Mittwoch, 29. April 2009

Umweltfaktoren und Biodiversität beobachtet


Rumänische und serbische Umweltschützer monitorisierten Donauraum / Werner Kremm

Die Ökologiegruppe für Zusammenarbeit Nera (GEC-Nera) aus Orawitza/Oravita hat gemeinsam mit dem Forstamt Pantschowa/Pancevo (Vojvodinasume) und dem Fernsehsender TV Banat aus Werschetz/Vrsac zwischen dem 8.-14. April ein Monitoring der Umweltfaktoren und der Biodiversität an beiden Donauufern am Eingang zur Donauklamm sowie im Raum des Neradeltas am Donaustausee bei Basiasch durchgeführt.


Untersucht wurde die Donau und ihr Umfeld in Raum der Ortschaften Neumoldowa/Moldova Noua, Veliko Gradiste, Stara Palanka, Basiasch/Bazias und Socol/Sokolarac. Unter anderem wurde festgestellt dass am rumänischen Ufer der Zugang zum Donaustausee/der Donau erschwert wird durch die vielen umgestürzten, teilweise faulenden und nicht entfernten Baumstämme, die das Wuchern des Ufergestrüpps favorisieren.


Durch diese Tatsache wird Vojvodinasume die Durchführung wissenschaftlicher und wirtschaftsfördernder Maßnahmen erschwert, unter anderem die Förderung von umweltfreundlichem Tourismus in den Feuchtgebieten von Labudovo Okno. Labudovo Okno ist Teil des grenzüberschreitenden Naturparks Eisernes Tor/Djerdapp, ein grenzüberschreitendes Ökosystem des Nera-Deltas, das allgemein als das jüngste und noch in Entstehung begriffene Delta Europas gilt und vielseitiges wissenschaftliches Interesse weckt.


Beobachtet wurde desgleichen eine der verheerendsten von M;enschen verschuldeten Erscheinungen am rumänischen Donauufer, ein „Sand“-Sturm – eigentlich ein mit Gift belasteter Abraumsturm - am rumänischen und serbischen Donauufer. Zwischen dem 11.-13. April blies der in der Donauklamm so spezifische Sturmwind Co{ava im Raum des Kronen-, Klär- und Befeuchtungsteichs T²u{ani-Bo{neag so heftig, dass eine hohe Zahl von Partikeln des Abraums, der als Folge und Rückstand der Anreicherung des Kupferarmerzes des (zwischendurch geschlossenen) Bergwerks Moldomin Neumoldowa hier gelagert worden ist, aufgewirbelt und an beiden Donauufern über die Wohnsiedlungen von Neumoldowa und Vinc sowie Pozezeno in Serbien verbreitet wurde. Die Umweltverschmutzung hat nicht nur die Wirtschaften der Menschen sondern auch deren Hausgärten und Felder sowie die Trinkwasserquellen verseucht und das Feuchtgebiet der zu Rumänien gehörenden Donauinsel Ostrovul Moldova Veche (im Bild), die zum grenzüberschreitenden Naturpark Eisernes Tor/Djerdapp gehört, mit „Staub“ überzogen.


Die in die Untersuchung implizierten Organisationen von beiden Donauufern/Ländern haben ihre Beobachtungen den Umweltministerien Rumäniens und Serbiens sowie den Wissenschaftlichen Akademien beider Länder zur Kenntnis gebracht, welche den Naturpark Eisernes Tor/Djerdapp verwalten.


Die Donauinsel Ostrov liegt nicht nur gegenüber den Klärteichen und Abraumhalden des stillgelegten Kupferabbauunternehmens Moldomin Neumoldowa, sondern ist auch Gegenstand eines laufenden gerichtlichen Disputs zwischen der Verwaltung des Naturparks Eisernes Tor/Djerdapp und der Stadtverwaltung von Neumoldowa, die hier gern eine touristische Freizeitsiedlung bauen möchte. Um in kommunistischer Zeit die Donauinsel „wirtschaftlich“ zu nutzen, begann man dorthin eine Brücke zu bauen, um auf der Insel Abraum aus der Kupferanreicherung abzulagern. Das Vorhaben wurde seinerzeit von Jugoslawien über ein Urteil des Hager Gerichtshofs gestoppt.

Kurze Geschichte vom Terror


Eduardo Rozsa-Flores wurde 1960 in Santa Cruz geboren. Sein Vater Jorge Rozsa war ein Maler und Kunsterzieher ungarisch-jüdischer Herkunft, der 1953 über Paris nach Bolivien kam, wo er eine Lehrerin heiratete.


Jorge Rozsa hatte, außer der Kunst, noch eine weitere Leidenschaft, den Kommunismus. So ging er mit seiner Familie 1972, nach einem Putsch des Militärs ins Exil, in Allendes Chile. Nach dessen Sturz verschlug es die Familie Rozsa-Flores 1975 ins realsozialistische Budapest.


Der heranwachsende Sohn der kosmopolitischen Familie, Eduardo, ist offiziell für eine militärische Karriere vorgesehen, aber der in Bürokratie und Schlendrian verkommene Realsozialismus macht ihm immer weniger Freude. Nach drei Jahren wechselt er zur Universität, zu Philologie und Journalistik.


In der Folge arbeitet er als Korrespondent der kubanischen „Prensa Latina“ und schreibt für die katalanische „La Vanguardia“. In den achtziger Jahren trifft er in Budapest auf den venezolanischen Terroristen Carlos, der ihn wohl tief beeindruckt hat.


Seine große Zeit als Journalist kommt mit der Wende von 1989, und speziell mit den Balkankriegen ab 1991. Damals, in Ostslawonien, hat er sein weichenstellendes Erlebnis, sein Schicksalsdiktum: Eduardo Rozsa-Flores schließt sich der kroatischen Unabhängigkeitsarmee an und wird zum Kommandanten einer internationalen Brigade, die gegen die serbischen Truppen kämpft. Der Kick kam durch das Abenteuer, wie der viel beachtete Dokumentarfilm „Chico“, den die ungarische Filmemacherin Ibolya Fekete 2001 über und mit Rozsa-Flores drehte, belegt.


In den Balkankriegen kommt es zu einer weiteren Schicksalsentscheidung für ihn. Er ist durch einen Aufenthalt 1975 in Sarajevo vom Islam fasziniert und konvertiert 2003. Damit wird sein Leben immer mehr zu einem Doppelleben. In der Budapester Öffentlichkeit erscheint er als Mitinitiator von Filmprojekten, als Publizist und Buchautor, nicht zuletzt als Lyriker.


Gleichzeitig werden seine politischen Statements immer schriller. Er sieht überall die Kontinuität der kommunistischen Eliten als Profiteure, ihre Rhetorik erscheint ihm austauschbar. So sympathisierte er in den letzten Jahren mit der rechtsextremistischen Organisation „Jobbik“.


Er hielt sich aber auch im Sudan auf, im Irak, begrüßte gelegentlich den 11.September, und betätigte sich als Vizepräsident der „Ungarischen Islam-Vereinigung“. Er sei damit Teil eines weltweiten Projekts, sagte er in einem Interview in Bolivien 2008.


Dort wurde Eduardo Rozsa-Flores vor zwei Wochen in einem Hotel in Santa Cruz von Sicherheitskräften erschossen. Für sie stand er im Verdacht ein Attentat auf Evo Morales, den umstrittenen Staatspräsidenten, geplant zu haben. Punkt.

Richard Wagner

Journalisten im Fußballerdress


Das BZ-Team belegte den vierten Platz


Temeswar (BZ) – Großer Andrang der Temeswarer Medien am letzten Wochende in Sackelhausen/Sacalaz. Nicht gewappnet, wie üblich, mit Stiften, Notizblocks oder Kameras, diesmal jagten die Journalisten dem runden Leder auf dem Kunststoffrasen nach.

Der Schützenkönig am Ball gegen die Meister

Foto: Alex Hreniuc


An der diesjährigen Temeswarer Fußballmeisterschaft der Medien nahmen 13 Mannschaften teil, die in vier Gruppen antraten. Den Pokal gewannen die Kicker von TVT 89, nach einem 2-0 Sieg im Finale gegen TVR Timisoara. Wenn die Mannschaft in den Gruppenspielen nur mit je einem Tor ihre Gegner (1-0 gegen 24-Fun und 2-1 gegen Adevarul) besiegte, so schoss TVT 89 je vier Tore: im Viertelfinale 4-0 gegen das Team der Korrespondenten nationaler Fernsehsender und im Halbfinale 4-2 gegen die Banater Zeitung.


Außer Zoltán Pázmány, Olivian Ieremiciu und Oliver Zsilko spielten für die „Deutschen“ auch Marius Cre]u (Kiss FM), Goran Mrakici, Goran Miscovici und Miroljub Panic mit. Die letzten drei sind Redakteure der serbischen Zeitung von Temeswar, „Nasa Rec“. Nachdem der diesjährige Meister im Halbfinale gegen die in letzter Minute „zusammengewürfelte Mannschaft“ siegte, verloren sie auch das Spiel um den dritten Platz gegen 24-Fun mit 2-4. Trotzdem wurde das BZ-Team zur Überaschungsmannschaft des Wettbewerbs erklärt. Dies, nach den Siegen 5-1 gegen Agenda und 2-0 gegen Renasterea Banateana in den Gruppenspielen, sowie mit gleichem Ergebnis im Viertelfinale gegen Tion.


Dragoslav Popov vom rumänischen Nationalsender wurde zum besten Spieler der Meisterschaft ernannt, obwohl er mit seinem Team nur als zweiter im Finale vom Platz ging. Wenn Alin Radovan (Spieler der „Analog und Fotbal Vest“-Mannschaft) zum besten Torwart gekürt wurde, so schoss sich mit sechs Toren Lucian Bordianu (von 24-Fun) zum Schützenkönig.

Ein Treffen der Jungpsychiater


Weiterhin schwierige Situation in rumänischen Heilanstalten


Viel Andrang im AMG-Haus: Angehende Psychiater (Arztanwärter) aus dem ganzen Land trafen sich hier zu einem Meinungsaustausch. Der Verband der angehenden Psychiater in Rumänien hat heuer seinen 13. Kongress gefeiert.

Ehemaliges Schloss der Familie Mocioni in der Maroschebene bei Capalnas - zu psychiatrischer Heilanstalt umfunktioniert

Foto: Zoltán Pázmány


Einige Daten über die Realitäten in der rumänischen Psychiatrie sprechen Bände: Ungefähr 80 Prozent der Psyhiatrie-Krankenhäuser in Rumänien stammen aus den Jahren 1955-1965. In diesem Zeitraum wurden etliche Schulgebäude, Kasernen und Schlösser zu Krankenhäuser umfunktioniert. Die Sachlage in Rumänien war kurz nach der Wende sogar kritisch zu nennen. „Zwischen 1983 und 1990 wurden in Rumänien überhaupt keine Psychiater oder Psychologen ausgebildet“, sagt Prof. Dr. Mircea Lazarescu.


Dass noch nicht einmal vor so langer Zeit Elektroschocks und andere etwas fragliche Mittel zur „Heilung“ der Patienten angewendet wurden, ist allgemein bekannt. Dass jedoch auch im Jahr 2009 Patienten mit psychischen Störungen in den Anstalten sterben, in denen sie eigentlich geheilt – soweit möglich- werden sollten, stellt schon ein Problem dar. Vor Kurzem starb eine Patientin in einer derartigen Heilanstalt, an ihrem Körper wurden mehrere Verletzungen festgestellt.


Auf die Psychiater wartet in nächster Zukunft Schwerarbeit: Die Weltwirtschaftskrise scheint auch in diesem Bereich ihre Opfer zu fordern. Immer häufiger erscheinen in den Medien Meldungen wie “Selbstmord nach Entlassung“ oder „Er hat sich umgebracht, weil er die Rechnungen nicht mehr bezahlen konnte“. Depression und Angstzustände sind immer mehr zu einem Problem in den Reihen der rumänischen Bevölkerung geworden. Auch rumänische Jugendliche scheinen immer depressiver zu werden.

Der Internationale Tag des Buches


Schüler besuchen die Universitätsbibliothek


as. Temeswar – Ein wahres Menschengewimmel am Freitagmorgen vor der Temeswarer Westuniversität. Eine Lehrerin führt eine Gruppe von Lyzealschüler zum Eingang und erklärt ihnen: „Ihr werden nun sehen, wie ihr ein Buch in der Datenbank einer Bibliothek aussuchen könnt, ob es verfügbar ist oder nicht usw. Es ist eine sehr umfangreiche Bibliothek und ich hoffe, dass ihr sie auch benutzen werdet, wenn ihr Studenten seid“.

Schüler haben die Abteilungen der neuen Universitätsbibliothek besucht.

Foto: Zoltán Pázmány


Andere Schüler sind beim Schalter für Öffentlichkeitsarbeiten versammelt. Ein Zwölfklässer nimmt ein Buch aus einem Regal, checkt es am Computer und schenkt es einem Student: „Sie können es für zwei Wochen ausleihen“, fügt er hinzu. Dann lächelt er der Bibliothekarin zu, die ihn bei der Arbeit betreut und ihm ab und zu noch weitere Hinweise gibt: Woher die Bücher zum Ausleihen übernommen werden, wie jedes Buch am Computer überprüft werden soll und wo er den Stempel darauf zu drücken hat.


Rund 40 SchülerInnen und StudentInnen waren vergangene Woche für eine Stunde in die Rolle des Bibliothekars geschlüpft und sich in den verschiedenen Abteilungen der Temeswarer Universitätsbibliothek „Eugen Todoran“ nützlich gemacht. Anlass war der Internationale Tag des Buches, der jedes Jahr am 23. April weltweit gefeiert wird. Die Universitätsbibliothek organisierte auch den „Tag der offenen Türen“. Schüler und Studenten haben gruppenweise an der zweitägigen Veranstaltung teilgenommen. Einen Rundgang durch die verschiedenen Abteilungen der Bibliothek sowie eine Reihe von Vorträgen zum Thema Buch und Bibliothek standen auf dem Programm. Die Besucher durften auch einen Blick in die Arbeit der Bibliothekare werfen.


„Die Arbeit eines Bibliothekars ist viel aufwendiger als man denkt. Es steckt eine Menge Arbeit dahinter, aber nur wenige wissen das. Wir wollten das am Internationalen Tag des Buches zum Vorschein bringen“, sagt Livia Simionca, Bibliothekarin an der Temeswarer Universitätsbibliothek. Auch eine Slide-Show, die den Weg eines Buches vom Verlag bis auf die Regalen einer Bibliothek beschreibt, wurde den Besuchern gezeigt. „Wir wollten auch diesen Teil der Bibliothek zeigen, den nicht viele in Betracht ziehen. Bevor man ein Buch ausleiht, muss man noch vieles vorher machen, man muss es registrieren, in einer Tabelle seine Kennzeichen notieren, es in einem bestimmten Bereich eingliedern usw.“, sagt Cecilia Tomescu, die seit einem Jahr als Bibliothekarin arbeitet.


Auf dem großen Flur der Universitätsbibliothek haben auch verschiedene Temeswarer Verlage eine Reihe von Bücher in rumänischer, englischer, deutscher sowie französischer Sprache zum Verkauf ausgestellt. „Man soll die Rolle einer Bibliothek nicht unterschätzen. Wissenschaftler und Forscher müssen sich in Ihrem Bereich ein Leben lang dokumentieren und immer wieder was neues hinzulesen und -lernen, wer es nicht macht ist ein Verbrecher“, sagte der Leiter der Universitätsbibliothek „Eugen Todoran“, Vasile Tara, der seit über 45 Jahre in diesem Bereich arbeitet.

Flauer Ostermarkt in Temeswar


Ein Flop gegenüber dem Weihnachtsgeschäft


oz. Temeswar – Der Markterfolg während den Feiertagen ist Schnee von gestern. Auf die BZ-Umfrage, ob der Warenverkauf im Zentrum von Temeswar besser als im Winter sei, meinen sowohl die Vertriebsmitarbeiter von Großmutters „Kürtöskalács“, als auch die Unternehmer für Backwaren, dass sich der Ostermarkt als Flop erwiesen hat.

Viele Kunden entpuppen sich nur als Verkoster und Spaziergänger

Foto: Zoltán Pázmány


„Obwohl in diesem Jahr die katholischen und orthodoxen Gläubigen das Auferstehungsfest nicht gleichzeitig feierten, hatten wir bislang am Ostermarkt einen kleineren Verkaufsumsatz als zu Weihnachten“, sagt der Fropin-Verkaufsleiter Marcel Mangu. Um 30 Prozent soll der Profit seiner Bäckerei gesunken sein. Dazu ist noch die Miete für ein Holzhäuschen am Opernplatz auf 2.000 Lei gestiegen. Laut Mangu, hat das Temeswarer Bürgermeisteramt den Händlern bis zum 4. Mai die Verkaufsfrist gerade aus diesem Grund verlängert. Wenn Fropin am Weihnachtsmarkt im Durchschnitt Ware in Wert von 1.300 Lei pro Tag verkauft hat, erzielt das Backunternehmen zurzeit einen täglichen Umsatz zwischen 800 und 900 Lei.


Ähnlich geht es auch dem Fleischwarenproduzent „C+C“ aus Reschitza. Die Reschitzaer haben im Dezember bis zu 300 Kilogram Fleischwaren am Tag verkauft, heute schaffen sie nicht mehr als 80 – 100 Kilogram. „Meiner Meinung nach ist der Umsatz zu Ostern nicht wegen der Wirtschaftskrise gesunken, sondern einfach nur deshalb, weil die Kunden etwas anderes bevorzugen“, so Dumitru Gheorghe, C+C-Leiter des Zentrallagers für Westrumänien in Temeswar. Gheorghe meint, dass das Lamm das Schweinefleisch zu Ostern ersetzt hat. Den besten Umsatz erzielen für C+C die Würstchen aus Hähnchenbrust, die jeden Morgen von den Arbeitern gekauft werden. Die Hauswürste, die im Winter Verkaufsschlager gewesen sind, machen trotz der ungeeigneten Saison zufriedenstellenden Profit. Weil Aufgeschnittenes im Dezember zum Kosten ausgestellt werden konnte, hatte das Unternehmen besseren Erfolg. Zusätzlich konnte wegen der Kälte auch mehr Fleischware im Freien angeboten werden.


Sowohl die höheren Temperaturen als auch das Bürgermeisteramt haben den Lebensmittelvertrieb beschränkt. „Wir durften am Ostermarkt wegen der Fastenzeit keine mici und kein Gegrilltes verkaufen“, sagt László Fodor, Verkäufer von S.C. Golden S.R.L. Die kleineren Einnahmen haben ihm und den meisten Verkäufer der am Ostermarkt jedoch keinen Gehaltsabzug gebracht. Das heißt aber noch lange nicht, dass man es in ihren Firmen nicht zu spüren bekommt.

„Josefstädter Franzi“ wurde 80


Jubiläumsshow mit Alexander Ternovits


bw. Temeswar - Zum Anlass seines 80. Geburtstags wird der bekannte und in Temeswar beliebte Schauspieler Alexander Josef Ternovits seine humoristische One-man-Show „Der Josefstädter Franzi“ am 9. Mai, um 18 Uhr, auf der Bühne des Temeswarer Capitol-Saals darbieten. In dieser Jubiläumsvorstellung, die vom Jubilar als Show „Buju & Friends“ konzipiert wurde, werden die Musiker Ilie Stepan und Horia Cri{ovan als Sondergäste mitwirken.

Auch Temeswar hat seinen Eulenspiegel: Der Schauspieler Alexander Ternovits

Foto: Zoltán Pázmány.


Der Schauspieler interpretiert diese Lieblingsrolle nun schon seit 55 Jahren in einem einmaligen Sprachengemisch von Deutsch-Ungarisch-Rumänisch-Serbisch-Jiddisch, das man, nach Ternovits, wohl nur noch im Temeswarer Stadtviertel Josefstadt und in den Gassen der Wiener Randviertel vernehmen kann.


Der Schauspieler, dem deutschen Publikum als „Josefstädter Franzi“ dem rumänischen als „Buju“ bekannt, wurde am 11. April 1929 in Lugosch geboren. Hier absolvierte er auch das deutsche Lyzeum 1943. Bis 1957, als er beim DSTT in dem Märchenstück „Die Schneekönigin“ debütierte, überstand Ternovits die verschiedensten Lebensstationen, vom Sportler (1949 wurde er als „politisch unzuverlässig“ vom Bukarester Armeesportklub ausgeschlossen) zum Stanzer, Agronomiestudent, Agronom bis zum Taxifahrer. Ab 1961 beim Temeswarer Nationaltheater wirkte er bis zu seiner Aussiedlung nach Deutschland konstant beim DSTT und beim Ungarischen Staatstheater, vor allem in den Unterhaltungsprogrammen, mit. Weder die Aussiedlung.


(Ternovits lebt derzeit in München) noch sein Eintritt in den Ruhestand führten zum Abschied von der Schaubühne, bis heute trat er unermüdlich in Rumänien und europaweit mit der vorgenannten Show auf. Nach der Wende brachte er auch fünf Bücher, vornehmlich über sein wundersames Privat- und Schauspielerdasein, heraus. Anfang 2007 verlieh ihm der Temeswarer Stadtrat für seine langjährige, verdienstvolle Rolle in der multikulturellen Szene und Gesellschaft der Begastadt den Titel eines Ehrenbürgers der Stadt Temeswar.

Schneewittchen zu Gast in Bukarest


Viermal DSTT im Bukarester Odeon-Theater


bw. Temeswar - Ein Gastspiel in der Hauptstadt bzw. im Odeon-Theater hat das Deutsche Staatstheater Temeswar (DSTT) für die Zeitspanne 27.-29. Mai anberaumt. Gezeigt werden gleich vier Inszenierungen, um allen Publikumsansprüchen und -wünschen entgegenzukommen. So sind die letzten erfolgreichen DSTT-Premieren der laufenden Spielzeit bzw. „Die kahle Sängerin“, das klassische Stück des absurden Theaters von Eugene Ionesco (Regie Alexandru Dabija, Hausregisseur am Odeon-Theater) und „Das letzte Feuer“ der jungen Berliner Autorin Dea Loher, ein aufsehenerregendes deutsches Gegenwartsstück in der Regie von Spielleiterin Cornelia Crombholz (Berlin) eingeplant.

Szene aus dem Märchenmusical „Schneewittchen...“

Foto: DSTT


Nach ihrem Erfolg an der deutschen Schaubühne Temeswar wird auch die Vorjahrespremiere „Pool No water“, ein aktuelles Gegenwartsstück des englischen Autors Mark Ravenhill (Regie Alexandru Mihaescu) gezeigt. Diese Inszenierung wird bestimmt vor allem das jüngere Bukarester Publikum ansprechen.


Mit von der Partie ist auch „Schneewittchen und die sieben Zwerge“, eine Show für Jung und Alt, die im Vorjahr von den Jüngsten des DSTT-Ensembles nach dem beliebten Text der „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm von 1812 mit Gesang, Rockmusik und Tanz als Märchenmusical auf die Bühne gebracht wurde und seither konstant und mit viel Applaus im eigenen Hause oder auf Gastspielen aufgeführt wird. Regie führt Schauspielerin und Jungregisseurin Simona Vintil², deren Märchenmusical „Die Schöne und das Biest“ (Premiere 2007) sich gleichfalls als Kassenschlager des DSTT entpuppt hatte. Die von dem bekannten Temeswarer Rockmusiker Ilie Stepan komponierte Musik, vom countryhaften Song bis Hardrock, die einprägsamen Liedertexte von Dana Borteanu wie auch die Sondershow der Sieben-Zwerge-Riege gehören zu den Glanzpunkten dieser Inszenierung, womit man beim DSTT die gute Unterhaltungstradition fortführt. Für die Choreographie zeichnet Helen Ganser (Ungarisches Staatstheater Temeswar), für Bühnenbild und Märchenkostüme Geta Medinski (Temeswarer Nationaltheater).


Heuer hat das DSTT schon zwei erfolgreiche Tourneen absolviert: Am 20- 22. März gastierten die Temeswarer mit der Produktion „Kamikaze“ der Neumarkter Autorin Alina Nelega an der Badischen Landesbühne Bruchsal (BLB). Diese deutschsprachige Erstaufführung war 2007 im Rahmen der Partnerschaftsbeziehungen zwischen dem DSTT und der BLB unter Mitwirkung der Schauspieler Christine Cizmas (DSTT) und Wolf E. Rahlfs (Bruchsal) entstanden.


In der Zeitspanne 26.- 28. April unternahm das DSTT eine Nordsiebenbürgen-Tournee mit einer schon zur Tradition gewordenen Teilnahme an den Sathmarer Tagen der Deutschen Kultur. Gezeigt wurden „Das letzte Feuer“ von Dea Loher und das Musical „Schneewittchen und die sieben Zwerge“, jeweils in Sathmar/ Satu Mare und Großwardein/ Oradea.

Zahlungsunfähig, aber nicht pleite


Stadt nimmt ihre Zahlungsverpflichtungen nicht wahr


Reschitza – Er verneinte kategorisch, dass die Gesellschaft, der er als Geschäftsführer vorsteht, das Reschitzaer Kommunalwirtschaftsunternehmen Prescom, pleite sei, wie es beharrlich zirkulierende Gerüchte behaupten. Dipl.-Ing. Gheorghe Marchis, ein ausdauernder PDL-Joker, nuancierte das Gerücht im Rahmen einer Pressekonferenz: Prescom habe das Jahr 2008 mit einem Verlust von (bloß) 160.000 Lei abgeschlossen.

Das Reschitzaer Neubauviertel Govandari

Foto: Zoltán Pázmány


Befragt, wie es denn mit den 3,6 Millionen Lei Steuerschulden beim Finanzamt stehe, nannte er dies „das größte Problem“ seines Unternehmens (das allerdings in der Bilanzsumme buchhalterisch geschickt ausgeblendet wurde). Daraus folgten die Gerüchte über die Insolvenz des Unternehmens, wobei es sich eigentlich um die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens handle, betonte Marchi{: „Wir haben eine akute Not an Liquiditäten“.


Der Teufelskreis, in welchen man durch die schlechte Zahlungsmoral des Alleinbesitzers von Prescom, der Stadt Reschitza, geraten sei, habe diese Zahlungsunfähigkeit bewirkt. Die Stadt schuldet ihrem Unternehmen insgesamt 7,5 Millionen Lei – und habe diese Schuld nicht einmal in ihrem Jahreshaushalt 2009 verzeichnet. Woraus zu folgen ist, dass kaum Aussichten bestehen, dass die Stadt ihr Unternehmen in diesem Jahr finanziell zu sanieren beabsichtigt. Marchis bezichtigt dafür den Bürgermeister, den „Hauptkoordinator für Kredite“, dessen Aufgabe es sei, den Jahreshaushalt auszuarbeiten, und der PRESCOM außen vor gelassen hat.


Zudem habe sich das Rathaus Reschitza erlaubt, mehr als ein Jahr lang die per Stadtratsbeschluss genehmigten und von Prescom gewährten subventionierten und Gratistickets für den öffentlichen Nahverkehr nicht zu bezahlen, welche Rentnern, ehemaligen politischen Häftlichen und Deportierten, Kriegsveteranen, Behinderten und Blutspendern zugestanden werden. Letztendlich übers Jahr auch das ein ansehlicher Haushaltsposten.


Ein bei Prescom seit Jahren spannendes Problem ist die Neuausstattung des Nahverkehrs mit Fahrzeugen. ADZ/BZ berichteten wiederholt über die Ausschreibungen für den Ankauf neuer Stadtbusse und die Querschüsse, die darauf von Verlierern der Ausschreibungen, den sogenannten „professionellen Ausschreibungsbeanstandern“, zu Fall gebracht wurden, indem sie mit Geschick ein katastrophales Ausschreibungsgesetz und seine Anwendungsbestimmungen ausnutzten – aus reinster Schikanierlust. Auch deshalb sprach sich Marchis für die Beibehaltung der Straßenbahnen im öffentlichen Nahverkehr aus: „Die Straßenbahnzüge sind in einem noch guten Zustand. Schlimm steht es hingegen um das Schienennetz, das bereits überaltert ist und wofür umfangreiche Investitionen nötig wären. Ich weiß, dass es momentan keine Liquiditäten gibt, aber auch für den Zustand des Schienennetzes der Straßenbahnen ist die Stadt und der Stadtrat – wie überall in Rumänien - verantwortlich, nicht Prescom!“

Werner Kremm

Standort AMG-Lyzeum: Stadt darf entscheiden

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Bildungsministerin Andronescu mit ausweichender Antwort


Die Unterfangen, von Elternschaft und Abgeordneten Ovidiu Gant, den zukünftigen Standort des Arader Adam-Müller-Guttenbrunn-Lyzeums zu beeinflussen, bleibt im Bereich „nichts unversucht lassen“. Die Bildungsministerin Ecaterina Andronescu, als letzter Hoffnungsträger, hat auf dem Brief der Elternschaft des Arader Adam-Müller-Guttenbrunn-Lyzeums bezüglich eines neuen Sitzes für die Schule nur ausweichend geantwortet. Die Bildungsministerin hatte keine Lösung parat und überlässt es dem Bürgermeisteramt, sich mit diesem Problem auseinander zu setzen. Im Klartext: Die Stadt wird von ihren derzeitigen Plänen kaum abweichen. Seit letztem Jahr protestieren nämlich Schulleitung und Elternschaft gegen die Entscheidung des Bürgermeisteramtes, die Schule in einen Campus außerhalb der Stadt zu verlegen. Zum einen wäre der Stadtort weit entfernt von der angestammten Location in Neuarad entfernt. Eine Müllhalde, ein Gefängnis sowie eine Umgehungsstraße als unmittelbare Nachbarn ergeben weitere Knackpunkte gegen das Projekt (die BZ berichtete).


Die Elternschaft hat im vergangenen Jahr ein Protestschreiben bei der Regierung hinterlegt und ein Gebäude im Stadtviertel Subcetate als einen neuen Sitz für die Schule vorgeschlagen – ein Gebäude, das aber in einem Prozeß zwischen Bürgermeisteramt und Präfektur verwickelt war. Über das Antwortschreiben der neuen Unterrichtsministerin und über die Schritte, die künftig unternommen werden, führte BZ-Redakteurin Ana Saliste ein Kurzinterview mit Schulleiter Michael Szellner.

Schulleiter Michael Szellner kämpft seit Jahren um einen neuen Sitz.

Foto: Zoltán Pázmány


Was hat die Bildungsministerin Andronescu auf den Protest, den Sie und die Elternschaft hinterlegt haben, geantwortet?

Sie wollte sich eigentlich nicht einmischen und hat gesagt, dass es eine Sache der Stadt ist, ein neues Grundstück für die Schule zu bestimmen. Das heißt, entweder hat sie den Brief nicht gelesen, in dem wir erklärt haben, dass das Bürgermeisteramt bereits ein Grundstück vorgeschlagen hat, womit wir aber nicht einverstanden waren, oder sie wollte nur eine ausweichende Antwort geben. Wir haben dem Brief auch rund 750 Unterschriften der Eltern beigefügt, das war im November, jetzt haben wir viel mehr gesammelt.


Wie geht das Bürgermeisteramt mit diesem Problem um?

Es hat ein Treffen zwischen Eltern und Bürgermeister im November stattgefunden. Damals ist Gheorghe Falca mit großer Verspätung aufgetaucht, vielleicht in der Hoffnung, dass niemand mehr da ist, wenn er kommt. Er hat uns damals gesagt, wir sollen ihn während der Wahlen in Ruhe lassen. Das haben wir auch getan, danach ist er im Fernsehen erschienen und hat öffentlich gesagt, dass das Bürgermeisteramt endlich den Prozeß für das Grundstück, in Subcetate, gewonnen hat. Die Eltern haben uns immer wieder angerufen, um uns zu fragen, ob wir diesen neuen Sitz bekommen. Die Schulleitung hat aber nur eine ausweichende Antwort vom Bürgermeisteramt bekommen, dass der neue Standort nur durch Stadtratsbeschluß erfolgen kann.


Das Gebäude befand sich im Besitz einer Baufirma. Diese hat 50 Prozent der Immobilie an das Bürgermeisteramt rückerstattet. Die Präfektur hat diese Entscheidung angefochten. Warum?

Das wissen wir auch nicht. Wissen Sie, es ist ähnlich wie in Kafkas Roman „Der Prozeß“, keiner weiß was da los ist. Gut, dass sich der neue Präfekt an dem Prozeß nicht beteiligt hat und somit das Bürgermeisteramt endlich diese 50 Prozent bekommen hat und nun benutzen kann. Was folgt, wissen wir aber auch nicht, wahrscheinlich müssen wir warten und zusehen was passiert. Wir sind aber die älteste ununterbrochen funktionierende Schule der Stadt und ein Symbol für die deutsche Minderheit hier. Das AMG-Lyzeum nähert sich dem 300sten Jahrestag seiner Existenz, die Schule wird in diesem Jahr 284 Jahre alt. Uns gebührt ein neuer Sitz.

Keine Lösung für Arader Ökobomben

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EU-Frist für nichtökologische Müllhalden nicht einzuhalten


Vor einiger Zeit machte man im Arader Randviertel Alfa einen makabren Fund: Auf gewissenlose Art waren da 200 Kilogramm medizinischer Müll, von gebrauchten Spritzen, Pampers, Reagenzgläschen bis zu Plastikbeutel für Bluttransfusion, direkt am Maroschufer, in der Nähe der Wohnblocks, abgelagert.

Das alte Arader Heizwerk: Einer der größten, geduldeten Umweltsünder des Kreises.

Foto: Zoltán Pázmány


Bis zum heutigen Tag weiß man noch nicht sicher, welches Arader Spital diesen gefährlichen Müll hier illegal losgeworden ist, um sich die teure Einäscherung einzusparen. Das, auf Kosten der Gesundheit der Arader Bevölkerung!


Es ist dies kaum eine Ausnahme in der immer chaotischer werdenden Müllentsorgung im Kreis Arad: Auf Kreisebene gibt es mindestens 121 nichtökologische Mülldeponien, wahre Ökobomben, ein Teil davon Altlasten aus der Zeit vor der Wende, ein Teil neue Beispiele eines amtlich geduldeten, unverantwortlichen Umgangs mit dem Müll. In sämtlichen 78 Ortschaften des Kreises, darunter zehn Städte, steht man vor einer kaum lösbaren Situation. Das Arader Umweltschutzamt hat wohl eine genaue Inventur vorgenommen, der Kreisrat hat einen Umweltschutz-Masterplan entwickelt, es fehlen jedoch, wie in anderen Landeskreisen auch, die nötigen Mittel und realistische Lösungen. Die von der EU gesetzte Frist für die Schließung dieser nichtökologischen Müllhalden läuft nämlich schon am 16. Juli 2009 ab. Und diese Deadline der Europäischen Union war unseren Behörden schon vor zwei Jahren bekannt! Alles geht jedoch unhaltbar auf eine schwere Belastung für den Kreis Arad hinaus. Für die Nichteinhaltung dieser Fristen hat die EU hohe Geldstrafen bestimmt, die von den Lokalbehörden beglichen werden müssen: Unseren Nachbarländern, darunter auch dem angrenzenden Ungarn, ist die Sache vor Jahren gleichfalls teuer zu stehen gekommen.


Die meisten Arader Kommunalverwaltungen haben derzeit nicht die Mittel, eine Müllentsorgung nach EU-Normen einzuführen. Es gibt aber auch einige gelungene und nachahmenswerte Lokalinitiativen: So hat die Mikroregion Sanktanna (sieben Ortschaften mit insgesamt 50.000 Einwohnern) mittels eines EU-Projekts eine gemeinschaftliche ökologische Müllentsorgung gestartet. Das Gleiche tut man schon seit Anfang Februar in der Stadt Ineu in Zusammmenarbeit mit weiteren sieben Gemeinden.


Da weder Kommunalverwaltungen noch Kreisrat kurzfristige Lösungen anzubieten haben, sind auch im Kreis Arad die Folgen schon vorprogrammiert: Laut Attila Szekely, Chefkommissar der Arader Umweltschutzpolizei, wird man den Kommunalverwaltungen Geldstrafen aufbrummen müssen. Dazu hat Rumänien nach dem 16. Juli mit hohen Geldstrafen von der EU zu rechnen.

Balthasar Waitz