
Mittwoch, 15. April 2009
Die Spieler von Chisinau
Als man 1991 in der Moldaurepublik die Unabhängigkeit ausrief, wurde das primär als eine Abgrenzung zu Moskau verstanden, brachte aber auch die Neueröffnung der rumänischen Frage, also der Frage der Zugehörigkeit, mit ins Spiel.
Das dörflich geprägte Land ist in der Identitätsfrage mehrfach gespalten. Der Bevölkerungsteil ethnisch rumänischer Herkunft stellt zwar mit über 60 Prozent eine Mehrheit gegen Russen und Russifizierte oder sowjetifizierte Exoten, wie die Gagausen, ist aber in seinem Selbstverständnis uneins. Während die urbane Bevölkerung, und vor allem ihre intellektuelle Speerspitze, sich als Rumänen verstehen und folgerichtig die Vereinigung mit Rumänien anstreben, sind die ländlichen Gruppen in ihrem Selbstverständnis Moldauer geblieben, also weder russifiziert, noch Rumänen geworden, sondern, und das gewissermaßen als virtuelle Untertanen des alten Fürstentums, Inhaber einer potentiellen Eigenständigkeit.
Um die Frage der Eigenständigkeit kommt keiner herum. Weder die postkommunistische Mafia, die das Land regiert, noch die kulturgetriebenen prorumänischen Nationalisten, mit ihrem Hang dazu, sich nicht vom Wählerverhalten, sondern vom historischen Schicksal in die Opposition verbannt zu sehen.
So müssen die Mafiosi ständig ihre Trennung von Moskau demonstrieren, während die Nationalisten im Verdacht stehen, den Ausverkauf an Rumänien zu betreiben. Zentral für diese Stimmung und Stimmungsmache ist nach wie vor die Rolle, die der inkompetente und korrupte rumänische Verwaltungsapparat der Zwischenkriegszeit im kollektiven Gedächtnis der Bessarabier spielt.
In Rumänien selbst ist die Moldaurepublik ein Topos der öffentlichen Debatten, mehr aber auch nicht. Die Nation weiß, was eine Vereinigung an Kosten aufhäufen würde. Rumänien kann sich aber auch nicht ganz der Verantwortung entziehen, zumal die Gesetzgebung Sonderkonditionen für die Brüder und Schwestern jenseits des Pruth vorsieht. So konnten zahlreiche Moldauer nach der Wende die rumänische Staatsangehörigkeit erwerben. Sie ist die letzte Karte der Schicksals-Oppositionellen in Chisinau. Wenn gar nichts mehr gehen sollte, ziehen sie nach Bukarest um.
Russland übt, als großer Strippenzieher, in der Moldaufrage einen höchst ambivalenten Einfluss aus. Da es die Problematik nicht beherrscht, unterstützt es sowohl die Politmafia in Chisinau als auch deren Widersacher im abgespaltenen Transnistrien. Es verfolgt eine Strategie der regionalen Destabilisierung, um zu verhindern, dass der gesamte Großraum, bestehend aus Weißrussland, Ukraine, Moldaurepublik und Kaukasus, sich, durch eine Neuordnung, der Moskauer Hegemonie auf Dauer entziehen kann. Diese Strategie aber macht die Betroffenen abwechselnd zum Spieler und zum Spielball.
Richard Wagner
Jagd auf Parksünder
Fahrer beklagen sich: Keine Parkplätze
Eine der Methoden, Falschparker zu bestrafen
Foto: Zoltán Pázmány
Über 1.000 Autofahrer wurden in Temeswar, seit Anfang des Jahres, wegen Falschparken mit Geldbußen bestraft. Die meisten Vergehen, die von der Polizei registriert wurden, betreffen Parken auf Plätzen, die für Behinderte vorgesehen sind, auf dem Gehsteig, in Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel oder sogar auf dem Zebrastreifen. Die Autofahrer, die das Gesetz übertreten, werden mit sechs bis acht Punkten bestraft. Ein Punkt beträgt 60 Lei.
Laut Polizei ist die effizienteste Methode, mit der die Parksünder bestraft werden können, entweder die Blockierung der Räder oder das Abschleppen der Wagen. Die Methode der Räderblockierung ist jedoch nur dann möglich, wenn das Auto nicht an einer Stelle geparkt ist, an der der Straßenverkehr behindert wird. In Zukunft sollen noch mehr Falschparker bestraft werden.
In Temeswar sind zurzeit ungefähr 180.000 Autos registriert. Dafür gibt es jedoch lediglich 20.000 Parkplätze, die den Autofahrern zur Verfügung stehen.
Der neueste Fall des Falschparkens, der in Temeswar einen Riesenwirbel verursachte, ist die „Sprayattacke“ eines Kommunalpolizisten auf Kommunalrat Cristian Anton (die ADZ berichtete). Dieser hatte auf der Simion- Barnutiu Straße an unerlaubter Stelle geparkt. Er wollte eine Torte von der Konditorei abholen, da seine Tochter Geburtstag feierte. Bei seiner Rückkehr war der Abschleppdienst der Verwaltung der öffentlichen Domäne (ADP), in Begleitung eines Kommunalpolizisten, gerade dabei, sein Auto abzuschleppen. Der Kommunalrat hat sein Vergehen eingesehen und wollte die Strafe an Ort und Stelle bezahlen. Dies ist jedoch nicht erlaubt. Da er in der Zwischenzeit den Kuchen im Wagen abgestellt hatte, wollte er wenigstens diesen aus seinem Auto holen. Als er sich dem Wagen näherte, griff der Kommunalpolizist Anton mit seinem einen Pfefferspray an. Das Auto wurde samt Torte abgeschleppt.
Pflaumenklößchen, als Symbol der Heimat
Gespräch mit dem Schriftsteller Catalin Dorian Florescu
Als Schweizer fühlt er sich überhaupt nicht, denn er ist „weder Fisch noch Fleisch“, wie der Schriftsteller Catalin Dorian Florescu über sich selbst zu sagen pflegt. Dabei hat er eine eigene Formulierung über seine Herkunft: Er ist ein in Rumänien geborener und in Zürich lebender deutschschreibender Autor. Seine Romane „Die Wunderzeit“, „Der kurze Weg nach Hause“, „Der blinde Masseur“ und „Zaira“ wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und in mehreren Sprachen übersetzt.
Der seit seinem 15. Lebensjahr in der Schweiz lebende Schriftsteller Catalin Dorian Florescu hat sich in seinen Romanen mit dem Exil und seinem weit reichenden Einfluss auf die Identität des Menschen befasst und das kommunistische Regime mit den Augen eines Kindes wiedergeben. Da sich der Erfolg seines ersten Romans früh einstellte, hatte der Psychologieabsolvent die Möglichkeit, als freier Schriftsteller zu arbeiten. Über die lang erhaltene Liebe zu seiner Heimat, über Literatur und Schaffen und über seine gemischte Identität sprach BZ-Redakteurin Ana Saliste mit dem 41-jährigen Autor.
Sie sagen, Sie sind ein in Rumänien geborener und in Zürich lebender deutschschreibender Autor. Fühlen Sie sich mehr als Deutscher, Schweizer oder Rumäne?
Ich bin so zusagen ein urbaner Mensch. Ich kann mich nur noch auf Zürich beziehen. Als Schweizer fühle ich mich überhaupt nicht. Die schweizerischen Dörfer und das Gebirge sind nicht meine Heimat, weil ich dort nicht aufgewachsen bin. Ich kann auch nicht ganz Rumänien als meine Heimat bezeichnen, sondern nur Temeswar. Ich bin ein Mensch der Ebene, des Flachlandes, nicht des Gebirges. Meine Heimat bestand nur noch aus dem Fahrradweg, der Gegend um den Temeswarer Hauptbahnhof, wo ich wohnte usw. Ein Kind ist keine politische Person und ist sich somit der politischen und sozialen Lage seines Landes nicht bewusst. Sein „Zuhause“ ist der Weg zur Schule, sein Spielplatz, so viel.
Die Gestalten wachsen von einem Buch zum anderen. Im ersten Roman ist es ein Kind, in „Der kurze Weg nach Hause“ ist die Rede von zwei Jugendlichen, der blinde Masseur ist 40 Jahre alt und Zaira an die 80. Was folgt?
Bis jetzt habe ich meinen Lebensweg irgendwie durch Gestalten wiederholt, Gestalten die mehr oder weniger fiktiv sind. Der letzte Roman „Zaira“ ist das erste Buch, das nichts mehr mit mir zu tun hat. Die Tatsache, dass hier eine Frau im Mittelpunkt steht, ist schon eine genaue Markierung dieser Wende. Erst nach drei Büchern habe ich diese Trennung geschafft. Jetzt beginne ich eigentlich mir Geschichten auszudenken, ohne auf biographische Elemente zurückzugreifen.
Wie haben Sie sich mit 15 in Zürich angepasst?
Es war cool für mich als Jugendlicher. Ich schrieb lange Briefe an meine Freunde in Rumänien, um ihnen alles was ich erlebte mitzuteilen. Ich habe damals nicht viel gelitten, obwohl ich auch in ein Mädchen verliebt war, als ich wegging. Es hat ein halbes Jahr auf mich gewartet und meinen Platz in der Klasse frei gehalten. Wir haben aber den Kontakt erst nach 10 Jahren wieder aufgenommen. Seitdem sind wir gute Freunde.
Wann haben Sie das letzte Mal Pflaumenklößchen gegessen? Alin, die Hauptgestalt des Romans „Die Wunderzeit“, isst sie immer wieder bei seiner Großmutter.
Oh, seit sehr langer Zeit nicht mehr. Meine Mutter kann sie leider nicht zubereiten und ich auch nicht. Pflaumenklößchen waren für mich, und sind noch immer, das bedeutendste Symbol meiner rumänischen Heimat.
Wie schwer ist es, aus der Sicht eines Kindes über das kommunistische Regime zu schreiben?
Überhaupt nicht schwer, weil ich das vielleicht am besten machen kann. Mein Drama ist in der Stimmung des Buches enthalten. Ein Kind kann keine drastischen Wörter aussprechen, weil er deren Bedeutung nicht kennt. Das war mein Pluspunkt, mein Joker so zu sagen: Die Welt der Kindheit im kommunistischen Regime zu wiedergeben. Ich bin mit 15 aus Rumänien geflohen; ich war berechtigt, aus der Sicht eines Jugendlichen zu schreiben. In wie weit meine Romane autobiographisch sind, kann ich nicht sagen. Alles ist Autobiographie und alles ist Lüge gleichzeitig. Es ist meine Sicht über mein eigenes Leben.
Das letzte Buch „Zaira“ erzählt das Schicksal einer Temeswarer Puppenspielerin, die 30 Jahre in Amerika gelebt hat und danach nach Rumänien zurückgekehrt ist. Wie schwer war die Dokumentation dieses Buches?
Das Schicksal von Zaira habe ich von ihr selbst erfahren. Wir saßen auf einer Terrasse und sie hat mir ihr ganzes Leben erzählt. Es ist so spektakulär, dass ich nicht viel hinzufügen musste. Zairas Leben teilte sich zwischen Rumänien und Washington. Um über Washington zu schreiben, musste ich die Couleur der Stadt kennen, deswegen habe ich 10 Tage Washington besucht. Es ist eine Stadt der Staatsbeamten mit niedrigen Gebäuden und vielen Parks. Ich musste das herausfinden, um zu wissen, wo sich die Handlung abspielt. Ich habe auch ein paar Bücher über Washington gelesen. Romane können nicht auf Grund von Behauptungen entstehen.
Wir danken für das Gespräch.
Arbeit mit hilfsbedürftigen Kindern
Chris Seiferth sammelt Erfahrung in Rumänien
Deutsche Studenten, die ihr Praktikum in Deutschland machen, sind wohl kaum etwas Außergewöhnliches. Doch wenn sich ein Jugendlicher aus dem einen oder anderen Grund für ein Auslandspraktikum entscheidet. So wie Chris Seiferth: Er ist der erste Student aus Jena, der im vierten Semester sein 20-wöchiges Praktikum an der Schule für geistig behinderte Kinder „Alexandru Rosca“ in Lugosch/Lugoj absolviert.
Chris Seifert - ein deutscher Praktikant in Lugosch
Foto: Oliver Zsilko
„Nachdem ich bis zum vierten Semester mein siebenwöchiges Praktikum zwischen Berlin und Jena verteilt habe, wollte ich mein viertes Praxissemester im Ausland - irgendwo weit weg von Jena - machen. Weil mir aber dafür Portugal zu nah und Rio de Janeiro viel zu weit vorgekommen sind, habe ich mich für Lugosch entschieden“, sagt Chris Seiferth, der soziale Arbeit an der Fachhochschule Jena studiert.
Der 21-Jährige war im April 2008 zum ersten Mal in Rumänien. Damals hatte er zusammen mit Cornelia Bartlau, Leiterin des Zentrums für Freiwilligendienst „Eurowerkstatt Jena“, zwei Tage lang mehrere Sozialeinrichtungen in Lugosch besucht. Weil ihm das Land bis dahin unbekannt war, hatte er es sich ärmer vorgestellt. Er musste überrascht feststellen, wie viele soziale Einrichtungen es in so einer kleinen Stadt gibt. Dass es in Lugosch überhaupt Deutsche gibt und dass der eine Stadtteil als ehemaliger deutscher anerkannt wird, musste er vom Physiklehrer Gert Richter erfahren.
„Die Häuser hier erinnern mich - von der Architektur her – an Jena“, so Seiferth. Er ist der Meinung, dass die kleinen Straßen einen südländischen Fler haben. Daher geht er ganz offen damit um, dass in Rumänien nicht alles so strikt organisiert und sauber ist wie in Deutschland. Er ist dabei, Rumänisch zu lernen. Dass er sich meist nur auf Englisch und Deutsch mit den Menschen verständigen kann, schüchtert ihn kaum ein. Dadurch, dass viele Rumänen ihm erzählt haben, dass sie erst nach einem zweijährigen Deutschlandaufenthalt die Sprache konnten, regt ihn weiter an, Rumänisch zu lernen. Der Jugendliche meint, dass die Bürger der kleinen Stadt sehr offen und hilfsbereit ihm gegenüber sind. Dabei vergleicht er diese immer wieder diese mit den Leuten aus seinem Heimatland: „In Jena sind die Menschen grimmig“, sagt der Praktikant. Chris Seiferth erzählt, dass er sowohl in Jena auch als in Berlin mit den Menschen meistens nur während seiner Arbeitszeit Kontakt hatte.
Dass es hier nicht der Fall ist, macht ihm richtig Freude. Ebenso wie die Multikulturalität, die ihn neugierig auf die Sitten und Gebräuche der Einwohner macht. Über die Judenkultur und vor allem die der Romas möchte er mehr erfahren, da ihm die Vorurteile der Rumänen den Letzteren gegenüber schon bekannt sind. „An der Schule, wo ich mein Praktikum mache, gibt es zwei Roma-Kinder, die aber ganz normal sind“, sagt er.
Chris Seiferth hat sein Praktikum Anfang März begonnen und wird es bis Ende August fortsetzen. Weil er in seiner Kindheit sehr wenig gereist ist, möchte je mehr Kulturen kennenlernen. Sein größter Wunsch ist, einmal nach Afrika zu reisen.
Achillesfersen: Müll und marode Straßen
Der Temescher Kreishaushalt: Kein Leu für Temeswar, Gelder für Taubenabwehr
Eine Verlegenheitslösung: Hier die provisorische Müllablagerung am Stadtrand in Richtung Schag
Foto: Zoltán Pázmány
bw. Temeswar - Obwohl dem kürzlich vom Temescher Kreisrat abgesegneten Haushalt 2009 um nahezu 200 Millionen Lei mehr als im Vorjahr zur Verfügung stehen, wurde entschieden angekündigt, dass der Kreishauptstadt Temeswar davon kein Leu zukommen soll. Wenn man den enormen Nachholbedarf in fast allen ländlichen Zonen des Kreises, vor allem im ärmeren Nordosten, in Betracht zieht, geht eine solche Haushaltspolitik schon in Ordnung. Unter den Bedingungen eines Krisenjahrs beträgt das Budget nahezu 850 Millionen Lei bzw. 72 Millionen Euro. Der Eigenhaushalt kommt auf 310 Millionen Lei, hinzu kommt noch ein Kredit in Höhe von 100 Millionen Lei für die Mitfinanzierung der Kreisprojekte. Wie erwartet, steht die Höchstzuteilung heuer mit 21 Millionen Lei der Mülldeponie in Giseladorf/ Ghizela, ein Problem, das allen auf den Fingern brennt, zu. Eine zweite Achillesferse stellt der schon Jahre lang deplorable Zustand der Kreis- und Gemeindestraßen dar: Für die Arbeiten an den Straßen Busiasch-Lugosch, Perjamosch-Großsanktnikolaus und an der Busiascher Ringstraße, die eigentlich aus EU-Geldern finanziert werden, wurden demnach weitere 20 Millionen Lei bis zur Freigabe der Strukturgelder vorgesehen.
Ein anderer Budgetfixpunkt : 35 Millionen Lei sind für Sozialfürsorge und Kinderschutz geplant. Dem Gesundheitswesen jedoch kommen nur 4,6 Millionen Lei zugute. Der größte Teil dieser Summe bzw. 4,5 Millionen Lei wird für Sanierungsarbeiten sowie für Einrichtungen im Temeswarer Kreiskrankenhaus und in den Wohnungen der Jungärzte zugeteilt. 200.000 Lei sollen für die dringenden Reparaturarbeiten an der Geburtsklinik Bega bereitgestellt werden. Kaum verständlich ist, dass für die Reparatur der großteils vernachlässigten Dorfambulatorien und Spitäler der Kleinstädte keinerlei Mittel freigemacht werden.
Dafür jedoch leisten sich die Kreisräte heuer allerhand Luxusausgaben: Für eine Miete von über 5000 Euro leistet sich der Kreis eine eigene Nobelvertretung in Brüssel. Zusätzliche 7,5 Millionen Lei verschlingen die Arbeiten am Verwaltungspalais. Für 200.000 Lei wurde ein teures elektronisches System (GIS) für die Überwachung der gesamten Tätigkeit auf Kreisebene, besonders des Immobiliensektors, angeschafft. Halb im Spaß, halb im Ernst: Damit soll nun auch allen Bürgermeistern per Satelitt auf die Fingern geschaut werden können. Das Gute daran: Bei Überschwemmungsgefahr wird das System auch der Bevölkerung etwas nützen. Das Tüpfelchen auf dem I: Für 25.000 Lei erhält der Kreisratssitz ein Schutzsystem gegen ... Vögel bzw. Tauben und die Kreisräte optimale Arbeitsbedingungen während den hitzigen Debatten in den Kommissionen. Zwei richtige, traditionelle Vogelscheuchen aus Giulvaz auf dem Dach des Verwaltungspalais hätten wohl den zahlreichen Antennen kaum geschadet und sicher bessere Arbeit geleistet.
Ein Ja für weitere Investitionen
Arader Stadthaushalt: 42 Prozent für Investitionen, Kleingeld für Kultur
Etwas größer als im Vorjahr fiel der Stadthaushalt aus, den der Arader Stadtrat für die Hauptstadt des Kreises Arad abgesegnet hat: Mit über 530 Millionen Lei insgesamt liegt das Jahresbudget um 33 Millionen Lei höher als 2008. Obwohl die Stadtverwaltung unter PDL-Bürgermeister Gheorghe Falca sich allgemein optimistisch gibt, müsste man die gesamte Situation realistischer sehen bzw. von einem Krisenhaushalt sprechen: Erstens zehrt die Abwertung des Leu wie überall im Land stark an dieser Summe. Zweitens hat die Stadt Arad nolens volens in einem Krisenjahr wegen den in Vorjahren aufgenommenen Großkrediten zudem schwere Hürden zu meistern bzw. hohe Zinsen zu begleichen.
Die Großbaustelle zur Modernisierung des Stadtverkehrs von Arad
Foto: Zoltán Pázmány
Als positiv wird bewertet, dass man heuer mehr Gelder vom Staatshaushalt erhalten wird, man würde 2009 gar eine Steigerung von 20 Prozent erwarten. Davon ausgehend möchte die Stadtverwaltung trotz der Schwierigkeiten riskieren, den vorjährigen Invest-Aufwärtstrend beibehalten bzw. heuer beachtliche 43 Prozent der Ressourcen für Investitionen vorsehen (In der Zeitspanne 2004-2006 waren es noch lediglich 13-35 Prozent). Genauso dynamisch soll die Steigerung auch im Bereich der Mittel für Infrastrukturarbeiten aussehen: Gegenüber 5,5 Millionen Lei im Jahr 2004 sollen 2009 41, 4 Millionen Lei für Reparatur- und Modernisierung der Stadtstraßen bereitgestellt werden.
Es ist wohl positiv, dass dem Stadthaushalt aus den Krediten von BERD, BIRD und DEXIA in diesem Jahr 160 Millionen Lei zur Verfügung stehen. Ohne diese Mittel würden die schon gestarteten Arbeiten zur Modernisierung der Straßeninfrastruktur, des öffentlichen Transports (Zurzeit gibt es in Arad Großbaustellen in der Innenstadt bis in die Randviertel Gai, Bujac und Kleinsanktnikolaus) starke Verspätungen ertragen müssen. Die Kehrseite der Sache sieht so aus: Die Stadt Arad hat 2009 insgesamt 10 Millionen Lei zurückzuzahlen, hinzukommen noch über 11 Millionen Lei Zinsen! Im Vorjahr bestand diese schwere Bürde für die Stadt nur aus 4,2 Mio Lei.
Am Stadthaushalt zehren wie üblich Auslagen, die scheinbar nicht zu umgehen sind: Es sind dies die hohen Subventionen für den öffentlichen Transport (6,6 Millionen Lei), für die Heizung der Arader Bevölkerung (10 Millionen). Ein weiteres Beispiel: Obwohl man ernsthafte Einsparungen in Sachen Personalkosten angekündigt hat, hat die Verwaltung dafür eine Riesensumme bzw. 127 Millionen Lei vorgesehen. Wie gewöhnlich, fielen da mit 20 Millionen Lei die Zuteilungen für Kultur, Kultuswesen oder Sozialfürsorge recht mager aus. Dem „Ioan Slavici“-Theater kommen z.B. drei Mio, dem Puppentheater 1,4, der Staatsphilharmonie 4,6, dem Kulturhaus 1,7 Mio Lei zu.
3,8 Mio Lei werden heuer für Pflege, Reinigung und die Neuanpflanzungen in den städtischen Grünanlagen, die zwei Arader Firmen obliegen, zugeteilt. Übrigens stehen den 162.000 Einwohnern der Maroschstadt 982.000 Quadratmeter Grünflächen, mit sechs Quadratmeter pro Kopf weit unter der EU-Norm, zur Verfügung. Für die Pflege der Freizeitanlagen u.a. 63 Spielplätze und 22 Sportplätze soll im Laufe dieses Jahres eine halbe Million Lei bereitgestellt werden. Die Anlegung neuer Kinderspielplätze lässt sich die Stadtverwaltung zusätzlich 300.000 Lei kosten.
Balthasar Waitz
Neue Preise im Neptun-Freibad
Arad (BZ) - Ab diesem Sommer werden die Besucher des Neptun-Freibads in Arad mehr Geld aus der Tasche ziehen müssen. Besucher haben für den Eintritt separat zu bezahlen: Der eine Teil ist die Zone für Bars, Klubs und Restaurants mit einem Eintrittspreis von 2, 5 Lei pro Person und der andere Teil ist die Zone mit den Schwimmbecken. Diese letzte Zone wurde bereits im vergangenen Jahr eingezäunt und wird ab diesem Sommer auch einen separaten Eintrittspreis haben. Eine Eintrittskarte wird 7,5 Lei kosten, 4, 5 Lei beim ermäßigten Preis. Ein Abo für den ganzen Sommer kostet 400 Lei (100 Lei mit Ermäßigung).
Das Arader Freibad wird weiterhin saniert.
Foto: Zoltán Pázmány
Sanierungsarbeiten am Arader Freibad begannen schon in den vergangenen Jahren. Zu den damaligen Mitteln wurden in diesem Jahr noch etwa 600.000 Lei hinzugefügt. Im vergangenen Jahr wurde ein Wellenbecken auf etwa 450 Quadratmeter eingerichtet, wobei die Wellen von einer speziellen Anlage aus Belgien verursacht werden. Die Höhe einer Welle kann von 40 Zentimeter bis zu einem Meter schwanken. Gleichzeitig wurde auch eine Filteranlage in den Schwimmbecken eingerichtet. Die Gesamtinvestition der Neueinrichtung des Neptun-Freibads soll letztendlich 22 Millionen Euro betragen.







