Montag, 12. Juli 2010

Der Interpretation freien Lauf gelassen

Krisenpressekonferenz: Coriolan Gârboni, Direktor der Philharmonie, Attila Balázs, Leiter des Ungarischen Staatstheaters und Lucian Varsandan, Intendant des DSTT
Foto: Titus Balan


Kultureinrichtungen bangen um Personal und Existenz
Von Siegfried Thiel
Die Bezahlung stand wohl nie als Motivationsfaktor, dann kam eine 25prozentige Gehaltskürzung hinzu und nun steht so manche Stelle auf der Kippe. Viele der Schauspieler am Deutschen Staatstheater in Temeswar/Timisoara würden liebend gerne nur noch Trauerspiele aufführen. Nicht nur Stellen, sondern das gesamte Theater ist gefährdet. Nicht anders am Ungarischen Staatstheater und an der Banatul-Philharmonie in Temeswar.
Durch die kürzlich verabschiedete Regierungsverordnung Nr. 63 / 2010 wird den Behörden der öffentlichen Verwaltung eine maximale Anzahl von öffentlich Bediensteten vorgeschrieben. Davon betroffen könnten auch die Kultureinrichtungen in der Trägerschaft der Städte und Kreise sein. Da die Stadt Temeswar die drei Kultureinrichtungen in seiner Trägerschaft finanziert könnte durch diese Maßnahme auch die Tätigkeit oder sogar die Existenz dieser Einrichtungen beeinträchtigt oder sogar in Frage gestellt werden. 25 Prozent des Personals soll entlassen werden, so die Hiobsbotschaft kurz vor Redaktionsschluss der BZ.
Die gesamte Verordnung und ihre Anwendung lässt jedoch der Interpretation freien Lauf. Es wird nämlich keinen Unterschied gemacht, zwischen Städten, in denen sich Kultureinrichtungen in der Trägerschaft der Kommune befinden und in denen es solche nicht gibt. Außerdem sagt die Normativakte, das Personal betreffe außer dem Personal des Bürgermeisteramtes öffentliche kommunale Einrichtungen, die durch Beschluss der Kommunalbehörden gegründet wurden. Dies ist jedoch weder bei der Philharmonie noch bei den beiden Theatern in den Sprachen der Minderheiten der Fall. Und nicht zuletzt: Der Begriff „Kultur“ kommt in der Normativakte gar nicht vor. Die freie Interpretation der Regierungsverordnung geht also weiter.

BANAT AKTUELL

Warmwasser auch nachtsüber
Temeswar - Von Tag zu Tag Veränderungen beim Temeswarer Heizwerk Colterm: Das Warmwasser wird nun doch auch nachts aus den Wasserhähnen fließen. Dies gab der Direktor des Heizwerks, Aurel Matei, vor Kurzem bekannt. Es soll zu einer Vereinbarung mit dem Gaslieferanten OMV Petrom Gas gekommen sein. Das Heizwerk hat in den vergangenen Monaten Schulden an den Gaslieferanten angesammelt, nun konnte ein Teil davon abbezahlt werden. Ein Teil des Geldes sind Subventionen, die vom Stadtrat gekommen sind, ein Teil wurde von den Nutznießern von Colterm eingesammelt.
(oi)

Hinter den Kulissen
Temeswar - Temeswarer Kulturfreunde aufgepasst: Wer einen Einblick in das Theaterleben hinter den Kulissen bekommen will, der kann im Zeitraum 19. - 30. Juli an einem Theaterseminar mit den Schauspielern Eugen Jebeleanu (Rumänien) und Yann Verburgh (Frankreich) teilnehmen. Der Theaterworkshop umfasst mehrere Sprech-, Improvisations- und Atmungsübungen und wird von Montag bis Freitag, zwischen 14 und 18 Uhr beim Sitz des Temeswarer Vereins „SporTim Dance“ im Stadtviertel Dâmbovita (Vulturilor-Straße Nr. 50) abgehalten. Mitwirken können alle Theaterliebhaber ab 14 Jahre. Die Teilnahmegebühr beträgt 140 Euro. Interessenten können sich per Mail (
yannverburgh@hotmail.fr, eugen.jebeleanu@yahoo.com) anmelden. Veranstalter des Workshops ist das französische Kulturzentrum in Temeswar/Timisoara. (as)

Neue Geburtsklinik
Temeswar - Der Temescher Kreisrat plant den Bau einer neuen Geburtsklinik in Temeswar. Diese soll laut dem Vorsitzenden des Temescher Kreisrats, Constantin Ostaficiuc, in der freien Zone zwischen dem Temeswarer Kreiskrankenhaus, den neuen ANL-Wohnblocks für Jungärzte und der Klinik „Casa Austria“ entstehen. Hauptgrund dafür ist der Wunsch, auf dieser Fläche, die sich eigentlich im Besitz des Temeswarer Stadtrates befindet, einen funktionalen medizinischen Komplex ins Leben zu rufen. Ein weiterer Grund wäre der, dass die dringlichen Sanierungsarbeiten an der alten Geburtsklinik „Bega“ sicher mehr Geld verschlingen würden, als dieser Neubau kosten würde.
(bw)


Verbotene Objekte gefunden
Temeswar - Ein Kontrollkorps der Haftanstalten Arad, Diemrich/Deva und Großwardein/Oradea hat vor Kurzem das Gefängnis an der Popa-Sapca-Straße in Temeswar/Timisoara durchsucht. Bei der Kontrolle wurden bei den Insassen verschiedene verbotene Objekte gefunden, darunter drei Mobiltelefone, ein Mp3-Player, 30 Messer, 18 Scheren, Medikamente, Schraubenzieher, Ahle, Hammer und andere Werkzeuge. 150 Agenten und 18 Gendarmen haben die Haftanstalt unter die Lupe genommen. Die Generalkontrolle wurde von Ioan B²la, Generaldirektor der Nationalverwaltung der Haftanstalten und ehemaliger Leiter des Temeswarer Gefängnisses, verordnet.
(rn)

TEMESWAR EMPFEHLEN (4)

Árpád László (24) ist Redakteur der ungarischen Regional-Tageszeitung „Nyugati Jelen“. Der gebürtige Temeswarer lebt im Stadtteil „Modern“.

Zum Sehen: Das International Romani Art Festival (IRAF) vom 22. bis zum 25. Juli 2010 im Capitol-Freilichtkino. Am Donnerstag, dem 22. Juli, gibt es Filmprojektionen, am Samstag und Sonntag Foto-Ausstellungen über die Roma-Ethnie und spektakuläre Feuershows.

Zum Hören: Im Rahmen des IRAF treten verschiedene Bands auf. Für Musik und gute Unterhaltung sorgen unter anderen Balkan Beat Box (USA), Antwerp Gipsy Ska Orchestra (Belgien) und Dubioza Kolektiv (Bosnien).

Zum Genießen:
Ein Gulasch beim Plai-Festival (10.-12. September) im Dorfmuseum. Wer sich aber bis dann nicht gedulden kann, der kann zu McDonald´s gehen und sich da einen frischen Gemüsesalat bestellen.

Wenn der Jazz vorbei ist, starten die Motorräder

EnduRo-Fahrer in Weidenthal. Die Fahrt über holprige Straßen und Hügel ist für die Biker ein Genuss.
Foto: www.enduromania.net


EnduRoMania – 100. Veranstaltung in Weidenthal
Das samtige Schnurren und wilde Fauchen der EnduRo-Motorräder wird in diesem Sommer zum hundertsten Mal auf den Wiesen, Hügeln und durch die Wälder des Banater Berglands zu hören sein. Etwa 150 Teilnehmer werden am 25. Juli, gleich nach dem Jazzfest in Wolfsberg/Garâna, in der deutsch-böhmischen Ortschaft Weidenthal/Brebu Nou erwartet, wenn EnduRoMania seine hundertste Veranstaltung feiert. Leidenschaftliche EnduRo-Fahrer aus Deutschland, Österreich, Polen, Tschechien, Schweden, Rumänien oder der Schweiz werden bei der Jubiläumsveranstaltung anwesend sein. Sie fühlen sich wie zu Hause in Weidenthal, denn seit der ersten Veranstaltung 1995 kommen sie regelmäßig hierher. „EnduRoMania“ steht nämlich für Völkerverständigung und Umweltfreundlichkeit.
„Es ist ein besonderer Anlass für uns. Alle Teilnehmer werden eine Medaille und ein Jubiläumsdiplom bekommen. Diese Veranstaltung soll in Erinnerung bleiben“, sagt Sergio Morariu, der Vater von EnduRoMania in Rumänien, wie er oft genannt wird. Der Wasserbauingenieur, Wirtschaftsförderer und EnduRo-Fan veranstaltete die EnduRo-Treffen Jahre lang in der ehemaligen Weidenthaler Schule. Nun haben die EnduRo-Fahrer seit einigen Jahren ihr eigenes Stammhaus. Auch andere Unterkunftsmöglichkeiten werden im Dorf angeboten.
Die EnduRo-Fans haben in Weidenthal volles Programm. Die Termine sind so festgelegt, dass die Anfahrt Freitag, Samstag oder Sonntag erfolgen kann. Sonntagabend findet eine Kennenlernrunde statt. Von Montag bis Freitag läuft dann das EnduRoMania-Aktivprogramm. Freitagabend werden die Resultate bekannt gegeben - die Siegerehrung findet statt. Am Samstag, dem 31. Juli, geht die Veranstaltung zu Ende.
Die hundertste Veranstaltung von EnduRoMania soll aber auch andere Zwecke haben. Laut Sergio Morariu versucht man in Zusammenarbeit mit dem Kreisrat Karasch-Severin/Caras-Severin, mit dem Umweltschutzamt und mit der Koalition für Schutzgebiete Natura 2000 eine Regelung zu erhalten, damit EnduRoMania als touristisches Angebot gefördert werden kann. Weitere Infos können von
www.enduromania.net abgerufen werden.
Andreea Oance

Jazz in Wolfsberg 2010

Béla Fleck wird mit seinem Banjo das Publikum verzaubern.


Konzerte von Donnerstag bis Sonntag
Wenn sich wieder Zelt an Zelt reiht und Autoschlangen fast die ganze Straße blockieren, dann weiß man, es ist wieder Zeit für das Internationale Jazz-Festival in Wolfsberg/Garana. An der Straße, die nach Wolfsberg und Weidenthal/Brebu Nou führt, erstreckt sich vor der Einfahrt ins deutsch-böhmische Dorf die Wolfswiese. Von dort aus, von der Freilichtbühne, werden am Wochenende zwischen dem 22. und dem 25. Juli erneut internationale Töne erklingen, wenn das 14. Jazz-Fest in Wolfsberg stattfindet.
In der Eröffnung wird am Donnerstag die rumänische Gruppe Funky Growl auf die Bühne treten. Elina Duni-Quartett aus der Schweiz und die Norwegen Terie Rypdal/Miroslav Vitous/Gerald Cleaver treten noch am selben Abend auf. Der Freitagabend ist Béla Fleck, Zakir Hussain&Edgar Meyer aus den USA vorbehalten. Das Festival geht weiter und bringt am Samstag weitere Namen der internationalen Musikszene auf die Wolfswiese. Marcin Wasilewski-Trio aus Polen, Brederode-Quartett aus Holland, das österreichische Muthspiel-Trio und Djabe aus Ungarn – alle werden sich die Bühne am Samstag teilen. Der letzte Tag des Festivals bringt vor das Publikum die legendäre Temeswarer Bega-Blues-Band. Aufspielen werden anschließend Patricia Barber (USA), Dan Berglund´s Tonbruket aus Schweden und Tryge Seim&Frode Haltli aus Norwegen.
Wer all diese Künstler live erleben möchte, der muss in diesem Jahr für eine Tageskarte 50 Lei ausgeben. Eine Ermäßigung bekommen diejenigen, die sich für ein Ticket für alle vier Festivaltage entscheiden. Ein solches Abo kostet 170 Lei und eine Wochenendkarte (Freitag-Samstag-Sonntag) 130 Lei. Jugendliche bis zum Alter von 14 Jahren haben freien Eintritt.
In derselben Zeitspanne findet erneut auch das Festival für altertümliche Musik in Weidenthal statt. Petru Iliesu wird aus diesem Anlass den Band „Der Jazz als Gemütszustand“/„Jazzul ca stare de spirit“ vorstellen.
Werner Kremm und Andreea Oance

Altbauwohnungen werden bevorzugt

Eine Drei-Zimmer-Wohnung in einem neuen Wohnblock am Ufer der Bega kostet ab 70.000 Euro. Kaum jemand erlaubt sich in Krisenzeiten, ein derartiges Appartement zu erwerben.
Foto: Raluca Nelepcu


Temeswar: Großstadt mit den billigsten Wohnungen Rumäniens
/ Von Andreea Oance

Die Preise der Immobilien in der größten westrumänischen Stadt sind so stark im Monat Juni gesunken, dass Temeswar/Timisoara nun die billigste Großtadt Rumäniens im Bereich der Wohnungen geworden ist.
Dieser Trend war schon in den letzten Monaten dieses Jahres absehbar, sodass der Durchschnittspreis eines Quadratmeters Nutzfläche um 4,5 Prozent gesunken ist. Der Unterschied zur gleichen Zeitspanne im vergangenen Jahr steht bei 12,6 Prozent. Die Preissenkung des letzten Monats wurde bei den alten Wohnungen registriert, minus 4,4 Prozent. Der Preis einer solchen Wohnung liegt nun bei 874 Euro für ein Quadratmeter Wohnfläche. Genauso wie im Monat Mai sind die Preise der Altbauwohnungen in Temeswar um 4, 4 Prozent geringer geworden, d.h. 860 Euro/Quadratmeter. Auch der Preis der neuen Wohnungen ist gesunken: - 3,8 Prozent und 904 Euro/Quadratmeter.
Das Portal der Immobilengeschäfte
www.imobiliare.ro zeigt, dass Temeswar bereits für den dritten aufeinander folgende Monat das niedrigste Preisniveau erreicht hat. Dies ist eine nie da gewesene Lage für den Banater Immobilienmarkt. Die Vertreter der Immobilienfirmen erkennen diese Lage, als einen Vorteil, da sie nun mehr Kunden gewonnen haben. „Es gibt sogar Kunden aus anderen Städten, die nun Wohnungen in Temeswar kaufen werden. Das Programm `Prima cas²´ hat uns auch viele Kunden in letzter Zeit gebracht“, sagt Geanina Indrie, Leiterin der Vermittlungsfirma „Elisabetin House“. Die Preise für die Drei-Zimmer-Wohnungen sind konstant geblieben, vor allem in den Stadtvierteln Circumvala]iunii, Girocului oder Soarelui. „Die Preise sind eher bei den Zwei-Zimmer-Wohnungen gesunken, die auch einen niedrigeren Komfort bieten. So kostet eine solche Wohnung ab etwa 50.000 Euro“, sagt die Immobilienmaklerin.
Auch für Kunden ist diese Lage einen Vorteil. „Man kann nun Wohnungen kaufen, von denen man im vergangenen Jahr nicht einmal träumen konnte. Zum Beispiel in Falle einer Neubauwohnung, die 2009 etwa 100.000 Euro kostete, kann man nun bei 70.000 Euro verhandeln“, sagt Anca B²rlu]iu. Die 25-jährige Temeswarerin kaufte sich neulich eine Wohnung an der Ausfahrt in Richtung Sackelhausen/Sacalaz. Dabei bekam sie auch den Parkplatz im Preis miteingeschlossen. Trotzdem werden in Temeswar weiterhin die Altbauwohnungen bevorzugt. „Ein Vorteil dieser ist die Lage, denn die meisten Neubauten befinden sich am Stadtrand und sogar die Qualität der Neubauten lässt zu wünschen übrig“, sagt Maklerin Geanina Indrie. Das weiß auch der 28-Ökonomist Mihai Iord²nescu. Er kaufte sich eine Drei-Zimmer-Wohnung in einem Altbauwohnblock am Begaufer unweit vom Nordbahnhof. Seine neue Wohnung ist komplett möbliert und bezahlte dafür insgesamt 62.000 Euro. „Den Preis haben wir von 65.000 Euro Ausgangspreis verhandelt“, sagt Iord²nescu.
Auch die Preise der sehr teuren neuen Wohnungen am Ufer der Bega in der Fabrikstadt wurden billiger. Eine Drei-Zimmer-Wohnung im neuen Wohnblock kostet etwa 70.000 Euro. Die Qualität lässt jedoch zu wünschen übrig: Für den Bau wurden die billigsten Baumaterialien aus Serbien erworben, verriet einer der Bauherren. So steht die Anfrage vor allem bei den alten Wohnungen noch ziemlich hoch im Kurs.

Europäischer Literaturwettbewerb 2011

Der europäische Literaturwettbewerb 2011 wurde ausgeschrieben. Das Thema dieser Auflage lautet: „erwachen“. „Dieses Thema sollte nur eine erste Anregung für dich sein. Und möglichst nicht der Titel deiner Texte! Lass also deiner Phantasie freien Lauf! Sicherlich gibt es einiges, was du schon immer niederschreiben wolltest – Also, worauf wartest du noch?“, werben die Organisatoren auf www.literaturwerkstatt.at für den Wettbewerb.
Dieser richtet sich an Kinder und Jugendliche in Europa in zwei Alterskategorien: 8 bis 13 Jahre und 14 bis 18 Jahren. Der erste und zweite Preis in jeder der beiden Altersgruppen sind Gratis-Teilnahmen an den Schreibzeit-Literaturwerkstätten in Österreich. Eine Woche lang eigene Ideen zu Papier bringen, die Texte in der Gruppe besprechen, Ideen und Gedanken austauschen, um dann schließlich am Ende der Woche die Texte öffentlich zu präsentieren: Das wartet auf die Jugendlichen, die sich an den Literaturwerkstätten beteiligen. Weitere Hauptpreise sind Gutscheine für die ermäßigte Teilnahme an den internationalen „Schreibzeiten“. Die besten Texte werden in einem Buch und im Internet veröffentlicht. Eine feierliche Lesung mit den PreisträgerInnen findet im Frühjahr 2011 in Graz statt.
Die getippten Texte dürfen insgesamt nicht länger als zwölf Seiten und nur auf einer Seite bedruckt sein. Die Geschichten müssen an Jugend-Literatur-Werkstatt Graz, Elisabethstraße 30, 8010 Graz, Österreich oder an
erwachen@literaturwerkstatt.at geschickt werden. Einsendeschluss ist der 30. September 2010. (rn)

Der unendliche Wettbewerb

Es war einmal ein Jäger. Eines Tages war er einem Wildschwein auf der Spur. Auf einmal hörte er in einem Busch ein Geräusch. Er ging vorsichtig näher und sah ein Fuchsbaby. Es war ganz allein. Der Jäger konnte es nicht töten. Er hatte Mitleid und nahm es mit nach Hause.
Seitdem blieb der Fuchs beim Jäger. Sie wurden gute Freunde, aber beide machten immer einen großen Fehler. Sie unternahmen Wettbewerbe, um zu sehen, wer besser in bestimmten Sachen ist. Aber dabei schummelten sie jedes Mal. Zum Beispiel: Wer der beste Fischer war. Der Fuchs sprang ins Wasser und konnte viele Fische fangen, aber der Jäger nahm ihm die Fische immer, wenn der Fuchs wieder ins Wasser tauchte, weg. Oder umgekehrt. Die meisten Wettbewerbe waren Dummheiten. Sie zerstörten ihre Freundschaft umsonst. Eines Tages aber wollte der Fuchs den dummen Wettstreit beenden. Er ging zum Jäger und sagte seine Meinung: „Hör zu, wir sind gute Freunde. Du hast mich, als ich ein Baby war, gerettet und mich groß gezogen. Seitdem helfe ich dir beim Jagen oder beim Fischen. Aber jedes Mal machen wir dumme Wettbewerbe, um zu sehen, wer besser ist. Wir wissen beide, dass wir sowieso schummeln und unsere Zeit und Freundschaft vergolden. Wäre es nicht besser, mit diesen dummen Wettbewerben aufzuhören?“ Der Jäger antwortete schnell: „Fuchs, du hast recht. All diese Jahre haben wir nutzlose Wettbewerbe gemacht. Wofür? Um zu sehen, wer besser ist? Von nun an versprechen wir, dass wir keine Wettbewerbe mehr machen. Einverstanden?“
Ohne zu warten sagte der Fuchs: „Ja! Von nun an ist es Schluss mit den Wettbewerben. Keiner sagt mehr, dass er besser ist als der andere!“ Der Jäger dachte nach und sagte: „Gut, gut, aber du hörst von nun an auf mich!“ Der Fuchs fragte verärgert: „Und wieso? Weil du mein ´Herrchen´ bist?“ Der Jäger sagte stolz: „Nein. Weil ich der Größte von uns beiden bin“. Dem Fuchs war das zu viel. Er wollte Frieden, doch der Jäger wollte einen anderen Wettbewerb. Der Fuchs sagte zuletzt noch: „Schön! Wenn du einen Wettbewerb willst, wirst du einen auch kriegen!“ Seine Augen glühten vor Wut und er ging weg. Man hörte nur noch sein diabolisches Lachen und die zusammengeschlagene Tür. Der Fuchs kehrte nachts nicht heim. Aber dem Jäger war es gleichgültig. Am nächsten Tag kam der Fuchs nach Hause. „Jäger! Wach auf! Ich will dir zeigen, wer der Größte ist“, brüllte der Fuchs. Aber der Jäger lachte ihn nur aus. Der Fuchs nahm ihn bei der Hand und beide gingen in den Wald. Auf einmal standen sie vor einem großen Felsen. Der Jäger fragte sich, was er dort suchte. Der Fuchs kletterte hinauf und sagte zum Jäger: „Jetzt siehst du, wer der Größte ist! Ich habe gewonnen!“ Der Jäger wurde schwarz vor Wut und Neid. Er wollte gewinnen. „Das werden wir noch sehen. Du hast noch nicht gewonnen! Morgen wirst du sehen, wer der Gewinner ist!“ Der Fuchs sagte voller Stolz: „Na gut. Ist mir doch egal! Ich habe gewonnen, also bleibe ich hier, um meinen Sieg zu feiern!“ Der Jäger aber murmelte vor sich hin: „Das werden wir noch sehen.“ Wieder sahen sich die Beiden einen Tag lang nicht.
Am nächsten Tag aber rief der Jäger den Fuchs. Nach einigen Minuten kam der Fuchs und hatte einen Schock, als er den Jäger sah. Der Jäger hatte ein Haus auf großen Holzbeinen gebaut. Es war drei Meter groß. Der Fuchs staunte und begann, zu vor sich hin zu schimpfen. Aber dann grinste er und ging weg. Der Jäger ahnte nichts, aber er war schon neugierig, was der Fuchs gerade tat. Dann kam der Fuchs mit einer Säge. Der Jäger wollte herunterkommen, aber der Fuchs hatte schon einen Pfeiler abgehackt. Der Jäger sah ihn erschrocken zu. Auf einmal wackelte das Haus und puff! Alles fiel und das Haus wurde zu einem Haufen Holz. Mittendrin: Der Jäger. Der Fuchs lachte und lachte, aber der Jäger schaffte es, seinen Kopf heraus zu strecken und sagte: „Du, ich hatte mir etwas brechen können! Bist du verrückt? Jetzt erlebst du dein blaues Wunder! Wenn ich dich schnappe…! Komm her!“ Dabei erhob er auch die Hand und langsam kam er aus dem Holzhaufen heraus. Der Fuchs rannte schon los. „Du kriegst mich nicht! Ich bin schneller!” Der Jäger sagte: „Wetten, dass ich schneller bin?“ Und so rannte der Jäger dem Fuchs nach und beide wollten sehen, wer am schnellsten ist. Und vielleicht rennen sie auch heute noch.
Lehre: Wettbewerbe sollten nie eine Freundschaft zerstören! Und zweitens: Wettbewerbe sollen nicht unter Freunden stattfinden.
Ioana Ecaterina Berariu

Lenau-Schülerin bei Schreibwerkstatt in Graz dabei

Ioana Ecaterina Berariu hält sich diese Woche in Graz auf, wo sie zusammen mit gleichaltrigen Jugendlichen literarisch beschäftigt ist.
Foto: Andreea Oance



Ioana Ecaterina Berariu interessiert sich für Literatur
Aufsätze hat sie schon immer recht gern geschrieben, „lange Aufsätze, die dann die Lehrerin verbessert hat“, erinnert sich Ioana Ecaterina Berariu (13). Die Schülerin des Nikolaus-Lenau-Lyzeums in Temeswar/Timisoara hat ein Hobby, das sie von vielen Jugendlichen in ihrem Alter unterschiedet: Sie interessiert sich für Literatur.
Diese Woche verbringt die Achtklässlerin in Graz, Österreich, wo sie an einer Schreibwerkstatt teilnimmt. „Schreibzeit Graz“ heißt die einwöchige internationale Werkstatt für 8- bis 13-jährige Deutsch sprechende Schüler, bei der nun auch Ioana zum ersten Mal dabei ist. Zehn SchülerInnen arbeiten diese Woche zusammen, um ihre Kreativität zu nutzen und literarische Texte zu schaffen. Und das Programm umfasst ganz viel Schreiben: Gleich nach dem Frühstück gibt es Schreibanregungen. Die Schüler nehmen dann Kuli und Papier in die Hand und machen sich an die Arbeit. Die Geschichten werden dann in der Gruppe vorgelesen und besprochen.
Ioana Ecaterina Berariu ist in diesem Jahr die einzige Rumänien-Vertreterin bei der Literaturwerkstatt in Graz. Das Ereignis wird vom Verein Jugend-Literatur-Werkstatt organisiert und hat als Ziel, junge Schreibende aus dem deutschsprachigen Raum zu fördern. Die einsame Beschäftigung des Schreibens wird dadurch zum Gemeinschaftserlebnis. „Ich erhoffe mir, konstruktive Kritik und Tipps zu bekommen, damit ich mich verbessere“, sagt das Mädchen.
Vor zwei Jahren hat Ioana Ecaterina Berariu zum ersten Mal beim europäischen Literaturwettbewerb mitgemacht. Ihre Mutter hatte damals eine Anzeige in der Schule gelesen und ihre Tochter zum Schreiben angeregt. Ioana machte auch 2008 und 2009 beim Wettbewerb mit, erzielte jedoch keinen Hauptpreis. „In diesem Jahr kam dann die Einladung, nach Graz zu fahren und bei dieser Werkstatt mitzumachen. Es ist eine einmalige Chance, deshalb habe ich gleich ´Ja` gesagt“, sagt Ioana. Das Mädchen hat als Kind Deutsch gelernt. In der Temescher Stadt Detta/Deta hat sie den deutschen Kindergarten besucht und sehr viel deutsches Fernsehen über Satellit geschaut. Die Schülerin, deren Mutter Bibliothekarin ist, liest gern Bücher in deutscher Sprache. In diesem Sommer muss sie für die Schule drei Bücher lesen. „Die Jugendlichen in meinem Alter lesen eher wenig und wenn, dann werden sie dazu gezwungen. Sie haben andere Beschäftigungen, wie zum Beispiel Computer“, sagt das Mädchen, das sich die Bücher in deutscher Sprache entweder von der Bibliothek, oder von Freunden aus Deutschland besorgt.
Demnächst plant Ioana Ecaterina Berariu, ein Buch herauszugeben. Sie schreibt gern Geschichten, in der oft auch eine Moral auftaucht. „Es sind nicht gerade Fabeln, aber schon belehrende Erzählungen“, erläutert sie. Die Schülerin arbeitet zurzeit an einem Roman, von dem fast 200 Seiten schon fertig sind.
Trotzdem will sie künftig nicht unbedingt einen Beruf ausüben, der mit Literatur zu tun hat. „Ich würde gern die Abteilung für Sozialwissenschaften des Lenau-Lyzeums besuchen und später vielleicht Medizin studieren. Gewiss irgendwo im Ausland“, verrät das Mädchen. Und wenn Ioana nicht schreibt, dann widmet sie sich verschiedenen Freizeitbeschäftigungen, die typisch für Lenau-Schüler sind: Sie hört Rockmusik und treibt Sport. „Ich würde gern auch mehr lesen, aber wegen den vielen Hausaufgaben bleibt mir dafür wenig Zeit übrig“, schließt Ioana Ecaterina Berariu.
Raluca Nelepcu

Keine Jobs für Sehbehinderte

Der erste Garten für Blinde in Rumänien befindet sich im Hof des Temeswarer Blindenvereins.
Foto: Raluca Nelepcu


Arbeitgeber zahlen lieber mehr an den Staat
Der erste Garten für Blinde wird derzeit am Sitz des Blindenvereins in Temeswar/Timisoara eingerichtet. Es ist der erste Garten dieser Art in Rumänien, der vom Temeswarer Verein zur Landschaftsgestaltung gebaut und mittels EU-Geldern finanziert wurde. Der Garten berücksichtigt die speziellen Belange der Blinden. Die Pflanzen sind zum Beriechen, Erfühlen und Ertasten. Ein Projekt, das das Bürgermeisteramt initiiert hat.
Doch dadurch werden die Probleme des Blindenvereins schon lange nicht gelöst: Der Mangel an Finanzierung, die viel zu wenigen Arbeitsplätze für Personen mit Sehbehinderung aber auch der Mangel an speziellen Straßenampeln für Blinde rücken ein tristes Phänomen in den Blickpunkt: Immer mehr Personen mit Sehbehinderung leben isoliert und können nicht in der Gesellschaft integriert werden. „Das Hauptproblem war schon immer das Geld. Jetzt ist es aber noch schlimmer geworden. Immer weniger Mitglieder haben einen festen Arbeitsplatz, sie finanzieren ihren Lebensunterhalt nur noch von der Spezialrente, das sind rund 700 Lei im Monat. Das reicht kaum aus“, erklärt der Leiter des Blindenvereins, Vasile Cristet. „Auch wenn ein Arbeitgeber einige Vorteile hat, wenn er eine Person mit Sehbehinderung einstellt, so tun es die meisten doch nicht. Sie zahlen lieber mehr Geld an den Staat. Viele Mitglieder des Vereins haben sich von der Gesellschaft distanziert. Sie bevorzugen, nur noch zu Hause zu bleiben“, lässt Vasile Cristet erkennen. Mit leichten Bewegungen ertastet er den Zettel auf seinem Tisch in Brailleschrift. An der Wand hinter ihm hängt ein Porträt von Louis Braille, dem Erfinder des nach ihm benannten Punktschriftsystems für Blinde. „Unser Blindenverein zählt insgesamt 3137 Mitglieder im Kreis Temesch und weitere 1.000 in Karasch-Severin. Nur 108 davon haben einen festen Job“, sagt Cristet, während seine Finger leicht über den gelblichen Zettel gleiten. So liest er seine Statistik. Die beschäftigten Vereinsmitglieder sind als Arbeiter, Masseure aber auch als Lehrer tätig. „Früher galten die Blinden als die besten Masseure“, erinnert sich Vasile Cristet. „Viele haben auch als Telefonisten gearbeitet, der Beruf stirbt aber mit der neuen Technologie langsam aus“, so Cristet. Ein weiteres Problem bildet der Mangel an speziellen Ampeln für Blinde bei Straßenüberquerungen: „Nur eine einzige Ampel gibt es in Temeswar, diese ist am 700er Markt“, sagt Cristet. Er hat mehrmals Anträge beim Bürgermeisteramt eingereicht, damit solche Ampel mindestens am B²lcescu-Platz unweit des Blindenvereins, eingerichtet werden. Die Ausrede war aber immer wieder die gleiche: Es gibt nicht genug Geld dafür. „An der Straßenüberquerung vor dem Kreiskrankenhaus hat es eine solche Ampel gegeben. Die Bewohner da haben sich jedoch beklagt, dass sie zu laut sei. So wurde die einfachste Lösung gefunden: Die Ampel wurde abgeschafft“, sagt der Vereinsleiter.
Bereits seit 15 Jahren leitet Vasile Cristet die Filiale des Blindenvereins in Temeswar. Der 66-Jährige ist mit fünf Jahren erblindet: Eine leichte Erkältung ließ seine Augen tränen. Innerhalb weniger Tagen hat sich sein Sehvermögen stark reduziert. Eine falsche medizinische Behandlung führte dazu, dass er zuerst das Sehvermögen am rechten Auge verlor. Kurze Zeit später mussten die Ärzte beide Augen amputieren. Nun trägt er eine Augenprothese. Resigniert hat Vasile Cristet trotz seines schweren Leidens jedoch nicht: 30 Jahre lang hat er als Telefonist im Rathaus Temeswar gearbeitet. Einen Job, zu dem er nie zu spät kommen durfte: „Ich fuhr auch auf den Treppen der überfüllten Straßenbahnen, nur um rechtzeitig in der Arbeit anzukommen“, erinnert er sich. „Ich habe mich von dem Job dort nur schwer trennen können“, so Cristet. „1995 haben mich aber viele gebeten, die Leitung des Blindenvereins zu übernehmen. So kam ich dazu“, erzählt der in Cebza geborene Mann. Durch regelmäßige Freizeitaktivitäten, Schach-Wettbewerbe aber auch verschiedene Ausflüge soll den Mitgliedern des Blindenvereins das Gemeinschaftsgefühl vermittelt werden. Zugleich stehen ihnen über 1.000 Audio-Bücher zur Verfügung, die sie sich zu Hause anhören können. Seit drei Monaten werden hier auch Selbstverteidigungskurse veranstaltet. Derzeit plant Vasile Cristet noch ein weiterer Ausflug nach Felix im August.
Ana Saliste