das Schrottkarrenprogramm aufgenommen, kann Autoglobus davon zumindest derzeit nicht profitieren: Eine E-Mail habe Suciu bekommen, dass noch kein Geld für die Entsorgungsprämie vorhanden sei, sagte Suciu der BZ. Woran das liegt, bleibt derzeit offen, denn sonst soll - unseren Informationen nach - die Jagd nach den umweltfreundlichen Schnäppchenautos landesweit längst begonnen haben.

Unser Osterlamm wird teurer


Die Fastenzeit und die traditionelle Preisspirale


Temeswar(BZ) – Wir stehen mitten in der Fastenzeit. Die Gläubigen dürfen in dieser Zeit verschiedene Lebensmittel nicht verzehren. Die Fastenzeit wird nicht nur als Reinigung des Geistes sondern auch des Körpers angesehen.


Laut Tradition gibt es das „normale“ Fasten und das schwarze Fasten. Durch die zweite Methode hat zum Beispiel der Therapeut Valeriu Popa einige spektakuläre Heilungen geschafft. Die Nutritionisten sind der Meinung, dass es gesund ist, für eine gewisse Zeit zu fasten. Nicht alle Lebensmittel, die in dieser Zeit verzehrt werden dürfen, sind jedoch auch gesund.


Nach der Fastenzeit, die derzeit auch nicht unbedingt billig für die Gläubigen ausfällt, wird es noch teurer. Das „traditionelle“ Lamm wird dieses Jahr wieder mal teurer. Voriges Jahr kostete ein Kilogramm Lammfleisch 20 Lei. In diesem Jahr wird das Lammfleisch 24 Lei pro Kilogramm kosten. Mihai Dumitru, der Vorsitzende des Unternehmerverbandes der Schafzüchter- und Exporteure, meint, dass es ganz normal sei, in diesem Jahr mehr für das Schaffleisch zu bezahlen. „Wir sind in einem Krisenjahr, also ist es normal, das Schaffleisch zu verteuern“, sagt Dumitru.

Lammfleisch wird von Jahr zu Jahr teurer

Foto: Zoltán Pázmány


Vom Züchter bis auf die Theke verdreifacht sich jedoch der Preis. Beim Züchter kostet das Kilogramm Schaffleisch acht Lei, im Handel klettert der Preis auf 24 Lei pro Kilogramm. Für ein Lamm, das normalerweise an die zehn Kilogramm wiegt, müssen wir also in diesem Jahr 240 Lei aus der Tasche ziehen. Seit 2005 hat sich der Preis des Lammfleisches verdoppelt. Damals lag er bei 12 Lei pro Kilogramm. Ein Jahr später kostete ein Kilogramm Lammfleisch schon 14 Lei, 2007 betrug der Preis 17 und im vorigen Jahr musste man schon 20 Lei hinblättern.

Edelmetalle erwecken Interesse


George Taus: einer der ältesten Temeswarer Goldschmiede

„Das Goldschmiedehandwerk ist ein vielseitiger Beruf, der in unserer Zeit leider sehr selten noch in seiner charakteristischen Art und Weise ausgeübt wird“, sagt George Taus, einer der ältesten Kunsthandwerker in Temeswar/Timisoara. Der Goldschmied meint, dass heute 99 Prozent der Schmuckstücke, die zum Verkauf angeboten werden, gegossen und meist aus der Türkei eingeliefert sind. Außerdem sollen heutzutage nur die Wenigsten den Unterschied zwischen handgearbeitetem und gegossenem Schmuck erkennen.


Um sein Geschäft zu erhalten, verkauft George Taus in seinem Laden nicht nur handgemachten Schmuck, sondern auch Importartikel. Der Temeswarer kennt sein Handwerk seit 1958, als er seine Lehrlingsausbildung in der Goldschmiede in der Temeswarer Innenstadt begonnen hat. Die Kunstwerkstatt auf der Alba-Julia-Straße war damals neben der in der Fabrik- und der Josefstadt eine der drei Goldschmieden aus Temeswar. Etwa 20 Angestellte gab es im Atelier, darunter auch ihn, der das Handwerk des Goldschmieds von seinen älteren Kollegen (insbesondere von Stefán Kormányos) gelernt hatte. Seine erste Arbeit: Bearbeitung eines Eherings. Zwei Jahre mussten vergehen, bis er etwas wirklich vom Kunsthandwerk verstanden konnte. „Man muss mit dem Schmuckstück ständig spielen und kreativ sein, um dazu zu lernen. Heute noch eigne ich mir Kenntnisse in diesem Beruf an“, so Taus.


Vom Angestellten zum Besitzer
George Taus eröffnete im September 1990 seine eigene Werkstatt auf der „Florimund-Mercy“-Straße. Er stellte Lehrlinge an und brachte diesen die alte Goldschmiedekunst bei, sodass er 1997 etwa 12 Mitarbeiter hatte, von denen heute nur noch sieben übrig geblieben sind. „Obwohl man mit Edelmetallen arbeitet, verdient man nicht viel in diesem Beruf“, fügt Taus hinzu. Er hat in 19 Jahren noch keinen Angestellten entlassen. Die, die gegangen sind, haben wegen des nicht zufriedenstellenden Gehalts gekündigt.


Nicht nur der Mangel an Personal hat dem Kunsthandwerker Schwierigkeiten bereitet, sondern auch jene industriellen Goldschmiede, die heute am Laufband Schmuckstücke herstellen und bis zu einem Kilogramm Edelmetalle am Tag bearbeiten können. Außerdem hat der Goldschmied das Amt für Verbraucherschutz (OPC) immer wieder am Kragen, dessen Inspektoren in 19 Jahren noch nie mit leeren Händen seinen Laden verließen. „Die suchen immer so lange nach, bis sie etwas finden, um mir einen Strafzettel verpassen zu können. Mit der Zeit habe ich bemerkt, dass dies am häufigsten in den Wahlkampfjahren passiert“, sagt T²u{. Die letzte Strafe bekam der Goldschmied, da er kein Datum auf eine Quittung geschrieben hatte. Immerhin verlaufen die Kontrollen seit der Wende viel freundlicher, meint der Temeswarer.


Nur ungern erinnert sich George Taus an die erste Durchsuchung Anfang der 60ern, die er erleben musste. Damals polterten die Milizleute in die Werkstatt und befahlen ihm und seinen Kollegen, sich mit erhobenen Händen an die Wand zu stellen. Sie wühlten selbst durch den Senf und das Butterbrot der Kunsthandwerker, um Goldstücke zu finden. Weil sie nichts fanden, suchten sie am Schaltkasten weiter nach, denn ihnen war bekannt, dass viele Menschen gegen Stromausfall eine Münze in die Sicherheitshülse legen.


"Es ging ihnen aber nie darum, etwas zu finden. Sie wollten uns nur einschüchtern“, so Taus, der nach einem Fund von 1,7 Gramm unregistriertem Gold vier mal zur Miliz musste, um auszusagen. Genau wie seine Kollegen wusste er nicht, woher das Gold stammte. Taus sagt, dass beim Bearbeiten des Goldes sich im Verlaufe eines Jahres bis zu zwei Gramm Goldreste ansammeln können. Das könnte auch damals der Fall gewesen sein, vermutet er.


Im Verlaufe der Zeit bereiteten Taus nicht nur die Behörden Probleme, sondern auch Diebe. Nicht selten kam es vor, dass seine Angestellten jemand hinterherlaufen mussten, um ein Schmuckstück zurückzugewinnen. Einige der Diebe kamen auch mal davon, andere sind beim Stehlen nicht einmal bemerkt worden. Erst bei der Inventur wurde dies festgestellt.

Neue Caritas-Einrichtung in Bakowa


Das Pater-Berno-Haus: Hilfe für Kinder in Not


Der Caritasverband der Diözese Temeswar wird am Samstag, dem 28. März, um 10 Uhr, seine neueste Einrichtung, das Pater-Berno-Haus, eine Tagesstätte für Kinder, in Bakowa, Kreis Temesch, eröffnen. Die Feier wird mit einer Heiligen Messe in der römisch-katholischen Pfarrkirche im Ort beginnen. Anschließend erfolgfen die Einweihung und die Eröffnung der Tagesstätte.

Die Bakowaer Tagesstätte für Kinder „Pater Berno“ erwartet ihre Schützlinge

Foto: Caritas


Die Tagesstätte mit Nachmittagsprogramm ist für Schulkinder (Klassen I-IV) aus sozial benachteiligten Familien gedacht und bestimmt. Anfangs sollen hier 17 Kinder, die die Schule in Bakowa besuchen, betreut werden. Das Personal, bestehend aus einer Lehrkraft, einer Pflegerin und einem Hausmeister, bietet folgende Dienste an: Betreuung, Pflege, Hilfe beim Lernen und den Hausaufgaben. Gleichzeitig soll den Kindern auch ein kleiner Imbiss geboten werden. Im Gebäude wird auch ein Ambulatorium für die medizinische Versorgung der Kinder eingerichtet. Kostenträger dieses großzügigen Sozialprojekts ist der Verein „Hilfe für Kinder in Not“ aus Oberursel/Deutschland, geleitet von der Familie Marion und Hans-Otto Elbert.


In Bakowa funktionieren derzeit auch andere Caritas-Einrichtungen: Die wohl bekannteste ist die 2003 auf eine Initiative von Pater Berno Rupp (Deutschland) gegründete Pater Paulus-Jugendfarm. Ebenda wurde 2007 im Rahmen eines 18-monatigen EU-Projektes das Resozialisierungszentrum für 16 Obdachlose aus dem Pater Jordan-Nachtasyl der Caritas in Temeswar eröffnet. Partner an diesem Unterfangen war das Sozial- und Kinderschutzamt des Temescher Kreisrates. Im Angebot des Resozialisierungszentrums stehen außer einer Unterkunft und Arbeitsplätzen auch eine Ausbildung in den Farmbereichen (Landwirtschaft, Viehzucht, verschiedene Werkstätten). All dies soll die Reintegration der jugendlichen Nutznießer in die Gesellschaft fördern. Im Ort befindet sich noch eine Caritas-Sozialkantine mit einer Abteilung für Nudelproduktion.

Herbert Grün

Geschäftsführer

Politischer Revanchehaushalt




PDL-Rache auf Kosten der Bevölkerung


wk. Reschitza – Noch im Dezember 2008, vor der Bildung einer neuen Regierung und bereits abgewählt, hatte Tariceanu und seine PNL der Stadt Karansebesch – neben einer Reihe anderer PNL-naher Ortschaften landesweit – aus dem scheinbar bodenlosen „Reservefonds der Regierung“ (direkt aus der geldpresse?) fette Geldbatzen zugeschanzt und so Fahnentreue belohnt.


Jetzt kommt die Rache der frisch ans Ruder geratenen: im Banater Bergland ist den meisten PNL-regierten Ortschaften kaum etwas, Karansebesch gar nichts aus den Regierungstöpfen der Haushaltsverteilung zugestanden worden. Politische Revanche oder einfach Rache nannten die Lokalzeitungen das, was nichts anderes als ein politisches Schmutzwäschewaschen kleinlich denkender Lokal“politiker“ ist nach dem Motto: „Jetzt sind WIR an der Macht, jetzt tun wir, was wir wollen. Die anderen haben es auch nicht anders gehalten, als sie an der Macht waren!“


So könnte man die jüngste Kreisratstagung zusammenfassen, wo es um die Verteilung der endlich eingetroffenen Haushaltszuschüsse seitens der Regierung ging. Zwar gab es Gezank und Geplänkel und Gegeifer noch und noch, aber letztendlich lief alles doch darauf hinaus, was die PDL wollte: alles (Mögliche) für die eigenen Bürgermeister, (fast) nichts für die der anderen! Sogar für die in der Regierungskoalition mit der PDL befindlichen PSD-Bürgermeister gab es fast gar nichts.


Auf keinen Fall das Mindeste, was zu erwarten gewesen wäre, nämlich die Kofinanzierung bereits gestarteter europäischer Projekte. So gingen laut dem Kreisratsabgeordneten Nicolae Stefanescu (PSD) die Gemeinden Moritzfeld/Maureni, Turnu Ruieni, Doclin, Teregova, Ciudanovita und Garnic leer aus, obwohl allbekannt ist, dass sie EU-Projekte über Millionen Euro abwickeln, die eine Gegenfinanzierung rumänischerseits dringend nötig haben.


Zwar hat man ihnen im abgelaufenen Dezember, als aus dem Haushalt der selben Ortschaften – neben anderen – hohe Summen entzogen wurden, um Bedürfnisse des Kreisrats – unter anderen der Lohn seiner mehr als 3000 Angestellten – zu befriedigen, versprochen, dass ihnen diese Gelder bei erstbester Gelegenheit rückerstattet werden, doch erwies sich dies als glatte Lüge. Und dahinter steckt mit hoher Sicherheit der Kreisratsvorsitzende Sorin Frunz²verde, hieß es, denn bei absolutem Gleichstand der Abgeordneten der Befriedigtenseite (15 PDL-Abgeordnete) und der Unzufriedenenseite (15 Abgeordnete der PNL und der PSD) scheint die Stimme des Kreisratsvorsitzenden das Zünglein an der Waage gewesen zu sein – mal abgesehen davon, dass er selber die Beschlussvorlage geliefert hat.


Das Gute am Ganzen: das einzige vom Demokratischen Forum der Banater Berglanddeutschen geführte Rathaus. Wolfsberg/Weidenthal, gehört zu den Privilegierten außerhalb des PDL-Blocks, ebenso wie das vom Kroatenverband geführte Rathaus von Kraschowa/Carasova/Karasevo, das von der PC geführte Rathaus des Reschitza benachbarten Târnova und das von der Christlich-Sozialen Volksunion UPSC geführte Rathaus von Franzdorf/V²liug. Und auch Reschitza und sein unabhängiger Bürgermeister Stepanescu bekamen Geld, sogar die größte Summe von allen Städten (1,3 Millionen Lei), wobei das PSD-geführte Bokschan/Bocsa die geringste Zuschußsumme bekam: 500.000 Lei.


Zum Vergleich: an Herkulesbad/Baile Herculane, Ferdinandsberg/Otelu Rosu und Orawitza/Oravita verteilte man je 1,2 Millionen Lei, an Anina und Neumoldowa/Moldova Noua je eine Millionen Lei und an Karansebesch/Caransebes nichts. Von den gemeinden bekamen die beiden mit Frunzaverde eng befreundeten Bürgermeister von Fârliug und Pojejena die höchsten Summen, 750.000 bzw. 800.000 Lei, während die anderen PDL-Kommunen zwischen 430.000 und 200.000 Lei abbekamen. Wolfsberg/Weidenthal bekam 650.000 Lei.


Insgesamt streute der Kreisrat 21,38 Millionen Lei unter die privilegierten Kommunen.


Frunzaverde, dem der Karansebescher PNL-Kreisratsherr Ion Cojocaru wegen einer sogearteten Haushaltszuteilung „Völkermord“ vorgeworfen hatte, wurde vom Kreisratspräsidenten kühl zurechtgewiesen: „Karansebesch hat während der PNL-Regierung so viel Geld bekommen, dass man dort sogar Wohnblock hätte bauen können damit. Und die PSD-Rathäuser hätten mit dem PNL-Geschenkgeld 30 Projekte der Richtlinie 3.2.2. abweickeln können, nicht mickrige zwei-drei. Alldas, während 40 PDL-Ratshäuser, einschließlich der Kreisrat selber, nur Schulden anhäufen konnten. Unser jetziger Beschluss ist nur ein blasser Ausgleich der Ungerechtigkeiten, die in den vergangenen Jahren in diesem Verwaltungskreis geschahen.“


Geld zurück!


Karansebesch bekam zu viel Förderungen


wk. Karansebesch – APIA, die Agentur für Zahlungen und Förderungen in der Landwirtschaft, fordert von der Stadt Karansebesch 174.749 Lei Fördergelder für Heuwiesen und Viehweiden zurück. Das Geld ist im September 2008 an die Stadt überwiesen worden, die es an Viehzüchter und Landbesitzer weitergezahlt hat, welche Bürger von Karansebesch sind.


Die Rückzahlungsforderung von APIA fußt auf Nachberechnungen und –messungen der 1138 Hektar großen, von der Stadt aufgrund von Grundbuchauszügen angegebenen förderungswürdigen Fläche, die so nicht stimme, heißt es bei APIA. Die Stadtleitung hingegen, die ohnehin seit dem Regierungswechsel vom vergangenen Winter arg finanziell gebeutelt ist, weil ihr Bürgermeister Ion Marcel Vela und der mehrheitlich der PNL angehörende Stadtrat nun zur Opposition gehören, hat die Entscheidung von APIA angefochten und verteidigt sich damit, alle zur Dokumentation nötigen Papiere APIA zur Verfügung gestellt und erst danach das Geld gesehen, also guten Glaubens es auch angenommen zu haben.


Karansebesch befindet sich mit den Rückzahlungsforderungen in Gesellschaft von drei Viertel aller Kommunen des Banater Berglands, von denen APIA aus diversen Gründen die Rückzahlung 2008 ausgezahlter Gelder fordert.

Die schönen Gesichter der Stadt


Zu Annemarie Podlipny-Hehn „Temeswar – Timisoara“, Cosmopolitan Art Verlag Temeswar 2008, ISBN 978-973-8903-46-3

Wie farbenprächtig ein Heimatort, wie facettenreich der Alltag sein können, darüber können uns nur Dichter oder Fotografen belehren. Schon der Einband des Bildbands über die Banater Metropole (Panoramafoto des Domplatzes by night vom ADZ-Fotografen Zoltán Pazmány) überzeugt einen davon, dass man sich in dieser Sache dem Fotografen vollauf anvertrauen kann.


Der von der Kunsthistorikerin und -kritikerin Annemarie Podlipny-Hehn im Temeswarer Cosmopolitan Art Verlag herausgebrachte Band - Als Herausgeber fungiert das Demokratische Forum der Deutschen aus Temeswar - ist als typischer Bildband konzipiert: Auf 100 von insgesamt 121 Seiten veranschaulichen 14 Fotografen die Stadt an der Bega als Ganzes oder im Detail, in Luftaufnahmen, Panoramafotos, Schnappschüssen usw. Das ergibt nicht nur einen städtischen Rundgang durch die Geschichte, das architektonische und Kulturerbe der Stadt, die Bilderreihe ermöglicht auch interessante Begegnungen mit der Stadt der Parks.


Demnach weist Bürgermeister Gheorghe Ciuhandu in seinem Vorwort auch auf das wahre Vermächtnis der Stadt, die kulturelle Vielfältigkeit, das Gemisch von Völkerschaften, Sprachen, Konfessionen, die kosmopolitische Grundeinstellung seiner Bewohner hin. Herausgeberin Annemarie Podlipny-Hehn umschreibt die Absicht, mit diesem Buch den Betrachtern ein Stück Temeswar von heute, als lebender Organismus sozusagen, vor Augen zu führen. Kunstfotograf Alexandru Cu]ar² führt die stilvollen Altbauten vor, Walther Konschitzky lenkt unsere Aufmerksamkeit auf das Detail, auf Fassaden und Tore, die Panoramafotos von Zoltan Pazmány lassen die alten Plätze als wahre Schatzkästchen aufscheinen. Das Überraschende und Ungewöhnliche des Stadtlebens fängt Ilese Hehn mit ihren Schnappschüssen ein. Nicht fehlen konnten da die beeindruckenden Aufnahmen von Karl Windberger, dem Altmeister der Banater Fotografie. Mit von der Partie sind u.a. Luise und Franz Finta, Helmut Weinschrott, Annemarie Podlipny-Hehn oder Lucia Jucu-Atanasiu.


Ein derartiger Farbband veranschaulicht die Stadt als Attraktion für den Besucher, vordergründig sind die Sonnenseiten. Was man wohl diesem Bilderbuch ankreiden könnte, ist nur das Auslassen der Schattenseiten einer modernen Metropole. Und die hat leider auch Temeswar zu bieten: die vernachlässigten Randviertel, die sumpfige, träge fließende Bega, die abbröckelnde, sanierungsbedürftige Altstadt, Schlaglöcher, streunende Hunde, Bettler usw. Das wäre jedoch ein anderes Temeswar-Buch, nicht wahr.

Balthasar Waitz

Symbolische Grenze zwischen den Kulturen


„Borderline“ – ein Buch über die europäische Identität


as. Temeswar - „Der europäische Raum gilt zwar als Ganzes, besteht aber gleichzeitig aus mehreren Bruchstücken, die sich durch die Vielfalt an Traditionen und Geschichten voneinander unterscheiden“, sagt die Kunstkritikerin Ileana Pintilie über das Projekt „Borderline“ (Grenzlinie), das sie in Zusammenarbeit mit dem deutschen Kulturzentrum an diesem Wochenende organisiert hat.

Alastair MacLennan bei einer Performance-Show

Foto: Privat


Workshops zur Entstehung der „Performance-Kunst“ sowie eine Foto- und Videoausstellung des schottischen Künstlers Richard Ashrowan waren die Schwerpunkte der zweitägigen Veranstaltung. Die Workshops wurden von zwei Künstlern und Kunstprofessoren aus Belfast geleitet. Sandra Johnston und Alastair MacLennan versuchten im Rahmen der Kunstwerkstatt, die Teilnehmer mit dem Begriff „Performance“ vertraut zu machen. „Performance ist ein Kommunikationsmittel und eine Kunstart, die in den 60er Jahren entstanden ist. Dadurch kann man sich zu politischen, sozialen sowie individuellen Themen äußern“, sagt Sandra Johnston, die sich in ihrer Heimat Nordirland mit verschiedenen religiösen und sozialen Problemen konfrontieren muss. Eine Lösung zu diesen Problemen sieht sie in der Kunst, hauptsächlich in der „Performance“-Kunst.


Im Rahmen des Projektes wurde auch der Buchband „Borderline“ vorgestellt, der eine Reihe von Texten zum symbolischen und realen Grenzzustand des europäischen Raums zusammenfasst. Auch Beispiele der Performance-Veranstaltungen der Künstler Sandra Johnston und Alastair MacLennan sind im Buch enthalten. Artikel des Künstlers und Schriftstellers Dan Perjovschi und des Malers Ion Grigorescu werden im Buch widergegeben. „Borderline“ thematisiert die Entstehung des europäischen Raums im wechselnden geopolitischen Licht der vergangenen Jahre. Es soll als eine symbolische Grenze verstanden sein, die die unterschiedliche kulturelle Identität Europas suggeriert, so Ileana Pintilie. Das Buch umfasst rund 130 Seiten und ist zweisprachig, sowohl in rumänisch als auch in englisch erschienen.

Mittwoch, 25. März 2009

Eine Banater Schwäbin auf Weltreise (25)


Zürich: Die Schweizer haben die Zeit erfunden / von Nareda Cerdy

Von einer Großstadt der Welt erwartet man Hektik. Mit diesem Vorurteil betrachtet, pulsiert das Leben in Zürich wie im Zeitraffer, so langsam und bedächtig, als hätten sie die Zeit erfunden oder alle Zeit der Welt zu ihrer alleinigen Verfügung. Dabei behaupten die Züricher auch noch von sich selber, sie seien schnell im Vergleich zu Bern.

Züricher Altstadt am Limatquai


Morgens vor zehn Uhr bewegt sich gar nichts. Da schläft die Stadt noch und abends nach 21 Uhr bekommt man in keinem Restaurant mehr was zu essen, um 21:30 Uhr, spätestens 22 Uhr werden die Restaurants geschlossen. Zur Mittagspause ist natürlich obligatorisch alles zu und die Banken arbeiten auch überhaupt nur bis mittags oder im besten Fall bis 16 Uhr. Die Schweizer sind die einzigen die ich kenne, welche die Deutschen im Bereich Ordnung und Pedanterie übertreffen.

Hier gilt das akademische Viertelstündchen umgekehrt, man muss 15 Minuten vor einem Termin da sein, um als pünktlich zu gelten. Wenn man in Deutschland schon für das Nichtbenutzen von Müllsäcken einen Strafzettel bekommen kann, gibts den in der Schweiz auch schon einen, wenn man einen Müllsack in der falschen Farbe benutzt. Zürich ist eine Großstadt mit dem Flair und der Atmosphäre eines kleinen Bergdorfes. Still und friedlich, am Züricher See gelegen, klettert die Stadt die umliegenden Berge hoch. Das Herz der Altstadt erstreckt sich zwischen Bahnhof und Seepromenade (hier Quai genannt). Um das zu erkunden braucht man keine halbe Stunde. Diskret ist hier die Crème de la Crème aller Designerboutiquen versteckt, so dezent, dass man sie beharrlich suchen muss.

Nur die Uhrengeschäfte und Schweizer Taschenmesser in den Läden fallen auf. Das wahre Schweizer Altstadtgefühl kriegt man aber nur auf der anderen Limatflussseite, jenseits der Einkaufsstraße am Bahnhof, den Berg hoch. Viele kleine Restaurants laden hier zum Verweilen ein. Immer der Nase nach: da wo es am stärksten nach Käse stinkt - hinsetzen und Fondue bestellen. Das schweizer Käsefondue ist ein Topf über einem kleinen Stövchen, in dem erhitzter geschmolzener Käse ist. Dazu gibt es klein geschnittene Brotwürfel, die man aufspießt und in den geschmolzenen Käse tunkt. Dazu ein Glas Wein und man stellt überrascht fest, dass Käsefondue immer nur den Nachbarn stinkt, aber nie dem Essenden selber.


Zürichsee während der Streetparade
Fotos: Wikipedia



In derselben Altstadthälfte auf dem Berg, über dem Fluss, ist versteckt ein Arabisches Bad, in einem unscheinbaren Altstadtgässchen. Man steigt hinunter in den Keller und befindet sich plötzlich in der Welt von 1001 Nacht. Es ist eine Oase des Friedens und der Entspannung und vor allem für unerfahrene Anfänger geeignet, weil man wasserfeste schriftliche Anleitungen mitbekommt, was man in welchem Raum zu tun hat.
Egal, ob man im Winter der Kälte oder im Sommer der Hitze entfliehen möchte, ist das ein wenig beworbenes touristisches Juwel, an dem man auf keinen Fall vorbeigehen sollte. Da nur sehr wenige Räume im Bad FKK-Räume sind und man ansonsten ein Handtuch um haben muss, ist es auch für Schüchterne geeignet. Der Züricher See und die ihn umgebenden Promenaden sind die beliebtesten Flaniermeilen in Zürich. Zu Recht, denn die Aussicht auf die umliegenden Berge ist atemberaubend. Auf dem See selbst kann man Bootsausflüge buchen und so auch die entlegeneren Teile der Stadt kennenlernen oder zum Beispiel den Chinagarten besuchen.
Ebenfalls am See findet jeden Sonntag Vormittag ein Flohmarkt statt, den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte, wenn man zufällig sonntags in Zürich ist. Vom See, der Strassenbahn entlang zum Bahnhof spazierend, nach einem obligatorischen Abstecher zur Sprüngli Confisserie (beste Schweizer Schokolade) am Paradeplatz, erreicht man den Straßenbahnknotenpunkt der Stadt, von wo aus fast alle Straßenbahnlinien starten – auch die zum Zoo. Der Zoo liegt hoch oben auf dem Züriberg und man muss nach der Endstation der Straßenbahn noch ein Stückchen zu Fuß laufen.
Bevor man sich die Reise antut, ist zu bedenken, dass der Eintritt recht teuer ist – damit man nicht davor steht und gleich wieder zurück will, wenn man den Ticketpreis von 25 CHF pro Person sieht. Aber da man schon bis hoch gelaufen ist, sollte man auch rein gehen. Es ist einer der schönsten Zoos, nicht in letzter Linie wegen der Masoala-Regenwald-Halle, die als solche in Europa einmalig ist. In allen Reiseführern wird empfohlen, mit der Ütlibergbahn auf den Ütliberg zu fahren. Es ist aber nur was für hartgesottene Bergwanderer, alle anderen können sich die lange Fahrt sparen, denn es gibt dort nichts, außer Wanderwegen, noch nichtmal eine lohnenswerte Aussicht, welche für die Strapazen entschädigen würde. Der Aussicht wegen und vor allem, wenn man sich zu besonderen Anlässen etwas Dekadentes genehmigen möchte, sollte man sich bei der Hotelwahl für das Dolder Grand Hotel entscheiden. Nicht gerade günstig, aber dafür jeden Cent wert, mit dem Endloswhirlpool außen, in dem man auch im kältesten Winter eine herrliche Aussicht über die Stadt und den See hat.
Wenn man zufällig im Sommer in Zürich ist, dann ist die Zeit der Streetparade und/oder des Caliente-Straßenfestes die rechte Besuchszeit der Wahl, weil dabei die Stadt in einem Meer von Musik und Straßenfestatmosphäre auflebt und man von der sonstigen Schweizer Verschlafenheit nichts mehr merkt. Eigentlich sollte man als Teen- oder Tweenager Zürich nur dann besuchen, es sei denn, man/frau ist ein sehr gemütlicher Mensch und stellt sich unter einem Städtetrip ein Kurwochenende vor, mit viel Zeit für Müßigang und von den Uhrzeiten her mit den Essensgewohnheiten eines Rentners.

Ou Freitag nou d dritte Klass

Ich war so 9 bis 10 Jouhr alt, mei Leit sein schun frie morjetz in d Schnitt ufs Feld, ich un mei Schweschtr s Res hun d Houm d ganze Lade gschmiß. Mei Motter hot mich noch kortz g weckt un sat zu mir, im kloune Reindl is d Gießbrei for eich zwa, in d Reer im Ouwe sein noch Krumbiere fun geschtr un for jed s fun eich ach ou Hinglsfligl, seit schee brav un vrgeß net d Stall auszumischte un neies Schtroh einzuschtraue.
Na als erschtes hun ich mol die Hälft vum Grießbrei geß, un wie's Res kumm is hun mr sei Hälft nochmol g dalt un wie mr nout ali zwa satt ware, sein mr uf die Gaß gang for schpiele.Do fahrt grad d Kreiners Henrichvetter mit seinr Evwes vrbei un ruft: Fritzche willscht net reite? , mir fahre Kukuruz heifle do kannscht reite bis mr fertich sein. Ich sein glei mitgfahr un sein g ritt bis alles fertich war. S erscht war des jo wunnerschej un schpedr hots do une an meim Sitzfleisch immer mehr gbrennt. Wie mr fertich ware hot mr d Henrichvettr 4 Lei geb, do hat ich mei Kipparsch glei vergeß.

Ufm Houmweg sein ich nout ghupst un gschprung for lauter Freid, ich hat jo 4 Lei im Sack, un vun dem Rumhupse sein ich widr gschwitzt un do hots do hine wider ganz ferchterlich gbrennt. D Houm hun ich mei Hinnrgschtell am Brunne ins Wasserfaß ghengt, iwr dem gehts Gasseterche uf un um Heinz Martin sei Motter frot, is bei eich alles in Ordnung Fritzche? Ich war so verschrock, hun mei Hos zu schnell rufgzou, un hat nout die Hos voll Wasser ghat! Ich hun nout Krumbiere un Hinglsfligl im Schteije geß weil bei mr alles gwatscht hat.

Am Nomittag sein mei Freind alli kumm, un des ware net wenich. Im Houf bei uns war ou Akazinascht mit truckene Blätter g'lee, die hum mr vrriwlt for Tuwak, s Staars Martinche, domol 5 oder 6 Jour, hot uns die Reibhelzr ghoult, for des hots ach Rache derfe. Wie die Blättr un die Reibhelzr alli ware, sein mr uf die Gaß gang for Gatschgei schpiele, un do ware meischtns die Nochbrsmädle ach d bei, 2 vuns Fellrs, 2 vuns Baurs, 2 vuns Hoffmann s Staar Evi uns Tindorf Kathrin, mr ware ou ganze Haufe Kinner un ware so richtich mitte drin im Schpiele. Ich hun grad noch gsie wie die Kuh sichs Terche selwr ufgmach hot, do is mr eigfall das d Schtall noch net g mischt ist, wie ou Blitz sein ich dere Kuh nou, un hun se ougbun.
For Mischte hat ich awer jetzt kou Zeit , also schnell ou Korb Schtrou un alles war sauwr iwrgschtraut, dann sein ich glei widr uf die Gaß for Schpiele gang.Ich hun net gsie wie mei Leit houm kumm sein un hun net ghert wie mei Mottr gruf hot. S Hoffmann Kathrin hot mr gsat, dei Motter ruft, du sollsch houmkumme!. Ich sein ach glei gang, in d Gedange war ich awr schun widr ufm Rickweg for uf die Gass. Awr hinnrm Gasseterche hot sichs Wettr gännert. Mei Vatr hot grad sei Sens g denglt, un frot mich glei ob heit jemand doe bei uns war un was mr heit schpielt hun. Ich hun m glei gsat s war heit niemand do bei uns un ich hun draus mit d anre Kinn Gatschgai un Hupapa gschpielt.

Er sat nou ganz ruhig, do nem mol den alte Backkorb un tu mol alli Tschick do im Houf zammsammle, zähle un in d Korb schmeiße. Fun jetzt ou hots mr hinne ougfangzu popre. Ich hun mr noch gedengt wu nor die viele Tschick herkumme, awr ich hun alles gzählt un m Vatr gbrung. Iwr dem schreit mei Motter im Schtall, ich sein glei zu ihr grennt un wolltr helfe, an den iwrschtraute Kuhpladr wu s jetzt bis an die Knechl drin gstann hot, hun ich nimmi gdenkt. Awer sie hot glei nou mr gkrapscht un hot mich a glei ghat, sie hot mr gsat das der Dreck net fun heit ist, un hot mol richtich drufgdrescht, in meim Ejlend hun ich gsat , Mottr schlat mich net ich geb eich 4 Lei, awr des hot alles nix gnutzt sie war so richtich in Schwung.
Endlich hat ich des Glick un war r ausgwischt, un glei ruft mei Vatr: na Fritzche wievl Tschick hoscht gsammelt? Ich hun gsat 29, hun awr net gsie dasr d Schusterrieme schun in d Hand ghat hot, un schun hotr mich iwrm Knie ghat un druf ghaa. Uf mei Kipparsch hat ich schun ganz vrgeß. Nou hotr mr nochmol siwe odr acht iwrgzou un sat, die erschti ware for des, weil heit niemand doe war, un die letschte weil du nou d driti Klaß noch net bis simmunferzich (47) zäjle kannscht.
Ufgschrieb vum Vetter Fritz Raff

Dreimol Kerwei!


Kerwei, in Semiklosch...


...wiedrum, jetzt in Steierdorf,...


...un nochemol Kerwei! (desmolrum is se e bissle nass... die Kerwei vun Sanktanna).

Fotos und Texte: Karl Windberger. (ins Schwäbische übersetzt: Helen Alba)