Montag, 21. Juni 2010

Jugendtheaterfestival in Temeswar

Theaterintendant Lucian Varsandan freut sich über das NiL-T-Shirt. Links im Bild: Schauspielerin Isolde Cobet, die das Festival initiiert hat.
Foto: Raluca Nelepcu

DSTT-Intendant zum Ehrenmitglied der NiL-Gruppe
as. Temeswar - „Von den vielen vermeintlich überflüssigen Dingen des Lebens ist Theater eines der schönsten. Denn sonst würde der Mensch nur essen, trinken, verdauen und sich fortpflanzen“, zitierte Klaus Brennecke, Konsul der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar/Timisoara, den deutschen Humoristen Loriot am Freitagabend im Auftakt des 11. Deutschsprachigen Jugendtheaterfestivals. Das Theaterfestival wurde von der Schauspielerin Isolde Cobet, die gleichzeitig auch Leiterin der NiL-Theatergruppen des Nikolaus-Lenau-Lyzeums ist, in die Wege geleitet. Bei der feierlichen Eröffnung des Festivals wurde Lucian Varasndan, Intendant des Deutschen Staatstheaters Temeswar (DSTT), zum Ehrenmitglied der NiL-Gruppe ernannt. Besonderen Dank gebührte der Schauspielerin Dana Borteanu, die „zweite NiL-Mama“, die Isolde Cobet bei der Veranstaltung des Festivals geholfen hat.
Das 11. Internationale Deutschsprachige Jugendtheaterfestival geht heute erfolgreich zu Ende. Insgesamt 200 Jugendliche aus Rumänien, Deutschland, Kroatien und Ungarn nahmen an der diesjährigen Auflage teil. Im Rahmen des Festivals konnten sie sowohl die zahlreichen Aufführungen genießen, als auch an den Theaterworkshops zum Thema Improvisation, Bühnenbewegung und Sprache teilnehmen. Die Workshops wurden von Theaterpädagogen und Schauspielern aus Rumänien und Deutschland geleitet. Das bereits zur Tradition gewordene Festival geht auf ein Projekt der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg zurück und wird vom Temeswarer Nikolaus-Lenau-Lyzeum in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Staatstheater Temeswar organisiert. Für die künstlerische Leitung des Festivals waren die DSTT-Schauspielerinnen Isolde Cobet und Dana Borteanu zuständig.
Die Temeswarer Lenauschule war beim diesjährigen Festival mit zwei Theatergruppen vertreten: Die Gymnasialschüler von NiL-Junior, die am Samstag die Vorstellung „Folge dem Stern“ auf die Bühne brachten und die NiL-Gruppe, die dieses Jahr die Aufführung „...Eines Clowns“ präsentierte. Auch die Theatergruppe „After NiL“, die aus ehemaligen Lenauschülern, derzeit Studenten, besteht, war dabei. Sie führte das Stück „Die Gespenster des singenden Spatzes“ auf.

110 Jahre Fußball in Banat

Diesbezügliche Enzyklopädie erschienen
ao. Temeswar - Die gesamte Geschichte des Banater Fußballs wurde in rund 650 Seiten gesammelt und vergangene Woche in einer Enzyklopädie herausgebracht. „110 Jahre Fußball in Banat“ heißt das Buch, das von Buchautor Gheorghe Popa geschrieben wurde. Die frühen Errungenschaften der Mannschaft Chinezul Temeswar/Timisoara, die große Traditionsmannschaft Ripensia, das Reschitzaer Team UDR oder der Aufstieg in die zweite Liga von Unirea Triebswetter/Tomnatic, die erste Dorfmannschaft, die damals ein solches Niveau erreicht hatte - das Buch erzählt bis in kleinste Detail über alles, was im Banat mit Fußball zu tun hat; ab 1901 und bis heute. Dafür arbeitete Gheorghe Popa fünf Jahre lang. Er führte Gespräche mit ehemaligen Fußballspielern aus dem Banat und mit deren Familien, sammelte alte Fotos und Berichte aus Zeitungen. Schriftsteller Popa ließ erkennen, dass die Enzyklopädie „aus Liebe für den Fußball“ entstanden ist und „ist den Fußballern aus allen Zeiten gewidmet, denn sie haben uns alle mit deren Finten, Dribblings, Fußballtricks und Torschüssen begeistert“.
Die Buchvorstellung fand im Restaurant Clabucet statt. Das Lokal gehört der Witwe des verstorbenen Spielers Gheorghe Cotec, ehemaliger Mittelfeldspieler bei Poli Temeswar. Bei der Vorstellung waren auch ehemalige Fußballspieler aus dem Banat dabei. Zu den ältesten zählten Constantin Popa, von Vulturii Lugosch/Lugoj und Ion Vulc²nescu, ehemaliger Spieler bei Ripensia.
Das Buch „110 Jahre Fußball in Banat“ ist das dritte Buch des Schriftstellers, nach „Gloria zilelor de ieri“/ „Der Ruhm von gestern“ (2007) und „Gloria alb-violet²“/ „Der weiß-lila Ruhm“ (2008). Die Fußball-Enzyklopädie ist im Buchhandel erhältlich und kostet 80 Lei.

„Aus Liebe zum Beruf“

Ciprian Cipu: „Die Investition im Kulturbereich hat sich gelohnt“.
Foto: Raluca Nelepcu


Gespräch mit Ciprian Cipu, Leiter des Temescher Zentrums für Kultur und Kunst

Für Ciprian Cipu ist die Kulturszene des Verwaltungskreises Temesch/Timis Teil seines Lebens und das seit mehr als 40 Jahren. Der Leiter des Zentrums für Kultur und Kunst möchte die „wahre Kunst“ fördern und schenkt der Volkskunst besonderes Augenmerk. Was genau er mit „wahrer Kunst“ meint und wie er das in Zeiten schwieriger konjunktureller Rahmenbedingungen schaffen wird, erzählt er den BZ-Redakteurinnen Ana Saliste und Raluca Nelepcu in folgendem Interview.

Sie leiten seit vielen Jahren das Zentrum für Kultur und Kunst des Kreises Temesch. Wie groß ist die Verantwortung einer solchen Funktion?
Der Job an sich ist nicht so schwer. Groß ist aber die Verantwortung, die man dafür tragen muss, wenn man den Job als Leiter einer kulturellen Einrichtung richtig ausüben möchte. Wenn du eine Kulturveranstaltung planst, kannst du es dir nicht leisten, mit der Kultur und den Traditionen eines Volkes zu spielen und den Kitsch bzw. die Non-Kultur zu fördern. Der größte Feind der Volkskultur ist heutzutage der Kitsch. Ein weiterer Feind der Kultureinrichtungen sind die Medien, vorwiegend das Fernsehen. Die deutsche Sendung zum Beispiel respektiert ihre Zuschauer und fördert die Volkskunst. Die sogenannten „Manele“-Sendungen promoten jedoch die vulgäre Kleidung und die Non-Kultur. Der Leiter einer Kulturinstitution muss in erster Linie seinen Beruf schätzen und von seinem Zweck überzeugt sein.

Wie schaffen Sie es denn, die „wahre Kunst“ zu fördern?
Indem man echte und repräsentative Kulturveranstaltungen organisiert. Das ist die beste Waffe gegen den Kitsch. Ein gutes Beispiel dafür ist der Kreis Temesch/Timis. Als hier ein Manele-Konzert veranstaltet wurde, kauften nur wenig Leute Karten. Andererseits unterstützen uns die regionalen Fernseh- und Radiosendungen in unserem Unterfangen und fördern unsere Veranstaltungen.

Wie reagiert das Publikum darauf?
Wir haben es geschafft, insbesondere das Publikum aus den Dörfern wieder anzusprechen und es zu unseren Veranstaltungen zu locken. Die Auswanderung der Deutschen trug dazu bei, dass Bürger von etwa 30 rumänischen Verwaltungskreisen die Banater Dörfer besiedelten. Und es waren nicht die Besten, die hierher kamen. (lächelt) Beispiele dafür sind Nitzkydorf/Nitchidorf, Alexanderhausen/Sandra oder Triebswetter/Tomnatic. Dort hatten wir am Anfang viele Probleme: mit der Anpassung der Leute an die lokale Tradition, mit der Einhaltung der Sitten und Bräuche. Wir haben aber zusammen mit dem Temescher Kreisrat verschiedene kulturelle Veranstaltungen organisiert, um den Menschen diese Volkskultur näher zu bringen. Sie begannen, das Kulturzentrum zu respektieren, sich eigene Volkstrachten zu besorgen und selbst Tanzgruppen zu bilden. Wir haben in einigen Ortschaften kleine Museen gegründet und dafür gesorgt, dass in den Ortschaften, wo es auch eine deutsche und ungarische Minderheit gibt, deren Bräuche ebenfalls zur Geltung kommen.

Sie haben von Kultur und Traditionen gesprochen. Hat sich etwas in der Mentalität der Bürger nach 1989 verändert, was das Interesse für die Volkskunst angeht?
Gleich nach der Revolution gab es schwere Zeiten für die traditionelle Kunst. Die Bürger haben nach Demokratie gelechzt und jetzt wissen sie nicht, was sie damit machen sollen. Aber das ist eine andere Diskussion. Anfang der 90er sind die sogenannten „Laienkünstler“ verschwunden. Die Jugendlichen wurden ursprünglich von ihren Lehrern gezwungen, bei traditionellen Veranstaltungen mitzumachen. Im Laufe der Jahre ist aber eine andere Art von Kultur auf dem Lande entstanden. Für unser Festival „Lada cu zestre“, zum Beispiel, hat sich mit der Zeit ein neues Zielpublikum gebildet: junge Leute, die wirklich aus Liebe zur Kultur unseren Veranstaltungen beiwohnen.

Wie schaffen Sie es, die Leute für Volkskunst zu begeistern?
Durch die zahlreichen Events, die wir organisieren. Inzwischen ist sogar ein Wettbewerb unter den Gemeinden entstanden. Es geht darum, wer die schönsten Trachten hat, die beste Tanzgruppe usw. Durch diesen Wettbewerb ist aber auch eine besondere Beziehung zwischen den Dörfern und Gemeinden entstanden. Wenn zum Beispiel Großscham/Jamu Mare die Kirchweihe feiert, dann kommen hierher auch Gäste aus Tschakowa/Ciacova oder Morawitza/Moravita. Mit den Schulbussen, die uns die Kommunen zur Verfügung gestellt haben, konnten die Gäste die Veranstaltungen erreichen. Und noch etwas: Der Tanz verbindet Menschen, verbindet Minderheiten und erzieht die Bürger. Das ist der Banater Geist, den wir aufrecht erhalten müssen. In Triebswetter wurde die deutsche Volkskultur wieder belebt. Bis vor ein paar Jahren kam es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den Bürgern aus Murani und Orzydorf/Ortisoara zum Beispiel. Nun bilden sie gemeinsam eine Tanzgruppe und können es kaum erwarten, sich zu treffen. Das ist ein Beweis dafür, dass sich unsere „Investition“ gelohnt hat. Viele meckern, dass man mit dem Geld besser die Straßen reparieren sollte. Aber ein Kilometer Asphalt kostet in Rumänien soviel wie all unsere Kulturveranstaltungen in einem Jahr. Wir pflegen gute Beziehungen mit dem Schulinspektorat, der Kirche, dem Kreisrat und den Bürgermeisterämtern in den Kommunen.

Welche sind die bedeutendsten Errungenschaften des Zentrums für Kultur und Kunst in den letzten zehn Jahren?
Die größte Errungenschaft ist die jährliche Aufstellung der kulturellen Agenda zusammen mit dem Kreisrat, der uns recht stark finanziell unterstützt. Zweitens: Die stabilen Beziehungen und die gegenseitige Zusammenarbeit der Künstler mit den Einrichtungen des Kreisrats. Unsere dritte Errungenschaft ist die Volkskunstschule, die Ausbildungen in 25 Kulturbereichen bietet. Wir haben über 600 Schüler da, Tanzensembles für Jugendliche, einen Mini-Verlag und eine Druckerei. Eine vierte Errungenschaft ist die Organisierung von verschiedenen Veranstaltungen auf den Dörfern in Zusammenarbeit mit den Kommunen. Wir haben in fast allen Kulturheimen Kulturreferenten, die gute Arbeit leisten.

Für welchen Kulturbereich der Volkskunstschule besteht die größte Nachfrage?
Das größte Interesse besteht für die Folklore, aber auch die Grafik-Abteilung ist gut besucht. Unsere Schüler haben viele internationale Preise nach Hause gebracht. Zahlreiche Reporter und Kameraleute sind Absolventen der Foto- und Filmabteilung, worauf wir sehr stolz sind.

Wie werden Sie ihre Kollegen motivieren können ab dem Zeitpunkt, wo es durch die angesagten Gehaltskürzungen keine finanzielle Motivation mehr geben wird?
Die Mehrheit meiner Kollegen übt ihren Beruf mit Herz und Seele aus. Natürlich beklagen sie sich auch und das ist auch verständlich. Aber wenn du wirklich eine besondere Neigung dazu hast und deine Arbeit wirklich von Herzen gern tust, dann kommst du auch mit den Schwierigkeiten klar. Wir Künstler sind träumerische Seelen. Wenn wir einen großen Erfolg haben, dann ist es uns egal, ob wir zwei Gerichte auf dem Tisch haben, oder nicht. Aber endlos darf das trotzdem nicht weitergehen.

Neuer Zündstoff für einen nicht zu endenden Streit

Winter 2010: Glühende Heizkörper, leere Geldbeutel
Foto: Alexandru Iordache



Bürgermeisteramt und Präfektur stacheln Bürger zum Prozessieren an
oi. Temeswar - Der Preis der Gigakalorie: Eines der Gesprächsthemen dieser Zeit in Temeswar/Timisoara, das die Gemüter anheizt. In der letzten Zeit sind diesbezüglich neue Aspekte aufgetaucht. Zum Einen möchte das Bürgermeisteramt die Temescher Präfektur in der Angelegenheit „Gigakalorie“ vors Gericht zerren. Andererseits stellte der Vizebürgermeister Sorin Grindeanu vor kurzem das Projekt vor, laut dem „wohlhabende Familien den Preis der Gigakalorie gänzlich bezahlen sollen“.
Anfang dieses Monats hat das Gericht in Großwardein/Oradea entschieden, dass die Preiserhöhung der Gigakalorie von 162 auf 187 Lei, die vom Stadtrat im vergangenen Jahr beschlossen wurde, nicht gesetzwidrig war. Zum Prozess kam es, da die Temescher Präfektur den Stadtratsbeschluss angefochten hatte. Der neu beschlossene Preis hätte ab dem 1. August 2009 in Kraft treten sollen. Nun sagt Gheorghe Ciuhandu, Bürgermeister der Stadt Temeswar, dass jemand für die Verluste, die wegen des Preisunterschieds in dieser Zeitspanne entstanden sind, aufkommen muss. Berechnungen zufolge, die das Temeswarer Bürgermeisteramt durchgeführt haben will, beträgt der Verlust des Heizwerkunternehmens Colterm für diesen Zeitraum 17,2 Millionen Lei. Von wem genau das Geld nun wieder gewonnen wird, konnte Ciuhandu nicht sagen, das Bürgermeisteramt überlegt jedoch, möglicherweise die Präfektur in dieser Angelegenheit zu verklagen. Die Entscheidung, wie das Geld zurückerlangt wird, liegt jedoch bei Colterm, so der Bürgermeister. Für den Fall, dass die Bürger aus ihrer Tasche die Differenz werden zahlen müssen, meint Ciuhandu, dass diese die Präfektur selber verklagen können. Zurzeit liegt auf dem Tisch des Stadtrats jedoch ein weiteres Projekt vor. Dieses besagt, dass ab dem 1. August 2010 der Preis der Gigakalorie auf 207 Lei erhöht werden soll. Darüber werden die Stadträte in der kommenden Zeit abstimmen.
Seinerseits legt Mircea B²cal², Präfekt des Kreises Temesch, den Temeswarern nahe, das Bürgermeisteramt zu verklagen. Als Grund dafür gibt er die „unglaublich schlechte Art und Weise“, in der Colterm bisher verwaltet wurde. Als Beispiel für das schwache Management gibt er die viel umstrittene Hütte am Semenik-Gebirge, die das Heizwerkunternehmen baut, sowie die Fußballmannschaft von Colterm an. Nur in diesen zwei Projekten soll viel Geld geflossen sein. „Ich glaube, die Temeswarer sollten den Bürgermeister verklagen. Mit den 17 Millionen will der Bürgermeister das Hotel am Semenik-Gebirge fertigstellen und ein Schwimmbecken für die Fußballmannschaft errichten. Das Geld wird mit Sicherheit nicht für Investitionen, die für die Stadtbürger von Nutzen sind, verwendet werden“, sagt Bacala.
Während sich der Disput zwischen Bürgermeisteramt und Präfektur austrägt, stellt der Vizebürgermeister Sorin Grindeanu ein neues Projekt vor: Der Preis der Wärmeenergie soll von den wohlhabenden Familien gänzlich gezahlt werden. Die Subventionen sollen nur noch jene, die wirklich in Nöten sind, erhalten. Wer genau als „wohlhabend“- und wie viel diese verdienen müssen, um in diese Kategorie eingegliedert zu werden, konnte Grindeanu nicht sagen. „Mann muss noch überlegen, wir müssen noch einige Berechnungen durchführen“, so der Vizebürgermeister. Was das für diejenigen heißt, die in den Augen der Verantwortlichen als wohlhabend gesehen werden: Der Preis der Gigakalorie wird sich für diese verdoppeln. Zurzeit soll der Realpreis der Gigakalorie 312 Lei betragen, die Bevölkerung zahlt – noch – 162 Lei. „70 Lei werden durch Staatssubventionen an Colterm gezahlt, 40 Lei pro Gigakalorie werden vom Bürgermeisteramt gezahlt. (Anm.d.Red.: Die Differenz sind wohl Verluste von Colterm). Falls die Regierung die Subventionen streicht, wird das Bürgermeisteramt sowieso nicht in der Lage sein, die Gesamtkosten zu tragen“, so Grindeanu. Aus diesem Grund soll eine sogenannte „Differenzierte Zahlung“ eingeführt werden.
Zurzeit sind es 90.000 Abonnenten in Temeswar, die am zentralen Heizwerksystem angeschlossen sind, so Grindeanu. Die Subventionen für Wärmeenergie, die in diesem Jahr vom Bürgermeisteramt getragen werden, erreichen 35 Millionen Lei.

Continental-Automotive: Ausbau auch in Rezessionszeiten

Gebäude auf der Martirilor-Straße in Temeswar: Seit dem Jahr 2000 Sitz der Forschungsabteilung
Foto: Zoltan Pazmany
Positive Bilanz nach zehn Jahren Rumänien
investition
Von Siegfried Thiel
Es sei nicht nur das Fest an und für sich etwas Besonderes, sondern „auch der gesamte Kontext“, sagte Ovidiu Gant, Abgeordneter des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, als er sich an die Anwesenden beim zehnjährigen Jubiläum der Continental Automotive wandte. Der Parlamentarier bezog sich dabei auf die wirtschaftliche Lage, die derzeit das gesamte Umfeld prägt. Vor zehn Jahren hatte Siemens ihre VDO-Sparte in Temeswar/Timisoara gegründet, 2007 wurde diese vom Reifen- und Systemhersteller Continental gekauft. Nun feierte Continental VDO in festlichem Rahmen ihr Jubiläum, anwesend waren Würdenträger aus Verwaltung und Politik, Diplomaten, Führungskräfte von Continental, Freunde und Partner des Unternehmens.
In dieser Zeitspanne hat die Automotive-Gruppe 180 Millionen Euro in Rumänien investiert und beschäftigt mittlerweile 4.000 Mitarbeiter, die in drei Forschungs- und Entwicklungszentren (Temeswar/Timisoara, Jassy/Iasi und Hermannstadt/Sibiu) sowie in zwei Produktionsniederlassungen in Temeswar und Hermannstadt tätig sind. Es seien zehn erfolgreiche Jahre gewesen und die stetige Expansion zeige „unser langfristiges Engagement in Rumänien und in der Region“, sagt Dr. Elmar Degenhart, Vorstandsvorsitzender bei Continental. Christian von Albrichsfeld, Leiter der Automotive Romania, wies darauf hin, dass Continental auch im Krisenjahr 2009 in Rumänien keinen einzigen Mitarbeiter entlassen hat; noch mehr das Unternehmen hat Personal eingestellt. 70 Prozent der Arbeitnehmer sind Ingenieure.
Meilensteine in der zehn Jahre alten Geschichte von VDO hat es wohl genug gegeben, nachdem 2000 Siemens VDO ins westrumänische Temeswar gekommen ist: Der eintausendste Mitarbeiter vor fünf Jahren, die Eröffnung neuer Forschungszentren, die Produktionsstätten, oder das ein Millionste Display, das vor wenigen Tagen vom Band der Temeswarer Produktionsstätte lief. Nicht zuletzt sei die 2007 erfolgte Übernahme durch die Continental AG erwähnt. Damals hatten nicht wenige bei Siemens mit Bedenken in die Zukunft geblickt – wie bei vielen Fusionen und Akquisitionen vermuteten sie, dass auch in ihrem Fall die Veränderung mit Arbeitsplatzabbau verbunden sein wird. Der Weg zum heutigen Unternehmen sei „von Herausforderungen geprägt gewesen, (…) doch wir haben unser gesetztes Ziel eingehalten, in Rumänien einen unserer HighTech-Standorte zu machen“, sagt Dr. Christian von Albrichsfeld, nicht nur im Kontext der mittlerweile verworfenen Bedenken so manchen Arbeitnehmers aus dem Jahr 2007. Die Worte des Direktors erhalten Substanz: Continental will nämlich in diesem Jahr allein in Rumänien in die Automotive-Sparte 30 Millionen Euro investieren, davon die Hälfte in die Niederlassung in Temeswar. Die Investitionen sind vorwiegend dem Forschung- und Entwicklungsbereich gedacht, aber auch in die Ausweitung der Produktion elektronischer Komponente.
Mit diesen Investitionen sind auch neue Arbeitsplätze verbunden: 2010 soll die Automotive-Belegschaft in Rumänien um 15 Prozent aufgestockt werden.



Mitarbeitervorteil - Affinität für Fremdsprachen

BZ-Interview mit Dr. Christian von Albrichsfeld, Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung, bei Continental-Automotive in Rumänien. Das Gespräch führte Siegfried Thiel.


Rumänien ist kein Billiglohnland mehr. 36 Prozent aller Manager aus der rumänischen Wirtschaft behaupten, dass Ihnen geeignetes Personal fehlt. Wie können Sie unter diesen Umständen in Rumänien effizient sein?
Wir haben schon frühzeitig erkannt, dass ein Mangel an geeigneten Arbeitskräften auftreten könnte, deshalb haben wir mit sechs Universitäten sehr enge Kontakte geknüpft. Wir arbeiten in Temeswar/Timisoara speziell mit der Politehnica-Universität gut zusammen. Da haben wir vier Laboratorien ausgestattet, arbeiten in der Definition der verschiedenen Curricula mit und kommen dadurch mit Studenten in Kontakt, die wir für unsere Produkte begeistern können. Durch Programme wie Sommerpraktika, oder Jobs neben dem Studium können wir sie an unsere Firma binden. Wir kommen somit über diesen Weg vor allem an gut qualifizierte Leute, speziell für unsere Entwicklungsaktivitäten, heran.

Sie sprachen die Entwicklungssparte an. Was hat sich bei Ihnen seit der Übernahme von Siemens VDO durch Continental konkret verändert?
Wir haben nach der Übernahme zusammen mit Continental eine Geschäftsstruktur aufgesetzt. In Rumänien haben wir Hermannstadt/Sibiu als Standort hinzubekommen. So können wir über Temeswar, Hermannstadt und Jassy die Aktivitäten sinnvoll aufteilen und somit eine höhere Effizienz in unserer Arbeit erzielen.

Was schätzen Sie ganz besonders von dem, was Sie in Temeswar bzw. in Rumänien erforscht oder geleistet haben?
Als Leiter einer Einheit versucht man dem Ganzen ein wenig einen eigenen Stempel aufzudrücken. Ich bin jetzt ein Jahr und paar Monate hier. Anfänglich versucht man erst einmal das Geschäft zu verstehen und voranzutreiben. Ein wesentliches Element meiner Arbeit im letzten Jahr bestand darin, in der Krise, die wir hatten, in Rumänien die Stabilität zu bewahren. D.h. - trotz einbrechender Umsätze weltweit - den Mitarbeitern noch genügend Arbeit zu verschaffen und hier immer noch den Ausbau der Tätigkeiten fortzusetzen. Das ist uns sehr gut gelungen – wir haben in ganz Rumänien niemanden entlassen müssen und an einzelnen Stellen, wo es erforderlich war, sogar zusätzlich noch Leute eingestellt. Und dies war für das vergangene Jahr eine meiner Hauptaktivitäten und meine Hauptzielsetzung.

Und wenn Sie nun gezielt an Produkte denken…
Was die Produktpalette betrifft, arbeiten wir noch sehr stark weltweit in unserem Verbund. Es ist eher das Thema Kompetenzausbau. Wir versuchen also sehr stark die Kompetenzen zu fördern, um in Rumänien eine gesamte Produktpalette entwickeln zu können, die weltweit benötigt wird. Sicherlich kann man sich vorstellen, dass man in Zukunft auch lokale Kunden bedient. Z.B. spezielle Produktgruppen für Dacia in Rumänien entwickelt und vor Ort auch fertigt.

Sie sprechen hier von Zukunftsplänen. Kann man die zeitlich eingrenzen?
Wir sind mit Dacia in engen Kontakten und versuchen, gemeinsam eine möglichst effiziente Zusammenarbeit zu erwirken; momentan sind wir diesbezüglich noch in der Gesprächsphase.

Nennen Sie drei Standortvorteile in Rumänien...
Wir haben in unseren Betrieben engagierte junge Menschen, die wissbegierig und sehr engagiert sind. Damit können sie sich selbst und auch ihr Land voranbringen. Das gilt für Gesamtrumänien. Im Banat und in Siebenbürgen haben wir auch den großen Vorteil, dass wir hier eine sehr große Affinität zu Fremdsprachen haben. Die Leute beherrschen mehrere Sprachen, weil sie in einem interkulturellen Umfeld aufgewachsen sind. Eben diese kulturelle Vielfalt bedeutet uns sehr viel.

Und die Negativpunkte des Standortes Rumänien?
Da wäre vor allem die Infrastruktur zu erwähnen. Den Straßenbau muss man vorantreiben, damit die relativ geringen Entfernungen auf der Karte auch zeitlich kurz werden. Dazu käme das Thema Bürokratie, da müssen wir nur täglich den Fernseher einschalten. Das ist ein Thema, das jetzt auch stark im politischen Fokus steht. Es besteht einfach zu viel Staat und zu viele Verordnungen, wo man auch noch Wesentliches verändern könnte. Wichtig ist auch, dass man im Bildungssystem die Qualität aufrechterhält. Es ist gefährlich, wenn wir in einem Land kein duales Bildungssystem haben. Die Leute können nur auf die Uni gehen oder direkt in die Firma. Es gibt zu wenig Alternativen. Die praktisch veranlagten Jugendlichen sind somit gezwungen, ebenfalls auf die Universität zu gehen. Letztendlich haben wir auch damit die Schwierigkeit, dass wir z.B. keine ausgebildeten Arbeiter finden oder keinen Vorarbeiter – also Meister, wie wir ihn bei uns nennen würden.

Emotionen und Tränen am letzten Schultag

30 Schüler schlossen in diesem Jahr das Gerhardinum-Lyzeum ab.
Foto: Zoltán Pázmány


30 Gerhardinum-Schüler verließen die Schulbänke
Von Raluca Nelepcu

Groß war die Aufregung, als sich die Klassenlehrerin Mihaela Petric zum letzten Mal ans Katheder setzte und den Absolventen des Gerhardinum-Lyzeums Ratschläge fürs Leben gab. Die Mädchen hatten Tränen in den Augen und ein Junge meinte, „ein wenig erkältet zu sein“, als er seine Nase mit einem Papiertaschentuch wischte. „Heute hat sich für euch das Tor der Kindheit geschlossen. Ihr sollt niemals vergessen, für eure Eltern zu beten, die euch ununterbrochen unterstützt haben. Und behaltet im Herzen einen Platz für die schönen Erinnerungen“, sagte Musiklehrerin Ildiko Draskovits, die zusammen mit der elften Klasse des römisch-katholischen Lyzeums in Temeswar/Timi{oara ein Lied für die Absolventen einstudiert hatte.
30 Schüler verließen vergangene Woche die Bänke des Gerhardinum-Lyzeums. „Wir hatten in diesem Schuljahr zwei Abschlussklassen mit Unterricht in rumänischer und ungarischer Sprache“, sagte Schulleiterin Ilona Iakab. Voller Emotionen war der Tag, an dem Mädchen und Jungen feierlich gekleidet in die Schule kamen, um von einander Abschied zu nehmen. Mit einem Lied wurden sie empfangen, als sie ihr Klassenraum – zum letzten Mal als Schüler - betraten. „Ich verabschiede mich jetzt, aber ich werde euch für immer in Erinnerung behalten“, sangen die jüngeren Schüler. Das Lied der rumänischen Musikgruppe Holograf hieß „R²mas bun“/“Abschied“. Emotionen schwebten in der Luft und sogar die Eltern, die nun ausnahmsweise am Unterricht teilnehmen durften, ließen sich mitnehmen.
Das „Gerhardinum“ im Zentrum von Temeswar ist das römisch-katholische Lyzeum der Temeswarer Diözese. Es funktioniert nun in dem historischen Gebäude, in dem bis zum Zweiten Weltkrieg das Gymnasium des Piaristenordens untergebracht war. Der Gebäudekomplex wurde nach den Plänen des Temeswarer Architekten László Székely gebaut. „Wir versuchen, die Piaristentradition fortzusetzen. Besonderes Augenmerk gilt der christlichen Erziehung“, sagt Ilona Iakab. Die Mehrheit der Schüler ist römisch-katholisch, jedoch niemand wird ausgeschlossen. „Alle müssen die katholischen Normen akzeptieren und respektieren“, erklärt die Schulleiterin. 127 Schüler besuchen derzeit das Lyzeum. „In unserer Schule sind sieben Ethnien vertreten“, sagt Ilona Iakab. Eines der Prinzipien der Piaristen war nämlich, niemanden auszuschließen, egal, welcher Religion oder Ethnie er angehörte. 28 Mitarbeiter sind innerhalb des „Gerhardinums“ tätig, davon 17 Lehrer, die die Schüler in den verschiedensten Fächern unterrichten. Der Fremdsprache Deutsch wird besondere Bedeutung beigemessen, lässt die Direktorin wissen. „Ein Gerhardinum-Schüler bekommt zusätzlich eine spirituelle Erziehung. Er lernt, die religiösen und menschlichen Werte zu schätzen. Wir hoffen im nächsten Jahr auf mehr Schüler“, sagt Ilona Iakab.
Auf die Absolventen des Gerhardinum-Lyzeums kommt nun eine neue Zeit voller Aufregung zu. Sie müssen sich dieser Tage für eine Fakultät entscheiden. Möglichkeiten gibt es in Temeswar reichlich. Die meisten entscheiden sich für die Fremdsprachenabteilungen der West-Universität, aber auch die Fakultät für Medizin und Pharmazeutik sowie die TU Politehnica sind gute Alternativen, lässt die Schulleiterin wissen.

Roman-Hotel verkauft

Das Roman-Hotel, in den 70er Jahren im Naturschutzgebiet Domogled-Cerna-Tal direkt ins Flussbett der Cerna erbaut
Foto: Wikpedia
Ob es auch zeitgerecht bezahlt wird?
wk. Herkulesbad - Seit geraumer Zeit versucht die Direktion für Öffentliche Finanzen und Staatskontrolle der Finanzen des Verwaltungskreises Karasch-Severin (DGFPCFS), die Hotels Roman und Afrodita der SC Hercules SA/SC Argirom International SA zu verkaufen, um die Steuerschulden einzutreiben, welche vom vor sieben Jahren privatisierten Bade- und Kurunternehmen in Herkulesbad/Baile Herculane angehäuft wurden. Im zweiten Anlauf ist es nun anscheinend gelungen, einen Interessenten für das Hotel Roman zu gewinnen.
Die Kompanie Casito Aerotransport aus Hunedoara hat die Garantiesumme von 10 Prozent des Verkaufspreises hinterlegt und muss nun, als einziger Anbieter, binnen fünf Tagen die gesamte Kaufsumme überweisen.
Ursprünglich war das Hotel Roman auf 11,519 Millionen Lei geschätzt worden. Zu diesem Preis hat sich kein Interessent zur öffentlichen Ausschreibung eingestellt und nach einer rund 25prozentigen Abwertung auf 8,6 Millionen Lei meldete sich die Firma aus Hunedoara beim zweiten Termin und schlug zu. Allerdings gibt es leise Zweifel an der Zahlungswilligkeit des Kaufinteressierten, weil bislang noch kein Geld – außer der „Anzahlung“ von 860.000 Lei, die zur Ausschreibungsteilnahme berechtigte – überwiesen wurde. Sollte das Geld nicht auf dem Konto des Fiskus eintreffen – obwohl man bei DGFPCFS bei triftigen Gründen auch mit einer Stundung einverstanden sein könnte, heißt es -, gibt es eine neuerliche Ausschreibung, mit einer weiteren Preisverminderung „von bis zu 25 Prozent", wird seitens der Ausschreibers verlautet.
Die Stadtverwaltung von Herkulesbad hat über Bürgermeister Nicu{or Vasilescu bekanntmachen lassen: „In unseren Augen beginnt erst mit diesen Verkäufen die wahre Privatisierung der Anlagen und Einrichtungen des Badekurorts. Was Argirom International über die SC Hercules SA gemacht hat, das war ein sträfliches Verfallenlassen des Kulturguts des ältesten Badekurorts Rumäniens, der einst zu den „Perlen der Monarchie“ (Kaiser Fraz Joseph I) gehört hat.“
Der Kurort Herkulesbad wurde, wie bereits berichtet, unter der PSD-Regierung (2000-2004) des Adrian N²stase vom seinerzeitigen Tourismusminister Dan Matei Agathon an beider PSD-Parteigenossen Iosif Armas (dem Hauptaktionär der SC Argirom International und Schwiegersohn eines Ex-Leibarztes von Nicolae Ceausescu und ehemaligen Gesundheitsministers) in „Direktverhandlungen“ verschachert. In der Folge erdreistete sich die „Käuferfirma“ (zu deren Hauptaktionären auch weitere „prominente“ PSD-Spitzenleute gehören, unter anderen ein Ex-Justizminister seitens der PSD), keinen der im Verkaufsprotokoll zusammengefassten Artikel zu respektieren, einschließlich die Verpflichtung zu ignorieren, für die Geschäfte der Hotels Steuern und Gebühren zu entrichten. Auch wurde nicht ein einziges der historischen Hotels des Kurorts, wie in der Kaufverpflichtung vorgesehen, renoviert, was heute den absolut desolaten Zustand des Kurorts bestimmt. Seit Jahren schon wird rumänienweit die Rückgängigmachung des seinerzeitigen „Verkaufs“ unter Parteikumpanen erfolglos gefordert.