Dienstag, 26. Januar 2010

Abgeordneter Ovidiu Gant sagt entschieden „Nein“

Mit harten Bandagen - Kampf um Erhalt deutscher Klassen

Von Siegfried Thiel


Es ist gar nicht so lange her, seitdem pensionierte Lehrer reaktiviert werden mussten und Hilfslehrer sogar in Großstädten zum festen Bestand von Bildungseinrichtungen gehörten. Nun zittern sogar gestandene Lehrkräfte um ihren Job, denn die rumänische Regierung will die Schere radikal ansetzen. Tausende Lehrerstellen sollen landesweit abgebaut werden, der Zusammenschluss von Schulen und Klassen, die Auflösung anderer – all das erhitzt derzeit die Gemüter, lässt in Kommunen, Schulbehörden und vor allem in Minderheitenorganisationen um Stellen kämpfen. Schulen sollen ab kommendem Herbst ihre Zuwendung pro Schüleranzahl bekommen – dies das derzeit oberste Gebot im rumänischen Unterricht, doch sollte diese Regel eine pauschale Anwendung finden, sind nicht nur Lehrer und Schüler betroffen, sondern auch nationale Minderheiten und der Unterricht in deren Sprache.


„Es kollidieren die neuen Reformideen mit der Gesetzgebung“, zog bereits vergangene Woche der Abgeordnete des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR), Ovidiu Gant ein erstes Fazit. In einem interview unseres Senders Laut Gesetz kann eine Klasse in den Sprachen der Minderheiten bereits mit zehn Schülern bestehen, also muss eine solche das neueste vorgeschriebene Soll von 25 – 30 Schülern pro Klasse nicht einhalten. Außerdem ist derzeit ein Zehn-Klassen-Abschluss Pflicht, sagt der Parlamentarier der deutschen Minderheit. Für Ovidiu Gant zählt, dass die Gesetzgebung eingehalten wird: „Das Ministerium muss die Finanzen sichern, damit die jeweilige Abteilung weiter bestehen kann“.

Für heute Mittag war eine Debatte in der Temescher Schulbehörde zwischen dem Abgeordneten Ovidiu Gant und den Vertretern der Behörde geplant. Da sollte entschieden werden, ob Klassen, bzw. Abteilungen im Verwaltungskreis Temesch/Timis geschlossen werden. Der Parlamentarier geht davon aus, dass alle derzeitigen Abteilungen und Klassen – egal in welchem Ort und auf welchem Niveau – erhalten bleiben. In Lugosch/Lugoj, Großsanktnikolaus/Sannicolau Mare und Perjamosch/Periam, aber auch am Banater Kolleg in Temeswar signalisierte die Schulbehörde Absicht zur Streichung von Klassen bzw. Abteilungen. Die Bürgermeister in Lugosch, Großsanktnikolaus und Perjamosch sind jedoch dagegen, in Lugosch setzten die Eltern der Schüler ein Protestschreiben auf, das an Entscheidungsträger, ja sogar an den Staatspräsidenten geschickt wurde.

Nach den Gesprächen die diesbezüglich in diesen Tagen laufen, kommen wir auf das Thema zurück.


Am Coriolan-Brediceanu-Lyzeum in Lugosch (im Bild) gibt es derzeit Unterricht in deutscher Sprache.

Foto: Raluca Nelepcu

Remember Kamo

Gedenkkonzert für Blueslegende Béla Kamocsa


„Mercy“ hatte er immer nach einer Applauswelle ins Mikro gesagt, und in seinen Worten steckte tatsächlich mehr als nur ein „Dankeschön“. Es war vielleicht auch eine Bitte um Gnade, doch dem Publikum galten seine Worte wohl kaum. Denn als Béla Kamocsa zur Gitarre griff und spielte, brauchte er keines Hörers Erbarmen. Er spielte und das Publikum genoss atemlos seine Songs. „Nun spielt Kamo dort oben bei den Engeln“, sagte Johnny Bota, Bass-Spieler der Bega-Blues-Band und langjähriger Freund von Béla Kamocsa, letzten Donnerstag im Club 30. Hier fand unter dem Motto „Remember Kamo“ ein Tribut-Konzert für den verstorbenen Gitarrenspieler statt.

Freunde von Béla Kamocsa, aber auch Menschen, die seine Musik gekannt und geliebt haben, trafen sich im Club 30 im Zentrum von Temeswar/Timisoara, um das Konzert zu genießen. Zu den Musikern, die auftraten, zählten Ilie Stepan, Horea Crisovan, Johnny Bota, Lica Dolga, Àrpád Kajtar, Mirela Iacob, Lucian Nagy, Tavi Scurtu und Dan Mitrofan. Auch Stadtpersönlichkeiten waren dabei: Philharmonie-Direktor Ioan Coriolan Gârboni, Vizerbürgermeister Adrian Orza, Radio-Campus-Direktor Marius Giura u.a. Anwesend war auch der Leiter des Rumänischen Kulturinstituts in Lissabon, der Jazzkritiker Virgil Mihaiu, den seit vielen Jahren eine besondere Freundschaft mit der Temeswarer Bega Blues Band verbindet. „Temeswar ist ein Ort der kulturellen Dichte und menschlichen Solidarität. Béla Kamocsa war ein Katalysator der Events und war mit allen befreundet“, sagte Virgil Mihaiu.

Die Familienmitglieder von Béla Kamocsa konnten nicht dabei sein, für Kamos Frau Mariana sei noch nicht der Moment gekommen, dass sie zu Konzerten geht, teilte Johnny Bota dem Publikum mit.


Freunde von Béla Kamocsa trafen sich im Club 30 zu einem Gedenkkonzert.

Foto: Zoltán Pázmány


Den Konzertabend eröffneten Ilie Stepan und Horia Crisovan. Auf der Gitarre spielten sie Songs, die das Publikum in eine melancholische Stimmung versetzten. Der Anfang war soft, doch auch der Abend noch jung: Es folgten die Absolventen der Jazz-Uni in Temeswar, die mit „Mercy, Mercy, Mercy” – die Lieblingsworte ihres ehemaligen Lehrers - ihr Repertoire begannen. „Wir wissen, dass Kamo nicht nur den Blues, sondern auch den Jazz geliebt hat”, sagte Arpad Kajtar. Mit komplizierten Jazz-Stücken verzauberten sie die Hörerschaft. Es folgten Lica Dolga (Schlagzeug) und Johnny Bota (Bass), zu denen sich Toni Kühn (Gitarre) gesellte.

Es war ein Konzertabend, der mehr als drei Stunden dauerte. Jeder der Musiker hielt sich an den letzten Wunsch seines verstorbenen Freundes und gab sein Talent zum Besten. Während der Auftritte liefen im Hintergrund Bilder und Filme von den Auftritten von Béla Kamocsa.

Béla Kamocsa (24. Dezember 1944 Großwardein/Oradea – 14. Januar 2010 Temeswar) war einer der Mitbegründer der berühmten rumänischen Rockband Phoenix. Zusammen mit Bassspieler Johnny Bota rief er die Temeswarer Bega Blues Band ins Leben. 2007 wurde er für seinen bedeutenden Beitrag zum Musikleben der Stadt Temeswar zum Ehrenbürger ernannt. Er rief die Temeswarer Blues-Jazz-Gala, das Jimbo-Blues-Festival in Hatzfeld/Jimbolia und das Lugoscher Jazzfestival ins Leben. Sein letztes Konzert war im November 2009 auf der Blues-Jazz-Gala in Temeswar. Damals schon wusste er von seiner Krankheit (er litt an Krebs), ließ jedoch nichts davon erkennen. Die Blues-Jazz-Gala, die in diesem Herbst in Temeswar stattfinden wird, soll Béla Kamocsa gewidmet sein.

Der Musiker hatte seit einigen Monaten an einem autobiographischen Buch gearbeitet. Die Arbeit übernahm nach seinem Tod sein Enkel aus den USA. Das Buch wird voraussichtlich Ende des Jahres erscheinen. Die Einnahmen des Club 30 am Donnerstagabend wurden dem Enkel des verstorbenen Musikers gespendet, zur Finanzierung des Buchs. Der Enduromania-Erfindet und Veranstalter Sergiu Moraru, der mit Béla Kamocsa befreundet war, richtete eine Internetseite mit Bildern des verstorbenen Musikers ein: Auf http://kamo.enduromania.net/ können alte Fotos von Kamo besichtigt werden.

Raluca Nelepcu


Ilie Stepan (rechts) und Horea Crisovan versetzten das Publikum in eine melancholische Stimmung.

Foto: Zoltán Pázmány


Schulcampus in Wert von 30 Millionen Euro

Neue Chemielabors werden am 25. März eingeweiht / Von Ana Saliste


Der neue Temeswarer Schulcampus in unmittelbarer Nähe der Kunsthochschule nimmt allmählich Form an: Ein Teil des Baus wird bereits am 25. März offiziell eingeweiht. Es handelt sich um ein zweistöckiges Gebäude mit modern ausgestatteten Chemielabors, wo Studenten, Lehrkräfte und Magisterstudenten der Temeswarer Chemiefakultät noch in diesem Jahr zahlreiche Forschungsarbeiten durchführen können. Das Datum der Einweihung kommt nicht von ungefähr: „Alles, was wir machen, versuchen wir unter ein religiöses Zeichen zu setzen. Am 25. März feiern wir Maria Verkündigung. Dann soll auch die Einweihung stattfinden“, sagt Ioan Talpo{, Rektor der Temeswarer Westuniversität.

Die neuen Labors sind mit einer Ausstattung in Wert von rund 300.000 Euro bestückt. „Die modernste Ausstattung in ganz Rumänien“, so Rektor Ioan Talpos. Dadurch soll insbesondere die Forschungsarbeit der Chemie Studierenden ermutigt werden. „Hier sollen hauptsächlich Studenten im letzten Jahrgang, Lehrkräfte und Doktoranden Zugang haben, denn wir wollen in erster Linie die Forschung fördern“, erläutert Talpo{. Auch die Weine der Rekascher Weinstuben sollen hier getestet werden. „Von hier werden die Rekascher Weinsorten ein Qualitätszeugnis erhalten können. Die Universität wird dadurch zu einer ´unternehmerischen´ Einrichtung“, so Talpo{. Die Kosten für die neuen Chemielabors belaufen sich auf zweieinhalb Millionen Euro. Mehr als die Hälfte davon (1,5 Millionen Euro) kommen aus dem Haushalt der Universität, eine Million Euro steuerte das Bildung- und Unterrichtsministerium bei.

Laut Ioan Talpo{, sollen sich, im neuen Schulcampus Lehr- und Lerneinheiten mit Freizeitangeboten abwechseln. Somit wird hier bis zum 1. Oktober 2010 auch ein Sportkomplex entstehen. Ein modernes Schwimmbad mit acht Bahnen von je 40 Metern ist für 2011 vorgesehen. Alle Studenten und Lehrkräfte der Westuniversität werden dabei freien Zugang haben. Die Bauarbeiten für das Schwimmbad sollen im nächsten Frühjahr starten. Der Campus soll bis 2013 auch ein wissenschaftliches Forschungsinstitut in Bereich Umwelt beherbergen. Hier sollen Studenten und Lehrkräfte von der Physik-, Chemie-, Biologie-, Geographie-, Informatik- sowie Wirtschaftsfakultät ihre Forschungsarbeiten durchführen. Ein Parkplatz mit rund 1.000 Plätzen und mehrere Studentenheime sind ebenfalls im Projekt vorgesehen. Die gesamte Investitionssumme beläuft sich auf rund 30 Millionen Euro. Dafür sollen Strukturfonds angezapft werden. „Ein Teil der Finanzierung kommt aus dem Haushalt der Universität. Auch das Bildungs- und Unterrichtsministerium wird Geld beisteuern. Wir müssen nur Geduld haben“, schließt Rektor Ioan Talpos.



Noch zwei Monate bis zur Einweihung der Chemielabors in Wert von zweieinhalb Millionen Euro im Studentencampus.

Foto: Zoltán Pázmány

BANAT AKTUELL

Dieses Jahr keine WKP

In diesem Jahr wird die traditionelle Wortschtkoschtprob (WKP) nicht stattfinden. Die Schwierigkeiten bei der Sponsorensuche haben unter anderen zu dieser Entscheidung seitens des BZ-Teams geführt. Die Tradition soll aber nicht aussterben: Das Konzept der WKP soll in den kommenden Jahren neu durchdacht werden. Die Redaktion der BZ möchte die Worschtkoschtprob nicht mehr als öffentliches, umfangreiches Event veranstalten, sondern als exklusives Fest für Abonnenten und Freunde der Zeitung. (rn)


Auf Leben und Tod

„Auf Leben und Tod“ heißt die Ausstellung, die altertümliche Waffen präsentiert. Fast einen Monat lang, zwischen dem 29. Januar und dem 21. Februar, wird die außergewöhnliche Ausstellung im Gebäude des Kunstmuseums in Temeswar/Timi{oara zu sehen sein. Streitkolben, Jatagane, Degen, Schwerter, Pallasche u.a. werden zum ersten Mal in Temeswar zu sehen sein. Während der Expo werden an Wochenenden auch Fechtvorführungen im Barock-Palais am Domplatz stattfinden. Diese werden von den Mitgliedern des Temeswarer Fechtvereins innerhalb der TU „Politehnica“ dargeboten. (ao)


Winterparadies Semenik

Über 20 Zentimeter misst die Schneedecke auf dem Semenik, so das Wetteramt Rumäniens. 3,3 Kilometer Schipiste stehen den Wintersportliebhabern hier zur Verfügung. Eine Fahrt mit dem Schilift kostet vier Lei, eine Tageskarte ist um 50 Lei erhältlich. Wer Schier mieten möchte, der kann es für 10 Lei pro Tag tun. Auf dem Muntele Mic bei Karansebesch/Caransebe{ misst die Schneedecke 25 Zentimeter. Hier stehen den Schifahrern 5,3 Kilometer Schipiste zur Verfügung. (rn)


Waffenausstellung in Lugosch

Jagd- und Militärwaffen werden am 3. Februar in der „Pro Arte“-Galerie im Zentrum von Lugosch/Lugoj ausgestellt. Die ältesten Exponate stammen aus dem VIII. Jahrhundert. Außerdem werden Militärwaffen, die von der kommunistischen Miliz von ihren Besitzern konfisziert wurden, ausgestellt. Auch Schwerter der österreich-ungarischen Offiziere werden innerhalb der Expo zu sehen sein. Die Vernissage der Ausstellung findet um 18 Uhr statt. (rn)


Gute Chancen für Volleyballteam

Das Männer-Volleyballteam Uni Temeswar/Timisoara kämpft um den Sprung in die erste Liga. Am Wochenende haben die Schüler von Sorin Gradinaru nach Sätzen mit 3:1 gegen Rapid Bukarest gewonnen und sich den ersten Platz in der A2-Volleyballiga gesichert. Am kommenden Wochenende treten die Temeswarer gegen die letztplatzierte CSS Baia Mare an. Danach folgt die Play-Off-Runde, die im Kampf um den Aufstieg in die Superliga des rumänischen Volleyballs entscheidend sein wird. (rn)

BANATER PERSÖNLICHKEITEN

Schriftsteller, Publizist und Einsiedler


Otto Alscher, einer der lange Zeit zu Unrecht vergessenen Banater deutschen Schriftsteller, wurde am 8. Januar 1880 in Perlaß (Jugoslawien) geboren. Mit elf übersiedelte er mit der Familie nach Orschowa. 1905 erbaute sich Alscher eigenhändig bei Orschowa, im Gratzkatal ein Häuschen, wo er als Jäger und Schriftseller lebte. Alscher besuchte in Wien eine graphische Anstalt, übersiedelte 1911 nach Budapest, er war als Redakteur des "Pester Lloyd", des "Budapester Tagesblattes" und darauf 1917-18 in Belgrad ("Belgrader Nachrichten") tätig. 1919 übersiedelt er nach Orschowa. Als Jounalist arbeitete er weiter bei der "Deutschen Wacht" und der "Arbeiterzeitung" in Temeswar. 1924 leitet er die "Lugoscher Zeitung". 1939 übersiedelt er nach Temeswar, wo er als Kulturrat tätig ist.. 1942, verarmt und enttäuscht, zieht sich Alscher wieder in seine Orschowaer Einsiedelei zurück. Nach dem Verlust des Waldhauses wegen Schulden zieht sich Alscher mit Familie in das Orschowaer Elternhaus zurück. Otto Alscher stirbt am 30. Dezember 1944 in Targu Jiu.

Sein literarisches Debüt geht auf das Jahr 1908-09 zurück: Sein Erstlingsroman "Menschen der Peripherie" erscheint in Meschendörfers Kronstädter Zeitschrift "Die Karpathen". 1910 erscheint in Stuttgart der Novellenband "Mühselige und Beladene". Sein wohl bekanntestes Werk, der Roman "Gogan und das Tier" wurde 1912 vom Berliner S. Fischer Verlag herausgebracht. 1914 erscheint im Albert Langen Verlag München Alschers Erzählungsband "Zigeuner", 1928 bei Albert Langen der beachtete Band "Tier und Mensch, Geschichten". Weitere Bände von Otto Alscher, der vor allem für seine einfühlsamen Tiergeschichten geschätzt wurde: "Zwei Mörder in der Wildnis", "Die Bärin, Besinnliche Tiergeschichten". Nach 1945 besorgte Herausgeber Heinz Stanescu einige Sammelbände aus dem Werk von Otto Alscher (Literaturverlag, Jugendverlag, Facla-Verlag). Aus dem Alschers Nachlaß (zum Glück von Alschers ehemaligem Nachbar Geza Hutterer vor der Orschowa-Überschwemmung gerettet) verlegte Franz Heinz im Kriterion-Verlag u.a. den Roman "Der Löwentöter" und das "Belgrader Tagebuch". (bw)

Trendwechsel in den Temeswarer Bars

Lokalbesitzer setzen immer mehr auf Livebands


Die Plattenspieler stehen still, die CDs liegen auf den Regalen. DJs: Fehlanzeige. Dafür stehen jetzt Gitarren im Vordergrund. Der Bassist fällt durch rhythmisches Schulterzucken auf. Der Gitarrist spitzt die Lippen. Der Sänger beugt sich alle zwei Lieder zum Mikrophon, um seine Brille besser auf die Nase zu rücken. Dabei schließt er die Augen. Jeder hat seinen eigenen Stil, wie er die Musik fühlt. Trotz einiger Macken: Die Musik klingt harmonisch. Die drei kennen sich seit längerer Zeit, alle drei „Musikfanatiker“. Einen Namen für die Band haben sie nicht, sie treffen sich sporadisch, um zu üben, ansonsten treffen sie sich direkt auf der Bühne. Sie haben Jobs, können also nicht sehr oft Stücke einstudieren.

„Das Schlimmste für einen Musiker ist nicht unbedingt, ausgebuht zu werden, sondern zu merken, dass er das Publikum nicht anspricht oder dass dieses gar nicht an der Musik interessiert ist“, sagt Borbely Szilard, Schlagzeuger der Band „Quo Vadis“, die für die Temeswarer schon aus den 90er Jahren ein Begriff ist. „Am Anfang sind alle begeistert, wollen beim Tragen der Lautsprecher und Instrumente mithelfen. Nach dem Konzert jedoch, nachdem sie ein paar Bier gezischt haben, sind sie für das Abmontieren nicht mehr verfügbar“, so Borbely. „Man sollte also professionell vorgehen und sich Leute anheuern, die das Tragen übernehmen“, fügt der Schlagzeuger hinzu. Wie Borbely meint, wird man durch Musizieren nicht reich. Jedenfalls nicht in Rumänien. Sie bekommen für einen Abend höchstens zweihundert Euro pro Person, sehr oft geben sie inzwischen keine Konzerte mehr.

Barbesitzer setzen immer mehr auf junge Künstler. Das „Barmusizieren“ könnte als eine Startrampe für diese angesehen werde. Im Westen ist es eine Selbstverständlichkeit, viele international bekannte Musiker haben ihre Karriere in Bars gestartet. In London geht man noch weiter: Nicht nur die Bars, sondern auch öffentliche Plätze werden als „Bühne“ für angehende Musiker verwendet. Schlagzeuger, Gitarrenspieler und andere Künstler ziehen die Spaziergänger – zumindest für ein paar Augenblicke – an.

Junge Musiker sind außerdem für Inhaber der Etablissements eine billigere Alternative. Diese bekommen für einen Konzertabend an die 100 Lei pro Person. Meist werden Stücke aus internationalem Repertoire gesungen, die das Publikum im Allgemeinen schon kennt, es werden jedoch im Laufe eines „Live-Abends“ auch Eigenstücke vorgespielt. Für die Musiker ist es auch ein Test, wie ihre Eigenkreationen beim Publikum ankommen.

Für viele erfreulich auch der Wechsel der Musikstilrichtung. Falls bis vor einigen Jahren die sogenannten „Manele“ – von einigen als subkulturelles Musikphänomen, das aus orientalischem Rhythmus mit etwas fragwürdigen Texten kombiniert - aus den Lautsprechern ertönten, sind diese nun kaum noch wahrnehmbar.

Erfreulich für die Besucher ist auch die Tatsache, dass meist kein Eintrittsgeld verlangt wird. In der Wirtschaftskrise, und da das Temeswarer Publikum als eher prätentiös bezeichnet werden kann, könnte die Livemusik als profitabel bezeichnet werden. Lieber ein volles Haus, in dem man richtig bechert, als ein Lokal mit nur wenig Kunden und Radiomusik im Hintergrund. Da geben die Inhaber der Bars schon mal lieber ein paar hundert Lei für die Musiker aus.

Olivian Ieremiciu


Livekonzert im „Bunker“ am Domplatz: Sonatic heizt das Publikum ein.

Foto: Zoltán Pázmány

Eine ganze Region hängt am Tropf der Autoindustrie

Eybl-Prevent - mit kleinen Schritten zurück in die Normalität

Von Siegfried Thiel


„Es ist eben ein Einkommen mehr“ – Valentina Natanticu strahlt, als hätte sie ein wunderschönes Geschenk bekommen. Es kommt zwar nach Weihnachten, doch vielleicht hat sie sich dies ja auch ganz stark zu Neujahr gewünscht – wieder an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren. Und dieser Arbeitsplatz ist ihre Nähmaschine bei Eybl International in Detta/Deta, an der sie vor ihrer Entlassung zweieinhalb Jahre lang gearbeitet hatte. Die kleine Stadt im westrumänischen Verwaltungskreis Temesch/Timi{ war vor zwei Jahren noch wahrhaftig eine Hochburg der Automobilzulieferer. Sitzbezüge bzw. Lederlenkräder wurden in drei Produktionseinrichtungen internationaler Konzerne hergestellt, doch dann kam die Wirtschaftskrise. Nach einem harten Jahr mit sozialen Einschnitten zeichnet sich seit kurzem ein Aufwind ab. Auch sonst ist Optimismus angesagt, denn in der Stadt, die vor der Wende von Furnierherstellung lebte, sind die Automobilzulieferer auf der Suche nach neuem Personal, mieten Hallen an und planen zumindest mittelfristig im Bereich Ausbildung.


Eybl: Von der Pleite zum Neuaufbau

Der Werksleiter Ernst Holzheimer muss sich bei seinem Amtsantritt im Herbst 2008 wie ein Konkursverwalter vorgekommen sein. Eybl International war pleite, und damit auch der Rumänienstandort des österreichischen Konzerns. „Ich wollte zu einem Zeitpunkt gar nicht mehr in die Produktionshalle“, sagt heute die Personalchefin Teodora Bandur. Das allein zeigt schon, welcher Gemütszustand im Werk neben dem Stadtpark von Detta herrschte, als Personalentlassungen auf der Tagesordnung standen. Innerhalb weniger Monate wurden etwa 1.400 der ehemals 1.700 Arbeitnehmer entlassen; aber auch für die anderen war der Job in Frage gestellt, als in der Eybl-Zentrale im österreichischen Krems Konkurs gemeldet wurde. Allein der neue Werkschef Ernst Holzheimer versprühte in kurzen Sätzen immer wieder Optimismus: „Wir werden die letzten Arbeitsplätze retten. Die Aussichten auf einen neuen Aktionär sind nicht schlecht“. Mit solchen und ähnlichen Aussagen ließ er gelegentlich aufhorchen. Und plötzlich war der deutsche Automobilzulieferer Prevent im Gespräch, kurze Zeit später war der Erhalt der Eybl-Niederlassung in Detta Fakt. „Eybl ist ein Markenname und deshalb bleibt er auch unter den neuen Gegebenheiten erhalten“, sagte bereits gleich nach der Übernahme der Projektleiter von Prevent, Karl-Heinz Bierenbreier.

„Es war weder von vornherein klar, dass Eybl als Standort erhalten bleibt, noch darf die Rettung des Konzerns an mir und meinem Namen festgemacht werden“, sagt heute Ernst Holzheimer. Dass Detta mitübernommen wurde, geht laut Holzheimer vor allem auf die gesamte Belegschaft zurück, die auch in einer schlechten wirtschaftlichen Lage - nach der Insolvenz der Österreicher - flexibel war und den Anforderungen der Kunden gerecht wurde. „Wir haben uns einfach gut verkauft und damit wieder ins Spiel gebracht", lobt der Werksleiter seine Mitarbeiter. Solche Aspekte waren letztendlich wohl ausschlaggebend für die Entscheidung in der Chefetage bei Prevent.


Ausbildung für VW-Ansprüche

Etwa 125 Arbeitnehmer hat das Dettaer Unternehmen in den letzten Monaten eingestellt, die Strategie des Betriebs zeigt, dass weitere Aufstockungen nicht auszuschließen sind. Ernst Holzheimer und Ion Jinaru, Direktor der Schulgruppe „Sfântul Nicolae“ in Detta basteln an einer Zusammenarbeit, die in den kommenden Jahren beiderseitige Vorteile bringen soll. In der Fachausbildung wollen Schule und Werk einen gemeinsamen Weg gehen: Praktikum bei Eybl für die Abteilung der NäherInnen steht an, aber auch die Ausstattung des Schulateliers mit Nähmaschinen und Stoffen zum Anlernen will Eybl übernehmen. In Klartext heißt dies auch, dass der Faktor Qualität bei Eybl für ihre Sitzüberzüge für den Prevent-Kunden VW ganz groß geschrieben wird. Zwar bringen Fabrikbusse wieder Personal aus den umliegenden Ortschaften – und sogar aus dem Raum Orawitza/Oravi]a im Verwaltungskreis Karasch-Severin/Cara{-Severin – doch für eine eventuelle Personalaufstockung werden nicht generell die ehemaligen Arbeitnehmer berücksichtigt. Eybl hat bisher zwar bei den Neueinstellungen auf die entlassenen Mitarbeiter zurückgegriffen, wird jedoch in Zukunft, um den VW-Standard halten zu können, fachgerecht im Werk Personal ausbilden. In Zusammenarbeit mit dem örtlichen Gymnasium soll an der Abteilung für Textilfachleute eine Vorausbildung junger NäherInnen erreicht werden. Dazu will Werksleiter Ernst Holzheimer mit Nähmaschinen für die Schulwerkstatt, mit Fachpersonal und Betriebspraktika der Bildungseinrichtung entgegenkommen. Die Abteilung für Lederlenkräder bleibt wohl bei Eybl für immer geschlossen. Ein Teil der ehemaligen Belegschaft hat sich jedoch bei dem auf Lederlenkräder spezialisierten japanischen Unternehmen Takata einen Job gefunden – und für diese Kategorie hat sich außer dem Namen ihres Arbeitgebers nicht viel geändert: Takata hat nämlich die Produktion in der ehemaligen Werkhalle für Lederlenkräder bei Eybl angefahren.


Kommunalprojekte auch im Krisenjahr

Bau von Wohnungen für Jugendliche (ANL-Projekte), Asphaltierung von Straßen und Wegen, ein nach gehobenem Standard saniertes Krankenhaus: Das alles zählt der Bürgermeister Petru Roman unter der Rubrik „Detta lebenswerter machen“ auf. Einige der Projekte sind abgeschlossen, andere werden gerade durchgeführt. Weitere Investitionen stehen auf der Planungs- und Prioritätenliste. Bald schon soll ein Kulturhaus mit einem Kostenvoranschlag von mehr als drei Millionen Euro errichtet werden, weitere ANL-Wohnungen (36 sind fertig, weitere 64 werden demnächst errichtet) und ein Gebäude mit Sozialwohnungen kommen im Bereich Bauvorhaben hinzu. Die Ausweitung des Wasser- und Kanalisationsnetzes wird über einen Masterplan des regionalen Wasserbewirtschaftungsunternehmens „Aquatim“ erfolgen. Investitionsgelder aus nationalen Fonds, aber auch EU-Finanzierungen machten/machen die Projekte möglich: Der Bürgermeister der 6.500 Einwohner zählenden Kleinstadt blickt auf ein recht gutes Jahr 2009 zurück, auch wenn Wirtschaftskrise und die direkt damit verbundenen Einbrüche in der Automobilindustrie seinen Haushalt geschmälert haben.


Konsumvertrauen unten angesetzt

Eine kürzliche Umfrage hat ergeben, dass 48 Prozent der rumänischen Bürger seit Beginn der Wirtschaftskrise weniger Geld in der Tasche haben als zuvor. Nur 14 Prozent haben ein höheres Einkommen. Dass die Flaute auch auf Detta zutrifft, bedarf keines Fachwissens. Allein die mehr als 1000 Arbeitsplätze, die innerhalb relativ kurzer Zeit verloren gegangen sind, sprechen Bände. „Wir fühlen den Abbau der Arbeitsplätze schon, denn früher haben nicht nur die Dettaer, sondern auch die Pendler aus den Nachbarorten mit ihren Lebensmitteltickets und mit einem Teil ihres Lohnes bei uns eingekauft“, hatte bereits kurz nach Ausbruch der Wirtschaftskrise eine Verkäuferin im Allzweckladen im Stadtzentrum gesagt. „Manche haben Verkaufsfläche und Personal reduziert, einige wenige haben geschlossen“, sagt Ortsvorsteher Petru Roman über die Entwicklung des letzten Jahres im Handel. Trotzdem hat er auf seiner Liste der Sozialhilfeempfänger nur ganze 46 Bürger stehen.

Andere Aspekte machen ihm da mehr zu schaffen: Personal, das innerhalb der Dezentralisierung von Behörden unter die Obhut der Kommunalverwaltung musste, kommt dem Bürgermeister weder vom Hauhalt noch von der Personaldecke her gelegen. Neuesten Gerüchten zufolge soll die Anzahl der im Rathaus Beschäftigten recht genau mit der Anzahl der Bevölkerung in der jeweiligen Kommune in Verhältnis gebracht werden. In einer Stadt wie Detta, die dann verschiedene Ämter für 50.000 Bürger aus dem weiteren Umkreis beherbergt, ist das sofort eine doppelte Last. Und als separates Beispiel: Als das Personal der Behörde für Katastrophenschutz dezentralisiert wurde, kam das Geld für dessen Entlohnung gerade mal sieben Monate lang aus dem Staatshaushalt, danach wurde es ein Thema für die Kommunalkasse.

Der Bürgermeister will in seiner Einrichtung kein Personal entlassen, die Schule hat Eleven genug, um mit ihrem derzeitigen Schüler-, Klassen- und Lehrerbestand weiter zu machen und in den Werken der Stadt ist allgemein Aufbruchsstimmung angesagt. Trotzdem trägt das Konsumverhalten im Ort nach wie vor den Stempel der Wirtschaftskrise: Im Stadtzentrum, im Restaurant „Majestic“, wurde laut Insiderinformationen im September zum ersten Mal seit Eröffnung der Einrichtung im Jahr 1991 das Küchenpersonal zumindest bis zum Frühjahr entlassen. Nicht einmal ein kostengünstiges Tagesmenü im Angebot hat die Kunden angelockt – und an dieser Tatsache ist bestimmt nicht allein der Wintereinbruch schuld.



Profitierte von der Personalaufstockung bei Eybl: Valentina Natanticu


Schulleiter Ion Jinaru (links) und Ernst Holzheimer wollen schon ab 2. Semester gemeinsame Ausbildungswege gehen


Bürgermeister Petru Roman (rechts) hält Kontakt zur Wählerschaft

Fotos: der Verfasser

Größte EU-Investition in Temesch

Die Temeswarer sollen in Zukunft weniger für die Fernwärme zahlen

Von Olivian Ieremiciu


Temeswar - Es kommen warme Zeiten für das Fernheizkraftwerk Colterm aus Temeswar/Timisoara. Ein EU-Projektantrag, der für die Sanierung und Modernisierung eingereicht wurde, ist angenommen worden. Die Investitionssumme: 70 Millionen Euro. Ein Teil davon sind Gelder, die von der europäischen Union beigesteuert werden, ein Teil kommt vom Staatshaushalt. Auch vom Haushalt der Stadt Temeswar sollen 14 Millionen Euro in den Investmenttopf kommen.

Besonders wird in umweltfreundlichere Technologien investiert werden. Zurzeit überschreiten die Emissionen die in der EU zulässige Höchstnorm. Ein weiterer Teil der Gelder soll in das Verteilungsnetzwerk investiert werden, um die Verluste einzudämmen und deren thermische Isolation zu verbessern. Alle Investitionen sollen bis 2014 umgesetzt werden.

Nach Meinung von Sorin Grindeanu, Vizebürgermeister der Temescher Hauptstadt, ist es das bislang größte Projekt, das im Kreis Temesch/Timi{ durch EU-Gelder finanziert wird. Ein Novum ist auch, dass dem Projekt eine höhere Summe zugeteilt worden ist, als eigentlich erwartet. Ursprünglich waren 60 Millionen Euro beantragt.

Durch die Implementierung der neuen Technologie soll die Luftverschmutzung der Stadt – wenigstens jene, die durch die Heizkraftwerke CET-Süd und CET-Mitte entsteht – vermindert werden. Durch die Grundsanierung der Zentralen und des Verteilungsnetzwerks soll der Verlust der Wärmeenergie vermindert werden. Das werden die Stadtbürger in Zukunft auch in ihrem Geldbeutel zu spüren bekommen: die Kosten für Fernheizung und Warmwasser werden verringert.

Die Information über den wahrscheinlichen Geldfluss kommt kurz vor dem Prozess, der am 4. Februar in Sachen Erhöhung des Preises für die Gigakalorie angesetzt ist. Die Präfektur hat im vorigen Jahr die Stadtverwaltung in dieser Angelegenheit verklagt (die ADZ berichtete). Damals verkündete Stadtvater Gheorghe Ciuhandu, dass, falls „der Preis für die Gigakalorie nicht erhöht wird, die Möglichkeit besteht, dass das Fernheizkraftwerk pleite geht“. Nun scheint es, dass das hiesige Heizwerk, wenigstens für die unmittelbar bevorstehende Zeit, über keine großen Geldprobleme mehr klagen muss.

Und trotzdem: 120 Angestellte sollen in nächster Zukunft entlassen werden. Nämlich bis Ende März. Die Führung des Unternehmens sagt, dass sie mit den Gewerkschaften in dieser Angelegenheit einig geworden ist. Die Angestellten werden Ausgleichszahlungen/Abfindungen bekommen. Ende vergangenen Jahres waren 1.216 Personen bei Colterm angestellt. Die Unternehmensverwaltung meint, dass Restrukturierungen vorgenommen werden müssen, weil die Gesellschaft einige Dutzend Millionen Schulden an ihre Zulieferer hat.

Dass zur Zeit das Unternehmen über Geldprobleme klagt, liegt auch an der Mißwirtschaft, die in den vergangenen Jahren betrieben wurde. So zum Beispiel hat Colterm ein Hotel auf dem Muntele Mic gebaut – besser gesagt, angefangen zu bauen. Investitionssumme: 1,6 Millionen Lei. Zurzeit unbenutzbar, da die Bauarbeiten wegen Geldmangel eingestellt wurden. Ein weiteres Beispiel: Eine Sportanlage bei CET-Süd. Investitionssumme: ungefähr 3 Millionen Lei. Zurzeit wird sie nicht von Colterm genutzt, sondern weitervermietet. Falls ein Käufer dafür auftauchen sollte, will das Fernheizunternehmen gerne die Sportanlage verkaufen. Allein mit diesen zwei Projekten hat Colterm in der letzten Zeit ungefähr 4,6 Millionen Lei „abgefackelt“.


Temeswarer Heizkraftwerk klagt über Geldprobleme, hat jedoch selbst Misswirtschaft betrieben

Foto: Zoltán Pázmány

Ein Marathon fürs Leben

Wohltätigkeitsaktion für krebskranke Studentin

Ein Wettlauf mit dem eigenen Leben, so könnte der „Marathon fürs Leben“ betrachtet werden, ein Wettbewerb, der manchmal sehr schwer zu gewinnen ist. Das Team „4 Life“ gibt nicht auf und kämpft für ein klares Ziel: das Leben der 24-jährigen Daniela Dobromir. Sie leidet an Krebs und hat fast 70.000 Euro für ihre Heilkur an einer Klinik in Deutschland ausgeben müssen. Das „4 Life“-Team bestehend aus Studenten der Fakultät für Politikwissenschaften, Philosophie und Kommunikationswissenschaften, aber auch Masterstudenten der Temeswarer Westuniversität veranstalteten vorige Woche den „Marathon fürs Leben“ - eine Wohltätigkeitsaktion in der Bunker Underground Bar in Temeswar/Timisoara. Das Event im Untergeschoss der Bierhaus-Bar in der Emanoil-Ungureanu-Straße Nr. 15 war voller Optimismus mit Musik, Dichtung und vielen Überraschungen. Eingeladen war die Musikgruppe Sonatic, Dima und Paul (Gitarre und Stimme) sowie der Stil-Karate-Club in Temeswar. Der „Marathon fürs Leben“ hat für Daniela begonnen, doch alle, die sie dabei begleiten wollen, sind eingeladen, ihr zu helfen.

Daniela Dobromir oder einfach Dana, wie sie ihre Freunde nennen, war bis vor Kurzem eine junge Frau, die ein normales Leben führte. Alles änderte sich plötzlich, als sie vor einigen Monaten von ihrer Krankheit erfuhr. Obwohl sie sich schlecht fühlte, ließ sich infolge der klinischen Ergebnisse in Rumänien keine schwere Krankheit nachweisen. Nach weiteren Untersuchungen in Bonn, Deutschland, erfuhr die 24-Jährige das, was nicht nur sie selbst, sondern auch Familie und Freunde zutiefst erschütterte: Sie leidet an Blutkrebs, Hodgkin-Lymphom des vierten Grades. Infolge der Untersuchungen in Deutschland stellten die Ärzte fest, dass auch das Knochenmark von der Krankheit beschädigt wurde. Diese Art von Krebs kann in der Anfangsphase heilbar sein. Obwohl Danielas Krankheit im vierten Stadium entdeckt wurde, hat die Kur gute Resultate ergeben, so dass die Krankheit nun nachlässt. „Daniela rennt in diesem Marathon für ihr Leben und ihr Ziel ist, ein glückliches Finish zu erreichen“, sagt Bianca Tulei, Mitglied des 4-Life-Teams.

Ungefähr 1.800 Euro wurden durch den „Marathon fürs Leben“ in der Bunker-Bar gesammelt. Wer Daniela weiterhelfen möchte, der kann Lei auf das Konto der BRD-Bankfiliale in Reschitza/ Reşiţa: RO55BRDE110SV20733011100 oder Euro auf RO02BRDE110SV20733101100 überweisen, SWIFT-Code BRDEROBU. Zusätzliche Infos bezüglich der Gesundheitslage von Daniela, Fotos und die Hintergrundgeschichte können von der Webseite www.danadobromir.com abgerufen werden. „Bitte erlauben Sie nicht, dass Dana uns verlässt! Wir brauchen sie und sie uns mehr als je zuvor!“ schreiben ihre Kollegen auf der Homepage.

Andreea Oance


Freunde und Kollegen sammelten Geld für die krebskranke Dana Dobromir.

Foto: Zoltán Pázmány

„Solar Cinema“- ein umweltfreundliches Kino

Die Öko-Karawane ist in Temeswar angekommen

Solar Cinema ist das einzige mobile Solarkino in Europa, das am Wochenende auch in Temeswar/Timisoara angekommen ist. Die Karawane „CosyMo´s Solar Cinema“ kommt direkt aus Holland und hat als Endstation in Rumänien die Stadt Sinaia. Das ökologische Kino bietet umweltfreundliche Filmprojektionen mit Hilfe von Solarenergie.

30 Minuten bot das Kino Filmprojektionen am Temeswarer Domplatz an. Der „Solarbus“, der das außergewöhnliche Kino befördert, wurde in Temeswar von den Mitgliedern der Kampagne „Grün für Fahrräder“ („Verde pentru biciclete“) an der Einfahrt in die Stadt empfangen. Die Temeswarer Fahrradfahrer begrüßten die Karawane an der Torontaler-Straße auf traditioneller rumänischer Art mit Brot und Salz. Die Ausrüstung wurde dann am Domplatz montiert. Erst nach Sonnenuntergang, um 18 Uhr, fanden 30 Minuten lang umweltfreundliche Filmprojektionen statt. Kurzfilme und Clips der fünf Finalisten des Wettbewerbs „Green Teen Spirit“ wurden gezeigt. Das Publikum konnte den besten Clip des Wettbewerbs wählen. Die Clips innerhalb des Wettbewerbs sind von Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren gefilmt worden. Green-Planet-Blues ist das erste Kinoevent aus Südosteuropa, das der Umwelt gewidmet ist. Die Veranstaltung findet zwischen dem 28. und dem 31. Januar in Sinaia statt.

Die umweltfreundlichen Filmprojektionen sind ein Novum für die Stadt Temeswar und stellen eine absolute Neuigkeit im Bereich der Stadtökologie dar. Das Event wird vom Temeswarer „Eco Club“, dem Aristoteles Workshop-Verein (AWA) und „CosyMo´s Solar Cinema“ veranstaltet. Aus dem selben Anlass veranstaltete der Eco Club auch ökologische Workshops unter dem Motto „kleine Dinge mit großer Auswirkung“. Objekte aus wiederverwertbaren Stoffen wurden am Samstagnachmittag hergestellt. Zusammen mit den Mitgliedern der „Cloud Factory“ („Wolkenfabrik“) wurden handgemachte Anstecker gebastelt, ökologische Tüten und Taschen aus Textilmaterial wurden von den Teilnehmern verziert. „Diese Tüten sollen täglich beim Einkaufen verwendet werden“, sagt Romina Faur, Mitglied des Eco Clubs. Die Gesellschaft „Freecycle“ Temeswar war auch dabei. Diese verkaufte Handmade-Ware aus wiederverwertbaren Stoffen. Die CRIES-Händler haben Bioprodukte ausgestellt und mit den Besuchern des Workshops die Möglichkeit besprochen, jede Woche einen Korb mit gesunden Lebensmitteln, die hundertprozentig bio sind, zu besorgen.

Andreea Oance


Solar Cinema in Temeswar

Foto: Zoltán Pázmány

Neue Buslinie im Stadtviertel Freidorf

Bürger sind mit dem Nahverkehrsangebot unzufrieden


as. TemeswarFahrplanänderung bei den öffentlichen Verkehrsmitteln im Temeswarer Freidorf-Viertel: Der Nahverkehrsbetrieb (RATT) hat vor Kurzem die Buslinie 42 mit dem Expressbus 7 ersetzt. Die Buslinie 3 (früher Straßenbahn) wurde eingestellt.



Mit dem Fahrplanwechsel fährt der Express 7 auf der Route des Busses 42, mit einem einzigen Unterschied: Während der Bus 42 von der Grozavescu-Straße (Continental-Hotel) nur bis zum Petöfi-Park gefahren ist, so fährt der Express 7 bis zur Zuckerfabrik und deckt somit auch einen Teil der Trasse des Busses Nummer 3 ab.

Der jüngste Fahrplanwechsel löst jedoch Unzufriedenheit bei den Bürgern aus: Eine Busline, die als „Express“ eingestuft wird, verkehrt in größeren Zeitabständen, als eine normale Buslinie. „Das Problem ist, dass die öffentlichen Verkehrsmittel in dieser Gegend zu selten verkehren. Zwei-, höchstens dreimal pro Stunde. Die Busse halten nicht einmal die Uhrzeiten ein, die auf dem ausgeschilderten Fahrplan angezeigt werden. Mit einem Express wird es noch schlimmer sein“, sagt Karin Józsa, die in diesem Stadtviertel wohnt.

Alexandru Potcoava, Pressesprecher des Temeswarer Nahverkehrbetriebs, kommt mit der Erklärung: „Wenn die Route eines öffentlichen Verkehrsmittels länger als 12 Kilometer ist, wird diese als Express eingestuft. Die Trasse der neuen Linie ist 19 Kilometer lang. Wir hatten da keine andere Wahl“.

Das Unternehmen hat noch die Expresslinie „7 mit Balken“ in der Hauptverkehrszeit eingeführt. „Der Bus fährt von Montag bis Freitag, zwischen 12.30 und 18.30 Uhr, auf der Route Grozavescu-Straße – Petöfi-Park“, sagt Alexandru Potcoava. „Wenn sich die Bürger im Laufe der Zeit über unser Konzept beschweren, werden wir an eine andere Alternative denken“, verspricht Potcoava.

Musikjahr im Zeichen der Romantik

Arader Philharmonie: Feier zum 150. Geburtsjahr von Gustav Mahler


Wenn das Musikjahr 2009 an der Arader Staatsphilharmonie der Klassik gewidmet war, - u.a. wurden zum 200. Todestag von Joseph Haydn mehrere Konzerte mit internationalen Dirigenten und Solisten veranstaltet - so steht die laufende Spielzeit ganz im Zeichen der Romantik. Laut Mihaela Rodica T²lmaciu. Generaldirektorin der Arader Staatsphilharmonie, sollen heuer einigen Größen der Romantik wie Robert Schumann (1810-1856), Frederic Chopin (1810-1849), Camille Saint Saens (1835-1921) und Gustav Mahler (1860-1911) Sonderkonzerte gewidmet werden. Ein besonderes Augenmerk soll dem Komponisten Gustav Mahler, eigentlich einem Vertreter der Postromantik geschenkt werden: Die Arader Philharmoniker möchten sich in die weltweiten Feierlichkeiten zu Ehren der 150 Jahren seit dessen Geburt (1860 in Böhmen) einschalten. Desgleichen soll auch der jeweils 200. Jahrestag seit der Geburt von Frederic Chopin (1. März 1810) und von Robert Schumann (8.Juni 1810 in Zwickau), beide bedeutende Repräsentanten dieser Musikstilrichtung des 19. Jahrhunderts, gebührend begangen werden.

Auf dem Spielplan der Arader Philharmonie werden heuer aber auch andere wichtige Komponisten der Romantik nicht fehlen: Hector Berlioz, Carl Maria von Weber, Richard Wagner, P. I. Tschaikowski sowie Johannes Brahms und Franz Liszt. Die beiden letzten sind eng mit der Arader Musikgeschichte verbunden: Franz Liszt konzertierte am 8. und 10. November 1846 im Festsaal des Arader Hotels „Zum Roten Kreuz“. In Triumph von der gesamten Bevölkerung empfangen, wurde er u.a. auch Ehrenbürger der Stadt. Er spielte auf dem selben Eilinger-Klavier, das nun im lokalen Theatermuseum ausgestellt ist. Auch Johannes Brahms gab im Rahmen seiner Konzertreise durch Siebenbürgen im Sommer 1879 zwei Konzerte gemeinsam mit Paul Joachim in Arad.

Eingeleitet wurde die diesjährige Konzertreihe der Romantik mit einem Tschaikowski-Konzertabend (u.a. Der Nussknacker und Romeo und Julietta). Für den 28. Januar, um 18 Uhr, ist eine Gala der Jungtalente mit der Teilnahme der Bestschüler des Arader Kunstlyzeums „Sabin Dragoi“ anberaumt. Gespielt werden Werke von Brahms, Beethoven, Händel, Mozart, Liszt und Mendelssohn-Bartholdy. Das sinfonische Orchester wird von Dorin Frande{ geleitet.

Die Geschichte der Philharmonie geht auf die Gründung der Arader Philharmonischen Gesellschaft 1890 zurück. 1913 fand das Eröffnungskonzert im Arader Kulturpalast statt. Der vor einiger Zeit modernisierte Arader Konzertsaal im Kulturpalast hat ein Fassungsvermögen von 500 Plätzen.