Holzunternehmen trotz Wirtschaftskrise erfolgreich / Von Andreea Oance
Wenn für viele Deutsche Rumänien noch ein blinder Fleck auf der Weltkarte bedeutet, ist für den 33-jährigen Mario Götz Rumänien schon in den 90ern ein sehr attraktives Land geworden. Im Jahr 2000 siedelte sich Mario Götz in Rumänien an. Westrumänien und das Banater Bergland wuchsen ihm besonders ans Herz - Eisenstein/Ocna der Fier und Bokschan/Boc{a in Karasch-Severin/Caras-Severin sind nun sein neues Zuhause.
Mario Götz lebt seit neun Jahren als Unternehmer in Rumänien
Mario Götz, vom Beruf Zimmermann und Restaurator, eröffnete gleich im Jahr 2000 eine Firma. „S.F. Etic“ heißt sein Unternehmen für Holzverarbeitung mit dem Sitz in Eisenstein und der Produktionsstätte in Bokschan. Hier wird Möbel hergestellt – Massivholzmöbel: Schlafzimmer, Kommoden und Kleiderschränke aus Eichenholz.
Obwohl die Firma schon seit neun Jahren existiert, haben die Produktion und der Export erst im vergangenen Sommer begonnen. Export wird für eine Firma aus Deutschland und eine aus der Schweiz gemacht. „Unsere Aufträge werden laufend aufgestockt – ganz im Widerspruch zu der internationalen Wirtschaftskrise“, sagt Geschäftsführer Mario Götz. Wenn bis im vergangenen Monat die „S.F. Etic“ eine Bestellung von etwa 40 Betten monatlich in die Schweiz lieferte, steht in diesem Monat die Bestellung für über 60 Betten und könnte im nächsten Monat bereits 80 Betten erreichen. Eine Bestellung betrifft ein Paket: ein doppeltes Schlafbett mit einem oder sogar zwei Nachttischen. Die nächste Bestellung der Firma aus Deutschland hat sich auch verdoppelt.
Mario Götz zeigt uns seine Werkshalle. (Da wir ihn am arbeitsfreien Samstag besucht haben, waren wir allein in der Halle)
Fotos: Andreea Oance
„Bald brauche ich mehr Personal, wenn die Bestellungen derart wachsen“, sagt Geschäftsmann Götz. Zurzeit arbeiten 25 Leute in der Möbelfabrik in Bokschan, sechs Frauen und 19 Männer. Alle haben Erfahrung im Bereich der Holzverarbeitung. Die Hallen der „S.F. Etic“ befinden sich in den Räumlichkeiten der ehemaligen HOB-Holzwaren des Bayers Kurt Blüml in Bokschan. Die Arbeiter wurden nach der Auflösung der HOB-Holzwaren von Mario Götz übernommen. „Ein gut ausgebildeter Tischler muss vieles können und solche sind leider sehr schwer zu finden“, erklärt der deutsche Geschäftsmann. Aber für die Ausbildung vor Ort ist der deutsche Zimmermann und Restaurator zuständig.
Zehn Jahre sind es her, seitdem Mario Götz zum ersten Mal nach Rumänien kam. Drei Monate lang besuchte er seine rumänischen Freunde. Von Herkulesbad/Herculane nach Reschitza/Resita, danach nach Pitesti. Ein Jahr später entschloss er sich, nach Rumänien zurückzukehren, um hier zu leben. „Ich wusste, dass ich in Deutschland keine Berufschancen haben werde. Hier habe ich mit 20 schon ein Haus kaufen können“, erinnert sich der 33-Jährige. Zurück nach Deutschland will er auf keinen Fall mehr: „Deutschland gefällt mir von der Kälte her nicht, also ist für mich eine Rückkehr definitiv ausgeschlossen. Vielleicht ziehe ich aber eines Tages irgendwo anders hin“, sagt er.
Als abenteuerlich charakterisiert sich der junge Geschäftsmann selber. Der ehemalige DDR-Langstreckenläufer wollte mit 13 auf die Militärschule gehen. Nach der Wende aber war es aus mit dem Sport und somit auch mit seinen Plänen. Heute bedauert er seine Entscheidung nicht, nach Rumänien gekommen zu sein. Eine zweite Firma hat er vor Kurzem zusammen mit einem Partner aus Bokschan gegründet. „Top Wood Caras“ heißt die Firma, die auch im Bereich der Holzverarbeitung tätig ist. Diese stellt Holzfenster und –türen, Schichtholz und Holzornamente her.
Im März kommen die meisten Titel aus den Frühjahrsprogrammen der deutschen Verlage auf den Markt. Das hat mit der Leipziger Buchmesse zu tun, mit ihrem Preis- und Lesezirkus. Im Folgenden sei auf drei neue Bücher hingewiesen, die etwas mit dem Kommunismus, mit den osteuropäischen Verwerfungen, und der Freiheit zu tun haben.
In der Flut der Neuerscheinungen zum Thema DDR und die Folgen, ist Susanne Schädlichs Buch „Immer wieder Dezember. Der Westen, die Stasi, der Onkel und ich“ eines der spannendsten. Es erzählt die Geschichte der Tochter von Dissidenten. Und so geht es nicht plakativ um die Machenschaften der DDR-Obrigkeit, sondern um deren Folgen für ein Kind und dessen Familie.
Es spricht zwar von den spektakulären Vorgängen, vom Rausschmiss der Eltern, dem Schriftsteller Hans Joachim Schädlich und der Lektorin Krista Maria Schädlich, und vom Bruder des Vaters, dem notorischen Spitzel, Hochstapler und Historiker Karl Heinz Schädlich, der sich vor einem Jahr erschossen hat.
Es spricht aber auch davon, dass dieser Mann gleichzeitig „Lieblingsonkel“ war. Susanne Schädlich weiß von den Verletzungen des Kindes ohne Pathos zu berichten, dafür aber umso eindringlicher. Von der Ausreise, auch als emotionalem Verlust, vom Zerfall der Familie auf dem schwierigen Weg von Ost nach West, und schließlich von der Identitätssuche der Heranwachsenden und der jungen Frau, die, westwärts, bis Kalifornien ziehen wird, um den Abstand zu finden, den sie für ihr Gleichgewicht benötigt.
„Die schönen Tage meiner Jugend“ lautet der Titel eines Buches von Ana Novac. Die Schriftstellerin stammt aus Siebenbürgen. Sie wurde als Jüdin im Jahr 1944 nach Auschwitz deportiert. Sie war 14 Jahre alt, und das Tagebuch, das sie schrieb, wurde zu einem der erschütterndsten literarischen Texte des Holocaust. Ana Novac machte danach eine kurze Karriere als Schriftstellerin im rumänischen Stalinismus, bis sie 1959 zum Objekt eines zeittypisch dämonischen Einschüchterungsverfahrens wurde. Sie verließ Rumänien. Heute lebt und schreibt sie in Paris. Das Tagebuch, das schon einmal auf Deutsch erschienen ist, 1967, wurde jetzt neu herausgegeben. Es ist zu hoffen, dass es die Aufmerksamkeit findet, die ihm nicht zuletzt auch literarisch zusteht.
„Der Vorhang geht auf. Das Ende der Diktaturen in Osteuropa“. So der Titel des neuen Buches von György Dalos. Der Essay des in Berlin lebenden Schriftstellers und ehemaligen Budapester Oppositionellen erinnert uns daran, dass 1989 nicht nur die Berliner Mauer fiel, sondern dass vielmehr die Teilung Europas in Demokratien und Diktaturen beendet wurde. Wer sich den historischen Horizont, der die deutsche Einheit erst möglich machte, vergegenwärtigen will, wird dieses Buch mit Gewinn lesen können.
Temeswarer Anlauf zur Reform der Gesellschaft ist 19 Jahre alt
Temeswar - Als Meilenstein in der Geschichte Rumäniens hätten die Temeswarer gerne den 11. März 1990 gesehen. Durch die Proklamation von Temeswar und dessen Punkt 8 sollten ehemalige Spitzen des kommunistischen Regimes aus der Politik und der öffentlichen Verwaltung verbannt werden.
„Es geht grundsätzlich um solche, die ihren Job in Betrieben und Institutionen aufgegeben haben, um sich als Parteiaktivisten zu betätigen und zu den Privilegierten des Regimes zähl(t)en“, legt Florian Mihalcea, Vorsitzender der Gesellschaft „Timisoara“ eine Messlatte auf. Die selben Kriterien sollten auch für Offiziere des Geheimdienstes „Securitate“ und für deren Spitzel gültig sein.
Auch 19 Jahre nach Bekanntmachung der Proklamation ist die Erfüllung der Ideale weit entfernt. Kein Wunder auch: Punkt 8 der Proklamation wurde trotz vieler Versprechungen von keiner der Regierungen im postkommunistischen Rumänien von den Parlamentskammern abgesegnet. Noch mehr - ein Teil jener, die sich angeblich für das sogenannte „Lustrationsgesetz“ (auch „Gesetz zur Säuberung der Gesellschaft“) einsetzen wollten, entpuppten sich als ehemalige Securitate-Spitzel.
Sollte das Gesetz auch irgendwann von irgendwem im Parlament durchgebracht werden, bleibt bei vielen eine gehörige Portion Wehmut, verpackt in eine rhetorische Frage übrig: Ist es heute nicht zu spät für ein solches Gesetz, wenn man bedenkt, dass viele Privilegierte sich mit allen Folgen der Privilegien längst ins Rentenalter hinübergerettet haben? (st)
Theodor versteht sich wie blind mit dem Klavier / von Oliver Zsilko
Noch bevor sein Vater ihm den ersten Löffel reicht, spricht Theodor ein Gebet zum Mittagessen aus. Schlägt ein Kreuz und öffnet den Mund. Ungeduldig nimmt er das gekochte Gemüse mit Fleisch zwischen die Backenzähne und beginnt zu kauen. In die Dunkelheit blickend kaut er am Essen und verlangt von Zeit zu Zeit ein wenig Brot. Nach zwei bis drei Löffeln trinkt er einen Wasserschluck aus dem Glas, das ihm sein Vater reicht. Für jeden Schluck bedankt er sich und bittet um einen erneuten Löffel mit Gemüse. Sobald er sich jedoch während des Essens vom Vater vernachlässigt fühlt, so beginnt Theodor unruhig zu werden und ihm nachzurufen: „Papa, ich will essen!“ Um ihn zu beruhigen, fragt ihn sein Vater mehrmals warnend: „Theodor, wohin wolltest du am Freitag mitgehen?“
Seit der Geburt mit der Musik verbunden
Theodor Radulescu ist blind und vor kurzem sieben Jahre alt geworden. Der Junge besucht die erste Klasse des „Iris“-Lyzeums, eine Schule für Kinder mit Sehbehinderung in Temeswar, und begleitet seine Eltern jedesmal zu den Konzerten in der „Banatul“-Philharmonie. Während die meisten seiner Mitschüler das Alphabet der Brailleschrift lernen, kann Theodor schon Vokabel lesen und geht zusätzlich zwei Mal in der Woche schwimmen. Seine größte Leidenschaft ist jedoch das Klavierspielen.
„Weil Theodor schon im sechsten Monat geboren wurde und nur 960 Gramm wog, mussten wir anfangs sein Aufwachsen am Brutkasten verfolgen. Später erst konnten wir Theodor nach Hause bringen, wo ich ihm seit den ersten Tagen auch rhythmische Töne beigebracht habe“, sagt Marian Radulescu, Theodors Vater. Er hat seinen Sohn schon im Alter von vier Jahren in die Philarmonie mitgenommen. Auf Anregung seines Freundes Adrian Enescu, ein bekannter rumänischer Musiker, brachte er danach Theodor zum Musikunterricht. R²dulescu meint, dass die Musik für den Jungen als Therapie gedacht worden ist, obwohl Theodor anfangs es nicht mehr als 15 Minuten zwischen den Instrumenten aushielt. Das änderte sich jedoch nach einem Winterurlaub in Moneasa, als der Vater die Begabung seines Sohnes fürs Klavier entdeckte. Damals spielte eines abends einer seiner Freunde auf einem Spielzeug-Klavier den ersten Teil der „Ode an die Freunde“ von Beethoven. Die Erwachsenen mussten staunen, als am nächsten Morgen Theodor das Spielzeug in die Hand nahm und das Gleiche vorspielte. Darauf spielte Radulescus Freund dem Jungen den zweiten Teil der Ode vor: Auch diese Tonfolgen merkte sich Theodor und widergab sie im Nu.
Der Klavierunterricht beginnt
Auf dem Urlaub folgend, erzählten Theodors Eltern dem Musiklehrer Mihai Jereb über das Erlebnis in Moneasa. So begann Jereb seinen Schüler Klavier zu unterrichten. „Ich habe schon vielen Kindern in seinem Alter Klavier beigebracht, doch keines hat solch ein gutes Gehör für Musik gehabt“, so der Lehrer. Theodor kann mittlerweile nicht nur einzelne Noten nach dem Klang, sondern auch eine Tonfolge verschiedener Noten am Klavier erkennen. In weniger als drei Jahren hat ihm sein Lehrer etwa 20 Lieder beigebracht. Von Weihnachtsliedern bis Klassische und Volksmusik spielt Theodor am Klavier.
Theodors Können ist den Temeswarern nicht unbekannt, denn seinen ersten Auftritt hat der Junge schon 2007 auf der Bühne der Philharmonie während eines Konzerts von Grigore Lese gehabt. Damals hat der Junge ein Stück vorgespielt: von tiefen bis hin zu hohen Tönen hinauf, wodurch er sich heute noch das Geräusch einer ankommenden Straßenbahn vorstellt. Sein anerkanntester Auftritt war aber beim jüngsten Weihnachtskonzert in der Temeswarer Staatsoper. An der Seite von Sopranistin Daniela Vladescu spielte Theodor zwei Lieder vor: „Dom´ dom´ sa-naltam“ und „Florile dalbe“.
Seitdem hat Marian Radulescu bemerkt, dass sein Sohn sehr genau sagen kann, was für ein Tag ein gewisses Datum im laufenden Jahr sein wird. Theodor brauchte bei einem Test weniger als eine Minute, um zu sagen, dass der 20. September auf einem Sonntag fällt.
50 Jahre seit die letzten Strafbatallione eingezogen wurden / Von Wilhelm Ernst Roth*
Am 5. März 1959 wusste keiner der Mitfahrenden in einem Personenzug ins Banat, dass wir das letzte Kontingent derjenigen waren, die ihren Militärdienst als Zwangsarbeiter erleben mussten. Bei der Generaldirektion der Arbeitseinheiten beim Ministerrat der Rumänischen Volksrepublik (Direcţia Generală a Serviciului Muncii de pe lângă Consiliul de Ministri al R.P.R.). Wer waren wir, die wir dahin fuhren? Wie kam es dazu, dass so viele im Zug deutsch redeten?
Graben eines Kanalisierungsgrabens.
1939 waren drei Brüder meines Vaters mit ihren Familien im Rahmen der „Heim ins Reich“-Umsiedlungsaktion infolge des Hitler-Stalin-Pakts nach Deutschland umgezogen. Nun, 20 Jahre danach, wurde ich als Neffe dieser Auswanderer vom kommunistischen Regime mit 2 Jahren Zwangsarbeit bestraft. Zwar mussten meine Verwandten seinerzeit in Deutschland auch im Lager schuften und waren NS-Repressalien ausgesetzt, aber das interessierte die rumänischen Kommunisten 1959 nicht. Nach 1945 war man als Deutscher sowieso eine Art Freiwild: Nach der Kapitulation Rumäniens wurde die deutsche arbeitsfähige Zivilbevölkerung zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert, über 12% sind in russischer Erde geblieben. In Rumänien folgte die Totalenteignung, Lager und Zwangsarbeit, Entrechtung, Aberkennung der bürgerlichen Rechte, kommunistische Unterdrückung. Rumänen, Ungarn, Serben, Kroaten, Bulgaren, Türken, alle mit Verwandten im Ausland, hatten dasselbe Los. Ebenso diejenigen, deren Familie vor 1945 ein Privatunternehmen hatte und nun als ehemalige Ausbeuterfamilie eingestuft wurde oder junge Männer, in deren Familien jemand früher politisch tätig oder in die Mühlen der politischen Justiz geraten war.
Einige Ungarn gelangten zur Zwangsarbeit direkt aus politischen Gefängnissen. Die Freiheitsluft des Aufstands von 1956 in Ungarn hatte sie hier in Rumänien mitgerissen. Dazu kamen Söhne aus Pfarrerfamilien aller Konfessionen oder solche, die durch ihre religiöse Tätigkeit aufgefallen waren. Schließlich auch Kriminelle, die eine Verurteilung mit Haftstrafe hinter sich hatten, Analphabeten,meist Zigeuner, oder solche, die im regulären Militärdienst etwas verbrochen hatten und nun strafhalber in diese Zwangsarbeitseinheiten, die somit den Charakter eines Strafbataillons hatten, versetzt wurden.
Bewässerungskanäle, von Hand gegraben mit billigster Arbeitskraft.
Foto: Privat
Die 24-monatige Arbeitsdienst – von 1950 bis 1959 betrug er sogar 36 Monate –wurden offiziell als Wehrpflicht deklariert. Kahl geschoren, eine Handvoll DDT (Insektizide) auf die Genitalien, wurden wir in die für diese Sondereinheiten entwickelte „Uniform“ gesteckt.Deren Farbe war ein undefinierbares grau-blau, mit erdbraunen Epauletten und Kragenspiegeln, Kennzeichen der „Gattung“ war ein auf der Achselklappe angebrachtes, gleichschenkliges Dreieck, über dem sich ein Spaten und eine Spitzhacke kreuzten, Schnürschuhe, Keilhosen, Russenhemd („Rubaschka“) ein Käppi, ein Gürtel aus Hanffasern, im Winter eine abgesteppte Wattejacke („Pufoaica“) und abgesteppte Wattehosen, als Kopfbedeckung eine Russenmütze mit Ohrenklappen. Die Unterwäsche wurde einmal wöchentlich gewechselt.
Die Offiziersuniform wich nur in der Farbe (mausgrau) von jener der Infanterie ab. In der zweiten Woche mussten wir den Fahneneid ablegen. Zwei aus unserer Einheit verweigerten ihn aus religiöser Überzeugung, obwohl sie wussten, dass sie dafür ins Militärgefängnis kamen. Sie waren erst 20 Jahre alt und haben bewusst 8 Jahre Militärgefängnis auf sich genommen, sollten sie nach 2 Jahren Kerker nicht den Fahneneid geleistet haben.
Untergebracht waren wir je nach Baustellen in Baracken, ehemaligen Lagerhallen u.ä. Die Einheit, der ich im Sommer 1959 angehörte, war von August bis Ende Oktober in einem ehemaligen Schafstall auf dem Feld „einquartiert“. Das Stroh des Daches,schützte uns nur vor dem Morgentau. Der Regen ging gleich durch. Der Monatssold eines Soldaten betrug 7,50 Lei (Wert von 7 frankierten Briefen) und 10 Zigaretten pro Woche. Ein nicht genehmigtes Fernbleiben von 24 Stunden musste der Garnison gemeldet werden und man wurde als Deserteur registriert. Das Ausbleiben von mehr als 3 Tagen wurde mit Verurteilung und Einlieferung für 6 Monate ins Militärgefängnis bestraft. So etwas ist öfters vorgekommen, zumal wenn die Braut nicht mehr warten wollte und einen anderen heiratete. Die Bewaffnung der 15.000 Mann bestand aus 10 Gewehren aus dem ersten Weltkrieg. Die Munition wahrscheinlich auch. Die Torwache des Banater Kommandaments in Temeswar verfügte über eines davon. Mit dem Rest war die Wachmannschaft in Sackelhausen ausgerüstet, die die Deserteure bis zur Einlieferung ins Militärgefängnis bewachte. Die obligaten Tag- und Nachtwachen aller Einheiten hatten eine Eisenstange als „Waffe“. Damit sollte der Wachhabende auf eine aufgehängte Schienenstange schlagen, wenn wir vom Feinde angegriffen worden wären. Auch wer in der Nacht 2 mal 2 Stunden Wachdienst hatte, musste am folgenden Tag seine 10 Stunden arbeiten. In all diesen Jahren ist nicht eine Stunde militärische Ausbildung durchgeführt worden. In den vorangegangenen Jahren wurden DRDM Soldaten auch in Privatquartieren untergebracht (wie auch manche Zwangsarbeiter im Nazi-Deutschland).
Die Einheiten gliederten sich in Kompanien, denen 3-4 Züge (ein Zug = 40 Mann) unterstanden. Jeder Zug setzte sich aus 4 Gruppen von je 10 Mann zusammen. Die Einheiten waren unterschiedlich groß, überschritten aber nur selten 1100-1200 Mann. Befehligt wurden sie von einem Offizier im Rang eines Hauptmanns bzw. Majors. Seine zwei Stellvertreter waren für politische Erziehung bzw. für das Kommando zuständig. Ferner gehörten dazu ein Verwaltungsmann und ein Sanitätsoffizier, sowie wehrdienstpflichtige, von der Arbeit befreite, politische Erzieher im Rang von Sergeanten oder Unterfeldwebeln. Nicht arbeitspflichtig waren auch die Zugführer (Sergeanten), während die Gruppenführer (Korporale oder Gefreite) auch arbeiten mussten. Jede der 5 Regionaldirektionen in Rumänien hatte 1960 die Stärke von 15.000 bis 20.000 Mann, woraus zu schließen ist, dass jährlich über 100.000 junge Männer in diesem Bereich Zwangsarbeit leisteten. Politisch überwacht wurden alle DGM-Einheiten von Cl-Offizieren (Abwehrfachleuten), die der Securitate angehörten. Außer dem leitenden General (im Banat befehligte General Trifan) und den politischen Bildungsoffizieren, die Parteiaktivisten waren, auch die Offiziere Strafversetzte. Oberst Crintea Eugen (gebürtig aus Z²rnesti/Zemen) z.B. war aus der Militärakademie her versetzt worden, weil seine Mutter eine Wienerin war. Ein anderer, Major Tiberiu Grad, der als Jude Auschwitz von innen gesehen hatte und beim Staatssicherheitsdienst zum Major aufgestiegen war, musste zu uns ins Banat, weil seine Verwandten nach Israel ausgewandert waren. Leningrader Offizierschulabsolventen wurden beim Erkalten der rumänisch-russischen Beziehungen (und Spionageverdacht) her versetzt, andere waren gewöhnliche strafversetzte Kriminelle.
Wir wurden für alle Arbeiten eingesetzt, für die man schwer Arbeitskräfte bekam, z.B. Reinigen von Stadtabwasserkanälen, Bau von Kanälen für Bewässerungsanlagen und Reisplantagen, Flussbettvertiefen im Winter (Reschitza) in Gummistiefeln (Frostbeulen an den Füßen waren an der Tagesordnung), bis zu Arbeiten am Bau oder an Hochöfen. Andere wurden in der Petroleumförderung, Pipelinebau, zum Streckenbau bei der Bahn, in Steinbrüchen, im Straßenbau und Bergwerken eingesetzt. Überall gab es solche Einheiten. Jede Einheit hatte einen Verwaltungsapparat wie ein normales Unternehmen mit Buchhalter, Kassier, Arbeitsnorm-Aufsteller usw. Dazu kam das Verpflegungspersonal und die Offiziere in überwachender Stellung. Zwischen den Einheiten und den Unternehmen wurden Arbeitsverträge ausgehandelt. Das Geld kassierte der Staat.
Unser Alltag verlief so: 5 Uhr aufstehen, 15 Minuten mit nacktem Oberkörper draußen turnen (auch bei -20 Grad - es hat niemandem geschadet), danach waschen. 5:45 Frühstück: ein Linsen-, Bohnen- oder Kartoffelgericht und Tee. 6:15 Abmarsch zur Arbeitsstelle. 7 Uhr Arbeitsbeginn. 10 Uhr: 15 Minuten Jausenpause (Brot und Speck). 13-14 Uhr Mittagspause mit warmem Essen aus dem Kessel. Um 18 Uhr Arbeitsschluss und Abmarsch in die Unterkünfte. Abendessen 19:30: Ein Stück Brot, ein Stück Marmelade und eine Schale Chicoréekaffee, wie man munkelte mit Brombeigabe. Für die Mahlzeiten waren in allen Einheiten 3.650 kcal vorgesehen. Dennoch waren wir hungrig wie die Wölfe. Von 20 bis 21 Uhr Politische Bildung, Marschieren in Kolonne, Appell usw. Um 22 Uhr wurde Zapfenstreich geblasen. Pro Jahr standen uns 12 Arbeitstage Urlaub zu. An einem der ersten Tage belehrte uns der Militäranwalt, dass „Nichterfüllung der Norm 3 Tage hintereinander als Befehlsverweigerung geahndet und mit 6 Monaten Militärgefängnis bestraft wird“. Die Norm betrug zwischen 6 und 8 Kubikmeter Erde (jäh nach Härte des Bodens) die jeder täglich ausschachten musste. Als der Winter hereinbrach, wurden die Einheiten, die in der Landwirtschaft arbeiteten, aufgelöst. Diejenigen, die ein in der Industrie brauchbares Handwerk hatten, wurden in die Industrie versetzt, die andern wurden entlassen und im Frühjahr wieder eingezogen. Für die Bauernfamilien war das eine zusätzliche Belastung, da der Sohn, Ehemann, oder junge Vater im Sommer kein Einkommen erwirtschaftet hatte und nun zusätzlich mitgefüttert werden musste. Durch den Drill war man in 2 Wochen ein gebrochener, gehorsamer, unfreier, seelisch geknechteter, kommandohöriger Mensch.
Die DGSM-Einheiten wurden im Januar 1961 aufgelöst – wohl auf internationalen Druck, da sie im Westen als Zwangsarbeitslager eingestuft wurden. Wegen Arbeitskräftemangel wurde ein Großteil des regulären Militärs nach 3 monatiger Waffenausbildung (später auch ohne) weiter als billige Arbeitskraft an vielen Baustellen wie Donau-Schwarz-Meerkanal, Straßenbau durch die Karpaten und sonst eingesetzt, ohne dass die Wehrpflichtigen dafür einen Lohn erhielten. Erst zu Beginn der 90er Jahre hat diese Menschenausbeutung aufgehört. Besonders hart betroffen hat es die männliche deutsche Kriegs- und Nachkriegsgeneration, besonders diejenigen, dieaus der Kriegsgefangenschaft oder der Deportation zurückkehrten und weitere 3 Jahre Zwangsarbeit in Rumänien leisten mussten.
* Wilhelm Ernst Roth ist gebürtiger Kronstädter und Kulturreferent der Siebenbürger Sachsen in Augsburg. Er schickte diesen Beitrag der BZ anlässlich der 50. Wiederkehr seiner Eingerufung als Zwangsarbeiter ins Banat zu.
Gratwanderung im Besteuerungsdickicht/ Von Siegfried Thiel
„Die kleine Pension am Stadtrand ist Idylle pur, mit Ausblick auf die Landschaft, gemütlichen Zimmern, ohne Frühstück, aber mit einer großen Kaffeekanne – die auf Rechnung des Hauses geht. Selten sind mehr als zwei der insgesamt fünf Zimmer belegt – eher ein Hobby der Betreiberfamilie und ein kleines Nebengeschäft. Eine quittiere Rechnung hat es hier noch nie gegeben. Allein bei Nachfrage kramen die Inhaber eine Viertelstunde in der Schublade herum, bis sie den Block mit Rechnungsvorlagen finden“. So ähnlich schilderte mir einmal ein Tourist seinen Aufenthalt in der Pension, die er oft großen Hotels vorzieht – auch des Preises wegen. Solche Vorgehensweisen sind in Rumänien kein Einzelfall und nicht zuletzt auch ein Argument, warum die offizielle Statistik der belegten Betten im Hotelwesen nach unten geht, doch unterdessen laufend neue Einrichtungen gebaut werden. Nun will Finanzminister Gheorghe Pogea für kleine Unternehmen, vor allem in der Gastronomie, im Hotel- und Verkehrswesen, Handel und Tourismus eine Pauschalbesteuerung einführen.
Kleinunternehmer: Produktions-, Absatz- und Besteuerungsfrage
Foto: Zoltán Pázmány
KMU-Inhaber betrachten solcher Art Vorschläge mit gemischten Gefühlen, auch wenn der Hinweis von Pogea - „Viele machen seit Jahren keinen Gewinn“ - einleuchtend ist. Das „Nicht-alle-über-einem-Kamm-Scheren“ gilt wiederholt als Argument gegen die pauschale Besteuerung, mit dem Hinweis, dass im eigenen Betrieb doch alles mit rechten Dingen zugeht. „Ich schreibe seit Jahren praktisch keinen Gewinn“ sagt ein Unternehmer, der zusammen mit seiner Frau einen kleinen Lebensmitteladen in einem Randviertel von Temeswar/Timi{oara unterhält. Was sie denn davon haben: „Wir beide je einen Lohn und irgendwann eine Rente“, sagt der Inhaber. Nun würde für sie eine Pauschalsteuer zu einer neuen Last, die möglicherweise so manchen in den Ruin treiben wird.
Nicht einfach ist es auch für neu gegründete Firmen. Peter Hochmuth, Geschäftsführender Gesellschafter der Mattig Management Partners TIM, glaubt, dass man durch solche Pauschalbesteuerungen den Mittelstand noch mehr belasten könnte, „besonders die Neugründungen. Wenn nun jemand erfolgreich wird, dann sollte er auch Steuern zahlen“. Nach Meinung von Hochmuth, der im gehobenen Finanzmanagement tätig war, würde der Gründungsprozess noch teurer “da man ja schon vom ersten Tag an Steuern zu entrichten hat, ohne überhaupt etwas verdient zu haben...“ „Viele halten womöglich die Durststrecke gar nicht durch oder werden von Anfang an in ihrer Initiativfreudigkeit abgeschreckt“, so Hochmuth.
Der Temeswarer Wirtschaftsexperte Nicolae Taran sagte der BZ, für gewisse Bereiche, wie Gaststättenwesen oder Tourismus auf dem Bauernhof, sei es eigentlich zum Vorteil des Unternehmers bzw. Geschäftsführers, da durch die neue Regelung viel Bürokratie entfällt und andererseits kann auch der Staat seinen Haushalt besser plannen, denn er weiß ja, womit er rechnen kann“. Wohlgemerkt, wenn sie nicht etwa, wie pessimistisch Eingestellte glauben, pleite gehen und dann sowohl Gewinn-, Umsatz- oder Pauschalsteuer ausbleiben.
Insider im Unternehmertum glauben, es gäbe bessere Möglichkeiten, Kontrollen durchzuführen und Steuerhinterziehung aufzudecken. „Wenn ein Restaurant nach der Anzahl der verfügbaren Tische besteuert wird, werden bei der Pauschalberechnung viele Tische zeitweilig im Hinterzimmer verschwinden“, vermutet ein Skeptiker zur Pauschale. „Wer trickst, wird auch in der neuen Konjunktur eine ´Lösung´ finden“, sagt er. „Es hängt alles letztendlich vom Blickwinkel und nicht zuletzt von der Höhe der Pauschalen ab.“
Und noch eine Kategorie dürfte es geben, die unglücklich mit der Pauschalen ist: Firmen wie die eigens zur Buchhaltung gegründeten Firmen, die nun möglicherweise genauso wie Finanzbeamte ohne Arbeit bleiben könnten.
EU-Projekt „Banat 22“ zur Förderung des Banater Tourismus
Das geschichtliche und Kulturerbe wie auch die Naturschönheiten des Banats als touristisches Angebot unter einen Hut zu bringen versucht nun ein Projekt im Rahmen des schon 2005 gestarteten, zukunftsweisenden Nachbarschaftsprogramms Rumänien-Serbien. Initiator dieses EU-Projekts des Euroregionalen Zentrums für Demokratie und des Stadtrats aus Pancevo (Serbien). Dafür wurden im Rahmen des rumänisch-serbischen Nachbarschaftsprogramms Mittel im Gesamtwert von 300.000 Euro bereitgestellt.
Die zu jeder Jahreszeit spektakuläre Donau-Klamm (Basiasch-Orschowa), Blick von serbischer Seite.
Foto: Zoltán Pázmány
Das Programm heißt „Banat 22 - Die Förderung von 22 touristischen Zielen und Ereignissen aus dem Banat“, wobei die rumänischen und serbischen Projektpartner eine gemischte Fachkommission gründeten, die eingangs jeweils 22 repräsentative Tourismusziele und Ereignisse aus dem rumänischen und dem serbischen Banat ausgewählt hat.
Vier klare Auswahlkriterien bzw. Spezifizität, Infrastruktur, Unterkunftsmöglichkeiten und Gaststätten wurden festgelegt. Auf beiden Seiten hat man die Einmaligkeit dieser Attraktionen, die sich ohne weiteres zu richtigen Wahrzeichen des Banats eignen, im Augenmerk gehabt. Das Angebot des serbischen Partners schließt so die Städte Pancevo, Zrenjanin, Kanjiza, Werschetz/Vrsac, Kovacica, Weißkirchen/ Bela Crkva, Novi Becej, die Naturschutzzone Deliblatska Pescara sowie aus der Reihe der Ereignisse den internationalen Karneval von Pancevo, die „Tage des Biers“ (Zrenjanin) und ein Frühlingsfest bzw. „Die Erblühung des Flusses Theiß“ (Kanjiza) ein. Von den zahlreichen Attraktionen des rumänischen Banats fiel letztlich die Wahl auf folgende: das tschechische Dorf Sankt Helena an der Donau (Kreis Karasch-Severin), das bekannte alte Orawitzaer Theater „Mihai Eminescu“ sowie das „Knoblauch“-Museum, die älteste Apotheke des Landes (beide Kreis Karasch-Severin), die Donauklamm, die Karasch-Klamm mit seinen mehr als 500 Höhlen, auch Poiana Marului (alle Kreis Karasch-Severin), sowie der Domplatz/Unirii-Platz aus Temeswar, ältester städtischer Platz und als barockes Schatzkästlein der Banater Metropole bekannt.
In die Galerie der Attraktionen dieser Region wurden auch fünf traditionelle und Einmaligkeit genießende Veranstaltungen aufgenommen. Dazu gehören das schon seit 1997 in Wolfsberg, 30 Kilometer von Reschitza abgehaltene traditionelle internationale Jazz-Festival, das Plai-Festival (drei Tage Musik und Tänze im Temeswarer Dorfmuseum), das in Rumänien einmalige, alljährliche Höhlenkonzert von Romanesti (bei Fatschet), das Hatzfelder Jimbo-Blues-Festival (ein Festival der Jazzmusiker aus der DKMT-Euroregion) sowie das Opern- und Operettenfestival, das jeweils Ende August im Rosenpark von Temeswar über die Bühne geht. Das Projekt soll sowohl über einen Site wie auch durch einen Banater Tourismusführer (erhältlich an den Infozentren Temeswar, Reschitza und Drobeta Turnu Severin sowie auf serbischer Seite in Kanjiza, Zrenjanin und Pancevo) gefördert werden.
Kurzgespräch mit Andreas Straub, Visitator für die Seelsorge an den Donauschwaben und den Deutschen aus Südosteuropa
Monsignore Adreas Straub: “Ich bin sozusagen Ansprechpartner für Herde und Hirten.“
Foto: Zoltán Pázmány
Als Erzbischöflicher Geistlicher Rat haben Sie die Nachfolge von Diözesanbischof Martin Roos in der Deutschen Bischofskonferenz als Visitator für die Seelsorge an den Donauschwaben und Deutschen aus Südosteuropa angetreten. Welches war der Anlass Ihres Besuchs in Rumänien?
Obwohl für mich eine Reise ins Banat keinen besonderen Anlass erfordert, da eine solche Reise für mich als gebürtigen Banater stets eine freudige Heimkehr bringt, war es diesmal ein kaum alltägliches Ereignis. Mit 170 Geistlichen und 32 Bischöfen aus halb Europa nahm ich auch an der Weihe von Laszlo Böcskei zum neuen Bischof von Großwardein teil. Nach den schwierigen Jahren der Seelsorge während des Kommunismus kann man diese dritte Bischofsweihe nach der Wende in der Westregion nach der von Sebastian Kräuter und Martin Roos als besonderes Ereignis für die katholische Kirche hierzulande aber auch für die Donauschwaben und alle Deutschen aus Südosteuropa werten. Und, um mit Martin Bubers Spruch `Alles wirkliche Leben ist Begegnung` zu reden, stand meine Reise wahrlich im Sinne der Begegnung und Einkehr.
Was bringt Sie zu diesen Schlussfolgerungen?
Meine Reise führte mich an unvergessliche und verloren geglaubte Stätten meines Lebens. Ich begegnete ehemaligen Kollegen vom Priesterseminar, das wir gemeinsam von 1955 bis 1961 in schwierigen Zeiten besucht haben. Als gebürtiger Neuarader bin ich meiner alten Heimat verpflichtet. 20 von 47 Jahren war ich als Priester in der Diözese Temeswar, bis zur Auswanderung 1981, tätig. Von Großwardein ging es also nach Pankota, Sanktanna, Maria Radna und abschließend nach Temeswar. Nachdem ich von 1971 bis 1981 Seelsorger in Sanktanna war, machte es mir eine besondere Freude, in meiner alten Pfarrkirche eine Messe zu halten. Mit großer Genugtuung erfuhr ich, dass die Pfarrei 600 Gläubige, davon 90 Rumänen, 86 Ungarn und mehr als 400 Deutsche, zählt. Beeindruckt haben mich die rührigen Lehrerinnen aus Sanktanna. Erziehung und Brauchtumspflege ist da in guten Händen. Es folgte ein Besuch bei Pfarrer Andreas Reinholz in Maria Radna und bei Bischof Roos in Temeswar.
Welches sind die letzten Stationen Ihrer Reise?
Eigentlich begleitete ich dabei auch Dr. Franz Metz auf seiner Vortragsreise zur Vorstellung seines Buches über das Kirchenlied der Donauschwaben. Der erste Vortrag in Budapest war ein Erfolg, in Temeswar präsentierte der Autor, der auch Vizevorsitzender des Gerhardswerks ist, sein Buch vor einem interessierten Publikum im AMG-Saal. Abgerundet wird die Reise mit einem Vortrag in Neusatz/Novi Sad, Serbien.
Es is e herrliches Bild, wann mer uf de Temeschwarer Markplätzer rumstulpert. Leider, is die meischt War for unsereener nor zum Anschaue. Iwerhaupscht, wann die erschti Fechsung, aus de Glasheiser natierlich, ufleit. Do kummt mer nit dran, sich gleich neiji Krumbiere, Erbse oder Erdbeere un Kersche zu kaafe. Mer muss scheen warte, bis des Sach alles bissl billicher git, un aach dernoh is vun Sattesse gar nit die Red. Mer muss froh sin, wann mer sich es Verkoschte leischte kann.
So sin ich in dem Frujohr aach mol gustiere gang. Ich hätt geere e Gemiesesupp an dem Tach gekocht un han angfang zu frooe, was dann alles koschte tät. Natierlich han ich vor lauter Gänsehaut die Preise vun eem zum anre Fratschlweib vergesst, han wieder vun vore angfang zu frooe. Feilsche trau ich mich nit, for was weeß ich nit zu saan, doch es leit mer ewe nit.
Do han ich scheeni Kulrawi gsiehn. Un es Wasser is mer im Maul zammgeloff, wie ich an e guti Supp gedenkt han.Gleich han ich kheert gemacht, wie ich de Preis gheert han, un so vor mich hinstudierend is mer ingfall, dass mei Kling-Ota nie etwas vun Kulrawi-Supp oder -Zuspeis hat wisse wille. Die Oma hat sich aach dernoh gericht un em Ota nie Kulrawe vorgsetzt. Wann se Gusta druf ghat un sich dervun gekocht hat, hat de Ota immer e Extraspeis kriet.
An eem scheene Tach hat die Oma sich entschloss, in ihre Geburtsort Giseladorf zu fahre un ihre Verwandti ufzusuche, die Gräwer herzurichte. De Ota hat bei uns esse misse. Mei Mutti, die wu zwar vun dere Kulrawigschicht gewisst hat, hat trotzdem Zuspeis gemacht un Faschiertes derzu. De Ota is hungricher ausm Garte kumm, hat gschnuppert un behaupt, dass es doch so gut schmecke tut in dere Kich. Er hat sich zwaa Tellre Supp rausgscheppt, dernoh eemol Zuspeis, un gleich nocheemol. Noh war er satt. Kenner am Tisch hat sich gemuckst un was gsaat.
Wie die Oma noh drei Täch hemkumm is, hat de Ota gleich die Schwiegertochter gelobt: "Krischtin, also do kannscht der noch was abschaue! Des Mari hat e Krumberzuspeis uf de Tisch gstellt, so was Gutes han ich noch nit gess!" Die Oma hat nit zruckstehn wille un gleich gfroot, was dann so Bsonderes an dere Zuspeis war. Do hat mei Mutti gement: "Gar nix! Bloss, dass anstatt Krumbiere, Kulrawi drin ware!" (ha)
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IN EIGENER SACHE
1. Die Reportage unserer Kollegin Ana Saliste, „Aus der Kindheit einer Nobelpreisträgerin/ Wie die Bewohner aus Nitzkydorf den Erfolg der Schriftstellerin finden“, erschienen in der BZ Nr. 825vom 14. Oktober 2009 wurde inzwischen von der „Deutschen Presseagentur“ (dpa), von „Bild“ (auszugsweise), von der „Frankfurter Rundschau“ online sowie von „Die Berliner Literaturkritik“ übernommen.
2. Auf ihrem 47. Kongress, am 10. Oktober 2009, in Innsbruck, wählte die European Journalists Association (EJ) unsere Kollegin Raluca Nelepcu (25), Chef vom Dienst der Banater Zeitung, als Generalsekretärin in den Vorstand des von der EU anerkannten Journalistenverbands.
3. Die Reportage "Sie mussten in der Öffentlichkeit schweigen" von Raluca Nelepcu war unter den besten zehn von über 80 Einsendungen und für den n-ost-Reportagepreis nominiert worden.
Herausgeber: Demokratisches Forum der Deutschen im Banat
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