Donnerstag, 3. Juni 2010

Bunter Himmel über Temeswar

Am Wochenende traten 15 Heißluftballons um den „Carpatia-Pokal“ an.
Foto: Balloony

Möglicherweise ein neuer Trend: Hochzeit in Heißluftballon
oi. Temeswar - Wenn es nicht gerade regnete, waren am vergangenen Wochenende, auf dem Temescher Himmel, Heißluftballons zu sehen. Ursprünglich sollten es 21 sein, letztendlich traten 15 an, beim Start zum „Carpatia-Pokal“. Davon drei Mannschaften aus Rumänien: Aus Großwardein/Oradea, Bukarest und Temeswar/Timisoara. Die übrigen zwölf waren aus Ungarn angereist, um am Wettbewerb teilzunehmen.
Das Temeswarer „Balloony“-Team – vier Mitglieder und eine Crew-Chefin, alle noch ohne Heißluftballon-Lizenz - belegte den vorletzten Platz. „Wir haben nicht direkt am Wettbewerb teilgenommen, denn das war ja die nationale Meisterschaft Ungarns. Es war für uns eigentlich mehr zum Spaß, zum Stundensammeln wegen der Lizenzprüfung im Heißluftballon-Fahren, und nicht für die Punktevergabe“, sagt die Besitzerin des Balloony-Teams, Andrea Kremm. Etwas „verbissener“ in dieser Hinsicht waren die Ungarn, bei denen es um die Punktevergabe in der nationalen Meisterschaft ging.
In den meisten Disziplinen hatten also verständlicherweise die Ungarn die Nase vorn. In einer jedoch, dem Präzisionswerfen, konnte sich die Mannschaft aus Großwardein durchsetzen. Diese warf das Wurfobjekt nur 2,8 Meter vom zu treffenden Zielpunkt.
Die Veranstaltung wurde vom Temescher Kreisrat organisiert. Sie fand im Rahmen der „Tage der Euroregion Donau-Kreisch-Marosch-Theiß/Dunare-Cris-Mures-Tisa“ statt. Vielleicht ein wenig verwunderlich, dass in diesem Jahr der Kreisrat die nötige Finanzierung gefunden hat, da im vergangenen Jahr die Veranstaltung „aus Mangel an Geldern“, wie es damals hieß, abgeblasen wurde.
Den Balloony-Team gibt es seit einem Jahr. „Das Geschäft läuft inzwischen ziemlich gut“, so Andrea Kremm. 100 Euro plus Mehrwertsteuer für eine Stunde „abheben“, pro Person, müssen während der Woche von den Heißluftballonfans bezahlt werden, am Wochenende sind es 120 plus Mehrwertsteuer. Für die Zukunft plant die Besitzerin, Hochzeiten in Heizluftballons zu veranstalten. „Zurzeit ist unser Heißluftballon zu klein, in den Korb passen also nicht genügend Leute, um eine Eheschließung mit Priester vollziehen zu können“, so Andrea Kremm.

„Lenautreffen“ in Temeswar

Absolventen verschiedener Jahrgänge kommen zusammen
Temeswar (BZ) - Ein jahrgangsübergreifendes „Lenautreffen“ findet am Freitag und Samstag in Temeswar/Timisoara statt. Das Ereignis wird vom Verein der Freunde der Lenauschule organisiert und soll ehemalige Schüler Lehrer sowie all jene, die sich mit der Schule verbunden fühlen, zusammen bringen.
Das Treffen wird offiziell am Freitag, dem 4. Juni, um 10.30 Uhr im Festsaal des Nikolaus-Lenau-Lyzeums (Gheorghe-Lazar-Straße Nr. 2) eröffnet. Nach einer Vorstellung der Schule durch die Schulleitung verleiht der Verein der Freunde der Lenauschule im Beisein des Stifters Prof. Dr. Günter Kappler den Elsa-Lucia-Kappler-Preis für besondere Leistung im Fach Deutsch. Anschließend werden die Teilnehmer zu einem Rundgang durch die Schule eingeladen. Am Abend steht ein Theaterbesuch an: Die Gäste wohnen der Aufführung „Komödie im Dunkeln“ von Peter Shaffer im Deutschen Staatstheater Temeswar bei.
Das „Lenautreffen“ wird am Samstag fortgesetzt. Um 10 Uhr empfängt der Temeswarer Bürgermeister Gheorghe Ciuhandu, der ebenfalls das deutsche Lyzeum abgeschlossen hat, die Gäste im Rathausgebäude. Um 11 Uhr ist eine fachkundige Stadtführung durch das alte und neue Temeswar programmiert. Um 15 Uhr treffen sich die Lenau-Freunde im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus. Hier werden ein Sektempfang, ein Buffet sowie Kaffee und Kuchen angeboten. Für gute Musik sorgt ein DJ.
Das erste Treffen dieser Art fand im November 2009 in Neusäß bei Augsburg, Deutschland, statt. Fast 400 Freunde des Temeswarer deutschen Lyzeums kamen damals zusammen. Jahrgangsübergreifende „Lenautreffen“ fanden bis Anfang der 90er Jahre in Deutschland statt. Nach mehr als 15 Jahren Pause nahm sich der Verein der Freunde der Lenauschule letztes Jahr vor, diese Art von Treffen wieder ins Leben zu rufen. Die angemeldeten Teilnehmer mussten für das Programm am Samstag eine Teilnahmegebühr zahlen.

BANAT AKTUELL

Rumänisch-serbisches Schriftstellertreffen
In der Zeitspanne 29. Mai - 7. Juni wird im Zentrum für Journalistik des Dorfes Românesti (Gemeinde Tomesti) die dritte Auflage des grenzüberschreitenden Schaffenslagers „Die Ateliers von Românesti“ stattfinden. Finanziert wird das Projekt vom Rumänischen Kulturinstitut. Durch das Projekt wird die Förderung und Konsolidierung der Partnerschaft zwischen der Temeswarer Filiale des Rumänischen Schriftstellerverbands und rumänischen Schriftstellern, die in der autonomen Region Wojwodina aus Serbien leben und schaffen, angestrebt. (oi)

Dorf- und Ringstraße
Fertiggestellt wurden die Modernisierungsarbeiten an der Straße zwischen Glogowatz/ Vladimirescu und Neupanat/ Horia im Rahmen der Strategie zur Entwicklung der Straßeninfrastruktur des Kreises Arad. Diese wichtige Verbindungsstraße zwischen der Gemeinde, acht Kilometer von Arad entfernt, und der eingemeindeten Ortschaft - es wurden Arbeiten an drei Kilometern Straße im Wert von 2,3 Millionen Lei, davon ein Beitrag von 600.000 Lei vom Arader Kreisrat, durchgeführt – schafft eine vorteilhafte Abkürzung, aber gleichzeitig auch eine neue Ringstraße für die Stadt Arad mit guten Verbindungen zu Nadlak/Nadlac und Diemrich/Deva. Sie entlastet desgleichen den Stoßverkehr auf der DN 7. (bw)

„Romeo und Julia“ im Nationaltheater
Das wahrscheinlich romantischste Theaterstück aller Zeiten ist derzeit im Temeswarer Nationaltheater zu sehen: „Romeo und Julia“ ist die Aufführung, die das Nationaltheater auf die Bühne bringt. Das Stück unter der Spielleitung von Rahim Burhan hat am Wochenende Premiere gefeiert. „Romeo und Julia“ wird am Samstag, dem 5. Juni und am Sonntag, dem 6. Juni, im ehemaligen Reitsaal aufgeführt. Es treten auf: Catalin Ursu, Dianna Praskot, Ion Rizea, Colin Buzoianu, Alecu Reus, Benone Viziteu, Georg Peetz vom Deutschen Staatstheater Temeswar, Paula Maria Frunzetti, Alina Reus, u.a. (as)

Bierfest in Lugosch
Das traditionelle Bierfest wird in diesem Jahr am 12. und 13. Juni in Lugosch/Lugoj organisiert. Zu den Musikern, die am Samstag auf die Bühne vor dem Kulturhaus der Gewerkschaften treten, zählen die Gruppen Bamby und Spitalul de Urgenta sowie der Bürgermeister von Neubeschenowa/Dudestii Noi, Alin Nica, der sich letztes Jahr für den europäischen Musikwettbewerb Eurovision beworben hat. Am Sonntagabend werden die Gruppen Blue Station und Fara Zahar Konzerte bestreiten. Am frühen Nachmittag sind an beiden Festtagen Auftritte rumänischer Volksmusiker programmiert. Das Bierfest endet mit einem Feuerwerk. (rn)

Kampfsport-Wettbewerb in Temeswar
Der größte Kampfsport-Wettbewerb in Westrumänien findet am Samstag, dem 5. Juni, im Constantin-Jude-Sportsaal in Temeswar/Timisoara statt. Im Rahmen der Veranstaltung kommen verschiedene Kampfsportarten zur Geltung: Kick-Box, Muay-Thai, Karate Shotokan, Karate Kyokushin, Taekwondo, Wing Tsun, Judo, u.a. Die Sportveranstaltung beginnt um 10 Uhr. Veranstalter sind der Tamashyi-Sportverein Temeswar, der Rumänische Freefight-Kickboxing-Verband und die Temescher Sportdirektion. (rn)

EU-Gelder für die Sanierung der Basilica Minor


Die römisch-katholische Wallfahrtskirche Maria Radna soll mittels EU-Gelder saniert werden.
Foto: Zoltan Pazmay

Bis 2015 erhält Wallfahrtskirche in Radna ein neues Gesicht
Von Raluca Nelepcu

Es war schon von Anfang an ein absolutes Muss für Andreas Reinholz, ein Sanierungsprojekt für die Basilica Minor Maria Radna erstellen zu lassen. Der Priester wurde 2003 nach Radna versetzt und wusste gleich, was da zu tun ist. Seine langjährige Erfahrung in der Umsetzung von Renovierungsprojekten und seine geschätzte Tätigkeit als Organisator waren die Hauptgründe, weshalb der Pfarrer aus der Temeswarer Josefstadt gerade in die bekannteste Wallfahrtskirche Westrumäniens geschickt wurde. Die Basilica Minor hatte eine Sanierung dringend nötig, seit über hundert Jahren war sie nicht mehr tiefgründig renoviert worden. Nun wurde ein umfangreiches Sanierungsprojekt für die römisch-katholische Wallfahrtskirche erarbeitet. Nahezu zehn Millionen Euro kostet das Unterfangen, das der Kirche und der unmittelbaren Umgebung bis 2015 ein komplett neues Gesicht verleihen wird. Das Sanierungsprojekt wird zu 85 Prozent von EU-Geldern finanziert, 13 Prozent steuert der rumänische Staat bei und zwei Prozent beträgt der Eigenbeitrag.
Es herrscht sonniges Wetter, als wir in Radna ankommen. Von der Marosch-Brücke aus, die die Stadt Lippa/Lipova von dem eingemeindeten Radna trennt, sind zwei Kirchtürme zu sehen. Ein überwältigender Anblick eines historischen Denkmals, dessen Geschichte auf das Jahr 1520 zurückgeht. Eine Witwe hatte damals genau an der Stelle, wo heute die Kirche steht, eine Kapelle errichten lassen. Während der Türkenzeit nutzten die Franziskanermönche, die auf das nördliche Marosch-Ufer geflüchtet waren, die Kapelle. 1695 wurde die Kapelle in Flammen gesetzt, doch eine Ikone überlebte den Brand: Es war das Bild der Heiligen Maria, 1668 von einem Händler aus Bosnien gespendet. 1720 wurde die Kapelle neu gebaut. Die Zahl der Gläubigen stieg, so dass in einigen Jahren eine größere Kultstätte notwendig war. 1756-1767 wurde die Kirche in Radna errichtet, so wie sie heute zu sehen ist. 1935 pilgerten über 73.000 Gläubige zusammen mit dem Diözesanbischof Augustin Pacha nach Radna. 2003 verließen die Franziskanermönche die Kirche. Pfarrer Reinholz wurde nach Radna versetzt, um das Sanierungsprojekt in den Griff zu nehmen. Seine Gemeinde besteht aus ungefähr 120 Gläubigen.

Infozentrum soll entstehen
Zwei Jahre sind vergangen, seitdem wir letztes Mal in Radna waren. Die Kirche sieht noch genau so aus wie 2008, als die Sanierungsarbeiten scheinbar begonnen hatten. Pfarrer Reinholz sorgt für Klartext: „Die Arbeiten wurden damals wegen der Bestandsaufnahme in die Wege geleitet. Bei der Abnahme der Kupferdeckung stellten wir fest, dass die Betonbalken darunter kaputt waren. Wir können sie aber nicht abreißen, weil es sich um ein historisches Gebäude handelt“. Es ist 99 Jahre her, seitdem diese Betonbalken gegossen wurden. Dafür wurde damals eine besondere Technik angewandt, die als Pionierarbeit in Rumänien galt. „Die Betonbalken werden repariert und mit Kohlenfaser bedeckt. Mindestens 50 Jahre sollen sie halten. Man nimmt an, dass bis dahin neue Techniken gefunden werden“, erklärt Andreas Reinholz.
Das Projekt, das unter der Obhut des Bischöflichen Ordinariats Temeswar/Timi{oara steht, wurde bei der Entwicklungsagentur ADR Vest eingereicht und genehmigt. Ende Juli soll die Baugenehmigung beantragt werden. Im September-Oktober wird europaweit eine Ausschreibung zur Bestimmung der Baufirmen, die das Projekt umsetzen werden, organisiert. Das Projekt im Wert von zehn Millionen Euro sieht nicht nur die Sanierung der Kirche vor, sondern auch des Vorplatzes und des Klosters. „Maria Radna soll die Stelle, die sie verdient, unter den europäischen Wallfahrtskirchen bekommen“, sagt Pfarrer Reinholz. Ein Infozentrum wird errichtet, wo sich die Besucher noch vor dem Eintritt in die Kirche über die Geschichte der Basilica Minor informieren können. Die 63 Räumlichkeiten des Klosters sollen ebenfalls neu eingerichtet werden: Ein Museum, Säle für permanente und zeitweilige Ausstellungen, eine Bibliothek sowie Zimmer für religiöse Fortbildungen sind vorgesehen. Wenn alles plangemäß läuft, so werden die Arbeiten im Frühjahr 2011 beginnen und 2015 beendet werden. „Wenn wir die Kirche aus Spendengeldern saniert hätten, so hätte das bis zu 50 Jahre dauern können“, sagt Andreas Reinholz.

Ehrenamtliche Experten aus Deutschland
Im Durchschnitt kommen täglich 165 Personen nach Radna. In einem Kasten in der Kirche werden die Spenden gesammelt, doch auch zwei Konten bei der Raiffeisen Bank Lippa, in Lei (RO09 RZBR 0000 0600 0884 4109) und in Euro (RO38 RZBR 0000 0600 0692 0465), stehen den Freunden der Kirche zur Verfügung. Spenden sind weiterhin willkommen, denn die Bauarbeiten müssen vorfinanziert werden, erst danach kann die EU die Kosten rückerstatten. Je mehr Geld gesammelt wird, desto schneller gehen die Bauarbeiten voran.
Um Kirche und Umgebung attraktiv für Touristen zu gestalten, hat Andreas Reinholz das Senior Expert Service aus Deutschland in Anspruch genommen. In dieser Organisation sind ehemalige Führungskräfte und Unternehmer tätig, die freiwillig Beratung für Unternehmen im In- und Ausland bieten. Anfang Juni werden drei solche Experten in Radna erwartet, die ihr Wissen in der Öffentlichkeitsarbeit einsetzen werden. Diese sollen dann auch ein Logo für Maria Radna erarbeiten, das sich einem so richtig ins Gedächtnis prägt. Auch die Internetseite der Kirche muss neu durchdacht werden.
Pfarrer Reinholz hat mit dem Sanierungsprojekt alle Hände voll zu tun. Hinzu kommen die zahlreichen Pilger, die der Domherr empfängt und führt. Am 10. Juli steht ein besonderes Ereignis an: eine Wallfahrt für Motorradfahrer aus der gesamten Region. Anfang September werden 15.000 bis 20.000 Pilger in Radna erwartet.

DSTT mit Pastorale nach Shakespeare


Internationales Deutschsprachiges Jugendtheaterfestival
Mit einem Event des deutschen Theaters hierzulande möchte das DSTT Mitte Juni seine laufende Spielzeit zu einem künstlerischen Höhepunkt führen. Als letzte Premiere soll im DSTT-Saal „Shaking Shakespeare“ eine tragikomisch-historische Pastorale nach William Shakespeare von Lia Bugnar, in der Spielleitung
von Radu-Alexandru Nica, aufgeführt werden. Für Freitag, den 11. Juni, um 19 Uhr, ist eine öffentliche Generalprobe anberaumt. Gleichzeitig wird auch das traditionelle Internationale Deutschsprachige Jugentheaterfestival, das am 12.-15. Juni in Zusammenarbeit mit dem Theoretischen Lyzeum Nikolaus Lenau veranstaltet wird, festlich eingeleitet. Die Premiere geht am Samstag, dem 19. Juni, um 19 Uhr, im DSTT-Saal über die Bühne. Das Projekt geht auf eine Idee des Regisseurs Radu-Alexandru Nica zurück, eine Inszenierung um das Machtmotiv in unterschiedlichen Texten Shakespeares zu erarbeiten. Dabei wird verstärkt auf Elemente des zeitgenössischen Tanztheaters zurückgegriffen. Das Skript von Lia Bugnar legt somit die Grundlage zu einer Inszenierung, deren Einheitlichkeit durch den Rückgriff auf unterschiedliche Shakespeare- Quellen nicht geschmälert wird, in der bilderreichen Ausstattung von Dragoş Buhagiar. Ausgangspunkt ist dabei die Szene des Theaters auf dem Theater aus Hamlet, in der die geladenen Schauspieler Auszüge aus unterschiedlichen Dramen proben.
Es spielen Peter Papakostidis, Radu Vulpe, Dirk Linke, Rareş Hontzu, Ioana Iacob, Ramona Olasz, Olga Török, Ida Jarcsek-Gaza und Alex Halka. Für Bühnenbild und Kostüme zeichnet Dragoş Buhagiar (a.G.), für die Musik Vlaicu Golcea (a.G.). Dramaturgie: Cornelia Winkler. Choreographie: Florin Fieroiu (a.G.). Video: Daniel Gontz (Colorbitor) (a.G). Die Vorstellung wird ins Rumänische übersetzt.
Weitere Vorstellungen mit „Shaking Shakespeare“ sind für Sonntag, den 20. Juni, um 19 Uhr, sowie zum Abschluss der Spielzeit 2009/2010 für Freitag, den 25. Juni, um 19 Uhr, vorgesehen.
Auf dem DSTT-Spielplan des laufenden Monats stehen noch Vorstellungen mit dem Musical „The Sound of Music“ von Richard Rodgers (3. Juni, 20 Uhr und 4. Juni, 19 Uhr) sowie mit „Fette Männer im Rock“ von Nicky Silver (23. Juni, 19 Uhr).
Karten und Reservierungen an der Theaterkasse in der Alba-Iulia-Straße Nr. 2,
Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag, Samstag 10-13 Uhr sowie Mittwoch, Freitag 10-13 und 17-19 Uhr. Abendkasse eine Stunde vor Vorstellungsbeginn. Reservierungen ebenfalls unter Tel. 0256-43 57 43 und Fax 0256-20 12 93 sowie auch im Internet unter
http://www.deutschestheater.ro/. (bw)

„Einsparungen sollten sozial gerecht sein“




Kulturinstitutionen, Wirtschaftseinrichtungen und Kommunalbehörden standen auf dem Besuchszettel von Dr. Susanne Kastner, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Deutschen Bundestag und Vorsitzende des Deutsch-Rumänischen Forums, als sie sich vergangene Woche in Temeswar/Timisoara aufhielt. Nicht jedes ihrer Besuchsziele stimmte die Abgeordnete glücklich. Sie erkannte Mankos auf kommunaler Ebene, noch immer steht die Umweltgenehmigung für das Reifenwerk Continental aus und auf Nachfrage ging Kastner auch auf die derzeit hitzige Debatte um Sparmaßnahmen in Rumäniens öffentlichem Dienst ein. Zu all diesen Themen sprach Siegfried Thiel mit der deutschen Parlamentarierin.

Foto: Zoltan Pazmany
Zwei Worte vielleicht zur Tatsache, dass das Deutsche Kulturzentrum in Temeswar nun von einer einheimischen Führungskraft geleitet wird…
Es ist wichtig, als deutsche Parlamentarier, dass die deutsche Sprache auch in anderen Ländern über möglichst viele Institutionen gefördert wird. Dazu gehört das Goethe-Institut, auch die deutschen Schulen hier in Rumänien und nicht zuletzt die deutschen Kulturzentren, von denen ich immer wieder behaupte, es gibt zwei Politikbereiche, die in der öffentlichen Wahrnehmung meistens unterbelichtet sind. Das sind Tourismus und Kultur. Das sind zwei Bereiche, die wirklich Frieden stiften. Wer ein fremdes Land bereist, der ist dem Land nicht feindlich gesinnt. Wer die Kultur des Landes kennenlernt und wer dann vor Ort noch deutsche, eigene Kultur erleben darf, der versteht dieses Land besser und das ist gut so. Ich war heute auch im deutschen Theater und das ist etwas, was zu erhalten gilt. Deshalb muss auch ein deutsches Kulturzentrum trotz knapper werdender Gelder erhalten bleiben.

Lassen Sie bitte Ihren Besuchstag in Temeswar Revue passieren…
Die Gespräche heute waren sehr interessant. Aber ich muss sagen, nachdem ich die einzelnen Punkte, wie z.B. die Baustelle der Bastion oder das Reifenwerk Continental erlebt habe, hätte ich jetzt gerne noch einmal ein Gespräch mit dem Kreisratspräsidenten geführt, weil es für mich doch einige Ungereimtheiten gegeben hat. Es ist wohl so, dass es bei der Bastion durchaus Schwierigkeiten in der Arbeitsweise des Architekten gibt. Das hat zwar nicht der Kreisratspräsident zu verantworten, sondern die Entwicklungsagentur, aber über diese Ungereimtheiten, hätte ich mit ihm gerne gesprochen. Bei Continental sind wir auf einem guten Weg, aber wir sind noch nicht ganz am Ziel. Es muss sich bis Mitte Juni entscheiden, was dort passiert. Ich hoffe, dass es positiv ausgeht. Die Behörden müssen Hand in Hand arbeiten, um die letzten Genehmigungen tätigen zu können. Wenn diese Genehmigungen nicht eingeholt werden, dann ist das Projekt gestorben, also die geplanten Investitionen werden nicht mehr getätigt.


Frau Kastner, Sie sind in soziale Projekte involviert. Wie schätzen Sie diese ein?
Die rumänische Regierung muss 20 Jahre nach der Revolution jetzt endlich mal verlässliche, finanzielle Strukturen für Sozialleistungen schaffen und das gilt für alle Bereiche: für Kinderhäuser, für Behinderte. Es gibt momentan keine verlässlichen Strukturen, die diese Einrichtungen verlässlich bezahlen. Ich habe einen Dachverband gegründet, in dem auch etliche NGO sind und wir machen jetzt eine Liste, was wir von der rumänischen Regierung erwarten. Dabei geht es nicht um Geld, sondern es geht um Strukturen, die verändert werden müssen, damit die Einrichtungen auch irgendwann mal selbständig existieren können.

Was halten Sie von der Initiative in Rumänien, dass Kinder sozusagen unbedingt und vor allem in ihre natürliche Familie sollen, egal, ob es ihnen da gut oder weniger gut geht?
Das hat auch etwas mit den Strukturen zu tun. Das kann man machen, aber dann müssen die Jugendschutzkommissionen so orientiert sein, dass diese Kinder auch später betreut werden. Diese Situation ist jedoch in Rumänien nicht vorhanden. Hier kommen die Kinder aus ihrem vertrauten Umfeld, also aus dem Kinderhaus, zu ihren leiblichen Eltern und keiner kümmert sich mehr um sie.

Wie sehen Sie das Wortgefecht zwischen IWF und Weltbank einerseits, und auf der anderen Seite der rumänischen Regierung zum Thema Sparmaßnahmen?
Ich glaube, der IWF und die Weltbank haben nicht vorgegeben, wie Rumänien zu sparen hat. Die haben bloß Richtlinien gegeben, dass Einsparungen vorzunehmen sind. Solange das von der rumänischen Regierung anders ausgelegt wird, ist das eine Flucht vor den rumänischen Bürgern. Das, was die rumänische Regierung beschlossen hat, muss sie auch vertreten können. Man kann die angesagten Kürzungen ja für richtig befinden, aber dann muss man auch dazu stehen. Ich selber halte diese Maßnahme für falsch. Einsparungen sollten sozial gerecht sein; die, die viel Geld haben, zahlen mehr Steuern und die anderen eben weniger – das ist sozial gerecht und diese Variante hätte ich persönlich vertreten. Die rumänische Regierung hat sich anders entschieden und sie kann diese Entscheidung nicht auf IWF und Weltbank schieben.

Dedeman eröffnete Baumarkt in Arad

Der Retailer baut Geschäft in Temeswar auf
Ein breites Warensortiment aus den Bereichen Bauen, Renovieren, Wohnen, Werkstatt, Garten und Freizeit steht den Aradern schon seit einigen Jahren zur Verfügung. Zu den Bau- und Heimwerkermärkten Praktiker und Bricostore gesellte sich vergangenen Freitag Dedeman, der rumänische Retailer von Baumaterialien. Der Laden befindet sich auf der Nationalstraße DN7 an der Ausfahrt nach Nadlak/Nadlac.
46.000 Quadratmeter beträgt das Grundstück, das Dedeman erworben hat, um die 12-Millionen-Euro-Investition in Arad zu tätigen. Es ist der erste Dedeman-Baumarkt in Westrumänien. Der Retailer beschäftigt in Arad 190 Mitarbeiter. „Die Stadt Arad ist wegen ihrer günstigen Lage an der Kreuzung einiger bedeutender Handelsstraßen ein wichtiges Wirtschaftszentrum Rumäniens“, sagt Dragos Paval, Geschäftsführer von Dedeman. Der Unternehmer aus dem ostrumänischen Bacau teilte der Nachrichtenagentur Mediafax mit, dass im vergangenen Jahr alle Pläne der Betriebsleitung umgesetzt wurden. Vier weitere Läden wurden eröffnet und der Umsatz des Vorjahres 2008 beibehalten. 2009 erzielte Dedeman einen Umsatz von 250 Millionen Euro.
Dedeman ist seit 1992 in der rumänischen Baubranche aktiv. Die Gesellschaft betreibt 18 Läden in Rumänien und befindet sich zurzeit auf Expansionskurs. Bis 2030 sollen es 30 Deedman-Baumärkte in Rumänien werden, planen die Unternehmer aus der Moldau-Region. Das Warenangebot von Dedeman umfasst mehr als 45.000 verschiedene Produkte, wobei einige aus Ländern wie Deutschland, Frankreich, Italien und der Slowakei importiert werden. Die Baumärkte verfügen über Drive-In-Lagerräume, wo die schweren Baumaterialien erworben und direkt in die Transporter aufgeladen werden können. Die Gesellschaft beschäftigt rumänienweit über 3700 Mitarbeiter.
Für das laufende Jahr hat sich die Leitung des Baumarktes vorgenommen, den Umsatz um 15 Prozent zu steigern. Drei Läden – in Kronstadt/Brasov, Craiova und Arad – wurden in der ersten Jahreshälfte in Betrieb genommen, der dritte Baumarkt wird im dritten Trimester in Temeswar/Timisoara eröffnet. Hier sind die Arbeiten zurzeit in vollem Gange. Der Dedeman-Baumarkt wird in der Divizia 9 Cavalerie-Straße errichtet, da, wo bis Herbst 2009 noch das Terra-Einkaufszentrum stand.
Raluca Nelepcu

Verein „Kinder Soforthilfe“ schenkt Familienleben

Susanne Kastner und Daniela Ciobanu im Wohnzimmer des Vereins „Kinder Soforthilfe“ in Lippa

Politikerin Susanne Kastner besucht die Kleinen jedes Jahr
Von Ana Saliste
Der siebenjährige Dezideriu kommt gegen 13 Uhr von der Schule an. Er geht gleich in den Raum neben der Küche, zieht seine Hausschuhe an und lässt sich ganz fest von der deutschen Parlamentarierin Susanne Kastner umarmen. „Guta“ nennen ihn manchmal die anderen Kinder scherzend, weil Singen zu seinen Hobbys gehört. „Sie sagen so zum Spaß, dass der rumänische Manele-Sänger Guta sein Vater ist“, erklärt die Hausmutter Daniela Ciobanu, wieso das jüngste Kind diesen Spitznamen trägt. Doch das macht dem Kleinen nichts aus. Denn gleichzeitig streichelt Daniela Ciobanu ihm liebevoll die Haare aus dem Gesicht. Schmunzelnd setzt er sich an den Tisch, neben seinen älteren „Geschwistern“ und beginnt aus seiner Gemüsesuppe zu löffeln. Seit fünf Jahren lebt der kleine Dezideriu im Kinderhaus des Vereins „Kinder Soforthilfe“, das von der deutschen Politikerin Susanne Kastner in der Arader Kleinstadt Lippa/Lipova gegründet wurde.
Ein richtiges Familienleben
Dezideriu ist das jüngste von den insgesamt zwölf Kindern, die hier gemeinsam mit den Hauseltern Daniela und Nicolae Ciobanu das Familienleben mit all den dazugehörigen Pflichten und Realitätsanforderungen genießen dürfen. Hier wird täglich gemeinsam gelernt, gespielt und gelacht. „Die Kinder wechseln die Aufgaben unter sich, diese Woche ist jemand für den Hühnerstall zuständig und ein anderes Kind hängt die Wäsche auf. Nächste Woche ist es umgekehrt. Es ist aber nicht so einfach, die Atmosphäre einer Familie zu schaffen. Dafür braucht man viel Geduld und Verständnis“, sagt Daniela Ciobanu. Ab und zu helfen die Kleinen auch im Garten mit. Tomaten, Zwiebeln, Paprika und Kartoffeln haben die Hauseltern hier angebaut. „Oft machen wir auch Marmelade, da wir drei Kirschbäume im Garten haben“, sagt Daniela Ciobanu.
Nach dem Mittagessen werden meist die Hausaufgaben erledigt. Dazu steht den Kleinen das gemütliche Wohnzimmer zur Verfügung, die Susanne Kastner schick einrichten ließ: Hier gibt es Spielzeug, Computer, einen Fernseher, einen Schreibtisch und eine Couch. Das Kinderheim verfügt noch über zwei Schlafzimmer, ein Esszimmer, eine erweiterte Küche und ein Badezimmer. Auch Maria, die Tochter der beiden Hauseltern, hat sich hier richtig eingelebt. Den zehnjährigen Bogdan hat sie offiziell zu ihrem „Bruder“ gemacht, weil die beiden die einzigen im Haus sind, die keine Geschwister haben.
Zugleich verfügt das Kinderheim über eine Zwei-Zimmer-Wohnung. Hier dürfen die älteren Kinder leben, bis sie sich eine eigene Wohnung leisten können. Derzeit haben sich hier die Brüder Daniel und Emil eingelebt. „Sie sind 15 und 16 Jahre alt und wir haben uns gedacht, dass sie eine Privatsphäre gut gebrauchen können“, sagt Daniela Ciobanu. Über dem Schreibtisch hängen zwei Medaillen und ein Diplom, auf die Daniel besonders stolz ist. Der 16-Jährige hat vor Kurzem an einem Fußball-Camp in Deutschland
teilgenommen. Susanne Kastner erwarb auch eine Vierzimmer-Wohnung in Arad, wo die Kinder hinziehen können, wenn sie volljährig sind. „In Arad haben sie größere Chancen, einen Job zu finden. Wir stellen ihnen die Wohnung zur Verfügung, bis sie noch etwas Geld sparen und allein leben können“, erzählt Kastner.

Unterstützung für rumänische Kinderheime
Der Verein „Kinder Soforthilfe“ wurde 2003 von der Parlamentarierin Susanne Kastner ins Leben gerufen und beschäftigt derzeit fünf Angestellte. Seitdem versucht die Politikerin, jedes Jahr neue Finanzierungen heranzulocken, um den Kleinen ein richtiges Familienleben bieten zu können. 2003 erwarb sie mit Hilfe von Spenden das Haus an der George-Cosbuc-Straße in Lippa. 2004 gelang es ihr, das Heim auszubauen: Aus einem ehemaligen Schweinestall entstand eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit einer kleinen Küche und einem Badezimmer. Zwei Jahre später bekam das Kinderheim eine Solaranlage gespendet. Die Isolierung des Hauses erfolgte 2007. Dann wurde auch die Zentralheizung saniert.
Das Arader Kinderschutzamt stellt monatlich rund 3.000 Lei für Lebensmittel zur Verfügung. 50 Lei bekommt jedes Kind zu seinem Geburtstag geschenkt. Was das Kindergeld angeht, so wird dieses monatlich auf ein Konto überwiesen. Die Kinder werden die Gesamtsumme bekommen, wenn sie volljährig sind. Jährlich sind noch etwa 150 Lei pro Kind für Kleidung und Schulsachen gedacht, eine jedoch viel zu geringe Summe im Vergleich zu den realen Kosten. „Am schwersten ist es mit den Schuhen, denn diese kann man nicht weitervererben. Wenn die Jungs Fußball spielen, dann gehen die Schuhe ganz schnell kaputt“, erklärt Susanne Kastner, die noch regelmäßig Kleidungsspenden aus Deutschland verschafft. „Ich frage immer die Eltern und die Kinder, was genau sie noch brauchen“, fügt sie hinzu. Derzeit versucht der Verein eine neue Waschmaschine zu verschaffen. „Ich habe immer zwei Waschmaschinen. Eine als Reserve, falls die andere kaputt geht. Jetzt haben wir aber nur noch eine. Wenn diese nicht mehr funktioniert, dann ist es schlimm, denn bei zwölf Kindern muss man viel waschen“, sagt Daniela Ciobanu.

Rumänienbegeisterung ist gewachsen
Etwa dreimal im Jahr besucht Susanne Kastner die Kleinen aus dem Kinderheim in Lippa. Bereits Anfang der 90er rief sie den Verein „Rumänien Soforthilfe“ in Deutschland ins Leben. Seitdem kämpft die Politikerin immer wieder, um die Situation der Kinderheime in Rumänien aufzubessern. „Im Laufe der Jahre ist meine Rumänienbegeisterung gewachsen“, gibt sie zu.
1992 kam sie gemeinsam mit ihrem Mann nach Rumänien, um mehrere Hilfstransporte und Medikamente zu bringen. „Wir waren Anfang der 90er in Fântânele. Der Pfarrer von dort hat uns auf das Waisenhaus in Lippa aufmerksam gemacht. Kurze Zeit später sind wir dann nach Lippa mit Hilfstransporten gekommen“, erzählt die Politikerin. „In Lippa gab es damals ein Waisenhaus mit insgesamt 130 Kindern. Das Gebäude wurde aber rückerstattet. Die Kinder mussten je nach Alter in andere Heime aus verschiedenen Gemeinden versetzt werden. Es waren aber viele Geschwister, die hätten getrennt werden müssen. Um dies zu vermeiden, wurden in Lippa verschiedene Stiftungen gegründet, die die Kleinen aufnehmen konnten. Die Geschwister blieben zusammen“, erzählt Daniela Ciobanu.
Derzeit will Susanne Kastner eine Aktion starten, um die deutschen Firmen in Rumänien auf die Situation der Kinderheime aufmerksam zu machen. „Wir versuchen außerdem, die zwei Prozent der Einkommensteuer von je mehr Personen zu bekommen. Bisher kam das Geld von Freunden und Bekannten, vom Haushaltspersonal usw. Es hilft uns sehr“, erklärt Daniela Ciobanu.
„Rumänien ist ein interessantes Land mit schönen Orten. Da ist durch die Öffnung der Grenzen schon viel Positives passiert. Es müssen aber ordentliche Strukturen her. Es gibt da noch Kinderhäuser, die überhaupt kein Geld kriegen. Auch in Deutschland müssen wir sparen, aber der Rechtseinspruch wird nicht gekappt“, sagt die Politikerin Susanne Kastner. Die Sparmaßnahmen des rumänischen Staates wird nämlich auch Daniela Ciobanu zu spüren bekommen. Sich einen anderen Job suchen, das steht für sie außer Frage. „Wir machen trotzdem weiter“, sagt die Hausmutter entschieden.

Die Kleinen kommen meist gegen 13 Uhr gemeinsam von der Schule an.

Fotos: Zoltan Pazmany

Berglandpost

Schmuggler überrennt Polizeisperre
Orawitza – Am vergangenen Samstag um 5,50 versuchte ein BMW-Fahrer, eine Polizeisperre zu überrennen, die zwecks Verkehrskontrolle organisiert war. Den Polizisten, der gerade eine Anti-Pneu-Sperre aufrollen wollte, um eine Reifenpanne hervorzurufen, fuhr Marius G.(26) über den Haufen. Als die Polizisten erst das Warnfeuer eröffneten und anschließend auf die Reifen des BMW schossen, gelang es schließlich, den Wagen in einem Straßengraben zum Stehen zu bringen. Marius G. hatte 1500 Schmuggel-Zigaretten aus den Free-Shops des rumänisch-serbischen Grenzübergangs Naidas bei Orawitza im Wagen verstaut. Beim Vorfall erlitt ein weiterer Polizist einen Herzinfarkt. Beide Polizisten befinden sich im Unfallkrankenhaus Reschitza in Behandlung.
Präfekt Octavian Tunea in einer öffentlichen Warnung an die Leiter des Polizeiinspektorats und der Grenzpolizei: „Es soll zum letzten Mal sein, dass ich von solchen Vorfällen erst aus der Presse etwas erfahre! Es kann nicht mehr weiter so laufen, dass 50 Prozent des Zigarettenverbrauchs im Banater Bergland am Fiskus vorbeigeht! Wer ist noch immer so naiv, zu glauben, dass der Zoll und die Grenzpolizei in Naidas nichts vom Zigarettenschmuggel wissen, der über die dortigen Free-Shops abläuft? Was wird denn dort überhaupt verzollt? Wacht auf, meine Herren!“
Am selben Morgen ist auf der Donau ein Schmuggelboot gestoppt worden, das aus Serbien 25.000 Päckchen Zigaretten illegal einführen wollte.

Weiterer Bevölkerungsrückgang
Reschitza – Im März 2010 sind im Banater Bergland 242 Kinder auf die Welt gebracht worden. Zur selben Zeit starben 395 Bewohner des Verwaltungskreises Karasch-Severin. Immerhin waren das um 30 Geburten mehr und um 23 Todesfälle weniger als im März 2009. Eheschließungen gab es um zwei mehr als im März 2009 (im März 2010: 86 Hochzeiten) und Scheidungen um drei weniger als vor einem Jahr (im März 2010: 70 Scheidungen). Die Kleinkinder-Sterblichkeit hingegen ist weiterhin in leichtem Anstieg begriffen: im März 2010 starben 5 Babies im Alter von bis zu einem Jahr, also um eines mehr als im Vergleichsmonat 2009. Alldies geht aus den offiziellen Angaben des Statistikamtes Karasch-Severin hervor.

17 Projekte zu 3.2.2.
Reschitza
– Das Projekt 3.2.2. zur Dorfentwicklung und zur Entwicklung der Basis-Dienstleistungen am Land bzw. der Wahrung des ländlichen Erbes hat 17 Kommunen aus dem Banater Bergland interessiert. Damit haben die ländlichen Kommunen des Verwaltungskreises Karasch-Severin um das 2,5fache den Landesdurchschnitt an Projekten zu diesem Bereich überboten (insgesamt sind aus den 41 Landeskreisen Rumäniens 295 Projekte zur Begutachtung und Finanzierung eingereicht worden). Aus dem Banater Bergland werden insgesamt 180 Millionen Lei an Finanzierungen beantragt. 13 der Projekte visieren die Sanierung von Dorfstraßen an, alle 17 sind „integrierte Projekte“ (neben einem Hauptprojekt gibt es zahlreiche Nebenprojekte), vier wollen die Trinkwasserversorgung verbessern.

„Wahre Kunst ist Poesie“

Kurzgespräch mit dem gebürtigen Reschitzaer Künstler Hans Stendl
Zu einem Ereignis ersten Grades in der Temeswarer und Banater Kunstszene gestaltete sich die letzte Ausstellung des Bildenden Künstlers Hans Stendl in Temeswar. Eine zyklische Rückkehr zu den Wurzeln seiner Kindheit und Jugendzeit: Der 71jährige Maler und Grafiker – Hans Stendl wurde am 17. Februar 1939 in Reschitza geboren – der heute zu den renommiertesten Vertreter der zeitgenössischen, rumänischen Kunst zählt, kehrt jedoch immer wieder überraschend, mit frischen Themen, Farben und Formen ins Banat zurück. 1957-63 besuchte er das Institut für Bildende Künste „N. Grigorescu“. 1971-72 war er DAAD-Stipendiat in Düsseldorf. Stendl ist langjähriger Lehrer und Doktorvater an der Kunstuniversität Bukarest, Mitglied des Verbandes der Bildenden Künstler aus Rumänien. Er präsentierte zahlreiche Eigenausstellungen seit 1966 in Rumänien und im Ausland. Der Künstler erhielt zahlreiche Preise u.a. in Paris (1969), Barcelona (1974), Chicago (1984) und wurde mit dem UAP-Sonderpreis (1995) geehrt. Hans Stendl ist Ehrenbürger der Stadt Reschitza und des Kreises Karasch-Severin. Mit dem Künstler sprach BZ-Redakteur Balthasar Waitz anlässlich der Eröffnung seiner Ausstellung in der Triade-Kunstgalerie.

Ihre Ausstellung betitelt sich „Der Präsens“. Hat das mit dem schönen Satz von Goethe „Verweile doch, du bist so schön!“ zu tun?
Ja und nein. Die Zeit war und ist nicht ein vordergründiges Thema dieser Ausstellung. Ich habe gar keine Zeit zur Reflexion. Ich befinde mich ständig in einem Art Spiel. Gedanken, Objekte, Bilder bringen mich weiter. Der von Sorina Jecza treffend gewählte Titel bringt aber eine gewisse thematische Einheit in diese Schau, die ein Teil meiner Retrospektivschau von 2009 im Donauschwäbischen Zentralmuseum von Ulm ausmacht, zum Teil aber auch einige neue Arbeiten zeigt.

Die Kritiker sagen Ihnen eine noch ungestillte Lust am Experimentieren nach...
Wenn man die Ölbilder, die Drucke, Collagen, Montagen oder Bronzen aus der Ausstellung nebeneinander stellt, macht das schon diesen Eindruck. Die Grundlage war für mich immer die Zeichnung, doch diese führte mich stets in alle Richtungen, zur Malerei, dem Objekt, der Fotografie, der Gravur oder zur Monumentalkunst. Ich fühle mich sehr gut in dieser postmodernen Zeit. Aus diesem Gefühl entstehen dann solche Sachen wie meine in Bronze gegossene Objekt-Bücher oder meine Bücher-Hemden aus dieser Ausstellung.

Vor Jahren haben Sie auch die Monumentalkunst gepflegt...
Vor dreißig, vierzig Jahren. Es waren damals meist große, kollektive Arbeiten. So das Betonrelief am Mathematik-Institut Bukarest, die große Arbeit im Empfangssaal des Otopeni- Flughafens oder meine Arbeit im Chemiekombinat von Turnu M²gurele. Es war der Versuch des kommunistischen Regimes, die Massen sozusagen mit Gewalt mit der Kultur anzufreunden.

Wie schaffen es Kunst und Künstler über die schweren Hürden dieser allgemeinen Krise?
Die Kunst findet in jeder Zeit ihre Wege und auch ihr Publikum. Der Beweis dafür sind die unzähligen privaten Kunstgalerien, die überall im Lan, auch hier im Banat, eröffnet werden. Es ist bestimmt eine schwierigere Zeit für Künstler. Wahre Kunst war und ist jedoch weiterhin Poesie. Wenn dieses Rezept stimmt, findet sie sicher ihren Weg.

Der Künstler Hans Stendl
Foto: Zoltán Pázmány