Dienstag, 30. März 2010

Ehrung für zukunftsweisende Arbeit

Eine Feierstunde im Tagungssaal des Kreisrats Karasch-Severin

Von Werner Kremm

Obwohl einiges bei der feierlichen Überreichung der Ehrenbürgerurkunden des Banater Berglands an Karl Ludwig Lupsiasca und Erwin Josef Tigla zur Selbstdarstellung der Wort-Ergreifer ausartete (etwa die Vorstellung des von E.J.Tigla gezeichneten Buchs „Offenbarungen. 21 Mal den Medien gegenüber“ durch Bibliotheklsdirektor Nicolae Sarbu), war das Ereignis auf alle Fälle bedeutsam für die geschrumpfte Minderheit der Berglanddeutschen. Denn wenn gleich zweien aus ihren Reihen die viel seltener als sonstige Ehrenbürgerschaften zuteilwerdende Ehrung zugesprochen wird, dann muss das besondere Gründe haben.

Der eine ist vordergründig und durch den Ablauf der Zeit bedingt: man hat 20 Jahre seit Gründung des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen (DFBB, am 9. Januar 1990) und seit Erstveröffentlichung des „Echos der Vortragsreihe“, der Monatspublikation des Kultur- und Erwachsenenbildungsvereins „Deutsche Vortragsreihe Reschitza“ gefeiert.

Der zweite ist schon tiefer verankert und personenbedingt: Karl Ludwig Lupsiasca und Erwin Josef Tigla haben als Vorsitzende rund 19 Jahre der insgesamt 20 des Bestehens des Forums der Deutschen im Banater Bergland entscheidend mitgeprägt. Sie haben also sowohl in politisch trüberen („als wir die letzten Deutschen waren“, wie es der Hermannstädter Kreisratsvorsitzende Martin Bottesch treffend formulierte) als auch in achtungserheischenden Zeiten (Bottesch: „Seit der Erstwahl von Johannis zum Bürgermeister von Hermannstadt sind wir politische Konkurrenten der Parteien geworden.“) das Steuer der deutschen Gemeinschaft des Banater Berglands kulturell, politisch und auch wirtschaftlich Richtung Zukunft festgezurrt. Am offensichtlichsten ist das auf kulturellem Gebiet, sicher auch dank maß-gebender Vor-Arbeit anderer Berglanddeutscher, denn wohl noch nie hat die deutsche Gemeinschaft des Banater Berglands so sichtbar im Fokus der multinationalen und multikonfessionellen Öffentlichkeit es Verwaltungskreises Karasch-Severin gestanden wie heute. Man wünschte dem DFBB, diesen Status in naher Zukunft auch politisch umsetzen zu können. Ein paar (Zufalls?!?-)Treffer hat es nach der Wende ja bereits gegeben.

Zum dritten hat die Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Karl Ludwig Lup{iasca und Erwin Josef Tigla sicher auch mit der über Generationen im mentalen Gemeinsam gefestigten Stellung der Deutschen im Banater Bergland zu tun: als Leit- und Führungsgestalten auf dem Weg der Steigerung des Gemeinschaftswohsl, was alle anstreben.

In diesem Sinn scheint es auch der sichtlich gerührte Lup{iasca aufgefasst zu haben, als er in seiner Dankesrede von seiner Begeisterung für die Arbeit in Teams sprach, von seinen „guten Lehrern und guten Freunden und Teamkollegen“, die ihm zu werden verhalfen, was er ist. Auch Ovidiu Gan] berührte diese Seite des Besonderen des Banats und des Banater Berglands als „Zeichen der Anerkennung der Aufbauarbeit der deutschen Gemeinschaft des Banater Berglands“, während Konsul Klaus Brennecke sich beeindruckt zeigte vom Wissensfundus der beiden Geehrten bezüglich ihrer Heimat, und der „zum Banater gewordene“ Graf Andreas von Bardeau unterstrich, wie sehr ihm das DFBB in seinen Partnerschaftsvermittlungen zwischen dem Banater Bergland und der Steiermark behilflich ist. Nicht zuletzt bemerkte Martin Bottesch, dass das Banater Bergland dank dem „Echo der Vortragsreihe“ und der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien“ in Hermannstadt bestens bekannt sei.

Erste Mall in Arad eröffnet

Atrium Center: nicht ganz ausgebucht


oi. Arad - Die erste Mall in Arad steht nun den Besuchern offen. In der Nähe des Bahnhofs, auf der „Aurel Vlaicu“-Straße waren eigentlich fünf derartige Gebäude geplant. Mit dem Eintreten der Wirtschaftskrise scheinen jedoch die Entwickler umgedacht zu haben.

Das Atrium Center wurde vergangene Woche eröffnet, wie ursprünglich geplant, einige Tage vor Ostern. Auf ungefähr 30.000 Quadratmetern werden an die 120 Läden beherbergt. Bislang ist jedoch nur ein Teil der Mall besetzt. Nur die Hälfte der Läden wurden bei der Einweihung geöffnet, obwohl die Entwickler bislang Verträge über 92 Prozent der Fläche abgeschlossen haben.

Die Investition beträgt 70 Millionen Euro. Zurzeit werden für die Vermietung der Flächen monatlich zwischen 15 und 18 Euro pro Quadratmeter verlangt. Dadurch sollen jährlich etwa acht Prozent der Anfangsinvestition gedeckt werden. Rumänienweit ist ein Preis über 20 Euro pro Quadratmeter nur noch in Bukarest zu erzielen. Dies jedenfalls meinen die Verantwortlichen des Unternehmens DTZ Echinox, das mit der Vermietung der Räumlichkeiten beauftragt wurde. Da insgesamt die Mieten in letzter Zeit zurückgegangen sind, soll das Geschäft mit den Malls nicht mehr so gut laufen wie bis vor einiger Zeit.

Es gibt auch einige Kritikpunkte, die angebracht werden können. Aus Eile sind einige Kleinarbeiten nicht ganz durchgeführt worden. Außerdem ist die Umgebung der Mall alles andere als einladend. Auch das Cinema City ist noch nicht fertiggestellt, es wird erst im Sommer öffnen.

Nur einige Stunden vor der Eröffnung hat die Arader Mall ihre Gesellschafter gewechselt. So ist nun auch Arcadom, die Baufirma, Mitaktionär geworden. Das Projekt in Arad wurde vom britischen Investitionsfonds Carpathian initiiert. Mitinvestiert hat auch der Geschäftsmann Michael Israeli.

In der Arader Mall wird auch ein aktuelles Phänomen ersichtlich: Die internationalen Unternehmen haben die Courage zu investieren und sich auszudehnen, die meisten hiesigen Unternehmen bleiben weiterhin in stand-by.

Aquapolis: Die Badealternative der Banater

Größter Badekomplex Südosteuropas in Szeged eingeweiht


Die badelustigen Banater, die bisher nach Makó oder Gyula in Ungarn gereist sind, um auf ihre Kosten zu kommen, haben nun erneut einen guten Grund zur Freude: In Szeged, knapp 110 Kilometer von Temeswar/Timisoara entfernt, wurde Ende letzte Woche das größte Schwimmbad Südosteuropas eingeweiht. Die Investition beträgt ungefähr acht Milliarden Forint (rund drei Millionen Euro).

„Aquapolis“ nennt sich die Freizeitanlage, die sich auf etwa 34.000 Quadratmetern erstreckt und Badespaß für etwa 3.000 Personen bietet. Das Schwimmbad verfügt über einen überdachten Bereich, der sich auf 27.000 Quadratmetern erstreckt und das ganze Jahr hindurch benutzt werden kann.


Badespaß in Gyula


Im Erlebnisbeckenraum inmitten der Freizeitanlage wurde ein Schwimmbecken mit Wasserströmen, Kaskaden und Wellen eingerichtet. Im Spa-Bereich gibt es finnische und Infra-Saunen, ein Dampfbad, eine Salzkammer, ein Tepidarium und verschiedene Whirlpool-Becken. In der „Aquapolis“ können auch verschiedene Behandlungen in Anspruch genommen werden: Rheuma- und Physiotherapie sowie Krankengymnastik und Wassermassage.

Für Babys und Kinder wurde ein Familienbecken mit einer Wassertiefe von fünf bis 40 Zentimetern eingerichtet. Wickel- und Stillräume sind ebenfalls vorhanden. Ein vierstöckiges, labyrinthförmiges Spielhaus bietet Kindern ein besonderes Badeerlebnis.

Auch zwei gigantische Anakonda-Rutschen mit Kamikaze-Abschnitt, 270 bzw. 218 Metern lang, sind in der „Aquapolis“ zu finden. Sieben kürzere Rutschen können ebenfalls benutzt werden. Insgesamt ein Kilometer Rutschen wurde in Szeged eingerichtet.

Was die Tickets angeht, so gibt es elf Möglichkeiten, darunter: Tageskarten für 4.000 Forint (über 60 Lei), Tickets für 2.500 Forint bis 13 Uhr bzw. für 3.400 Forint zwischen 16 und 21 Uhr. Kinder bis 12 erhalten einen 50-prozentigen Rabatt. Über eine Verbilligung von 15 Prozent verfügen Personen zwischen 12 und 23 Jahren sowie Rentner. Wer nur das Schwimmbecken benutzen möchte, der zahlt 1.500 Forint. In Gyula, etwa 125 Kilometer von Temeswar entfernt, kostet der Badespaß knapp die Hälfte, das Angebot ist jedoch nicht so vielfältig wie in der Szegeder Wasserstadt. Den Freibadbesuchern in Szeged stehen 300 Parkplätze zur Verfügung.

Raluca Nelepcu

Berglandpost

Eigentümliche Ernennung

Reschitza/Bukarest - Buchstäblich wie im rumänischen Sprichwort vom Wolf als Hüter der Schafshürde hat die PSD den Holzunternehmer und Abgeordneten Ion Mocioalca zum Leiter ihres Departements für Umwelt, Gewässer und Wälder gemacht. Der einstmals für seine Abholzungen berüchtigte Unternehmer aus dem Karansebescher Raum, der heute der PSD Karasch-Severin vorsteht, soll ab nun das Fachdepartement Umwelt der PSD in seiner Eigenschaft als Mitglied des Nationalen Exekutivausschusses der Parteileitung übernehmen. Damit ist seine Funktion der eines Vizepräsidenten der Partei gleichgestellt. Er sei geehrt von dieser neuen Funktion, sagte Mocioalc² in Reschitza, und er werde sich ein Team von Fachleuten zusammenstellen, die ihn unterstützen werden.



Waldprivatisierung stockt

Reschitza – Das Amt für Katasterwesen und Immobilienwerbung (OCIP) Karasch-Severin kriegt einen neuen Sitz. Errichtet wird er dort, wo vor Jahren das Arbeiterheim abgebrannt ist und wo ursprünglich das Amt für die Subventionierung der Landwirtschaft APIA bauen wollte – aber kein Geld dazu bekommen hat. Gegenwärtig sei die Aktivität des Katasteramts erschwert durch die Streuung der dazugehörigen Ämter und das erkläre auch, wieso man in Verzug geraten ist mit der Herausgabe von Besitzurkunden bei der Reprivatisierung der Land- und Forstwirtschaft. Zur Stunde habe man 50 ungelöste Ansuchen für die Rückerstattung von rund 240 Hektar Ackerflächen und 19 Gesuche für die Rückerstattung von 64.500 Hektar Wald. Bislang sind im Banater Bergland von OCIP 53.017 Besitzurkunden über 184.447 Hektar Grundstücke (Acker- und Waldflächen) ausgehändigt worden. Insgesamt liegen dem katasteramt 1437 unerledigte Rückerstattungsgesuche vor.



Teures Trink- und Kanalwasser

Orawitza – Ein Ultimatum, die jüngste Teuerung des Kanal- und Trinkwassers zurückzunehmen, richtete die Stadtverwaltung von Orawitza an den Siedlungswasserverbund Aquacaraa, zumal dieser in Flyern die Bevölkerung der Stadt fälschend in Kenntnis gesetzt hatte, die Teuerung wäre mit dem Einverständnis des Stadtrats geschehen. Wenn die Teuerung nicht zurückgenommen wird, wolle Orawitza auf die Dienstleistungen von Aquacaras verzichten und sich einen anderen Dienstleister zu suchen, so die Drohung. Das Abwasser war um 47,5 Prozent, das Trinkwasser um 15 Prozent verteuert worden. Gegenwärtig gibt es drei Städte im Banater Bergland, wo das Trinkwasser schon die 3 Lei pro Kubikmeter überschritten hat: Anina, Bokschan und Orawitza.



Rettungsdienste nur über Neumoldowa

Neumoldowa/Orschowa - Bis zur Reparatur des Straßenabschnitts in der Donauklamm (an der Nationalstraße DN 57), der durch einen Erdrutsch verschüttet und vernichtet wurde – vermutlich etwa bis im Mai 2010 – wird der Rettungsdienst des Verwaltungskreises Karasch-Severin alle Dringlichkeitsfälle übernehmen, die in der Donauklamm zwischen Neumoldowa und Orschowa im Nachbarkreis Mehedin]i, auf einer Strecke von über 110 km, auftreten. Die Rettungswagen bringen die Notfälle zuerst bis ins Krankenhaus von Neumoldowa/Moldova Nou², und bei Bedarf werden sie dann von dort zwecks Weitertransport und –versorgung nach Reschitza und/oder Temeswar gebracht. Dies teilte Dr. Cosmin Librimir mit, der den Rettungsdienst Karasch-Severin leitet. Die Notrufnummer 112 gilt weiterhin in beiden Verwaltungskreisen, gleichermaßen wie in ganz Rumänien.

Wie Hund` und Katz`

Tollwutgefahr im Raum Orawitza, und wie man damit umgeht

wk.Orawitza – Seit dem 20. Januar 2010 sind in Orawitza 14 Personen von streunenden Hunden gebissen worden. Gleichzeitig wurde bekannt, dass seit November 2009 in Orawitza drei Fälle von Tollwut – zwei bei Füchsen und einer bei einem herrenlosen Hund – festgestellt werden mussten. Ein vierter Tollwutfall zeichnete sich zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Beitrags ab: ein Fuchs zeigt ein ungewöhnliches Verhalten: er kommt nämlich täglich zwischen 11 und 12 Uhr ohne ersichtlichen Grund in die Wirtschaft eines Orawitzaer Bürgers, der am Stadtrand wohnt, um diese nach einer gewissen Zeit - auffällig: ohne irgendeine Beute – wieder zu verlassen.

Solche ungewöhnliche Verhaltensweisen von Füchsen werden von Tierärzten als Anzeichen für eine Krankheit gedeutet. Unter Umständen, und weil der Raum Orawitza als tollwutgefährdet gilt, könnte es sich um einen vierten Tollwutfall handeln. Die Vorbeugemaßnahmen, die man gewöhnlich trifft und für welche der regionale Veterinärinspektor zuständig ist, bestehen im Verbot, Haushunde spazierenzuführen, in der vorbeugenden Pflichtimpfung von Hunden und Katzen. Desgleichen müssen auf Verfügung von Tierarzt Ioan Opri]escu – dem für Orawitza zuständigen Inspektor der Sanitär-Veterinärdirektion Karasch-Severin - alle streunenden Hunde und herrenlosen Katzen bis am 16. Juni 2010 unter Beobachtung gehalten werden. Zudem: außerhalb der Stadt angetroffene herrenlose Hunde und Katzen müssen von Jägern getötet werden. Zusätzlich muss jedes aggressive Verhalten von Hunden oder Katzen dem Veterinärinspektor gemeldet werden.

Der Maßnahmenkatalog des Veterinärinspektors hat inzwischen aber den Vizebürgermeister der Stadt, Eugen Neda, in Bedrängnis gebracht. Tierschutzorganisationen werfen ihm nämlich vor, die Tollwutfälle zum Vorwand genommen zu haben, um sich der herrenlosen Hunde und Katzen durch Erschießen zu entledigen. Andeutungen in dieser Hinsicht wurden sowohl in der Regionalpresse als auch in lokalen Fernsehsendungen gemacht. „Hunde aus Angst vor Tollwut getötet?“ titelte die Regionalzeitung. Alexandra S²l²geanu, die Vertreterin der Rumänischen Föderation für den Schutz und die Kontrolle der Tiere (FRPCA), reklamierte bei der Polizei, sie sei von Orawitzaern mehrmals telefonisch informiert worden, dass Hunde und Katzen auf den Straßen von Orawitza von Jägern erschossen werden. „Aus den Gesprächen mit Vizebürgermeister Neda ging hervor, dass ein Maßnahmenplan umgesetzt wird, der von Veterinärinspektor Opri]escu vor gut zehn Jahren ausgearbeitet wurde (am 20. Juni 2000), in welchem als Ziel von der „Ausrottung der streunenden Hunde und Katzen“ gesprochen wird. Das übertrete aber flagrant das Tierschutzgesetz Nr. 9/2008, wo es heißt, „absichtliche Tötung von Tieren ist ein Verbrechen“. Euthanasierung darf laut Gesetz nur im Falle unheilbar kranker Tiere angewandt werden, argumentiert S²l²geanu, und dann ausschließlich durch Infektion, nicht durch Erschießen. Die bislang getöteten Tiere seinen mittels Bagger auf der städtischen Mülldeponie verscharrt worden.

Auf alle Fälle: das Kreisinspektorat der Polizei hat FRPCA geantwortet, gegen Tierarzt Opri]escu und Vizebürgermeister Neda würden die Untersuchungen wegen „des Verbrechens der absichtlichen Tiertötung“ fortgesetzt, Woraus ein Strafverfolgungsdossier entsteht. Inzwischen beteuert Vizebürgermeister neda, ein Tierliebhaber zu sein und eigentlich bloß die Verfügungen der Schutzkommission gegen Tierseuchen durchzuführen – wozu er verpflichtet sei. Maßnahmenpläne gegen Tollwut aber muss der zuständige Tierarzt ausarbeiten.