Mittwoch, 26. November 2008

„Zusammenhalt nicht nur üben, sondern diesen auch zeigen“


Klaus Werner Johannis, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR) und Bürgermeister in Hermannstadt/Sibiu ist der neueste Träger der Ehrennadel in Gold, die das Banater Forum für besondere Verdienste im Sinne der deutschen Gemeinschaft verleiht. Zu diesem Anlass sprach der BZ-Journalist Siegfried Thiel, mit Klaus Johannis über die deutsche Gemeinschaft, über Forumspolitik und schnitt wirtschaftliche Themen an.


Herr Johannis, Sie als Siebenbürger Sachse haben die Ehrennadel in Gold im Banat erhalten, vor Kurzem wurde dem Banater Ovidiu Gant in Hermannstadt die Honterus-Medaille des Demokratischen Forums der Deutschen in Siebenbürgern verliehen. Ist dies ein weiterer Schritt zur Beilegung der Rivalitäten zwischen Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben?

Die Rivalität zwischen Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen gab es vielleicht früher mal. Falls es sie in einer nicht positiven Form gegeben hat, dann ist sie heute längst beigelegt. In dieser Richtung werden wir nicht viel zu tun haben. Als Deutsches Forum ist es ganz wichtig, dass wir nicht nur Zusammenhalt üben, sondern diesen auch zeigen und dadurch unsere Mitglieder auch ermutigen. Darum finde ich es als eine ganz besondere Ehrung und bin sehr stolz darauf, dass ich die Ehrennadel in Gold des Banater Forums bekommen habe. Ich werte dies auch als einen Beweis einer sehr guten und engen Zusammenarbeit zwischen den Regionen.

Es wird sehr viel vom sogenannten Johannis-Effekt in der Kommunalverwaltung in Hermannstadt gesprochen. Gibt es diesen Effekt auch im Forum? Und direkt in diesem Zusammenhang: Wie sehen Sie das Forum in zehn Jahren?

Das Forum hat in den fast zwanzig Jahren seines Bestehens etwas Überraschendes bewiesen. Nämlich – obzwar wir wenige geworden sind – sind wir nicht nur einfach da. Wir zeigen Präsenz, mit unserer ganzen Kultur, mit Bildung, mit den Medien und ich denke, wir werden auch noch eine ganze Weile da bleiben. Die ersten Jahre der Unsicherheit, die hauptsächlich durch die Regimeänderung nach der Wende und die massive Abwanderung hervorgerufen wurde, sind vorbei. Wir haben eine solide Basis, und ich denke, die wird auch noch lange erhalten bleiben. Ich glaube, in zehn Jahren haben wir eine ähnliche Situation wie jetzt. Was den Johannis-Effekt betrifft, muss man sich fragen, ob es den überhaupt gibt. Ich bin auf jeden Fall glücklich darüber, dass es mir gegeben ist, vielleicht auch im deutschen Forum einen gewissen Schwung beizubehalten.

Die Öffnung des Forums, um auch Mitglieder anderer Nationalitäten als vollwertige Mitglieder aufzunehmen, oder Expats die Möglichkeit zu geben, Ämter zu belegen, ist kein Tabu-Thema. Sehen sie Bedarf und Möglichkeiten dazu?

Es gibt diese Diskussion immer wieder im Forum und damit müssen wir uns auch weiterhin auseinandersetzen. Es ist nicht einfach, ein Prinzip aufzugeben und durch ein anderes zu ersetzen. Es ist andererseits so, dass immer mehr junge Rumänen ihren Weg zu uns finden, speziell in die deutschen Schulen oder in deutsche Tanzgruppen. Dies ist sicher ein Aspekt, den man in den kommenden Jahren beachten soll und muss. Wir haben im Forum eine Arbeitsgruppe gegründet, die das Statut überarbeiten soll. Ich bin mir sicher, dass bei dieser Gelegenheit das Thema neu aufgegriffen wird, kann aber jetzt schwer einschätzen, ob das dann zu kurz– oder mittelfristigen Änderungen führen wird.

Über das Image hinaus, wie wichtig ist es, gute Forumspolitiker in der Legislativen und auch in der Exekutiven zu haben?

Für jede Formation, die im öffentlichen Leben etwas tun will, ist es ganz wichtig, gute Leute zu haben. Je bessere Leute, desto stärker ist die Aufmerksamkeit, die man erregt und desto besser sind dann auch die Resultate die man hat. Ich finde es exzellent, dass wir in diesem ganz konkreten Fall Ovidiu Gant haben, der sich als ganz ausgezeichneter Parlamentarier herausgestellt hat, und jetzt eine zweite Legislaturperiode anstrebt.

Was halten Sie von Aussagen, dass die deutsche Minderheit ein sehr guter Partner für die Mehrheitsbevölkerung ist?

Wenn wir und jetzt ganz einfach auf die Leute beziehen, und nicht auf das politische Leben, dann ist es garantiert so. Die Angehörigen der deutschen Minderheit sind nicht nur gute Partner, sondern wir sind da: gute Nachbarn, Kollegen und Freunde. Wir gehören ganz einfach dazu. Ob wir politisch gute Partner sind, das liegt natürlich ganz von der Konstellation ab. Das Forum möchte mit rumänischen demokratischen Parteien zusammenarbeiten. Von daher die Voraussetzung einer guten Partnerschaft. Die muss natürlich auf etwas aufgebaut sein, woran auch wir glauben.

Wie stark fürchten Sie als Bürgermeister von Hermannstadt die angesagte Rezession. Ich denke da, vor allem an die Automobilindustrie, die ja in nicht geringem Maß in Hermannstadt angesiedelt ist?

Wir fürchten die Krise nicht. Mann muss nur einfach wissen, dass die Krise kommt, und sich darauf vorbereiten. Wir haben von Anfang an unsere Strategie so aufgebaut, dass wir keine Riesenkonzerne nach Hermannstadt gebracht haben, die sehr schnell abbauen und weggehen können. Wir haben vor allem Klein- und Mittelständler angesiedelt und wir denken, dass die auch in Krisenzeiten bleiben werden. Es ist sicherlich auch so, dass irgendwann auch bei uns Arbeitsplätze abgebaut werden, aber wir haben schon seit einigen Jahren dafür gesorgt, dass wir Alternativen aufbauen. Ich spreche da ganz konkret vom Tourismus. Es ist festzustellen, dass nicht nur verstärkt die Zahl der Touristen steigt, sondern auch die Anzahl der Firmen, die vom Tourismus leben. Das ist sicher ein gutes Standbein, das einen eventuellen Abbau in der Industrie ganz gut ausgleichen kann.


Glückwunsch an den Ausgezeichneten: Klaus Johannis (links im Bild) und Ovidiu Gant.

Foto: Zoltán Pázmány

Deutscher Rap

Um es gleich zu sagen: Der wahre Rap ist amerikanisch, und wahr ist auch, dass die meisten amerikanischen Rapper von der Musikindustrie integriert werden. Es ist das Schicksalsmuster der Subkultur. Das uralte Identifikationsbedürfnis des Mittelstands mit dem Abgrund hat sich noch jeder Protestkultur angenommen, und diese zum Freizeitkult gemacht. Das ist das eigentlich Integrative der westlichen Gesellschaft, und es hat seinen Preis.

Der deutsche Rap ist harmlos. Unterscheidet uns etwas von Bushido? Und wenn ja, ist es nennenswert? Seine kleinen Sünden sind nicht anders als unsere kleinen Sünden. Ein Auto hat er bestimmt nicht angezündet. Er wohnt ja auch nur in Berlin-Kreuzberg, und das ist nicht die Bronx.

Bushido ist einer von uns. Das einzige, was ihm für den Augenblick verwehrt bleibt, ist, im Grunewald zu wohnen, Nachbar von Joschka Fischer zu sein. Das würden wir ihm übel nehmen. Wir wohnen ja auch nicht im Grunewald, obwohl uns das niemand übel nehmen würde. Wir wohnen zwischen Kreuzberg und dem Grunewald, in Schöneberg oder Charlottenburg.

Das Geschäft des Rappers ist die Empörung, oder was man dafür hält, der Reim drauf. Und das ist ein weites Feld, über das schon viele liefen, Heine etwa, und auch Morgenstern. Das Problem ist: Der deutsche Rapper empört sich zwar mit Händen und Füßen, aber überall, wo er hinschaut, ist Hartz 4 und sonst gar nichts. Er könnte zwar ein Auto im Grunewald anzünden, aber es wäre im Zweifelsfall ja das Auto von Joschka Fischer, und so spielt der Rapper bloß mit seinem Feuerzeug.

Praktisch wäre der deutsche Rap völlig überflüssig, es gibt aber doch ein übermächtiges Fundament für seine Existenz: unsere nachhaltige Integrationsdebatte. Sie ist die eigentliche Sponsorin des deutschen Rap. Man sollte auf jede deutsche Rap-CD schreiben: Gefördert von der deutschen Integrationsdebatte.

Der ideale deutsche Rapper ist ein türkischer Immigrant der zweiten Generation. Er hat in der Regel einen deutschen Pass, und über die Türkei weiß er zwar nicht viel mehr als der Rest von Kreuzberg und die Mehrheit in Charlottenburg, aber er findet, wie diese, Istanbul cool. Die Panoramabar und das Clubparterre. Alles andere spielt sich auch für ihn weit hinten in der Türkei ab.

So bemüht er sich um das bühnenreif gemachte Ghettodeutsch, mit dem Ergebnis, dass die deutschen Fans den Rapper um so mehr für einen Türken halten. Das ist marketingmäßig ideal und soziologisch verheerend. Dass er sich mit den Affären eines Boris Becker auskennt, bringt ihn zwar nicht viel weiter, versöhnt aber zumindest das weibliche Publikum mit dem Rest seiner Persönlichkeit. So gehört er immerhin zu den dramatis personae der Talk-Show, und das ist gewiss auch ein Trost. Aber für wen? Für ihn? Für uns?

Richard Wagner

Neuigkeiten aus dem Banat


In der Print-Ausgabe zu lesen:

- Kleine Leute, große Gefühle

Zu der DSTT-Premiere „Das letzte Feuer“ von Dea Loher

- Gespräch mit dem Hermannstädter Bürgermeister Klaus Johannis

Thema fraglich, Interesse hielt sich in Grenzen


Senatorentreffen gehört in Kategorie „Pflichtübung”


Vielleicht hatten einige der Temescher Anwärter auf einen Senatorenposten eine leise Vorahnung, was auf sie zukommen könnte und waren deshalb der Veranstaltung der Vereinigung Pro Democratia vom Ende letzter Woche fern geblieben. Die Regierungsform (Präsidial- oder Parlamentsrepublik) stand zu Debatte, am Ende war es letztendlich eine Veranstaltung mit wenig Substanz und an Informationen haben die Zuschauer - meist Mitglieder von Nichtregierungsorganisationen – wohl recht wenig mit nach Hause genommen. Ein Gutes hatte es für die Anwesenden Kandidaten dann doch: Sie kamen gut eine Woche vor den Parlamentswahlen in Rumänien gratis vor die Kameras.

Während sich einige zumindest bei der Präsentation innerhalb von 30 Sekunden so gut wie möglich darzustellen vermochten, versuchten es andere mit unangebrachtem Humor. So blieb den Anwesenden nicht erspart zu erfahren, wieviele Hunde manch angehender Parlamentarier hat. Eine Show an und für sich bot der erste demokratische Bürgermeister von Temeswar nach dem Sturz von Diktator Ceausescu, Pompiliu Alamorean, doch außer einem hierzulande beliebten Thema der Verbannung der Kommunisten aus den Staatsgremien hatte er nichts zu bieten. Seine sonderbar energische Haltung mit wiederholten Schwenken von Papierbogen, die die Versäumnisse aller Regierungen im Sinne Säuberung der politischen Klasse von Kommunisten sowie den Entmachtungsversuch 2007 von Präsident Basescu anprangerten, begründete er mit „ich bin Revolutionär”. Trotz seiner Gebahren hatte er reichlich Applaus auf seiner Seite.

Das Für und Wieder Präsidial- oder Parlamentsrepublik war natürlich auch eine Parteiangelegenheit, aber auch die ganz persönlichen Meinungen blieben nicht aus. Von der Option, dass die Meinung einiger Hundert Parlamentarier relevanter sei, als die eines einzelnen Präsidenten, bis hin zur Ansicht, dass ein Referendum dies zu entscheiden habe (Radu Dimeca) wurde in wenigen Minuten die ganze Palette angeschnitten. Von einer Debatte konnte keine Rede sein, da viele der Senatskandidaten sich wohl zuletzt kaum mit dem Thema befasst hatten und auch die Redezeit von zwei Minuten pro Kandidat kaum zu Ausführungen reichte. Zoltan Olah-Bogathy glaubt, dass derzeit die Rollen in Präsidenten- bzw. Premieramt falsch vergeben sind: Besser wäre es gewesen, den Dynamischen zum Regierungschef und den Eleganten zum Präsidenten zu küren. Möglicherweise war es auch die fehlende Substanz in der Thematik dass angehende einige der Parlamentskandidaten vergaßen - im zweiten Teil – als sie Fragen an ihre Gegenkandidaten stellen konnten, eigentlich kurze Referate hielten. Genauso wenig brachte auch die Fragestellung aus dem Publikum (nur drei Personen) ein, denn auch hier schien man eher am Wahlkampf interessiert, als an einer eventuellen Verfassungsänderung. Es klang wie verhaltene Kritik an der Debatte zur Regierungsform, als der Arzt Florica Bârsasteanu erkennen ließ: Es sei unverantwortlich, sich in diesen Zeiten nicht auf die Wirtschaftskrise zu konzentrieren.

Siegfried Thiel


Senatskandidaten bei der Debatte

Foto: Zoltán Pázmány

Johann Wolfgang von heute


In der Print-Ausgabe zu lesen:


- „Und mit Geistesstärke tu ich Wunder auch“

Gespräch mit dem Zauberlehrling

- Johann Wolfgang von Goethe

- Lustiges, am Rande notiert

- Wie aktuell ist Goethe? Eine Umfrage unter Schülern und Lehrern

Johann Wolfgang von heute


Fortbildungsseminar in Temeswar

„Johann Wolfgang von heute“ heißt das internationale Projekt, das Dr. Rolf Willaredt, Fachberater für Deutsch und deutschsprachigen Fachunterricht (DFU) der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), in Partnerschaft mit dem Goethe-Institut Bukarest organisiert. Ob Goethes Ideen auch heute noch aktuell sind und inwiefern sein Werk die Jugendlichen anspricht – das sollten die Teilnehmer innerhalb des Seminars „Dichten und Denken im Fach Deutsch und im DFU“, das vor Kurzem in Temeswar/Timisoara ablief, erfahren. Das Seminar richtete sich an Schüler deutscher Schulen aus Rumänien. Über 100 Schüler und Lehrer aus Sathmar/ Satu Mare, Klausenburg/ Cluj-Napoca, Karansebesch/ Caransebes, Reschitza/ Resita, Hermannstadt/ Sibiu, Suceava, Bukarest und Temeswar waren in Temeswar zugegen und eigneten sich Medienkompetenz an. Vertreter lokaler Medien brachten den Schülern bei, wie ein Radiointerview oder ein Zeitungsbeitrag verfasst, wie ein Plakat hergestellt wird, u.a. Die Texte, die auf dieser Seite zu lesen sind, wurden von der „Zeitungsgruppe“ unter Anleitung von Siegfried Thiel und Raluca Nelepcu verfasst.

Die Teilnehmer am Fortbildungsseminar in Temeswar mit Dr. Rolf Willaredt (Bildmitte)

Foto: Privat


Ein angehender Radio-Journalist führt ein Interview mit Astrid Lavasz von der „Zeitungsgruppe“.

Foto: Raluca Nelepcu

Wirtschaft und Umwelt


In der Print-Ausgabe zu lesen:


- Wasserbau und Überschwemmungsschutz

Bislang konnte der Terminplan eingehalten werden


- EU erlaubt mehr Pestizide im Essen/ Von Ana Saliste

Lange über den Verhältnissen gelebt


Wirtschaft- und Finanzkrise veranschaulich/ Von Siegfried Thiel

Der Bauboom hielt Jahre lang an. Haushaltsgegenstände und Unterhaltungselektronik wurden gekauft, wie nie zuvor, der Absatz an Autos legte Jahr für Jahr zu und die vielen Einzelhändler, vor allem in der Lebensmittel- und Konfektionssparte, sprechen Bände über das Konsumvertrauen der Rumänen. Um diesen Standard zu erreichen und zu halten, waren Geldinstitute gefragt, die der Bevölkerung sichern konnten, „heute zu verbrauchen, was sie erst in Zukunft verdienen wird“, sagt der Temeswarer Professor für Wirtschaftswissenschaften, Silviu Cerna, Mitglied im Aufsichtsrat der Rumänischen Nationalbank (BNR).

Dass manche sogar als Garantie für ihr Darlehen ihr eigenes Haus eingesetzt haben und nun möglicherweise vor einem Engpass stehen, sieht Cerna wirtschaftlich nüchtern: „Eine Kreditaufnahme und die dazu gehörende Garantie ist eine freie Entscheidung jedes Einzelnen. Im Extremfall muss die jeweilige Person auch mit drastischen Folgen rechnen“.

Zu einer öffentlichen Debatte zu diesem Thema war es an der Temeswarer West-Universität gekommen, als die Hochschullehrer Silviu Cerna, Bogdan Herzog und Radu Bufan über die globale Finanzkrise und deren Auswirkungen auf Rumänien referierten.

Übertrieben hohe Bankkredite, zu denen der Zugang zunehmend vereinfacht wurde, je mehr die Preise nach oben gingen, haben die Krise generiert. Dies funktionierte, so lange der Marktwert der Gebäude und Wohnungen über dem Niveau der Hypothek lag. Als dieses Verhältnis negativ wurde, brachen die Geldinstitute reihenweise ein; die sogenannten Hedge-Fonds gingen Pleite.

Jim Rogers, CEO der Roger Holdings sagt dazu: „Wir versuchen nun, die Banken zu retten. Das haben die Japaner in den 90ern versucht, und noch immer haben sie die Krise nicht endgültig überstanden.“

Weltweit sei jedoch in den letzten Jahren der Häuserbau zu einem Ideal geworden - für viele auch realisierbar. Der Druck zum Bau eines Eigenheimes, spekulative Absichten, die Möglichkeit zur Finanzierung und die vorübergehend als sicher angesehen Investition haben nicht zuletzt die gesamte Wirtschaft angekurbelt, die Arbeitslosenrate bis unter die Problemzonen herabgesetzt und gleichzeitig den Banken einen hohen Umsatz gesichert“, sagt Bogdan Herzog.

In Rumänien war dieser Aspekt – auch von der Aufbruchstimmung der letzten Jahre bedingt – besonders spürbar. All diese Aspekte haben die Konjunktur belebt, doch so stark, dass es zur Inflation gekommen ist, sagt Silviu Cerna, auf eine diesbezügliche Nachfrage der BZ. Dabei ist die Krise zum Großteil gar nicht hausgemacht, sondern Rumänien geriet einfach in den Sog der internationalen Gegebenheiten.

Direkt auf Rumänien bezogen sagte das BNR-Aufsichtsratsmitglied, dass die Bevölkerung in den letzten Jahren und sogar in letzter Zeit immer mehr Geld auf ihr Bankkonto bringt, doch in der gleichen Zeitspanne seien die Kreditaufnahmen verstärkt nach oben gegangen. „Das Verhältnis zwischen Kreditaufnahme und Anlage ist zugunsten des ersten gewachsen“, sagt Cerna. Dies ist vor allem für den Werdegang der Privatpersonen gültig – Firmen finanzieren sich meist selbst, resümierte er. Wohl schon deshalb, weil der Kredit ein zu großes Risiko für manchen Unternehmer barg. Andererseits befürchtet so mancher, dass gerade in der Rezession die Investitionen ausbleiben und die Wettbewerbsfähigkeit sich im unteren Segment ansiedeln wird.

Wirtschaft und Umwelt


In der Print-Ausgabe zu lesen:

- Arbeitslosenzahl in Temesch wächst

Unterschiedliche Daten von Arbeitsamt und Unternehmen

- Eine Banater Schwäbin auf Weltreise (9)

Stockholm: eine Zeitreise bei tagheller Nacht/ Von Nareda Cerdy




Modernisierungsprojekte im Kreis


Die Kleinstädte hoffen auf optimale Haushalte

Die Kommunalverwaltungen Lugosch/ Lugoj, Busiasch/ Buzias und Fatschet/ Faget erarbeiten derzeit das Investitionsprogramm für 2009. Für Modernisierungsprojekte erwarten die Kommunen des Verwaltungskreises Temesch 2009 hohe Haushaltszuschüsse.

Das „mutigste“ Programm stammt aus dem Kurort Busiasch. Um die 100 Millionen Euro müssten für 2009 locker gemacht werden. Unter den Projektvorschlägen erscheinen auch einige des vergangenen Jahres. „Wir haben schon dieses Jahr versucht, unsere Absichten umzusetzen, aber die fehlenden Finanzierungen haben uns daran gehindert“, sagt der Bürgermeister des Kurortstädtchens, Viorel Alger Ilas. Die Vorschläge beginnen mit der Reparatur der Wasser- und Abflussleitungen und umfassen auch die Straßenasphaltierungen in Busiasch, Bakowa/ Bacova und Silasch/Silagiu. In Bakowa müssen Arbeiten an der Wasserversorgung durchgeführt werden. Im Kurort ist das Kulturhaus zu renovieren. Auch im sportlichen und freizeitlichen Bereich geht das Busiascher Bürgermeisteramt mutig vor. Ein überdachtes Schwimmbad, ein Fußballfeld und mehrere Tennisanlagen möchte man des Weiteren einrichten. „Wir wissen, dass die Gesamtsumme der Investitionen sehr hoch für unser Budget ist. Deshalb verfügen wir über gewisse Projekte, für die wir versuchen werden, EU-Fonds zu beantragen, damit wir je mehr unserer Absichten verwirklichen können“, sagt Ilas.

In Lugosch beteiligt sich der gesamte Stadtrat an der Ausarbeitung des Haushaltsvorschlags für das kommende Jahr. „Ich habe die Vorschläge aller Unterabteilungen aus dem Bürgermeisteramt in Betracht gezogen. Ich habe vor, auch mit den restlichen Staatsinstitutionen, wie Schulen, Stadtbibliothek, Museen oder Kulturhaus, zu sprechen, um deren Bedürftigkeiten zu erruieren, damit wir die genaue Bedarfsliste identifizieren können“, sagt der Lugoscher Bürgermeister Francisc Boldea. Noch bis Jahresende 2008 soll der Gebrauchtwarenbasar am Großmarkt modernisiert werden. Danach ist eine Erneuerung des Zentralmarkts bis Ende 2009 im Programm. Ebenfalls in diesem Programm ist auch die Asphaltierung aller Schotterwege der Stadt eingeschlossen. Francisc Boldea meint, dass die Straßen Gheorghe Doja, Tudor Vladimirescu, Caraiman und Avram Iancu bevorzugt werden.

Die Stadt Fatschet hat 25 Projektvorschläge für 2009 parat. Zu den bevorzugten Investitionen zählen die Modernisierung und der Ausbau des Siedlungswassernetzes. Die Stadtväter hoffen, einen Park, der den abendländischen Modellen gleichen soll, in die Tat umsetzen zu können. Außerdem sollen Straßen und Gehsteige neu asphaltiert werden. Das Bürgermeisteramt möchte zusätzlich die Straßen zu bedeutenden Tourismusattraktionen herrichten lassen. Zu diesen zählen die Holzkirchen südlich des mittleren Maroschlaufs und in die Ortschaft Jupânesti, die bekannt für ihre Töpferei ist. „Unsere Vorhaben werden zusätzlichen Kraftaufwand erfordern, um diese Projekte zu Ende zu führen. Diese Geldausgaben werden jedoch die Sichtbarkeit unserer Stadt verändern“, sagt der Fatscheter Bürgermeister Dorel Covaci.

Oliver Zsilko

Allerhand aus dem Banat

In der Print-Ausgabe zu lesen:

- Auf den Spuren der Frau in Rot...

Ana Cumpanas: Weltweit bekannt – im Heimatort anonym/ Von Andreea Oance

- Der älteste Banater Schwabe war Perjamoscher

Ein Banater Original: Der Perjamoscher Philipp Kelcso (1868-1973)

Verein der Freunde der Lenauschule


Unterstützung für deutsches Lyzeum in Temeswar

Der Verein „Freunde der Lenauschule Temeswar“, im Juli dieses Jahres gegründet, wird 2009 einen Preis stiften. Der „Else Lucia Kappler“-Preis in Höhe von 250 Euro soll im Frühjahr/ Sommer 2009 an jeweils zwei SchülerInnen mit besonderen schulischen Leistungen verliehen werden, teilte vor Kurzem Franz Quint, Vorsitzender des Vereins, mit. Die Mitglieder des Vereins haben sich vorgenommen, die deutsche Bildungsstätte in Temeswar/ Timisoara geistig und materiell zu unterstützen. Unter anderen soll auch Geld für die Sanierung des maroden Schulgebäudes gesammelt werden. Auch möchten die Vereinsmitglieder die Geschichte der Nikolaus-Lenau-Lyzeums erstellen - dafür sei aber der Einsatz mehrerer Jahrgänge erforderlich. Ein anderes Vorhaben des Vereins ist, die einst traditionellen „Lenau-Treffen“, an denen sich Absolventen verschiedener Jahrgänge beteiligten, wieder zu beleben.

Der Verein wurde von ehemaligen Lenauschülern gegründet, die die Zukunft des Lyzeums, das sie einst besucht hatten, mitbestimmen möchten. Den Ehrenvorsitz des Vereins hat der ehemalige Lenauschulleiter Erich Pfaff inne. Der Verein ist darum bestrebt, gute Lernbedingungen für die heutigen Lenauschüler zu schaffen, Schüleraustausche zwischen Rumänien und Deutschland zu organisieren und Patenschaften durch deutsche Unternehmen auf die Beine zu stellen. Erwünscht ist sowohl aktive, als auch passive Mitgliedschaft mit Beitragszahlung (10 Euro pro Jahr). Mehr Infos gibt es auf der Internetseite www.lenauschule.net oder unter verein@lenauschule.net.

Das Nikolaus-Lenau-Lyzeum in Temeswar

Foto: Zoltán Pázmány

Banater Bergland heute

In der Print-Ausgabe zu lesen:

- Karansebescher Versöhungsbogen

„Denkmal Christlicher Einigkeit im Geiste“ vorgesehen

- Atypische Immobilien-Preisentwicklungen

Die Kaufpreise stiegen um bis zu zehn Prozent an

- Der Armin-Marosi-Fundus des Museums

Schenkung ans Museum des Banater Montangebiets



Lindenfeld

Nach vielen Wintern, in denen Kälte, Wind, Schnee, Frost und Eis mit und in ihr nach Herzenslust schalten und walten konnten – böse Menschen hatten es ohnehin schon seit dem Verlassen des Dorfes in den sechziger Jahren getan – steht die Kirche in Lindenfeld erstmals mit einem solide eingedeckten Dach da. (im Bild) Die freiwilligen Helfer aus Deutschland rund um den aus Lowrin/ Lovrin in der Banater Heide gebürtigen Helmut Kierer haben es geschafft, die Kirche wieder winterfest zu machen. Nun harrt nur noch das teilweise stark in Mitleidenschaft gezogene Kircheninnere – vor allem die Decke, wo wegen der eindringenden Nässe ein Teil herabgefallen ist – ihrer Renovierung. Neben einem alten Holzkreuz besteht das ursprüngliche Inventar der Kirche nur noch aus einem marmornen Weihwasserbecken (siehe Foto). Der Fußboden ist bei früheren Einsätzen der Freiwilligen durch einen soliden Betonbelag bereits saniert worden.

Text und Fotos: Werner Kremm

Pipatsch

In der Print-Ausgabe zu lesen:

- Zur Maj gehn

- Werter, die selten gsaat gin

- Stipperliche Bsuch

- Kathrein, sperr die Geign ein

- Hat ter gewisst, dass...

-Es stosst mer uf. Es Weihnachtsgschäft fangt an!

- Etwas iwer Sarafol, verzählt vun Elli Weiland

Pilder


Die Glasheiser, die wu heitzutach immer efter in die Heh spriesse, sie schaue jo scheen un modern aus. Doch schaut eich mol die Alpiniste do an, wie die bamble un sich abplooe, for die ville Finschtre putze! Sie sin jo mit Stricke anghong, awer trotzdem!


Do hats der Mann do doch vill eenfacher. Er hat anstatt e Bese so e Strassenroboter, brauch sich nimi abplooe, wann er die Gasse kehre will. In unsrer heitich Zeit sin sogar die Strassenkehrer motorisiert!


Fotos: Zoltan Pazmany