Mittwoch, 7. April 2010

Auferstehungsmesse im Hohen Dom zu Temeswar

Katholiken, Evangelische und Orthodoxe feiern Ostern auch 2011 zusammen

Mit Groß und Klein versammelten sich die römisch-katholischen Gläubigen Samstagnacht am Domplatz, um die Auferstehung Christi zu feiern. Vor dem Hohen Dom zu Temeswar/Timisoara wurde ein Riesenfeuer angezündet – Bischof Martin Roos sprach darüber das Segensgebet. Zur Liturgie, die für 22 Uhr angesetzt war, kamen Katholiken aus ganz Temeswar, die den Dom füllten.

Tausende von Bürgern versammelten sich in der Auferstehungsnacht am Opernplatz zur orthodoxen Messe. Es war in diesem Jahr kein Wunder, dass manch einer zuerst der katholischen Messe und im Anschluss auch der orthodoxen Auferstehungsmesse beiwohnte. Ausnahmsweise fiel der Ostersonntag für Katholiken und Orthodoxe auf denselben Tag (4. April). Auch im nächsten Jahr feiern Protestanten, Katholiken und Orthodoxe das Osterfest am selben Tag – nämlich am 24. April 2011. Sonst klaffen die Termine zwischen dem katholischen Glauben und anderen Religionen teilweise bis zu zwei Wochen auseinander. Grund dafür: Sie richten sich nach unterschiedlichen Kalendern. Die meisten orthodoxen Kirchen orientieren sich am Julianischen, während den Berechnungen der Westkirchen der Gregorianische Kalender zugrunde liegt. Seit Jahren kommen aus Dachorganisationen wie dem Ökumenischen Rat der Kirchen oder aus der römisch-katholischen Kirche Anregungen, sich auf einen gemeinsamen Termin zu einigen, was bisher jedoch nicht umgesetzt wurde.

Osterlich gesinnt war am Wochenende ganz Temeswar. Die Vorbereitungen auf das große Fest begannen Karfreitag: In der Innenstadt wurde der Kreuzweg Jesu´ nachgespielt – die Prozession lockte zahlreiche Neugierige herbei. Ostermontag startete vor der orthodoxen Kathedrale der Marsch der Auferstehung: Geistliche und Anhänger aller Konfessionen beteten zusammen für das Wohl Rumäniens und der Stadt Temeswar. Der Auferstehungsmarsch soll als Modell des friedlichen Zusammenlebens der Minderheiten im Banat betrachtet werden.

Raluca Nelepcu


Der römisch-katholische Bischof Martin Roos zelebrierte die Feier der Auferstehung Jesu´ von den Toten.

Foto: Zoltán Pázmány

„Es ist absolutes Neuland“

Gespräch mit Eleonora Ringler-Pascu


Vor Kurzem ist die Anthologie „Kurzdrama – Minidrama“ von Eleonora Ringler-Pascu im Excelsior Art Verlag Temeswar/Timisoara erschienen. Wie es zur Entstehung der Sammlung gekommen ist und wie das Buch von den Lesern aufgenommen wurde, erzählt die Autorin Eleonora Ringler-Pascu, Lehrerin an der deutschen Hochschulabteilung für Schauspielkunst, der BZ-Redakteurin Raluca Nelepcu in folgendem Interview.



Eleonora Ringler-Pascu: „Die Minidramen sind kurz und leicht zu lesen“.

Foto: Zoltán Pázmány



Wie ist dieses Buch entstanden?

Die Idee ist eigentlich entstanden, als ich die Vorlesung zur österreichischen Gegenwartsdramatik für die Germanistik-Studierenden hielt. Da die langen Dramen nicht so gerne gelesen werden, habe ich experimenteller Weise kürzere Texte zur Interpretation vorgeschlagen. Damit die Prüfungen nicht so langweilig werden, habe ich mir vorgestellt, es wäre vielleicht ein Experiment wert, Minidramen zu schreiben. So kam es dazu, dass ich das mit drei Generationen ausprobiert und zuletzt auch einen theoretischen Teil dazu aufgestellt habe.


Das Projekt liegt jetzt als Buch „Kurzdrama – Minidrama“ vor. Für wen haben Sie es geschrieben?

Zum Einen ist es eine Pflicht gegenüber den ehemaligen Studenten gewesen, die mitgemacht haben: Ich habe ihnen versprochen, dass ihre Texte in einem Buch gesammelt werden. Andererseits für die Leser, die an Minidramen interessiert sind, an diesen experimentellen Formen des dramatischen Textes. Und selbstverständlich für die Schauspielstudenten: Sie interpretieren die Kurzdramen als Übung. Sie haben auch eine CD aufgenommen und dabei haben ich gemerkt, dass es richtig Spaß macht, die Dramen zu interpretieren. Ich hoffe, dass das Buch allen Lesern Freude bereiten wird.


Ab wann ist das Buch im Handel?

Im Handel weniger. Man kann das Buch direkt vom Excelsior Art Verlag in der Augustin-Pacha-Straße Nr. 2 erwerben.


Welches Gefühl haben Sie nun, wenn Sie das Buch in den Händen halten?

Ich bin eigentlich sehr froh. Es ist eine Erfüllung. Die Reaktion derjenigen, die mitgemacht haben, hat mir bestätigt, dass es sehr gut ist, dass diese Literaturart auch in Rumänien bekannt wird.


Wird sie denn bekannt, wenn sie auf Deutsch geschrieben ist?

Ich vermute: schon. Einige Leser haben mich bereits gefragt, ob die Anthologie nicht eventuell auch ins Rumänische übersetzt wird, was ich mir aber schwer vorstelle, weil es sehr viele Wortspiele gibt. Ich glaube, das Buch eignet sich für Lesungen. Und wenn man einige Texte in Lehrbücher aufnimmt, ist das auch angebracht. Die Minidramen sind kurz und leicht zu lesen und die Schüler können auch die theoretischen Voraussetzungen mitbekommen.


Wie war das Feedback seitens der Personen, die das Buch schon gelesen haben?

Das Feedback war positiv, die Leser waren angenehm überrascht, einige weil – außer den Texten – auch ein theoretischer Teil vorhanden ist. Es war ein bisschen schwer, diesen Teil zusammenzustellen, weil es nur wenige Studien zu den Kurz- und Minidramen gibt. Es ist eher ein Genre, das in den deutschsprachigen Ländern oder in den USA - insbesondere als Shortplay oder Shortcut – bekannt ist. Ich bin von den großen dramatischen Theorien ausgegangen und habe versucht, mit dem, was vorhanden ist, neue aufzustellen.


Wurde bisher schon etwas Ähnliches in Rumänien veröffentlicht?

Nein, es ist absolutes Neuland. Es ist eine besondere Freude, wenn man mit etwas Neuem kommt und die Leser und Schauspielstudenten sich daran gewöhnen.




Die Schauspielstudenten der Theaterabteilung in deutscher Sprache führten einige Minidramen auf.

Foto: Raluca Nelepcu

Grundsteuer: Vom Kneipentisch bis in die Leichenhalle

Finanzministerium schlägt neue Liste für die Pauschale vor

Von Siegfried Thiel


Leichtes Schulterzucken. So unschlüssig war der Wirt in der Dorfkneipe schon lange nicht mehr. Seit wenigen Tagen fragt er sich immer das Gleiche: „Mache ich mir meine wenigen Kunden nicht noch mehr abspenstig, wenn ich leicht die Preise anhebe?“. Dabei geht es ihm gar nicht so sehr um mehr Reingewinn: Er will bloß die zusätzliche Grundsteuer eintreiben, die er trimestriell an das Finanzministerium abgeben muss. Lange hatte er gehofft, dass dies nicht eintreten wird und die Steuerpauschale – seit Mai 2009 gültig – komplett gestrichen werde. Rumäniens Premierminister Emil Boc hatte nämlich zu Jahresanfang behauptet, die Pauschalsteuer habe ihre Aufgabe erfüllt und müsse nun ersetzt werden. Dann legte sich das Finanzministerium auf 28 Bereiche fest, die auch in Zukunft der pauschalen Steuerpflicht unterzogen werden. Und dazu gehören Restaurants, Kneipen und Bars, genauso wie Hotels, Reiseveranstalter, Reparaturwerkstätten für Haushalts- und Gartengeräte sowie Cateringfirmen.

Von der noch nicht genehmigten Liste wurde letzten Informationen nach die Reparatur von Computern und Kommunikationsausrüstungen, von Uhren und Schmuckgegenständen sowie der Betrieb von Freizeitparks gestrichen.


Mit Argusaugen auf Gastronomie und Hotels

Am billigsten - zumindest in der Gastronomie - ist es für Dorfkneipen. Da beläuft sich die Grundsteuer für eine Nutzfläche von weniger als 10 Quadratmetern auf 2.000 Lei pro Jahr. Gleichzeitig mit der verwalterischen Rangordnung der jeweiligen Ortschaft und der Nutzfläche wächst dann auch die Steuerlast. Für ein Restaurant, dass zentral gelegen, in einer Großstadt (Munizipium) angesiedelt ist, muss der Inhaber nach neuester Gesetzesvorlage mit einer Steuer zwischen 8.900 – 41.100 Lei rechnen.

Innerhalb weniger Monate hatte Rumäniens Ministerin für Regionalentwicklung und Tourismus, Elena Udrea, die Hotelbranche buchstäblich an den Pranger gestellt. Empört sagte sie Ende vergangenen Jahres: „Im Tourismus begehen alle, oder fast alle, Steuerhinterziehung“. Dies sei nicht nur in kleinen Pensionen der Fall, sondern auch in großen Hotels. Den ganzen Sommer über kämen Meldungen, dass die Schwarzmeerküste komplett belegt ist; nach der Badesaison würde man jedoch erfahren, dass die Auslastung nur 50 Prozent betragen hat und deshalb auch wenige Arbeitnehmer beschäftigt waren. So sah Udrea die damals anstehenden Bilanzen und Erklärungen, die ihrer Meinung nach klare Steuerumgehung nachvollziehen lassen.

Etwa fünf Monate später setzte sie ihren harten Worten noch eines drauf: Im Tourismus bestimme die Steuerhinterziehung einen bedeutenden Teil der Geschäfte. Im ländlichen Tourismus und in der Tourismusgastronomie sei der „Prozentsatz hoch“, sagte die Ministerin und wies darauf hin, dass gelegentlich sogar von 30 Prozent des Umsatzes die Rede ist.


Der Blickwinkel macht´s aus

Zwischen diesen beiden Aussagen, die in der Presse in einem Abstand von etwa fünf Monaten erschienen waren, hatte sich die Ministerin vor die Unternehmer aus dem Tourismus gestellt und angedeutet, dass die Grundsteuer abgeschafft werden müsste.

Hotels und andere Unterkunftseinrichtungen aus dem Tourismus, Restaurants, Bars und Transportunternehmen gehören nun letztendlich der alten, aber auch der neuen Liste von Unternehmen an, die eine Grundsteuer zu entrichten haben, egal, ob die jeweilige Firma Profit schreibt, oder nicht.

Personentransport, Autowaschanlagen, Künstler und Bestatter werden nach neuestem Vorschlag zur Abänderung des Steuergesetzbuches auf der Liste der Firmen stehen, die nach wie vor der Steuerpauschalen unterliegen. „Leichenbestatter?“ fragt erstaunt der Taxifahrer. „Die Finanzbeamten müssen bloß die Verstorbenen durchzählen, dann wissen sie doch, ob alle auch mit Quittung beerdigt wurden“, zeigt er Galgenhumor, dann wendet er sich wieder seinem Lenkrad zu. Er ist Taxifahrer und er könne gar nicht ohne Zähluhr losfahren, sagt er. Schmerzlich für ihn also die Pauschale, vor allem, weil er der Krise wegen, seinen Kilometertarif um nahezu 15 Prozent verringert hat.



Taxis in der Krise: Oft ohne Kunden

Foto: Zoltán Pázmány

Mehr Platz für die fränkische Sprache



Festwochen „Mir redde Platt“ in Saargemünd


Saargemünd (BZ) - Die 12. Auflage des Festivals „Mir redde Platt“ findet zurzeit in Saargemünd/Lothringen/Frankreich ihren Ablauf. An den diesjährigen Festwochen (18. März – 10. April) beteiligen sich Künstler, Musiker, Dichter, Schriftsteller und Mundartforscher. Der 25. März war dem Banat gewidmet, von hier stammende Schwaben, die heute in Deutschland leben oder im Banat verblieben sind, lasen in schwäbischer Mundart (Maria Barac, Helmfried Hockl, Helen Alba), Dr. Annemarie Podlipny-Hehn zeigte die Fotoausstellung „Das Banat im Wandel der Zeit“ und sprach über den Literaturkreis „Stafette“. Austragungsort war die Mediathek der Stadt Saargemünd. Dort ist bis zum Ende des Festivals auch eine Ausstellung über „Die Emigration der Lothringer, Saarländer, Pfälzer und Luxemburger“ zu sehen, die zusammen mit der nationalen Denkmalbehörde Luxemburgs erstellt wurde.

Veranstalter des Festivals ist die Stadt Saargemünd. Man ist davon ausgegangen, dass die fränkische Sprache sehr lebendig, aber auch bedroht ist. Denn das Platt hat als Minderheitensprache sehr wenig Platz im öffentlichen Leben. Das Ziel der Festwochen ist, der fränkischen Sprache mehr Platz einzuräumen, damit diese in ganz Lothringen recht positiv betrachtet werden soll. Hervé Atamaniuk, Kulturbeauftragter der Stadt Saargemünd, hat versucht, das Festival mehr und mehr zu öffnen, andere Minderheitensprachen einzubinden. „Man hat einen Reichtum, das sind die Sprachen und verschiedenen Mundarten. Und es ist wichtig für die Menschen, ob sie jetzt in Frankreich oder sonstwo in der Welt leben, dass diese Sprachen weiter gepflegt werden können. Zugleich haben wir auch versucht, grenzüberschreitend zu arbeiten, mit den Saarländern und Pfälzern, denn die fränkische Sprache endet ja nicht in Lothringen“, so Atamaniuk.

Erstmals war heuer auch das Banat in Lothringen vertreten. Schon ein erster Stadtrundgang macht auf die Festwochen mit Werbeplakaten in Menschengröße aufmerksam: Banat ist als einziges Wort darauf zu lesen. Dazu der Kulturbeauftragte: „Das ist wirklich eine Revolution, weil es ist das erste Mal, dass wir uns um die Diaspora interessiert haben. Wir wussten eigentlich wenig voneinander, manche wussten nur, dass vor ganz langer Zeit Lothringer nach Osteuropa gegangen sind und dass unsere fränkische Sprache auch in dieser Region gesprochen wird. Das war eine Faszination für uns. Nun war Schluss mit der französischen regionalen Minderheit, wir nahmen uns vor: gucken wir mal über die Grenze. Und viele dachten: ja, was kommt nun wohl auf uns zu. Doch wir sind begeistert, sowohl das Publikum als auch die Macher des Festivals. Und ich will hoffen, dass wir auch weiterhin die Kontakte zum Banat aufrechterhalten“.

In ganz Frankreich zerstreut leben noch über 250 000 Lothringer, die die fränkische Sprache sprechen. In Saargemünd wird Platt auf der Straße, in Kaufläden geschwätzt, es gibt eine Radiosendung „Platt redde is gsund“, aber auch das Fernsehen lässt die Mundartsprecher zu Wort kommen.



Am 27. März 2010 wurden in der Mediathek Saargemünd Bücher zum Verkauf ausgestellt. Es waren auch Exemplare der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien/Banater Zeitung zum Mitnehmen ausgelegt. Die Besucher zeigten großes Interesse, stellten Fragen dazu. Die Zeitungen waren schnell vergriffen.

Foto: Privat

„Ich würde heute Politik statt Malerei studieren“


Gespräch mit der Temeswarer Künstlerin Christine Renard


Bereits seit Jahren ist die in Temeswar/Timisoara geborene Künstlerin Christine Renard durch ihre Ausstellungen zum Thema Begastadt beim Temeswarer Publikum beliebt geworden. Als Ausgleich zur Kunst war die „französische Malerin“, wie Christine Renard über sich selbst zu sagen pflegt, auch der Partei „Allianz für Rumänien“ beigetreten. Über Malerei, Kunst und ihr Engagement für Politik sprach die Künstlerin mit BZ-Redakteurin Ana Saliste.


Sie sind im Temescher „Franzosendorf“ Triebswetter/Tomnatic aufgewachsen und behaupten über sich selbst, dass sie „französischer Abstammung“ sind.

Ja, es ist so: Mein Vater war Deutscher und wurde nach Russland verschleppt. Meine Mutter war aber französischer Abstammung und entkam somit der Deportation. Als der zweite Weltkrieg ausbrach, haben mich die Eltern aufs Land, nach Triebswetter, zu meinen Großeltern geschickt und dort habe ich drei Jahre lang eine französische Schule besucht, die letztendlich 1947 aufgelöst wurde. Meine Großeltern wurden dann auch in die B²r²gan-Steppe verschleppt. In Erinnerung an meinem Großvater, der die Franzosen sehr bewunderte, sage ich immer, dass ich Franzosin bin. (lächelt)

Wie sind sie dazu gekommen, Symbolplätze aus Temeswar in ihren Bildern festzuhalten?

Ich mag es, hauptsächlich Landschaften zu malen. Eine damalige Freundin von mir, Monica [tirbu, die derzeit Generalkonsul in Sevilla ist, hat nach der Revolution eine Kunstgalerie am Opernplatz eröffnet. Ab 1990 kamen viele Touristen nach Temeswar. Die Stadt war ja durch den Ausbruch der Revolution berühmt geworden. Monica [tirbu hat mich dazu überredet, Malereien zum Thema Begastadt zu schaffen. Dabei musste ich auch meine Arbeitstechnik ändern: Ich hatte früher bei Aquarellen die sogenannte Nass in Nass Technik verwendet. Für die Nass in Nass Malerei wird beim Aquarell zunächst die Fläche, die bemalt werden soll, mit einem Schwamm oder Pinsel angefeuchtet. Da muss man in 20 Minuten das Bild malen, sonst trocknet es aus. Bei meinen jetzigen Malereien, braucht man aber längere Zeit. Ich habe somit mit der trockenen Aquarelltechnik angefangen. Die Bilder ähneln irgendwie den Architekturzeichnungen.


Zu ihren großen Leidenschaften zählt aber nicht nur die Malerei, sondern auch das Theater.

Ja, ich wollte schon immer Regie oder Bühnenbild studieren, ich bin aber nicht mehr dazu gekommen. Ich habe für einige Zeit auch als Impressarin beim Temeswarer Nationaltheater gearbeitet, damals hieß es „kultureller Instruktor“. Ich fand den Job sehr schön, da ich die Chance hatte, viele Schauspieler kennenzulernen. Später, als ich als Klubleiterin bei Electromotor arbeitete, habe ich dort eine Theatergruppe der Arbeiter gegründet. Ich habe einige Schauspieler vom Nationaltheater dazu überredet, die Gruppe zu koordinieren. So kam ich dazu, mit Vladimir Jurascu, Mircea Bellu und anderen Künstlern zusammenzuarbeiten.


Wie haben Sie sich entschlossen, der damaligen politischen Partei „Allianz für Rumänien“ beizutreten?

Die Politik war für mich wie ein Ausgleich für die Kunst. Ich bin ein aktiver Mensch und mag die Hektik. Wäre ich noch einmal 20 Jahre alt, so wäre ich heute einem politischen Studium nachgegangen. Ich glaube, man kann als Politiker etwas ändern, wenn man ein ausgeglichener Mensch ist, der auch die Niederlagen akzeptiert. Du musst Fairness haben. Die Sportler geben ja auch nicht gleich auf, wenn sie die Goldmedaille nicht gewinnen.

„Auch der König isst mein Brot“


Roland Bernardin aus Pankota ist ein Nahrungsmittelversorger/

Von Werner Kremm


Um in sein wirklich bescheidenes Büro in einem Hinterzimmer seines Lebensmittelgeschäfts im Zentrum von Pankota zu gelangen, muss man erst den Schutzwall der Verkäuferinnen überwinden. Vorarbeit leistete Horst Martin, der Direktor der Banater Stiftung für Internationale Kooperation BSIK „Banatia“, so waren wir angemeldet. Der Stuhl am Schreibtisch blieb dann aber trotzdem leer, denn Roland Bernardin (49) zog es vor, während unseres Besuchs an einen Heizkörper belehnt stehen zu bleiben. Ob er dadurch zu verstehen geben wollte, dass er nicht übertrieben viel Zeit hatte?

Egal. Über Handel beispielsweise, das 60-Prozent-Standbein seines Unternehmens, vermied Bernardin sichtlich die Herausgabe von allzuvielen Details, ging aber dafür gern in Einzelheiten bezüglich seiner beiden Großbäckereien ein. Zu ihm brachte mich Horst Martin, weil Bernardin das Projekt Nr.1000 der Banater Stiftung für Internationale Kooperation ist, also in zweifacher Hinsicht vorzeigbar.

Bernardin macht kein Hehl daraus, dass er zu Beginn der 90er Jahre sein erstes Geld als Geldwechsler verdient hat. Schließlich ist der biblische Beruf seit über zweitausend Jahren konsekriert. 1993 ging er von der Überlegung aus, dass jeder „täglich Brot“ ißt – und richtete eine Bäckerei ein. Dazu kaufte er eine Farm, in der Hoffnung, sich sein Mehl selber auf den über 100 Hektar Ackerland erzeugen zu können. Die Rechnung mit der Bäckerei ging auf und heute erzeugt er sommersüber in Pankota und S²vâr{in („Der König isst mein Brot!“) rund 40 Tonnen Brot pro Woche. Daraus ist ersichtlich, dass die Rechnung mit der Farm nicht aufging: sie deckt nur 5 Prozent seines Mehlbedarfs. Folglich hat er die Farm ab diesem Jahr verpachtet. Mehl bezieht er aus Großwardein, Zal²u, aus der Arader Gegend. „Ideal wäre natürlich eine eigene Mühle, aber das ist ein zu teures Problem“, hat sich Bernardin überlegt. „Rentabler scheint mir, Geld zu sparen und im kommenden Jahr hier in Pankota ein Großkaufhaus zu bauen. Dazu muss ich 500.000 Euro sparen. Bankenanleihen schließe ich aus, das ist zu unsicher.“ Roland Bernardin ist jetzt schon der größte Großeinkäufer bei Metro, denn 60 Prozent seines Umsatzes kommt aus dem Geschäft mit Lebensmitteln. Wie gesagt: darüber vermied er es, Details herauszurücken.

Andrerseits: seit Jahren geht der Brotverbrauch zurück: „Schuld daran ist einerseits die `Gesundheitswerbung` in den Medien. Angeblich kann man nur schlank sein, wenn man wenig Brot isst. Das sehe ich im steigenden Absatz von Maismehl in meinem Geschäft. In etwa dem selben Prozentsatz, wie der Brotverkauf zurückgeht, steigt der Maismehlkonsum. Eine nachdenkenswerte Entwicklung. Zumal hierzulande immer noch Weißbrot das Lieblingsbrot (80 Prozent des Absatzes) ist und unsere Alternativbrote (Vollkorn- oder Mischmehlbrote) schwer angenommen werden. Dafür tut sich eine Chance auf bei Feinbäckerei-Produkten. Wozu man gut ausgebildete Bäcker braucht. Parallel ist die Eröffnung neuer Absatzgebiete für Brot, manchmal mit Brutalität, versperrt.“



Roland Bernardin vor einer Ladung frischgebackener Brote



Roland Bernardin baut 2011 das erste Groß-Handelskaufhaus in Pankota.

Fotos: wk

Banater Ware im Mittelpunkt

Vizebürgermeister will schmackhafte Tomaten

Lokalerzeugnisse sollen in Zukunft stärker gefördert werden. Dies jedenfalls verkündet der Vizebürgermeister der Stadt Temeswar/Timi{oara, Adrian Orza. Zu diesem Zweck wird in nächster Zukunft ein Treffen mit hiesigen Produzenten, Verantwortlichen aus der Direktion für Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit, mit Supermarktbetreibern und Verantwortlichen der Märkte aus der Stadt stattfinden.



Kurz vor dem Osterfest: Großer Andrang am Josefstädter Markt

Foto: Zoltán Pázmány

Orza meint, er hätte bereits von den Betreibern der Märkte verlangt, die Lokalbauern mehr zu unterstützen. Dies will er auch von den Betreibern der Supermärkte. Der Vize hat infolge einiger Gespräche, die er geführt hat, gemerkt, dass sich in dieser Hinsicht die Betreiber der Supermärkte kooperativ zeigen. „Es ist unerhört, dass typisch rumänische Produkte aus dem Ausland gebracht werden“, so Orza.

Auf den Ständen der Temeswarer Märkte kann man heutzutage fast alles kaufen, was man kaufen will. Schöne rote Tomaten, Gurken und sonstiges sind in jeder Jahreszeit zu finden. Das große Manko besteht in Sachen Geschmack.

Ein Beispiel dafür, wie schlecht die Lokalerzeuger ihre Produkte verkaufen, ist in unmittelbarer Nähe von Temeswar zu finden. In der Ortschaft Rekasch/Reca{, die für ihre Weine und Traubenproduktion landesweit einen hohen Bekanntschaftsgrad erreicht hat, sind die Trauben, die am Straßenrand verkauft werden, nicht aus dem eigenen Anbau, sondern aus Italien oder aus der Türkei importiert. Und dies nicht im Dezember oder April – da wäre es verständlich – sondern mitten in der Hochsaison, bei der Weinlese.

Im Prinzip ist die Idee der Förderung autochthoner Produkte eigentlich eine gute Idee. Was jedoch zur selben Zeit geändert werden müsste, sind die „Macken“ der Produzenten. Besser gesagt, der Mittelsmänner, die seit Jahren eine regelrechte Märktemafia betreiben: Sie kaufen den Bauern die Ware ab und verkaufen sie weiter zu erhöhten Preisen. Ein anderes Phänomen ist die jährliche Erhöhung der Preise beim Anrücken verschiedener Feste, sei es Ostern oder Weihnachten. Ein einfaches Beispiel: Zwei Tage vor dem Osterfest kostete ein Bündel (und wenn man „Bündel“ sagt, ist es reichlich übertrieben, da nicht mehr als vier Blättchen aneinander gebunden waren) Liebstöckel, fünf Lei.

Olivian Ieremiciu

Photovoltaik-Park bei Criciova

Mit EU-Fonds: Gratis-Strom für den Haushalt

Von Raluca Nelepcu

Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen, trotzdem weiß Bürgermeister Petru Rosoca ganz genau, was er für die Gemeinde, die er verwaltet, tun möchte: EU-Fonds will er heranziehen, um einen Photovoltaik-Park in Criciova einrichten zu lassen und dadurch den Bürgern den im Haushalt notwendigen elektrischen Strom kostenlos zu sichern. Auf die Idee, die Sonnenenergie in elektrische Energie mittels Solarzellen umzuwandeln, kam Petru Rosoca infolge einer Diskussion mit einem Freund aus Mannheim, der bei der Firma ABB, einem führenden Unternehmen im Bereich Energie- und Automationstechnik, tätig ist. „Wir sind eine gesegnete Gemeinde“, sagt der Bürgermeister. Damit meint er die günstige Lage der Gemeinde im Temesch-Tal, umgeben von Hügeln, wo das Sonnenlicht gut genutzt werden kann.

Der Photovoltaik-Park wird sich auf einer 2,5 Hektar großen Fläche erstrecken. Die Investition im Wert von vier bis sechs Millionen Euro wird zu 98 Prozent von der EU getragen und zu zwei Prozent von der Gemeinde mitfinanziert. Die Investition wurde vom Bürgermeisteramt Criciova zusammen mit dem Temescher Kreisrat und zweier Unternehmen, aus Deutschland und Spanien, initiiert. Der Temescher Kreisrat hat 100.000 Lei für die Machbarkeitsstudie genehmigt, so dass erste Schritte in diese Richtung getan werden können. Der Photovoltaik-Park könnte der 1700-Einwohner-Gemeinde die elektrische Energie kostenlos sichern. Die Einrichtung wird ein Megawatt Strom pro Stunde produzieren und an das Netzwerk des rumänischen Stromanbieters Enel angeschlossen sein. Falls die produzierte Energie unzureichend ist, wird die Differenz an Enel gezahlt.

Die Gemeinde Criciova liegt im Südosten der Temescher Stadt Lugosch/Lugoj, an der Straße in Richtung Nadrag. Sie umfasst drei Ortschaften: Criciova, Ciresu und Jdioara. Petru Rosoca verwaltet erst seit dem 21. März dieses Jahres die Gemeinde. Sein Vorgänger, Ioan Viorel Petrovici, wurde Ende 2009 gezwungen, sein Amt niederzulegen, und zu zwei Jahren Haft wegen Dienstmissbrauchs verurteilt.