Allgemeiner Optimismus trotz wirtschaftlicher und sozialer Einschnitte/ Von Siegfried Thiel und Raluca Nelepcu
„Im Moment ist es schwer zu sagen, wie stark die Stadt Temeswar von der Wirtschaftskrise betroffen sein wird. Einerseits kann die Krise keine sehr großen Auswirkungen auf die Kommunalverwaltung haben. Temeswar ist eine Stadt, die über Geld verfügt und unsere Arbeiten werden weiter gehen. Trotzdem sei gesagt, dass es immer noch Raum für ein Mehr und Besser gibt. Zu einem Problem könnte es jedoch werden, wenn die Rumänische Regierung versucht, das Personal in der Kommunalverwaltung zu reduzieren und die Gehälter der öffentlichen Beamten auf ein Höchstlimit festzulegen. Wir arbeiten ohnehin mit zu wenig Personal und haben auch reelle Probleme, Personal zu finden, das in der Stadtverwaltung arbeiten möchte – und dies wegen des geringen Einkommens. Die Wirtschaftskrise könnte sich jedoch unter den Investoren bemerkbar machen.
Derzeit befinden wir uns in einer Evaluierungsphase. Wir müssen warten, bis der Staatshaushalt genehmigt wird, dann jener des Kreises und ganz zuletzt muss das Budget für die Stadt Temeswar festgelegt werden. Selbstverständlich werden wir uns in diesem Jahr sehr stark auf Investitionen verlegen. Derzeit ist es jedoch schwer zu sagen, ob wir gezwungen sind, auf einige Projekte zu verzichten. Erst in dem Augenblick, wo der Haushalt genehmigt ist, werden wir mit Sicherheit sagen können, wie es um die Investitionen bestellt ist.
Die Auswirkungen im sozialen Bereich kann man Ihrerseits von zwei verschiedenen Gesichtspunkten betrachten. Zum Einen aus der Sicht der Verwaltung und deren Sozialschutzmaßnahmen für die Bevölkerung. Dies wird ein Aspekt sein, hinsichtlich dessen wir alle legalen Verpflichtungen einhalten und alle Projekte aus den vergangenen Jahren weiterführen. Außerdem werden wir den Bau von Sozialwohnungen fortsetzen. Glücklicherweise haben wir dazu bereits die Finanzierung gesichert. Andererseits gibt es die Befürchtung, dass die Wirtschaftskrise dazu führt, dass einige Temeswarer Firmen ihr Personal reduzieren oder die Löhne herabsetzen könnten. Es gibt derzeit keine endgültigen Informationen über die Auswirkungen einer solchen Situation, aber wir müssen mit dieser Möglichkeit rechnen. Auch wenn sie eintritt, wird sie wohl keine verheerenden Folgen haben, da wir uns vorläufig mit einem Defizit an Arbeitskräften konfrontiert sehen und die Stadt auch die notwendigen Voraussetzungen mit sich bringt, neue Investoren heranzuziehen.“
Gheorghe Ciuhandu, Bürgermeister von Temeswar
„Wir sind bemüht, auf keine der geplanten Investitionen in diesem Jahr zu verzichten. Darüber werden wir jedoch erst dann Klarheit haben, wenn der Kommunalhaushalt abgesegnet ist.
Aufgrund der Wirtschaftskrise gehen wir von steigender Arbeitslosigkeit aus, da Entlassungen anstehen, vor allem bei unserem größten Arbeitgeber, der Firma Eybl Automotive Romania. Dazu kommt, dass höhere Summen für den sozialen Bereich notwendig sein werden.“
Petru Roman, Bürgermeister von Detta
Petru Filip, Bürgermeister von Tschakowa antwortet auf unsere Umfrage mit genau zehn Wörtern. Zu deuten ist aus seiner Aussage, dass man im Ort noch nicht genau weiß, wo im Bereich Investitionen abgespeckt werden muss, und außerdem: „Die Wirtschaftskrise wird Arbeitslosigkeit zur Folge haben“.
„Allgemein muss man davon ausgehen, dass uns die Wirtschaftskrise ebenfalls einholen wird und Personal aus Betrieben entlassen wird. Die großen Arbeitgeber in unserer Stadt sind im Bereich Weinbau, Weinkelterei und Landwirtschaft angesiedelt und deshalb glaube ich, dass die Negativauswirkungen nicht erheblich sein werden. Unsere geplanten Investitionen werden wir zu etwa 70 Prozent realisieren. D.h. unter anderen die begonnenen Arbeiten an Schulen und Kindergärten abschließen, Ausbau der Wasserversorgung und des Kanalisationsnetzes. Dazu beabsichtigen wir, ein neues Rathaus zu errichten. Verzichten müssen wir hingegen auf die Renovierungsarbeiten am städtischen Museum, auf den Bau des Kulturheims in Bazos und auf die Asphaltierung zweier Gemeindestraßen.
Marinel Patca, Bürgermeister von Rekasch
„Die Stadt Lugosch hat natürlich auch unter der negativen Konjunktur zu leiden. Es gibt ein paar kleine Firmen, die allmählich Bankrott gehen, die bereits im vierten Trimester des Jahres 2008 nicht mehr richtig produktiv waren. Rund 300 Personen sind infolge der Wirtschaftskrise arbeitslos geblieben. Die Firma Rieker hat ihre Tätigkeit eingestellt. Die Investitionen an zwei Fabriken stocken zurzeit. Wir werden aber versuchen, denselben Haushalt wie im vergangenen Jahr aus Steuern und anderen Gebühren aufzustellen“.
Ioan Ambrus, Vizebürgermeister der Stadt Lugosch
„Wir werden keine Investition aufgeben, weil jene, die wir für dieses Jahr geplant haben, durch EU-Projekte zustande kommen. Für einen Teil der Ko-Finanzierung werden wir Geld von der Bank leihen. Wenn bis Sommer 2008 die Firmen in Hatzfeld nicht genug Arbeitskraft gefunden hatten, so musste im November 2008 bereits eine Firma 150 Personen entlassen. Ich glaube, dass wir wieder mit Arbeitslosigkeit konfrontiert werden“.
Kaba Gabor, Bürgermeister der Stadt Hatzfeld
„In Gataja gibt es nur wenig Unternehmen. Diese sind in Handel, Landwirtschaft und Textilindustrie tätig. Deswegen gibt es in Gataja nicht so viele Arbeitslose. Jene Personen, die infolge der Wirtschaftskrise arbeitslos geblieben sind, waren in anderen Ortschaften - in Detta oder Temeswar - beschäftigt. Da unser Haushalt für dieses Jahr noch nicht feststeht, wissen wir zurzeit nicht genau, welche Investitionen wir aufgeben werden. Die Konjunktur wird höhere Arbeitslosenzahlen zur Folge haben, was zu einer steigenden Verbrecherquote und zu sozialen Unzufriedenheiten führen könnte.“
Dorin Ignea, Beamter der Stadt Gataja
„Ich kann Ihnen keine genaue Antwort geben, weil der Haushalt für 2009 noch nicht feststeht. Momentan sind keine Folgen der Konjunktur in Busiasch zu verzeichnen – das Wirtschaftsleben der Ortschaft ist genau wie vor der Wirtschaftskrise“.
Alger Ilas, Bürgermeister von Busiasch
„Bestimmt werden wir auf einige Investitionen verzichten müssen. Keine Abstriche werden wir jedoch bei den geplanten Renovierungsarbeiten im Bereich der Wohnblocks an der Republicii- und Panselelor-Straße machen. Diese Renovierungen beziehen sich auf Straßen, Gehsteige, Wasserleitungsnetz und Parkplätze. Was die etwaigen Einsparungen betrifft, werden wir unter Umständen Personal in den Einrichtungen unter unserer Obhut abbauen, und auch den Sport – in unserem Fall Fußball und Handball – in geringerem Maße unterstützen.
Was den sozialen Aspekt betrifft, denke ich, dass wir weniger unter der Wirtschaftskrise leiden werden. Auch wenn die Betriebe Personal entlassen, dann sollte dies eher die Arbeitnehmer aus den umliegenden Ortschaften und weniger jene aus Großsanktnikolaus betreffen. Dazu habe ich folgende Argumente: Zum Einen müssten die Unternehmer an die Transportkosten denken, die sie sich selbst auferlegen, wenn sie es vorziehen, Personal aus den anrainenden Ortschaften einzufahren. Zum Anderen erwarte ich auch etwas Lokalpatriotismus von den Firmenleitungen, denn auch wir als Stadtverwaltung sind offen für die Probleme der Unternehmen und sind geneigt, diese zu unterstützen.
Danut Groza, Bürgermeister von Großsanktnikolaus
Großarbeitgeber Eybl Detta mit Entlassungswelle
Rieker Schuhe Lugosch vor dem Kollaps
Weinkelterei in Rekasch: kaum Arbeitsplätze gefährdet
Fotos: Zoltán Pázmány





