Dienstag, 28. Oktober 2008

Banater Lehrertag: „Lernen lernen über Grenzen hinweg“


Sogenannte Aha-Motivation der Schüler wiederentdecken
/ Von Andreea Oance

„Liebe Kollegen, wenn wir diese Arbeit nicht leisten, wird sie uns auch niemand abnehmen. Ich bitte Sie, dies zu bedenken. Wir brauchen die Mitarbeit eines jeden! Ohne unser Mitwirken droht die Qualität des deutschsprachigen Unterrichts zu sinken“, sagte Christiane Cosmatu, Direktorin im Bildungsministerium, bei der Eröffnung des dritten Banater Lehrertags im Temeswarer Nikolaus- Lenau-Lyzeum.


Kindergärtnerinnen, Grundschullehrerinnen und LehrerInnen, aber auch Schulinspektoren und Vertreter des Schulministeriums beteiligten sich am Seminar. Sechs Lehrergruppen wurden gebildet: „Lernen lernen im Sprachunterricht“, „Lernen lernen im rumänischen und fremdsprachlichen Unterricht“, „Montessori-Pädagogik“, „Johann Wolfgang von heute“, „´Excel´ für die Schulpraxis“ und „Faszination Lernen (ausgehend vom Fach Mathematik) über die Fachgrenze hinweg“. Die Qualität des Unterrichts sowie eine neue, attraktive und faszinierende Methodik im Unterricht wurden innerhalb der Gruppen besprochen.


„Die Lehrer müssen lernen, mit diesen Methoden zu arbeiten, um sie danach erfolgreich im Unterricht anwenden zu können“, sagte Anni Bobu, Referentin des Zentrums für Lehrerfortbildung (ZfL). Die Teilnehmer wurden innerhalb der Gruppe „Lernen lernen im Sprachunterricht“ in kleinere Gruppen eingeteilt und ihnen wurden verschiedene Unterrichtsmethoden beigebracht. Andere Bereiche, wie zum Beispiel die Wirtschaftswissenschaft, dienten als Inspiration für die neuen Lernmethoden. Die SWAT-Methodik bedeutet eigentlich eine Analyse der Stärken und Schwächen und der zu erwartenden Chancen/ Risiken im wirtschaftlichen Bereich. Im Unterricht wird diese Methode für die Evaluierung genutzt.


„Den Schülern muss beigebracht werden, wie sie lernen sollen“, sagte Anni Bobu. Verschiedene Techniken des Lernens und Lehrens wurden den Teilnehmern präsentiert. „Die Lehrer entscheiden danach selber, was sie im Unterricht anwenden können“, sagte die Deutschlehrerin Regine Muszilek.


Ob die Methoden, die beim Lehrertag beigebracht werden, auch im Unterricht angewendet werden, das kann die Inspektorin für das Unterrichtsfach Deutsch, Viorica Rosu, bestätigen: „Ich habe diese Techniken während meinen Inspektionen beobachten können“.


Innerhalb der Veranstaltung kam auch das Projekt „Johann Wolfgang von heute“, geleitet von Dr. Rolf Willaredt, Fachberater für Deutsch und deutschsprachigen Fachunterricht im Auftrag der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), zustande. Ein Aspekt, ein Einzelwerk oder ein biographisches Merkmal aus Goethes Leben und Werk wurde ausgesucht, wobei das Thema mit der Gegenwart oder mit dem Leben der Schüler in Verbindung gesetzt wurde.

Unseren Toten zum Gedächtnis, den Lebenden zum Vermächtnis


Das Schwerste, was das Leben uns abverlangen kann, ist der Abschied von einem geliebten Menschen, der uns für immer verlassen hat. Schmerz, Trauer und Ohnmacht überfällt uns. Es gibt keinen Weg für uns, der daran vorbeiführt. Wir müssen diese Gefühle annehmen, dem Schmerz Raum geben und der Trauer Zeit lassen.

Vergangenheit, das sind nicht nur Erlebnisse und Situationen, sondern vor allem die Menschen, die schon längst nicht mehr unter uns weilen.

Der große griechische Staatsmann Perikles (+ 429 v. Chr.) hatte den klassischen Satz gesagt: „Ein Volk wird so beurteilt, wie es seine Toten bestattet.“ Dementsprechend kann man sagen: „Ein Mensch wird so beurteilt, wie er zu seinen Verstorbenen steht.“

De mortuis nil nisi bene - diese altrömische Mahnung bedeutet durchaus nicht, über Verstorbene solle man nur gutes reden. Sie meint vielmehr, den Hingeschiedenen auf richtige Weise, also wahrhaftig, treffend zu würdigen.

Seit Urzeiten besteht das Bedürfnis, Tote würdevoll zu bestatten; die Achtung vor den Toten zeigt sich auch in der Gestaltung und Pflege der Grabstätten. Für uns Gläubigen ist der Friedhof als Ort der Besinnung und Erinnerung von hoher Bedeutung.

Unseren Ahnen, Kinder, Ehepartner, Freunde, Bekannte und Verwandte, gefallenen Soldaten im Krieg, in der Deportation in Russland, die nicht nur in Banater Friedhöfen, sondern auch an anderen Orten der Welt die letzte Ruhe fanden, soll gedankt werden, da sie sich um das Wohl der Nachfahren bemüht haben. Danken wollen wir allen, die von Generation zu Generation zentrale Werte wie Treue, Glaube, Liebe und Hoffnung vermittelt haben.

Die Frage nach dem Tod ist zugleich die Frage nach dem Leben. Leben ist auch Sterben können, oder im Tod ist das Leben. Gott, hat uns das Leben geschenkt. Gott handelt an den Toten wie an seinem Sohn: er schenkt Leben, das bleibt.

„Man ist dort daheim, wo man seine Toten begraben hat“, lautet eine der vielen Definitionen des Begriffes „Heimat“. Unsere Toten liegen zum Großteil auf den heimatlichen Friedhöfen im Banat, sie liegen aber auch überall dort, wo uns schwere Schicksalsschläge ereilt haben im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Wir brauchen unsere Trauer und Traurigkeit, die Tod und Sterben verursachen, nicht zu verdrängen. Wir dürfen aber in österlicher Zuversicht „in der Auferstehung“ unser Leben wagen und so auch hoffnungsvoll dem Tod entgegen gehen.

Josef Lutz, (Nürnberg), Vorsitzender der HOG Sanktanna

Deutscher Wenderoman

Der Sieger des diesjährigen Wettbewerbs um den umsatzfördernden „Deutschen Buchpreis“ der Frankfurter Messe ist Uwe Tellkamp. Sein Roman „Der Turm“ gilt als Panorama der untergehenden DDR. Es geht um ein bürgerliches Nischenviertel im Dresden der Achtziger, das noch nicht vom „neuen Menschen“ kassiert wurde.

Vor vielen Jahren schon hat die deutsche Öffentlichkeit den großen Wende-Roman in Auftrag gegeben. Zu seinen Propagandisten wurden im Lauf der Zeit zahlreiche Feuilletongrößen, und es gab auch ausreichend Autoren, die sich um den nationalen Auftrag bemühten. Zu den bisherigen Finalisten des Themas gehören Thomas Brussig und Ingo Schulze.

Brussig war der satirische Überzeichner eines ambivalenten Endes und einer ambivalenten Wahrnehmung dieses Endes. Der Roman „Helden wie wir“ sollte die Skeptiker der deutschen Vereinigung durch das Bindemittel Respektlosigkeit locken. Brussig kreierte das kleine Arschloch der Wende. Schulze wiederum war der Träger der gesamtdeutschen Harmonie. Selbst wenn man aneinander vorbeiredete, sollte dieses ohne viel Aufhebens geschehen.

Wenn auch beide über die DDR schrieben, so vermittelten sie doch ein Ostdeutschlandbild, das in seiner behäbigen Provinzialität, beruhigend wirken konnte. Wie ein Dialog zwischen Manta und Trabbi. Brussig und Schulze propagierten den Biedermeier. Auch politisch. Das kam an, verharmloste aber die Diktatur. Ihre DDR war ein bisschen wie Mainz, aber ohne Karneval. Ihre Vereinigungswelt wie ein Tag der offenen Tür: Man zeigt vor, was man hat, und der Besucher erklärt es einem.

Mit Tellkamp nun wird ein Paradigmenwechsel angekündigt. Der Mann ist 1968 geboren, in Dresden aufgewachsen, ausgebildeter Arzt und wohnhaft in Freiburg im Breisgau. Für ihn kommt es nicht mehr darauf an, Nostalgiker, Spießer und Bürgerrechtler zu versöhnen, und diese Versöhnung dann auch noch dem Wessi schmackhaft zu machen. Er ist der deklarierte Bürger, der parteiische. Ihm kommt die literarische Rekonstruktion des Bildungsbürgertums in der DDR zu.

Auf der Shortlist der Jury hat er sich nicht nur gegen Ingo Schulze durchgesetzt, sondern auch gegen Dietmar Dath, ehemaliger FAZ-Redakteur und bekennender Outfit-Leninist, die ultima ratio des Diskursdiktatorischen, des anderen, des westlichen Endes von Bürgerlichkeit, signalisiert durch den Verfall von Stil zu Kult.

Bleibt der Sieger, Tellkamp, dessen Roman, der mittlerweile an die Spitze der Bestsellerlisten gerückt ist, mit den „Buddenbrooks“ verglichen wird. Das ist Klappentext, und irgendwie auch Nostalgie. Wie die gesamte Beschwörung der Bürgerlichkeit, angesichts der eifrig geförderten geistigen Taubheit, die uns in aller Öffentlichkeit begleitet.

Richard Wagner

Schritte in Richtung Großraum


Im Blickpunkt: Die Temeswarer Metropolitan-Transportgesellschaft


Temeswar - Im Rahmen der Bestrebungen der Stadt Temeswar und seiner Verwaltung zur Herausbildung der Strukturen der künftigen Metropolitan-Zone fand nun im Temeswarer Rathaus ein Treffen zum Thema Gründung eines Entwicklungsvereins des Großraums bzw. der Temeswarer Metropolitan-Transportgesellschaft statt. Eingeladen hatte man 15 Bürgermeister aus den Gemeinden der geplanten Metropolitan-Zone, denen im Rahmen dieses Vereins auf Kreisebene eine vorteilhafte Zusammenarbeit aufgrund von Gemeinschaftsprojekten ermöglicht werden soll. Im gleichen Sinne sollen damit die Bedingungen dazu geschaffen werden, dem Großraum Temeswar bzw. Entwicklungspol der Westregion den Zugang zu vitalen Strukturgeldern zu ermöglichen. Für die betreffenden Gemeinschaftsprojekte könnte dieser Entwicklungspol der Westregion insgesamt EU-Mitteln im Wert von 71 Millionen Euro beantragen. Das amtliche Ja-Wort der eingeladenen Kommunalverwaltungen wird bis Ende November erwartet, der vorgenannte Verein könnte somit bis Jahresende Wirklichkeit werden.

Im Rahmen dieses Treffens unterzeichneten vorerst die Bürgermeister der Stadt Temeswar und der umliegenden Gemeinden Neumoschnitz/Mosnita Noua, Giroda/ Ghiroda und Remetea Mare ein Protokoll zwecks Gründung der Temeswarer Metropolitan-Transportgesellschaft. Deklariertes Hauptziel der Gesellschaft ist erstens die Erweiterung des öffentlichen Transportsystems aus Temeswar in Richtung dieser drei Gemeinden. Außer diesem Nahziel sollen aber auch in Perspektive mehrere Gemeinschaftsprojekte zur Entwicklung und Modernisierung der Transportinfrastruktur dieser Zone gefördert und verwirklicht werden.

In Richtung Unterstützung der Großraum-Vorhaben und des Konzepts zur Langzeitentwicklung „Temeswar-Vision 2030“ gehen zwei weitere Initiativen der Stadtverwaltung: Vor Kurzem beschlossen die Kommunalverwaltung, die Technische Hochschule und RATT die Gründung eines Forschungsinstituts im Bereich Intelligenter Transportsysteme. Bürgermeister Gheorghe Ciuhandu wird einer Einladung der Stadtväter aus der Partnerstadt Mulhouse (Frankreich) folgen, um das Nahverkehrssystem der dortigen Metropolitan-Zone an Ort und Stelle zu besichtigen.

Balthasar Waitz

Letzter Straßenabschnitt


Planziel: Karansebesch-Lugosch bis 2010 fertig


Karansebesch (BZ) – Vergangene Woche haben in der Bahnhofsgegend von Karansebesch, an der Abzweigung der DN 58 nach Reschitza, die Bauarbeiten am letzten Abschnitt der E70/DN6 Temeswar-Bukarest begonnen, der noch generalzuüberholen ist. Gebaut wird der Abschnitt, aufgrund einer Ausschreibung, von der rumänisch-französischen Firma SC Colas SA. Über ein EU-ISPA-Projekt stehen dafür 22 Millionen Euro zur Verfügung, von denen 75 Prozent über die EU-Kohäsions- und Infrastrukturfonds der Post-Beitrittsphase Rumäniens finanziert werden und 25 Prozent als Ko-Finanzierung seitens der Regierung Rumäniens.

Im Novemver 2010 sollte die generalüberholte Straße für den Verkehr freigegeben werden. So sieht es die Bauplanung vor. Streckenweise muss der gesamte Untergrund der Straße neugebaut werden, etwa im Weichbild von Karansebesch, von der besagten Abzweigung nach Reschitza und bis zur Ausfahrt aus Karansebesch in Richtung Lugosch.

Dass dieser Teil überhaupt zum Projekt gehört, das geht auf einen Deal der PNL-Parteifreunde Ion Marcel Vela, Bürgermeister von Karansebesch und PNL-Vizepräsident, und Ludovic Orban, Verkehrsminister in der T²riceanu-Regierung, zurück, aufgrund dessen das Verkehrministerium über die Nationale Kompanie für Autobahnen und Nationalstraßen die gesamte Strecke der E-70 (und zusätzlich auch der DN 58 Richtung Reschitza und der DN68 Richtung Hatzeg/Eisernes Tor Siebenbürgens), die durch Karansebesch führt, in eigene Verwaltung übernommen und so die Stadt von den Instandhaltungskosten der Durchfahrtstraßen entlastet hat. Außerdem sei dadurch die Möglichkeit geschaffen worden, betonte Bürgermeister Vela, dass die Haushaltsgelder, die für die Instandhaltung der Straßen vorgesehen waren, anderen Investitionen zugute kommen. Zudem hat die Colas SA in Karansebesch einen Firmensitz eröffnet, was Arbeitsplätze und Steuern vor Ort hält.

Einer der schwierigsten Teile der Generalüberholung dürfte der Neubau von sechs Brücken und 27 Bachüberquerungen im Hügelland werden, wo es Gewässer mit niederschlagsbedingt stark schwankendem Wasserstand gibt.

Blues-Jazz-Gala in Temeswar


rn. Temeswar – Am 8. und 9. November findet in Temeswar die XVIII. Blues-Jazz-Gala statt. Das Festival hat als Hauptveranstalter den Lead-Sänger der Temeswarer Bega Blues Band, Béla Kamocsa. Für den 8. November stehen Konzerte des Lucian Nagy Quintetts und der Berki Tamás Band aus Ungarn auf dem Programm. Der Abend wird durch einen Auftritt von Johnny R²ducanu und Pedro Negrescu abgerundet. Am 9. November treten auf: das Another Spring Quartett aus Kroatien, die Bega Blues Band and Friends sowie das Lilith Quintett aus Deutschland. Zu den Highlights des Festivals zählen in diesem Jahr die Auftritte von Johnny R²ducanu, als „Mr. Jazz of Romania“ bekannt, und des Kontrabassisten Pedro Negrescu. Die Konzerte beginnen um 18 Uhr im Capitol-Saal der Staatsphilharmonie „Banatul“. Der Eintritt kostet 10 Lei pro Abend.

Schulbusse für Kreis Temesch

Temeswar (BZ) – 34 neue Schulbusse der Marke Ford Transit sollen in unmittelbarer Zukunft im Verwaltungskreis Temesch eingesetzt werden. Die ersten 14 Verkehrsmittel dieser Art kamen vergangene Woche in Temeswar an – diese Woche werden die restlichen 20 Busse in der Stadt an der Bega erwartet. Das Ministerium für Bildung, Forschung und Jugend erwarb vor Schuljahresbeginn 1.000 neue Schulbusse im Wert von rund 120 Millionen Lei, die verschiedenen Bildungseinrichtungen aus ganz Rumänien zukamen. Im vergangenen Jahr wurden 840 Schulbusse erworben. Die Statistiken zeigen, dass landesweit weitere 200 Busse für die Beförderung von Schülern notwendig sind.

Vor Kurzem wurde im Temeswarer Randviertel Kuncz ein Bus der besonderen Art eingeführt: Dieser soll die Kinder des Viertels, die meisten Roma, zu den Schulen und Kindergärten der Stadt befördern. Die Initiative stammt vom Temeswarer Verein der Roma-Frauen „Pentru Copiii Nostri“ und wurde vom Nahverkehrsbetrieb RATT und dem Bürgermeisteramt unterstützt. Der Verein setzt sich dafür ein, dass Roma-Kinder besseren Zugang zu Bildung und Erziehung haben. Ein weiteres Projekt sieht die Errichtung eines Tageszentrums für Kinder im Kuncz-Viertel vor.

„Grün für Fahrräder“


Mehr Fahrradwege für Temeswar
/ Von Andreea Oa
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„10...15...20...50...“... Halb elf und schon versammeln sich die ersten Fahrräder vor dem Temeswarer „Dan Paltinisanu“-Fußballstadion. „Etwa 250 Fahrräder werden am Stadion sein“, meinten die Veranstalter der Bewegung „Grün für Fahrräder“ auf einer Pressekonferenz zum Event. Die Bega-Stiftung unterstützt das Projekt und fördert den Bau mehrerer Fahrradwege in Temeswar sowie das Fahrradfahren im Allgemeinen. Die Fahrradfahrer wollen sich für einen guten Zweck zählen lassen. „Bevor wir mehr Fahrradwege bekommen, müssen wir erstmals beweisen, dass Temeswar viele Fahrräder hat“, heißt die Aufforderung der Temeswarer Bega-Stiftung.

„100!“, ruft eine junge Frau, dabei klebt sie ein Plastikschild auf den Lenker eines Fahrrades. 11 Uhr: Der Himmel ist bewölkt und es ist ziemlich kühl. Die Fahrradfahrer lassen sich aber davon nicht einschüchtern. „110...120...150...200...250...“ - die Fahrräder werden gezählt, auf jedes ein Plastikschild aufgeklebt. „Die Schilder sind aus“, ruft eine andere Frau. Die Veranstalter sind von den ständig hinzukommenden Radfahrern überwältigt. „Wir erwarteten bloß etwa 250 Radfahrer“, sagt Loredana Orhei, Vorsitzende des Eco-Clubs Temeswar und Projektleiterin „Grün für Fahrräder“. Und weiter geht´s: „255...260....300...600“... Groß oder klein, modern oder klassisch, Mountainbike oder Rennrad: Alle Räder werden bis 12 Uhr gezählt.

„Das Bürgerbewusstsein der Temeswarer hat uns alle überrascht. Dass sie so zahlreich zu unserem Treff gekommen sind, beweist, dass diese Gemeinschaft unterstützt werden muss“, sagt Emil Cristescu, Geschäftsführer der Bega-Group, kurz nach dem Zählen.

Punkt 12 Uhr. Die Fahrradfahrer sind startbereit. Eine Neun-Kilometer-Stadtrundfahrt auf der Strecke Paltinisanu-Stadion - Iulius Mall – Nordbahnhof – Orthodoxe Kathedrale wird unternommen. „Je vier Fahrräder in einer Reihe, bitte“, ruft ein Veranstalter. Ein Polizeiauto fährt voran. Alle sollen dem Polizeiauto folgen, bei der roten Farbe der Ampel anhalten und durch das Stadtzentrum zu Fuß neben dem Fahrrad gehen. Die Teilnehmer äußern ihre Unzufriedenheit: In der Temeswarer Innenstadt ist Radeln verboten. Auch Rollschuhläufer und Skateboarder begleiten die Radfahrer. Auch sie werden künftig die Fahrradwege benutzen können.

Nach etwa zwei Stunden haben die Radfahrer die Neun-Kilometer-Strecke hinter sich. Die erschöpften Teilnehmer versammeln sich auf dem Parkplatz des Timisoara-Hotels. Ein riesengroßer Banner mit der Aufschrift „Grün für Temeswar“ wird von allen unterschrieben. Dieser soll in den kommenden Tagen in der Stadt aufgehängt werden.

Obwohl auch Vertreter des Temeswarer Bürgermeisteramtes zur Veranstaltung eingeladen wurden, erschien keiner zur Begegnung. Dabei waren aber viele Temeswarer Persönlichkeiten, wie zum Beispiel Schauspieler des Nationaltheaters, Presseleute, aber auch Horia Cristian, der Leiter der Temescher Krankenkasse oder Geschäftsmann Cristescu.

Das Projekt „Grün für Fahrräder“ läuft bis Oktober 2009. Die „Zählung der Fahrräder“ war die erste Veranstaltung im Projekt. Andere Veranstaltungen sind für das kommende Jahr vorgesehen, wie zum Beispiel: „Temeswar auf zwei Rädern“ (April 2009), „VIP on Bike“ (Mai 2009), „Der 1. Juni auf dem Fahrrad“ (Juni 2009), „Fahrradrundfahrt“ (Juli 2009), u.a.

Aus diesem Anlass wurde auch die Webseite www.pedaleaza.ro lanciert. Alle Infos bezüglich der künftigen Veranstaltungen sind auf dieser Internetseite zu finden.

War die Studentenbewegung 1956 antikommunistisch?


Betrachtungen aus Sicht der Erlebnisgeneration (16)

Von Karl Ludwig Lupsiasca


Meine Freude über den Ausgang war nicht besonders groß. Ich konnte auch als UTM-Mitglied von der Hochschule ausgewiesen werden. Zuversicht erreichte mich erst nach zwei Wochen, als ich bei meinen Eltern in Lugosch war. Sie erzählten, dass mein Musiklehrer aus dem Gymnasium, Octavian Bacău, bei mehreren Nachbarn gewesen war, um sich über mein Verhalten in letzter Zeit zu erkunden. Bacău war Parteisekretär im Gymnasium. Es konnte sich nur um eine Untersuchung der Partei handeln. Der Lehrer war mir gutgesinnt und ich war sicher, er werde ein für mich günstiges Gutachten liefern.


Fiel mein Fall günstig aus, waren auch die anderen Studenten der Liste gerettet, denn sie schien in abfallender Reihenfolge der Bedeutung der Vergehen aufgestellt worden zu sein. Tatsächlich wurde ich nicht von der Hochschule ausgewiesen und die Fortsetzung der besagten Sitzung wurde nicht mehr einberufen.


Bis dahin war die „Beteiligung an den Studentenereignissen in Temeswar” (participare la evenimentele studenţeşti din Timişoara”) das schwerwiegendste Vergehen, dass man in Temeswar einem Studenten ankreidete. Ich kann nicht behaupten, dass keine Studenten mit solcher Begründung von der Hochschule gewiesen wurden. In den Fällen, die ich kenne, klangen die Begründungen der Ausweisung anders. Hauptsächlich hieß die Begründung: Aktenfälschung, Unterlassung obligater Angaben in der Autobiographie, enge Beziehungen zu Personen in westlichen Ländern. Es wurden auch Studenten ausgeschlossen, die nichts mit den Ereignissen der letzten Zeit zu tun hatten. Dies alles entsprach einer Wende der offiziellen Darstellung der Ereignisse. An der Bewegung hätten nur Wenige teilgenommen: die Verhafteten - einige faule Elemente und Krawallsüchtige. Ein Teil guter Studenten geriet in dem Trubel, weil sie nicht ausreichend wachsam gewesen waren, aber die Masse der Studenten habe von Anfang an die Unruhen verurteilt.


Es fiel kein Wort mehr über Klassenfeinde und politisches Entgleisen. Auch die Urteile gegen jene, die für bis zu acht Jahren in den Kerker mussten, waren mit Anklagen bestückt, die auch in normalen Gesetzgebungen mit Strafen geahndet werden, damit sie nicht als rein politische Häftlinge gelten sollten. Bis heute konnten die meisten der damals verurteilten Studenten deswegen ihre gerichtliche Rehabilitierung nicht durchsetzen.


Die positiven Folgen der Studentenversammlung.

Bemerkenswert, dass fast alle in der Versammlung der Temeswarer Studenten gestellten Forderungen auf Landesebene nach kurzer Zeit in einer oder anderer Weise erfüllt wurden. Der Rückzug der Sowjetarmee begann im Sommer 1957 und war nach einem Jahr abgeschlossen. Das Essen in den Studentenkantinen verbesserte sich zusehends und war mit dem früheren nicht vergleichbar. Lebensmittel wurden für den Verkauf frei gegeben und keine Lebensmittelkarten mehr ausgefolgt (außer für Brot). Reisen in sozialistische Staaten wurden – in Grenzen - ermöglicht und durch günstige Preise gefördert. Die Pflichtabgaben der Landwirte wurden abgeschafft, dafür die Kollektivisierung beschleunigt. In den Hochschulen wurden zur Wahl Kurse für Englisch, Deutsch, Französisch und Russisch angeboten, Russisch hatte den gleichen Stellenwert wie andere Fremdsprachen. Es wurde der Studentenverband gegründet, der zwar unter Anleitung der Partei stand, aber Initiativen der Studenten eher berücksichtigte als die ehemalige Studentengewerkschaft. Es erschien eine Zeitschrift, „Viaţa Studenţească”, die zwar nicht unabhängig war, aber sich mit einer Problematik beschäftigte, die in der „Scânteia Tineretului” kaum in Erscheinung getreten war, und sich einer lockereren Sprache bediente als andere Zeitungen.


Die Partei musste auf Studenten Rücksicht nehmen und sie für sich gewinnen. Aus ihren Reihen musste doch das spätere Leitungspersonal von Betrieben, Abteilungen, Institutionen, ja sogar ein Teil der Aktivisten und Ordnungshüter kommen. Man konnte nicht einfach den Klassenkampf mit einem Generationskampf ersetzen.


Was hieß aber, irgendeine Bevölkerungsschicht für sich zu gewinnen? Die Partei wusste, dass die Unterworfenen nicht für die Partei und für das System schwärmten. Sie wusste aber, dass keine Schicht der Gesellschaft etwas Einheitliches ist. Diese Kenntnis ermöglichte es ihr, jene herauszufinden, denen man die so genannte Wachsamkeit mit Privilegien übertrug.

Auch Studenten waren in ihrer Gesamtheit nicht etwas Einheitliches. Nachdem die Altkommunisten ohne Schulung aus ihren Leitungsposten entfernt wurden, war das Gebaren des geschulten Führerstabs, nicht nur im politischen Bereich, noch dogmatischer. Man hatte Unkompetenz mit mehr Strebertum ersetzt. (Schluss)

Kontakt@„Digitale Liaison“


Web-Konferenz in der Lenauschule/ Von Oliver Zsilko


Die Partnerstädte Temeswar und Karlsruhe bauen den Kontakt in Richtung Modernität weiter aus. Vor kurzem startete das Projekt „Digitale Liaison“ durch eine Web-Konferenz zwischen Vertretern der Europäischen Schule Karlsruhe und des Nikolau-Lenau-Lyzeums.


Die Lenauschülerinnen Monica Haurilet und Diana Gherghina nahmen im Sommer an einem Seminar im Rahmen eines digitalen Projekts in Karlsruhe teil. Drei Tage lang eigneten sie sich die Grundkenntnisse für eine „Digitale Liaison“ an der Hochschule für Technik und Wirtschaft an. Da neue Freundschaften entstanden, kam es zum Austausch von E-Mail-Adressen. Professor Jürgen Walter, Leiter des Softwarelabors, hatte eine bessere Idee, die Kontakte auszunutzen, und initiierte das Online-Projekt zwischen den beiden Partnerschulen. Auf seine Anfrage reagierte die Schulleiterin Helene Wolf positiv und so kam es am 9. Oktober zur ersten inoffiziellen Begegnung durchs Internet. Das Ziel ist die Partnerschaft – bereits 1992 entstanden – zwischen den beiden Städten durch eine „grenzübergreifende Kommunikation“ zu erhalten und weitere potenzielle Interessenten zu finden. Man hofft auf eine reichliche Mitwirkung der Jugendlichen.


„Ich denke, wir sind technisch verbesserungsbedürftig“, so Helene Wolf nach der ersten offiziellen „Digitalen Liaison“ im Büro der Schulleiterin. Das Lyzeum verfügt noch nicht über einen geeigneten Raum für das Projekt, aber es sind drei Standorte geplant: Ein als Mansarde gedachter Platz über die Kantine des Lenau-Internats und zwei Seminarräume im Internatsgebäude. Im Rahmen der Konferenz wurden auch die technischen Probleme angesprochen. Die Folge: Tom Hoyen, Leiter der Europäischen Schule Karlsruhe, kündigte eine Überraschung an - zehn Web-Cams für das Lyzeum in Temeswar, die diese Woche losgeschickt werden. Die Temeswarer Schüler und die aus Karlsruhe könnten so den Kontakt weiterhin pflegen. „Wir könnten ein Experiment aufzeichnen und die Ergebnisse den anderen zeigen“, sagt Physiklehrer und Leiter der Deutschen Spezialabteilung Gert Kleinstück. Er sieht das Projekt als sehr hilfreich für den Austausch. Die wissenschaftlichen Versuche aus dem Labor würden im Lernprozess hilfreich sein.


„Neben der Stärkung des Interesses an den Menschen der jeweils anderen Stadt ist unser Wunsch nach den ersten Erfahrungen die ´Digitale Liaison´ auch auf andere Partnerstädte von Karlsruhe oder Temeswar auszuweiten. So kann auf lange Sicht ein spielerisches Netzwerk entstehen, das in dieser stark zusammenwachsenden Welt immer wichtiger wird. Selbstverständlich ist es auch denkbar, das System inhaltlich auf andere Bereiche auszudehnen. Besser ist es, das ´Gesicht´ seines Gesprächspartners zu kennen, sogar auf weite Entfernung”, sagt Projektleiterin Christina Uckele aus Karlsruhe. Sie erwartet künftig weitere Konferenzen zwischen den Klassen. Durch die Aufgaben, die gemeinsam gelöst werden könnten, sollten die sprachlichen und kulturellen Kenntnisse vertieft werden. Vor allem sollen langzeitige Kontakte zwischen den Schülern entstehen. Das würde auch zum weiteren Partnerschaftsbestand der beiden Städte beitragen.

Monica und Diana bei der "Digitalen Liaison"

Nationalfeiertag Österreichs in Temeswar gefeiert


Österreichbibliothek bietet den Studenten 9.000 Bücher


Temeswar (BZ) Eine ganze Woche lang wurde dem Nationalfeiertag Österreichs (26. Oktober) an der Westuniversität Temeswar gewidmet. Aus diesem Anlass hat der Germanistik-Lehrstuhl der Universität auch eine Filmvorführung organisiert. Der Zweck: Die 1992 eröffnete Österreich-Bibliothek dem Publikum vorzustellen und eine positive Reaktion bezüglich der verschiedenen Veranstaltungen in der Bibliothek zu gewinnen. „Wir beabsichtigen, den Werbefilm auch im Rahmen des Deutschen Wirtschaftsclubs zu präsentieren“, sagte Dr. Roxana Nubert, Inhaberin des Germanistik-Lehrstuhls an der Westuniversität.


Die Österreichbibliothek beinhaltet etwa 9.000 Bücher und dient laut Prof. Dr. Roxana Nubert auch als „kulturelles Institut“. Des Öfteren wird der Raum zum Gastgeber von verschiedenen Kulturveranstaltungen – Lesungen, Konzerte oder Buchpräsentationen - genutzt. Gegenwartsschriftsteller wie Marianne Gruber oder Peter Rosai hielten hier schon Vorlesungen. Jährlich wird im Frühjahr eine Liste mit neuen Büchern angelegt, um Neuerscheinungen aus Österreich zu bestellen. Das österreichische Bundesministerium für Europäische und Internationale Angelegenheiten und die Österreichische Gesellschaft für Literatur betreuen die Bibliothek. Gefördert wird sie von der Westuniversität Temeswar.

30 Minuten Lesung. Aus Werken verschiedener österreichischer Autoren. Am Wochenende, im Raum 248 der Temeswarer Universität. Zum Vorlesen wurden Daniela Török und Dana Borteanu, Schauspielerinnen des Deutschen Staatstheaters in Temeswar, eingeladen. Der Lesung wohnte auch Hochschullehrer Peter Kottler bei. Für ihn hat der Nationalfeiertag Österreichs eine ganz besondere Bedeutung: Da feiert er nämlich Geburtstag.


Am 15. Mai 1955 wurde der Staatsvertrag unterzeichnet, der Österreich die staatliche Souveranität bringen sollte. Dieser wurde am 27. Juli 1955 von Frankreich, Großbritannien, den USA und der Sowjetunion ratifiziert. Eine Frist von 90 Tagen wurde gesetzt, danach sollten keine Besatzungstruppen mehr auf österreichischem Boden stationieren. Der 25. Oktober 1955 war der letzte Tag innerhalb der erwähnten 90-Tage-Frist. Der erste Tag, an dem keine fremden Truppen mehr auf österreichischem Hoheitsgebiet standen, war der 26. Oktober. An diesem Tag beschloss der österreichische Nationalrat in Form eines Verfassungsgesetzes die immerwährende Neutralität.

Jubiläum mit praxisorientiertem Fokus


Hydrotechnik-Fakultät sucht internationalen Anschluss
/ Von Siegfried Thiel


3469 Ingenieure, 204 Absolventen eines Masterstudienganges, 103 Kolleg-Absolventen und 107 Doktorentitel – dies nackte Zahlen von 60 Jahren Fachausbildung in Sachen Wasserbau an der TU Politehnica in Temeswar Internationale Beziehungen, Gedanken über Umweltschutz und Ausbau des Studienangebotes gehörten mit zu den Themen, die bei diesem Event zur Debatte gebracht wurden. Eigentlich schade, dass ein beachtlicher Teil der „für ihre Verdienste und gute Zusammenarbeit“ (so Dekan Teodor Eugen Man) bei der Festversammlung geehrten Teilnehmer sich bei den anschließend fördernden Debatten und Vorträgen nicht mehr sehen ließ.


Dabei ging es gerade und vorwiegend um eine pragmatische Angelegenheit: Die Gründung eines Umwelt-Kompetenzzentrums – Fachbereich Wasser und Abwasser in Temeswar, das in Zusammenarbeit mit deutschen Einrichtungen zustande kommen soll. Ein Forschungs- und Dienstleistungszentrum sowie ein Zentrum zur Weiterbildung wären die Säulen dieser neuen Einrichtung, die laut allen Verantwortlichen eine praxisbezogene Einrichtung - nach Vorbild des deutschen Dualen Bildungssystems aufgebaut - werden soll. Auch die Tatsache, dass im Übereifer schon mal von rumänischer Seite eine Viertelstunde lang über den Stundenplan einer Einrichtung gesprochen wird, die weder gegründet ist, noch die Finanzierung gesichert hat, kann die Initiative nicht schmälern. Die Kritik vom Direktor des Wasserversorgungsunternehmens Aquatim, Ilie Vlaicu, dass zu viele Seminare gehalten und zu wenig getan wird, war wohl auf das Allgemeine und kaum auf das Treffen an und für sich ausgerichtet.

Der Flussknoten bei Costei – wo sich die Flüsse Temesch und Bega treffen –, das seit 1914 funktionierende städtische Wasserversorgungsnetz in Temeswar, das Be- und Entwässerungssystem sind laut Dekan der Hydrotechnik-Fakultät, Teodor Man, einige der Argumente, die vor 60 Jahren zur Gründung einer Ausbildungssparte für Wasserbau an der Technischen Hochschule in Temeswar geführt haben. Seit 1990 gibt es eine Fakultät für Hydrotechnik mit zwei Lehrstühlen: Hydrotechnik und Drainage, bzw. Hydraulik, Sanitäts-Ingenieurwesen und Wasserbewirtschaftung.


3-6 Monate dürften reichen, um das geplante Kompetenzzentrum an der Hydrotechnik-Fakultät in Temeswar ins Leben zu rufen, sagt Detlef Braun, zuständig für öffentliches Management in Düsseldorf. Dies vorausgesetzt, dass die Finanzierung aus rumänischen und deutschen Mitteln erfolgen wird. „Wenn wir jedoch einen Antrag auf EU-Mittel stellen müssen, wird es wahrscheinlich über ein Jahr dauern“, glaubt Detlef Braun. Er ist auch überzeugt, dass es für deutsche Unternehmen ausreichend Motivation gibt, kostenlos Laboreinrichtungen, Anlagen und Meßtechnik zur Verfügung zu stellen. „Die Wissenschaftler und Studierenden werden mit den deutschen Produkten vertraut gemacht und es bleibt die Hoffnung, dass diese später einmal auch auf diese deutschen Produkte zurückgreifen werden“, sagt Braun.


Die rumänisch-deutsche Zusammenarbeit zur Realisierung des Kompetenzzentrums kommt nicht von ungefähr. Die Stadtwerke München haben seit Jahren eine Partnerschaft mit dem Temeswarer Wasserversorgungsunternehmen Aquatim. „Die Chemie zwischen Temeswar und München im Bereich Abwasserproblematik stimmt“, sagt Peter Köstner, der aus Temeswar stammt und derzeit in München bei der Stadtentwässerung als Bereichsleiter für Flächenkanalisation arbeitet. Die Unterstützung der rumänischen Kollegen von Aquatim durch Know-how-Transfer, Kurse für Führungskräfte im Bereich umweltfreundlicher Abwassertechnik und Schulung für „Zertifizierte Kanalisationsberater“, sind für Peter Köstner einige der Eckpunkte dieser Partnerschaft, die mithelfen soll, dass nach dem bereits gegründeten Nationalen Kompetenzzentrum in Bukarest, bald auch jenes in Temeswar entsteht.

Neue Kreditaufnahme von Reschitza


Die Argumente hat man von den Vorgängern



wk.Reschitza – Der Kredit über 20 Millionen Lei, den Reschitza unter Bürgermeister Liviu Spataru und dem Stadtrat von 2004-2008 aufgenommen hat, wird erst Ende des zweiten Jahrzehnts dieses Jahrhunderts getilgt. Trotzdem musste der amtierende Bürgermeister Mihai Stepanescu seinem gegenwärtigen Stadtrat die Aufnahme eines weiteren Kredits nahelegen. Dieser beläuft sich auf 14 Millionen Lei.


In der Begründung für den Stadtrat heißt es, Reschitza brauche diesen Kredit, „um neue Investmentarbeiten in Reschitza durchzuführen und angesichts der Tatsache, dass die im Haushalt 2008 vorgesehenen Summen nicht ausreichen für die Investitions-Vorhaben der Stadt.“ Angedeutet wurde natürlich in der schriftlichen Argumentation, welche den Ratsherren ausgehändigt wurde, auch die Tatsache, dass die Stadt den von der EU zugelassenen Höchst-Verschuldungsrahmen von rund einem Drittel des Jahreseinkommens der Kommune noch nicht ausgeschöpft hat und dass man das Geld brauche, um seinen Beitrag zu den vertragsmäßig bereits unterzeichneten Verpflichtungen bei der Umsetzung des EU-ISPA-Siedlungswasserprojekts zu leisten hat, das eben abgefahren wurde, um Busse für den städtischen Nahverkehr zu kaufen und um die Bauarbeiten zur Herrichtung der Gewerbeparks fortzusetzen, die 2009 und 2010 für Investoren bereit sein sollen (ADZ und BZ berichteten).


Von Interesse für die Bürger der Stadt sollte nicht nur sein, dass sie durch diese neuerliche und zusätzliche Langzeitverschuldung bis zum Beginn der dreißiger Jahre des laufenden Jahrhunderts an den gegenwärtigen Krediten zu beißen haben werden, sondern auch, dass die gegenwärtige Administration, die im Juni mit „Enthüllungen“ und Jammern über die hohe Verschuldung der Stadt ihre Tätigkeit aufnahm, nun genauso vorgeht und sogar mit den selben Argumenten wie die vorangegangene und (auch deshalb) abgewählte Stadtverwaltung: „Der Verschuldungsgrad der Stadt liegt noch weit unter den 30 Prozent, welche die EU den Kommunen erlaubt“! Ein Satz, den der Hochschullehrer, Wirtschaftskybernetiker und frühere Stadtvater Liviu Spataru immer wieder von sich gab.


Nicht uninteressant ist auch, dass dem Kommunalwirtschaftsunternehmen PRESCOM seit 2005-06 die Gelder zum Ankauf von Nahverkehrsbussen zur Verfügung standen, doch dass die Ausschreibungen durch Störprofis der Ausschreibungsprozesse immer wieder storniert werden mussten und dass anscheinend das Geld schließlich für Anderes ausgegeben wurde – wenn man jetzt neues Geld braucht. Und erwägen sollten kritische Bürger desgleichen, dass auch die Gelder für die Gewerbegebiete im Terova-Tal und bei Km 7 einmal schon bereitlagen, durch Umstandsverkettungen und Hintertreibungen (auch von Immobilienhaien) nicht ausgegeben werden konnten und schließlich wohl zum Stopfen anderer Löcher genutzt wurden, was den gegenwärtigen Kredit nötig macht.

Temeswarer Firmen in Bruxelles


Hauptanliegen: Schwierigkeiten bei Bankkrediten


oi. Temeswar - „Mehrere Temescher Firmen beschweren sich in letzter Zeit, dass sie keine Kredite mehr von den Banken bekommen können“, sagt Menu]a Iovescu, Generaldirektor der Temeswarer Industrie- und Handelskammer. Der Satz fiel nach der ersten Auflage des „Europäischen Parlaments der Unternehmen“, bei der ungefähr 750 Firmen aus der EU teilgenommen hatten. Die Banken würden zurzeit vorsichtig bei der Kreditvergabe handeln. Auch in den Fällen, in denen das Unternehmen, das ein Darlehen beantragt, Garantien vorweist. Bislang dauerte es einen Tag, bis ein Kredit in Höhe von 100.000 Euro bewilligt wurde, jetzt soll es zu einer langen Wartezeit kommen. Auf Nachfrage ist die gängige Antwort der Banken: „Das Dossier ist in Arbeit“.


Nicht nur, dass die Banken vorsichtiger bei der Überprüfung vorgelegter Garantien seitens der Kreditantragsteller geworden sind, die Immobilien, mit denen bislang garantierte wurde, haben an Wert verloren. „Der Immobilienmarkt weist Verluste auf. Folglich bekommt man bei einem Kredit, bei dem mit Immobilien garantiert wird, weniger Geld als bislang“, sagt Cosmin Grapini, Geschäftsführer der Temeswarer Firma Pasmatex.


Europaweit sieht die Situation in Zukunft nicht besonders rosig aus. Dieser Ansicht ist jedenfalls Günther Verheugen, Vizepräsident der EU-Kommission. Seinen Schätzungen nach wird es zu einer Rezession in der gesamten europäischen Wirtschaft kommen. Trotzdem sieht er auch Positives in der internationalen Wirtschaftskrise. „Ich glaube, dass in naher Zukunft die Banken mehr in fundierte wirtschaftliche Unterfangen investieren und sich von Spekulationen fernhalten. Davon werden insbesondere die kleinen und mittelständischen Unternehmen profitieren“, fügte Verheugen hinzu.

Ein grenzüberschreitendes Projekt


Trend zum EU-Handel im Dreiländereck

bw. Temeswar - Die Herausbildung eines einheitlichen, modernen Systems zur Sammlung, Verarbeitung und zwecks Handels mit Gemüse und Obst sowie anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist Hauptziel eines Projekts, wozu nun der Start in Novi Sad (Wojwodina, Serbien) gegeben wurde. Es handelt sich um ein grenzüberschreitendes Projekt im Rahmen der Entwicklungsstrategie der Euroregion DKMT, dessen Finanzierung durch die Regierung der Bundesrepublik Deutschland über die GTZ gesichert wird. Demgemäß hatten sich zu diesem Treffen außer den Vertretern der Temeswarer Kommunalverwaltung sämtliche interessierten Faktoren bzw. die Vertreter der Kommunalverwaltungen aus Novi Sad und Szeged (Ungarn) eingefunden.


Endziele dieses Großprojekts sind die Verwertung des großen landwirtschaftlichen Potentials dieser Zone, die Schaffung eines modernen, zivilisierten Handels, die den Raum in den europäischen Kreislauf einbinden sollen und nicht zuletzt allen Konsumenten des Dreiländerecks zugute kommen sollen.


Die Stadt Temeswar mit seinem modernen Großmarkt „Mega Fresh“ hat selbstverständlich ein besonderes Interesse an diesem Projekt: Der 2006 in Temeswar an der Ausfahrtsstraße Richtung Hatzfeld/ Jimbolia auf einer Fläche von 2,46 Hektar als Gemeinschaftsprojekt der Bundesregierung und der Stadt Temeswar im Gesamtwert von 3,5 Millionen Euro errichtete Großmarkt wird derzeit um 1,5 Hektar erweitert. Bei „Mega Fresh“, dem derzeit modernsten der zehn Märkte der Temeswarer Gesellschaft „Piete SA“ wird eine neue Halle für den Großhandel gebaut, desgleichen sollen 20 Boxen für die Privatproduzenten eingerichtet werden. Laut Generaldirektor Victor Stefan war dies die einzige Marschrichtung, da sämtliche verfügbare Handelsräume besetzt und langfristig vermietet sind. Es sind dies die 66 überdachten Räume und die 37 Stände im Freien für den Großhandel (Nutzfläche: über 1.600 Quadratmeter) sowie die Stände für Privatproduzenten (Nutzfläche: über 1.100 Quadratmeter).


Ein weiteres Treffen aller Entscheidungsfaktoren fand gestern in Szeged (Ungarn) statt. Der rumänische Projektpartner war durch Aura Junie, Leiterin der Entwicklungsdirektion im Rahmen der Temeswarer Kommunalverwaltung, vertreten.


Bald Entscheidung im Rückerstattungsfall Ausnit



Einige Nachkommen ehemaliger Magnaten haben bereits Bescheide



Nadrag/Temeswar (BZ) – Die Nachkommen von Max Ausnit (wie sie sich schrieben, bevor sie aus Rumänien in die USA auswanderten) könnten binnen der kommenden zwei Wochen einen Bescheid bezüglich der Rückerstattungsforderung über 11.000 Hektar Wald bekommen, die der Familie im Raum Nadrag gehört haben und von den Kommunisten enteignet wurden. So Daniel Olaru, der Sprecher der wiedergegründeten „Societatea Anonima Forestiera von Nadrag, an der die Ausnit-Familie 73,4 Prozent gehalten hat.


Eigentlich hat diese Anonyme Forstgesellschaft die Rückerstattungsforderung gestellt, denn die Waldflächen, die einer einzigen Person rückerstattet werden können, sind begrenzt und erreichen beiweitem keine 11.000 Hektar. Olaru zeigte sich vor den Medien optimistisch bezüglich der baldigen Rückerstattung. Die Sprecherin der Präfektur Temesch, Daniela Fetescu, war da etwas zurückhaltender: Da die Familie Ausnit auch an anderen Lokalitäten Rückerstattungsforderungen für Grundstücke und Wälder auf dem Tapet hat, und da die Gesamtfläche, die einer einzigen Person rückerstattet werden kann, eigentlich begrenzt sei, „wartet die Temescher Rückerstattungskommission einstweilen ab, ob die andere Rückerstattungsforderung positiv beschieden wird, oder nicht, und wird erst danach eine Entscheidung bezüglich der Nadrag-Forderung der Herrschaften treffen.“


Der 84jährige Steven Ausnit, Sohn des zwischenkriegszeitlichen Magnaten Max Au{nit, war Anfang August zum zweiten Mal mit seinen zwei Söhnen, einer Schwiegertochter und Enkeln auf Rumänienbesuch und erklärte in Nadrag, dass die Familie hier nach der Rückerstattung der Wälder eine Holzverarbeitung aufbauen möchte. Zugleich hatten die Ausnits die ehemaligen Werkswohnungen, die sie in Nadrag und Ferdinandsberg/Otelu Rosu besaßen, an die gegenwärtigen Bewohner verschenkt, als Geste des guten Willens.


Max Ausnit besaß im Banat die Stahlwerke Nadrag, die Teil der Metallurgischen Werke/Uzinele Metalurgice Titan-Nadrag-Kalan waren, sowie die Wälder rund um Nadrag. Ausnit war auch – neben dem Königshaus und einigen reichen Bukarester Familien - Mitgesellschafter der Werke und Domänen Reschitza (UDR) und Alleinbesitzer der Magazinele Unite, einer Handelskette, aber auch mehrerer kleiner metallverarbeitender Betriebe. In Bukarest besaß er auf der Aleea Alexandru Nr.1 einen Stadtpalast, als Familiensitz, den er sofort nach der Rückerstattung an den Neureichen Gheorghe (Gigi/Jiji) Becali verkaufte.


Im Banat läuft die Rückerstattung der Güter an die ehemaligen Großgrundbesitzer ziemlich schleppend. Bisher praktisch nichts hat sich getan bezüglich der Rückerstattungsforderungen der Enkelinnen des Lugoscher Ziegelwerksbesitzers und Erbauers des Badekurorts Busiasch, die das Nutzungsrecht der Heilquellen zurückfordern sowie einen Teil der Kur- und Gesellschaftsbauten, die ihr Großvater in Busiasch errichtet hatte. Prinz Paul von Rumänien kämpft weiterhin vor Gericht um die 1300 Hektar Ackerland, Reisfelder, Fischteiche und Waldflecken im Raum Banlok, die er von seiner Tante geerbt haben will. Der königlichen Familie des Mihai I wurden 100 Hektar Wald im Raum Ohaba rückerstattet, der Familie des zwischenkriegszeitlichen Bukarester Industriellen Mociornita 168,6 Hektar Wald im Raum Großscham/Jamul Mare und den Nachkommen der Adligen- und Politikerfamilie Mocioni/Mocsonyi 1366 Hektar im Raum Ohaba Lunga.

Jobbörse im Regionalen Geschäftszentrum


Über 250 Unternehmen präsentieren ihr Stellenangebot



„TOP-Arbeitgeber“ werden Anfang November in Temeswar/Timisoara erwartet. Am 7.-8. November findet im Regionalen Geschäftszentrum (CRAFT) die Jobbörse „Angajatori de Top“ statt. Über 250 Unternehmen haben bereits ihre Teilnahme am wohl größten Karrieremarkt Rumäniens angesagt. Das Ereignis fand am vergangenen Wochenende in Jassy/ Iasi statt und wird am 31. Oktober und 1. November in Bukarest organisiert.


Besucher der Jobbörse werden sich die Jobangebote direkt von den Leitern der Departements für Personalfragen abholen und sich vor Ort an Seminaren und Workshops, die die teilnehmenden Firmen organisieren, beteiligen. Firmen, die im IT-, Bauwesen-, Finanz- und Bankwesenbereich tätig sind, aber auch Beratungsunternehmen werden in Temeswar zugegen sein. An Stelle der klassischen Firmenpräsentationen werden den Interessenten Seminare angeboten. Die Berater von „Catalyst Solutions“ werden den jungen Teilnehmern an der Jobbörse in Temeswar Tips zur Erstellung eines perfekten Lebenslaufs verraten. Die Messe ist vor allem für junge Arbeitsuchende (zwischen 25 und 35 Jahren alt) gedacht. Über 5.500 Jobs, rund 70 Workshop- und Seminarstunden, 20 Industriebranchen und 45 Stunden Karrieretips stehen den Teilnehmern zur Wahl.


Das Feedback der vergangenen sechs Jobbörsen war positiv: Über 5.800 Menschen haben auf der Messe eine Arbeitsstelle gefunden. Von den drei Ereignissen in diesem Herbst erwarten die Veranstalter, dass rund 2.000 Personen einen Job finden. Die meisten Arbeitsplätze sind in den Bereichen IT&C, Finanzwesen, Beratung und Ingenieurwesen. Mehr Infos können von der Internetseite www.hipo.ro abgerufen werden.


Raluca Nelepcu

Arbeitsplätze und große Infrastrukturprojekte


Viel Kleinkrieg in westrumänischer Kleinstadt
/ Von Olivian Ieremiciu

Die Stadt Curtici hat keinen Krankenwagen. Seit einigen Monaten gibt es auch keinen Notfalldienst mehr. Die Kommunalbehörden machen für diesen Zustand die Ärzte verantwortlich. „Sie wollten den neuen Krankenwagen nicht. Für die Geräte und Instrumente hätten sie ein paar Lehrgänge absolvieren müssen. Sie hatten aber keine Lust dazu. Der Krankenwagen der Marke Mercedes, den sie hätten bekommen können, war ultramodern“, sagt der Vizebürgermeister der Stadt Curtici, Petru Miloaca. Was er außerdem noch bedauert, ist die Haltung der Ärzte der Stadt. „Wir haben ihnen die Immobilien zu einem Zehntel des Marktpreises verkauft. Nur um ihnen einen Gefallen zu tun, damit sie nicht wegziehen. Und das ist jetzt der Dank“, fügt der Vize hinzu.


Seit dem 01.05.2008 verfügt die Stadt über keinen Notfalldienst mehr. Aus Personalmangel, so auf einem Informationsblatt im Wartesaal des medizinischen Ambulatoriums der Stadt Curtici zu lesen.



Auf die Anschuldigungen aus dem Bürgermeisteramt wurde mit Empörung reagiert. Den Ärzten sollte kein Krankenwagen übergeben werden, sondern es wurde ihnen einer genommen. Der versprochene Krankenwagen sei kein Mercedes, sondern ein Fiat Punto gewesen. Und außerdem war es kein Krankenwagen an sich, sondern ein medizinischer Einsatzwagen. „Und wenn die vom Bürgermeisteramt so blöd waren, die Räumlichkeiten für die Arztpraxen unter Marktwert zu verkaufen, sollten sie wenigstens die Intelligenz haben, sich nicht auch noch damit zu rühmen“, sagt ein Befragter, der anonym bleiben möchte. Außerdem soll es auch nicht rentabel sein, einen Bereitschaftsdienst und einen Krankenwagen zu haben. „Wenn man wirklich einen Notfall hat, ruft man über 112 den Krankenwagen aus Arad - in einer Viertelstunde ist er da“, wird weiterhin erklärt. Nach Meinung einiger soll bei einer Stadt von ungefähr 8.500 Bürgern ein solcher Dienst nicht unbedingt nötig sein.


Unterkommissar Nicolae Scolobiuc, von der städtischen Polizei ist anderer Ansicht. „Falls ein Unfall passiert, und biologische Proben entnommen werden müssen, sollte dies gleich passieren und nicht eine Stunde später. Und die Proben müssen von Fachkräften abgezapft werden“.



„Das Bürgermeisteramt ist keine Distributionsfirma“


Das Bürgermeisteramt scheint zurzeit auch andere Probleme zu haben. Die Parlamentswahlen stehen an. Jetzt müssen die vom Staat versprochenen und von der EU gespendeten Zucker- und Mehlunterstützungen zu den Bürgern gebracht werden. Den Bedürftigen stehen 20 Kilogramm Mehl und fünf Kilogramm Zucker zu. Diese müssen aus den Depots gebracht werden. Da das Bürgermeisteramt über keine Lagerräume verfügt (zurzeit werden sie in Räumlichkeiten der Feuerwehr untergebracht), müssen die Hilfsgüter den Familien Freihaus geliefert werden. „Das auch deshalb, damit die Leute nicht zum Rathaus kommen und Streitereien anfangen. Dies sind zwar Zusatzkosten, die auf uns zukommen, aber wir müssen die Sache schnellstens erledigen“, sagt Miloaca.




Curtici: die Stadt ohne Geldsorgen


Ein Empfehlungsschreiben der Regierung besagt, dass die Städte- und Kommunalverwaltungen die Freiheit haben zu entscheiden, ob sie den Lehrern Lebensmitteltickets geben oder nicht. „Die Sachlage ist jedoch etwas anders. Wir können nicht unseren Lehrern sagen, dass wir ihnen keine Tickets geben. Ein Dorf weiter aber bekommen die Lehrer die Unterstützung. Die schlagen uns die Köpfe ein“, sagt weiter der Vize der Stadt Curtici.


Über Geldmangel klagt die Kommunalverwaltung jedoch nicht besonders. Die Einnahmen stammen von den Betrieben der „Freihandelszone“ bei Curtici und von der Industrie. In der Gegend sind auch Großunternehmer wie das Agrarkombinat des Dr. Dimitrie Musca, dem rund 7.000 Hektar Land, eine Molkerei und eine Wurstwarenfabrik in der Gegend gehören. „Diese steuern am meisten zum Stadthaushalt bei. Die Steuereinnahmen aus den Reihen der Bevölkerung sind eher gering“, sagt Miloaca.


Daher kann die Stadt auch Investitionen machen. 1,2 Millionen Euro sollen in einer Trinkwasser-Aufbereitungsanlage, Pumpen und neue Rohre für die Wasserversorgung in der Stadt investiert worden sein. Dies, nachdem in jedem Frühjahr die Kleinstadt mit dem Problem konfrontiert wurde, dass statt Wasser eine gelblich-braune Brühe aus den Wasserhähnen lief.


Für nächstes Jahr steht auch die Eröffnung eines neuen Grenzübergangs auf dem Programm. Derzeit führt aus dem rumänischen Grenzstädtchen Curtici eine Eisenbahnlinie nach Ungarn, für die Zukunft wird die Durchfahrt von Großlastern anvisiert. Dafür soll im Frühjahr der Bau der acht Kilometer langen Straße nach Ungarn (Lökeshaza) angefangen werden, Ende 2009 würden laut Plan die ersten Autos den Grenzübergang passieren. Die Stadtverwaltung machte sich besonders darüber Sorgen, wieviel in die neuen Grenzeinrichtungen wie Gebäude und sonstiges investiert werden müsse. Derartige Sorgen wurden der Kommunalverwaltung vom Arader Präfekten genommen, der angeblich gemeint hat, dass die Ungarn diese Sachen schon übernehmen werden.



Gute Absichten, schlechte Ausführung


Zurzeit wird in Curtici eine neue orthodoxe Kirche gebaut. „Die alte bietet nicht ausreichend Platz für die Glaubensgemeinschaft“ meint eine Passantin. „Die alte orthodoxe Kirche fällt bereits auseinander“ sagt der Bürgermeister der Stadt Curtici, Nicolae Anitei. Dass die neue Kirche ungefähr fünf Meter von der alten gebaut wird, sieht der Bürgermeister als Schwachsinn an. Trotzdem steuerte das Bürgermeisteramt voriges Jahr 100.000 Lei für die Errichtung der Kirche bei.


Womit sich der Bürgermeister rühmt, ist, dass Curtici seit fünf Jahren eine „Tradition“ eingeführt hat, das es zum Unikat in Rumänien macht. Jedes Jahr werden die 18-Jährigen der Gemeinde zu Paten der Kirche gemacht. „Eine derartige Tradition gibt es nur noch in einem Kleindorf in der Marmarosch. Hier werden jedoch die Dorfbewohner mit 50 zu Kirchenpaten“ sagt der Bürgermeister.



Ein kleiner Zoo ist in der Stadt auch zu besichtigen: Ein paar Rehe, zwei Lamas, Enten und Papageien. Die Kinder der Stadt sind oft bei der „Tierschau“ zu sehen. Ein Manko gibt es jedoch: Der Stacheldraht, der die Kinder vom zu nahe Kommen an dem Zoogitter hindern soll, ist auf Augenhöhe eines 6-7 jährigen angebracht. „Bislang haben wir das noch nicht gemerkt, wir werden es überprüfen“ sagt der Bürgermeister.



Viele Arbeitsplätze – aber auch Sozialhilfeempfänger


Die Stadt hat 8.480 Einwohner. Arbeitsplätze stehen genügend zur Verfügung: „Zurzeit sind ungefähr 8.000 Arbeitsplätze in der Stadt, einschließlich der Freihandelszone“, so vom Bürgermeisteramt zu hören. Trotzdem muss Geld für Sozialhilfe aus der Stadtkasse fließen. Die Erklärung ist ethnischen Ursprungs. „Der Großteil der Sozialhilfeempfänger sind Roma. Sie lieben den Tourismus und sind mal hier, mal in Belgien oder Frankreich. Für die Tage, die sie mal hier sind, verlangen sie Sozialhilfe“, sagt Miloaca. Und dass ihnen keine Chancen zur Beschäftigung geboten wurden, das verneint der Vize: „Die Unternehmer haben sich als sehr tolerant und offen gezeigt. Sie haben sie angestellt und haben Jobs gefunden, die die Roma auch hätten erledigen können. Nach zwei-drei Tagen waren sie aber weg“, so der Stadtvize.