Donnerstag, 11. Februar 2010

Wie der Traum zum Alptraum wird

Legale Drogen mit gefährlichen Nebenwirkungen


Von Raluca Nelepcu und Olivian Ieremiciu


Freitag, 23 Uhr, am Domplatz in Temeswar/Timi{oara. Die kleine Kneipe ist voll, die Geräuschkulisse dementsprechend bunt. Bei Rockmusik wird geplaudert, gelacht, debattiert. Dichter Rauch füllt den Raum. Es ist eine Raucherbar, wie die meisten Kneipen am Domplatz. Auf jedem Tisch, mindestens ein Bier – das Gebräu passt bestens zur alternativen Atmosphäre. Der Rauch dringt tief in die Nase – und es ist nicht nur Tabak, was da geraucht wird. „Marihuana und Haschisch sind die beliebtesten Drogen der Konsumenten im Verwaltungskreis Temesch“, sagt Adela [leam vom Zentrum für Drogenprävention, -evaluierung und –beratung der Temescher Polizei. Eine aktuelle Studie der Drogenberatungsstelle am Freiheitsplatz zeigt, dass 8,3 Prozent der 866 befragten Personen – Schüler und Studenten – mindestens ein Mal im Leben illegale Drogen genommen haben. Es gibt zwei Arten von solchen Drogen, deren Besitz für den Konsum vom Gesetz bestraft wird: harte, wie zum Beispiel Haschisch oder Marihuana, und sehr harte – Kokain und Heroin.


Traumläden: Manche der Kunden landen schon mal im Krankenhaus.


Drogenprobleme in der Pubertät

Die meisten der befragten Personen gaben an, in der Pubertät mit dem Drogenkonsum angefangen zu haben. „Bei vielen ist es die Neugierde und der Wunsch, einer Clique anzugehören“, sagt Adela [leam. In die Drogenberatungsstelle kommen oft Eltern, die den Verdacht haben, dass ihre Kinder Drogen nehmen, aber auch Freunde der Konsumenten. Die Süchtigen selbst sehen nur selten ein, dass sie ein Problem haben. „Die meisten Jugendlichen, die mit dem Konsum anfangen, stammen aus Familien mit Schwierigkeiten“, sagt Adela [leam. In der Drogenberatungsstelle werden diese Jugendlichen von einem Psychologen beraten und überzeugt, mit dem Konsum aufzuhören. „Unser Erfolg ist nur schwer messbar. Die Resultate sind erst nach längerer Zeit sichtbar“, erklärt [leam.

Auf die Frage, ob in gewissen Temeswarer Schulen der Drogenkonsum zum Alltag gehört, antwortet die Koordinatorin: „Bestimmte Lyzeen können nicht angegeben werden. Auch in renommierten Schulen, aber auch in Schulen am Stadtrand, werden Drogen genommen“. Das Lenau-Lyzeum, das oft als negatives Beispiel angeführt wird, könnte wegen seiner Lage – in unmittelbarer Zentrumsnähe und umgeben von Kneipen – diesen Ruf bekommen haben, erklärt Adela [leam. „Was sich herumspricht ist eines und war eine Zeit lang meine Besorgnis, die Realität ist aber eine andere. Die Tatsache, dass wir bei weitem nicht führend sind, was den Drogenkonsum in Schulen angeht, ist mehreren Faktoren zu verdanken: der Erziehung, Sicherheit und Fürsorge im Elternhaus und den meist guten Beziehungen zwischen Kindern und Eltern, der Tatsache, dass viele Jugendliche bereits ihre Ziele selbstbewusst verfolgen und eine solide Werteskala haben“, sagt Helene Wolf, Direktorin des Nikolaus-Lenau-Lyzeums. Die deutsche Schule in Temeswar arbeitet seit Jahren mit der Drogenberatungsstelle zusammen und setzt Projekte zum Thema Prävention um. „Das Thema Drogen wird auch in den Klassenstunden behandelt“, sagt die Lenau-Schulleiterin.



In der Drogenberatungsstelle am Freiheitsplatz gibt ein Psychologe Auskunft über die Auswirkungen des Drogenkonsums.


Legales Traumland

Eine unscheinbare Tür. In einer kleinen Gasse am Domplatz. Mit etwas ungewöhnlichen Öffnungszeiten, von 16 bis 2 Uhr. Wenn sich in vielen Fällen ein großer Raum hinter einer kleinen Tür verbirgt, so ist es hier ander

s: ein kleiner Raum mit einer Theke, hinter der ein etwa 30-jähriger Verkäufer steht. Daneben ein Glasregal, auf dem einige Bongs (Wasserpfeifen) und Tütchen liegen. Magic powder, Spice green, Spice wild, Spice Cristal – die Namen klingen verführerisch und so heißen auch die Läden, die die „Gewürze“ – in der Fachterminologie „ethnobotanische Pfanzen“ - zum Verkauf anbieten: „Traumläden“. Anders als in Geschäften, in denen man reingeht, bummelt und rumtrödelt, geht e

s hier ruck-zuck-artig zu. „Ein Cristal“. Kurz und bündig die Forderung, prompt auch die Bedienung. Geld raus, Ware her, schnell weg. Die Jugendlichen verschwinden. Dauer des Einkaufs: höchstens zehn Sekunden. Jene, die in den Laden kommen, wissen ganz genau, welcher „Stoff“ sie schneller und besser in das „Land der Träume“ versetzt.

Und das Geschäft boomt. Wenn man glaubt, dies liege an den Preisen, so irrt man. Ein halbes Gramm Spice kostet 90 Lei. Andere Stoffe wie legale Ecstasy-Tabletten sind etwas „erschwinglicher“. Ein Gramm für 50, 60 oder 70 Lei, je nachdem, in welchem „Land der Träume“ man landen möchte. Ei

n solcher Trip hat vor Kurzem vier Temeswarer nicht in das erhoffte Traumland, in Begleitung von Onir gebracht, sondern etwas weltlicher: in Begleitung von Polizei und Ärzten. Die Partymacher wollten anscheinend nicht nur auf der „Märchenstraße“ wohnen (so heißt die Straße, wo die Party lief), sondern wohl auch ein bisschen dahin reisen. Sie hatten Glück: Die Ärzte leisteten ih

nen erste Hilfe, erfolgreich. Weniger Glück hatte ein 16-Jähriger aus Bukarest, der legale Drogen nahm. Er verstarb an einer Vergiftung nach der Einnahme von ethnobotanischen Pflanzen.

„Gleich nach der Eröffnung der Traumläden hatten wir einen großen Ansturm. Besorgte Eltern kamen zur Drogenberatungsstelle, um sich über die Nebenwirkungen zu informieren“, sagt Adela [leam. „

Es wäre falsch, anzunehmen, dass die Effekte weniger schädlich als bei illegalen Drogen sind“, teilt uns Adela [leam mit, Polizist mit Fachausrichtung Kriminalitätsvorbeugung. Wieso „Traumläden“ (noch) legal sind: weil die Pflanzenmixturen, die hier verkauft werden, nicht im Verbotsindex stehen. Gemunkelt wird, dass in diesen Läden nicht nur legales Zeug verkauft, sondern unter der Theke auch schon mal ein „Dübel“ (eine Zigarette, die Marihuana oder Haschisch enthält) gehandelt wird.


Träumen verboten, sagt der Premier

„Vom gesetzlichen Rahmen her ist die Sachlage, was den Drogenkonsum und –besitz angeht, nicht ganz klar. Es wird nicht der Konsum, sondern der Besitz bestraft“, sagt [leam. Und die Strafen sind recht hoch. Bei harten Drogen sieht das Gesetz eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten bis zwei Jahren vor, bei sehr harten Drogen stehen zwischen zwei und fünf Jahren Haftstrafe an. Das Gesetz 143 aus dem Jahr 2000 besagt, dass der Staatsanwalt den Verbraucher zur Drogenberatungsstelle schicken kann.

Im Kreis Temesch sind besonders Marihuana und Haschisch beliebt, anders als in Bukarest, wo Heroin ganz hoch im Kurs steht. Bei einer Statistik, die im letzten Jahr durchgeführt wurde, gaben 6,4 Prozent der befragten 866 Personen aus dem Kreis Temesch an, Marihuana gekifft zu haben, hingegen sind es nur 0,9 Prozent, die Kokain geschnüffelt und 0,6 Prozent, die Heroin probiert haben. „Temeswar verfügt nicht über ein Methadonprogramm, am nächsten wäre Großwardein, wo Drogensüchtige eine solche Therapie machen können“, erklärt Adela [leam. Methadon ist eine Ersatzdroge, um vom Heroin wegzukommen. Falls man sich nach den Angaben von Adela [leam richtet, hat wohl jeder schon mal Drogen konsumiert. „Alkohol und Zigaretten sind legale Drogen“, sagt die Koordonatorin der Drogenberatungsstelle.


Schnüffeln aus der Tüte: Obdachlose greifen oft zur billigen Straßendroge „Aurolac“.


Rumänien hat sich von einem Transitland für Drogen zu einem Drogenkonsumstaat entwickelt. Besonders die Sezessionskriege in Jugoslawien haben die Drogentransporte durch Rumänien umgelenkt. Es gibt jedoch auch autochthone Ware zu kaufen, gelegentlich werden schon mal einige Felder, die mit Cannabis angebaut wurden, von der Polizei entdeckt und gerodet. Nun versucht es Rumänien auf höchster Ebene mit klaren Einschnitten: Premierminister Emil Boc versprach Ende vergangener Woche, halluzinogene Substanzen weitgehend vom Markt zu nehmen. Ethnobotanische Pflanzen sollen ab sofort auf die Verbotsliste. Und dabei fragt er gar nicht mehr nach, wie es diesbezüglich in den Dokumenten der EU-Kommission steht.



Fotos: Zoltán Pázmány

„Timishort“ und „Très Courts“


Filmfestivals für kurze und sehr kurze Filme


Zwei Filmfestivals sind für den Monat Mai in Temeswar/Timi{oara angesagt. Einerseits findet die zweite Auflage des Kurzfilmfestivals „Timishort“, andererseits das Festival für Ultrakurzfilme „Très Court“ statt.

„Timishort“ wird zwischen dem 5. und dem 9. Mai stattfinden und hat eine neue Wettbewerbssektion: das Programm „Videorama“. Dieses beruht auf experimentellen Filmen und Videokunst. Die Zuschauer werden somit die Möglichkeit haben, die Werke begabter Künstler aus dem In- und aus dem Ausland zu verfolgen. Hauptziel des „Timishort“-Festivals ist, neue Künstler im Kinobereich zu entdecken. Das Programm „Videorama“ beinhaltet 16 internationale Kurzfilme, meistens Premieren in den verschiedenen Ländern, aus denen die Produzenten stammen. Die Dauer eines solchen Kurzfilms ist von maximal 30 Minuten. Die Filme werden in einem besonderen unkonventionellen Raum projiziert. Die 16 Filme werden, von einer Jury, gebildet aus drei Experten, bewertet. Durch das Novum „Videorama“ möchten die Veranstalter des Festivals die Stadt Temeswar als Veranstaltungsort experimenteller Filme in Rumänien bekannt machen.

Die rumänischen Künstler, die sich in den Wettbewerb einschreiben möchten, können das noch bis am 28. Februar tun. Unter www.timishort.ro können weitere Infos abgerufen werden.

„Très Courts“ heißt das internationale Festival für Ultrakurzfilme. Unter dem Namen „Around the Très Courts“ findet die Landesauswahl rumänischer Filme statt, die nicht in das Finale des internationalen Festivals gekommen sind. Dies ist eine einmalige Gelegenheit für Laien oder sogar Profis im Bereich der Kurzfilme, für Studenten oder einfach für alle, die eine wundervolle Idee haben und sie mit der ganzen Welt teilen wollen. 2007 gab es die erste Auflage des Festivals „Très Courts“; schon damals wurde die Schaffung der jungen Künstler gefördert. Die einzige Bedingung für die Teilnahme beim Festival ist, dass ein solcher Film maximal drei Minuten dauern darf.

Das Festival für Ultrakurzfilme wird zwischen dem 7. und 9. Mai stattfinden. Filmkünstler aus 70 Städten aus 15 Ländern, unter anderen auch Rumänien, machen mit. Das „Trés Courts“-Festival wird in 25 Städten Rumäniens ausgetragen. Interessenten können ihre Produktionen beim Französischen Kulturzentrum in Temeswar (Bd. C. D. Loga, Nr.46) bis am 10. März einreichen. Einschreibeformulare können aber auch auf den Webseiten www.trecourt.ro oder www.foartescurt.ro ausgefüllt werden.

Andreea Oance

Siedlungswasser über regionalen Anbieter

Vierzig Kommunen auf der Aquatim-Liste

Eine Vereinigung unter der Präsidentschaft des Kreisratsvorsitzenden ist die Triebfeder zur Weiterentwicklung des Siedlungswasserunternehmens Aquatim. In 40 Kommunen im Verwaltungskreis Temesch/Timi{ übernimmt Aquatim die Trinkwasserzufuhr, aber auch den Abwasserservice. Bereits im Jahr 2007 hat Aquatim eine erste Expansion in die Ortschaften des Kreises unternommen, diese reichte jedoch bloß um die Kleinstädte Hatzfeld/Jimbolia und Detta/Deta zu versorgen.



Alle Kleinstädte des Kreises befinden sich auf der Aquatim-Expansionsliste, allein die zweitgrößte Stadt im Kreis, Lugosch/Lugoj, geht eigene Wege. Im Bild: Hauptsitz des Siedlungswasserbetriebs in Temeswar.

Foto: Zoltán Pázmány



Ein Geldsegen wird es für Aquatim zumindest zunächst nicht sein, wenn das Unternehmen in kleinere Ortschaften mit wenigen Verbrauchern expandiert und auch die Kosten für die Bevölkerung werden vor allem in den ländlichen Gegenden unten angesetzt, denn sonst besteht das Risiko, dass zwar Leitungen gelegt, doch die Anschlüsse zu den Wirtschaften ausbleiben werden. Die Vereinigung für Siedlungswasserbewirtschaftung im Verwaltungskreis Temesch hat Anfang Februar mit Aquatim ein Abkommen unterzeichnet, das das Unternehmen für Siedlungswasser berechtigt, seine Expansion im Kreis fortzusetzen. Bereits im Herbst vergangenen Jahres hatte die Vereinigung diesem Projekt zugesagt, zuvor hatten die Kommunalräte ihrerseits die Zusammenarbeit mit dem regionalen Anbieter gebilligt. „Ganz wichtig wird sein, dass wir unter dieser Struktur besser EU-Fonds heranziehen können“, hatte der Aquatim-Direktor, Ilie Vlaicu, bereits vor einigen Jahren Perspektiven angeschnitten und das haben auch die Kommunen erkannt und einer Vereinsmitgliedschaft zugesagt. Zusammen mit dem Kreisrat hat Aquatim einen Master-Plan für das Siedlungswasser im Kreis erstellt – ein Plan, der auf die kommenden drei Jahrzehnte vorausblickt. Allein in einer ersten Etappe, bis 2013, werden 40.000 Bürger aus dem Kreis zum ersten Mal über fließendes Leitungswasser verfügen, 50.000 werden es sein, die an ein kommunales Kanalisationsnetz angeschlossen sind. (st)


Valentinstag: Persönliche Geschenke im Trend





Blumenverkäufer bleiben in diesem Jahr skeptisch

/ Von Ana S²li{te

Verliebte freut es, Singles graut es schon davor: Der Valentinstag steht wieder vor der Tür. Schlendert man dieser Tage durch die Stadt, so erinnern die mit roten Herzen beschmückten Schaufenster schon daran, für den Liebsten oder die Liebste ein Valentinsgeschenk zu besorgen. Auch, wenn Liebe oft keine
oder nur wenig Worte braucht, so hat sie sich dennoch als schöner Brauch etabliert: Als Zeichen der Zuneigung verschenkt man etwas zum Valentinstag.
Neben Pralinen und Schokolade sind ein Strauß roter Rosen und herzförmige Sachen die Dauerbrenner unter den Geschenken. Auch in den Buchhandlungen sind auf den Regalen mit Neuerscheinungen Bücher mit Liebeszitaten ausgestellt.

Richtig populär ist der Valentinstag seit Jahrzehnten dank der massiven Werbung der Blumenverkäufer. Blumen zählen bis heute zu den beliebtesten Valentinsgeschenken. Ein Brauch, der in England im 17. Jahrhundert aufkam und auf die Frau des Dichters Samuel Pepy zurückging, die einen Liebesbrief ihres Mannes mit einem Blumenstrauß beantwortete.

Ob aber auch in diesem Jahr in den Blumengeschäften Hochsaison herrscht, können Blumenverkäufer noch nicht sagen: „Immer, wenn solche Feiertage auf den Samstag oder Sonntag fallen, wird nicht mehr so viel gekauft. Die Leute gehen am Wochenende weniger aus dem Haus, als an einem normalen Arbeitstag“, meint Silvia Sâma, Blumenverkäuferin am 700er Markt in Temeswar/Timi{oara. Darum stellt sie exotische Blumensträuße und Trockenblumen zum Verkauf. Diese halten lange Zeit und können dann auch zum Dragobete-Tag, der rumänischen Replik des Valentines-Days, verkauft werden. „Hauptsache, die Ware ist nicht so vergänglich“, erklärt sie. Die Preise dafür liegen bei 10 bis 30 Lei, je nach Größe des Straußes. Als originelles Geschenk präsentiert sie den Blumenstrauß, der auch eine Sektflasche beinhaltet. Preis: rund 150 Lei. „Es ist eine teure Sektflasche und die Blumen halten lange an“, rechtfertigt die Verkäuferin den Preis.

Die Blumenhändler hoffen in diesem Jahr, mehr Glück am Dragobete-Tag (24. Februar) zu haben. „Seit einigen Jahren wird auch dieser Tag gefeiert. Vielleicht auch wegen der Werbung im Fernsehen“, sagt eine Blumenverkäuferin.

Rote Rosen, Orchideen und Tulpen sind am Valentinstag im Trend. Meist ist zu beobachten, dass kurz vor dem Valentinstag die Preise der Rosen um etwa 20 Prozent ansteigen. Kostete eine Rose vergangene Woche an die 7-8 Lei, so muss man kurz vor dem Fest der Liebenden etwa 10 Lei aus der Tasche ziehen. Zu den meisten Kunden zählen Männer zwischen 35 und 45 Jahren. „Jüngere Leute kaufen eher wenig Blumen“, schlussfolgert Silvia Sâma. Diese entscheiden sich für kleine Geschenke: Silberne Fotorahmen (35 Lei), herzförmige Schlüsselanhänger (an die 10 Lei) oder bunte Kaffeetassen (rund 20 Lei). „Frauen kaufen rechtzeitig ein und entscheiden sich gewöhnlich für einen Fotorahmen, ein Parfüm oder zwei Kaffeetassen. Männer, die erst am 14. Februar ´verzweifelt´ einkaufen gehen, kaufen Schmuckkästchen, aromatisierte Kerzen oder ein silbernes Schmuckstück, Ohrringe, Armbänder usw.“, sagt die Verkäuferin Larissa Ungureanu. Auch Printgeschäfte sind dieser Tagen gefragt: Hier können Kunden ausgewählte Produkte individuell mit Bildern oder individuellen Motiven gestalten. „Insbesondere herzförmige Kissen, T-Shirts oder Teekannen lassen sich mit einem persönlichen Foto bedrucken“, schließt die Verkäuferin Elisabeta Vancea.

Rote Rosen: hoch im Trend am Valentinstag

Foto: Zoltán Pázmány

Die Besten der Besten


Olympioniker in Deutsch ausgezeichnet

Sie zeigten, was sie drauf haben, wenn es um Deutsch geht: Über 160 Schüler aus 15 Verwaltungskreisen Rumäniens trafen sich letzte Woche in Temeswar/Timisoara zur Landesphase der Olympiade für Deutsch als Muttersprache. Gleich am zweiten Tag nach ihrer Ankunft in der Hauptstadt des Banats mussten sie ihr schriftstellerisches Talent unter Beweis stellen. Danach blieb reichlich Zeit, um sich ein bisschen in der Stadt umzuschauen.

Zu den Gewinnern der Deutscholympiade zählten auch in diesem Jahr zahlreiche Schüler aus den Verwaltungskreisen Temesch/Timi{, Arad und Karasch-Severin/Caras-Severin. Die ersten Preise in den jeweiligen Klassenkategorien kamen den Gästen zu. „Diesmal haben nicht nur Schüler, die traditionsreiche deutsche Schulen besuchen, gewonnen, sondern auch Schüler neuer deutscher Schulen und Abteilungen. Das ist sehr erfreulich“, sagte Christiane Cosmatu, Direktorin des Minderheitendepartements im Bildungsministerium, bei der Preisverleihung im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus. Der Abgeordnete der deutschen Minderheit, Ovidiu Gan], war auch dabei und sprach mit den Deutschlehrern und Betreuern über die Situation des Deutschunterrichts an ihren Herkunftsschulen.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen jedoch die Schüler: Sie durften ihre Phantasie spielen lassen und mit ihren Aufsätzen die Kommission überzeugen. Wie die Banater Schüler das schafften, können Sie auf dieser Seite lesen. (rn)

„Wir leben in einem Zeitalter der Reproduktion“

Adella Bot und Andreea Negrea erhielten zweiten und dritten Preis


Sie sollten ausgehend von einem Zitat von Max Frisch eine Geschichte schreiben: Adella Bot und Andreea Negrea, Schülerinnen der elften Klasse am Nikolaus-Lenau-Lyzeum in Temeswar/Timisoara, überzeugten die Kommission durch ihre Storys, die sie auf Papier brachten. Das Zitat von Max Frisch lautete: „Wir leben in einem Zeitalter der Reproduktion. Das allermeiste in unserem persönlichen Weltbild haben wir nie mit eigenen Augen erfahren, genauer: wohl mit eigenen Augen, doch nicht an Ort und Stelle; wir sind Fernseher, Fernhörer, Fernwisser...“

Adella Bot erhielt den zweiten Preis, Andreea Negrea den dritten Preis der Deutscholympiade in ihrer Klassenkategorie. Keine der beiden Schülerinnen ist deutschstämmig, ihre Eltern – Rumänen – entschlossen vor elf Jahren, die Mädchen in die Lenau-Schule einzuschreiben. „Mir gefiel die Lehrerin schon am ersten Schultag so sehr, dass ich unbedingt in ihre Klasse wollte“, erinnert sich Adella Bot an ihre Lehrerin Elvine Bologa. Andreea Negrea hatte vor Schulbeginn einen deutschen Kindergarten besucht.



Andreea Negrea (links) und Adella Bot wurden für ihre guten Texte mit dem dritten bzw. zweiten Preis der Deutscholympiade Muttersprache ausgezeichnet.


Mit Hilfe ihrer Deutschlehrerin Magdalene Balogh vertiefen die beiden Schülerinnen nun ihre Sprachkenntnisse. Das Thema der Deutscholympiade gefiel den Mädchen, so dass sie sich gleich an die Arbeit machten. Andreea Negrea schrieb über zwei Jungs: Einer wohnte im Gebirge, der andere in der Stadt. Eines Tages besuchte der Junge, der in der Stadt wohnte, seinen Freund im Gebirge. Hier merkte er, wie vieles anders ist als er es im Fernseher gesehen hatte. Auch in Adellas Text ging es um Naturerleben. Ein Erdkundelehrer gewann eine Reise in die Alpen, wollte aber nicht hinfahren, weil er bereits alles aus dem Fernseher kannte. Seine Familie trat die Reise an, doch sein Sohn verirrte sich im Gebirge. Der Lehrer kam nach, um den Jungen zu suchen, denn theoretisch kannte er die Gegend. Er fand ihn auch, wurde jedoch durch das Naturerlebnis überwältigt und brach zusammen.

Für keines der beiden Mädchen ist es das erste Mal, dass sie an der Landesphase der Deutscholympiade teilnehmen. Andreea Negrea war bisher nur noch ein Mal, Adella Bot bereits zwei Mal dabei. „Ich hätte nicht erwartet, dass ich einen Preis bekomme. Meine Eltern sind sehr stolz“, sagt Adella Bot.

Raluca Nelepcu


Sie verliehen die Preise an die Gewinner der Deutscholympiade (v.l.n.r.): Helene Wolf, Christiane Cosmatu, Karl Singer, Viorica Ro{u, Roxana Nubert und Ovidiu Gan]

Fotos: Zoltán Pázmány

Herta Müllers Zitat ließ Phantasie aufleben



Zweiter Preis bei der Deutscholympiade für Paul Vida


Paul Vida kommt aus einer Mischehe: sein Vater Ungar, seine Mutter Rumänin. Er fühlt sich aber halb deutsch und das, weil er seit dem Kindergarten Deutsch lernt und spricht. Nun ist er 18 Jahre alt und Schüler der 12. Klasse am Arader „Adam Müller Guttenbrunn“-Lyzeum.

„Mich in einer anderen Sprache als meine Muttersprache auszudrücken, das finde ich toll! Ich fühle mich expressiver als im Allgemeinen. Es ist ein Vorteil für mich, das tun zu können“, sagt Paul Vida. Das war auch der Grund, weshalb er sich schon seit Jahren an der Deutscholympiade beteiligt. Bei der Landesphase der Olympiade für Deutsch als Muttersprache in diesem Jahr wurde der 18-jährige Paul mit dem zweiten Preis ausgezeichnet.

Das Thema für die Schüler der zwölften Klasse bei der Olympiade war höchst aktuell. Ausgehend von einem Zitat der Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller mussten die Schüler ihre Einbildungskraft testen lassen. „Der Winter ist nicht weiß, der Sommer ist nicht grün. Alles ist gebleicht in der Erinnerung. Der Frühling ist ein karger Wahn, der Herbst ein Obstverfallen ohne Ende. Wer glaubt mir, ...“. Paul Vida dachte zuerst an das, was er über Herta Müller bisher wusste. Noch hatte er kein Buch der berühmten Schriftstellerin gelesen, doch er weiß genau, worum es in den Büchern der Banater Schwäbin geht. Gleich dachte er sich „Warum soll ich jemanden nachahmen? Das Zitat soll mich widerspiegeln. Ich habe mich gleich vom Thema angesprochen gefühlt und wollte etwas ganz anderes als in den vergangenen Jahren schreiben: ein psychologischer Aufsatz“, charakterisiert Paul seine Arbeit. Eine banale gewöhnliche Lage, die voller Symbole widerspiegelt wurde. „Die Menschen um uns haben einfach keine Zeit mehr – das wollte ich eigentlich mit meinem Aufsatz vermitteln. Letztendlich war die `Zeit wieder da´!“, erzählt Paul.

Im Allgemeinen beruhte sein Aufsatz auf Symbole, die in den Werken von Franz Kafka auftauchen. Vor Kurzem hat er Kafkas Werk „Das Urteil“ gelesen und ließ sich sehr von der Schreibweise des tschechischen Schriftstellers begeistern.

Künftig möchte er in Deutschland studieren. Archäologie aber auch Fremdsprachen sind seine Lieblingsfächer.

Andreea Oance


Paul Vida gewann zum ersten Mal einen Preis bei der Deutscholympiade.

Foto: Zoltán Pázmány

Wenn Wolken Freiheit symbolisieren

Rosemarie Manea aus Lugosch erhielt dritten Preis


„Der Tag, an dem das Wort ´Wolke´ verboten wurde“ war das Thema der diesjährigen Deutscholympiade bei den Neuntklässlern. Zu dieser Aussage hat sich die 15-jährige Rosemarie Manea von der deutschen Abteilung des Coriolan-Brediceanu-Kollegs in Lugosch/Lugoj eine schöne Geschichte ausgedacht: „Ich habe diesen ´wolkenlosen´ Tag mit dem Krieg assoziiert. Ein Tag, an dem Gewitter und Krieg ausbrachen, und den ich mit meinem Großvater in Verbindung brachte. Dem Wort ´Wolke´ habe ich das Freiheitssymbol zugeteilt“, erzählt Rosemarie Manea in einem perfekten Deutsch. Dafür wurde sie mit dem dritten Preis der Deutscholympiade ausgezeichnet. Rosemarie Manea ist nicht bei ihrer ersten Teilnahme an der Landesphase der Deutscholympiade. Sie war auch im vergangenen Jahr dabei und wurde mit dem ersten Anerkennungspreis ausgezeichnet.



Die Schülerin Rosemarie Manea wurde mit dem dritten Preis der Deutscholympiade ausgezeichnet.

Foto: Zoltán Pázmány


„Ich will das machen, was ich gut kann. Deutsch kann ich“, sagt Rosemarie, die in den Sommerferien aufs Land zu ihrer schwäbischen Großmutter fährt. „Ich bin auf einem Dorf bei Lugosch aufgewachsen und spreche schwäbisch mit meiner Großmutter und meinem Vater“, fügt sie noch hinzu. Zu ihren Lieblingsautoren erwähnt sie Goethe, dessen Gedichte sie gern liest. „Ich finde mich in Goethes veraltetem Sprachstil zurecht. Ich mag sein Werk“, erklärt Rosemarie, die auch schon mal „Faust“ auszugsweise gelesen hat, obwohl sie es erst in der zwölften Klasse studieren wird. Künftig will sie auch die Bücher von Herta Müller lesen. „Ich will unbedingt ´Die Niederungen´ lesen, da es über das Leben der Schwaben handelt“, sagt Rosemarie Manea, die darüber nachdenkt, an einer Uni in Deutschland zu studieren. „Ich will ganz bestimmt Germanistik studieren und vielleicht noch etwas. Ich habe aber noch Zeit, mich zu entscheiden“, sagt Rosemarie, die schon mal München besucht hat, wo sie zahlreiche Freunde und Verwandte hat.

Ana S²li{te