Montag, 26. April 2010

Immer ein Blickfang: Die imposante Lloydzeile in Temeswar
Foto: Zoltán Pázmány
Fotoschau über wertvolle Altbauten Temeswars
Nicht nur vorführen soll offensichtlich die Fotoausstellung „Temeswar – Architektur-Sequenzen in Daten und Bildern“, die vor Kurzem im Temeswarer touristischen Infocenter, Alba-Iulia-Straße Nr. 2, eröffnet wurde. Die Autoren sind zwei der angesehensten Architekten der Stadt: Die Fotos stammen von Mihai Botescu, die Begleittafeln mit geschichtlichen Daten von Mihai Opris. Das Thema ist ein lehrreiches, dem einheimischen Publikum und den Touristen werden einige der bleibenden Kostbarkeiten der Stadtarchitektur, von Barock- bis Jugendstil, präsentiert. Die Schau ist jedoch nicht vordergründig auf die Förderung und Verwertung des touristischen Potentials ausgerichtet, vielmehr soll es die Temeswarer Bevölkerung und die in der Bewahrung und Sanierung der historischen Stadtbauten implizierten Faktoren aufrütteln helfen. Die Ausstellung, die 23 Exponate zählt, geht bis ins 18. Jahrhundert zurück: Im Mittelpunkt steht selbstverständlich der Domplatz, das Schatzkästlein der Stadt, und die 1736-1774 errichtete Domkirche (Entwurf: Johann Bernhard Fischer von Erlach), das bedeutendste Barockdenkmal des Banats, mit Außen- und Innenansicht. Vervollständigt werden diese Ansichten mit Details des Barock-Stils (Portals des Bischofspalais und des Hauses Nr. 10, Domplatz, Metallgitter usw.). In die gleiche Epoche fällt auch der Bau der serbischen Kathedrale (1744-48). Im Bild folgt der Freiheitsplatz, ältester städtischer Platz, mit dem alten Rathaus (1731-1734), das die Stadtverwaltung bis 1848-49 beherbergt hat. Ein Großteil der Ausstellung ist den zahlreichen und noch gut erhaltenen Monumentalbauten im Jugendstil gewidmet: So der Opernplatz als Architekturensemble mit einer kurzen Historie seines Werdens vom Lloyd-Palais (1910-12, Entwurf Lipot Baumhorn), zu den Palästen der Lloydzeile (bis 1913), der orthodoxen Kathedrale (1936-1946), der Handelskammer, des Löffler-Palais usw.
Vertreten sind u.a. auch die Milleniumskirche ( 1896-1901, Fabrikstadt), die Dezebal-Brücke (1909-10), der Schlachthof (1904-05, Enwurf Arch. Laszlo Szekely), der Stefania-Palast und einige wertvolle Denkmäler, allen voran die Pestsäule. Die Fotoschau kann bis zum 11. Mai besichtigt werden. (bw)

BANAT AKTUELL

Hundeschau am Jagdwald
Die schönsten Hunderassen werden am 8. und 9. Mai im Banater Dorfmuseum am Jagdwald in Temeswar/Timisoara bewundert werden können. Hier finden nämlich verschiedene Hundeausstellungen und –wettbewerbe statt. Gastgeber der Veranstaltungen ist die Temescher Filiale des Rumänischen Vereins der Hundezüchter in Zusammenarbeit mit dem Temescher Kreisrat. Das Ereignis wird am 8. Mai um 10 Uhr offiziell eröffnet. (rn)

TimiShort in Temeswar
Das Kurzfilm-Festival „TimiShort“ findet vom 5. bis zum 9. Mai in Temeswar/Timisoara statt. Zu den Zielen der Veranstaltung gehören unter anderen die Entdeckung neuer Talente im Kurzfilmbereich und die Bekanntmachung von bedeutenden Filmen, die jüngst auf die Leinwand gekommen sind. In diesem Jahr treten in den Wettbewerb 16 Kurzfilme, vier davon wurden von rumänischen Autoren geschaffen. Die Jury besteht aus Filmexperten aus dem In- und Ausland. Die Filme werden im Timis-Kino gezeigt. Mehr Infos auf www.timishort.ro. (rn)

Automesse auf dem Mall-Parkplatz
„Car Show“ nennt sich das Ereignis, das vom 7. bis zum 9. Mai Autofans aus dem Banat auf den Parkplatz der Iulius Mall in Temeswar/Timisoara locken möchte. Produkte und Dienstleistungen werden auf der Messe angeboten. Verschiedene Autohändler aus Westrumänien, Bankmitarbeiter und Vertreter von Leasing-Unternehmen werden den Messebesuchern alle Infos rund um den Erwerb eines neuen Autos liefern. Ein Sonderbereich innerhalb der Messe ist dem Auto-Tuning gewidmet. Das Event wird vom Temeswarer Autovermieter „Aid Cars“ organisiert. (rn)

Gebäck für Vierbeiner
Die erste Bäckerei, die ausschließlich Gebäck für Hunde herstellt, wurde am Sonntag in Temeswar/Timisoara eröffnet. Hier werden fünf Kekssorten, die ohne Konservierungs- und Farbstoffe produziert wurden, gebacken. Die Bäckerei für Vierbeiner wurde von Ana Maria Petritan ins Leben gerufen und funktioniert in der Hundeherberge (Albinelor-Straße Nr. 63) des Hundetrainers Vali Chirita. Solange die Hundebesitzer das Angebot im Laden begutachten, können die Vierbeiner auf einem Grundstück von 3.000 Quadratmetern herumlaufen. (rn)

Schüler spielen Cricket
Die Schüler des Sportlyzeums „Banatul“ in Temeswar/Timisoara werden ab kommendem Schuljahr die Sportart „Cricket“ ausüben können. Eine Partnerschaft zwischen der Schule am Dan-Paltinisanu-Fußballstadion sowie den Lions-Cricket-Clubs im Banat und in Rumänien hat als Ziel, vier Junioren-Cricket-Mannschaften zu gründen. Die Temeswarer Schule erhielt als Spende die notwendige Ausrüstung für das Cricket-Spiel. Fortbildungskurse für Sportlehrer werden stattfinden, damit diese ihren Schülern das Spiel beibringen können.
Die Ballsportart „Cricket“ wird zwischen zwei Mannschaften ausgetragen. Das Spiel wird vor allem in England und den Ländern des Commonwealth praktiziert. (rn)

Kein Geld für geschichtsträchtige Immobilie

Gedenkstätte der Revolution: Miete oder Umzug
Foto: Zoltán Pázmány
Ministerantwort: Ausweichend und enttäuschend
Von Siegfried Thiel

Die Immobilie, in der die Gedenkstätte der Revolution von Temeswar/Timisoara untergebracht ist, bleibt weiterhin Streitobjekt und das gesamte Projekt in der Schwebe. Der Kauf des per Gesetz rückerstatteten Gebäudes auf der Emanoil-Ungureanu-Straße durch den Staat ist derzeit schon aus finanziellen Gründen nicht möglich, rechtlich kann es nicht enteignet und zu gemeinnützigen Zwecken verwendet werden. Dies kurz das Fazit eines Schreibens aus dem Kultusministerium an den Abgeordneten des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, Ovidiu Gant.
„Die Immobilie wurde dem rechtmäßigen Eigentümer rückerstattet, die Gedenkstätte muss deshalb ausziehen. Das Urteil ist unwiderruflich“, schreibt Ovidiu Gant an den rumänischen Kultusminister Kelemen Hunor. Von dieser Sachlage ausgehend, hatte Ovidiu Gant an den Minister geschrieben und darauf hingewiesen, dass es einer Überlegung wert sei, nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen: Entweder das Gebäude vom Eigentümer zu kaufen, oder zu öffentlichem Nutzen zu enteignen. Die dazu erforderlichen Gelder sollten in den Hauhalt von 2011 eingeplant werden. „Ich weise darauf hin, dass in den vergangenen Jahren das von Ihnen geleitete Ministerium, aber auch andere öffentliche Einrichtungen, erhebliche Summen dafür ausgegeben haben, den Ausbau und die Sanierung des Gebäudes zu sichern“, schloss Ovidiu Gant seinen Text an das Ministerium.
Die Stadtverwaltung hatte die Gedenkstätte der Revolution von 1989 in Temeswar der Vereinigung „Memorialul Revolutiei“, für eine Nutzungsdauer von 99 Jahren zugesprochen. Danach wurde die Immobilie jedoch gesetzmäßig an den rechtmäßigen Eigentümer rückerstattet. Dies dann Grund für ein langwieriges Tauziehen und die Suche nach entsprechenden Lösungen. „Wir haben das Gebäude zur Langzeitnutzung zugesprochen bekommen, und es aus Eigenmitteln saniert“, hatte nach dem Prozess der Vorsitzende der Revolutionärenvereinigung und Leiter der Gedenkstätte, Traian Orban, gesagt.
„Momentan besteht die Möglichkeit, dass der Inhaber das Gebäude an die Vereinigung vermietet. Die Rechtslage in Betracht ziehend, (rückerstattes Privateigentum, Geschichtsdenkmal der B-Klasse) muss die Möglichkeit zur Enteignung zu öffentlichen Zwecken innerhalb des gesetzlichen Rahmens analysiert werden“, heißt es im Antwortschreiben des Ministers an den Abgeordneten der Deutschen Minderheit. Und weiter: „Um die Immobilie zu kaufen, muss diese vom Inhaber zum Verkauf angeboten werden. Laut Gesetz 422/2001 zum Schutz von Baudenkmälern hat das Kultusministerium Vorkaufsrecht; vorausgesetzt, dass das Gebäude zum Verkauf angeboten wird und dazu dem Ministerium die dazu notwendigen Gelder zur Verfügung stehen“.
Im übrigen erklärt das Ministerium auf dem mehr als zwei Seiten langen Brief die verschiedenen rechtlichen Aspekte, die eingehalten werden müssten, um einen der Vorschläge von Ovidiu Gant berücksichtigen zu können, um dann letztendlich zu schlussfolgern: „Die rechtlichen und faktischen Aspekte in Betracht ziehend, kann das Kultusministerium Ihrem Anliegen nicht stattgeben“.
Ovidiu Gant zeigte sich „enttäuscht von dieser Antwort, die eine rein bürokratische ist und nichts Neues zu diesem Thema aussagt“. Der Abgeordnete hatte „eine Antwort erwartet, die den politischen Willen zeigen sollte, dieses Problem zu lösen“.

DSTT-Spielplan im Mai

Am 16. Mai: „Fette Männer im Rock“ erlebt Premiere

Das Deutsche Staatstheater Temeswar/Timisoara (DSTT) hat für den Monat Mai einen umfangreichen Spielplan vorbereitet. Am 3. Mai 2010 wird um 11 Uhr im DSTT-Saal das musikalische Märchen „Der Zauberer von Oz“, eine Vorstellung mit rumänischer Übertitelung, in der Regie von Eva Labadi Megyes, aufgeführt. Am selben Tag ist um 19 Uhr die Vorstellung „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ von Edward Albee vorgesehen.
Das DSTT beteiligt sich an den Deutschen Kulturtagen in Sathmar/Satu-Mare. Die „Komödie im Dunkeln“ von Peter Shaffer wird am Sonntag, dem 9. Mai, um 18 Uhr im Sathmarer Nordtheater aufgeführt. Die Regie übernahm Zeno Stanek aus Wien. Am Montag, dem 10. Mai, spielt das Deutsche Staatstheater um 11 Uhr das Märchen „Der Zauberer von Oz“ im Nordtheater.
Am 11. Mai wird um 19 Uhr im Saal des DSTT „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett aufgeführt. Eine Premiere ist für Sonntag, den 16. Mai, um 19 Uhr angesagt: Die schwarze Komödie „Fette Männer im Rock“ von Nicky Silver ist ein Projekt im Rahmen des Programms „Die erste Reihe“ zur Förderung junger Theaterschaffender. Regie führt Simona Vintil². Es treten Isolde Cobe], Horia S²vescu, Dirk Linke, Ina Ionescu und Anne-Marie Waldeck auf.
Am Mittwoch, dem 19. Mai, wird im Saal des DSTT „Die kahle Sängerin“ von Eugene Ionescu in der Regie von Alexandru Dabija aufgeführt. „Der Zauberer von Oz“ folgt am 20. Mai um 11 Uhr. Um 19 Uhr ist das Stück „Fette Männer im Rock“ angesagt.
Das DSTT beteiligt sich am Festival der Rumänischen Komödie in Bukarest und bietet am 22. Mai um 19 Uhr im großen Saal des Komödientheaters die Vorstellung „Die Kahle Sängerin“. Das Ensemble des Temeswarer Theaters begibt sich Ende Mai nach Sombor in Serbien. Hier wird am 26. Mai im Rahmen des Deutschen Kulturtages die „Komödie im Dunkeln“ aufgeführt.
Die Vorstellungen werden ins Rumänische übersetzt (simultan oder mit Übertitelung). Karten können an der Theaterkasse in der Alba-Iulia-Straße Nr. 2 (Di, Do, Sa: 10-13 Uhr und Fr: 10-13 und 17-19 Uhr) oder unter Tel. 0256/435743 bzw. Internet
www.deutschestheater.ro reserviert werden. Karten sind auch vor Ort, eine Stunde vor Vorstellungsbeginn, erhältlich.
Raluca Nelepcu

Mega-Projekt „Aquapark“ für Großraum Temeswar

Junge Gemeinde: Nachholbedarf und Aufholjagd
Von Siegfried Thiel

Ein Aquapark, eine junge Gemeinde und hohes Entwicklungspotenzial, so in etwa stellt Alin Nica (PNL), Bürgermeister von Neubeschenowa/Dudestii Noi, kurz die Kommune vor, deren Bürgermeister er seit 2004 ist. An diesem Tag jedoch scheinen zumindest sich die Uhren anders zu drehen als gewöhnlich: Der Gemeindevater verpasst den Termin mit den Redakteuren der Banater Zeitung, im Ort ist wegen Reparaturarbeiten Stromausfall angesagt und bereits kurz vor 11 Uhr trinken Schulkinder mir Genuss Erfrischungsgetränke aus der Dose im Dorfwirtshaus. Einziger Trost: Mülltrennung ist für sie kein Fremdwort und die Dosen fliegen in die richtige Tonne.

Kommunaleinnahmen: Ein Aquapark soll´s richten

„Wir wollen nicht nur von den Grundstückspreisen und dem Immobiliensektor abhängig sein“, sagt der 29 Jahre alte Bürgermeister. Seine Offenheit und sein Pragmatismus lassen uns schnell die Terminverzögerung vergessen. Eben wegen der angestrebten wirtschaftlichen Unabhängigkeit hat für ihn der geplante Aquapark einen gehobenen Stellenwert. Geht es so halbwegs nach den Vorstellungen des Ortsvorstehers im 2800 Einwohner zählenden Neubeschenowa bei Temeswar/Timisoara, kommen bereits in drei Jahren die ersten Gäste in den Aquapark – der Größte in der gesamten Region. „Um die Anlage herum wird sich ganz von allein ein Konglomerat an Dienstleistungen entwickeln: Gaststätten, Hotels und andere“. Bis dahin jedoch ist unschlüssig und auch im Unklaren, wer und wie den Aquapark betreiben wird. Alin Nica kann sich ganz gut vorstellen, dass in Zukunft ein Privatunternehmer die Anlage übernimmt. „Einer, der schon Erfahrung auf diesem Gebiet hat, macht das auf jeden Fall besser als wir aus der Verwaltung“. Komplett aus dem Projekt ausscheiden möchten die jetzigen Projektpartner (Gemeinderat und Kreisrat Temesch/Timis) aber trotzdem nicht.
„Wir kommen mit dem Grundstück dem Projekt entgegen“, und dann verblüfft Nica und noch heute weiß ich nicht, war es Spaß oder umwerfende Ehrlichkeit. „Wenn wir Projektpartner sind, werden wir uns auch bei administrativen Fragen stärker einsetzen“.

Idealfall Gemeindegründung

„Es ist heute ein fördernder Wettbewerb zwischen unserem Ort und dem benachbarten Kleinbetschkerek/Becicherecul Mic“. Alin Nica spielt gezielt auf die Zeiten von vor 2004 an, als seine Gemeinde ein eingemeindetes Dorf von Kleinbetschkerek war. Für ihn ist es ein klarer Fall: Die Trennung von der ehemaligen Gemeinde war eine gute Entscheidung. „Damals hatten wir zwölf Firmen im Ort, heute sind es 102“. Vor allem auf den Logistikpark eines französischen Unternehmers und auf den Möbelhersteller Rus Savitar ist der Bürgermeister besonders stolz. „Wir setzten damit die Tradition der alten Möbeltischlerei fort. 300 Arbeitnehmer sind da beschäftigt“.
In der Perspektive sieht es recht optimistisch aus, doch es gibt noch manch steinigen Weg im Ort unweit der Nationalstraße nach Tschanad/Cenad. Und weil eben schon von „steinigen Wegen“ die Rede war: „Fotografieren Sie doch die schlechten Straßen des Bürgermeisters“, schreit einer aus seinem Pkw unserem Fotografen zu. Alin Nica, der gerade über ein 2,1-Millionen-Euro-Projekt das Wasser- und Kanalisationsnetz ausbauen und erweitern lässt, hat zur Situation der Straßen ebenfalls eine Antwort parat. „Es macht keinen Sinn, die Straßen zu sanieren, bevor nicht die Kanalisationsarbeiten abgeschlossen sind. Sonst reißen wir ja morgen auf, was wir heute gebaut haben“. Nichts ist wohl prägnanter in Neubeschenowa als der Unterschied zwischen den alten, oft baufälligen, aus Lehm gestampften Bauernhäusern und den Ansätzen erster Villenzüge der Temeswarer, die sich im Ort ein Heim errichten. Um nicht etwa in Kürze ein vielfarbiges Häuserkonglomerat zu haben, musste der elfköpfige Gemeinderat eine Sonderverordnung verabschieden: Die Häusergiebel müssen in Gelb oder Orange gehalten werden, heißt es da. Als Beispiel macht die Kommunalverwaltung es mit all ihren öffentlichen Einrichtungen vor.
Trotz Stadtnähe fahren nur etwa 10 Prozent der Kinder nach Temeswar zur Schule; die anderen bleiben in der Acht-Klassen-Schule in der Gemeinde, unterrichtet von ausgebildeten Lehrkräften, die zum Teil aus Temeswar anreisen. Und eben dieses Pendeln trieb bis vor kurzem dem jungen Bürgermeister tiefe Sorgenfalten ins Gesicht. Erst als sich Alin Nica innerhalb der zukünftigen Metropolitanzone um eine Express-Bus-Linie von Temeswar nach Neubeschenowa bemühte, wurde auch das Transportunternehmen zusehends entgegenkommender – die Kritik nahm ab und die Ticketpreise wurden halbiert. Marktwirtschaftlicher geht´s nicht.


Landleben in Neubeschenowa
Foto: Zoltán Pázmány

Neue Gebühren stehen an

Schon wieder Pläne zur Habitatsgebühr
oi. Temeswar - Die Habitatsgebühr erneut im Gespräch. Die Temeswarer werden am 13. Mai im Bürgermeisteramt erwartet, um ihre Meinung zu diesem Projekt zu äußern. Die Habitatsgebühr sieht vor, dass jeder Bürger der Stadt, der eine Wohnung oder ein Grundstück in der Stadt besitzt, jährlich eine Gebühr von 40 Lei zahlen soll. Ausgenommen von dieser Taxe sind jene, deren Einkünfte niedriger als der Mindestlohn sind. Das Geld wird, so jedenfalls sieht es das Projekt vor, für die Sanierung von Gebäuden in der Stadt verwendet werden.
Es ist eher unwahrscheinlich, dass sich die Temeswarer über diese Zusatzgebühr freuen, zumal im vergangenen Jahr, als diese eingeführt werden sollte (aber im Stadtrat abgelehnt wurde) die Bürger meinten, dass jeder Eigentümer für sein Haus selbst zuständig ist, und nicht die gesamte Gemeinschaft. Im Gegenzug besagt das Projekt, dass „die Fassade eines Gebäudes nicht den Eigentümern oder den Bewohnern eines Hauses gehört, sondern der ganzen Gemeinschaft“. Immerhin: Sie wirkt sich aus auf das Gesamtbild der Stadt, indirekt also auch auf die Immobilienpreise. Weiterhin besagt das Projekt: „Die Habitatsgebühr wird in zwei gleich hohen Raten bezahlt, eine bis zum 31. März, die zweite bis zum 30. September 2011. Im Falle der Nichtbezahlung bis zum besagten Datum werden Verspätungszuschläge zu entrichten sein. Diese werden 0,1 Prozent pro Tag betragen. Diejenigen, die eine Eigentumswohnung im Verlauf des Jahres 2011 kaufen, müssen die (Jahres-)Gebühr ab dem Ersten des auf den Erwerb folgenden Monats begleichen“.
Weitere Vorschläge, die ins Geld der Bürger der Stadt Temeswar/Timisoara gehen, kommen vom Steueramt beim Temeswarer Bürgermeisteramt. Dieses schlägt nämlich eine Erhöhung der Steuer auf Immobilien für Privatpersonen um sechs Prozent, für Rechtspersonen um 20 Prozent vor. Gültig bleibt jedoch die zehnprozentige Ermäßigung für all jene, die ihre Steuern auf Häuser und Grundstücke bis zum 31. März 2011 begleichen

Frisch sanierte Gebäude am Domplatz: Die Besitzer könnten nächstes Jahr eine Habitatsgebühr für die Grundstücke begleichen.
Foto: Zoltán Pázmány

„Pilotprojekt Herkulesbad“



Herkulesbad, ein Kurort mit großem touristischen Potenzial
Foto: Zoltán Pázmány



Herkulesbad (BZ) - In einem Schreiben ans Ministerium für Regionalentwicklung und Tourismus (WDRT) verlangte die Reschitzaer Regionalzeitung „Jurnal de Caras-Severin“ Details zu den wiederholt gemachten Versprechungen von Ministerin Elena Udrea, etwas zum Überleben und zur Sanierung des Badekurorts Herkulesbad/Baile Herculane zu unternehmen. Zur Überraschung der Journalisten kam jüngst aus Bukarest eine Antwort auf die Anfrage.
Die Antwort ist nicht so kurz und pauschal wie befürchtet. Zuerst wird eingegangen auf die Ursachen, die in der Sicht des MDRT zum Niedergang des Kurorts geführt haben (dieser Teil der Antwort gilt wohl für alle alten Badekurorte Rumäniens, mit lokalen „Spezifika“). Zusammengefasst handelt es sich in der aktuellen Sicht des MDRT um „die Destrukturierung des Tourismus auf nationaler Ebene in der Zeitspanne 1990-2008“ und um „das Fehlen einer zentralen, regionalen und lokalen Entwicklungsstrategie für einen nachhaltigen Tourismus“.

Haken der Pauschalprivatisierung
Bezugnehmend auf die Privatisierungen ganzer Kurorte, wie sie zu Beginn des neuen Jahrtausends (unter der Regierung Adrian Nastase und seinem Tourismusminister Dan Matei Agathon – die im MDRT-Schreiben allerdings nicht namentlich genannt werden) praktiziert wurden, wird eingeschätzt, dass „bei der Vertragsaufsetzung richtigerweise den neuen Besitzern der touristischen Aktiva Auflagen bezüglich dringender Investitionen aufgelistet“ wurden, dass in den Kaufverträgen steht, dass die Neubesitzer „konstante Investitionen in die Qualität und Diversifizierung des Tourismus“ zu tätigen haben – dass aber nirgends klar und unmissdeutbar steht, welches diese Maßnahmen, ganz konkret, sind. Es fehlen auch konkrete Termine zur Umsetzung der Maßnahmen. Aber es wurde bislang auch nie überprüft, ob und in welchem Maß die Verpflichtungen, die in den Kaufverträgen stehen, erfüllt wurden. Indirekt sollte das möglicherweise auch als ein Eingeständnis der eigenen Grenzen verstanden werden, denn seit es das MDRT gibt ist keine Erkenntnis über eine Überprüfung der Kaufverträge für ganze Kurorte und der in den Kaufverträgen enthaltenen Verpflichtungen der Käufer an die Öffentlichkeit gedrungen.
Problematisch und zusätzlich erschwerend für Herkulesbad/Herculane sei, dass im zwischen den PSD-Parteigenossen Dan Matei Agathon und Iosif Armas (als Vertreter der SC Argirom Internationl, welche die SC Hercules SA übernommen hat) ausgehandelten Kaufvertrag als Teil des Vertrags auch der Besitz der Thermalquellen gleich mit verkauft wurde (was nach wie vor von vielen der Kritiker des Kaufvertrags von 2004 als Illegalität angesehen wird, weil Bodenschätze Staatsbesitz sind und bleiben müssen – die Verteidiger des Kaufvertrags machen da subtile Nuancierungen zwischen z.B. Mineralien und Erdöl als Bodenschätze und Quellen).

Jetzt kommt ein Expertenteam
Auf alle Fälle ist das MDRT der Meinung, dass das „Monopol der SC Hercules SA über die Thermalquellen die Tätigkeit aller anderen Unternehmen aus Herkulesbad zur Verwertung dieser Ressourcen erschwert“. Zugegeben wird auch, dass Herkulesbad „viel zu wenig beworben und gefördert“ wurde/wird. Dafür gäbe es aber eine gewisse Entschuldigung, weil der Zerstörungszustand des historischen Teils des Kurorts jede positive Werbung erschwert. Nicht zuletzt sei die „schwerfällige, unvollständige und fehlerhaft angewandte“ Gesetzgebung sowie die „zum richtigen Zeitpunkt verpasste Intervention staatlicher Institutionen“ am heutigen Zustand von Herkulesbad schuld.
Allgemein und etwas schütter fällt die Definierung der Absichten des MDRT bezüglich der Rettung von Herkulesbad aus. Man wolle einen „Pilot-Kern von Badekurorten“ schaffen im Rahmen der Nationalen Strategie über die Entwicklung des Badetourismus sowie „je schneller die Studien und Projekte ausarbeiten für den Start der Investitionen“. Gleichzeitig soll die Gesetzgebung bezüglich Kurtourismus überarbeitet werden, vor allem die Kapitel über Verantwortungsbereiche. Speziell auf Herkulesbad bezogen soll demnächst "ein Expertenteam" die Lage des Kurorts „analysieren“ und die Ausarbeitung einer „Vor-Machbarkeitsstudie“ koordinieren, welche die Sanierung des historischen Teils des Kurorts zum Ziel hat. Gleichzeitig sollen „neue Formen des Tourismus“, außer dem Badetourismus, identifiziert werden. Alles soll im von Ministerin Elena Udrea Anfang April angekündigten „Pilotprojekt Herkulesbad“ münden.

Banater lassen die Bowling-Kugeln rollen

Spielzentren am Wochenende ausgebucht
Von Ana Saliste und Raluca Nelepcu
Witzige „Hausschuhe“ anziehen, Bowling-Kugeln rollen lassen und gleichzeitig viel Spaß mit Freunden haben – das könnte ein gemütlicher Abend werden. Das aus Amerika importierte Bowlingspiel liegt bei den Banatern seit einigen Jahren hoch im Trend. Besonders bei launischem Aprilwetter können sich Groß und Klein auf der Bowlingbahn aufhalten – und hier so richtig die Kugeln schwingen. Doch welche Möglichkeiten gibt es im Banat, die Präzisionssportart, bei der alle Pins umgeworfen werden müssen, auszuüben? Die BZ hat recherchiert, wo man in Temeswar/Timisoara, Lugosch/Lugoj und Arad am besten Bowling spielen kann.

Wer die Kugel auf der Bahn rollen lassen will, dem stehen in Temeswar drei große Bowling-Anlagen zur Verfügung: im Tequila-Club, in der Iulius Mall und im „Daf“-Restaurant in der angrenzenden Ortschaft Girok/Giroc. Am Wochenende sind die drei Spielzentren komplett ausgebucht. Die Reservierungen müssen schon ein paar Tage früher vorgenommen werden.
Der Tequila-Club im Studentenviertel verfügt über vier Bowlingbahnen. 30 Lei kostet hier die Spielstunde. Außerdem werden im Laufe des Jahres verschiedene Bowling-Wettbewerbe veranstaltet. Wer wie ein Profi mit der Kugel werfen will, der liegt hier genau richtig: Der Club bietet auch Bowling-Unterricht an.
Im Giroker Bowlingcenter muss man 40 Lei pro Spielstunde begleichen. Die Spielanlage ist jedoch nur mit zwei Bahnen ausgestattet. Verbunden mit der Gastronomie - das „Daf“-Restaurant - und weiteren Unterhaltungsmöglichkeiten, ist das Bowlingcenter in Girok ein guter Anlaufpunkt für Feierlichkeiten jeder Art. „Ich mag es, hierher zu kommen, auch wenn es etwas weit weg ist. Die Ausstattung ist modern, man kann nachher etwas Leckeres essen, das Restaurant hat auch eine kleine Terrasse, wo man bei schönem Wetter entspannen kann“, sagt die Temeswarerin Diana Laza (26), die ab und zu in ihrer Freizeit Bowling spielt.
Das Bowlingcenter der Iulius Mall verfügt über sechs Bowlingbahnen, die extra aus Amerika gebracht wurden, und ist somit das größte Entertainment Center dieser Art in Temeswar. Da müssen die Bowlingfans jedoch bedeutend mehr Geld aus der Tasche ziehen: Die Preise hängen von Tag und Uhrzeit ab. Von Montag bis Freitag, zwischen 10 und 18 Uhr, muss man 55 Lei für die Spielstunde bezahlen. Ab 18 Uhr kostet eine Stunde Bowling um 10 Lei mehr; die Spielstunde zwischen 22 und 23 Uhr kostet 70 Lei. Am Wochenende, von Freitag bis Sonntag, ist das Center auch nachtsüber geöffnet. Da liegen aber die Preise deutlich höher: Zwischen 10 und 18 Uhr - 65 Lei, zwischen 18 und 22 Uhr - 70 Lei und von 22 bis vier Uhr morgens, 75 Lei/Spielstunde.
In der Temescher Stadt Lugosch/Lugoj gibt es ein Freizeitzentrum, das vor allem dem Kegelsport gewidmet ist. „Space Bowling“ heißt der Club in der Timisorii-Straße Nr. 121A, der ein umfangreiches Angebot an Gesellschaftsspielen bietet. Sechs Bowlingbahnen stehen den Lugoschern zur Verfügung, für Kinder wurden zwei Bumpers-Bowlingbahnen eingerichtet. Die seitlichen Rinnen auf der Bahn wurden erhöht, damit jeder Wurf ein Treffer ist. Die Tarife für Bowling sind unterschiedlich und hängen von Tag und Uhrzeit ab. Von Montag bis Donnerstag kostet die Spielstunde 60 Lei zwischen 16 und 20 Uhr bzw. 50 Lei zwischen 20 und 24 Uhr. Am Freitag gibt es einen einheitlichen Tarif von 40 Lei. Am Wochenende müssen Bowling-Begeisterte 60 Lei für eine Spielstunde aus der Tasche ziehen. Im „Space Bowling“-Club gibt es auch die Möglichkeit, Billard, Snooker und Darts zu spielen. Auch in Arad steht den Spielern eine Bowlinganlage zur Verfügung: Diese umfasst zwei Bahnen und befindet sich im Continental-Hotel am Revolu]iei-Boulevard. Die Spielstunde kostet hier 50 Lei. Reservierungen können unter der Telefonnummer 0257206416 vorgenommen werden. Wer in seiner Freizeit das Spiel mit den Pins ausprobieren möchte, der weiß es nun: Im Banat gibt es ein paar gut ausgestattete Clubs, wo man Bowling spielen kann. Wer alle zehn Pins auf einmal umwerfen will, der muss schon ein wenig üben. Reines Anfängerglück zählt in diesem Fall wohl kaum.

„Eine große Entlastung für den rumänischen Staat“

Gespräch mit Herbert Grün, Geschäftsführer der Caritas Temeswar

Von Kinderheimen über Frauenhäuser bis hin zu Obdachlosenstätten und Pflegestationen: Der Caritas-Verband der Diözese Temeswar/Timisoara widmet sich seit 1993 allen Formen von Sozial- und Gemeinschaftshilfe. „Gemeinsam für die Menschen“ lautet das Motto der römisch-katholischen Hilfsorganisation „Caritas“. Und gerade dieser Einsatz zum Wohle der Gemeinschaft ist der Motor des Verbandes, der Jahr für Jahr einigen Hundert Menschen in Not aus den Verwaltungskreisen Temesch, Arad, Karasch-Severin und Mehedin]i unter die Arme greift. Welche Bedeutung die Projekte der Caritas haben und wie es der Verband schafft, diese über Jahre hinweg auszubauen und zu erhalten, erzählte Geschäftsführer Herbert Grün der BZ-Redakteurin Raluca Nelepcu.


Welche sind die Sozialprojekte der Caritas?
Die Caritas Temeswar hat mehrere Sozialprojekte, die verschiedene Gebietsebenen decken. Es sind hauptsächlich Projekte für Waisenkinder, Obdachlose und alte Leute sowie Projekte zur medizinischen Betreuung. Zu den Kinderheimen gehören das Mutter-Kind-Heim in Temeswar, ein Kinderheim in Wetschehausen/Pietroasa bei Lugosch/Lugoj, eines in Neutpetsch/Peciu Nou und eines in Neubeschenowa/Dudestii Noi. In unseren Heimen finden 70 Kinder eine Unterkunft. Dann gibt es die Tagesstätte für Kinder in Bakowa/Bacova - das Pater-Berno-Haus mit 28 Kindern. Eine weitere Tagesstätte mit 35 Kindern haben wir in Nadrag und eine in Perjamosch/Periam – für 30 Roma-Kinder. Außerdem funktioniert auch in Wetschehausen eine Tagesstätte, wo wir mit etwa 40 Kindern aus der Schule arbeiten und ihnen Nachhilfestunden anbieten. Für Obdachlose gibt es das Temeswarer Nachtasyl mit 80 Plätzen und die Jugendfarm in Bakowa, ein Integrationsprojekt für Obdachlose und Straßenkinder, wo den Nutznießern 22 Plätze zur Verfügung stehen. Das Frauenhaus mit sechs Plätzen in Temeswar ist eine Notstelle für Frauen, Opfer häuslicher Gewalt. Frauen und Kinder können hier bis zu drei Monaten bleiben und inzwischen ihre rechtliche Situation klären. Wir haben Sozial- und Pflegestationen insbesondere für alte und sozialschwache Leute. Solche gibt es in diesem Jahr in Temeswar, Busiasch/Buzias, Ferdinandsberg/Otelu Rosu, Karansebesch/Caransebes, Steierdorf-Anina und Reschitza/Resita, wo alte Leute zu Hause medizinisch versorgt werden. Für Alte haben wir auch Suppenküchen. Eine Suppenküche für 90 Personen gibt es in Temeswar, in Nadrag funktioniert eine für 40 Nutznießer. Wir haben außerdem ein Hospiz, eine Palliativpflege und Sterbebegleitung vor allem für krebskranke Menschen. Das Hospiz funktioniert auf Krankenhausbasis, weil wir einen Vertrag mit der Krankenkasse abgeschlossen haben.

Welches von diesen Projekten halten Sie für das Wichtigste?
Alle sind wichtig. Ein besonderes Projekt ist aber die Jugendfarm in Bakowa, wo wir nicht nur soziale, sondern auch wirtschaftliche Dienstleistungen anbieten. Wir haben Produktionsstätten und betreiben Landwirtschaft. Wir bewirtschaften 230 Hektar Land, Schweine und Kühe werden gezüchtet. Wir können dadurch unsere Grundnahrungsmittel selbst produzieren. Die Farm ist praktisch als eine Selbstversorgung gedacht. Von hier werden also die meisten unserer Projekte, die an Lebensmittel hängen, beliefert. Wir haben auch eine Getreidemühle hier, wo wir Mehl mahlen und mit fünf Bäckereien zusammenarbeiten, die für unsere Projekte Brot backen.

Seit wann gibt es dieses Produktionsprojekt?
Dieses Projekt ist in einer ständigen Aufbauphase. Wir haben mit der Einrichtung der Farm im Jahr 2000 begonnen. Seit fünf Jahren wird in Bakowa auch Landwirtschaft betrieben.

Wie finanziert sich die Caritas im Jahr 2010?
Die Caritas finanziert sich im Jahr 2010 wie auch bis jetzt: zumeist aus Spenden. Ungefähr 70 Prozent unserer Einnahmen sind Spenden, vor allem aus dem Ausland. Einen Teil der Kosten übernehmen die Gemeinden und ein Teil fließt aus dem Staatshaushalt - das ist aber sehr wenig. Wenn es um medizinische Dienstleistungen geht, übernimmt auch die Krankenkasse einiges.

Von wo kommen die meisten Spenden?
Die meisten Spenden kommen aus Österreich und Deutschland.

Wie groß ist die Entlastung, die die Caritas dem rumänischen Staat bietet?
Es ist schon eine sehr große Entlastung für den Staat, wenn wir die Zahl der Nutznießer und unsere Ergebnisse im Jahr betrachten. Wir versorgen täglich an die 500 Leute über Suppenküchen und Tagesstätten. 80 Obdachlose haben eine Übernachtungsmöglichkeit, im Frauenhaus finden über 40 Frauen pro Jahr eine Unterkunft. Außerdem sind es die zahlreichen Waisenkinder, die seit über 15 Jahren bei uns wohnen. Das sind also Kinder, die nicht in staatlichen Heimen untergebracht werden müssen.

Inwiefern wird die Caritas von der Stadt Temeswar unterstützt?
Von der Stadt Temeswar bekommen wir eine gute Unterstützung. Wir haben zu Jahresbeginn eine Finanzierungslücke beim Nachtasyl gehabt, aber durch den Stadtrat und den Bürgermeister haben wir eine sehr gute finanzielle Möglichkeit gefunden. Ich möchte mich hiermit beim Bürgermeister und beim Stadtrat bedanken. 60 Prozent der Betriebskosten und fünf Löhne für unsere Angestellte werden vom Kommunalhaushalt gesichert.

Was wünschen Sie sich dringend für die nächste Zukunft?
Für die nächste Zukunft würde ich mir wünschen, dass der rumänische Staat vielmehr von unseren Kosten übernehmen würde, weil wir ja eine Dienstleistungsorganisation für die Bevölkerung sind. Ich glaube nicht, dass es für immer solche Dienstleistungen geben kann, die von anderen Ländern finanziert werden.


Herbert Grün: „Das Nachtasyl war Anfang des Jahres in Frage gestellt, nun wurde eine Finanzierungsmöglichkeit gefunden“.

Foto: Zoltán Pázmány

Temeswarer Caritas setzt Sozialengagement fort

Musiktheater für sozial Benachteiligte aufgetreten
„Es ist keine ´normale` Farm. Hier wird Sozialarbeit mit Produktion verbunden“, sagt Reiner Oster, Farmleiter der Caritas Temeswar in Ortschaft Bakowa/Bacova. Dreißig Kilometer von Temeswar/Timisoara hat die Caritas im ehemals von Banater Schwaben besiedelten Bakowa eine richtige Industrie aufgebaut. Da wird Landwirtschaft betrieben, Schweine und Kühe gezüchtet und in Werkstätten Reparaturen und Tischlereiarbeiten durchgeführt. Auf fünf Hektar erstrecken sich die Gebäude, aber auch der Bereich, auf dem Sozialarbeit angesagt ist. Hier werden erwachsene Obdachlose untergebracht und betreut und über einen Job auf der Farm soll die soziale Ausgrenzung dieser vermieden werden.
Ganz einfach ist es jedoch nicht - weiß der 29 Jahre alte Reiner Oster - denn nicht selten verlassen die untergebrachten Obdachlosen ihre Wohnungen, um wieder auf der Straße zu landen. Vor allem im Sommer ist dies der Fall, sagt der Farmleiter. Studien haben erwiesen, was Raimund Walter – zuständig für Investitionen bei der Caritas Temeswar – in seinem Job ebenfalls längst erfahren musste: Je länger Obdachlose auf der Straße leben, umso schwieriger ist es, sie wieder voll zu integrieren. Für Reiner Oster ist ein ehemaliger Obdachloser erst dann voll integriert, wenn er sich selbst seinen Unterhalt sichern kann, ohne auf die Unterstützung der Sozialeinrichtungen angewiesen zu sein. Zwei mal vier Zimmer (zu je zwei Betten) standen bisher auf der Farm zur Verfügung. „Es ist ein geordnetes Leben hier auf der Farm und zu tun gibt es immer etwas“, sagt einer der Farmbewohner – ehemals Obdachloser.
Seit vergangenem Samstag kommt das sogenannte Pater-Titus-Haus hinzu, das sowohl Wohnungen als auch Küche und Verwaltungstrakt enthält. Das Haus vervollständigt das 2007 gestartete Projekt eines „Zentrums zur sozialen und beruflichen Integration von erwachsenen Obdachlosen“. Außer den Gönnern aus dem Ausland hat die Caritas bei diesem Projekt als Partner das Temescher Amt für Kinderschutz und Soziales.
Eingeweiht wurde das Titus-Haus zusammen mit dem Fest-Spiel-Haus, das zu Events und Freizeitaktivitäten vorgesehen ist. Momente tiefster Überlegungen lieferte die Geschichte über das Titus-Haus, das nach einem österreichischen Priester benannt wurde, der gegen Ende des zweiten Weltkrieges wehrlose Frauen und Kinder vor sowjetischen Soldaten schützte, dabei aber mit dem eignen Leben bezahlte. Anwesend bei der Veranstaltung waren Partner und Spender aus Deutschland und Österreich, die mit der Temeswarer Caritas seit vielen Jahren zusammen arbeiten und deren Projekte unterstützen. Unterstützung, aber auch Unterhaltung gepaart mit Nostalgie brachte die freie Theatergruppe „teatro“ aus Wien. Mit dem Musical „Sara, die kleine Prinzessin … und ihre Liebe zu den Straßenkindern” hatten die jungen Künstler bereits über ein Benefizkonzert Geld für Obdachlosenprojekte der Temeswarer Caritas gesammelt, nun zeigten sie live aber auch auf Leinwandaufnahmen einen Großteil der Aufführung aus einer Welt von Bettlern und Straßenkindern – einen idealeren Ort und Augenblick dazu hätte es kaum geben können… (st)

Dienstag, 20. April 2010

Woche der Kaffehauskultur

Noch vier Veranstaltungsabende stehen bevor
as. Temeswar
– Eine Fotografieausstellung, Pantomime- und Graffitti-Vorführungen und ein Konzert: Die sechste „CaféKulTour – Woche der Kaffeehauskultur“, die derzeit in Temeswar/Timisoara läuft, möchte auch in diesem Jahr die Herzen der Temeswarer erobern und schlägt dafür ein dynamisches und buntes Programm vor. Vier Abende mit verschiedenen Kulturveranstaltungen stehen den Kulturfreunden noch bevor. Die Veranstaltungsreihe, die vom Deutschen und Französischen Kulturzentrum in Temeswar organisiert wird, begann am Montagabend mit einer Kurzfilmausstrahlung im Bunker-Club. „Ich freue mich, dass ich in diesem Jahr diese Veranstaltungsreihe offiziell eröffnen kann. Vor sechs Jahren, als dieses Projekt startete, war ich Kulturreferentin am Deutschen Kulturzentrum und habe bei der Veranstaltung der ersten CaféKulTour mitgemacht“, sagte Alina Baciu, Leiterin des Temeswarer Deutschen Kulturzentrums, bei der Eröffnung.
Heute findet im Club „Setup Venue“ die Performance der 2005 gegründeten Künstlergruppe „shortfilmlivemusic“ statt. Das Konzert beginnt um 20 Uhr. Sechs Künstler und Musiker aus Deutschland und Ungarn untermalen Kurzfilme aus Deutschland und Osteuropa musikalisch und lassen dabei Film und Musik zu einem neuen Gesamtkunstwerk verschmelzen. Dabei entstehen aus live improvisierten Klängen und Fragmenten aus Originalstücken diverser Komponisten neue Soundtracks, die zu den im Rahmen des Konzerts ausgestrahlten Kurzfilmen passen. Verschiedene Filmgenres und die gesamte musikalische Bandbreite zwischen Klassik und Improvisation vereinen sich zu einem neuen Ganzen.
Die Vernissage der Fotoausstellung „Ortszeit/Local Time“ des Fotografen Stefan Koppelkamm findet am morgen um 19 Uhr im Bierhaus statt. Durch seine Bilder versucht der deutsche Künstler, das neue und alte „Ostdeutschland“ gegenüber zu stellen.
Eine Graffitti-Performance des französischen Künstlers Kendo soll am Freitag, dem 23. April, um 20 Uhr im Club „Aethernativ“ junges Publikum locken. Die „Woche der Kaffeehauskultur“ endet am Samstag, dem 24. April, mit einer Marionetten- und Pantomime-Aufführung im Lokal „Porto Arte“ am Ufer der Bega. Die Show des französischen Künstlers Merlin Borg beginnt hier um 20 Uhr.

Rock in Gârnic

Ein Treffen der rumänischen Motorradfahrer findet Ende April unweit der Donauklamm statt.
Foto: www.garnic.go.ro



Zweites Biker-Treffen am Monatsende
wk. Gernik/Gârnic
– Die Gemeinschaft der Motorradfahrer Rumäniens organisiert zwischen dem 30. April und dem 2. Mai das zweite Rockfestival von Gernik/Gârnic (deutsch: Weizenried) unweit der Donauklamm. „Rocker`s Festival II“ ist eine Folge des Erfolgs der vorjährigen Ausgabe, als sich in der Tschechengemeinde über 800 Motorradfahrer aus dem In- und Ausland für drei Tage versammelt hatten. Sternstunden der diesjährigen Ausgabe sollen die Auftritte von Rockbands aus Rumänien, Serbien und Tschechien sein, wobei die rumänische Gruppe „Cargo“ zum Stargast erklärt wurde.
Die Tschechengemeinde Gernik, der die Rumänenortschaft Padina Matei eingemeindet ist, wurde im Rahmen der letzten habsburgischen Kolonisierungswelle 1925-27 gegründet, als aus Böhmen sowohl Tschechen als auch Böhmendeutsche in den Randgebirgen der Donau und am Semenik als Wehrbauern im Rahmen des Wallachisch-Illyrischen Grenzregiments Nr. 13 angesiedelt wurden.
Damals entstanden neben den Deutschböhmensiedlungen Wolfsberg/Garâna, Weidenthal/Brebu Nou, Lindenfeld, Wolfswiese und Altsadowa/Sadova Veche auch die Tschechensiedlungen Gernik, Sankt-Helena/Sfânta Elena, Ravensca/Ravenska, Eibenthal, Schnellersruhe/Bigar und Schumitza/Sumita. Gernik durch die Ansiedlung von insgesamt 56 Tschechen-Großfamilien. Durch die relative Isolierung der Ortschaften wurden Sprach- und Traditionseigenheiten der Siedler gut konserviert und die Einheimischen sprechen nach wie vor tschechisch untereinander. Auch die Blasmusik wird weiterhin gepflegt und sie gehörte im vergangenen Jahr zu den Erfolgselementen des Motorradfahrer-Treffens.
Gernik liegt auf durchschnittlich 705 Meter Seehöhe und ist eine für jene Besiedlungsepoche im 19. Jahrhundert typische Kammsiedlung. In der Umgebung liegen die Ortschaften Sichevi]a (7 km entfernt), Carbunari (18 km), Ravenska (15 km), Sankt-Helena (14 km) und Moldovita (7 km). Hauptbeschäftigung der Bewohner ist die Landwirtschaft (eine Art Waldbauernwirtschft) und die Viehzucht, neuerdings in Ansätzen auch Tourismus (es gibt bereits einige Pensionen; bei einer Veranstaltung wie dem Rockfestival muss man sich aber auch bei den Bauern Unterkünfte suchen bzw. in Zelten übernachten/schlafen). Typisch für Gernik ist das Kalkbrennen in Gruben und der Kalkverkauf in der gesamten Donauklamm. Früher, in der kommunistischen Zeit, waren die Männer der Ortschaft in der Regel Pendler, die im Kupferbergwerk von Neumoldowa/Moldova Noua tätig waren.
Zu den touristischen Sehenswürdigkeiten von Gernik (die Wander- und Radfahrtrassen im Raum Gernik sind alle markiert, versichert das örtliche Rathaus) gehört das Wassermühlenensemble im Tal des Gramenska-Baches (vergleichbar dem mulinologischen Reservat in Rudaria/Eftimie Murgu) sowie zahlreiche Naturschönheiten: Wasserfälle, Höhlen, fischreiche Gewässer. Die Ortschaft liegt übrigens inmitten eines dichten Buchenwalds im „Gemischten Reservat Valea Mare/Moldovita“ und gehört zum grenzüberschreitenden Nationalpark Portile de Fier/Eisernes Tor.






„Es geht um uns hier“

Gespräch mit Fachberater Dr. Rolf Willaredt

„Schulen: Partner der Zukunft“ (kurz: PASCH) nennt sich die Initiative des Auswärtigen Amtes, die als Ziel die Gründung eines weltweiten Netzwerks von Schulen, an denen verstärkt Deutsch unterrichtet wird, hat. Acht Banater Partnerschulen wurden vor Kurzem mit PASCH-Plaketten ausgestattet. Zu dem Ereignis in Temeswar/Timisoara lud Dr. Rolf Willaredt von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) ein. Aus diesem Anlass wurde auch das Deutschlehrbuch der 10. Klasse, finanziert aus ZfA-Mitteln, offiziell vorgestellt. Über die PASCH-Initiative und über das neue Lehrbuch sprach BZ-Redakteurin Raluca Nelepcu mit dem Fachberater.


Wie werden die Partnerschulen in Rumänien von der deutschen Seite unterstützt?
In den letzten beiden Jahren sind über 200.000 Euro in die Partnerschulen geflossen – allerdings nicht als Barmittel, sondern als Gegenwert zu Lehrbüchern, Laptops, Internetanschlüssen und vorbildlichen Klassenzimmern, zum Beispiel. Wir haben versucht, die Partnerschulen konzentriert auszustatten mit dem, was man glaubt, dass ein moderner Unterricht auch an Motivationsschub für die SchülerInnen bringt. Das soll jetzt erhalten bleiben, aber die PASCH-Initiative geht damit nicht zu Ende, sondern wir werden punktuell weiterhin die Schulen unterstützen, wie zum Beispiel durch selbst geschriebene Lehrbücher. Durch die PASCH-Initiative wurden nun die Schulen in Rumänien mit einem Deutschlehrbuch der 10. Klasse im Wert von 6.000 bis 10.000 Euro ausgestattet.

Wie hat sich die PASCH-Initiative im Laufe der Jahre entwickelt?
Bis vor drei Jahren gab es eine völlig andere Schwerpunktsetzung in der Bildungspolitik. Wir haben durch die PASCH-Initiative den Auftrag gehabt, weitere Schulen hinzuzuziehen, um ein größeres Netz an Schulen mit Unterricht in deutscher Sprache zu spannen. Die ZfA und das Goethe-Institut haben aber innerhalb eines Jahres schon weit mehr getan, als man sich das ursprünglich vorgestellt hat. Wir in Rumänien könnten beliebig weitermachen: Es gibt viele Schulen, auch gerade der Klassen V-VIII, die bereit wären, die Bedingungen zu erfüllen, die an eine Partnerschule gestellt werden. Aber jetzt ist irgendwann auch mal ein Ende erreicht, um diese Partnerschulen überhaupt zu organisieren, zu vernetzen und auszustatten. Deswegen hat die Bundesministerkonferenz beschlossen: Jetzt sind wir mit diesen 1.500 Schulen vorerst mal zufrieden. Wenn jetzt noch jemand dem PASCH-Netz beitreten möchte, muss man jemand anderen ausscheiden lassen, wenn er die Kriterien nicht erfüllt.

Das Buch der 8. Klasse war vor einigen Jahren nicht sehr erfolgreich. Wie wollen Sie es vermeiden, dass nun dieses Lehrbuch das selbe Schicksal erleidet?
Damals, vor zehn Jahren, hat man wenig begriffen, was denn überhaupt Projektunterricht heißt, offener Unterricht, aktuelle Themen und Ähnliches. Es hat einfach an der Begleitung gefehlt, dass man die Lehrkräfte mit diesem Lehrbuch in Seminaren vertraut macht und dass man selbst zeigt, wie so eine Sequenz unterrichtet wird. Wir werden diesmal einführende Seminare haben, wir werden anhand von einzelnen Kapiteln Unterricht zeigen, es wird eine ganz andere Einführungsphase kommen als das damals der Fall war. Ich denke auch, dass die KollegInnen nach diesen zehn Jahren an einem anderen Punkt der Methodik und Didaktik stehen als sie damals gestanden haben.

Herta Müller, Aktionsgruppe Banat, Heimatliteratur, das alles kommt im neuen Lehrbuch zur Geltung. Wieso hat man die regionale Verankerung als so wichtig empfunden?
Auch im Lehrbuch der Klasse 8 war die regionale Verankerung wichtig. Das ist eben der Vorteil eines rumänischen Lehrbuchs in deutscher Sprache, wenn man auf die regionale Verankerung der Themen eingehen kann. Wenn irgend eine zusammenkopierte Einheit aus einem deutschen Lehrbuch erscheinen würde, hätte kaum jemand einen direkten Bezug. Wir haben gesagt: Wir brauchen Anknüpfungen an die Namen und Ortsnamen, damit die Schüler und Schülerinnen das Gefühl haben, „es geht um uns hier“.

Welche Schwierigkeiten hatten Sie beim Erarbeiten des Lehrbuchs?
Wir mussten uns zunächst erstmal selbst motivieren. Wir mussten am Anfang die Skepsis überwinden, ob wir das schaffen werden. Der andere Gesichtspunkt ist der: Wir arbeiten im Ehrenamt. Das, was der Gemeinschaft nützt hat für mich einen ungeheuren Wert, der in dieser Gruppe wirklich vervielfältigt wurde. Wieviel Zeit da drin steckt, wenn man als schlecht bezahlter Lehrer nicht mit anderen Einnahmequellen rechnen kann, ist nicht hoch genug einzuschätzen. Das ist gleichzeitig ein Rufsignal an das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien, sich den Leuten in irgend einer Form erkenntlich zu zeigen, sei es nur als Rückmeldung zu dem, was wir geschafft haben.
Fachberater Rolf Willaredt (rechts) bei der Verleihung der Partnerschulplaketten.
Foto: Raluca Nelepcu

Unzureichend Platz für Störe

Landwirtschaftsminister ist über die Zuchtfarm begeistert

Großes Gewimmel und Fische, die aus dem Becken springen. Am Beckenrand an diesem Freitag, der wohl prominenteste Besucher, denn die Störzucht bei Jahrmarkt/Giarmata wohl zu diesem Zeitpunkt haben konnte: der rumänische Landwirtschaftsminister Mihail Dumitru. Seinen Besuch in Temeswar nahm er als Anlass, 20 Kilometer von Temeswar entfernt, die Störzucht des Banater Schwaben Gerald Buchert zu besuchen. Hier begann vor ein paar Jahren der Bau einiger Hallen und die Anschaffung der Geräte, die für die Zucht der „Kaviarproduzenten“ nötig sind. Im Anfangsstadium wurden in den Becken Forellen gezüchtet. Da es diesen allen Anscheins nach sehr gut ging, wurden 25 Becken mit Stören bevölkert. Beim Erwerb waren es Kleinfische, die in den Becken herumschwammen. Inzwischen ist jedoch ungefähr ein Jahr vergangen. Die Fische haben es gut gehabt und sind gewachsen. Bislang alles gut und schön. Das Problem, das aber aufgetaucht ist, ist die fehlende Finanzierung, die für den Bau weiterer Becken nötig ist. Aus diesem Grund sind nun sowohl die Forellen, als auch die Störe in den schon bestehenden Becken zusammengedrängt. Geplant war ursprünglich, dass die Fische nach sechs Monaten in größere Becken umgesiedelt werden. Da das nötige Geld fehlt, können auch die Becken nicht angeschafft werden. So kommt es, dass nun nach Lösungen gesucht wird, bis die nötigen Mittel für die Fortführung der Arbeiten herbeigeschafft werden. „Wir sprechen jetzt mit Restaurant- und Ladenkettenbesitzern, um die Forellen zu verkaufen“, sagt Fachmann Lucian Cotarca. Dadurch würden etliche Becken frei werden und die Störe hätten vorübergehend mehr Platz. „Was ich da gesehen habe, hat mich begeistert“, sagte der Landwirtschaftsminister. Ob nun auch Geld fließen wird, wird sich in Zukunft zeigen. Im vergangenen Jahr wurde nämlich die nötige Dokumentation für die Heranziehung von Fonds eingereicht. Geld ist jedoch nicht auf die Konten geflossen. Das Projekt läuft unter der Obhut des Unternehmens SC Nimb SA. Geplant sind fünf Hallen für die Inkubation, preliminäre Entwicklung und superintensives Wachstum der Fische auf einer Fläche von fast 4.000 Quadratmetern. Die Technologie soll eine Produktion von 50-150 Kilogramm Fisch pro Kubikmeter Wasser erlauben. In den fünf Hallen sollen insgesamt 156 Becken entstehen. Bislang ist eine einzige Halle voll funktionsfähig. Das Futtergranulat, das verwendet wird, steht in einer besseren Proportion als sonst. Es werden 1-1,5 Kilogramm Futter pro Kilogramm Wachstumszuwachs der Fische verwendet, mit anderen Technologien wurden zwei-fünf Kilogramm Futter für ein Kilogramm Wachstumszuwachs pro Fisch verwendet. Zurzeit kostet ein Kilogramm Kaviar, das von Sternhausen und Hansen gewonnen wird, ungefähr 2.000 Lei. Die Störe erreichen ihre Maturität nach vier Jahren oder sechs bis sieben Jahren bei Sternhausen und nach zehn Jahren bei Hansen. Die größten gefischten Exemplare in Rumänien erreichen stolze 350 Kilogramm und wurden bei Hansen registriert.
Olivian Ieremiciu


Die Becken sind für die Anzahl und Größe der Störe viel zu klein.



Landwirtschaftsminister Mihail Dumitru zeigte sich über die Störzucht begeistert.


Fotos: Zoltán Pázmány

Nur zum Eintrittspreis: Einem edlen Tropfen frönen

Drei Tage Weinmesse/ Aussteller- und Besucherandrang
Von Siegfried Thiel

Für den „Klein-Winzer“, der sich etwas Traubensaft von den Reben aus seinem Hausgarten presst, hängt die Qualität allein davon ab, ob es ein Wein-Jahr war, oder nicht. Gar oft nimmt er auch mindere Qualität in Kauf, damit eben die Quantität stimmt. Unter Fachleuten heißt es dann immer, Rumänien habe noch keine Wein-Kultur. Doch auch private Weinkelterer legen zusehends Wert darauf, zumindest trinkbaren (süffigen) Wein herzustellen – so wie es in den schwäbischen Wirtschaften des Banats vorwiegend der Fall war, auch wenn nicht überall der Boden ideal für die Rebzucht ist. Viele Hundert Weinproben hatte es im Kommunismus gegeben, wenn einschlägige Ausstellungen angesagt waren, mehr als 170 waren es am vergangenen Wochenende auf der siebenten Weinmesse in Temeswar/Timisoara. Auch wenn die Anzahl der Weinproben weit unter dem liegt, was die Planwirtschaft einst hergab, ist die Anzahl der Wettbewerbsteilnehmer in diesem Jahr deutlich gestiegen. Und eines ist gegenüber dem Kommunismus sicher: Alle 23 Weinproduzenten, aber auch die Vermarkter und Zulieferer für die Weinkelterei mussten nicht gezwungen werden, dabei zu sein. Dass Qualität und Aufmachung heute weitaus westlicher gestaltet sind als vor Jahren, erübrigt sich eigentlich zu erwähnen – zumindest für all jene, die im Regionalen Geschäftszentrum in Temeswar als Besucher zugegen waren.

Konkurrenzkampf. Zweifel an Loyalität

Dass sich die Gäste am Stand der „Weingut Brutler & Lieb“ SRL drängen, ist kein Sonderfall für die Messe. Das Koster-Interesse ist erheblich. Der Deutschland-Heimkehrer Johann Brutler hat sich in Bildegg/Beltiug (Verwaltungskreis Sathmar/Satu Mare) 16 Hektar Weinland angelegt. Edelweine stellt er her, Vinotheken, Hotels und Gaststätten sind seine Abnehmer. „Ich nehme von jeder Messe etwas mit“, sagt Brutler, während seine Frau weiterhin Gäste bewirtet, kosten lässt und Flaschen zum Verkauf über die Theke reicht. Als Kleinunternehmer scheint es Brutler vor allem bei der Vermarktung nicht leicht zu haben. Die Vermarktungsstrategie würde nicht immer mit legalen Mitteln zwischen Hersteller – Lieferant – Abnehmer ablaufen, deutet Brutler an. Als klarer Beweis für ihn: „Die Fachleute fehlen, und daran ist nicht die Messe oder deren Veranstalter schuld“, sagt er und vermutet, dass die großen und ertragreichen Geschäfte über andere Kanäle längst abgewickelt wurden. Trotzdem: „Es geht langsam aufwärts. Die Leute sind immer mehr an guten Weinen interessiert“, sagt Brutler. Er weiß aber auch, dass die guten Geschäfte mit Edelweinen in Bukarest zu machen sind. Seine Produkte macht er auf Weinkostproben bekannt. Ein Werbeweg, der so ziemlich der einzig sinnvolle erscheint, zieht man ein Fazit aus dem, was die Messeteilnehmer ganz allgemein so als Strategie vorgeben. Deshalb auch kein Wunder, wenn aus der Temescher Handelskammer die Behauptung stammt, die Weinindustrie gehöre zu den Gewinnern der Wirtschaftskrise, auch wenn die Produzenten die Krise „schon spüren“.
Zu den großen Weinproduzenten gehören sie nicht, doch die „Domeniul Coroanei“ aus Segarcea, Kreis Dolj reiste, genauso wie im vergangenen Jahr, mit dem aufwendigsten Stand an. Ein bisschen Epochen-Outfit kommt schon rüber: Kein Wunder, denn die Weingegend geht in die Zeit des Königreichs, in das Jahr 1884 zurück, als da die Weingüter der rumänischen Monarchen lagen. In etwa die gleiche Reb-Fläche wie damals – 277 Hektar – ergibt heute Pinot Noir, Cabernet, Merlot. 60 Prozent der Produktion sind Rotweine. Reben, Techniker und Enologen kommen aus Frankreich, sagt Liliana Danisor.

Ausländer peilen den Markt an

Dem rumänischen Weinsektor sind auch österreichische Vertreiber nicht fern geblieben. Ein erstes Jahr hat „Vinidelmondo“ auf dem rumänischen Weinmarkt hinter sich. Wie schon angedeutet: Bukarest ist der richtige Absatzmarkt, deshalb sind auch die Österreicher mit ihren Edelweinen da eingestiegen, wollen aber auch „nach Temeswar, Kronstadt und andere Städte“, sagt Günter Temel, Generalmanager des Unternehmens, das seine Weine von 16 Winzern aus Österreich bezieht. Ihr Ziel ist ebenfalls die Top-Gastronomie. Und zur Bilanz – „für´s erst Jahr nicht schlecht“, resümiert Temel.
Seit Mitte Februar sind wir ausgebucht, sagt Lucia Pârvu vom Veranstalter Vinvest so als „Hausaufgabe“ für den Mitveranstalter, die IHK, größere Räumlichkeiten auszusuchen. Und damit kein Tag ohne Politik vergeht, lobte der anwesende Landwirtschaftsminister Mihail Dumitru (PDL) erst einmal die Unterstützung der Regierung für Landwirte und Winzer, dann widersprach der PSD-Senator Victor Surdu. Es gebe für Winzer „kein Entgegenkommen“. Trotz Mikrophonen haben es die wenigsten Zuschauer mitgekriegt, denn die ersten edlen Tropfen rannen den Verkostern bereits durch die Gurgel und im Nebenraum stand bereits Buffet für alle. Ein Gast hatte halb zugehört und resümiert: „Solche Politik steht ständig an, eine Gratis-Weinverkostung dafür umso seltener“.

Die römisch-katholische Kirche wird saniert



Die römisch-katholische Kirche in der Bucegi-Straße in Lugosch – äußerst sanierungsbedürftig
Foto: Raluca Nelepcu


Stadtverwaltung unterstützt Renovierung von Glaubensstätten
Die römisch-katholische Kirche in Lugosch/Lugoj wird zurzeit saniert. 25.000 Lei machte der Stadtrat dafür locker. In vier Monaten könnten die Arbeiten beendet werden, teilte der römisch-katholische Priester Mihail-Titus Dumitresc der Lugoscher Presse mit.
Seit 1996 ist die Kirche in der Bucegi-Straße nicht mehr saniert worden. Damals wurde ein grauer Verputz für die Kirche gewählt, nun soll das Gebäude ein völlig neues Aussehen bekommen. Die Fassade wird in einem warmen Gelb im Sinne der späten Barock-Zeit gestrichen. Die Holzelemente am Kirchendach und am Dach des Minoritenklosters im Hof werden erneuert. Besondere Bedeutung wird der Isolierung des Gebäudes gegen Feuchtigkeit beigemessen. Neben den Geldern, die von der Stadtverwaltung kommen, sollen auch Mittel vom Kultusministerium eingesetzt werden. Priester Dumitresc hat vor zwei Monaten einen diesbezügelichen Finanzierungsantrag gestellt.
Die Geschichte der römisch-katholischen Kirche in Lugosch geht bis ins frühe 18. Jahrhundert zurück. Damals wurden die ersten Schritte unternommen, um eine katholische Gemeinde am Temesch-Ufer zu gründen. Am 14. Juni 1733 wurde der Grundstein der Kirche gelegt, deren Schutzpatron die Heilige Dreifaltigkeit ist. Zwei Jahre später wurde hier die erste Heilige Messe zelebriert. Die Turmuhr wurde vom Uhrmacher Josef Spindler am 28. Mai 1829 montiert. Die Orgel, die sich zurzeit in der Kirche befindet, wurde 1926 von der Wegenstein-Firma gebaut. Die vier Glocken, die zurzeit in der Kirche läuten, wurden von dem Meister Ferdinand Honig und seinen Söhnen in Arad gegossen und am 20. Oktober 1928 eingeweiht. In den Jahren 1932/33 wurde die Kirche komplett saniert und die zwei Türme, die von der Straße aus sichtbar sind, gebaut. 1975 wurde der Innenraum der Kirche saniert.
Die Lugoscher Stadtverwaltung hat auch für andere Glaubensstätten Gelder locker gemacht. So kommen 13.000 Lei der griechisch-katholischen Kathedrale zu Gute. Die größte Summe erhält die orthodoxe Kirche „Adormirea Maicii Domnului“ neben dem Rathaus – 43.000 Lei, die für die Außensanierung des Gebäudes bestimmt sind.
Raluca Nelepcu

Brandrodung außer Kontrolle

Mentalität stärker als Realismus der Wahrnehmung
In den Kroatendörfern südlich von Reschitza erzählt man, dass ein Schafhirte mal beim Hüten der ihm anvertrauten Herde eingeschlafen sein soll. Als er aufwachte, waren die Schafe samt seinen Hüterhunden weg. Er machte sich auf die Suche nach der Herde. Inzwischen wurde es dunkel. Da kam er an den Rand einer brandgerodeten Weidefläche. Das Feuer hatte er am Vortag selber gelegt, in der bei allen Völkerschaften des Banater Berglands üblichen Überzeugung, dass nach einer Brandrodung der Wiesen und Weiden das Gras besser, dichter und saftiger wachse. Da sah er in der Ferne auf den schwarzrußigen Flächen dichte weiße Flecken. Er eilte auf sie zu. Es waren weiße Kalksteine, wie eine Schafherde auf der rußschwarzen Fläche verstreut, genau wie beim Weiden seine Schafherde. Die ihm anvertrauten Schafe blieben für immer verschwunden.
Brandrodung – im vergangene Woche geschossenen Bild (Foto: Zoltán Pázmány) eine brennende Trockengrasfläche zwischen Reschitza und Anina – ist eines der Grundübel, welches die Bergbauern des Banater Berglands in fester Überzeugung von ihrer Nützlichkeit und in Übertretung aller geltenden Binnen- und EU-Gesetzgebung im Spätherbst und im Frühjahr praktizieren. Bei sehr laxer Handhabung der Einhaltung der Gesetze werden in jedem Jahr tausende Hektar brandgerodet – bis zur akuten Gefährdung der Siedlungen durch die auf sie zuzischenden Feuerwalzen - obwohl die ursprüngliche Nutzung der Wiesen und Weiden längst absolut nebensächlich geworden ist. Denn es gibt im Banater Bergland nur noch Restbestände an Schafen und Milchkühen – sogar verglichen mit dem Stand im Kommunismus – und die Wiesen und Weiden werden nur noch in Bruchteilen wirklich bewirtschaftet. Also selbst nach dem Verschwinden der ursprünglichen wirtschaftlichen Überlegungen bezüglich Verbesserung der Grasflächen durch Brandrodung – wissenschaftlich wurde nachgewiesen, dass dies ein absoluter Irrtum ist, weil eine Brandrodung die gesamte nützliche Mikrofauna und –flora in den obersten Erdschichten zerstört – wuchert die Mentalität weiter und immer wieder findet sich jemand, der Feuer legt.
Die Mentalität ist eben stärker als der Realismus der Wahrnehmung, dass Brandrodung, sollte sie jemals genutzt haben, heute niemand mehr nutzt. Mit einer Ausnahme vielleicht: Die Bewohner der Dörfer im Banater Bergland vermuten inzwischen, dass die einzigen, denen ein Wiesen- und Weidenbrand nutzen könnte, die (zahlreich vorhandenen) Wilderer sind, denen das Feuer die aufgeschreckten Tiere – Wildschweine, Rehe, Füchse, Fasanen, Rebhühner – zutreibt.
Werner Kremm


Donnerstag, 15. April 2010

Gesetz gegen Prügel im Verkehr

Bei S.R. hatte es ausgesehen, als habe sie nach der Fahrschule auch eine Prüfung im Dauerschimpfen ablegen müssen. Als sie nämlich den Führerschein in der Hand hatte, war bei ihr Fluchen mit wildesten Ausdrücken angesagt. Aus ihrer Sicht hatten andere Fahrteilnehmer den „Schein durch Bestechung erhalten”, der Radfahrer war „ein Idiot” und Fußgänger ganz einfach „zu dumm, um über die Straße zu gehen”. Ihren Unmut konnte man lediglich von den Lippen ablesen, gewalttätig wurde sie (bisher) nicht. Einer der Prominentesten, der sich im Temeswarer Verkehr nach einem Unfall abartig geoutet hatte, war der Fußballer Cosmin Contra, der – damals noch in Spanien unter Vertrag – aggressiv wurde, als ein Polizist auf das Auto seiner Gattin aufgefahren war. Obwohl der Unfall keine Verletzungsfolgen für die Frau des Kickers und dessen Kinder hatte, schlug er auf den Polizisten ein. Solche Szenarien sollen nun bald der Geschichte angehören. Dann nämlich, wenn die neuesten Vorschläge von Polizei und Politikern im Parlament zur Debatte kommen. Aggressivität im Verkehr soll definiert, strikter und vielseitiger geahndet werden. Nicht nur Prügel unter Verkehrsteilnehmern sollen ab nun bestraft werden, sondern auch aggressives Verhalten auf der Fahrbahn: Zick-Zack-Fahren, Slalomfahrten, heftiges, unerwartetes Bremsen und mehrmaliges Überholen. Solche Vorschläge unterbreitet die rumänische Verkehrspolizei dem Parlament, das bereits Ende dieses Monats über neue Artikel im Verkehrsgesetz abstimmen könnte, die dann ab Mai Anwendung finden würden.Zwei besondere Aspekte beschäftigen derzeit die rumänische Verkehrspolizei: Wie „Aggressivität im Verkehr“ definieren, da kein anderes Land über ein solches Gesetz verfügt, und zweitens stellt sich die Frage, wie solcher Art Vergehen bewiesen werden können. Verkehrsteilnehmer, die sich bei Zwistigkeiten auf den Straßen prügeln, sollen nicht nur mit zivilem Strafverfahren rechnen müssen, sondern auch mit dem Entzug des Führerscheins. Auch Verkehrspolizisten sind nicht frei von Übergriffen. Bekannt ist der Fall eines Polizeibeamten im ostrumänischen Jassy/Iasi, der innerhalb weniger Monate drei Mal von Verkehrssündern oder deren Familie angegriffen bzw. geschlagen wurde. Dazu kommt, dass er im Herbst vergangenen Jahres nur im allerletzten Moment einem Unfall entgehen konnte, als ein betrunkener Autofahrer mit überhöhter Geschwindigkeit auf ihn zu raste. Im südrumänischen Craiova hat ein jugendlicher Autofahrer einen 62 Jahre alten Mann mit Hieben traktiert. Nach Meinung des Autofahrers habe der Rentner zu langsam die Straße überquert. Der Mann ist zehn Stunden nach diesem Vorfall im Krankenhaus an Herzversagen gestorben, der 22 Jahre alte Schläger sitzt derzeit in Untersuchungshaft.Logik und Kurioses hängt nicht selten von der Perspektive ab, aus der man einen Aspekt betrachtet. So ist der Vorschlag von Senator Iulian Urban auf den ersten Blick zwar mehr als kurios, vom Gedankengang her so abwegig nun wieder auch nicht. Verkehrssünder sollen nach ihrem Einkommen zur Kasse gebeten werden, sagt der PDL-Parlamentarier. Auf betuchte Bürger, die sich Luxuskarossen leisten, würde die derzeitige Höhe der Geldstrafe nicht abschreckend wirken, begründete der Politiker. Deshalb schlägt er eine differenzierte Bußgeldvergabe für Verkehrsdelikte vor. In die eine Kategorie - mit einem gewissen Strafmaß - fielen alle, die bis zu 30.000 Lei pro Jahr verdienen. Die Besserverdiener müssten seiner Ansicht nach deutlich mehr begleichen.

Siegfried Thiel

Im dichten Verkehr, Aggressivität ausgesetzt. Polizisten haben es nicht leicht.
Symbolfoto: Zoltán Pázmány

Temeswarer Bauten in besseres Licht gerückt


Für die römisch-katholische Kirche in der Elisabethstadt wurde ein beeindruckendes Beleuchtungskonzept erarbeitet.
Foto: Zoltán Pázmány

Die römisch-katholische Kirche in der Temeswarer Elisabethstadt (Balcescu-Platz) leuchtet in der Nacht hell auf: Das Gotteshaus wurde kurz vor Ostern architektonisch beleuchtet. 115.000 Euro, Mehrwertsteuer ausgeschlossen, hat die Stadtverwaltung für die Beleuchtung der Kirche ausgegeben. Gleichzeitig wurde auch die orthodoxe Kirche an der Dej-Straße in ein besseres Licht gestellt. Die architektonische Beleuchtung dieser Kirche kostete die Stadt Temeswar/Timisoara 80.000 Euro.
Denkmäler, Brücken und für die Stadtgeschichte bedeutende Bauten sollen demnächst ebenfalls künstlerisch beleuchtet werden. Die Stadtverwaltung hat in diesem Jahr ein diesbezügliches Projekt erarbeitet. Einige Kirchen, darunter die Piaristenkirche gegenüber dem Zentralpark, die Marienstatue am Freiheitsplatz, das Rathaus sowie die Staatsoper sollen in diesem Jahr in das Programm einbezogen werden. Das Projekt zur architektonischen Beleuchtung der Gebäude nimmt Ratschläge von Architekten und Designern in Betracht und hat als Muster Großstädte wie Lyon oder Wien. Jedes Jahr sollen etwa fünf Bauten künstlerisch beleuchtet werden. (rn)


Letzter Schliff für Lugoscher Umgehungsstraße


Anfang Juli verlässt der Schwerverkehr die Stadtstraßen


Die Arbeiten an der Umgehungsstraße der Stadt Lugosch/Lugoj nähern sich ihrem Ende zu: Ende März hat die letzte Etappe der Bauarbeiten begonnen, Anfang Juli soll der Schwerverkehr, der zurzeit noch durch die Stadt rollt, komplett umgeleitet werden. Mehr als 70 Prozent der Ringstraße wurden bereits fertiggestellt. Im Lugoscher Stadtentwicklungsplan, der für eine Zeitspanne von zehn Jahren erarbeitet wurde, ist eine zweite Ringstraße, die die Karansebescher mit der Busiascher Straße verbindet, vorgesehen, also nach dem nördlichen Ring zur West-Ostverbindung anschließend die Süd-Ostverbindung. Bürgermeister Francisc Boldea sieht die Umleitung des Schwerverkehrs optimistisch: „In sechs Jahren könnte auch die Ringstraße im Süden der Stadt fertiggestellt werden“, meint Boldea.

Ein portugiesisches Joint-Venture gewann März 2008 die Ausschreibung für die Durchführung der Arbeiten an der Umgehungsstraße der Stadt Lugosch. Monte Adriano Engenharia e Construcao und Soares da Costa haben ein Jahr später das Projekt in die Wege geleitet. Der Beginn der Arbeiten wurde hinausgeschoben, weil einige Grundstücksbesitzer, Bürger der Gemeinde Co{tei, mit der Entschädigung, die ihnen der rumänische Staat zahlen wollte, unzufrieden waren. Die Enteignung fand trotzdem statt, wobei der Staat den Eigentümern 12 Euro pro Quadratmeter zahlte. Die Ringstraße wird 47 Grundstücke der Gemeinde Co{tei durchqueren. Einige der Bodenbesitzer zerrten die Rumänische Gesellschaft für Straßen- und Autobahnbau vor Gericht, verloren aber den Prozess. Die Bürger der Gemeinde Co{tei meinten damals, dass die Vermessungen ihrer Grundstücke zu ihrem Nachteil vorgenommen wurden.

Die zweispurige Ringstraße, die den Schwerverkehr umleiten wird, wird nach Beendung der Bauarbeiten 9,6 Kilometer lang und zwölf Meter breit sein. Gebaut werden auch eine Brücke über die Temesch, eine Überführung an der Nationalstraße DN68A Lugosch-Deva, eine Überführung über die Eisenbahnlinie Lugosch-Temeswar und eine an der DN6/E70. Die Investition hat einen Gesamtwert von 23,7 Millionen Euro, wobei 17,8 Millionen Euro von der EU fließen. Der Rest des Geldes kommt aus dem Staatshaushalt Rumäniens. Bisher wurden ungefähr 14 Millionen Euro ausgegeben.

Raluca Nelepcu


Die Arbeiten an der Überführung an der Nationalstraße DN6/E70 sorgten für Stau vor der Einfahrt in Lugosch.

Foto: Raluca Nelepcu

Mit Ehering Messen zelebrieren

Die Unierte Kirche Rumäniens anerkennt den Papst - und sieht den Zölibat flexibel/ Von Thomas Wagner


Immer wieder kommt er in Deutschland in die Diskussion, zuletzt auch im Zusammenhang mit den jüngsten Missbrauchsfällen: der Zölibat. Darunter versteht man das Versprechen der angehenden katholischen Priester, in ihrem weiteren Leben ehelos zu bleiben. Sie sollen, so der dahinter stehende Grundgedanke, ihren gesamten Einsatz Gott und ihrer Gemeinde widmen. Eine Familie könnte da nur ablenken - so die Begründung.

Doch die Kritik am Zölibat hält an: Zum Einen sei der Priestermangel der katholischen Kirche auch auf den Zölibat zurückzuführen, heißt es immer wieder. Aber nicht zuletzt sei der Zölibat mit ein Grund für die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle, an denen auch Priester der katholischen Kirche beteiligt waren. So umstritten diese These sein mag, so klar ist doch: Es geht auch ohne Zölibat, und zwar als Pfarrer, und auch noch in der katholischen Kirche. Das beweisen die sogenannten „Unierten Kirchen“ in osteuropäischen Ländern wie Serbien, der Ukraine, Ungarn, Bulgarien oder Rumänien. Die „Unierten Kirchen“ gehören zur katholischen Kirche; der Papst ist ihr Oberhaupt - und dennoch dürfen die Pfarrer einen Ehering an ihrer Hand tragen.

Katholischer Pfarrer, mit Familie

Budin] bei Josefsdorf/Iosifalau, zwischen Lugosch/Lugoj und Temeswar/Timisoara, eine 400-Seelen-Gemeinde in Westrumänien: Ioan Brîndau kommt nach einem erfüllten Arbeitstag nach Hause - und wird freudig begrüßt von seiner Frau Carmen. Sein schwarzes Sakko und der Talar, den er trägt, deuten auf seine Berufung hin: „Ich bin Pfarrer, und zwar im Dienste der griechisch-katholischen Kirche. Die erlaubt ihren Priestern, dass sie heiraten. Zuhause erwartet mich meine Familie.“

Mehr noch: Ioan Brîndau hat auch einen zwölfjährigen Sohn und führt neben seinem kirchlichen Auftrag in dem kleinen westrumänischen Dorf ein ganz normales Familienleben. Damit ist er kein Einzelfall: „Bei uns haben 25 Prozent der Priester den Zölibatseid abgelegt, aber 75 Prozent sind verheiratet, haben Familie“, erklärt Alexandru Mesian, Bischof des Eparchiats Lugosch in der mit Rom unierten griechisch-katholischen Kirche Rumäniens. Bischof Mesian residiert in einem schmucken palastähnlichen Gebäude, rund 20 Kilometer von der kleinen Pfarrei Budin] entfernt.

Weshalb aber darf eine dem Vatikan unterstellte Kirche ihren Priestern die Ehe erlauben? Die Frage können wir uns nicht verbeißen und Bischof Alexandru Mesian lächelt dezent. Schließlich wird er so etwas häufig gefragt. Alles gehe auf das große Kirchenschisma zurück, als sich 1054 die griechisch-orthodoxe Kirche von Rom beim Konzil von Nizäa abkoppelte. Vier Jahrhunderte später dann einer der zahlreichen Versuche der Wiedervereinigung: Auf dem Konzil in Florenz 1453 formulierten die Kleriker die Bedingungen, unter denen Teile der abtrünnigen Gläubigen wieder in den Schoß der katholischen Kirche zurückkehren konnten. An erster Stelle stand seinerzeit die Verpflichtung, den Papst als Oberhaupt, Rom als Zentrum der Christenheit, anzuerkennen. Zudem Fegefeuer, die Deutung der Herkunft des Heiligen Geistes (Filioque) und die Hostie. Alexandru Mesian: „Die orthodoxe Kirche im damaligen Siebenbürgen hat um 1700 alle Bedingungen anerkannt, die in Florenz zur Wiederaufnahme genannt wurden und ist zur mit Rom unierten rumänischen griechisch-orthodoxen Kirche geworden.“


Zugeständnisse an Ostkirchen

Allerdings gingen hunderte Jahre unter dem Dach der griechisch-orhodoxen, der Ostkirche nicht spurlos an Gläubigen und Klerikern vorüber: Sie wollten festhalten an bestimmten liturgischen Elementen, an den Ikonen und Ikonostasen in ihren Kirchen - und eben auch an der in der orthodoxen Kirche geltenden Selbstverständlichkeit, dass Priester eine Familie haben dürfen. So kam es zur Gründung der „mit Rom unierten griechisch-katholischen Kirche Rumäniens“, der Zugeständnisse gemacht wurden, nach außen hin hauptsächlich zum Preis, dass sie den Papst in Rom als Oberhaupt anerkennt. Und die Möglichkeit, zu heiraten, haben ihre Priester bis heute.

„In mehrheitlich orthodoxen Ländern wie Rumänien sind es die Menschen doch gewohnt, dass die Pfarrer verheiratet sind.“ Bischof Alexandru Mesian macht allerdings keinen Hehl daraus, dass er die Möglichkeit zur Eheschließung durchaus kritisch sieht. Er selbst hat sich zum Zölibat entschieden. „Und wenn ich noch einmal die Wahl hätte: Ich würde mich wieder für das Zölibat entscheiden!“

Ansonsten wäre er unter anderen nie ins Bischofsamt gelangt: Denn die Unierte Kirche – genauso wie die autokephale Orthodoxe - erlaubt nur Gemeindepfarrern (bis zum Rang des Protopopen, des Dechants) die Eheschließung, nicht jedoch in der Hierarchie darüber stehenden Funktionsträgern wie beispielsweise Bischöfen, Erzbischöfen, Kardinälen oder ihrem Metropoliten. Alexandru Mesian hat sich aus Überzeugung für den Zölibat entschieden, „weil ich nur so uneingeschränkt Gott und der kirchlichen Gemeinschaft dienen sowie meinen Glauben festigen kann. Zölibatär lebende Priester leben nur für ihre Berufung und ihre Pflicht – das möchte ich Ihnen als Lebenserfahrung mitgeben“, sagt der 73-Jährige.


Die Pfarrersfrau als zweiter Pfarrer

Zurück in dem kleinen Dörfchen Budint, wo Pfarrer Ioan Brîndau sehr viel Wert auf das gemeinsame Abendessen mit seiner Frau und seinem Sohn legt. Wie die überwiegende Mehrheit der Priester in der Unierten Kirche Rumäniens hat er sich genau andersherum entschieden - gegen das Zölibat und für die Familie: „Ich habe während meines Theologiestudiums sehr lange darüber nachgedacht, auch in theologischer Hinsicht, welchen Weg ich gehen soll: Bleibe ich alleine? Haben diejenigen Recht, die sagen, dass für einen Pfarrer eine Familie so etwas wie eine zusätzliche Last, ein Hemmschuh, bedeutet, welcher bei der Arbeit im Dienste der Glaubensgemeinschaft eher hinderlich ist? Oder ist es vielleicht ganz gut, zu heiraten, eine Familie zu haben? Dann hat mir einer meiner Lehrer im Studium – ein im Zölibat lebender Theologe - Folgendes gesagt: Wer eine Familie gründet, der hat sozusagen einen zweiten Pfarrer im Haus, nämlich seine Frau. Und diese ´zusätzliche Pfarrerin´ kann dem Glauben der Gemeinde nur nutzen. Das war für mich ein wichtiger Grund, zu heiraten.“ Wie die Mehrheit der Pfarrer der griechisch-katholischen Kirche Rumäniens.

Doch dass dort der Zölibat für Pfarrer keine Pflicht ist, hat bisher zu keinerlei Konflikten mit dem Vatikan geführt. Bischof Alexandru Mesian: „Rom hat ja auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) ganz klar festgestellt, dass man an den Traditionen der Unierten Kirchen im Osten nichts ändern möchte - und dass man ihnen die Freiheit einräumt, ihr kirchliches Leben nach den alten Traditionen fortzuführen. Währenddessen verfolgt die römisch-katholische Kirche – oder wie wir sie nennen: die lateinische - ihren Weg.“



Die unierte Bischofskathedrale in Lugosch

Foto: Raluca Nelepcu



Bischof Alexandru Mesian ist auch Beauftragter für den ökumenischen Dialog in der katholischen Bischofskonferenz Rumäniens.

Foto: bru

Malerische Träumereien von Margareta Korff


Deutsche Künstlerin mit Ausstellung in Temeswar


as. Temeswar – Unter dem Motto „Träumereien“ hat die Temeswarer Künstlerin Margareta Korff die Gedichte ihrer Mutter in Bilder umgesetzt. Das Ergebnis ihrer Arbeit – hauptsächlich Acryl auf Leinwand - ziert derzeit die Wände der Temeswarer Kunstgalerie „Pygmalion“ (Augustin-Pacha-Straße Nr. 8). „Meeresstrand oder Meerjungfrau, Liebeserklärung oder ´liebe mich´. Die Arbeiten von Margareta Korff haben verschiedene Facetten, man spürt den Humor und gleichzeitig eine große Intimität“, sagte der Temeswarer Künstler Andrei Medinski bei der Vernissage der Ausstellung. Zwei der ausgestellten Gemälde wurden von der Künstlerin im Regen gemalt. „Ich war am Loreley-Felsen und es hat stark geregnet. Ich wollte trotzdem malen, denn deshalb bin ich ja hingefahren. Ich saß also im Regen und malte. Die Arbeiten habe ich auch als Experiment betrachtet“, erzählt die Künstlerin.

Es ist die erste Ausstellung der in Temeswar/Timi{oara geborenen und in Dortmund lebenden Margareta Korff in der Stadt an der Bega. Die Künstlerin hat das Temeswarer Kunstlyzeum abgeschlossen und in Bukarest Philologie studiert. Obwohl sie von Beruf Lehrerin ist, blieb die Kunst unentwegt, bis heute, ihre größte Leidenschaft. „Ich wollte schon immer Kunst studieren, habe es aber in Rumänien nicht mehr geschafft. Vor einigen Jahren habe ich mich entschlossen, meinen Traum in Deutschland in Erfüllung zu bringen“, sagt Margareta Korff, die vor Kurzem die Kunsthochschule in Dortmund absolviert hat. Die ausgestellten Werke sind in ihren Studienjahren entstanden. Die Ausstellung kann bis am 8. Mai in der Pygmalion-Galerie besichtigt werden.

(V.l.n.r) Sorin Nicodim, Vizepräsident der Temeswarer Filiale des Künstlerverbands, Margareta Korff, Violeta Zonte, Leiterin der Pygmalion-Galerie, Andrei Medinski und Prof. Eleonora Ringler-Pascu bei der Vernissage der Ausstellung.

Foto: Zoltán Pázmány