
Blasmusik, Ausstellungen und etwas Unterhaltung – alles am „Tag der Marine“ in TemeswarFotos: Zoltán Pázmány
Von Siegfried Thiel
Es gibt schon einige, die finden die Bega ein „schmutziges Wässerchen“ und würden deshalb nie und nimmer auf den Gedanken kommen, Temeswar/Timisoara als „Stadt an der Bega“ zu bezeichnen. Die meisten jedoch sehen das Schöne an diesem Fluss, der ihnen einen Großteil des Trinkwassers spendet, der für sie Alleen zum Spazieren bietet und nicht zuletzt seit einigen Jahren ein eigenes Fest - das Bega-Boulevard-Fest - hat. Nostalgiker wünschen sich auch erneut eine schiffbare Bega, Optimisten sehen dies bald realisierbar, Pessimisten natürlich ganz im Gegenteil.Gleich zweimal fragt manch Bürger nach, wenn er erfährt, dass auch in Temeswar ein „Tag der Marine“ veranstaltet wird. Es ist immer der 15. August, wenn Matrosen auch in Temeswar ihre Festkleidung anlegen, obwohl nur ein einziges Passagierschiff zu Tourismuszwecken offiziell verkehrt – dies jedoch so gut wie keine Kunden hat. „Ich sehe schon ein großes Potential für die Schiffahrt auf der Bega“ sagt Dr. Ing. Alexandru B²rboi, Büroleiter der Hafenverwaltung in der Stadt. Freizeitfahrten auf der Bega sieht er als Chance für den Temeswarer Tourismus, aber auch für den Nahverkehr und kann dazu auch einen ökologischen Hintergrund erkennen. Von der Entlastung des Straßenverkehrs ganz zu schweigen. Manche haben jedoch noch immer die Reaktionen vergangener Jahre aus Serbien im Hinterkopf, als es da geheißen haben soll, man brauche keine schiffbare Bega, denn das würde ja der NATO einen Weg geradezu schenken, in das Nicht-NATO-Land Serbien vorzudringen. Seit jenen Aussagen hat sich einiges zum Besten zwischen NATO und Serbien gewendet, ob sich jedoch an der Bega-Strategie was geändert hat, konnte die Banater Zeitung auf die Schnelle nicht erfahren. Serbiens Konsul in Temeswar, Dragomir Radenkovic war am Tag des Aufarbeitens unserer Dokumentation verreist. Eine Vermutung gibt es: Mit der Ausbaggerung der Bega sollen die Serben weiter vorangekommen sein, als die Rumänen.Als „Ancora-Palast” war Anfang des 20. Jahrhunderts das stattliche Gebäude an der Kreuzung Dragalina-Boulevard – Tudor Vladimirescu-Zeile das Portul-Restaurant untergebracht. Manch einer kehrte da auf dem Weg zum Bahnhof in den 80er Jahren da ein, danach verfiel sein Niveau zusehends und wurde letztendlich geschlossen. Der Name war klangvoll, mit Schiffen brachte kaum jemand das Restaurant in Verbindung. Von einer ehemals schiffbaren Bega, einer Hafenkommandantur in der Josefstadt und von Anlegeplätzen ist heute entlang der Bega kaum noch was geblieben. Auch bei Otelek/Otelec gab es früher eine Hafenkommandantur sagt Dr.Ing Alexandru B²rboi, der ein Projekt zur Schiffbarmachung der Bega erstellt hat. Die Schleusen müssen gesäubert und die Bega richtig ausgebaggert werden, sagt der Verantwortliche für die Schiffahrt auf der Bega.Die Bega war der erste schiffbare Kanal Rumäniens, angelegt zwischen 1728 und 1760. Bereits 1732 entschieden sich die Temeswarer Behörden zum Bau des ersten Hafens – er befand sich in der Nähe der Siebenbürger Kaserne, da wo heute im Stadtzentrum das Continental-Hotel steht. Zwei Jahrzehnte später wurde der Hafen in die Josefstadt verlegt. Dokumentarisch belegt wird der Hafen in Temewar erst ab 1860. Der Bega-Kanal ist 116 Kilometer lang, 44 Kilometer – beginnend mit dem Wasserwerk in Temeswar - befinden sich auf dem Gebiet Rumäniens. Hauptgrund für die Anlegung des Bega-Kanals war eine gute Wasserbewirtschaftung im Banat: Dabei ging es sowohl um die Versorgung mit Trinkwasser, als auch zum Vorbeugen von Überschwemmungen. Über das Wasser verband die Bega zu einer Zeit die Banater Metropole mit Rotterdam, wobei sowohl Passagiere als auch Güter befördert wurden. Die ersten Passagiere gab es 1869 auf der Bega – 50.000 pro Jahr waren es damals. 1944 wurden insgesamt etwa 500.000 Reisende befördert. Der Güterverkehr auf der Bega wurde 1958 aufgehoben, neun Jahre später war es auch mit dem Passagierverkehr zu Ende.
Rückerstattete Häuser und Grundstücke in der Nähe des Bega-Kanals erhalten mit dem Trend zum Ausbau der Bega neuen Wert, neue Dimension und neue Preise. Darauf spekuliert so mancher, und will derzeit auf keinen Fall verkaufen, zumal in Temeswar und Umgebung die Grundstückpreise in letzter Zeit im Durchschnitt um 20, gelegentlich aber auch um 40 Prozent zurückgegangen sind.







