Cornel Samartinean: „Der Flughafen kennt keine Krise”.
Foto: Raluca NelepcuGespräch mit Flughafendirektor Cornel Samartinean
Ganz viel zu tun hat Flughafendirektor Cornel Samartinean (43), denn immerhin muss bis Jahresende das neue Terminal für den Non-Schengen-Verkehr beendet werden. Außerdem plant der Leiter des internationalen Traian-Vuia-Flughafens in Temeswar/Timisoara, den Airport nach westeuropäischem Vorbild umzugestalten und hier verschiedene Kulturereignisse zu organisieren. Was Cornel Samartinean seit Jahresbeginn umgesetzt hat, wie der Flughafen der Krise trotzt und was für Projekte noch bevorstehen, verrät Samartinean in folgendem Gespräch. Das Interview verlief per E-mail.
Welche Projekte haben Sie im Plan, um den Traian-Vuia-Flughafen attraktiver zu gestalten?
Zur Zeit befinden sich mehrere Projekte in vollem Gange. Eine Investition ist das Non-Schengen-Terminal, das in kurzer Zeit fertiggestellt wird. Für die Fluggäste haben wir bereits das Projekt „Der internationale Flughafen Temeswar – ein kulturelles Tor des Banats” initiiert. Das Projekt kommt den Kultureinrichtungen entgegen, die ihre Ereignisse kostenlos auf dem Flughafen vorstellen dürfen, aber auch den Passagieren, die sich diverse Informationen über Kunst, Kultur, Geschichte und Ethnographie aneignen können. Wir wollen im Flughafenraum verschiedene Ausstellungen und sogar Mini-Konzerte organisieren.
Für das breite Publikum bereiten wir einen Tag der offenen Tür vor, und ab Herbst werden wir ganz bestimmt wieder Kindergartenkinder und Schüler aus dem Verwaltungskreis Temesch empfangen und ihnen den Flughafen zeigen.
Auf wirtschaftlicher Ebene möchten wir je mehr Fluggesellschaften anlocken, um den Passagieren je mehr Reiseziele anbieten zu können. Der Flughafen bedient Fluggäste aus den benachbarten Verwaltungskreisen, aber auch aus den Nachbarländern Serbien und Ungarn.
Was hat sich am Flughafen während Ihrer Amtszeit verändert?
Ich denke, die sichtbarste Veränderung ist der Bau des neuen Non-Schengen-Terminals. Als ich im Januar das Amt des Flughafendirektors angetreten habe, stand nur der Fundamentbau. Ich habe strenge Baufristen auferlegt, es wurde effizient und konstant gearbeitet, damit wir ab März kommenden Jahres den Non-Schengen-Verkehr einführen können.
Inwiefern wurde der Flughafen von der Wirtschaftskrise betroffen?
Die Wirtschaftslage hat die Flughafenverwaltung gezwungen, Anpassungsmöglichkeiten an die aktuellen Gegenbenheiten zu erarbeiten, so dass die finanziellen Ergebnisse positiv ausfallen. Aus unserer Bilanz ist ersichtlich, dass wir ein deutliches Wachstum der Einnahmen, der Passagierzahl und der Warentransporte verzeichnen. Nur ein Beispiel: Der Profit hat sich im Vergleich zur selben Zeitspanne 2009 vervierfacht und der Umsatz ist um etwa 40 Prozent gestiegen. Das finanzielle Wachstum ist einem besseren Management der Finanzen und der Verringerung der Ausgaben zu verdanken. Wir haben es geschafft, unsere Einnahmen zu steigern, indem wir einige Dienstleistungen, die wir den Fluggesellschaften und den Passagieren anbieten, vernünftig nutzen. Gleichzeitig haben wir Ausgaben gestrichen, die sich als ungeeignet herausstellten. Die Tatsache, dass die Billigfluggesellschaft Blue Air Temeswar verlassen hat, beeinflusst uns nur in geringem Maße, weil Bukarest eines der gefragtesten Reiseziele ist. Die Passagiere nutzen nun andere Anbieter. Wir tragen keine Schuld an der Entscheidung der Billigairline, das ist eben die gegenwärtige Politik der Gesellschaft, die zahlreiche Flüge von verschiedenen Flughäfen in Rumänien gestrichen hat.
Welche war die schwierigste Situation, mit der Sie sich im Laufe Ihres Amtes auseinandergesetzt haben?
Ich glaube, das schwierigste war, die Entscheidung zu treffen zwischen meiner Position in der Firma, die ich mehr als 15 Jahre lang aufgebaut habe (Anm. d. Red. ein Textilunternehmen), und einem öffentlichen Amt, jenes des Flughafendirektors. Ein guter Manager erzielt gute Leistungen, egal an welcher Stelle. Ich habe diese Funktion als Herausforderung angenommen und sehr viel in einer sehr kurzen Zeit gelernt.
Welche Vorbereitungen müssen am Flughafen getroffen werden, im Kontext des Beitritts Rumäniens zum Schengener Raum?
Um die Ein- und Ausreise aus dem Schengenraum zu ermöglichen, wurde eine Investition von über drei Millionen Euro getätigt. Die europäischen Regelungen im Flugbereich sehen die Trennung des Passagier- und Gepäckflusses aus den Non-Schengen-Ländern von jenen aus den Schengen-Ländern vor.
Ab 2011 werden die Reiseziele aus Rumänien und den Schengener Ländern als interne Ziele betrachtet. Die Passagiere, die in Richtung Rumänien und in die Schengen-Länder fliegen, werden keine Grenzformalitäten mehr erledigen müssen. Die Sicherheitsmaßnahmen bleiben aber erhalten. Die Flüge in die Nicht-Schengen-Länder werden als externe Flüge betrachtet. Die Passagiere werden das neue Terminal benutzen und sich der Grenzkontrolle und jener der Grenzpolizei und des Zolls unterziehen.
In welchem Stadium befindet sich der Neubau? Welche Vorteile/Pflichten bringt das Non-Schengen-Terminal?
Der Bau ist beendet, nun müssen Sicherheitsapparatur und Innenausstattung dazukommen, wobei Ende des Jahres eine Kommission überprüfen wird, ob wir alle Bedingungen für den Non-Schengen-Flugverkehr erfüllen. Der Neubau wird in Temeswar, genauso wie in Bukarest Otopeni und Klausenburg/Cluj , als Non-Schengen-Terminal genutzt.
Der Schengener Raum ist nicht mit der Europäischen Union gleichzustellen. Als Beispiel: England ist in der EU, gehört aber nicht dem Schengenraum an, so dass für alle Flüge von und nach England separate Terminals nötig sind. Anders ist es beispielsweise im Falle von Frankreich oder Italien. Rumänien tritt dem Schengener Raum im März 2011 bei. Von nicht akkreditierten Flughäfen aus werden keine Non-Schengen-Reiseziele angeflogen werden können. Von Temeswar aus gibt es vorläufig sechs Non-Schengen-Ziele: London in England, Odessa, Lemberg/L`wiw und Tschernowitz/Cernauti in der Ukraine, Chisinau/Kischinjow in der Republik Moldau und Antalija in der Türkei. Wir wollen die Anzahl dieser Reiseziele vergrößern. Das neue Terminal war notwendig, weil wir ein konstantes Wachstum der Flugziele, aber auch der Passagierzahl aus den Non-Schengen-Ländern verzeichnen, von ungefähr fünf Prozent im Jahr 2005 auf bis zu 13,2 Prozent im vergangenen Jahr. Nachdem das neue Terminal in Betrieb genommen wird, rechnen wir mit einem Wachstum der Passagierzahlen um 20-30 Prozent.
Wie sehen Sie die Zukunft des Flughafens, was die Aktienanteile betrifft?
Ich denke nicht, dass sich etwas verändern wird. Der Flughafen funktioniert gut und bringt Profit.
In welchem Maße stellt der Flughafen in Arad eine Konkurrenz dar?
Von meinem Gesichtspunkt aus stellt der Arader Flughafen keine Konkurrenz für uns dar. Ab August gibt es in Arad keine regelmäßigen Flüge mehr, während vom Internationalen Flughafen Temeswar täglich 80 Flüge abgefertigt werden. Gegenwärtig stellen die Fluggesellschaften ihren Passagieren Transportmöglichkeiten aus Arad zur Verfügung und befördern diese mit Hilfe des „Bus & Fly”-Systems nach Temeswar.