Es war einmal ein Jäger. Eines Tages war er einem Wildschwein auf der Spur. Auf einmal hörte er in einem Busch ein Geräusch. Er ging vorsichtig näher und sah ein Fuchsbaby. Es war ganz allein. Der Jäger konnte es nicht töten. Er hatte Mitleid und nahm es mit nach Hause.
Seitdem blieb der Fuchs beim Jäger. Sie wurden gute Freunde, aber beide machten immer einen großen Fehler. Sie unternahmen Wettbewerbe, um zu sehen, wer besser in bestimmten Sachen ist. Aber dabei schummelten sie jedes Mal. Zum Beispiel: Wer der beste Fischer war. Der Fuchs sprang ins Wasser und konnte viele Fische fangen, aber der Jäger nahm ihm die Fische immer, wenn der Fuchs wieder ins Wasser tauchte, weg. Oder umgekehrt. Die meisten Wettbewerbe waren Dummheiten. Sie zerstörten ihre Freundschaft umsonst. Eines Tages aber wollte der Fuchs den dummen Wettstreit beenden. Er ging zum Jäger und sagte seine Meinung: „Hör zu, wir sind gute Freunde. Du hast mich, als ich ein Baby war, gerettet und mich groß gezogen. Seitdem helfe ich dir beim Jagen oder beim Fischen. Aber jedes Mal machen wir dumme Wettbewerbe, um zu sehen, wer besser ist. Wir wissen beide, dass wir sowieso schummeln und unsere Zeit und Freundschaft vergolden. Wäre es nicht besser, mit diesen dummen Wettbewerben aufzuhören?“ Der Jäger antwortete schnell: „Fuchs, du hast recht. All diese Jahre haben wir nutzlose Wettbewerbe gemacht. Wofür? Um zu sehen, wer besser ist? Von nun an versprechen wir, dass wir keine Wettbewerbe mehr machen. Einverstanden?“
Ohne zu warten sagte der Fuchs: „Ja! Von nun an ist es Schluss mit den Wettbewerben. Keiner sagt mehr, dass er besser ist als der andere!“ Der Jäger dachte nach und sagte: „Gut, gut, aber du hörst von nun an auf mich!“ Der Fuchs fragte verärgert: „Und wieso? Weil du mein ´Herrchen´ bist?“ Der Jäger sagte stolz: „Nein. Weil ich der Größte von uns beiden bin“. Dem Fuchs war das zu viel. Er wollte Frieden, doch der Jäger wollte einen anderen Wettbewerb. Der Fuchs sagte zuletzt noch: „Schön! Wenn du einen Wettbewerb willst, wirst du einen auch kriegen!“ Seine Augen glühten vor Wut und er ging weg. Man hörte nur noch sein diabolisches Lachen und die zusammengeschlagene Tür. Der Fuchs kehrte nachts nicht heim. Aber dem Jäger war es gleichgültig. Am nächsten Tag kam der Fuchs nach Hause. „Jäger! Wach auf! Ich will dir zeigen, wer der Größte ist“, brüllte der Fuchs. Aber der Jäger lachte ihn nur aus. Der Fuchs nahm ihn bei der Hand und beide gingen in den Wald. Auf einmal standen sie vor einem großen Felsen. Der Jäger fragte sich, was er dort suchte. Der Fuchs kletterte hinauf und sagte zum Jäger: „Jetzt siehst du, wer der Größte ist! Ich habe gewonnen!“ Der Jäger wurde schwarz vor Wut und Neid. Er wollte gewinnen. „Das werden wir noch sehen. Du hast noch nicht gewonnen! Morgen wirst du sehen, wer der Gewinner ist!“ Der Fuchs sagte voller Stolz: „Na gut. Ist mir doch egal! Ich habe gewonnen, also bleibe ich hier, um meinen Sieg zu feiern!“ Der Jäger aber murmelte vor sich hin: „Das werden wir noch sehen.“ Wieder sahen sich die Beiden einen Tag lang nicht.
Am nächsten Tag aber rief der Jäger den Fuchs. Nach einigen Minuten kam der Fuchs und hatte einen Schock, als er den Jäger sah. Der Jäger hatte ein Haus auf großen Holzbeinen gebaut. Es war drei Meter groß. Der Fuchs staunte und begann, zu vor sich hin zu schimpfen. Aber dann grinste er und ging weg. Der Jäger ahnte nichts, aber er war schon neugierig, was der Fuchs gerade tat. Dann kam der Fuchs mit einer Säge. Der Jäger wollte herunterkommen, aber der Fuchs hatte schon einen Pfeiler abgehackt. Der Jäger sah ihn erschrocken zu. Auf einmal wackelte das Haus und puff! Alles fiel und das Haus wurde zu einem Haufen Holz. Mittendrin: Der Jäger. Der Fuchs lachte und lachte, aber der Jäger schaffte es, seinen Kopf heraus zu strecken und sagte: „Du, ich hatte mir etwas brechen können! Bist du verrückt? Jetzt erlebst du dein blaues Wunder! Wenn ich dich schnappe…! Komm her!“ Dabei erhob er auch die Hand und langsam kam er aus dem Holzhaufen heraus. Der Fuchs rannte schon los. „Du kriegst mich nicht! Ich bin schneller!” Der Jäger sagte: „Wetten, dass ich schneller bin?“ Und so rannte der Jäger dem Fuchs nach und beide wollten sehen, wer am schnellsten ist. Und vielleicht rennen sie auch heute noch.
Lehre: Wettbewerbe sollten nie eine Freundschaft zerstören! Und zweitens: Wettbewerbe sollen nicht unter Freunden stattfinden.
Ioana Ecaterina Berariu