Dienstag, 23. Dezember 2008

Der Banater Schimmelreiter

Ein unvergessliches Weihnachtsfest

Aus dem Nachlass meines Vaters, Hans Götz.

Memoiren 1. Teil


„Es schneit, hurra, es schneit!

Schneeflocken weit und breit!

Ein lustiges Gewimmel

kommt aus dem grauen Himmel.


Was ist das für ein Leben!

Sie tanzen und sie schweben.

Sie jagen sich und fliegen,

der Wind bläst vor Vergnügen.


Und nach der langen Reise,

da setzen sie sich leise

aufs Dach und auf die Straße

und frech dir auf die Nase.“


Dieses Gedicht gefiel mir besonders gut, weil es in meiner Kindheit noch richtige Winter gab, mit Eis, Schnee und Schneestürmen. Und dies über 3-4 Monate hinweg, bereits im November wehte der kalte Nordwind von der Rossschwemme her und trieb die Menschen in die warmen Stuben.

Obwohl ich ein kleiner Knirps von 6 Jahren war, kann ich mich an Weihnachten 1916 noch besonders gut erinnern. Wir wohnten schon damals in der noch nicht umgebauten Mühle. Ich saß im warmen Wohnzimmer und las in meinen Kinderbüchern Weihnachtsgeschichten- und Gedichte. Draußen schneite es, und während ich zum Fenster hinaussah, prägte sich mir das Gedicht ,,Schneeflocken“ ein, so dass ich es bis heute nicht vergessen habe. Ich dachte auch darüber nach, was man mir über den Schimmelreiter* erzählte. Er war mir noch nie begegnet, aber ich hatte schon eine Menge furchterregender Geschichten über ihn gehört, sowohl von meinen Eltern, als auch von anderen Kindern meines Alters. Unfolgsame Kinder werden von ihm ausgepeitscht und manchmal niedergetrampelt und mitgenommen. Wohin, weiß niemand. So ganz geheuer war mir bei diesen Gedanken nicht. Ich hatte zwar - und da war ich mir sicher - keine besonders schlimmen Dinge angestellt, aber wer weiß, wie er das beurteilte... Hoffentlich bekam ich ihn auch an diesmal nicht zu Gesicht.

Am späten Nachmittag kam plötzlich meine Mutter ins Zimmer, hatte ein Körbchen in der Hand und sagte: ,,Ach, fast hatte ich's vergessen. Da, nimm das Körbchen und bring' es zur Großmutter. Es ist Fleisch und Sauerkraut drinnen für die Weihnachtsfeiertage."

Sie zog mir den Mantel an, setzte die Mütze auf und mahnte mich zur Eile. Mir gefiel dieser Auftrag überhaupt nicht. Ich wäre lieber in der warmen Stube geblieben und meinen Träumen von vielen, wunderschönen Geschenken nachgehangen. ,,Mutter“, sagte ich, „es ist doch schon fast dunkel und das Christkind kommt doch bald!“ Sie schaute mich eine Weile an, lächelte und sagte: „Schau mal an, der große Junge hat ja Angst. Das hatte ich von dir nicht erwartet.“ Das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen. Ich schlüpfte in die Handschuhe, nahm das Körbchen und ging.

Es war ein Wintertag, wie man sich ihn nicht schöner wünschen konnte. Es herrschte totale Windstille. Dicke Schneeflocken taumelten in großen Mengen vom Himmel herab und ließen sich träge auf Häuserdächer und Erde nieder.

Alles war unter einer weißen Schneedecke begraben. Das Dorf war wie ausgestorben, die Straßen menschenleer, da die Vorbereitungen zum Weihnachtsfest in vollem Gange waren. Rauch stieg aus den Schornsteinen kerzengerade in den grauen Winterhimmel. Es herrschte eine unheimliche Stille. Nur ab und zu war Hundegebell zu vernehmen. Mir kam dieses eintönige, stoßweise Bellen unheimlich vor, mein Herz klopfte bis zum Halse hinauf. Dessen aber nicht achtend, kämpfte ich mich durch die verschneiten Wege. Das wäre alles zu ertragen gewesen. Aber wovor ich wirklich Angst hatte, das war der Schimmelreiter.

Ich war mit meinem Körbchen bereits am Pfarrhause angekommen. Einen endlos langen Weg hatte ich - so schien mir - aber noch zurückzulegen. Da hörte ich das erste Schellengeläut. „Mein Gott, das Christkind ist bereits unterwegs und sicher auch der Schimmelreiter“, dachte ich. Jetzt aber schnell. Ich begann zu laufen. Im Laufen war ich stark. Den Korb krampfhaft festhaltend, rannte ich an Kirche und Schule vorbei, durch die Quergasse, über den Weg, bog links ab und war nach etwa 100 Schritten bei Großmutters Haus. Die Gassentüre aufreißen, reinspringen, und mit ganzer Kraft wieder zuschlagen, war das Werk eines Augenblicks. Nach einigen Schritten war ich an der Küchentüre, öffnete sie und keuchte: „Guten Abend, Großmutter. Ich habe Fleisch und Sauerkraut gebracht, damit Ihr an Weihnachten was Gutes zum Essen habt.“ Bei Großmutter brannte schon die Petroleumlampe. „Warum keuchst du denn so, bist du gelaufen?“ „Ja, Großmutter, das Christkind ist schon unterwegs.“ „Aber deswegen brauchst du doch nicht so zu laufen, es tut dir doch nichts.“ Ich schwieg. Ich wollte keinesfalls zugeben, dass ich Angst hatte. Sie nahm den Korb, holte die zwei Töpfe heraus und lachte. Vom Krauttopf war der Deckel weggerutscht, Kraut lag im Korb und daneben einige Fleischstücke. „Du musst ja ganz schön gerannt sein“, meinte sie, fischte alles heraus und wollte mir das Körbchen zurückgeben. ,,Nein, nein, den Korb und die Töpfe hole ich morgen, Großmutter.“ Ich wollte durch nichts behindert sein. Ich wünschte noch „Frohe Weihnachten“ und eine gute Nacht und brach sofort auf, obwohl sie es sehr gerne gehabt hätte, wenn ich noch geblieben wäre. Ich versprach ihr aber, am nächsten Tag wieder zu kommen.

Vorsichtig öffnete ich die Gassentüre, lauschte, sah und hörte aber nichts. Nur in der Ferne hörte man Schellengeläut aus verschiedenen Richtungen. Alle Vorsicht nützte nichts. Ich musste nach Hause, denn dort wartete sicherlich ein Christbaum auf mich und viele Geschenke. Meine Brüder Thomas und Ernest hatten es gut. Sie waren zu Hause. Nur ich, der Kleinste, war gezwungen, mich ausgerechnet an diesem langersehnten Abend auf der Straße herumzutreiben.

Die Nacht war hereingebrochen, ich sah kaum die Hand vor meinen Augen. Gott sei Dank gewöhnten sich meine Augen mit der Zeit etwas an die Dunkelheit. Im weißlich-grauen Himmel konnte ich jetzt die Silhouette des Kirchturms erkennen. Am Kriegerdenkmal passierte es dann. Mir stockte plötzlich der Atem. Ich blieb wie versteinert stehen. Im Zwielicht erkannte ich die Umrisse einer seltsamen Gestalt. Ja, er war es, der gefürchtete Schimmelreiter. Es war ein Pferd, dessen wippender Leib bis zum Boden in weiße Tücher gehüllt war. Die Kamm- und Schwanzhaare waren aus Hanf. Am Kopf hatte es aufgeblähte schwarze Nüstern und schwarze Augen, die - so schien mir - mich drohend musterten. Darauf saß der Reiter mit einem hohen Hut aus Gold und Silber und hielt eine lange Rute in der Hand.

Es gab für mich nur eine Lösung: so schnell wie möglich weg. Meine größte Angst war, von diesem Monster entführt zu werden. Solche Gedanken schossen mir in Sekundenschnelle durch den Kopf: Hatte ich ihm etwa doch Anlass dazu gegeben? Diese Vorstellung mobilisierte meine Kräfte. Mit einigen Sprüngen durch den tiefen Schnee rettete ich mich auf den Fahrweg. Der Schimmelreiter verfolgte mich. Ich rutschte ein paar Mal aus und fiel. Endlich erreichte ich den Gehweg und rannte wie ein Blitz - so kam es mir wenigstens vor - davon. So stürmte ich, zu Hause angekommen, fast bis zu den Hüften voller Schnee, keuchend in die Küche. Meine Brüder und mein Vater lachten. Nur meine Mutter blieb ernst. Sie machte sich sicher Vorwürfe, mich noch so spät weggeschickt zu haben. Die Zeit, in der ich weg war, hatte sie aber gebraucht, um den Weihnachtsbaum zu schmücken und die Geschenke vorzubereiten.

Es wurde noch ein wunderschöner Weihnachtsabend. Ein gemütliches, warmes Zimmer, ein großer Weihnachtsbaum voller Lichter und Silberkugeln und darunter die kleinen, für uns aber wundervollen Geschenke. Da, draußen ein Klingeln. Auch zu uns kam das Christkind. Ich stand neben Mutter und hatte deshalb keine Angst. Ich musste ein „Vaterunser“ beten, Vater beschenkte das Christkind und - so kam es mir vor - es schwebte davon.

Endlich konnte ich in Ruhe meine Geschenke betrachten und mich erst jetzt so richtig darüber freuen. Ich war durch die Aufregungen und Anstrengungen so müde, dass ich bald ins Bett geschickt wurde. Es war wohl der schönste Traum, den ich in dieser Nacht träumte und bis heute nicht vergessen habe:

Ein Abendhimmel voller glitzernder Sterne spannte sich über den Stall, in dem Maria und Josef lebten. Darüber schwebten singend, mit langsamen Flügelschlag, wunderschöne Engel. Plötzlich wurde es ganz hell und ich horte folgendes Gedicht:


„Von Osten strahlt ein Stern herein

mit wunderbarem hellem Schein,

es naht, es naht ein himmlisch Licht,

das sich in tausend Strahlen bricht!


Ihr Sternlein auf dem dunklem Bau,

die all ihr schmückt des Himmels Blau,

zieht euch zurück vor diesem Schein.

Ihr werdet alle winzig klein!


Verbergt euch, Sonnenlicht und Mond,

die ihr so stolz am Himmel thront!

Er naht, er naht sich von fern –

Von Osten her – der Weihnachtsstern!“


Wenn ich heute an diese Zeit zurück denke, so bin ich immer wieder erstaunt, wie gut es Erwachsenen gelingt, Kinder in Angst und Schrecken zu versetzen. In den nächsten Jahren verflog meine Angst vor dem Schimmelreiter und ich dachte lächelnd an jene schrecklichen Stunden des Jahres 1916 zurück. Trotzdem bleibt es für mich einer der schönsten und darum unvergesslichen Weihnachtsabende, an dem Angst, Erschöpfung, Freude, Harmonie und schöne Träume ganz eng beieinander waren und in meiner kindlichen Seele tiefe Eindrücke zurückließen.


*Nachtrag zum Schimmelreiter:

Der Schimmelreiter war ein Weihnachtsbrauch im Banat. Er gehörte zu einer Gruppe von vier weiß geschminkten Engeln, die zusammen mit dem Schimmelreiter einen Christkindelzug bildeten. Dazu gehörte noch eine Frau mit einer großen Sammeltasche, Ruten und einer Liste der zu besuchenden Kinder. Der Schimmel war ein aus leichten Brettern zusammengenageltes Holzgestell. Latten bildeten seinen Hals und darauf saß ein primitiv geschnitzter Pferdekopf. Natürlich konnte man das Holzgestell nicht sehen. Der Schimmelreiterjunge schnallte sich das Gestell um die Hüften und deckte mit zwei Leintüchern alles zu. Wir Kinder sahen nur einen kurzen weißen Hals, die Kruppe mit Schwanz und den Kopf mit zwei kleinen schwarzen Augen und ebensolchen Nüstern. Das genügte vollauf, um unser kleines Herz in die - meist zu großen - Hosen fallen zu lassen. Christkindel gab es 6-7 im Dorf. Sie begannen zeitig mit der Arbeit, indem sie durch die Gassen zogen, vor den Hausern läuteten und fragten: „Lasst ihr das Christkind rein?“ Natürlich waren sie überall gern gesehen und gaben dem Weihnachtsfest oft erst die richtige Prägung.


Bearbeitet von Ingeborg Röder, Feldafing, 17.12.2003

Das BZ-Team

Brüder und Schwestern im Glauben an den Herrn Jesus Christus!


In diesen Tagen der Weihnacht feiern wir die Menschwerdung Gottes, das tiefe Geheimnis, von dem wir im Glaubensbekenntnis beten: „Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, eines Wesens mit dem Vater”. Dieses unbegreifliche und nie auszuschöpfende Geheimnis feiert die Kirche zu dem Zeitpunkt des Jahres, da das alte Licht an seinem Tiefpunkt angelangt ist und das neue Licht zuzunehmen beginnt. Ein Symbol und Zeichen der Hoffnung, das uns jedes Jahr von neuem geschenkt wird, damit auch wir mit dem Licht wachsen und neue Hoffnung schöpfen können.

Dass Gott Mensch wird, darauf zu antworten ist unsere Berufung und Aufgabe, denn unseretwegen ist Er vom Himmel gekommen. Das Geheimnis Gottes berührt in der Heiligen Nacht das Herz des Menschen und weckt ihn auf, rüttelt ihn wach und erscheint ihm als Licht und Chance seines Lebens. Die ersten, die dies begreifen, sind die Hirten, die sich aufmachen, um zu sehen, was ihnen durch den Engel verkündet wurde. Ihre Fortsetzung findet diese Haltung in den Weisen, die von weither kommen und das Kind, den neugeborenen König, suchen. Auch diese Menschen sind Zeichen und stehen an unserer Stelle.

Uns gilt die Botschaft der Heiligen Nacht: „Euch ist heute in der Stadt Davids der Retter geboren, Christus der Herr!“ (Lk 2,11). Und diese Botschaft steht erhaben und unerschütterlich über allen Nöten, Sorgen, Freuden und Leiden dieser unserer Zeit. Diese Botschaft ist unerschütterlich und absolut. Das ist der Trost und die Zuversicht, die uns jedesmal von neuem zugesprochen, verkündet und geschenkt wird. Sie gilt allen Menschen ohne Unterschied der Sprache, der Volkszugehörigkeit und der Hautfarbe. Diese Botschaft ist universell und universal. Halten wir sie fest für unseren Alltag, wenn die Weihnachtszeit und die Feiertage vorbei sind. Wir werden sie gut gebrauchen können.

Gesegnete und gnadenreiche Weihnachten den Kranken und Schwachen, den Kindern und Jugendlichen, den Erwachsenen und Alten. Friede allen, die Menschenantlitz tragen und nach dem Bilde des lebendigen Gottes geschaffen sind. Möge die Geburt unseres Erlösers allen zu einem neuen Anfang verhelfen und ewiges Heil schenken.

Temeswar,

am Vortag des Weihnachtsfestes im Jahr des Herrn und der Erlösung 2008

+ Martin, Bischof von Temeswar

Zeit der Besinnung - Zeit der Freude


Für gläubige Christen ist das weihnachtliche Hochfest Auslöser einer weltumspannenden Freude. Christen haben es seit jeher empfunden und Weihnachten mit Vorliebe im womöglich erweiterten Familienkreis gefeiert, als Mittelpunkt der gegenseitigen Liebe.

Treu behütet von Maria und Josef, ist der „holde Knabe im lockigen Haar“ in der Krippe von Bethlehem zum weihnachtlichen Symbol der Menschwerdung Gottes geworden. Die Nachtwache haltenden Hirten blickten in Ehrfurcht auf, als der strahlende Stern die drei Weisen aus dem Morgenland nach Bethlehem zu gehen bewegte.

Laut unserer Zeitrechnung feiern wir diesmal 2008 Jahre seit Jesu Geburt. Für uns Christen ist das Mysterium von Bethlehem ein zentrales Ereignis der Heilsgeschichte und dadurch auch der Geschichte der Menschheit. Die meisten Völker der Erde haben unsere Zeitrechnung angenommen.

Dass uns ein Kind geboren wurde und die Familie Weihnachten feiert, ist uns ein gewichtiges Ereignis. So feiert eine Familie zusammen mit der staunenden Freude der Kinder den strahlenden Lichterbaum und die Freude an Geschenken.

Vor allem die Alten, auch wenn sie einsam geblieben sind, haben in den vielen Jahren die weihnachtlichen Schritte ins Geheimnis getan. Das Lichtlein am Tannenzweig wird so zu einem lebensumfassenden Widerschein.

Durch diese Zeilen wird allen unseren römisch-katholischen Gläubigen eine für Gottes Gnaden offene Adventszeit und durch das immerwährende Mysterium gesegnetes Weihnachtsfest gewünscht. Mit solcher Art erneuertem Innern lasst uns dann in das neue Jahr eintreten, in der Gewissheit, dass Gott uns in Freud und Leid nicht verlassen wird.


Josef Lutz, Nürnberg

Tschanad ist tatsächlich 7.000 Jahre alt?

„Irren ist menschlich“, heißt es. Ein wichtiger Schritt zur Besserung ist jedoch, seine Fehler einzusehen. So zum Beispiel, nach Aussagen meines Artikels „Grenzgemeinde mit großen Plänen“ soll die Gemeinde Tschanad ein erhebliches Alter haben: Stolze 7.000 Jahre. Die Existenz des archaischen Ägypten ist erst etwa 2000 Jahre später dokumentarisch belegt. Viel eher ist die Gemeinde etwa ein tausend Jahre alt. Ein anderes Beispiel. Aus Eile und Mangel an Kommunikation mit einem Kollegen, habe ich einen Beitrag über einen Airportpark geschrieben, über den einen Tag zuvor bereits ein anderer Kollege in etwa das Gleiche geschrieben hatte. Auch interne Kommunikation gehört eben zum Journalistischen! Dazu kommt, dass ich auch noch den Namen falsch schrieb: Statt Invest4SEE, wie es richtigerweise heißt, stand da „Invest4SSE“. Bestimmt sind mir im Laufe des gerade ausklingenden Jahres auch andere Fehler unterlaufen. ....In diesem Sinne: MEA CULPA

Olivian Ieremiciu

Späte Einsichten

Korrektor ist ein eigenständiger Beruf. Man kann ihn erlernen, man kann ihn aber nicht improvisiert ausüben. Ein guter Korrektor ist sein Geld wert. Er muss selbstlos sein. Nie wird er mit Namen unter einem Beitrag stehen, und doch wird seine Arbeit vor allem dann zu sehen sein, wenn sie nicht gut gemacht ist: indem die Beiträge mit orthographischen oder auch inhaltlichen Fehlern erscheinen. Mit der Arbeit des Korrektors verhält es sich genauso wie mit der Arbeit der Hausfrau: man sieht sie bloß dann, wenn sie nicht gewissenhaft gemacht ist!

Selbstkorrektur ist noch schwieriger, vor allem für Journalisten. Diese Spezies, besserwisserisch per se, hat überhaupt kein Hirnfach für die Archivierung und Erkennung eigener Fehler. So liest man denn - wenn man nachliest, was man auf dem Computer eingespeichert hat – immer das, was man hier gerne stehen sehen möchte, nie das, was wirklich da steht. Kaum ein Journalist hat die Fähigkeit, sein eigener Korrektor in Personalunion zu sein. Dafür hat er einfach eine zu gute Meinung von sich selber. Erst wenn einige Zeit vergeht und der Beitrag in der Zeitung erscheint, erst dann sieht er – manchmal – welchen Stuss er verzapft hat. Schade nur, dass mancher Kollege es nie sieht!

Ziel dieser Seite ist es, mal kurz in den Spiegel zu schauen und auf den journalistischen Narzissismus zu verzichten. Wir waren mit der Idee gekommen, dass zum Jahresende mal jeder seine eigenen Beiträge rückblickend betrachtet und aufschreibt, was ihm da Negatives auffällt. Der Leser, eh der beste Korrektor, den man sich vorstellen kann, wird sich im Nachfolgenden in Vielem von dem bestätigt finden, was er ja eh schon immer besser wusste... Auch, dass mancher Journalist der Banater Zeitung eine kritische Selbstsicht überhaupt nicht beherrscht.

Werner Kremm

Fotos - Mea Culpa?

Bei Fotos ist es eine ganz andere Sache: Wenn eines nicht zum Text passt, verzichtet der Blattmacher ganz einfach darauf. Der Weg vom Knopfdruck an der Kamera über die Techniker vor Ort und bis zum Setzer ist jedoch ein langer Weg. Und da passieren dann eben die Pannen. So auch im letzten Sommer, als auf ein- und derselben Seite zu verschiedenen Aspekten zwei komplett unterschiedliche Fotos vorgesehen waren. Und bestimmt haben Sie es schon erraten: Das Bürohaus der A-Klasse in Temeswar kam über die Bildbeschriftung zum mickrigen und unansehnlichen Bau. Das andere Foto hatte dementsprechend ebenfalls einen Text, der genauso daneben war. Bei dem Foto mit dem Freibad in Großsanktmichael kommt nur noch eine Sache in Frage: Wo sind die „Hunderte von Temeswarern“, als das Becken fotografiert worden ist? Gerade mal kurz untergetaucht?




Einige verwenden auch bei Altbauten Solaranlagen



Das zweite Bürogebäude der A-Klasse im Bau



Das bedeckte Schwimmbecken in Deutschsanktmichael – Hunderte von Temeswarern zu Besuch


Fotos: Zoltán Pázmany

Ganz kurze Arbeitswoche

„Nur wer arbeitet, macht Fehler“! Mit dieser Alibi-Formel kann man sich über manche Hürde hinweghelfen. Aber es gilt auch: „Ein eingesehener Fehler ist halb verziehen“! Gerade bei den ständig unter Zeitdruck arbeitenden Journalisten müsste man lange suchen, um einen zu finden, der keine Fehler macht. Höchstens dann macht ein Journalist keine Fehler, wenn er diese nicht sieht, oder nicht einsieht.

In meinem Rückblick auf die Kommunalwahlen in diesem Jahr kam ich unweigerlich auch auf Sorin Frunzaverde aus dem Kreis Karasch-Severin zu sprechen. Dabei machte ich den damaligen EU-Parlamentarier und neuen Kreisratsvorsitzenden auch zum alten Inhaber dieses Amtes. Zum Teil ist er auch selbst schuld, wenn er so viele Ämter bekleidet.

Bei der Übersicht auf die ersten Entlassungen im Kreis Temesch schrieb ich vor einigen Wochen, dass ein Unternehmen in Großsanktnikolaus die „Vier-Stunden-Woche“ einführt. „Vier Arbeitstage pro Woche“, sollte es richtig heißen. Ob die sich in Großsanktnikolaus gefreut haben?

Siegfried Thiel

Naivität hat hier nichts zu suchen!

Vor ungefähr einem Jahr, als ich noch neu bei der Zeitung war, da war ich ganz stolz über den Einstieg eines meiner ersten Beiträge: „´112.500 Euro´ zeigt die Preisangabe auf einem schwarzen funkelnden Auto hinter mir. Der Preis bleibt mir schon im Hals stecken. – ´Kauft jemand dieses Auto?´, frage ich erstaunt“. Es war ein Beitrag über ein Mercedes-Showroom – nun ja, über einer der teuersten Automarken der Welt, meine Bewunderung in diesem Falle kann ja nur noch als naiv und kindisch auffallen, trotz meines damaligen Anfänger-Stolzes, dass ich originell mit dem Thema umgegangen bin. Ich glaube aber, dies ist nun mal ein grober Anfängerfehler: Dass du glaubst, du entdeckst etwas Einzigartiges und kannst dadurch die Welt revolutionieren – ein „etwas“, das sich kurze Zeit später nur noch als allgemein und kindisch entpuppt. „Naivität hat in diesem Beruf nichts zu suchen“, ein Satz, den man in den Journalismus-Büchern oft liest, ihn aber praktisch umzusetzen, das ging etwas schwieriger als ich dachte.

Ana Saliste

Vielleicht wäre alles anders geworden

Es heißt, dass das Buch des Lebens längst geschrieben wäre.

Was macht man aber mit dem Ungesagten, Ungeschriebenen, all den leeren Seiten?

Die Zeitung? Kann die etwas von dem Übergangenen, dem Vergessenen und Verlorenen zurückholen? Man versucht sich das einzureden. Es beruhigt zumindest.

Vor mehr als zwanzig Jahren besuchte ich an einem Frühlingstag eine alte Frau in meinem Heimatdorf. Sie hatte mich als Kind wie ihr eigenes geliebt. Sie nannte mich zärtlich Franzi wie ihren im Krieg gebliebenen Ältesten. Sie saß, nur noch ein Häuflein Leben, und wärmte sich hinter dem Kachelofen in der Stube. Bei meinem Eintritt erschrak sie und seufzte: „Franzi, kommen sie mich holen?“ Obwohl sie sich tapfer wehrte, wie ich später erfuhr, musste sie zwei Wochen später mit ihrer Familie auswandern. Die Pässe vom Gärtner waren da. Drei Monate danach starb sie in der Ferne, in einem kleinen Krankenhaus in Ansbach. Aus Altersgründen. Sie hätte doch ein langes, schönes Leben gehabt, sagten alle. Die herbeigereisten fremden Verwandten, die Krankenschwester und der freundliche junge Arzt.

Es tut mir leid, dass ich kein Wort dazu gesagt habe. Damals und später auch nicht.

Vielleicht wäre alles anders geworden.

Balthasar Waitz

Ein Fehler kommt selten allein

Nur noch ein großes “Ooops” konnte ich sagen, als ich meinen Fehler in der Zeitung bemerkte. Was hat die rumänische Dramaturgie mit der deutschen zu tun? Eigentlich nichts. Aus meiner Sicht gab es aber doch einen Zusammenhang.

In einer ADZ-Ausgabe vom Oktober schrieb ich groß, schwarz auf weiß, “Pool (No water) beim 14. Dramaturgie-Festival. Abstraktes Stück eröffnet neue Spielzeit beim DSTT”. Ein Stück Wahrheit gab es auch. Dies war das erste Theaterstück der neuen Spielzeit des DSTT, jedoch nicht anlässlich des 14. Dramaturgie-Festivals.

Tagelang erwartete ich Kritik vom DSTT, doch als sie nicht kam, dachte ich mir: “Ich bin davongekommen! Der Fehler wurde übersehen”. Meine Freude dauerte bis vor Kurzem, denn ein Fehler kommt selten allein: Der Artikel über die Eröffnung der DSTT-Spielzeit wurde auch im Jahrbuch 2009 des Temeswarer Forums veröffentlicht. “Die neue Spielzeit des Deutschen Staatstheaters in Temeswar/Timi{oara (DSTT) wurde offiziell zum Anlass des 14. Dramaturgie-Festivals eröffnet” – dies steht nun schwarz auf weiß für ein ganzes Jahr da.

Andreea Oance

Stilblüten verursachen (Kopf)Schmerzen

Passen Sie gut beim Kopf(um)drehen auf! Dieses Verfahren kann zu bösen Überraschungen führen. In meinem Beitrag „Tänzer aus Leidenschaft“ aus der BZ vom 10. Dezember, erschien folgendes: „Durch die Drehungen des Kopfes hatte er Rückenschmerzen, die manchmal auch heute noch wiederkehren.“ Den Fehler hatte keiner bemerkt, da es viel zu viele im ganzen Beitrag gab. So konnte ich den Text „unversehrt“ zur Veröffentlichung abschicken. Mea Culpa! Durch den Satz soll man verstehen, dass der Tänzer sich oft auf den Kopf stellte und drehte. Davon bekam er die Rückenschmerzen. Mögen diese Zeilen als Entschuldigungsschreiben wahrgenommen werden und nicht als Verachtung, denn eine Absicht, mich lustig über das Unglück anderer zu machen, besteht im weitesten Sinne nicht. Schade nur um die gestrichene Stilblüte aus dem selben Beitrag, die die obere getoppt hätte: „Ältester Interessent: ein Kickboxer“. Hier hätte es sich um einen “Pensionisten“ gehandelt, der das Kickboxen ausübte und dazu noch tanzen lernen wollte.

Oliver Zsilko

Pardon

Nicht alles, was in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien unter meiner Unterschrift erscheint, ist so, wie es gedruckt wird, von mir auch so geschrieben worden. Das muss ich vorausschicken, zumal mir im Laufe der Jahre manches Monströse von Besserwissern untergejubelt wurde, bis dorthin, dass ich ernste Zweifel bekam, dass eine gute Absicht dahinter steckt. Dass man mir in einem von mir gezeichneten Beitrag unterjubelte, ich hätte in Dognatschka „rauchende Schlote“ gesehen, dass in der Reschitzaer Kanonenfabrik „Arsenal“ Stahl kocht oder dass in der Arader Weingegend Millionen Tonnen Trauben geerntet werden, das gehört zu den schuldlos schuldigen Ausrutschern, die ich unterzeichnet habe. Hingegen, wenn in einem von mir gezeichneten Kommentar steht: „Denn Rüpel wenigstens bis zum Parlamentariersessel vorkehren“, dann kann das noch grammatikalisch interpretiert, inhaltlich aber kaum entschuldigt werden. Dieserart Fehler, oft nur Tippfehler, kommen oft vor und stechen beim Nachlesen nicht ins Auge. Auch kritischen Kollegen beim Gegenlesen nicht. In der letzten BZ von 2009 entschuldige ich mich hiermit für alle Unterlassungs- und Dummheitsfehler, die ich nicht im Stande war, vor dem Druck zu stoppen.

Werner Kremm

Punkt. Und es geht weiter!

Vor zwei Jahren, als ich bei der ADZ angestellt wurde, musste ich einen Artikel über einen „punct de frontiera“ schreiben. „Grenzpunkt“ schrieb ich begeistert in meinem Beitrag, hatte aber im Nachhinein, als ein Kollege ein Auge in meinen Beitrag warf, die Begeisterung ganz schnell los. Der sogenannte „punct de frontiera“ heißt auf Deutsch eigentlich „Grenzübergang“. Ich nahm mir fest vor, mir die Sache zu merken... Im August dieses Jahres wurde der Grenzübergang bei Feny/Foeni wieder zeitweilig eröffnet – ich sollte darüber schreiben! Welch eine Überraschung ich hatte, als ich die ADZ öffnete und las: „Grenzpunkt Feny wieder eröffnet“. Mea Culpa! In der Eile hatte mich die rumänische Sprache überwältigt und ich hatte völlig vergessen, was ich mir am Anfang meiner journalistischen „Karriere“ vorgenommen hatte. Eine einzige Genugtuung bei der ganzen Sache: Prof. Peter Kottler von der West-Uni, der den Studenten Interferenzen vorträgt, hat sich bestimmt über meine Interferenz gefreut!
Raluca Nelepcu

Dienstag, 9. Dezember 2008

Ihre Meinung ist gefragt!

Die Banater Zeitung führt eine Umfrage unter ihren Lesern durch. Über Kommentare, die die Antworten erläutern, freuen wir uns besonders!

Freitag, 5. Dezember 2008

Nach Farmübernahme folgten Prügel auf dem Acker

Anklage wegen versuchten Mordes: Deutscher im Untersuchungsgefängnis

Von Siegfried Thiel


Die Akustik im Gerichtsaal von Großwardein/Oradea ist schlecht, die Mikrophone sind auch beim Dolmetschen nicht eingeschaltet, im Saal meist Angehörige der Angeklagten und viele junge Anwälte, die vorwiegend als Pflichtverteidiger fungieren. Anwesend auch vier Mitglieder der Familie A. – sie sitzen zwar in verschiedenen Trakten des Saals, ihr Gemütszustand muss sich jedoch auf nahezu dem gleichem Level befinden: miserabel.


Drei Brüder, M.A., A.A. und W.A. zogen vor nahezu einem Jahr zusammen mit ihrer Mutter aus dem deutschen Bundesland Bayern nach Rumänien um hier Landwirtschaft im großen Stil zu betreiben. Ihr Farmkauf in der Nähe der Kleinstadt Marghita (Kreis Bihor) hat zu einem Dauerkonflikt mit dem ehemaligen Farminhaber E.M. geführt. Für die deutsche Familie ist der Konfliktherd aus ihrer Sicht unbegründet, E.M. hingegen sagt, dass die neuen Farminhaber ihren finanziellen Auflagen nach der Übernahme des Stammkapitals der Farm nicht nachgekommen sind. Familie A. behauptet in einem direkten Gespräch mit der Banater Zeitung, dass sie keine Schulden mehr an den ehemaligen Inhaber hat, noch mehr, die finanziellen Aspekte seien über die Handelsbank BCR gelaufen, die Unterzeichnung des Übernahmevertrags mit Aktiva, Passiva, Schulden und Pachtverträgen sei bei der Industrie- und Handelskammer in der Kreishauptstadt Großwardein/Oradea erfolgt. Über den Anwalt der Deutschen wird dann die Schuldenfrage so erklärt: Es sei bei der Übernahme der Farm festgelegt worden, dass Familie A. erst nach der ersten Ernte ihre Schulden begleicht, da jedoch E.M. auf der von Familie A. übernommenen Nutzfläche mit den Ernte begonnen habe, sahen sie sich weder in der Lage noch in der Pflicht, ihre Schulden zu begleichen.


Im Grunde sind die im Übernahmevertrag festgeschriebenen 490.000 Euro der Zankapfel zwischen den beiden Parteien. So ist es zu gegenseitigen Anschuldigungen der Gewaltanwendung, des Raubdiebstahls und gar des versuchten Mordes gekommen. W.A., der sich in Untersuchungshaft befindet, war Mitte Juli Opfer des schwelenden Konfliktes zwischen den beiden Parteien geworden. Damals habe W.A einen Bauern, der sein Land bei Familie A. in Pacht hat, mit einem Jeep in Tötungsabsicht überfahren, so die Anklage. Nichts davon würde der Wahrheit entsprechen, heißt es bei den Angehörigen des Inhaftierten. Ein neuer Gerichtstermin ist für den 9.Dezember angesagt. Auch was den Vorfall von Mitte November betrifft, als zwei der drei Brüder verprügelt wurden, gehen die Aussagen auseinander – in drei Richtungen sogar. Die beiden Brüder sagen, E.M. habe sie angegriffen, dieser wieder behauptet er sei angegriffen worden und er habe sich bloß verteidigt und der Polizeichef des Kreises Bihor, Chefkommissar Liviu Popa, gibt zu, dass E.M. angegriffen habe, doch dieser sei wohl „am Ende seiner Geduld mit den Deutschen gewesen”. Noch mehr. E.M. sagt der Banater Zeitung in einem Telefongespräch, dass auch er verletzt sei, weil er angegriffen worden war. In einem einzigen Punkt sind sich jedoch beide Seiten einig: Die Hiebe wurden mit Eisenstangen geführt.


Die Banater Zeitung wird diesen seltsam-verworren Fall verfolgen und untersuchen. Um ein reelles Bild der gegenseitig schweren Beschuldigungen abgeben zu können, werden die Implizierten befragt, Statements veröffentlicht und konkrete Daten und Belege zu den Aussagen angefordert.