Donnerstag, 5. Februar 2009

2009 ging es wieder um die Wurst

Der Tintoi- und der C+C-„Klan“ schlugen zu/ Von Oliver Zsilko
Dass es die „Worschtkoschtprob“ nicht seit gestern gibt, ist den meisten bekannt, aber zur wievielten Veranstaltung es dieses Jahr gekommen ist, weiß keiner so genau. Sogar den ältesten BZ-Redakteuren fällt das Nachzählen schwer, weil ihre Redaktionsfeier im Verlauf der Zeit nicht Jahr für Jahr stattgefunden hat.

Die Wurstveranstaltung wurde 1971 vom damaligen Chefredakteur der „Neuen Banater Zeitung“, Nikolaus Berwanger, ins Leben gerufen. Um an der „Worschtkoschtprob“ teilnehmen zu dürfen, musste jeder NBZ-Redakteur selbstgemachte Hauswurst in die Redaktion bringen. Nach dem Verkosten aller Würste wurde derjenige zum Gewinner ernannt, der die beste Wurst auf den Tisch gestellt hatte – so wurde der Initiator auch Sieger der ersten Veranstaltung. Vor der Wende und einige Jahre danach wurde das Verkosten der Wurst eingestellt. Mitte der 90er, nachdem das Fest wieder ausgerufen wurde, hatten die BZ-Redakteure die Idee, aus dem privaten Wettbewerb ein öffentliches Fest zu machen. Seitdem beteiligen sich an der „Worschtkoschtprob“ sowohl Freunde der „Banater Zeitung“, als auch Wursthersteller.

Rummel und Reden herrschten im Foyer des Adam-Müller-Gutenbrunn-Haus, denn Teilnehmer, Freunde, Bekannte und Medienvertreter warteten auf die Eröffnung der diesjährigen „Worschtkoschtprob“. Ich war zum ersten Mal dabei und gleich mit Verantwortung beauftragt: die Jury zu betreuen. Im Slalom suchte ich nach meinem vermissten Jurymitglied, Stefan Filep von Syonic. Die Rede über die Wurst, die der Professor für Anthropologie, Gheorghe Sechesan, hielt, nahm ich kaum wahr. Indem ich Filep noch die grundsätzlichen Anweisungen zur Benotung der privaten Wurstproben gab, wurde ich ans Mikrophon gebeten, um die Jurymitglieder meiner Verantwortung aufzurufen.


Die Jury beim Verkosten der aufgetischten Wurstsorten

Das Verkosten wurde eröffnet. Die Menschenmasse, die von der Volksmusik nicht gedämpft wurde, strömte in den Festsaal und verlief sich zwischen den Wurstproben. Auf der Bühne: die zwei Tische mit den Proben für die Jurys. „Sie hätten auch ein paar Äpfel kaufen können, damit man die verschiedenen Wurstproben besser unterscheiden kann“, sagte Emerich Kindling, C+C-Vertreter und Jurymitglied bei den „Privaten“. Weil er ständig von Reportern unterbrochen wurde, verließ er unter den letzten die Tische mit Wurstproben. Daraufhin zählte ich mit meiner Kollegin Ana Saliste die erhaltenen Punkte der privaten Teilnehmer zusammen.

Wenn die Interessenten in den Saal eintreten, sind die Tische voll und die Augen groß. Wenn sie den Saal verlassen, ist alles ratzekahl.


„Wenn die `Worschtkoschtprob` nächstes Jahr erneut abgehalten wird, werde ich außerhalb des Wettbewerbes mitmachen, damit auch andere Teilnehmer die Möglichkeit haben, zu gewinnen“, tönte Timotei Tintoi von den privaten Wurstmachern. Der Temeswarer hatte sich in letzter Minute mit drei Wurstsorten für den Wettbewerb eingeschrieben und gleich die drei ersten Preise gewonnen. Wenn das Wurstrezept seines Vaters, Ion Tintoi, zusammen mit Stefan Benedict Nagy den dritten Platz mit 19 von 25 möglichen Punkten belegt hatte, so gewann den zweiten Platz die Wurst, die nach dem Rezept seines Großvaters, Nikolaus Griffaton, hergestellt wurde. Der erfolgreiche Wurstmacher Timotei Tintoi, der auch voriges Jahr mit dem ersten Preis bei der WKP ausgezeichnet wurde, fuhr mit dem Preisgeld (600 Lei) nach Hause. Er hat eine Sammlung von über zwanzig Auszeichnungen zu Hause: allerdings viele Zweitplazierungen aus der Zeit, als Helmut Weinschrott noch bei der „Worschkoschtprob“ mitmachte.

Dieser Mensch war vergangenen Donnerstag im siebenten Himmel: Timotei Tintoi (Bildmitte), der für seinen Großvater, seinen Vater und sich selber, drei Generationen Metzger, Wurstproben brachte und die drei ersten Ränge belegte. Den dritten teilte er sich mit einem weiteren Dauerbrenner der Worschtkoschtprob: Benedikt Nagy (links).

„Da wir voriges Jahr gewonnen haben, sind wir mutig zum Wettbewerb gekommen. Das Spezifische an unserer Ware ist, dass wir mit der selben zum Wettbewerb gekommen sind, die wir auch für den Verkauf produzieren“, sagte Dumitru Gheorghe, Leiter des C+C-Zentrallagers für West- und Nordrumänien in Temeswar. Der Fleischwarenproduzent C+C ging mit vier Wurstsorten ins Rennen und belegte den ersten mit den „Chorizo“-Würsten und den zweiten Platz mit „Hauswürsten“. Den dritten Platz belegten die „Hauswürste“ von Salamandra.
Am überreichlichen Präsentationsstand der Reschitzaer Firma C+C gab es ständig größten Andrang: Geschmack in der Präsentation und Wohlgeschmack der Produkte trafen hier idealisch zusammen.

Die Reporter, Kameraleute und Fotografen drängelten sich um die Gewinner und Veranstalter der „Worschtkoschtprob“. Eine halbe Stunde lang. Allein acht Fernsehanstalten hatten wir gezählt, dazu vier Radiosender und Vertreter der gesamten Printmedien aus Temeswar und die Korrespondenten einiger Nationalen Zeitungen. Ohne die Volksmusik weiterhin wahrzunehmen, lief ich zum Eingang des AMG-Hauses, um mir eine Pause zu gönnen. Kaffee mit Milch und Zucker. Eine Zigarette. Ein tiefer Zug. Ich drehte mich um und bemerkte, wie die Menschen den Festsaal verließen. Übrig blieben einige Unternehmer, die Veranstalter und AMG-Angestellte. Um sie herum: Leere Teller, Kipfel- und Brotreste, benutzte Handtücher und Plastikbecher, ein Dutzend - bis zur Hälfte ausgetrunkene - Flaschen, zwei Ketchup-Behälter und ein Senfglas. Noch bevor die letzten Gäste den Saal verließen, begann der erste aufzuräumen. Mitten unter den Aufräumern: die kaputtgearbeiteten BZ-Redakteure. Sie hatten alle Hunger.


Edith Guip-Cobilanschi fehlt von keiner Worschkoschtprob und hat immer ihren feinen Senf zuzugeben.

Fotos: Zoltán Pázmány

Taxifahrer unzufrieden

Neue Regelung zur Debatte gestellt

Temeswar (BZ) - Die neue Regelung, die die Stadt Temeswar/Timisoara für den Taxi-Betrieb erarbeitet hat, sorgt für Unzufriedenheit unter den Taxifahrern. „Das Bürgermeisteramt will noch mehr Unterlagen von uns. Wie sollen wir noch mit der Bürokratie klarkommen?“, beklagen sich diese.

Die Fahrer fordern mehr Taxi-Haltestellen für die Stadt Temeswar.
Foto: Zoltán Pázmány
Das neue Gesetz sieht unter anderen vor, dass die Arbeitsgenehmigungen, die das Bürgermeisteramt für eine Zeitspanne von fünf Jahren ausstellt, jährlich abgestempelt werden. Das würde laut den Taxifahrern noch mehr Zeitverlust und noch mehr Papiere bedeuten. Das Gesetz soll aber auch andere Lücken aufweisen: Wenn ein Taxifahrer zwei Mal in sechs Monaten ordnungswidrig fährt, so darf seine Arbeitsgenehmigung nicht mehr verlängert werden. „In Temeswar gibt es nur hundert Taxi-Haltestellen“, behauptete ein Taxifahrer innerhalb der öffentlichen Debatte, die vor Kurzem im Bürgermeisteramt organisiert wurde. „350“, wurde er schnell von Ovidiu Radulescu, dem Leiter Verkehrsamtes innerhalb des Bürgermeisteramtes Temeswar, korrigiert.

Das neue Gesetz sieht unter anderen vor, dass sowohl im Auto, als auch auf den Vordertüren die geltenden Tarife, aber auch Infos zum Fahrer und zur Taxi-Gesellschaft angegeben werden müssen. Die Taxifahrer sind verpflichtet, die Trasse, die der Kunde vorschlägt, zu fahren. Auch müssen sie den Kunden eine Stadtkarte zur Verfügung stellen, falls diese selbst eine Route auswählen möchten. Die TaxifahrerInnen müssen das ganze Jahr hindurch eine dezente Kleidung tragen - Unterhemd, kurze Hose und Pantoffeln sind nicht zugelassen. Zudem sind die Fahrer verpflichtet, den Kunden das Gepäck in den Kofferraum zu stellen. Für Autos, die vor mehr als zehn Jahren gebaut worden sind, wird die Taxi-Genehmigung nicht mehr verlängert.

„Zuerst muss Ordnung im Bürgermeisteramt gemacht werden, damit keine Taxigenehmigungen mehr ´unter dem Tisch´ ausgestellt werden“, sagt Leontin Herec, Vorsitzender der Unabhängigen Gesellschaft der Taxifahrer und stellvertretender Vorsitzender der Konföderation der Freien Rumänischen Gewerkschaften (CNSLR) „Fratia“, der für Verkehrsanliegen zuständig ist. Herec trat im vergangenen Jahr an die Öffentlichkeit mit der Aussage, in Temeswar würden etwa tausend Taxifahrer illegal tätig sein. Die Anzahl der Taxis soll sich nächstes Jahr verringern, so ein Beschluss des Bürgermeisteramtes aus dem Jahr 2007. In Temeswar gibt es derzeit rund 2500 Taxis, die mit offizieller Genehmigung fahren. Künftig soll deren Anzahl um etwa 1000 Autos reduziert werden, d.h. etwa vier Taxis pro tausend Einwohner.