Eine Feierstunde im Tagungssaal des Kreisrats Karasch-Severin
Von Werner Kremm
Obwohl einiges bei der feierlichen Überreichung der Ehrenbürgerurkunden des Banater Berglands an Karl Ludwig Lupsiasca und Erwin Josef Tigla zur Selbstdarstellung der Wort-Ergreifer ausartete (etwa die Vorstellung des von E.J.Tigla gezeichneten Buchs „Offenbarungen. 21 Mal den Medien gegenüber“ durch Bibliotheklsdirektor Nicolae Sarbu), war das Ereignis auf alle Fälle bedeutsam für die geschrumpfte Minderheit der Berglanddeutschen. Denn wenn gleich zweien aus ihren Reihen die viel seltener als sonstige Ehrenbürgerschaften zuteilwerdende Ehrung zugesprochen wird, dann muss das besondere Gründe haben.
Der eine ist vordergründig und durch den Ablauf der Zeit bedingt: man hat 20 Jahre seit Gründung des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen (DFBB, am 9. Januar 1990) und seit Erstveröffentlichung des „Echos der Vortragsreihe“, der Monatspublikation des Kultur- und Erwachsenenbildungsvereins „Deutsche Vortragsreihe Reschitza“ gefeiert.
Der zweite ist schon tiefer verankert und personenbedingt: Karl Ludwig Lupsiasca und Erwin Josef Tigla haben als Vorsitzende rund 19 Jahre der insgesamt 20 des Bestehens des Forums der Deutschen im Banater Bergland entscheidend mitgeprägt. Sie haben also sowohl in politisch trüberen („als wir die letzten Deutschen waren“, wie es der Hermannstädter Kreisratsvorsitzende Martin Bottesch treffend formulierte) als auch in achtungserheischenden Zeiten (Bottesch: „Seit der Erstwahl von Johannis zum Bürgermeister von Hermannstadt sind wir politische Konkurrenten der Parteien geworden.“) das Steuer der deutschen Gemeinschaft des Banater Berglands kulturell, politisch und auch wirtschaftlich Richtung Zukunft festgezurrt. Am offensichtlichsten ist das auf kulturellem Gebiet, sicher auch dank maß-gebender Vor-Arbeit anderer Berglanddeutscher, denn wohl noch nie hat die deutsche Gemeinschaft des Banater Berglands so sichtbar im Fokus der multinationalen und multikonfessionellen Öffentlichkeit es Verwaltungskreises Karasch-Severin gestanden wie heute. Man wünschte dem DFBB, diesen Status in naher Zukunft auch politisch umsetzen zu können. Ein paar (Zufalls?!?-)Treffer hat es nach der Wende ja bereits gegeben.
Zum dritten hat die Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Karl Ludwig Lup{iasca und Erwin Josef Tigla sicher auch mit der über Generationen im mentalen Gemeinsam gefestigten Stellung der Deutschen im Banater Bergland zu tun: als Leit- und Führungsgestalten auf dem Weg der Steigerung des Gemeinschaftswohsl, was alle anstreben.
In diesem Sinn scheint es auch der sichtlich gerührte Lup{iasca aufgefasst zu haben, als er in seiner Dankesrede von seiner Begeisterung für die Arbeit in Teams sprach, von seinen „guten Lehrern und guten Freunden und Teamkollegen“, die ihm zu werden verhalfen, was er ist. Auch Ovidiu Gan] berührte diese Seite des Besonderen des Banats und des Banater Berglands als „Zeichen der Anerkennung der Aufbauarbeit der deutschen Gemeinschaft des Banater Berglands“, während Konsul Klaus Brennecke sich beeindruckt zeigte vom Wissensfundus der beiden Geehrten bezüglich ihrer Heimat, und der „zum Banater gewordene“ Graf Andreas von Bardeau unterstrich, wie sehr ihm das DFBB in seinen Partnerschaftsvermittlungen zwischen dem Banater Bergland und der Steiermark behilflich ist. Nicht zuletzt bemerkte Martin Bottesch, dass das Banater Bergland dank dem „Echo der Vortragsreihe“ und der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien“ in Hermannstadt bestens bekannt sei.



