Donnerstag, 15. April 2010

Gesetz gegen Prügel im Verkehr

Bei S.R. hatte es ausgesehen, als habe sie nach der Fahrschule auch eine Prüfung im Dauerschimpfen ablegen müssen. Als sie nämlich den Führerschein in der Hand hatte, war bei ihr Fluchen mit wildesten Ausdrücken angesagt. Aus ihrer Sicht hatten andere Fahrteilnehmer den „Schein durch Bestechung erhalten”, der Radfahrer war „ein Idiot” und Fußgänger ganz einfach „zu dumm, um über die Straße zu gehen”. Ihren Unmut konnte man lediglich von den Lippen ablesen, gewalttätig wurde sie (bisher) nicht. Einer der Prominentesten, der sich im Temeswarer Verkehr nach einem Unfall abartig geoutet hatte, war der Fußballer Cosmin Contra, der – damals noch in Spanien unter Vertrag – aggressiv wurde, als ein Polizist auf das Auto seiner Gattin aufgefahren war. Obwohl der Unfall keine Verletzungsfolgen für die Frau des Kickers und dessen Kinder hatte, schlug er auf den Polizisten ein. Solche Szenarien sollen nun bald der Geschichte angehören. Dann nämlich, wenn die neuesten Vorschläge von Polizei und Politikern im Parlament zur Debatte kommen. Aggressivität im Verkehr soll definiert, strikter und vielseitiger geahndet werden. Nicht nur Prügel unter Verkehrsteilnehmern sollen ab nun bestraft werden, sondern auch aggressives Verhalten auf der Fahrbahn: Zick-Zack-Fahren, Slalomfahrten, heftiges, unerwartetes Bremsen und mehrmaliges Überholen. Solche Vorschläge unterbreitet die rumänische Verkehrspolizei dem Parlament, das bereits Ende dieses Monats über neue Artikel im Verkehrsgesetz abstimmen könnte, die dann ab Mai Anwendung finden würden.Zwei besondere Aspekte beschäftigen derzeit die rumänische Verkehrspolizei: Wie „Aggressivität im Verkehr“ definieren, da kein anderes Land über ein solches Gesetz verfügt, und zweitens stellt sich die Frage, wie solcher Art Vergehen bewiesen werden können. Verkehrsteilnehmer, die sich bei Zwistigkeiten auf den Straßen prügeln, sollen nicht nur mit zivilem Strafverfahren rechnen müssen, sondern auch mit dem Entzug des Führerscheins. Auch Verkehrspolizisten sind nicht frei von Übergriffen. Bekannt ist der Fall eines Polizeibeamten im ostrumänischen Jassy/Iasi, der innerhalb weniger Monate drei Mal von Verkehrssündern oder deren Familie angegriffen bzw. geschlagen wurde. Dazu kommt, dass er im Herbst vergangenen Jahres nur im allerletzten Moment einem Unfall entgehen konnte, als ein betrunkener Autofahrer mit überhöhter Geschwindigkeit auf ihn zu raste. Im südrumänischen Craiova hat ein jugendlicher Autofahrer einen 62 Jahre alten Mann mit Hieben traktiert. Nach Meinung des Autofahrers habe der Rentner zu langsam die Straße überquert. Der Mann ist zehn Stunden nach diesem Vorfall im Krankenhaus an Herzversagen gestorben, der 22 Jahre alte Schläger sitzt derzeit in Untersuchungshaft.Logik und Kurioses hängt nicht selten von der Perspektive ab, aus der man einen Aspekt betrachtet. So ist der Vorschlag von Senator Iulian Urban auf den ersten Blick zwar mehr als kurios, vom Gedankengang her so abwegig nun wieder auch nicht. Verkehrssünder sollen nach ihrem Einkommen zur Kasse gebeten werden, sagt der PDL-Parlamentarier. Auf betuchte Bürger, die sich Luxuskarossen leisten, würde die derzeitige Höhe der Geldstrafe nicht abschreckend wirken, begründete der Politiker. Deshalb schlägt er eine differenzierte Bußgeldvergabe für Verkehrsdelikte vor. In die eine Kategorie - mit einem gewissen Strafmaß - fielen alle, die bis zu 30.000 Lei pro Jahr verdienen. Die Besserverdiener müssten seiner Ansicht nach deutlich mehr begleichen.

Siegfried Thiel

Im dichten Verkehr, Aggressivität ausgesetzt. Polizisten haben es nicht leicht.
Symbolfoto: Zoltán Pázmány

Temeswarer Bauten in besseres Licht gerückt


Für die römisch-katholische Kirche in der Elisabethstadt wurde ein beeindruckendes Beleuchtungskonzept erarbeitet.
Foto: Zoltán Pázmány

Die römisch-katholische Kirche in der Temeswarer Elisabethstadt (Balcescu-Platz) leuchtet in der Nacht hell auf: Das Gotteshaus wurde kurz vor Ostern architektonisch beleuchtet. 115.000 Euro, Mehrwertsteuer ausgeschlossen, hat die Stadtverwaltung für die Beleuchtung der Kirche ausgegeben. Gleichzeitig wurde auch die orthodoxe Kirche an der Dej-Straße in ein besseres Licht gestellt. Die architektonische Beleuchtung dieser Kirche kostete die Stadt Temeswar/Timisoara 80.000 Euro.
Denkmäler, Brücken und für die Stadtgeschichte bedeutende Bauten sollen demnächst ebenfalls künstlerisch beleuchtet werden. Die Stadtverwaltung hat in diesem Jahr ein diesbezügliches Projekt erarbeitet. Einige Kirchen, darunter die Piaristenkirche gegenüber dem Zentralpark, die Marienstatue am Freiheitsplatz, das Rathaus sowie die Staatsoper sollen in diesem Jahr in das Programm einbezogen werden. Das Projekt zur architektonischen Beleuchtung der Gebäude nimmt Ratschläge von Architekten und Designern in Betracht und hat als Muster Großstädte wie Lyon oder Wien. Jedes Jahr sollen etwa fünf Bauten künstlerisch beleuchtet werden. (rn)


Letzter Schliff für Lugoscher Umgehungsstraße


Anfang Juli verlässt der Schwerverkehr die Stadtstraßen


Die Arbeiten an der Umgehungsstraße der Stadt Lugosch/Lugoj nähern sich ihrem Ende zu: Ende März hat die letzte Etappe der Bauarbeiten begonnen, Anfang Juli soll der Schwerverkehr, der zurzeit noch durch die Stadt rollt, komplett umgeleitet werden. Mehr als 70 Prozent der Ringstraße wurden bereits fertiggestellt. Im Lugoscher Stadtentwicklungsplan, der für eine Zeitspanne von zehn Jahren erarbeitet wurde, ist eine zweite Ringstraße, die die Karansebescher mit der Busiascher Straße verbindet, vorgesehen, also nach dem nördlichen Ring zur West-Ostverbindung anschließend die Süd-Ostverbindung. Bürgermeister Francisc Boldea sieht die Umleitung des Schwerverkehrs optimistisch: „In sechs Jahren könnte auch die Ringstraße im Süden der Stadt fertiggestellt werden“, meint Boldea.

Ein portugiesisches Joint-Venture gewann März 2008 die Ausschreibung für die Durchführung der Arbeiten an der Umgehungsstraße der Stadt Lugosch. Monte Adriano Engenharia e Construcao und Soares da Costa haben ein Jahr später das Projekt in die Wege geleitet. Der Beginn der Arbeiten wurde hinausgeschoben, weil einige Grundstücksbesitzer, Bürger der Gemeinde Co{tei, mit der Entschädigung, die ihnen der rumänische Staat zahlen wollte, unzufrieden waren. Die Enteignung fand trotzdem statt, wobei der Staat den Eigentümern 12 Euro pro Quadratmeter zahlte. Die Ringstraße wird 47 Grundstücke der Gemeinde Co{tei durchqueren. Einige der Bodenbesitzer zerrten die Rumänische Gesellschaft für Straßen- und Autobahnbau vor Gericht, verloren aber den Prozess. Die Bürger der Gemeinde Co{tei meinten damals, dass die Vermessungen ihrer Grundstücke zu ihrem Nachteil vorgenommen wurden.

Die zweispurige Ringstraße, die den Schwerverkehr umleiten wird, wird nach Beendung der Bauarbeiten 9,6 Kilometer lang und zwölf Meter breit sein. Gebaut werden auch eine Brücke über die Temesch, eine Überführung an der Nationalstraße DN68A Lugosch-Deva, eine Überführung über die Eisenbahnlinie Lugosch-Temeswar und eine an der DN6/E70. Die Investition hat einen Gesamtwert von 23,7 Millionen Euro, wobei 17,8 Millionen Euro von der EU fließen. Der Rest des Geldes kommt aus dem Staatshaushalt Rumäniens. Bisher wurden ungefähr 14 Millionen Euro ausgegeben.

Raluca Nelepcu


Die Arbeiten an der Überführung an der Nationalstraße DN6/E70 sorgten für Stau vor der Einfahrt in Lugosch.

Foto: Raluca Nelepcu

Mit Ehering Messen zelebrieren

Die Unierte Kirche Rumäniens anerkennt den Papst - und sieht den Zölibat flexibel/ Von Thomas Wagner


Immer wieder kommt er in Deutschland in die Diskussion, zuletzt auch im Zusammenhang mit den jüngsten Missbrauchsfällen: der Zölibat. Darunter versteht man das Versprechen der angehenden katholischen Priester, in ihrem weiteren Leben ehelos zu bleiben. Sie sollen, so der dahinter stehende Grundgedanke, ihren gesamten Einsatz Gott und ihrer Gemeinde widmen. Eine Familie könnte da nur ablenken - so die Begründung.

Doch die Kritik am Zölibat hält an: Zum Einen sei der Priestermangel der katholischen Kirche auch auf den Zölibat zurückzuführen, heißt es immer wieder. Aber nicht zuletzt sei der Zölibat mit ein Grund für die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle, an denen auch Priester der katholischen Kirche beteiligt waren. So umstritten diese These sein mag, so klar ist doch: Es geht auch ohne Zölibat, und zwar als Pfarrer, und auch noch in der katholischen Kirche. Das beweisen die sogenannten „Unierten Kirchen“ in osteuropäischen Ländern wie Serbien, der Ukraine, Ungarn, Bulgarien oder Rumänien. Die „Unierten Kirchen“ gehören zur katholischen Kirche; der Papst ist ihr Oberhaupt - und dennoch dürfen die Pfarrer einen Ehering an ihrer Hand tragen.

Katholischer Pfarrer, mit Familie

Budin] bei Josefsdorf/Iosifalau, zwischen Lugosch/Lugoj und Temeswar/Timisoara, eine 400-Seelen-Gemeinde in Westrumänien: Ioan Brîndau kommt nach einem erfüllten Arbeitstag nach Hause - und wird freudig begrüßt von seiner Frau Carmen. Sein schwarzes Sakko und der Talar, den er trägt, deuten auf seine Berufung hin: „Ich bin Pfarrer, und zwar im Dienste der griechisch-katholischen Kirche. Die erlaubt ihren Priestern, dass sie heiraten. Zuhause erwartet mich meine Familie.“

Mehr noch: Ioan Brîndau hat auch einen zwölfjährigen Sohn und führt neben seinem kirchlichen Auftrag in dem kleinen westrumänischen Dorf ein ganz normales Familienleben. Damit ist er kein Einzelfall: „Bei uns haben 25 Prozent der Priester den Zölibatseid abgelegt, aber 75 Prozent sind verheiratet, haben Familie“, erklärt Alexandru Mesian, Bischof des Eparchiats Lugosch in der mit Rom unierten griechisch-katholischen Kirche Rumäniens. Bischof Mesian residiert in einem schmucken palastähnlichen Gebäude, rund 20 Kilometer von der kleinen Pfarrei Budin] entfernt.

Weshalb aber darf eine dem Vatikan unterstellte Kirche ihren Priestern die Ehe erlauben? Die Frage können wir uns nicht verbeißen und Bischof Alexandru Mesian lächelt dezent. Schließlich wird er so etwas häufig gefragt. Alles gehe auf das große Kirchenschisma zurück, als sich 1054 die griechisch-orthodoxe Kirche von Rom beim Konzil von Nizäa abkoppelte. Vier Jahrhunderte später dann einer der zahlreichen Versuche der Wiedervereinigung: Auf dem Konzil in Florenz 1453 formulierten die Kleriker die Bedingungen, unter denen Teile der abtrünnigen Gläubigen wieder in den Schoß der katholischen Kirche zurückkehren konnten. An erster Stelle stand seinerzeit die Verpflichtung, den Papst als Oberhaupt, Rom als Zentrum der Christenheit, anzuerkennen. Zudem Fegefeuer, die Deutung der Herkunft des Heiligen Geistes (Filioque) und die Hostie. Alexandru Mesian: „Die orthodoxe Kirche im damaligen Siebenbürgen hat um 1700 alle Bedingungen anerkannt, die in Florenz zur Wiederaufnahme genannt wurden und ist zur mit Rom unierten rumänischen griechisch-orthodoxen Kirche geworden.“


Zugeständnisse an Ostkirchen

Allerdings gingen hunderte Jahre unter dem Dach der griechisch-orhodoxen, der Ostkirche nicht spurlos an Gläubigen und Klerikern vorüber: Sie wollten festhalten an bestimmten liturgischen Elementen, an den Ikonen und Ikonostasen in ihren Kirchen - und eben auch an der in der orthodoxen Kirche geltenden Selbstverständlichkeit, dass Priester eine Familie haben dürfen. So kam es zur Gründung der „mit Rom unierten griechisch-katholischen Kirche Rumäniens“, der Zugeständnisse gemacht wurden, nach außen hin hauptsächlich zum Preis, dass sie den Papst in Rom als Oberhaupt anerkennt. Und die Möglichkeit, zu heiraten, haben ihre Priester bis heute.

„In mehrheitlich orthodoxen Ländern wie Rumänien sind es die Menschen doch gewohnt, dass die Pfarrer verheiratet sind.“ Bischof Alexandru Mesian macht allerdings keinen Hehl daraus, dass er die Möglichkeit zur Eheschließung durchaus kritisch sieht. Er selbst hat sich zum Zölibat entschieden. „Und wenn ich noch einmal die Wahl hätte: Ich würde mich wieder für das Zölibat entscheiden!“

Ansonsten wäre er unter anderen nie ins Bischofsamt gelangt: Denn die Unierte Kirche – genauso wie die autokephale Orthodoxe - erlaubt nur Gemeindepfarrern (bis zum Rang des Protopopen, des Dechants) die Eheschließung, nicht jedoch in der Hierarchie darüber stehenden Funktionsträgern wie beispielsweise Bischöfen, Erzbischöfen, Kardinälen oder ihrem Metropoliten. Alexandru Mesian hat sich aus Überzeugung für den Zölibat entschieden, „weil ich nur so uneingeschränkt Gott und der kirchlichen Gemeinschaft dienen sowie meinen Glauben festigen kann. Zölibatär lebende Priester leben nur für ihre Berufung und ihre Pflicht – das möchte ich Ihnen als Lebenserfahrung mitgeben“, sagt der 73-Jährige.


Die Pfarrersfrau als zweiter Pfarrer

Zurück in dem kleinen Dörfchen Budint, wo Pfarrer Ioan Brîndau sehr viel Wert auf das gemeinsame Abendessen mit seiner Frau und seinem Sohn legt. Wie die überwiegende Mehrheit der Priester in der Unierten Kirche Rumäniens hat er sich genau andersherum entschieden - gegen das Zölibat und für die Familie: „Ich habe während meines Theologiestudiums sehr lange darüber nachgedacht, auch in theologischer Hinsicht, welchen Weg ich gehen soll: Bleibe ich alleine? Haben diejenigen Recht, die sagen, dass für einen Pfarrer eine Familie so etwas wie eine zusätzliche Last, ein Hemmschuh, bedeutet, welcher bei der Arbeit im Dienste der Glaubensgemeinschaft eher hinderlich ist? Oder ist es vielleicht ganz gut, zu heiraten, eine Familie zu haben? Dann hat mir einer meiner Lehrer im Studium – ein im Zölibat lebender Theologe - Folgendes gesagt: Wer eine Familie gründet, der hat sozusagen einen zweiten Pfarrer im Haus, nämlich seine Frau. Und diese ´zusätzliche Pfarrerin´ kann dem Glauben der Gemeinde nur nutzen. Das war für mich ein wichtiger Grund, zu heiraten.“ Wie die Mehrheit der Pfarrer der griechisch-katholischen Kirche Rumäniens.

Doch dass dort der Zölibat für Pfarrer keine Pflicht ist, hat bisher zu keinerlei Konflikten mit dem Vatikan geführt. Bischof Alexandru Mesian: „Rom hat ja auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) ganz klar festgestellt, dass man an den Traditionen der Unierten Kirchen im Osten nichts ändern möchte - und dass man ihnen die Freiheit einräumt, ihr kirchliches Leben nach den alten Traditionen fortzuführen. Währenddessen verfolgt die römisch-katholische Kirche – oder wie wir sie nennen: die lateinische - ihren Weg.“



Die unierte Bischofskathedrale in Lugosch

Foto: Raluca Nelepcu



Bischof Alexandru Mesian ist auch Beauftragter für den ökumenischen Dialog in der katholischen Bischofskonferenz Rumäniens.

Foto: bru

Malerische Träumereien von Margareta Korff


Deutsche Künstlerin mit Ausstellung in Temeswar


as. Temeswar – Unter dem Motto „Träumereien“ hat die Temeswarer Künstlerin Margareta Korff die Gedichte ihrer Mutter in Bilder umgesetzt. Das Ergebnis ihrer Arbeit – hauptsächlich Acryl auf Leinwand - ziert derzeit die Wände der Temeswarer Kunstgalerie „Pygmalion“ (Augustin-Pacha-Straße Nr. 8). „Meeresstrand oder Meerjungfrau, Liebeserklärung oder ´liebe mich´. Die Arbeiten von Margareta Korff haben verschiedene Facetten, man spürt den Humor und gleichzeitig eine große Intimität“, sagte der Temeswarer Künstler Andrei Medinski bei der Vernissage der Ausstellung. Zwei der ausgestellten Gemälde wurden von der Künstlerin im Regen gemalt. „Ich war am Loreley-Felsen und es hat stark geregnet. Ich wollte trotzdem malen, denn deshalb bin ich ja hingefahren. Ich saß also im Regen und malte. Die Arbeiten habe ich auch als Experiment betrachtet“, erzählt die Künstlerin.

Es ist die erste Ausstellung der in Temeswar/Timi{oara geborenen und in Dortmund lebenden Margareta Korff in der Stadt an der Bega. Die Künstlerin hat das Temeswarer Kunstlyzeum abgeschlossen und in Bukarest Philologie studiert. Obwohl sie von Beruf Lehrerin ist, blieb die Kunst unentwegt, bis heute, ihre größte Leidenschaft. „Ich wollte schon immer Kunst studieren, habe es aber in Rumänien nicht mehr geschafft. Vor einigen Jahren habe ich mich entschlossen, meinen Traum in Deutschland in Erfüllung zu bringen“, sagt Margareta Korff, die vor Kurzem die Kunsthochschule in Dortmund absolviert hat. Die ausgestellten Werke sind in ihren Studienjahren entstanden. Die Ausstellung kann bis am 8. Mai in der Pygmalion-Galerie besichtigt werden.

(V.l.n.r) Sorin Nicodim, Vizepräsident der Temeswarer Filiale des Künstlerverbands, Margareta Korff, Violeta Zonte, Leiterin der Pygmalion-Galerie, Andrei Medinski und Prof. Eleonora Ringler-Pascu bei der Vernissage der Ausstellung.

Foto: Zoltán Pázmány

„Ich möchte das Kulturzentrum freundlicher gestalten“



Interview mit Alina Baciu, Leiterin des Deutschen Kulturzentrums in Temeswar


Alina Baciu hat frischen Wind in das Temeswarer Deutsche Kulturzentrum gebracht: Seit dem 1. April steht die junge Frau an der Spitze der Einrichtung und nimmt sich vieles für die Zukunft vor. Sie möchte nicht nur die Sprachabteilung fördern, sondern auch verschiedene Kulturereignisse in der Stadt organisieren. „Das Deutsche Kulturzentrum muss in der Stadt präsenter sein als bisher“, sagt die neue Leiterin. Für Alina Baciu ist die Arbeit in diesem Bereich kein Novum: 2003 – 2006 war sie Kulturreferentin am Deutschen Kulturzentrum, die Erfahrung im Sprachunterricht und Übersetzungsmanagement kommt ihr ebenfalls zu Gute. Was genau sie sich für ihre Amtszeit vornimmt, erzählt Alina Baciu den BZ-Redakteurinnen Ana S²li{te und Raluca Nelepcu in folgendem Gespräch.



Was für Projekte haben Sie im Plan?

Auf jeden Fall will ich die gute Arbeit, die meine Vorgängerinnen verrichtet haben, weiterführen. Ich habe natürlich auch neue Ideen – die würde ich gerne künftig umsetzen. Es geht darum, präsenter und aktiver als bisher in der Stadt zu sein und mehr Veranstaltungen für das breite Publikum außerhalb des Hauses zu organisieren. Wir haben hauptsächlich die jungen Leute als Zielpublikum, möchten aber auch andere Gruppen ansprechen: Prinzipiell alle Deutsch Sprechenden, aber auch Personen, die an Deutsch interessiert sind. Deswegen findet bei uns alles zweisprachig statt: Rumänisch und Deutsch. Ich möchte die Ausweitung der Sprachabteilung weiterführen und die Kinderabteilung stärker aufbauen. Wir wollen auch Projekte zur Leseförderung für Kinder und Jugendliche in der Bibliothek initiieren.


Was wollen Sie als Erstes unternehmen?

Das Jahresprogramm 2010 ist eigentlich schon Anfang des Jahres bestimmt worden, also übernehme ich die Projekte, die meine Vorgängerin bereits geplant hat. Als Nächstes steht die Woche der Kaffeehauskultur, „Cafékultour“, auf dem Programm, die vom 19. bis zum 24. April in Temeswar stattfindet.


Was geschieht in der Woche der Kaffeehauskultur?

Es ist ein Projekt, das vor sechs Jahren in Zusammenarbeit mit dem Französischen Kulturinstitut begonnen hat. An sechs Abenden finden verschiedene Kulturveranstaltungen für das breite Publikum in Temeswarer Cafés, Clubs und Buchhandlungen statt. An einem Abend wird das Shortfilmlivemusic-Ensemble aus Deutschland eine Show zum Besten geben. Es geht um eine Kombination zwischen Kurzfilmprojektion und Live-Musik. An einem anderen Abend findet die Vernissage einer Fotoausstellung mit Bildern des deutschen Künstlers Stefan Koppelkamm statt. Es sind Fotos von Gebäuden der ehemaligen DDR, die in zwei verschiedenen Zeitspannen entstanden sind: Anfang der 90er Jahre und zehn Jahre später. Der Fotograf hat zehn Jahre später dieselben Bauten aus derselben Perspektive fotografiert, um deren Wandlung mit der Kamera festzuhalten. Es ist interessant, zu sehen, wie sich die Bauten „entwickelt“ haben: Manche haben sich verschönert, andere sind wiederum stärker zerfallen. Es ist eine Ausstellung des Goethe-Instituts, die wir im „Bierhaus“ vorstellen.


Die Zusammenarbeit mit dem Französischen Kulturzentrum ist in letzter Zeit ein wenig in den Schatten gerückt. Inwiefern wird diese Zusammenarbeit nun wieder aufgenommen?

Die Zusammenarbeit mit dem Französischen Kulturzentrum ist eigentlich immer da gewesen. Wir haben die Cafékultour-Woche jedes Jahr gemeinsam organisiert. Natürlich wollen wir stärker mit ihnen zusammenarbeiten, weil wir die zwei größten Kulturzentren in Temeswar sind. Ich möchte nächstes Jahr das städtische Kunstfestival „sTRAdART“ wieder organisieren.


Wie werden Sie es schaffen, die Finanzierung Ihrer Projekte zu sichern?

Die Finanzierung besteht zurzeit weiterhin vom Auswärtigen Amt über das Goethe-Institut. Das deckt unsere Kosten aber nur zum Teil. Wir haben auch unsere eigenen Einnahmen durch die Sprachkurse. Das war auch der Hintergrund der Entwicklung der Sprachkursabteilung. Man kann sich dadurch teilweise die Selbstfinanzierung sichern.


Wir machen schwere Zeiten durch. Hat das Kulturzentrum die Krise zu spüren bekommen?

Man spürt die Krise zum Teil, aber wir freuen uns immer wieder, alte Kursteilnehmer da zu haben, die ihre Sprachmodule fortsetzen. Wir freuen uns aber auch, neue Teilnehmer begrüßen zu können. Wir hatten letzte Woche Einschreibungen und haben nun zwei volle Anfängerkurse. Das Interesse für das Erlernen der deutschen Sprache besteht weiter. Bei der Gesamtanzahl der Kursteilnehmer hat man schon einen kleinen Rückgang gemerkt. Wir arbeiten aber daran, um den Leuten mehr anbieten zu können. Das gehört zu meiner nächsten Aufgabe: Das Kulturzentrum freundlicher zu gestalten und dem Publikum mehr Informationen anzubieten.

Was bietet denn das Kulturzentrum seinen Besuchern?

Wir haben drei Abteilungen: die Bibliothek sowie die Sprach- und die Kulturabteilung. Die Kursteilnehmer können sich zum Beispiel kostenlos in die Bibliothek einschreiben. Wir werden in diesem Monat ein Selbstlernzentrum eröffnen. Das sind zwei Computer mit verschiedenen Lehrmaterialien für unsere Kursteilnehmer, aber auch für das breite Publikum. Die Leute können ins Kulturzentrum kommen und selbst Deutsch lernen, wenn sie keine Zeit haben, einen Kurs zu besuchen. Wir haben ein Lehrmittelzentrum mit Büchern, die innerhalb der Sprachkurse genutzt werden. Wir führen nun ein neues Lehrbuch ein: „Schritte“. Bei einer Pilotgruppe wird das Lehrbuch bereits angewandt. Die Lehrbücher wurden uns vom Huber-Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt, damit wir sie ausprobieren und ein Feedback dazu abgeben. Es ist ein Beweis dafür, dass unsere Lehrkräfte sehr professionell arbeiten und dass uns die deutschen Verlage viel Vertrauen schenken. Es ist immer wieder schön, zu sehen, dass wir mit den Verlagen aus Deutschland so eng zusammenarbeiten können.


Das Kulturzentrum hat eine Sprachabteilung und einen Kulturbereich. Welcher wird der Schwerpunkt Ihrer Tätigkeit sein?

Letztes Jahr gab es mehr Gewichtung für die Sprachabteilung. Ich übernehme ab nächsten Monat auch die Kulturabteilung durch die Zurückziehung unserer Kulturreferentin, die sich mehr der Sprachabteilung widmen möchte. Ich möchte natürlich auch die Kulturarbeit weiterentwickeln. Wir haben aber – wie alle – finanzielle Probleme, die wir durch unsere Einnahmen lösen müssen, daher die stärkere Gewichtung für die Sprachabteilung. Wir arbeiten aber daran, unsere Kursteilnehmer und unser Zielpublikum in den Kulturbereich einzubinden.


Sie planen verschiedene Events. Welche Alternativen haben Sie für einen Veranstaltungssaal, zumal das Kulturzentrum in letzter Zeit eher in Richtung Sprachkurse umgebaut wurde?

Es hängt von jedem Ereignis ab. Es gibt verschiedene Möglichkeiten in der Stadt: Von Galerien bis zu Buchhandlungen und Cafés oder Hochschulen. Wir versuchen ständig, mit den verschiedenen Partnern eng zusammenzuarbeiten.


Wie lange wird das Kulturzentrum in der Augustin-Pacha-Straße bleiben?

Das Bischofsamt kommt uns sehr entgegen und hat uns schon immer diese zentral gelegenen Räumlichkeiten angeboten. Der Mietvertrag läuft aber dieses Jahr ab und wir müssen Ende des Jahres neu verhandeln. Wir suchen auch neue Räumlichkeiten, weil wir in letzter Zeit stark gewachsen sind und es hier ziemlich eng geworden ist. Wir würden gerne wieder einen eigenen Veranstaltungsraum haben, damit die Leute verstärkt in das Deutsche Kulturzentrum kommen.