Montag, 12. Juli 2010

Der Interpretation freien Lauf gelassen

Krisenpressekonferenz: Coriolan Gârboni, Direktor der Philharmonie, Attila Balázs, Leiter des Ungarischen Staatstheaters und Lucian Varsandan, Intendant des DSTT
Foto: Titus Balan


Kultureinrichtungen bangen um Personal und Existenz
Von Siegfried Thiel
Die Bezahlung stand wohl nie als Motivationsfaktor, dann kam eine 25prozentige Gehaltskürzung hinzu und nun steht so manche Stelle auf der Kippe. Viele der Schauspieler am Deutschen Staatstheater in Temeswar/Timisoara würden liebend gerne nur noch Trauerspiele aufführen. Nicht nur Stellen, sondern das gesamte Theater ist gefährdet. Nicht anders am Ungarischen Staatstheater und an der Banatul-Philharmonie in Temeswar.
Durch die kürzlich verabschiedete Regierungsverordnung Nr. 63 / 2010 wird den Behörden der öffentlichen Verwaltung eine maximale Anzahl von öffentlich Bediensteten vorgeschrieben. Davon betroffen könnten auch die Kultureinrichtungen in der Trägerschaft der Städte und Kreise sein. Da die Stadt Temeswar die drei Kultureinrichtungen in seiner Trägerschaft finanziert könnte durch diese Maßnahme auch die Tätigkeit oder sogar die Existenz dieser Einrichtungen beeinträchtigt oder sogar in Frage gestellt werden. 25 Prozent des Personals soll entlassen werden, so die Hiobsbotschaft kurz vor Redaktionsschluss der BZ.
Die gesamte Verordnung und ihre Anwendung lässt jedoch der Interpretation freien Lauf. Es wird nämlich keinen Unterschied gemacht, zwischen Städten, in denen sich Kultureinrichtungen in der Trägerschaft der Kommune befinden und in denen es solche nicht gibt. Außerdem sagt die Normativakte, das Personal betreffe außer dem Personal des Bürgermeisteramtes öffentliche kommunale Einrichtungen, die durch Beschluss der Kommunalbehörden gegründet wurden. Dies ist jedoch weder bei der Philharmonie noch bei den beiden Theatern in den Sprachen der Minderheiten der Fall. Und nicht zuletzt: Der Begriff „Kultur“ kommt in der Normativakte gar nicht vor. Die freie Interpretation der Regierungsverordnung geht also weiter.

BANAT AKTUELL

Warmwasser auch nachtsüber
Temeswar - Von Tag zu Tag Veränderungen beim Temeswarer Heizwerk Colterm: Das Warmwasser wird nun doch auch nachts aus den Wasserhähnen fließen. Dies gab der Direktor des Heizwerks, Aurel Matei, vor Kurzem bekannt. Es soll zu einer Vereinbarung mit dem Gaslieferanten OMV Petrom Gas gekommen sein. Das Heizwerk hat in den vergangenen Monaten Schulden an den Gaslieferanten angesammelt, nun konnte ein Teil davon abbezahlt werden. Ein Teil des Geldes sind Subventionen, die vom Stadtrat gekommen sind, ein Teil wurde von den Nutznießern von Colterm eingesammelt.
(oi)

Hinter den Kulissen
Temeswar - Temeswarer Kulturfreunde aufgepasst: Wer einen Einblick in das Theaterleben hinter den Kulissen bekommen will, der kann im Zeitraum 19. - 30. Juli an einem Theaterseminar mit den Schauspielern Eugen Jebeleanu (Rumänien) und Yann Verburgh (Frankreich) teilnehmen. Der Theaterworkshop umfasst mehrere Sprech-, Improvisations- und Atmungsübungen und wird von Montag bis Freitag, zwischen 14 und 18 Uhr beim Sitz des Temeswarer Vereins „SporTim Dance“ im Stadtviertel Dâmbovita (Vulturilor-Straße Nr. 50) abgehalten. Mitwirken können alle Theaterliebhaber ab 14 Jahre. Die Teilnahmegebühr beträgt 140 Euro. Interessenten können sich per Mail (
yannverburgh@hotmail.fr, eugen.jebeleanu@yahoo.com) anmelden. Veranstalter des Workshops ist das französische Kulturzentrum in Temeswar/Timisoara. (as)

Neue Geburtsklinik
Temeswar - Der Temescher Kreisrat plant den Bau einer neuen Geburtsklinik in Temeswar. Diese soll laut dem Vorsitzenden des Temescher Kreisrats, Constantin Ostaficiuc, in der freien Zone zwischen dem Temeswarer Kreiskrankenhaus, den neuen ANL-Wohnblocks für Jungärzte und der Klinik „Casa Austria“ entstehen. Hauptgrund dafür ist der Wunsch, auf dieser Fläche, die sich eigentlich im Besitz des Temeswarer Stadtrates befindet, einen funktionalen medizinischen Komplex ins Leben zu rufen. Ein weiterer Grund wäre der, dass die dringlichen Sanierungsarbeiten an der alten Geburtsklinik „Bega“ sicher mehr Geld verschlingen würden, als dieser Neubau kosten würde.
(bw)


Verbotene Objekte gefunden
Temeswar - Ein Kontrollkorps der Haftanstalten Arad, Diemrich/Deva und Großwardein/Oradea hat vor Kurzem das Gefängnis an der Popa-Sapca-Straße in Temeswar/Timisoara durchsucht. Bei der Kontrolle wurden bei den Insassen verschiedene verbotene Objekte gefunden, darunter drei Mobiltelefone, ein Mp3-Player, 30 Messer, 18 Scheren, Medikamente, Schraubenzieher, Ahle, Hammer und andere Werkzeuge. 150 Agenten und 18 Gendarmen haben die Haftanstalt unter die Lupe genommen. Die Generalkontrolle wurde von Ioan B²la, Generaldirektor der Nationalverwaltung der Haftanstalten und ehemaliger Leiter des Temeswarer Gefängnisses, verordnet.
(rn)

TEMESWAR EMPFEHLEN (4)

Árpád László (24) ist Redakteur der ungarischen Regional-Tageszeitung „Nyugati Jelen“. Der gebürtige Temeswarer lebt im Stadtteil „Modern“.

Zum Sehen: Das International Romani Art Festival (IRAF) vom 22. bis zum 25. Juli 2010 im Capitol-Freilichtkino. Am Donnerstag, dem 22. Juli, gibt es Filmprojektionen, am Samstag und Sonntag Foto-Ausstellungen über die Roma-Ethnie und spektakuläre Feuershows.

Zum Hören: Im Rahmen des IRAF treten verschiedene Bands auf. Für Musik und gute Unterhaltung sorgen unter anderen Balkan Beat Box (USA), Antwerp Gipsy Ska Orchestra (Belgien) und Dubioza Kolektiv (Bosnien).

Zum Genießen:
Ein Gulasch beim Plai-Festival (10.-12. September) im Dorfmuseum. Wer sich aber bis dann nicht gedulden kann, der kann zu McDonald´s gehen und sich da einen frischen Gemüsesalat bestellen.

Wenn der Jazz vorbei ist, starten die Motorräder

EnduRo-Fahrer in Weidenthal. Die Fahrt über holprige Straßen und Hügel ist für die Biker ein Genuss.
Foto: www.enduromania.net


EnduRoMania – 100. Veranstaltung in Weidenthal
Das samtige Schnurren und wilde Fauchen der EnduRo-Motorräder wird in diesem Sommer zum hundertsten Mal auf den Wiesen, Hügeln und durch die Wälder des Banater Berglands zu hören sein. Etwa 150 Teilnehmer werden am 25. Juli, gleich nach dem Jazzfest in Wolfsberg/Garâna, in der deutsch-böhmischen Ortschaft Weidenthal/Brebu Nou erwartet, wenn EnduRoMania seine hundertste Veranstaltung feiert. Leidenschaftliche EnduRo-Fahrer aus Deutschland, Österreich, Polen, Tschechien, Schweden, Rumänien oder der Schweiz werden bei der Jubiläumsveranstaltung anwesend sein. Sie fühlen sich wie zu Hause in Weidenthal, denn seit der ersten Veranstaltung 1995 kommen sie regelmäßig hierher. „EnduRoMania“ steht nämlich für Völkerverständigung und Umweltfreundlichkeit.
„Es ist ein besonderer Anlass für uns. Alle Teilnehmer werden eine Medaille und ein Jubiläumsdiplom bekommen. Diese Veranstaltung soll in Erinnerung bleiben“, sagt Sergio Morariu, der Vater von EnduRoMania in Rumänien, wie er oft genannt wird. Der Wasserbauingenieur, Wirtschaftsförderer und EnduRo-Fan veranstaltete die EnduRo-Treffen Jahre lang in der ehemaligen Weidenthaler Schule. Nun haben die EnduRo-Fahrer seit einigen Jahren ihr eigenes Stammhaus. Auch andere Unterkunftsmöglichkeiten werden im Dorf angeboten.
Die EnduRo-Fans haben in Weidenthal volles Programm. Die Termine sind so festgelegt, dass die Anfahrt Freitag, Samstag oder Sonntag erfolgen kann. Sonntagabend findet eine Kennenlernrunde statt. Von Montag bis Freitag läuft dann das EnduRoMania-Aktivprogramm. Freitagabend werden die Resultate bekannt gegeben - die Siegerehrung findet statt. Am Samstag, dem 31. Juli, geht die Veranstaltung zu Ende.
Die hundertste Veranstaltung von EnduRoMania soll aber auch andere Zwecke haben. Laut Sergio Morariu versucht man in Zusammenarbeit mit dem Kreisrat Karasch-Severin/Caras-Severin, mit dem Umweltschutzamt und mit der Koalition für Schutzgebiete Natura 2000 eine Regelung zu erhalten, damit EnduRoMania als touristisches Angebot gefördert werden kann. Weitere Infos können von
www.enduromania.net abgerufen werden.
Andreea Oance

Jazz in Wolfsberg 2010

Béla Fleck wird mit seinem Banjo das Publikum verzaubern.


Konzerte von Donnerstag bis Sonntag
Wenn sich wieder Zelt an Zelt reiht und Autoschlangen fast die ganze Straße blockieren, dann weiß man, es ist wieder Zeit für das Internationale Jazz-Festival in Wolfsberg/Garana. An der Straße, die nach Wolfsberg und Weidenthal/Brebu Nou führt, erstreckt sich vor der Einfahrt ins deutsch-böhmische Dorf die Wolfswiese. Von dort aus, von der Freilichtbühne, werden am Wochenende zwischen dem 22. und dem 25. Juli erneut internationale Töne erklingen, wenn das 14. Jazz-Fest in Wolfsberg stattfindet.
In der Eröffnung wird am Donnerstag die rumänische Gruppe Funky Growl auf die Bühne treten. Elina Duni-Quartett aus der Schweiz und die Norwegen Terie Rypdal/Miroslav Vitous/Gerald Cleaver treten noch am selben Abend auf. Der Freitagabend ist Béla Fleck, Zakir Hussain&Edgar Meyer aus den USA vorbehalten. Das Festival geht weiter und bringt am Samstag weitere Namen der internationalen Musikszene auf die Wolfswiese. Marcin Wasilewski-Trio aus Polen, Brederode-Quartett aus Holland, das österreichische Muthspiel-Trio und Djabe aus Ungarn – alle werden sich die Bühne am Samstag teilen. Der letzte Tag des Festivals bringt vor das Publikum die legendäre Temeswarer Bega-Blues-Band. Aufspielen werden anschließend Patricia Barber (USA), Dan Berglund´s Tonbruket aus Schweden und Tryge Seim&Frode Haltli aus Norwegen.
Wer all diese Künstler live erleben möchte, der muss in diesem Jahr für eine Tageskarte 50 Lei ausgeben. Eine Ermäßigung bekommen diejenigen, die sich für ein Ticket für alle vier Festivaltage entscheiden. Ein solches Abo kostet 170 Lei und eine Wochenendkarte (Freitag-Samstag-Sonntag) 130 Lei. Jugendliche bis zum Alter von 14 Jahren haben freien Eintritt.
In derselben Zeitspanne findet erneut auch das Festival für altertümliche Musik in Weidenthal statt. Petru Iliesu wird aus diesem Anlass den Band „Der Jazz als Gemütszustand“/„Jazzul ca stare de spirit“ vorstellen.
Werner Kremm und Andreea Oance

Altbauwohnungen werden bevorzugt

Eine Drei-Zimmer-Wohnung in einem neuen Wohnblock am Ufer der Bega kostet ab 70.000 Euro. Kaum jemand erlaubt sich in Krisenzeiten, ein derartiges Appartement zu erwerben.
Foto: Raluca Nelepcu


Temeswar: Großstadt mit den billigsten Wohnungen Rumäniens
/ Von Andreea Oance

Die Preise der Immobilien in der größten westrumänischen Stadt sind so stark im Monat Juni gesunken, dass Temeswar/Timisoara nun die billigste Großtadt Rumäniens im Bereich der Wohnungen geworden ist.
Dieser Trend war schon in den letzten Monaten dieses Jahres absehbar, sodass der Durchschnittspreis eines Quadratmeters Nutzfläche um 4,5 Prozent gesunken ist. Der Unterschied zur gleichen Zeitspanne im vergangenen Jahr steht bei 12,6 Prozent. Die Preissenkung des letzten Monats wurde bei den alten Wohnungen registriert, minus 4,4 Prozent. Der Preis einer solchen Wohnung liegt nun bei 874 Euro für ein Quadratmeter Wohnfläche. Genauso wie im Monat Mai sind die Preise der Altbauwohnungen in Temeswar um 4, 4 Prozent geringer geworden, d.h. 860 Euro/Quadratmeter. Auch der Preis der neuen Wohnungen ist gesunken: - 3,8 Prozent und 904 Euro/Quadratmeter.
Das Portal der Immobilengeschäfte
www.imobiliare.ro zeigt, dass Temeswar bereits für den dritten aufeinander folgende Monat das niedrigste Preisniveau erreicht hat. Dies ist eine nie da gewesene Lage für den Banater Immobilienmarkt. Die Vertreter der Immobilienfirmen erkennen diese Lage, als einen Vorteil, da sie nun mehr Kunden gewonnen haben. „Es gibt sogar Kunden aus anderen Städten, die nun Wohnungen in Temeswar kaufen werden. Das Programm `Prima cas²´ hat uns auch viele Kunden in letzter Zeit gebracht“, sagt Geanina Indrie, Leiterin der Vermittlungsfirma „Elisabetin House“. Die Preise für die Drei-Zimmer-Wohnungen sind konstant geblieben, vor allem in den Stadtvierteln Circumvala]iunii, Girocului oder Soarelui. „Die Preise sind eher bei den Zwei-Zimmer-Wohnungen gesunken, die auch einen niedrigeren Komfort bieten. So kostet eine solche Wohnung ab etwa 50.000 Euro“, sagt die Immobilienmaklerin.
Auch für Kunden ist diese Lage einen Vorteil. „Man kann nun Wohnungen kaufen, von denen man im vergangenen Jahr nicht einmal träumen konnte. Zum Beispiel in Falle einer Neubauwohnung, die 2009 etwa 100.000 Euro kostete, kann man nun bei 70.000 Euro verhandeln“, sagt Anca B²rlu]iu. Die 25-jährige Temeswarerin kaufte sich neulich eine Wohnung an der Ausfahrt in Richtung Sackelhausen/Sacalaz. Dabei bekam sie auch den Parkplatz im Preis miteingeschlossen. Trotzdem werden in Temeswar weiterhin die Altbauwohnungen bevorzugt. „Ein Vorteil dieser ist die Lage, denn die meisten Neubauten befinden sich am Stadtrand und sogar die Qualität der Neubauten lässt zu wünschen übrig“, sagt Maklerin Geanina Indrie. Das weiß auch der 28-Ökonomist Mihai Iord²nescu. Er kaufte sich eine Drei-Zimmer-Wohnung in einem Altbauwohnblock am Begaufer unweit vom Nordbahnhof. Seine neue Wohnung ist komplett möbliert und bezahlte dafür insgesamt 62.000 Euro. „Den Preis haben wir von 65.000 Euro Ausgangspreis verhandelt“, sagt Iord²nescu.
Auch die Preise der sehr teuren neuen Wohnungen am Ufer der Bega in der Fabrikstadt wurden billiger. Eine Drei-Zimmer-Wohnung im neuen Wohnblock kostet etwa 70.000 Euro. Die Qualität lässt jedoch zu wünschen übrig: Für den Bau wurden die billigsten Baumaterialien aus Serbien erworben, verriet einer der Bauherren. So steht die Anfrage vor allem bei den alten Wohnungen noch ziemlich hoch im Kurs.

Europäischer Literaturwettbewerb 2011

Der europäische Literaturwettbewerb 2011 wurde ausgeschrieben. Das Thema dieser Auflage lautet: „erwachen“. „Dieses Thema sollte nur eine erste Anregung für dich sein. Und möglichst nicht der Titel deiner Texte! Lass also deiner Phantasie freien Lauf! Sicherlich gibt es einiges, was du schon immer niederschreiben wolltest – Also, worauf wartest du noch?“, werben die Organisatoren auf www.literaturwerkstatt.at für den Wettbewerb.
Dieser richtet sich an Kinder und Jugendliche in Europa in zwei Alterskategorien: 8 bis 13 Jahre und 14 bis 18 Jahren. Der erste und zweite Preis in jeder der beiden Altersgruppen sind Gratis-Teilnahmen an den Schreibzeit-Literaturwerkstätten in Österreich. Eine Woche lang eigene Ideen zu Papier bringen, die Texte in der Gruppe besprechen, Ideen und Gedanken austauschen, um dann schließlich am Ende der Woche die Texte öffentlich zu präsentieren: Das wartet auf die Jugendlichen, die sich an den Literaturwerkstätten beteiligen. Weitere Hauptpreise sind Gutscheine für die ermäßigte Teilnahme an den internationalen „Schreibzeiten“. Die besten Texte werden in einem Buch und im Internet veröffentlicht. Eine feierliche Lesung mit den PreisträgerInnen findet im Frühjahr 2011 in Graz statt.
Die getippten Texte dürfen insgesamt nicht länger als zwölf Seiten und nur auf einer Seite bedruckt sein. Die Geschichten müssen an Jugend-Literatur-Werkstatt Graz, Elisabethstraße 30, 8010 Graz, Österreich oder an
erwachen@literaturwerkstatt.at geschickt werden. Einsendeschluss ist der 30. September 2010. (rn)

Der unendliche Wettbewerb

Es war einmal ein Jäger. Eines Tages war er einem Wildschwein auf der Spur. Auf einmal hörte er in einem Busch ein Geräusch. Er ging vorsichtig näher und sah ein Fuchsbaby. Es war ganz allein. Der Jäger konnte es nicht töten. Er hatte Mitleid und nahm es mit nach Hause.
Seitdem blieb der Fuchs beim Jäger. Sie wurden gute Freunde, aber beide machten immer einen großen Fehler. Sie unternahmen Wettbewerbe, um zu sehen, wer besser in bestimmten Sachen ist. Aber dabei schummelten sie jedes Mal. Zum Beispiel: Wer der beste Fischer war. Der Fuchs sprang ins Wasser und konnte viele Fische fangen, aber der Jäger nahm ihm die Fische immer, wenn der Fuchs wieder ins Wasser tauchte, weg. Oder umgekehrt. Die meisten Wettbewerbe waren Dummheiten. Sie zerstörten ihre Freundschaft umsonst. Eines Tages aber wollte der Fuchs den dummen Wettstreit beenden. Er ging zum Jäger und sagte seine Meinung: „Hör zu, wir sind gute Freunde. Du hast mich, als ich ein Baby war, gerettet und mich groß gezogen. Seitdem helfe ich dir beim Jagen oder beim Fischen. Aber jedes Mal machen wir dumme Wettbewerbe, um zu sehen, wer besser ist. Wir wissen beide, dass wir sowieso schummeln und unsere Zeit und Freundschaft vergolden. Wäre es nicht besser, mit diesen dummen Wettbewerben aufzuhören?“ Der Jäger antwortete schnell: „Fuchs, du hast recht. All diese Jahre haben wir nutzlose Wettbewerbe gemacht. Wofür? Um zu sehen, wer besser ist? Von nun an versprechen wir, dass wir keine Wettbewerbe mehr machen. Einverstanden?“
Ohne zu warten sagte der Fuchs: „Ja! Von nun an ist es Schluss mit den Wettbewerben. Keiner sagt mehr, dass er besser ist als der andere!“ Der Jäger dachte nach und sagte: „Gut, gut, aber du hörst von nun an auf mich!“ Der Fuchs fragte verärgert: „Und wieso? Weil du mein ´Herrchen´ bist?“ Der Jäger sagte stolz: „Nein. Weil ich der Größte von uns beiden bin“. Dem Fuchs war das zu viel. Er wollte Frieden, doch der Jäger wollte einen anderen Wettbewerb. Der Fuchs sagte zuletzt noch: „Schön! Wenn du einen Wettbewerb willst, wirst du einen auch kriegen!“ Seine Augen glühten vor Wut und er ging weg. Man hörte nur noch sein diabolisches Lachen und die zusammengeschlagene Tür. Der Fuchs kehrte nachts nicht heim. Aber dem Jäger war es gleichgültig. Am nächsten Tag kam der Fuchs nach Hause. „Jäger! Wach auf! Ich will dir zeigen, wer der Größte ist“, brüllte der Fuchs. Aber der Jäger lachte ihn nur aus. Der Fuchs nahm ihn bei der Hand und beide gingen in den Wald. Auf einmal standen sie vor einem großen Felsen. Der Jäger fragte sich, was er dort suchte. Der Fuchs kletterte hinauf und sagte zum Jäger: „Jetzt siehst du, wer der Größte ist! Ich habe gewonnen!“ Der Jäger wurde schwarz vor Wut und Neid. Er wollte gewinnen. „Das werden wir noch sehen. Du hast noch nicht gewonnen! Morgen wirst du sehen, wer der Gewinner ist!“ Der Fuchs sagte voller Stolz: „Na gut. Ist mir doch egal! Ich habe gewonnen, also bleibe ich hier, um meinen Sieg zu feiern!“ Der Jäger aber murmelte vor sich hin: „Das werden wir noch sehen.“ Wieder sahen sich die Beiden einen Tag lang nicht.
Am nächsten Tag aber rief der Jäger den Fuchs. Nach einigen Minuten kam der Fuchs und hatte einen Schock, als er den Jäger sah. Der Jäger hatte ein Haus auf großen Holzbeinen gebaut. Es war drei Meter groß. Der Fuchs staunte und begann, zu vor sich hin zu schimpfen. Aber dann grinste er und ging weg. Der Jäger ahnte nichts, aber er war schon neugierig, was der Fuchs gerade tat. Dann kam der Fuchs mit einer Säge. Der Jäger wollte herunterkommen, aber der Fuchs hatte schon einen Pfeiler abgehackt. Der Jäger sah ihn erschrocken zu. Auf einmal wackelte das Haus und puff! Alles fiel und das Haus wurde zu einem Haufen Holz. Mittendrin: Der Jäger. Der Fuchs lachte und lachte, aber der Jäger schaffte es, seinen Kopf heraus zu strecken und sagte: „Du, ich hatte mir etwas brechen können! Bist du verrückt? Jetzt erlebst du dein blaues Wunder! Wenn ich dich schnappe…! Komm her!“ Dabei erhob er auch die Hand und langsam kam er aus dem Holzhaufen heraus. Der Fuchs rannte schon los. „Du kriegst mich nicht! Ich bin schneller!” Der Jäger sagte: „Wetten, dass ich schneller bin?“ Und so rannte der Jäger dem Fuchs nach und beide wollten sehen, wer am schnellsten ist. Und vielleicht rennen sie auch heute noch.
Lehre: Wettbewerbe sollten nie eine Freundschaft zerstören! Und zweitens: Wettbewerbe sollen nicht unter Freunden stattfinden.
Ioana Ecaterina Berariu

Lenau-Schülerin bei Schreibwerkstatt in Graz dabei

Ioana Ecaterina Berariu hält sich diese Woche in Graz auf, wo sie zusammen mit gleichaltrigen Jugendlichen literarisch beschäftigt ist.
Foto: Andreea Oance



Ioana Ecaterina Berariu interessiert sich für Literatur
Aufsätze hat sie schon immer recht gern geschrieben, „lange Aufsätze, die dann die Lehrerin verbessert hat“, erinnert sich Ioana Ecaterina Berariu (13). Die Schülerin des Nikolaus-Lenau-Lyzeums in Temeswar/Timisoara hat ein Hobby, das sie von vielen Jugendlichen in ihrem Alter unterschiedet: Sie interessiert sich für Literatur.
Diese Woche verbringt die Achtklässlerin in Graz, Österreich, wo sie an einer Schreibwerkstatt teilnimmt. „Schreibzeit Graz“ heißt die einwöchige internationale Werkstatt für 8- bis 13-jährige Deutsch sprechende Schüler, bei der nun auch Ioana zum ersten Mal dabei ist. Zehn SchülerInnen arbeiten diese Woche zusammen, um ihre Kreativität zu nutzen und literarische Texte zu schaffen. Und das Programm umfasst ganz viel Schreiben: Gleich nach dem Frühstück gibt es Schreibanregungen. Die Schüler nehmen dann Kuli und Papier in die Hand und machen sich an die Arbeit. Die Geschichten werden dann in der Gruppe vorgelesen und besprochen.
Ioana Ecaterina Berariu ist in diesem Jahr die einzige Rumänien-Vertreterin bei der Literaturwerkstatt in Graz. Das Ereignis wird vom Verein Jugend-Literatur-Werkstatt organisiert und hat als Ziel, junge Schreibende aus dem deutschsprachigen Raum zu fördern. Die einsame Beschäftigung des Schreibens wird dadurch zum Gemeinschaftserlebnis. „Ich erhoffe mir, konstruktive Kritik und Tipps zu bekommen, damit ich mich verbessere“, sagt das Mädchen.
Vor zwei Jahren hat Ioana Ecaterina Berariu zum ersten Mal beim europäischen Literaturwettbewerb mitgemacht. Ihre Mutter hatte damals eine Anzeige in der Schule gelesen und ihre Tochter zum Schreiben angeregt. Ioana machte auch 2008 und 2009 beim Wettbewerb mit, erzielte jedoch keinen Hauptpreis. „In diesem Jahr kam dann die Einladung, nach Graz zu fahren und bei dieser Werkstatt mitzumachen. Es ist eine einmalige Chance, deshalb habe ich gleich ´Ja` gesagt“, sagt Ioana. Das Mädchen hat als Kind Deutsch gelernt. In der Temescher Stadt Detta/Deta hat sie den deutschen Kindergarten besucht und sehr viel deutsches Fernsehen über Satellit geschaut. Die Schülerin, deren Mutter Bibliothekarin ist, liest gern Bücher in deutscher Sprache. In diesem Sommer muss sie für die Schule drei Bücher lesen. „Die Jugendlichen in meinem Alter lesen eher wenig und wenn, dann werden sie dazu gezwungen. Sie haben andere Beschäftigungen, wie zum Beispiel Computer“, sagt das Mädchen, das sich die Bücher in deutscher Sprache entweder von der Bibliothek, oder von Freunden aus Deutschland besorgt.
Demnächst plant Ioana Ecaterina Berariu, ein Buch herauszugeben. Sie schreibt gern Geschichten, in der oft auch eine Moral auftaucht. „Es sind nicht gerade Fabeln, aber schon belehrende Erzählungen“, erläutert sie. Die Schülerin arbeitet zurzeit an einem Roman, von dem fast 200 Seiten schon fertig sind.
Trotzdem will sie künftig nicht unbedingt einen Beruf ausüben, der mit Literatur zu tun hat. „Ich würde gern die Abteilung für Sozialwissenschaften des Lenau-Lyzeums besuchen und später vielleicht Medizin studieren. Gewiss irgendwo im Ausland“, verrät das Mädchen. Und wenn Ioana nicht schreibt, dann widmet sie sich verschiedenen Freizeitbeschäftigungen, die typisch für Lenau-Schüler sind: Sie hört Rockmusik und treibt Sport. „Ich würde gern auch mehr lesen, aber wegen den vielen Hausaufgaben bleibt mir dafür wenig Zeit übrig“, schließt Ioana Ecaterina Berariu.
Raluca Nelepcu

Keine Jobs für Sehbehinderte

Der erste Garten für Blinde in Rumänien befindet sich im Hof des Temeswarer Blindenvereins.
Foto: Raluca Nelepcu


Arbeitgeber zahlen lieber mehr an den Staat
Der erste Garten für Blinde wird derzeit am Sitz des Blindenvereins in Temeswar/Timisoara eingerichtet. Es ist der erste Garten dieser Art in Rumänien, der vom Temeswarer Verein zur Landschaftsgestaltung gebaut und mittels EU-Geldern finanziert wurde. Der Garten berücksichtigt die speziellen Belange der Blinden. Die Pflanzen sind zum Beriechen, Erfühlen und Ertasten. Ein Projekt, das das Bürgermeisteramt initiiert hat.
Doch dadurch werden die Probleme des Blindenvereins schon lange nicht gelöst: Der Mangel an Finanzierung, die viel zu wenigen Arbeitsplätze für Personen mit Sehbehinderung aber auch der Mangel an speziellen Straßenampeln für Blinde rücken ein tristes Phänomen in den Blickpunkt: Immer mehr Personen mit Sehbehinderung leben isoliert und können nicht in der Gesellschaft integriert werden. „Das Hauptproblem war schon immer das Geld. Jetzt ist es aber noch schlimmer geworden. Immer weniger Mitglieder haben einen festen Arbeitsplatz, sie finanzieren ihren Lebensunterhalt nur noch von der Spezialrente, das sind rund 700 Lei im Monat. Das reicht kaum aus“, erklärt der Leiter des Blindenvereins, Vasile Cristet. „Auch wenn ein Arbeitgeber einige Vorteile hat, wenn er eine Person mit Sehbehinderung einstellt, so tun es die meisten doch nicht. Sie zahlen lieber mehr Geld an den Staat. Viele Mitglieder des Vereins haben sich von der Gesellschaft distanziert. Sie bevorzugen, nur noch zu Hause zu bleiben“, lässt Vasile Cristet erkennen. Mit leichten Bewegungen ertastet er den Zettel auf seinem Tisch in Brailleschrift. An der Wand hinter ihm hängt ein Porträt von Louis Braille, dem Erfinder des nach ihm benannten Punktschriftsystems für Blinde. „Unser Blindenverein zählt insgesamt 3137 Mitglieder im Kreis Temesch und weitere 1.000 in Karasch-Severin. Nur 108 davon haben einen festen Job“, sagt Cristet, während seine Finger leicht über den gelblichen Zettel gleiten. So liest er seine Statistik. Die beschäftigten Vereinsmitglieder sind als Arbeiter, Masseure aber auch als Lehrer tätig. „Früher galten die Blinden als die besten Masseure“, erinnert sich Vasile Cristet. „Viele haben auch als Telefonisten gearbeitet, der Beruf stirbt aber mit der neuen Technologie langsam aus“, so Cristet. Ein weiteres Problem bildet der Mangel an speziellen Ampeln für Blinde bei Straßenüberquerungen: „Nur eine einzige Ampel gibt es in Temeswar, diese ist am 700er Markt“, sagt Cristet. Er hat mehrmals Anträge beim Bürgermeisteramt eingereicht, damit solche Ampel mindestens am B²lcescu-Platz unweit des Blindenvereins, eingerichtet werden. Die Ausrede war aber immer wieder die gleiche: Es gibt nicht genug Geld dafür. „An der Straßenüberquerung vor dem Kreiskrankenhaus hat es eine solche Ampel gegeben. Die Bewohner da haben sich jedoch beklagt, dass sie zu laut sei. So wurde die einfachste Lösung gefunden: Die Ampel wurde abgeschafft“, sagt der Vereinsleiter.
Bereits seit 15 Jahren leitet Vasile Cristet die Filiale des Blindenvereins in Temeswar. Der 66-Jährige ist mit fünf Jahren erblindet: Eine leichte Erkältung ließ seine Augen tränen. Innerhalb weniger Tagen hat sich sein Sehvermögen stark reduziert. Eine falsche medizinische Behandlung führte dazu, dass er zuerst das Sehvermögen am rechten Auge verlor. Kurze Zeit später mussten die Ärzte beide Augen amputieren. Nun trägt er eine Augenprothese. Resigniert hat Vasile Cristet trotz seines schweren Leidens jedoch nicht: 30 Jahre lang hat er als Telefonist im Rathaus Temeswar gearbeitet. Einen Job, zu dem er nie zu spät kommen durfte: „Ich fuhr auch auf den Treppen der überfüllten Straßenbahnen, nur um rechtzeitig in der Arbeit anzukommen“, erinnert er sich. „Ich habe mich von dem Job dort nur schwer trennen können“, so Cristet. „1995 haben mich aber viele gebeten, die Leitung des Blindenvereins zu übernehmen. So kam ich dazu“, erzählt der in Cebza geborene Mann. Durch regelmäßige Freizeitaktivitäten, Schach-Wettbewerbe aber auch verschiedene Ausflüge soll den Mitgliedern des Blindenvereins das Gemeinschaftsgefühl vermittelt werden. Zugleich stehen ihnen über 1.000 Audio-Bücher zur Verfügung, die sie sich zu Hause anhören können. Seit drei Monaten werden hier auch Selbstverteidigungskurse veranstaltet. Derzeit plant Vasile Cristet noch ein weiterer Ausflug nach Felix im August.
Ana Saliste

Donnerstag, 8. Juli 2010

Gerstensaft, Musik und Krisengeld


„Traditionelle Berufe“ für ein Traditionsgetränk
Foto: Zoltán Pázmány


Beim diesjährigen Bierfest in Temeswar notiert
Von Siegfried Thiel

Spiele und Wettbewerbe hat es diesmal mehr als sonst gegeben, die Preise waren ähnlich wie im Vorjahr und trotzdem war es kein Menschenauflauf. Allein an den Abenden, als bekannte Musikbands auftraten, war es berstend voll vor dem Dan-Paltinisanu-Stadion in Temeswar/Timisoara. „Sonntag Abend wurden wohl alle Rekorde gebrochen, was den Ansturm an Zuschauern betrifft“, sagte Raluca Ursu vom Eventmanager, der für die Pressearbeit beim Temeswarer Bierfest zuständig war. Von diesen Rekorden wird der Rumänienbeauftragte des Bundeslandes Hessen, Bernhard Hoffmann, in seiner Heimat nichts erzählen können. Der Deutsche hatte die Einladung der Veranstalter für eine gute Stunde wahrgenommen, bei der offiziellen Eröffnung dabei zu sein. Vom Treiben eines Bierfestes hatte er so gut wie gar nichts mitbekommen: Nur wenige Gäste waren am Freitag Mittag zugegen, als der stellvertretende Bürgermeister, Adrian Orza, die Präsenz des „Gastes aus Wiesbaden“ hervorhob, und sich kurz mit Hoffmann zusammensetzte. Letzerer ließ sich die Chance nicht entgehen, mit Camelia Panait, Group Brand Manager Ursus Breweries, zu sprechen. Dass sich eine Zusammenarbeit oder zumindest erste Kontakte zwischen der Pfungstädter Brauerei aus Hessen und jener in Temeswar ergeben könnten, ist seit vergangenem Wochenende nicht mehr ganz so abwegig.

Wir lassen nun das Volk zu Wort kommen: „Das Ambiente war ausgezeichnet“, „Man spürt die Krise. Es waren vergleichsweise weniger Schau- und Trinklustige da“, „Ich habe mich gefreut, dass weniger Teilnehmer da waren, denn so musste ich weder am Bier-, noch am Würstchenstand Schlange stehen“, „es waren diesmal sehr wenige Verkaufsstände mit Souvenirs – dies einige Stimmen nach und während des Bierfestes der Temeswarer Brauerei „Timisoreana“ in ihrer Heimatstadt. Die Karawane der Brauerei weilt in diesem Jahr in zehn Städten – in Temeswar war es die zweite Station. Eine Woche zuvor hatte der Timisoreana-Zug in Târgu-Jiu begonnen, kam dann nach Temeswar und weilt am kommenden Wochenende in Reschitza/Resita.

Zeitweilig wurde das Fest durch Wind, Regen, Blitz und Donner unterbrochen, eine Windhose machte den Verkäufern am Würstchenstand zu tun. Ihre Verkaufsaktivitäten hatten sich eh in überschaubaren Grenzen gehalten. Die Musikgruppen „Holograf“, „Pasarea Colibri“, „Zob“, „Cargo“, „Zero“ oder „Zdob si Zdub“, aber auch die Darstellung der traditionellen Berufe Bierbrauer, Bäcker und Schneider scheinen jedoch die Attraktion des Festes gewesen zu sein: Laut Raluca Ursu waren etwa 175.000 Menschen beim Fest dabei. Also mehr als jeder zweite Temeswarer und etwa genau so viele wie im Vorjahr.
„Wir spüren zwar auch die Wirtschaftskrise, trotzdem geht es uns im Vergleich zu vielen anderen noch recht gut“, hatte es bereits im vergangenen Jahr zum Thema Wirtschaftskrise und Bierkonsum geheißen. Mit „uns“ war „Ursus Breweries“, die Rumänienniederlassung der südafrikanischen SABMiller plc, gemeint, die auch in diesem Jahr – trotz Einbruch des rumänischen Biermarktes um 13 Prozent – klarer Branchenprimus ist. Absolute Spitzenwerte erreichen weiterhin die Biere aus Temeswar – etwa jeder siebte in Rumänien getrunkene Gerstensaft kommt aus der Brauerei, die die erste ihrer Art auf dem Gebiet des heutigen Rumäniens war. Das 1718 gegründete Unternehmen hat bereits in der zweiten Hälfte des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts erhielten Temeswarer Biere internationale Auszeichnungen. In den vergangenen Jahren kamen Gold- und Silbermedaillen bei der „Champion Lager Trophy“, den „Australian International Beer Awards“ und dem „World Beer Championship“ dazu.

TEMESWAR EMPFEHLEN

Frappé am Trajansplatz

Alin Zelenco (38) ist Ingenieur und leidenschaftlicher Fotograf. 2009 absolvierte er die Fotografie- und Filmabteilung von Prof. Onut Danciu an der Volkskunstschule in Temeswar. Seitdem sieht er seine Heimatstadt mit anderen Augen. Straßen, Parks und Gebäude präsentiert Alin Zelenco mit Hilfe seiner Fotokamera aus einer anderen, schöneren Perspektive.

Zum Sehen: Das Stefaniapalast – ein sehr elegantes Gebäude am Trajansplatz. Das Haus ist leicht zu erkennen: An der Straßenecke befindet sich ein Turm mit einem gerüsteten Halebardier, die Fassade an der Seite des Boulevards ist mit Bären und Gorillas verziert, aus diesem Grund ist das Gebäude auch als „Haus der Affen“ bekannt. 1918 wurde das Gebäude vom Generaldirektor der Fabrik „Die Industrie der Wolle A.G.“ Rudolf Totis gekauft. Er benannte das Haus nach seiner Ehefrau Stefania um.

Zum Hören: Am 30. Juli beginnt eine neue Auflage der House Parade in Temeswar: an der Arader Straße, auf der Nationalstraße 69 (Kilometer 2) im Wald. Das Festival dauert drei Tage. Die Fans der elektronischen Musik können sich daran kostenlos beteiligen. Sie können auch vor Ort im Camping gratis übernachten.

Zum Genießen: Mein spezielles Frappérezept. Das Rezept ist sehr lecker, einfach und schnell vorzubereiten. Alin Zelenco empfiehlt, die Köstlichkeit im Freien am historischen Trajansplatz zu genießen. Zutaten für sechs Portionen: Man nehme 9 Teelöffel löslichen Kaffee, 6 Teelöffel Zucker, 6 Vanilleeis-Kugeln und 6-12 Eiswürfeln und Sahne. Vorbereitung: Der Instantkaffee wird mit dem Zucker schrittweise mit Wasser zusammen gerührt, bis sich etwa ein Liter Kaffeekreme ergibt. Die Mischung wird dann in sechs Gläser bis zur Hälfte gegossen. Dazu kommen noch je eine Kugel Vanilleeis, 1-2 Eiswürfel und Sahne. Man steckt einen Strohalm hinein und serviert es eiskalt!

Kommunen wappnen sich gegen die Krise

Trotz schwerer Zeiten: Stadtväter sprechen von Glück

Die Wirtschaftskrise hat die Kommunen hart getroffen. Durch Firmenpleiten verlieren die Bürger ihre Arbeitsplätze, Investitionen werden eingestellt, während die Gemeindekassen schon längst aufgehört haben zu klingeln. Die Zukunft sieht nicht weniger düster aus. So und ähnlich schätzen viele die Lage in den Kommunen ein, deren Geldquellen überaus knapp bemessen scheinen: beim Steuern zahlenden Bürger, in den Betrieben und auch in Haushaltsplanungen übergeordneter Behörden. Sind die Kommunen des Verwaltungskreises Temesch/Timi{ für die schweren Zeiten gewappnet? Siegfried Thiel und Raluca Nelepcu wollten es wissen. Die BZ-Redakteure schickten ein Schreiben an die Bürgermeister der zehn Temescher Städte und fragten die Stadtväter, wie das Stadtleben so aussieht bzw. wie es mit den Regierungs- und EU-Fonds bestimmt ist. Nicht jeder Stadtvater hatte/nahm sich Zeit, unsere Anfrage auch zu beantworten...

„Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Kommunen werden immer stärker spürbar. Ein großes Tief wird es wohl im September-Oktober geben und ich glaube kaum an bessere Aussichten für das kommende Jahr. Die zahlreichen Entlassungen im privaten Sektor sind landesweit ein großes Problem“, sagt Marinel Pasca, Bürgermeister von Rekasch/Recas. Der Rekascher Stadtvater scheint aber trotzdem Glück gehabt zu haben: „Unsere Arbeitslosenzahl wird wohl nicht ansteigen. Die Krise ist an den Rekascher Weinstuben, unserem größten Arbeitgeber, knapp vorbeigegangen. Außerdem haben zwei Unternehmen Grundstücke gepachtet: Ab Herbst sollen eine Konservenfabrik und ein En-Gros-Lagerraum entstehen“. Was die Investitionen betrifft, so wird in diesem Jahr die Sanierung einiger Bildungseinrichtungen fortgeführt. „Im nächsten Jahr werden wir eine 8,5 Millionen Euro schwere Investition in die Wege leiten, die zum Großteil über EU-Mittel finanziert wird: Es geht um die Erneuerung des Wasser- und Kanalisationsnetzes sowie um den Bau einer Kläranlage“, sagt Marinel Pasca. Der Kommunalhaushalt ist in diesem Jahr trotz Krise um zehn Prozent höher als im vergangenen Jahr ausgefallen. Zum zweiten Mal Glück gehabt: „Die künftige Autobahn durchquert 18 Hektar, die der Stadt gehören und wofür wir mit einer Million Euro von der Rumänischen Autobahnengesellschaft entschädigt werden“, schließt Marinel Pasca.

Welche Krise denn?
„In Großsanktnikolaus/Sânnicolau Mare werden in diesem Jahr etwa 1.200 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Eigeneinnahmen der Kommune sind trotz allgemeiner Krisensituation von 2008 – 2010 jährlich gestiegen“, erläutert Bürgermeister Danut Groza und zieht als Fazit: „Bei uns gibt es keine Krise“. Eine österreichische Spedition hat sich vor Kurzem in Großsanktnikolaus niedergelassen und stellt gerade Fernfahrer ein. Der Bau eines Schlachthofes, eines Photovoltaik-Parks, eines Unternehmens zur Herstellung von Kartonverpackungen und eines zur Produktion von Plastikrohren sind geplant. In den meisten Fällen hat die Kommune bereits die Mietflächen für die Investitionen bereit gestellt. Über Regierungsgelder wird im kommenden Jahr oder möglicherweise schon in diesem Herbst das Siedlungswassernetz in der westrumänischen Kleinstadt ausgebaut. Aus gleicher Quelle kommen Fonds zur Renovierung von Straßen und Gehsteigen. Beide Großprojekte belaufen sich auf insgesamt 40 Millionen Euro.

Schulden von der Ex-Verwaltung
Die Fonds, die Stadt in diesem Jahr in Fatschet/Faget zur Verfügung stehen, sind erheblich geringer als 2009. Dies geht darauf zurück, dass der Haushalt niedriger angesetzt ist und die Gebühren und Steuern bei 70 Prozent unter den Summen von 2009 liegen. Trotzdem werde die Stadt Investitionen tätigen, sagte der Vizebürgermeister Vasile Sita.
Das größte Problem sei, dass keine Investoren in Aussicht stehen, die das Personal auffangen könnten, das beim Schuhhersteller Rieker entlassen wurden. Die Stadt verfügt derzeit über Projekte, die durch Regierungsgelder finanziert werden. Die Schwierigkeiten würden jedoch darin liegen, dass zum Einen die Machbarkeitsstudien äußerst kostspielig sind und zum Andern auch das Geld fehlt, um den Eigenbeitrag der Kommunen an den Projekten zu leisten. „Da die Ex-Verwaltung uns Schulden hinterlassen hat, konnten wir die Kommunalstraßen aus der Stadt in die eingemeindeten Dörfer nicht realisieren“, sagt der Fatscheter Vizebürgermeister.

Firmen stehen gut da
„Wir sind in der glücklichen Lage, dass die großen in Hatzfelfd/Jimbolia angesiedelten Firmen gut dastehen und die Arbeitsplätze nicht gefährdet sind“. Zum Vergleich: „Mit dem Kommunalhaushalt sieht es nicht so optimistisch aus“, sagt Bürgermeister Kaba Gabor.
Sanierung des Altenheims, Reparaturen an der Trinkwasseraufbereitungsanlage der Stadt oder Parkanlegung - dies sind die Großprojekte, die derzeit in der Stadt laufen. Die Modernisierung des städtischen Krankenhauses, ein Überwachungssystem für die Stadt, die Einrichtung eines Erholungszentrums oder ein grenzüberschreitendes Umweltprojekt gehören derzeit zu den wichtigsten Unterfangen, die in Hatzfeld geplant sind. Die Finanzierung über Regional-Programme und Regierungsgelder sichern die Fonds für die meisten derzeit laufenden Projekte. Dieselben Quellen sollen auch in Zukunft den Großteil der Finanzierungen decken.

Prioritär: Thermische Isolierung der Hochhäuser
In Lugosch/ Lugoj, der zweitgrößten Stadt des Verwaltungskreises Temesch, sieht die Situation nicht besonders rosig aus. Die Schließung einiger Traditionsfirmen, wie zum Beispiel die Schuhfabrik „Rieker“, sowie der Rückgang der Tätigkeit in anderen Unternehmen hinterlässt schon Spuren, meint Bürgermeister Francisc Boldea. Und trotzdem: „Wir haben es geschafft, alle begonnenen Projekte umzusetzen und neue Investitionen zu tätigen. Dies war nur deshalb möglich, weil wir den Kommunalhaushalt gut durchdacht und Regierungs- bzw. EU-Fonds angezapft haben“, sagt der Stadtvater. Ein Unterfangen, das ihm besonders am Herzen liegt, ist die thermische Isolierung der Wohnblocks: 25 solcher Bauten wurden seit seinem Amtsantritt 2008 isoliert. Ein besonderes Projekt ist die Einrichtung einer Freizeitanlage an der Temesch (die BZ berichtete) sowie die Kunstbeleuchtung aller Kirchen in der Stadt. „Besonders Augenmerk gilt dem Bildungswesen. Ich bin froh, dass ich allen Mitarbeitern im Bildungswesen die Geschenktickets und das 13. Gehalt geben konnte“, sagt der ehemalige Schulinspektor. Die Erneuerung des Wasser- und Kanalisationsnetzes, Straßensanierungen und die Einrichtung von Parkplätzen stehen weiterhin auf der Agenda des Lugoscher Bürgermeisters. „Wir haben bisher neun Projekte aus EU-Mitteln umsetzen können, weitere fünf aus den Bereichen Umwelt, Gesundheit, Verwaltung und Soziales befinden sich zurzeit in der Evaluationsphase“, sagt Francisc Boldea. Regierungsfonds fließen in den Bau einer Kläranlage und in die Erneuerung des Wasser- und Kanalisationsnetzes. „Wir haben trotz Krise und Sparmaßnahmen bei den verschiedenen Ministerien Anträge für Projekte eingereicht. Es ist aber unsicher, ob wir diese Investitionen umsetzen können. Wir bräuchten Regierungsfonds für Straßensanierungen in der eingemeindeten Ortschaft M²guri, für die Erweiterung des Kanalisationsnetzes nach M²guri und Tapia und weitere Gelder für die thermische Isolierung der Wohnblocks“, sagt Francisc Boldea.

Detta und Opatita warten noch
In der Kasse der Kleinstadt Detta/Deta sieht es zurzeit nicht besonders gut aus. Ein 1,5 Millionen Euro schweres Kulturhaus hätte hier entstehen sollen, die Investition wurde jedoch wegen mangelnder Mittel eingestellt. Ein weiteres Projekt, das ebenfalls abgebrochen werden könnte, ist die Renovierung und Modernisierung des Kulturheims im eingemeindeten Opatita. Hier wird zurzeit eine Sportanlage gebaut – dass weiterhin Regierungsgelder fließen werden, ist zurzeit noch ungewiss. „In der Zeitspanne 2005 – 2008 wurden vier Projekte mit nicht rückzuzahlende Fonds finanziert und umgesetzt“, antwortet Petru Roman, Bürgermeister von Detta, auf die BZ-Umfrage. 2007 wurde eine Dienststelle für EU-Projekte mit vier Angestellten ins Leben gerufen. Dadurch kamen 400.000 Euro über europäische Programme und zwei Millionen Euro über nationale Programme der Kommune zuteil. „Außerdem befinden sich in der Evaluierungsphase Projekte im Rahmen des grenzüberschreitenden IPA-Programms im Wert von über einer Million Euro“, schließt der Stadtvater.

Folgenschwere fünf Prozent auf dem Kassenbon

Brotproduzenten müssen den MwSt-Zuschlag an die Verbraucher weitergeben
Foto: Zoltán Pázmány

Höhere Mehrwertsteuer soll Haushaltsloch stopfen
Von Siegfried Thiel

24 Prozent Mehrwertsteuer statt bisherigen 19 Prozent – viel schlimmer hätte es die rumänische Wirtschaft nicht treffen können. Die gesamte rumänische Wirtschaft steht spätestens seit Ende Juni Kopf. Egal, ob es um Oppositionspolitiker geht, um Unternehmerverbände oder Gewerkschaften, sie alle verbinden den Anstieg der Mehrwertsteuer um fünf Prozent mit Fakten, die Ausmaße übelster Art mit sich bringen können. Die Regierung hingegen verspricht sich dadurch, das Haushaltsdefizit in vertretbaren Grenzen zu halten, was einer neuen Tranche vom IWF-Notkredit gleichkommt. Seit Tagen zirkulieren jedoch in vielen dieser Branchen nur noch Begriffe wie Preissteigerung, Inflation und Arbeitslosigkeit. Sogar in Kreisen der rumänischen Nationalbank wird letztendlich von einer Inflation von 10-12 Prozent in diesem Jahr gesprochen. Kein Wunder, wenn sich unter diesen Umständen Rentner fragen, ob es eine Hilfe war, dass man ihnen nun doch nicht 15 Prozent ihrer Bezüge kürzt. Allein die Wechselstuben haben gleich nach der Bekanntgabe des Regierungsbeschlusses zur Anhebung der MwSt richtig Umsatz gemacht. Mit 4,3780 Lei pro Euro hat die Parität einen nie da gewesenen Rekordpreis für den Euro ergeben.

Konfrontationskurs: Jeder gegen jeden
Nicht nur aus der Opposition und der Wirtschaft regnete es zuletzt mit Kritik - Insidern zufolge ist im Vorfeld des Regierungsbeschlusses zur Anhebung der MwSt in der Koalition so manch heftige Debatte entbrannt. So war scheinbar Finanzminister Sebastian Vl²descu gegen eine höhere MwSt und hatte einen differenzierten Steuersatz auf das Einkommen vorgeschlagen und die Einheitssteuer sollte zur Ankurbelung der Wirtschaft von 16 auf 10 Prozent herabgesetzt werden. Premierminister Emil Boc und Wirtschaftsminister Adriean Videanu sollen sich jedoch vehement gegen diesen Vorschlag gesträubt haben. Angeblich sei dies die Variante zum Krisenmanagement aus der PSD gewesen, was so scheinbar für die regierende PDL nicht vereinbar war. Im Nachhinein sprach Emil Boc davon, dass man auf Regierungsebene sechs-sieben Varianten parat gehabt hätte, um mehr Geld in den Staatshaushalt zu scheffeln um das Haushaltsdefizit bei einem Maximum von 6,8 Prozent des BIP zu behalten. Auch von Seiten des IWF soll es Vorschläge gegeben haben: die Flat Tax von 16 auf 20 Prozent anzuheben und dazu höhere Sozialabgaben. Unter dem Druck der Finanzkrise haben mehrere europäische Staaten die Anhebung der MwSt als Mittel zur Haushaltssanierung gesehen. Doch bei den meisten ging es entweder um eine stufenweise Steueranhebung oder um einen geringeren Prozentsatz. Nur noch in Ungarn leistete man sich eine fünfprozentige Anhebung. Sogar im krisengebeutelten Griechenland wurde die MwSt von 19 auf „nur“ 23 Prozent angehoben.

Der Endverbraucher zahlt die Zeche
Die Folgen neuester Finanzsituation werden von den Lebensmittelproduzenten aber auch von anderen Unternehmerverbänden als eine Variante eingestuft, die nicht einmal mittelfristig zu Erfolg führen wird. Der Finanzberater Niels Schenker glaubt, dass nur etwa zwei Monate lang der Haushalt von der neuen Situation profitieren kann. „Danach hat der Staat nicht mehr was zu holen“, wird Schenker in der rumänischen Presse zitiert. Seiner Meinung nach geht der Konsum zurück und vor allem Kleinbetriebe werden Personal reduzieren oder schließen müssen. Wer die Möglichkeit dazu hat, wird in ein Land auswandern, in dem die Steuersätze geringer sind, sagt Schenker.
In der Lebensmittelindustrie haben wir nun die höchste Quote an MwSt in der gesamten Europäischen Union, heißt es in einschlägigen Unternehmerverbänden. Geflügelzüchter, Schweinemastbetriebe aber auch Fleisch- und Teigwarenproduzenten sind sich einig: Mindestens fünf Prozent Preissteigerung wird es in ihrer Branche geben. Viorel Micula, Inhaber der Firma European Drinks, sagte der Presseagentur Mediafax gegenüber, dass die Branche zukünftig mit höheren Preisen, Absatzrückgang und Arbeitslosigkeit rechnen muss. Noch drastischer äußert sich Dragos Frumosu, Vorsitzender der Gewerkschaft in der Lebensmittelindustrie: Der Lebensmittelmarkt wird um bis zu 40 Prozent eingehen und in der Fleischverarbeitungsindustrie rechnen die Unternehmer damit, dass 25 Prozent der Firmen den Schock gehobener MwSt nicht überleben und schließen werden. Viele andere werden durch die neue Situation gezwungen, an der Preisschraube zu drehen. Auch die Brothersteller sagen fünf Prozent höhere Preise voraus. Im Unternehmerverband Rompan heißt es, dass dieser Industriezweig bereits seit 2009 Verluste schreibt, sodass höhere Preise unumgänglich sind.

Pessimistischer Realismus
Unter den gegebenen Umständen ist es nur ein Fazit, wenn Adrian Vasilescu, Beirat des Notenbankchefs, sagt, dass theoretisch die Inflation in Rumänien auf 10-12 Prozent ansteigen wird. Die Verteuerung der Waren um fünf Prozent wird zu einer zehnprozentigen Inflation führen, erläutert Vasilescu und setzt fort: „Weitere zwei Prozent kommen wegen der Panik der Bevölkerung aber auch durch die Habgier der Händler hinzu“. Derselbe Vasilescu schwächt aber ab: „Es besteht die Möglichkeit, dass die Inflation nicht in dem Maße zunimmt, doch komplett umgehen kann man dieses Phänomen nicht. Das Nationale Statistikamt erkannte im Mai ein Wachstum der Konsumpreise von 0,15 Prozent, was zwischen April und Mai eine höhere Inflationsrate (von 4,28 auf 4,42 Prozent) ergab. Beängstigend auch, was sich die Unternehmerverbände aus dem Industriesektor für die kommende Zeit vorstellen. Unternehmer werden die Ausgaben drosseln, ihr Personal reduzieren, die Arbeitnehmer müssen doppelt soviel arbeiten – dabei wird der Absatz halbiert. Damit nicht genug, sie sehen auch eine abwartende Haltung der ausländischen Investoren voraus. In Industrieverbänden ist reichlich Sarkasmus am Platz: Allein höhere Steuern seien in den Antikrisenmaßnahmen der Regierung zu erkennen gewesen, heißt es da. Unternehmer glauben, in der gegenwärtigen Situation sei ein gutes Management gefragt, doch allgemein müsse damit gerechnet werden, dass die Firmeninhaber Lohn- und Produktionskosten um 20 - 50 Prozent zurückfahren und sie fassen dann alles etwa so zusammen: „Es überlebt wer kann, wer Glück hat, wer klug ist und wer keine Langzeitprojekte laufen hatte, als die Krise kam“.Global gesehen wird der für 2010 angepeilte Wirtschaftsaufschwung ersteinmal hinausgeschoben. Dies kann auch Victor Safta von X-Trade Brokers Romania bestätigen. „Die Anhebung der MwSt könnte die Nationalbank zwingen, den Leitzins zu heben oder immerhin diesen auf dem gegenwärtigen Niveau beizubehalten“, sagt Victor Safta. Ihm zufolge wird die Kreditaufnahme dadurch schwerfällig und mit hohen Kosten verbunden. Den Schock der Wirtschaftskrise werden die großen Malls und internationale Konzerne wie z.B. Telefongesellschaften am stärksten spüren, glaubt der Temeswarer Wirtschaftsanalytiker Nicolae Taran. Der BZ sagte er, dass kleine und mittelständische Unternehmen es unter Umständen leichter haben, aus der Krise zu kommen, weil diese flexibler sein können. Im Widerspruch zu ihm steht der Finanzberater Niels Schenker, der sich eher fragt: „Was passiert mit den Kleinbetrieben, die ein bis zwei Angestellte haben und diese theoretisch nicht entlassen können?“. Hohe Alarmstufe sieht Nicolae Taran, wenn er an die Situation in der Bevölkerung denkt: „Heute Morgen wurde Kleidung von der Wäscheleine im Parterre eines Wohnblocks gestohlen und das in einer Stadt wie Temeswar. Die Armut treibt viele zu solchen Handlungen“.
Peter Hochmuth, Präsident des Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs im Banat, glaubt, dass allgemein gesehen die multinationalen Konzerne den längeren Atem haben, wenn es ums Überleben in der gegenwärtigen Wirtschaftslage Rumäniens geht. Normalerweise müssten Firmen, die nicht direkt Endverbraucher sind, bei gutem Management auch diese Krisensituation schaffen, denn für diese ist „die MwSt nur unter dem Begriff `durchlaufende Kosten´ zu werten“, sagt Hochmuth. Rein theoretisch ist es jedoch nur so, sagt Hochmuth, „denn der rumänische Staat tut sich ja schwer mit der Rückerstattung der MwSt“. Und zur Haushaltssanierung: „Die erhöhte MwSt löst das Problem des Landes längst nicht. Rumänien müsste die vielen unnötigen Ausgaben streichen und sinnlose Behörden schließen“.

Die einheimische Fleischindustrie ist gegenüber den Importeuren im Nachteil, da letztere keine MwSt zu tragen haben
Foto: Zoltán Pázmány



Textilindustrie: 50-60.000 Mitarbeiter müssen gehen, prophezeit Maria Grapini, Vorsitzende des Unternehmerverbandes aus der Leichtindustrie, FEPAIUSFoto: Zoltán Pázmány




















BZ-Gespräch mit Prof. Dr. Radu Bancila, Leiter der Abteilung für Bauingenieurwesen in deutscher Sprache

Im nächsten Jahr begeht die Abteilung für Bauingenieurwesen in deutscher Unterrichtssprache an der TU Politehnica ihr 20jähriges Jubiläum. Gleichzeitig verabschiedet sie ihre 15. Absolventenserie. Prof. Dr. Radu Băncilă (65), Leiter der Abteilung, blickt stolz auf die verstrichenen Jahre zurück. „Ich habe immer versucht, die Worte von George Harrison, eine bekannte Figur meiner Generation, zu befolgen: ´If you don’t know where you are going, no road would you take there´/Wenn Du nicht weißt, wohin Du gehst, wird Dich keine Straße dorthin führen“, sagt er. Radu Băncilă war in der Zeitspanne 2004-2008 Dekan der Bauwesenfakultät und konnte einige seiner Ideen durchsetzen, darunter eine, die ihm besonders am Herzen liegt: die Internationalisierung des Hochschulunterrichts. Wie er die Entwicklung der Abteilung im Laufe der Jahre erlebt hat und was er demnächst plant, verrät er Raluca Nelepcu in folgendem Gespräch.

Wie hat sich die Abteilung für Bauingenieurwesen in deutscher Sprache im Laufe der Jahre entwickelt?
Wir können seit der Gründung der Abteilung 1991 eine kontinuierliche Entwicklung verzeichnen. Wichtig ist der Vetrag zur Verleihung eines Doppeldiploms mit der TU München, einer deutschen Eliteuniversität. In diesem Jahr haben weitere drei sehr gute Studenten ein Doppeldiplom der TU München und der TU Politehnica erhalten. Im nächsten Jahr werden es weitere zwei und 2012 wiederum zwei Studenten sein. Damit ist die Kontinuität gesichert. Unterstützt werden diese Studenten durch Stipendien des Bayerischen Bauindustrieverbandes. Ab diesem Jahr können unsere Studenten unter günstigen Bedingungen auch ein Masterstudium in Konstanz absolvieren. Drei Studenten haben sich für diese Alternative entschieden. Es gibt einen Schaufenstereffekt auf die hier bleibenden Kollegen! Dabei sollte man ständig die Qualität im Auge behalten. Die Abteilung fördert eine Elite - nur motivierte Studenten werden gewählt. Dadurch kann die TU München mit der Verlässlichkeit ihres Partners rechnen.

Was planen Sie in nächster Zukunft?
Im April wurde ich 65 und damit bin ich ab dem 1. Oktober emeritiert. Ich muss aber noch einige Pläne umsetzen. In erster Linie die Akkreditierung der Abteilung bei der rumänischen Agentur ARACIS, dann die Unterzeichnung eines Zusammenarbeitsvertrags mit der Universität Konstanz (einschließlich ein Doppeldiplomvertrag) und die Gründung eines Masterstudienganges in deutscher Sprache mit Hilfe der TU München und des Bayerischen Bauindustrieverbandes in Richtung Baumanagement und Immobilien, ein Bereich, wo in Rumänien großer Nachholbedarf besteht. Des gleichen habe ich noch Doktoranden, die ich betreue. Ich wünsche mir, dass Lucian Blaga, der ja auch bei Euch bei der Zeitung mal mitgearbeitet hat, mit einem sehr interessanten Thema über Notfallbrücken aus Glasfasern promoviert. Ein Buch über Brückenbau, in dem wir unsere Erfahrung zum Besten geben, werden wir unbedingt in nächster Zukunft schreiben. Und auch vielleicht auch meine Memoiren, unter dem Titel „Vier Jahre im Dekanat“...
Als Fernziele könnte ich die Idee des Exports der Bildungsdienstleistungen erwähnen, nach dem Motto „Education on demand“. Vielleicht könnte man eine Hochschule im Ausland gründen? Eine andere Idee ist die Förderung der Forschungskomponente. Wir denken an der Gründung eines Exzellenzzentrums in Temeswar für Brückenbau.

Wie werden Sie Ihre Pläne umsetzen können?
Die Fakultät und die Uni wünschen die Verlängerung meiner Tätigkeit um ein Jahr. Wir werden sehen, ob auch das Ministerium diese Ansicht vertritt. Ich habe auch einen Nachfolger, das ist Dozent Dr.-Ing. Edward Petzek, Absolvent der Abteilung, der in München und Temeswar promoviert hat. Auch die anderen Mitarbeiter – wie Dr. Ramona Gabor und Drd. Lucian Blaga - können die begonnene Arbeit weiterführen. Zusammen mit Dr. Petzek haben wir auch eine kleine Entwurfsfirma für Brückenbau – SSF.RO - wo ich meine Aktivität verlängern könnte. Wir bieten moderne wirtschaftliche Lösungen für Brücken an.

Wie stehen die deutschsprachige Abteilung und die Fakultät für Bauwesen im europäischen Kontext?
Unsere Abteilung ist europaweit bekannt und in diesem Kontext gut verankert. Hervorgehoben werden soll, dass der Internationalisierungsprozess seit ungefähr 20 Jahren in Europa zunimmt. Die Hochschule der Zukunft ist eine internationale Einrichtung. Wir sind assoziierte Mitglieder im deutschen Fakultätentag, haben regelmäßigen Austausch auf Studentenebene mit der ETH Zürich und sogar mit der Universität aus Istanbul. Im Rahmen des europäischen Programms EUCEET (European Civil Engineering Education and Training) bin ich für das Konzept des Doppeldiploms zuständig. Ich versuche, auf internationaler Ebene ein Netzwerk in dieser Richtung aufzubauen. Ein Highlight unserer bisherigen Tätigkeit war die Vorstellung unserer Abteilung im Europäischen Parlament im November 2008, wo ich über unsere Tätigkeit berichten durfte.

Fachlich gesehen: Welche Leistungen hat die deutsche Abteilung für Bauingenieurwesen erbracht?
Fachlich stehen wir nicht schlecht. Ich habe mich sehr gefreut, als uns die sehr prestigevolle Europäische Konvention für Stahlbau – EKS - vor Kurzem den ersten europäischen Preis für die Wiederertüchtigung der Stahlbrücke in Savârsin verliehen hat. Dieser Preis wird uns im Herbst, in Istanbul, in feierlichem Rahmen verliehen. Wir haben uns seit längerer Zeit für den Erhalt der historischen Brücken engagiert und sind auch in Arad bei der Erneuerung der Trajansbrücke stark involviert.
Außerdem haben wir ein europäisches Projekt (FP 7) in Richtung neue, moderne und ästhetische Brücken durch Wettbewerb an Land gezogen und können somit einen Technologietransfer leisten.

Wie groß ist der Vorteil, den die Absolventen der Abteilung in deutscher Sprache im Vergleich zu ihren Kollegen von den rumänischen Abteilungen haben?
Es gibt einige entscheidende Vorteile. In erster Linie lernen die Absolventen eine bessere Arbeitsdisziplin und Pünktlichkeit. Man kann mit ihnen besser arbeiten, da sie eine kleine Gruppe bilden. Und die meisten von ihnen haben ein Praktikum in Deutschland oder Österreich absolviert und haben somit einen besseren Einblick in die deutsche und somit europäische Bauweise.

Die Krise hat im Bausektor ziemlich heftig zugeschlagen. Angesichts dieser Situation: Inwiefern spüren Sie als Professor gewisse Ängste bei den Studenten?
Natürlich spüren wir alle diese Krise; gute Studenten sind selbstbewusst und wissen, dass sie gute Chancen auf dem heutigen, wettbewerbsbestimmten Arbeitsmarkt haben. Dabei kann ihnen die deutsche Sprache helfen; große Baufirmen suchen auch heute gute Ingenieure.

Welche Grundvoraussetzung(en) müsste die Uni erfüllen, um die Krise zu überwinden?
Die Universität muss ein Leuchtturm in Richtung Lehre und Forschung sein und eine Antwort auf die jetzige Krise geben sowie Lösungen, um diese zu überwinden. Die Grundvoraussetzung dazu ist die Autonomie der Hochschule.

Prof. Dr. Radu Bancila: „Die Abteilung für Bauingenieurwesen in deutscher Sprache fördert eine Elite“.
Foto: Zoltán Pázmány

Teure Fahrkarten, teures Benzin

Das Fahrradfahren wird in Temeswar gefördert.
Foto: Zoltán Pázmány
Verkehrsalternativen in Temeswar
Teure Fahrtkarten, um den Kauf der Abos zu fördern. Das wurde in der Monatssitzung des Kommunalrats Temeswar/Timisoara beschlossen. Der Temeswarer Nahverkehrsbetrieb (RATT) erhöhte am 1. Juli den Preis der Fahrkarten um 0,5 Lei, während die Preise der Monatskarten unverändert blieben. Eine Strategie für die Förderung des Verkaufs von Abonnements, so nannte es die Verwaltung des RATT. 3,5 Lei kostet nun eine Karte mit zwei Fahrten, 2,5 Lei eine Fahrt mit dem Expressbus. Dass die Strategie auch eine Wirkung hat, zeigte sich am ersten Tag der Verteuerung noch nicht. Am 1. Juli sahen viele Temeswarer verzweifelt die Liste an, wo die neuen Ticket-Preise aufgelistet waren. „Die Karten wurden doch vor einem Jahr verteuert. Nun wieder? In diesem Rhythmus werden wir bald zu Fuß gehen, nichts mehr essen, trinken und wir können bald sterben“, beklagt sich eine Temeswarerin vor der RATT-Kasse am 700er Marktplatz. „Ich glaube nicht, dass der Wunsch des RATT, mehr Abos zu verkaufen, wirklich erfüllt wird. Ich gebe lieber um 0,5 Lei mehr für eine Fahrt aus, wenn ich einen längeren Weg zurücklegen muss, wenn nicht, dann gehe ich die kürzere Strecke zu Fuß. Sowieso ist es im Sommer unausstehlich, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren: Es ist furchtbar heiß; draußen weht wenigstens der Wind“, sagt Simona Ignat (30).
Außer der Verteuerung der Fahrkarten traten am selben Tag auch weitere Preiserhöhungen in Kraft. Infolge der Steigerung der Mehrwertsteuer wurde auch Treibstoff teurer. Ein Abend zuvor standen viele Autofahrer Schlange, um noch beim alten Preis voll zu tanken. Der Temeswarer Andrei Stanciu entschloss sich, auf das Auto im Alltag zu verzichten. Der 28-jährige Andrei Stanciu fährt nun seit fast drei Monaten mit der Straßenbahn. „Ich habe es satt, 400 Lei im Jahr fürs Parken in Temeswar auszugeben und dabei nie einen anständigen Parkplatz zu finden. Das Benzin kostet mich auch 200 Lei im Monat, ein RATT-Abo bloß 40 Lei. Ich bleibe locker und fühle mich nun auch ein bisschen gesünder“, sagt der junge Mann. Die Straßenbahn fährt an seiner Wohnung vorbei und von der Station, wo er aussteigt, muss er dann nur noch zwei Minuten laufen. „In Temeswar lohnt es sich nicht mehr, mit dem Auto zu fahren, wenn man andere Alternativen hat“, fährt er fort.
Eine Alternative ist das Fahrradfahren. Immer mehr Temeswarer wählen das Vehikel auf zwei Rädern, um in der Stadt zu verkehren. Die wenigen Fahrradwege hindern jedoch viele daran, sich im Verkehr in Sicherheit zu fühlen. Trotzdem: „Ich werde bald mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Ich werde jedoch auf dem Gehweg fahren, denn die Autos berücksichtigen uns, Fahrradfahrer, nicht“, sagt Rodica Palosan (26). Auch Cristian Dumitrescu (38) verzichtet nun in der Sommerzeit auf seine Monatskarte für das gesamte RATT-Netz. „Vor einem Monat habe ich mir extra ein gebrauchtes Fahrrad gekauft. Ich spare nun das Geld für die Monatskarte und radle täglich. Ein Nachteil ist nur das trügerische Wetter in letzter Zeit“, schließt Dumitrescu.
Andreea Oance

Die Kunst aus der Sprühdose

Graffiti an der Unterführung an der Trajansbrücke, unweit des Maria-Platzes
Foto: Zoltán Pázmány

Sprayer Jones: „Graffiti ist mehr als nur Wandschmiererei“ / Von Ana Saliste
Graffiti ist nicht immer illegal. Dass man mit der „Spray-Kunst“ – wenn man sie beherrscht – etwas Schönes schaffen kann, das wollen „Jones“ und „Karm“, zwei Temeswarer Graffiti-Artists, mit ihren Werken beweisen. Die Künstler pflegen bereits seit zwei Jahren eine Zusammenarbeit mit dem Temeswarer Bürgermeisteramt. Nun dürfen sie die Unterführung an der Trajansbrücke, unweit des Mariaplatzes mit ihren farbigen Zeichnungen zieren und dies so oft sie wollen. Der Platz ist schon ein Anziehungspunkt für frisch Verheiratete, die sich dort in Hochzeitskleidung fotografieren lassen.

Das Herz schlägt jetzt nicht mehr schneller, wenn der 21-jährige Flavius Roua seine Graffiti-Spraydose in die Hand nimmt und sich an die Arbeit macht. Und dies, auch wenn es mitten in der Stadt ist. Er muss auch nicht ängstlich nach links und rechts blicken, bevor er die Wand mit Farbe besprüht. „Ich finde es super, dass sich das Temeswarer Bürgermeisteramt für uns eingesetzt hat und uns die Erlaubnis erteilt hat, die Wände unter der Brücke am Mariaplatz in Temeswar zu besprühen. Ich glaube, dass sich auch die Mentalität der Bürger positiv geändert hat. Viele frisch Verheiratete lassen sich hier fotografieren. Das heißt, dass sie das, was sie sehen, mögen. Das ist am wichtigsten, dass sie Graffiti nicht mehr als Vandalismus ansehen, sondern als etwas Schönes“, erklärt Flavius Roua, der sich oft auch nur mit seinen Spitznamen „Jones“ vorstellt. „Die Wahl eines Spitznamens ist wichtig, denn es ist deine Unterschrift, deine Identität. Du kannst mit der Form und der Größe der Buchstaben jonglieren und experimentieren. Du kannst so unterschreiben, dass niemand deinen Namen entziffern kann. Das ist das Schöne daran. Dadurch beweist du, wie viel Einbildungskraft du hast“, erklärt der Kunststudent.
Bereits mit 14 beschäftigte er sich mit der Kunst aus den Sprühdosen. In diesem Alter lockten dann die illegalen Herausforderungen mit dem Sprühnebel. „Ich finde es keine schlechte Sache. Andere geraten in viel schlimmere Kreise, die mit Drogen- oder Alkoholkonsum zu tun haben“, so Jones. Begonnen hat er mit der Nachahmung einiger Skizzen eines Freundes, bis er dann schrittweise seinen eigenen Stil entwickelt hat.
Bei der Unterführung an der Trajansbrücke hat er zusammen mit seinem Freund „Karm“ gearbeitet. Flavius Roua war für die Zeichnungen zuständig, Karm sorgte fürs Writing. Was diese vermitteln? „Nichts und vieles, gleichzeitig“, sagt Jones. Immerhin wollen die Beiden zeigen, dass Graffiti mehr ist als nur Wandschmiererei. Diese Message ist auch in einer der Zeichnungen versteckt. „Ich habe da ein Portrait gemalt. Du kannst aber nicht sagen, ob es etwas Gutes oder Schlechtes ausdrückt. Es kann beides sein. Ich wollte damit sagen, dass das Aussehen täuschen kann“, erklärt er.
Bei der Schrift handelt es sich viel mehr um das Visuelle, wie Alexandru Neculai, alias „Karm“, erklärt: „Writing-Graffiti soll durch Farbe und Buchstabenform den Blick erfreuen. Das ist eigentlich das Ziel. Die Kombination, die du dabei schaffst. Es kann als eine Designform verstanden werden“, erklärt der Künstler, der bereits seit zehn Jahren als Sprayer-Artist tätig ist. Im Unterschied zu Jones übt er meist das Writing-Graffiti aus. „Dies ist die meist verbreitete Form von Graffiti und wird deswegen auch am stärksten wahrgenommen“, erklärt er. Vor Kurzem hat das Temeswarer Bürgermeisteramt den beiden Künstlern eine andere Wand im Adolescentei-Park (Girocului-Viertel) zur Verfügung gestellt. „Wir wissen noch nicht genau, was wir da machen werden. Noch sind wir am Überlegen. Diesen Sommer machen wir uns aber ganz sicher an die Arbeit“, verspricht Flavius Roua. Künftig wollen sie auch bei der Unterführung an der Trajansbrücke etwas Neues hinzu zeichnen.