.
Genf: Jet d´eau und Evanghelismus / von Nareda Cerdy
Außer wenn man auf Geschäftsreise geschickt wird oder unterwegs ist in den Alpen zum Skifahren, gibt es eigentlich keinen Grund, nach Genf zu kommen. Auffallende Postkarten von Genf sind die Wasserfontäne im Genfer See, der Jet d´eau, und das Wahrzeichen der Stadt, das auf absolut allen abgebildet, weil es hier sonst so gut wie gar nichts anderes Bemerkenswertes gibt. Da in Genf 35% des weltweiten Privatvermögens verwaltet wird, ist die Stadt das Understatement schlechthin, nur die überdurchschnittlich teuren Autos geben einen diskreten Hinweis darauf.
Aussicht über den Genfer See vom Turm der St. Pierre-KathedraleWenn man in Genf landet und das Handy “Welcome to Orange France!” grüßt, braucht man nicht an seinen Geografiekenntnissen zu zweifeln: man ist trotzdem in der Schweiz. Aber so nahe an Frankreich, dass der Flughafen Genf einen Teil enthält, wo alle Abflüge so abgefertigt werden, als würden sie aus Frankreich und nicht aus der Schweiz starten. Da es sich um den französischen Teil der Schweiz handelt, kommt man mit Deutsch hier nicht viel weiter, mit Englisch schlägt man sich als Tourist im Zweifel besser durch. Vom Flughafen mit dem Taxi in die Stadt zu fahren ist ein großer Fehler, dauert eine halbe Stunde wegen dem Verkehr und ist außerdem auch noch sehr teuer. Direkt im Flughafen gibt es einen Bahnhof, der eine Endstation ist und von dem aus alle Züge am Genfer Hauptbahnhof Cornavin vorbeifahren.
Also einfach in egalwelchen Zug einsteigen und in 6 Minuten ist man mitten in Genf, denn der Bahnhof ist mitten in der Altstadt und keine 3 Gehminuten vom Genfer See entfernt. Die besten, aber auch teuersten Hotels stehen rund um den See, die günstigsten in der Bahnhofsgegend. Ein Hotelzimmer mit Blick auf den See ist natürlich die schönste Unterkunft, die man hier bekommen kann und auch wenn´s teuer ist, mehr als 2 Tage und die Nacht dazwischen braucht man nicht, um Genf zu erkunden, also könnte man das als Rechtfertigung, sich mal zu verwöhnen, in die Preiskalkulation bei der Hotelwahl mit einfließen lassen. Von Genf ging die Reformation und der Evangelismus aus. Als imposantester Bau thront über der Stadt die reformierte Kathedrale St Pierre. Für 4 CHF kann man auf den Turm raufklettern. Die sehr enge, steile Wendeltreppe führt zu einem Dachboden, der ein Hänsel- und Gretel Hexenhaus-Gefühl aufkommen lässt.
Vom Dachboden aus gelangt man auf weiteren, noch engeren und steileren Wendeltreppen auf den Nord- und Südturm hinauf. Für die Aussicht von oben lohnt sich der Aufstieg aber allemal, es ist die beste Fotogelegenheit überhaupt, in Genf. Die Alpen im Hintergrund, der See davor und die vielen kleinen, mittelalterlich engen Gassen. Bei schönem Wetter sind die beiden Kathedralentürme für Schwindelfreie, ein Ort zum Innehalten und den Anblick zu genießen. Gleich neben der Kathedrale ist das Museum der Reformation, welches die Geschichte der von Jean Calvin initiierten Bewegung, die im 16. Jahrhundert von Genf ausging und zu einer der großen Familien des Christentums führte. Am Genfer See entlangschlendernd laden im Sommer viele anspruchslose kleine Imbissbuden zum Verweilen und Betrachten des Jet d´eau ein. Wenn man ein Stückchen weiter spaziert, gelangt man zum Park La Grange am Quai Gustave Ador.
Jet d`eau, das Wahrzeichen von GenfFotos: Wikipedia.Es gibt viele Sitzbänke und einen schönen kleinen Rosengarten. Man darf sich auf die Wiese legen und die windgeschützte Lage des Parks mit der Aussicht auf den See lässt auch im Frühling und Herbst Sommergefühle aufkommen. Vom Park La Grange in die Altstadt den gleichen Weg nochmal zurück zu laufen muss aber nicht sein, dann lieber Bötchen fahren. Die gelben Boote, die auf dem See im 30-Minuten-Takt hin- und herfahren, kann man mit den gleichen Tickets wie alle anderen öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Sie sind die bequemste und günstigste (2 CHF) Art, von einem Ufer zum anderen zu gelangen. Und das war´s auch schon, viel mehr gibt´s nicht zu sehen in Genf. Und die internationale Politik sowie die vielen Genfer Konventionen wollen wir mal tunlichst beiseite lassen, zumal sie kaum eingehalten werden.
Am besten den Genf-Besuch mit einem Messebesuch (zum Beispiel der Genfer Autosalon) kombinieren, denn selbst dann reichen zwei Tage aus, oder als Zwischenstation vor oder nach dem Skiurlaub. Ansonsten ist es ein etwas langweiliger Städtetrip.