Dienstag, 1. Dezember 2009

Temeswar - die erste freie Stadt

20 Jahre seit der rumänischen Revolution


Dezember 1989: Aufruhr im Temeswarer Studentencampus

Foto: Constantin Duma

20 Jahre seit der rumänischen Revolution werden am 16. Dezember in Temeswar/Timisoara gefeiert. „Die Revolution soll immer frisch in der Erinnerung der Rumänen bleiben“, sagt Traian Orban, Leiter der Temeswarer Revolutionsgedenkstätte. Dafür möchte Traian Orban zusammen mit dem Nahverkehrsbetrieb RATT Bilder der rumänischen Revolution in zehn Straßenbahnen ausstellen. „Es gibt Menschen, die die Ausstellungen in der Stadt nicht besichtigen. Solchen Bürgern, aber auch Kindern, sollen die ausgestellten Fotos die Revolution näher bringen. Die Geschichte unseres Landes darf nicht in Vergessenheit geraten“, sagt Orban.
Eine Rekonstruktion des Ausbruchs der Revolution Dezember 1989 möchte Traian Orban am 16. Dezember veranstalten. Mehrere Straßenbahnen sollen am 16. Dezember, dem Tag des Revolutionsbeginns, gleichzeitig in Richtung Maria-Platz losfahren. Der Verkehr soll da - genau wie im Dezember ´89 - gesperrt werden. „Dan Z²g²nescu soll wie damals ´Freiheit´ rufen und von da sollen dann die Bahnen wieder losfahren. Es soll eine Art Wiedergabe der Ereignisse von damals werden“, sagt der Leiter der Temeswarer Revolutionsgedenkstätte.
Zahlreiche Veranstaltungen werden zum Anlass des 20. Jahrestages der Dezemberrevolution in Temeswar organisiert. Der 16. und 17. Dezember sind als Nationaltrauertage anerkannt. Am 18. Dezember wird in der Innenstadt ein Requiemkonzert stattfinden. Am selben Tag werden die Mitglieder des Vereins der Temeswarer Revolutionsgedenkstätte eine Wallfahrt in die Stadtviertel unternehmen, wo sich zahlreiche Temeswarer für die Freiheit geopfert haben. Die Banater Zeitung wird am 16. Dezember als Sonderausgabe zum 20. Jahrestag der Revolution erscheinen.
Andreea Oance



Die gute Tat und der moralische Leuchtturm


Am Sonntag haben wir die Stichwahl für die Präsidentschaft Rumäniens. Mircea Geoana, „das Dummerchen“, und Traian Basescu, „Zeus“, stehen zur Wahl. Woran messen wir sie? Basescu: politisches Chaos säen, demagogisch sein, autokratisch agieren und Verantwortung delegieren sind Richtschnüre, an denen er zu gemessen ist. EU-Beitritt Rumäniens, Schwarzmeerraum als Nato-relevanter Raum, glänzende Repräsentation Rumäniens im Ausland – was er sich alles zurechnet ist übertrieben. Hingegen: Null-Erfolg in der Korruptionsbekämpfung, Null-Erfolg in der Beseitigung der Profiteure aus seinem Umfeld, Null-Erfolg bei der Verbesserung des Rumänien-Images.
B²sescu wiederwählen? Wegen seiner Intervention zur Zugänglichmachung der zwei Millionen Securitate-Dossiers und wegen der Brandmarkung des Kommunismus – das ist etwas wenig. Er hat nachgeholt, was schon 1990 hätte geschehen müssen.
Geoana? Er hat sich auf seine öffentlichen Auftritte gewissenhaft vorbereitet und redlich bemüht, das Bild des Kompetenten abzugeben. Aber wird er deshalb ein guter Staatschef? Erfahrung in der Außenpolitik hat er, Wirtschaftskompetenz weniger. Wie er die versprochenen Steuererleichterungen finanzieren will, wie er das Land aus der Krise führen möchte – was Sache der Regierung ist – wie er die Finanzspritzen zur Gesundung von KMU ansetzen möchte - schleierhaft. Außerdem hält er sich bedeckt bezüglich des künftigen Premiers seiner Gnaden, begünstigt politische Unsicherheit. Nie war zu erfahren, wie „Schwergewichte“ seiner Partei, die kompromittierenden, aber gewieften „Barone“ oder die in allen Satiren aufs Korn genommenen Parteispitzen in der Art des Vanghelie auszuladen sind. Ob er sich wohl fühlt in deren Umgebung oder nicht? Sie flankieren ihn.
In einer Fernsehdebatte wurden beide gefragt, was sie für eine gute Tat halten, die sie vollbrachten und welche Person für sie ein moralisches Volrbild sei. Geoana: „Ich habe meine Schwiegermutter nicht aus dem Haus geschmissen!“ Basescu: „Ich habe ein musulmanisches Kind christlich getauft.“ Für Geoana ist der rumänisch-orthodoxe Patriarch Daniel der moralische Leuchtturm. Für den amtierenden Präsidenten seine Frau Maria Basescu. Thema „Schwiegermutter“: die Skandalpresse hat das Thema der bösen Frau stark breitgetreten, und populistisch-salopp hat es der Präsidentschaftskandidat ausgenutzt. Ob seit Taufpate Basescu die Mohammedaner um einen Gläubigen ärmer und die Christen um einen reicher wurden, bleibt dahingestellt. Auch, ob der mit härtesten byzantinisch-balkanischen Bandagen um den Patriarchenstuhl kämpfende Daniel Ciobotea grad jenes moralische Vorbild ist, dem nachzuahmen wäre – die Frau Maria Basescu kennt man viel zu wenig, um sie als Vorbild sich nehmen zu können – nun, an moralischen Vorbildern mangelt es diesem Land zwar nicht.
Die Wahl der Präsidentschaftskandidaten war fragwürdig.
Werner Kremm

Hessenräume für Westrumänien eingeweiht

Deutsche Lehrerfortbildung einfacher gemacht

Es ist Unterstützung und Werbung zugleich. Das Bundesland Hessen hat die Sanierung von drei Räumen im Internat der Nikolaus-Lenau-Schule in Temeswar/Timisoara gefördert. Konkret ist es eine Unterstützung der Temeswarer Filiale der Zentralstelle für Lehrerfortbildung (ZfL), die nun über gute Bedingungen verfügt und Lehrern, die Deutsch als Mutter- bzw. Fremdsprache vortragen, eine Reise in die Zentralstelle nach Mediasch/Medias erspart. Gleichzeitig ist es Werbung für das Bundesland Hessen, das seit einiger Zeit in Rumänien Präsenz zeigt.
„Hessen ist nicht so präsent in Rumänien, wie dies bei manch anderen deutschen Bundesländern der Fall ist. Es ist nun meine Aufgabe, dies zu ändern“, pflegt Bernhard Hoffmann, Rumänienbeauftragter des Bundeslandes Hessen, zu sagen. Imagepflege für Hessen, aber auch Unterstützung für den deutschsprachigen Unterricht in Rumänien geht also auf die Initiative zurück, die Hoffmann vor kurzem mit seinen Projektpartnern durchgezogen hat. Deshalb gibt es im Internat des Nikolaus-Lenau-Lyzeums in Temeswar/Timisoara drei Schlafräume, nach hessischen Städten benannt - mit den Bezeichnungen „Wiesbaden“, „Marburg“ und „Fulda“. Drei Räume, die Deutschlehrern zugute kommen, die aus anderen Ortschaften zur Fortbildung anreisen. Teilhaber und Nutznießer sind die Zentralstelle für Auslandsschulwesen (ZfA), die ZfL, die Nikolaus-Lenau-Schule und das Demokratische Forum der Deutschen im Banat. Die letzteren beiden hatten in der oberen Etage des Internats der Lenau-Schule vor etwa zehn Jahren eine Jugendherberge eingerichtet. „Vor zehn Jahren hatten wir einen bestimmten Ausblick und bestimmte Vorhaben“, definierte der Forumsvorsitzende Karl Singer nun die Umwidmung bzw. Neugestaltung der Räumlichkeiten.
Wert darauf legen, zum neuen EU-Land Rumänien Kontakte knüpfen und ausbauen, das war mitunter auch Sinn dieses Unterfangens für den hessischen Partner. Die zur Verfügung gestellten Finanzmittel haben zum Einen ein sichtbares Unterfangen möglich gemacht, zum anderen sind die Raum-Bezeichnungen nach hessischen Städten, sowie die von Hoffmann mitgebrachten Präsente eine dauerhafte Werbung für die nun partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Hessen und Rumänien, die in den letzten drei Jahren eine neue Dynamik erfahren haben. Nicht zuletzt deshalb hatte Hessens Ministerpräsident Roland Koch auf Anregung des Landtagspräsidenten Norbert Kartmann vor drei Jahren Hoffmann mit dieser Aufgabe betraut. Aus dem Kultusministerium in Wiesbaden gibt es positive Signale, dass die Möglichkeiten zur Sanierung von Räumen zu Bildungszwecken nicht restlos erschöpft sind. Symbolträchtig, und darauf wies die Direktorin der Lenau-Schule, Helene Wolf, hin, dass zur gleichen Zeit aus Fulda Schulmobiliar für die Grundschulklassen angekommen war.
Deutschlands Konsul in Temeswar, Klaus Brennecke, fand es besonders sinnvoll, effizient und pragmatisch, dass die neuen Räume bereits im Vorfeld der offiziellen Einweihungsfeier genutzt wurden. Und der damit direkt angesproche Dr. Rolf Willaredt, Leiter der Zentralstelle für Auslandsschulwesen, findet, dass sich die Lenau-Schule als Außenstelle der ZfL nun etabliert hat, was seiner Ansicht nach „Temeswar als Standort noch attraktiver machen wird“, so Willaredt.
Siegfried Thiel

BANAT AKTUELL

Mail Art in Lugosch
Eine Kunstausstellung der besonderen Art wird am 5. Dezember um 18 Uhr in der Pro-Arte-Galerie in Lugosch/Lugoj eröffnet. Die bildende Künstlerin Flora Raducan zeigt in der Temescher Stadt Mail-Art-Werke, die in über 20 Ländern der Welt geschaffen wurden. Briefe und Umschläge, Collagen, Stempel und Briefmarken, die unterschiedlich bemalt und dekoriert wurden, werden die Besucher der Ausstellung besichtigen können. Alle Arbeiten wurden von Künstlern aus Europa, den USA, Kanada, Japan und Brasilien in der Zeitspanne 1. November 2008 – 1. November 2009 geschaffen.

Wohltätigkeitskampagne
Die 19. Kampagne „Ein gutes Herz“ wird heute, morgen und übermorgen in Temeswar/Timisoara organisiert. Die Bethany-Stiftung mit Unterstützung der Stadtverwaltung schickt über hundert Freiwillige an verschiedene Orte in der Stadt an der Bega, um Fonds für sozialschwache Familien zu sammeln. Die Kampagne wird heute um 10.30 Uhr vor der Staatsoper Temeswar eröffnet.

Weihnachtsmarkt
Der traditionelle Weihnachtsmarkt in Temeswar/Timisoara beginnt offiziell am 4. Dezember um 17 Uhr am Opernplatz. Auch in diesem Jahr wird eine Krippe eingerichtet. Etwa 70 Häuschen und Stände werden in der Innenstadt eingerichtet. Händler aus dem Banat, aber auch aus Ungarn und Österreich haben ihre Teilnahme angesagt. Der Weihnachtsmarkt bleibt bis am 11. Januar 2010 geöffnet.

Herbst-/Wintertreffen des FunkForums
Das FunkForum und der Verband der Branauer Deutschen Selbstverwaltungen laden zum Herbst-/Wintertreffen der Mitglieder deutschsprachiger Redaktionen aus Rumänien, Ungarn, Serbien und Kroatien in die Europäische Kulturhauptstadt 2010 Fünfkirchen/Pécs ein. Gleichzeitig veranstaltet das Jugendprojekt PausenRadio eine grenzüberschreitende Fortbildung für die besten Mitglieder der Schulredaktionen aus Rumänien und Ungarn. Das Treffen wird aus Mitteln des Auswärtigen Amtes über das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) Stuttgart sowie der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg gefördert und von der Deutschen-Welle-Akademie sowie von den einzelnen deutschen Redaktionen unterstützt.

Zusammengestellt von Raluca Nelepcu


Pipatschjubiläum mit leckerem Kuchen

Sonderpreis für die Diana-Torte aus Wojteg

Apfelstrudel, Nusskuchen, Mohnstrudel, Schneebälle, Schweinsohren, Käsekuchen und Pipatschtorte – all diese leckeren Desserts wurden am 24. November im Temeswarer Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus anlässlich des 40. Pipatschjubiläums ausgestellt und serviert. Welcher Kuchen wohl am besten schmecke? Die schwere Entscheidung musste eine Jury treffen, die von den 45 aufgetischten Kuchensorten kostete. Die Jury bestand aus insgesamt sechs Frauen. Zu zweit mussten sie jeweils 15 Kuchensorten verkosten und benoten.
Die Pipatschtorte, die Nussstangerl und die Schneeballen sammelten schließlich die meisten Punkte ein. Ilie Suciu, Bürgermeister der Gemeinde Lenauheim, musste alle Sorten verkosten und einen Sonderpreis für Originalität vergeben. Er entschied sich für die cremige „Diana“-Torte, die von Doina Oleniuc aus Wojteg/Voiteni gebacken wurde.
Kinder aus dem deutschen Kindergarten begrüßten die Gäste mit Pipatsch-Blumen im Haar und in traditioneller Volkstracht. Auch der deutsche Konsul Klaus Brennecke wohnte der Veranstaltung bei. Hauptveranstalterin des Events war BZ-Mitarbeiterin Helen Alba. Zum guten Gelingen des Festes haben auch die BZ-Redakteure, Angestellten des AMG-Hauses, Forumsmitglieder, die Konditorei „Astrid“ aus Billed sowie die deutschen Ortsforen aus dem Banat beigetragen.
Ana Saliste



Kinder mit Pipatsch-Blumen im Haar sangen zu Beginn der Veranstaltung deutsche Lieder.
Foto: Zoltán Pázmány

Tökés-Pfarrhaus wurde saniert

Investitionssumme beträgt 125.000 Euro

Das frisch sanierte Gebäude am Marienplatz: Hier hat die Revolution begonnen.

Foto: Zoltán Pázmány

Temeswar – Das Haus des reformierten (calvinistischen) Pfarrers László Tökés am Temeswarer Marienplatz, wo die Revolution 1989 begonnen hat, wurde vor Kurzem saniert. Das für die Stadt an der Bega symbolreiche Gebäude ist derzeit in Besitz der Reformierten Kirche Temeswar/Timisoara. Die Fassade, das Dach, der Innenhof und das Tor des Hauses sind renoviert worden. Die Verzierungen, die Glaswände und die Fenster wurden zum Teil ersetzt. Die Arbeiten haben im Mai 2009 begonnen und ungefähr sechs Monate gedauert. Die gesamte Investitionssumme beläuft sich auf 125.000 Euro. 70 Prozent des Geldes kam aus dem Haushalt des Temeswarer Bürgermeisteramtes – Gelder, die von der deutschen Regierung durch die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) zur Verfügung gestellt wurden - den Rest von 30 Prozent musste die Reformierte Kirche beisteuern.
Auf mehreren Plakaten, die an den Mauern angebracht wurden, steht: „Hier hat die Revolution begonnen, die die Diktatur beseitigt hat. 15.12.1989“. Der Text ist in mehrere Sprachen übersetzt. Das Gebäude stammt aus dem Jahre 1902. Die Sanierung des Pfarrhauses ist Teil eines größeren Projekts „Die sorgfältige Sanierung historischer Viertel“, das das Temeswarer Bürgermeisteramt in Zusammenarbeit mit der GTZ in die Wege geleitet hat. Für dieses Projekt hat die deutsche Regierung 440.000 Euro bereitgestellt.
Vor dem Pfarrhaus kam es am 15. Dezember 1989 anlässlich der drohenden Deportation des regimekritischen, populären Pfarrers László Tőkés - Angehöriger der ungarischen reformierten Kirche - zu ersten Protesten. Rund 200 Menschen haben daran teilgenommen. Ein paar Tage später wuchsen die Proteste zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Securitate aus und griffen am 21. Dezember auf die rumänische Hauptstadt Bukarest über. Auf den Mauern des Hauses wurden mehrere Unterstützungsmottos geschrieben, die aber durch die Sanierung gelöscht wurden. Nun, aus Anlass des 20. Revolutionsjahrs, werden neue Losungen frisch auf die Mauern geschrieben.
Ana Saliste



Pro Cultura Timisiensis 2009

Preise für Kulturpersönlichkeiten

Temeswar (BZ) - Persönlichkeiten der Stadt, die in diesem Jahr einen bedeutenden Beitrag zur Förderung der Kultur in Temeswar/Timisoara geleistet haben, werden morgen mit Preisen ausgezeichnet. Die Feierlichkeit zu Ehren der Temeswarer Kulturschaffenden findet morgen um 14 Uhr im großen Rathaussaal statt. Zu den Persönlichkeiten, die ein Ehrendiplom, eine Plakette und einen Geldpreis bekommen, gehören auch einige, die mit der deutschen Kultur in enger Verbindung stehen. Der Lowriner Prof. Dr. Walter Kindl, der an der Musikfakultät der West-Universität unterrichtet und wissenschaftliche Arbeiten über den Banater Orgelbau verfasst hat, gehört dazu. Auch Rares Hontzu, Schauspieler am Deutschen Staatstheater Temeswar (DSTT), wird morgen geehrt. Traian Zamfirescu, Bühnenbildner des DSTT, sowie die Musiklehrerin und Dekan der Musikfakultät Felicia Stancovici bekommen ebenfalls eine Anerkennung seitens der Stadtverwaltung.

Prof. Dr. Walter Kindl wird morgen der „Pro Cultura“-Preis verliehen.

Foto: Zoltán Pázmány

Geehrt werden auch: Bodó Barna (Schriftsteller), Koczka György (Schriftsteller), Larisa Stase Muresan (Schauspielerin), Doina Popa (künstlerische Leiterin), Alexandru Ruja (Literaturkritiker), Flora Toth (Dirigent), Nicolae Stan (Tenor), Marieta Grebenitan (Sopran), Ileana Stana (Schauspielerin), Ana Pacatius (Solistin), Ciprian Radovan (bildender Künstler), Suzana Fântânariu (bildende Künstlerin), Constantin Gombos (Historiker), Nicolae Stanescu (Choreograph) und Rodica Murgu (Ballerina).

Prinz Radu sprach mit den Studenten

Vorlesungsreihe wird 2010 fortgesetzt



Prinz Radu Duda traf die Studenten in der West-Uni.
Foto: Zoltán Pázmány

Temeswar - Voll war die Aula Magna der West-Universität in Temeswar/Timisoara, als Prinz Radu Duda den Saal betrat. Studenten, Lehrer und Journalisten waren gekommen, um den Prinzen zu treffen und seinem Vortrag „Demokratie und Instutionalismus“ beizuwohnen. Es ging um Demokratie, Freiheit, nationale Sicherheit und Entwicklung, wobei der Prinz den Anwesenden sehr viel aus seiner eigenen Erfahrung mit diesen Begriffen mitteilte. Als Mitglied der rumänischen Königsfamilie hatte er nämlich Zugang zu den „bedeutendsten Machtzentren der Welt“, wie er selbst zugab.
„Rumänien hat kein politisches oder wirtschaftliches Problem. Die aktuellen Gegebenheiten sind eine natürliche Folge eines demokratischen Lebens. Das Problem ist ein anderes: Rumänien fehlen die Institutionen“, sagte der Prinz Radu. Die Studenten durften sich nach dem Vortrag mit dem hohen Gast unterhalten. Am Nachmittag wurden im Timisoara-Hotel drei Bücher vorgestellt: „Principele Radu, un destin“ („Prinz Radu, ein Schicksal“), von Vladimir Cretulescu und Corina Murafa, „Coroana româna“ („Die rumänische Krone“) und „Altfel“ („Anders“) von Prinz Radu Duda in Zusammenarbeit mit Nicolae Dragusin. Es folgten Gespräche, bei denen die königliche Familie Rumäniens im Mittelpunkt stand.
Radu Duda wurde am 7. Juni 1960 in Jassy/Iasi in einer Ärztefamilie geboren. Er studierte Theater- und Filmkunst in Bukarest. 1996 heiratete er die Prinzessin Margareta von Rumänien, wobei er 1999 zum Prinzen von Hohenzollern-Veringen ernannt wurde. 2005 erhielt er den Adelstitel und wurde zum Prinzen von Rumänien berufen. Prinz Radu Duda ist zurzeit Berater des Königs Mihai. Er hat über 250 Vorträge in mehr als 30 Ländern der Welt gehalten. Dem Treffen mit den Temeswarer Studenten folgen 2010 weitere drei Besuche in der West-Universität: am 16. März, 20. April und 4. Mai.
Raluca Nelepcu



Leben mit Diabetes

Zuckerkranke haben geschwächte Immunität
/ Von Raluca Nelepcu

Er steht wortwörtlich auf wackligen Knien, doch seinen Sinn für Humor hat er bei weitem nicht verloren: Gheorghe Togoe (62) aus Bokschan/Bocsa musste mehr als einen Monat im Temeswarer Kreiskrankenhaus verbringen. Grund dafür: Ein offener Knochenbruch, den er 2003 infolge eines Autounfalls erlitt, wollte nicht heilen. In Reschitza/Resita wurde der ehemalige Buchhalter operiert, da sagten ihm die Ärzte, die OP wäre gelungen. „Es war natürlich Quatsch, sie hatten gepfuscht“, sagt Gheorghe Togoe heute. Nach Jahren und nahezu unmerklich infizierte sich die offene Wunde. Togoe musste ins Krankenhaus. Kein einfacher Fall für die Orthopäden in Temeswar/Timisoara: Gheorghe Togoe ist nämlich seit über 30 Jahren zuckerkrank. Dies auch der Grund, wieso sich der Zustand der operierten Fraktur nach und nach verschlechtert hatte. „Ich bin Diabetiker und das hat die Infektion begünstigt“, erklärt der Mann.
Das Leben mit Diabetes ist kein leichtes, aber auch nicht besonders schwer, wenn man die Vorschriften der Ärzte einhält. „Man darf keine Kohlenhydrate zu sich nehmen, wenig Brot und Pasta, keine Süßwaren“, sagt der Patient. Gleichzeitig gibt er aber auch zu, dass er die Ernährungsvorgaben nicht immer einhält. „Ich versuche, mich von gewissen Sachen abzuhalten, aber manchmal schaffe ich es nicht. Ich war früher ein Gourmand gewesen“, sagt er lächelnd. Nur Kuchen hätte ihm nie so recht geschmeckt, fügt er hinzu. „Trauben darfst du essen“, flüstert ihm ein Zimmerkollege zu. Togoe lacht. „Nachdem du mir die Trauben gegeben hast, stieg mein Zuckerspiegel auf 400. Ich war schon fast ohnmächtig“, sagt er.

Zuckerkranke müssen sich den Zuckerspiegel im Blut täglich messen.

Diabetes infolge eines Nervenzusammenbruchs
Vor 30 Jahren erfuhr Gheorghe Togoe, dass er an Diabetes leidet. Die Krankheit stellte sich bei ihm infolge eines Nervenzusammenbruchs ein. „Ich hatte gerade einen Fachartikel über Diabetes gelesen und stellte fest, dass ich genau die im Bericht erläuterten Symptome hatte“, erinnert er sich. Der Arzt bestätigte seine Vorahnung und Gheorghe Togoe wurde plötzlich zu einem der vielen, die mit Diabetes leben müssen. Heutzutage leiden etwa 500.000 Menschen in Rumänien an Diabetes. Im Verwaltungskreis Temesch/Timis sind es etwa 19.600 Personen, wobei sich 3.500 davon Insulin spritzen, also Diabetes des Typs I. haben. Jene, die Tabletten einnehmen müssen, haben Diabetes des Typs II., wie die Krankheit in der Fachsprache bezeichnet wird. Nur im ersten Semester dieses Jahres wurden rund 2.000 neue Fälle allein im Verwaltungskreis Temesch nachgewiesen. Im Kreis Karasch-Severin leiden rund 9.000 Menschen an Diabetes – etwa 2.500 davon spritzen sich Insulin, so die Lage am 31. Oktober 2009, wie das Gesundheitsamt Karasch-Severin der BZ mitteilte.
„Die Krankheit hat mein Leben nicht sehr stark beeinflusst. Man gewöhnt sich an alles“, sagt Togoe heute. Am Anfang hat er Tabletten geschluckt, die seinen Zuckerspiegel senkten. Vor etwa zehn Jahren ist er auf Insulin übergegangen. Damals fürchtete er die Impfungen und Spritzen – schon wenn er die Nadel sah, wurde ihm schwindlig. „Ich habe mich am ganzen Bauch mit der Nadel gekratzt und war nicht instande, mich selber zu impfen“, sagt er. „Bis die Ärztin meine Hand nahm und mir die Nadel in den Bauch drückte. Dann gab es kein Zurück mehr“, fügt der Mann hinzu. Nun ist er Profi, was das Impfen des Insulins betrifft. Drei Mal pro Tag holt er seinen Pen hervor und spritzt sich den für ihn lebensnotwendigen Impfstoff in die Bauchdecke. Er macht es schnell, geschickt und schmerzlos. „Insulin ist wie eine Droge für mich, ich könnte ohne nicht mehr leben“, erklärt er die Rolle, die der Impfstoff für ihn spielt. Diabetiker in Rumänien bekommen kostenlos Medikamente und Insulin, sowie die notwendigen Geräte, um sich den Zuckerspiegel im Blut zu messen und sich den Impfstoff einzuspritzen. Diese finden die Kranken landesweit in allen Apotheken und müssen nicht – wie vor einigen Jahren noch der Fall – in bestimmten Apotheken Schlange stehen.




Dr. Viorel Serban: „Die Hausärzte im Kreis Temesch verschreiben die richtigen und nicht unbedingt die teuersten Medikamente für Diabetiker“.
Foto: Raluca Nelepcu
Selbstkontrolle – ein Risikofaktor
Seit etwa fünf Jahren wird weltweit der Erziehung und Prävention der Zuckerkrankheit besonderes Augenmerk geschenkt. Am Weltdiabetestag, der am 14. November begangen wurde, rückte diese Problematik wieder in den Vordergrund der Gespräche, an denen sich Ärzte, Fachleute, aber auch Personen, die an dieser Krankheit leiden, beteiligten. Auch im Temescher Kreiskrankenhaus wurde hierzu eine Debatte organisiert. „Die Zahl der Diabetes-Fälle in Rumänien hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Wir würden es begrüßen, wenn die Hausärzte ihren Patienten gewisse Richtlinien für das Leben mit Diabetes geben könnten“, sagt Prof. Dr. Viorel Serban. Der Leiter der Diabetes-Klinik innerhalb des Kreiskrankenhauses Temeswar beurteilt die Situation der Diabetes-Kranken im Kreis Temesch als gut. „Die Ärzte verschreiben nicht die teuersten, sondern die besten Medikamente für unsere Patienten. Ich sehe in Zukunft keine Insulin-Krise voraus, sondern eher die Situation, dass die Patienten einen Teil der Kosten für die Medikamente aus eigener Taschen decken müssen“, sagt Prof. Dr. Serban.

Ein Problem sieht er bei den Kranken selbst, die die ärztlichen Vorschriften nicht immer einhalten. Die Selbstkontrolle bleibt weiterhin ein Risikofaktor für Diabetiker. „Seien wir mal ehrlich: Nur die wenigsten Diabetiker messen sich den Zuckerspiegel jeden Tag. Und viele davon halten die Ernährungsvorschriften vor allem an dem Tag vor der Untersuchung beim Facharzt ein“, sagt der Arzt. Gheorghe Togoe bestätigt die Aussage des Facharztes. „Ich sollte jeden Tag meinen Blutzuckerspiegel messen. Tue ich aber nicht“, sagt er. Im Falle von Diabetes können Lebenserwartung und –qualität um vieles verbessert werden, falls der Patient alle ärztlichen Vorschriften einhält. „Diese Behandlung wird von drei Faktoren bestimmt: Insulin, Diät und Bewegung“, sagt Prof. Serban. Der Patient muss so erzogen werden, dass er im Falle einer Notsituation die richtige Entscheidung trifft. „Er soll wissen, wie er mit seiner Krankheit umgehen muss“, so Dr. Serban.

Insulin: Ein kleiner Pieks und schon fühlt man sich als Diabetiker besser: man kann wieder was essen.
Fotos: Zoltán Pázmány


Eine Krankheit mit Komplikationen
Weltweit leben etwa 500.000 Kinder mit Diabetes des Typs I., 20 Prozent davon in Europa. In Rumänien wurden Ende vergangenen Jahres knapp 2.000 Kinder registriert, 73 davon im Kreis Temesch. Das „Cristian Serban“-Diabeteszentrum im Temescher Kurort Busiasch/Buzias, von Dr. Viorel Serban und seiner Frau Dr. Margit Serban ins Leben gerufen, soll vor allem Zuckerkranken bis 35 Jahre die notwendige Erziehung bieten. 1.500 Patienten waren im vergangenen Jahr hier interniert – 35 Prozent aller zuckerkranken Jugendlichen in Rumänien verbrachten im Laufe der Jahre mindestens ein paar Tage im Zentrum. „Seit 1997 hat sich die Zahl der Komplikationen im Falle dieser Krankensparte reduziert“, sagt der Facharzt Viorel Serban. Diabetes kommt nämlich nicht allein daher und das haben vor allem die älteren, aber auch die jüngeren Leidenden am eigenen Leibe erfahren müssen. „Der peripherische Blutkreislauf wird geschädigt, das Sehvermögen reduziert“, sagt Gheorghe Togoe aus eigener Erfahrung und Beobachtung. Dass Wunden nur langwierig heilen, das hat er selbst zu spüren bekommen. „Die Wunde wird zwei Mal in der Woche gereinigt. Es tut höllisch weh, doch ich muss es durchziehen, weil ich gesund werden will“, sagt der Mann. In Korrelation mit anderen Krankheiten kann Diabetes sogar lebensgefährlich werden. Bei den beiden Todesfällen im Falle von Schweinegrippe, die jüngst in Rumänien verzeichnet wurden, ging es um zuckerkranke Erwachsene.



Bulgarischer Botschafter in Temeswar

Export nach Bulgarien um 40 Prozent gesunken
Temeswar – Valentin Radomirski, bulgarischer Botschafter in Rumänien, war vergangene Woche zum ersten Mal in Temeswar/Timisoara zu Gast und traf hier Georgica Cornu, den Präsidenten der Temeswarer Industrie- und Handelskammer. Die beiden sprachen über die Geschäftsmöglichkeiten rumänischer und bulgarischer Firmen sowie über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise in den beiden Ländern. „In Bulgarien ist die Finanzkrise nicht so stark zu spüren wie in Rumänien“, sagte der Botschafter. Der rumänische Export nach Bulgarien ist im letzten Jahr um 40 Prozent gesunken, während der bulgarische Export nach Rumänien nur um fünf Prozent niedergegangen ist.


Vladimir Radomirski (links) und Georgica Cornu

Foto: Zoltán Pázmány


Auch ein Treffen mit Temeswarer Unternehmern, die ihre Produkte und Dienstleistungen auf dem bulgarischen Markt anbieten möchten, stand auf dem Programm. Eine bessere Zusammenarbeit zwischen bulgarischen und Temeswarer Firmen wurde dabei angestrebt. In den letzten sechs Jahren ist der Warenaustausch zwischen den beiden Staaten zwar viel gestiegen, im Temeswarer Handelsregister seien aber, laut Georgic² Cornu, nur sieben Firmen mit bulgarischem Kapital eingeschrieben. „Wir hoffen, dass die bulgarischen Investoren das wirtschaftliche Potenzial des Kreises Temesch erkennen. Wir werden künftig auch ein bulgarisches Honorarkonsulat in Temeswar eröffnen“, sagte Valentin Radomirski, der nach dem Temeswar-Aufenthalt auch einen Abstecher nach Arad unternahm.
Ana Saliste



Arader Grünflächen schwarz auf weiß

Verlust von 50 Hektar auf dem Papier vertuscht

Es ist schwarz auf weiß im Statistikbericht des Kreises Arad für die Jahre 2000-2007 belegt: Der Kreis Arad büßte in sieben Jahren die nicht zu unterschätzende Grünfläche von 50 Hektar ein! Laut der Studie waren von den 407 Hektar der Grünflächen aus dem Jahr 2000 im Jahr 2007 nur noch 355 Hektar übriggeblieben. Wie die Statistik zeigt, war vor allem das Jahr 2004 ein rabenschwarzes Jahr für die Arader Grünzonen. Wenn man dabei in Betracht zieht, dass in dieser Bestandsaufnahme nicht auch die Situation der Jahre 2008-2009 erfasst wurde, sieht die Lage noch besorgniserregender aus: In diesen beiden letzten Jahren wurde ein verstärkter Schwund der Grünflächen sowohl in allen Arader Städten aber auch in vielen Gemeinden vor allem durch die starke Tätigkeit in Sachen Wohnungsbau und Infrastrukturarbeiten aber auch durch die unaufhaltsame Steigerung der Verkehrsdichte auf Kreisebene verzeichnet.
Schon seit Jahren übt die als „Arader Bewegung“ bekannte lokale zivile Umweltschutzorganisation harte aber zum Großteil fruchtlose Kritik an der nichtökologischen Politik der Arader Kommunal- und Kreisverwaltung. Als besonders schädlich erwiesen sich die aggressiven Pläne und Projekte der Stadtverwaltung, die einsteils den rapiden Verbau von freien Flächen mit Wohnungen und Supermärkten oder die Modernisierung der Infrastruktur zum Ziel hatten und haben, andernteils zum unwiederbringlichen Verschwinden von wertvollen Grünzonen geführt haben. So z.B. ging der Park am Serbischen Platz restlos verloren, das bei den Aradern so beliebte „Wäldchen“ (Padurice) im Stadtzentrum büßte 600 Quadratmeter seiner Fläche mit Wiesen und wertvollem Baumbestand ein. Stark davon betroffen waren auch die Arader Straßen Decebal und Dragalina sowie die UTA-Zone, wo die Grünzonen dem Asphalt, Schotter und Steinen weichen mussten. Große Schäden wurden auch durch die ungesetzlichen Müllablagerungen entlang des Marosch-Ufers verursacht. Genauso schädlich wird auch die Vertuschungsaktion der Stadtväter bewertet: Die Kommunalverwaltung führten auf dem Papier das Gelände der Mülldeponien und den Ceala-Wald als Ersatz in das städtische Weichbild. Das Umweltschutzamt hat in den letzten Jahren, vor allem 2007, zahlreiche Geldstrafen verhängt. Es nützte jedoch wenig. Derzeit nimmt die einst für seine Parks und Grünanlagen vor allem entlang der Marosch berühmte Stadt einen der letzten Landesplätze mit nur 32 Hektar Grünfläche von insgesamt 3.984 Hektar ein. Das macht 4,6 Quadratmeter Grün pro Kopf, weit unter den Landes- und EU-Normen, aus. Am schwierigsten nach der Kreishauptstadt Arad erscheint die Situation in den Kleinstädten Sanktanna/Sântana, Sebis und Curtici. Mit insgesamt 60 Hektar Grünzone schneidet die Stadt Ineu am besten ab.
Aufgrund der EU-Normen wurden die rumänischen Kommunalverwaltungen bekanntlich durch einen Regierungserlass zur Sicherung von 20 Quadratmetern Grünfläche bis Ende 2010 und gar von 26 Quadratmetern bis Ende 2013 verpflichtet. Für die Stadt und den Kreis Arad erscheint zurzeit beides nur ein schwer erreichbares Ziel.
Balthasar Waitz
Grüne Wiesen werden Baugrund: Villenviertel bei Glogowatz/Vladimirescu
Foto: Zoltán Pázmány

Auch im Krisenjahr Mega-Deal möglich

Lastwagenflotte für Temeswarer Unternehmen
Von Siegfried Thiel

In Krisenzeiten sind große Geschäfte eher Mangelware. Wenn sie dann auch noch in besonders angeschlagenen Branchen wie die Autoindustrie und Baubranche getätigt werden, haben sie gleich doppelten Wert und Anklang. Mit dem Verkauf von 50 großen Nutzfahrzeugen ist dem Iveco-Autohändler Cefin wohl der Jahresdeal in Rumänien gelungen. „Weil der Kreditvergeber Afin sehr schnell zugesagt hat”, sagt Stefano Albarosa, CEO der Cefin Group. Dazu kommt, dass Cefin seinerseits wusste, wie all den hohen Ansprüchen des Kunden nachzukommen, setzt Albarosa fort.
Aufwärtstrend in Sicht: Stefano Albarosa
Foto: Zoltán Pázmány
Der Kunde ist die Temeswarer Unternehmensgruppe Izometal, dessen Hauptaktionär der IHK-Präsident, Georgica Cornu, ist. Zu den komplexen Forderungen des Temeswarer Großunternehmens gehörten auch zusätzliche Spezialanfertigungen zur Schneeräumung –der angebotene Service nach dem Ankauf der Transportflotte mag entscheidend dazu beigetragen haben, dass Izometal sich zu einer solchen Kreditaufnahme entschieden hat. „Es geht gar nicht so sehr darum, wie rentabel ein Unternehmen das Krisenjahr 2009 hinter sich lässt, sondern wie gut es für die Zukunft gerüstet ist”. Von Journalisten angeregt, nutzte Stefano Albarosa das Treffen zu einem wahren Seminar zum Thema Krisensituation und –management. Dabei hatte er auch sein eigenes Unternehmen direkt im Visier: In Galatz/Galati, Ploiesti und Pitesti sind Niederlassungen vorgesehen – „wenn sich erste Signale der Wirtschaftserholung bemerkbar machen”. Seit 1995 ist Cefin auf dem rumänischen Markt. Die Graphik von Stefano Albarosa ist einleuchtend: von 2001– Ende 2007 nahm der Absatz der Wagen stetig zu, 2008 kam die Delle und in diesem Jahr der totale Einbruch. Weniger als ein Viertel der Wagen von vor zwei Jahren konnte in den ersten zehn Monaten dieses Jahres bei Cefin in Rumänien abgesetzt werden. Auf die kommenden 18 Monate geblickt, glaubt der Cefin-Chef, dass zumindest sein Unternehmen sich wieder im Aufwärtstrend befinden wird. „Es überlebt der, der die breitere Produktpalette in seinem Angebot hat”. Und Cefin liefert diese breite Palette an Nutzfahrzeugen – ausgenommen kleine Nutzfahrzeuge, die als Plattform auf PkW gebaut sind.
Die Izometal-Gruppe hat sich besonders um den Ankauf der 50 Lastwagen bemüht, da sie einen Vertrag zur Wartung von 1.200 Kilometern Straße in den Verwaltungskreisen Temesch und Mehedinti an Land gezogen hat. „Wir hatten viele Wagen angemietet. Nun sind wir so unabhängiger geworden“, begründet der Izometal-Hauptaktionär Georgica Cornu die Entscheidung für diesen Kauf, der sich laut Insiderinformationen auf 4,5 Millionen Euro belaufen wird.

Drei Millionen Euro für Infrastrukturarbeiten

Lenauschule könnte mit EU-Geldern saniert werden
/ Von Andreea Oance


Fast drei Millionen Euro benötigt die deutsche Schule in Temeswar/Timisoara, um saniert zu werden. Diese Summe könnte von EU-Geldern gedeckt werden. Das Projekt zur Sanierung des Nikolaus-Lenau-Lyzeums wurde vor kurzem im Plenum des Temeswarer Kommunalrates genehmigt. Die Gebäude des „Nikolaus Lenau“-, „C.D. Loga“- und „Jean Loius Calderon“-Lyzeums sollen ins Programm mit einbezogen und aus Strukturfonds saniert werden. Das Sanierungsprojekt ist Teil des regionalen Operationsprogramms 2007-2013, Prioritätsachse 3 - „die Verbesserung der sozialen Infrastruktur“, im Bereich der Sanierung, Modernisierung, und Entwicklung der Infrastruktur von Schuleinheiten. Nach der Genehmigung im Kommunalrat soll das Projekt der regionalen Entwicklungsagentur ADR Vest eingereicht werden. Etwa drei Monate dauert die Begutachtung des Projektes und erst dann entscheidet die ADR Vest, ob es die notwendige Finanzierung von der EU bekommt. Zwei Prozent der Gesamtinvestitionssumme müsste die Schule beisteuern. Es geht um die Sanierung der Infrastruktur: Wärme-, Wasser-, elektrische Leitung als auch um die Internetverkabelung, die erneut werden muss.

Die Lenauschule befindet sich auf der Liste der historischen Denkmäler in Temeswar und ist seit Jahren sanierungsbedürftig.

Foto: Zoltán Pázmány

Die Schule wird einen neuen Verputz erhalten, das Dach wird neu eingerichtet, die Wandfeuchtigkeit aus dem Erdgeschoss beseitigt, aber auch die Innen- und Außenfinissagen werden erneuert und die Klassenräume für bestimmte Fächer ausgestattet. „Eigentlich soll die Statik der Schule verbessert werden und somit einen erhöhten Widerstand im Falle von Erdbeben haben“, sagt Helene Wolf, Leiterin des Nikolaus-Lenau-Lyzeums. „Wir wollen auch umweltfreundliche Energiequellen einsetzen, für Warmwasser zum Beispiel. Vorgesehen im Projekt ist auch die Ausstattung der Schule mit einer Solarzellenanlage“, fährt Leiterin Wolf fort.
Die Kosten der gesamten Sanierung belaufen sich auf drei Millionen Euro. Die Gesamtfläche, die saniert werden muss, beträgt 4.700 Quadratmeter. Wenn das Projekt genehmigt wird, ist der Beginn der Arbeiten für das Jahr 2011 angesetzt. Die Finanzierung läuft bis 2013. Zwölf Monate sollen die Sanierungsarbeiten dauern. Laut Helene Wolf wird die Sanierung so durchgeführt, dass der Unterricht nicht zu stark beeinflusst wird. „Manche Unterrichtsstunden können auch in der kleinen Schule am Domplatz gehalten werden“, sagt Helene Wolf. Der Mietvertrag für die kleine Lenauschule wurde in diesem Jahr für weitere vier Jahre verlängert, in der Hoffnung, dass in dieser Zeitspanne der Neubau einer Grundschule zustande kommt. Noch stockt dieses Unterfangen. Fünf Millionen Euro benötigt die Schule dafür. Die Summe soll vom Staat, möglicherweise 2012, bereitgestellt werden.


„Iris“ für die Intensivstation

Wohltätigkeitskonzert in Temeswar
Temeswar – „Zusammen für das Leben“ heißt das Konzert, das die rumänische Rockband Iris am kommenden Wochenende für die Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie (ATI) in Temeswar/Timisoara bestreiten wird. „Die Rockgruppe Iris wird ehrenamtlich in Temeswar auftreten und das aus Freundschaft und Respekt des Lead-Sängers Cristi Minculescu für Dorel Sandesc, den Leiter der ATI-Klinik“, sagt Adrian Cireap, Veranstalter des Konzerts in Temeswar.
Das gesamte Einkommen des Konzertes wird der ATI-Klinik gespendet. Die Vodafone-Stiftung, Hauptsponsor der Veranstaltung, hat aus diesem Anlass eine Spende von 100.000 Euro der ATI-Klinik überreicht. Die humanitäre Veranstaltung findet am 6. Dezember im „Constantin Jude“-Saal statt. Das Konzert beginnt um 21 Uhr. Der Eintritt kostet 20 Lei. 2.000 Konzertkarten wurden bereits zum Verkauf gestellt. Diese können in der Iulius-Mall, am Eingang in den „Constantin Jude“-Saal und im Eintrittsflur des Temescher Kreiskrankenhauses erworben werden.
Cristi Minculescu wurde im Monat März diesen Jahres einer komplizierten Leberoperation unterzogen. Der Sänger möchte sich nun bei dem Arzt Dorel Sandesc für seinen Einsatz bedanken.
Andreea Oance

„Die Rumänische Revolution 1989 in Bildern”


Wanderausstellung des Temeswarer Revolutionsmemorials


Die Wanderausstellung des Temeswarer Revolutionsmemorials „Die Rumänische Revolution 1989 in Bildern” befindet sich derzeit in Prag. Rund 120 Schwarz-Weiß- und Farbbilder machen schon seit 2004 eine Europa-Tour, in der Hoffnung, die Wahrheit über die rumänische Revolution Dezember 1989 der ganzen Welt zu zeigen. Die Wanderausstellung ist ein Projekt der Gedenkstätte der Revolution in Temeswar/Timisoara, das mit Unterstützung des Temescher Kreisrats und des rumänischen Kulturinstituts in Deutschland zustande kam.
„Unsere Ausstellung ist zuerst durch Rumänien gewandert. Städte wie Lugosch, Arad, Großsanktnikolaus, Großwardein, Klausenburg, Neumarkt am Mieresch, Kronstadt und Bukarest haben bereits die Fotoausstellung beherbergt”, sagt Traian Orban, Leiter der Temeswarer Revolutionsgedenkstätte. Im Ausland wurde „Die Rumänische Revolution 1989 in Bildern” in Serbien, Ungarn, Österreich und Deutschland ausgestellt. Ab dem 1. Dezember sind die Fotos in Prag zu sehen.
„Verschidene Stadtverwaltungen aus dem Ausland haben ihren Wunsch geäußert, die Ausstellung zu beherbergen. Im kommenden Jahr wird sie in Leipzig gezeigt. Es freut uns sehr, dass vor allem die Deutschen ein sehr großes Interesse an die Revolution hierzulande gezeigt haben”, sagt Traian Orban. Die Bilderausstellung wird auch von verschiedenen Filmen begleitet. Der Film „Wir sterben nicht” („Noi nu murim”) in der Regie von Gabriel Burza eröffnet die Ausstellung in den jeweiligen Städten.
Andreea Oance

Traian Orban sammelt Archivzeitungen mit Beiträgen über die Revolution ´89.
Foto: Zoltán Pázmány


Zahl der KMU halbiert
wk. Reschitza – Laut Angaben des Handelsregisters Karasch-Severin/Caras-Severin ging die Zahl der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) im Banater Bergland von 22.500 im August 2008 auf 11.671 im September 2009 zurück. Mircea Purcaru, der Präsident der Regionalföderation West der KMU mit Sitz in Temeswar/Timisoara: „Besorgniserregend ist vor allem, dass bis am 30. September 2009 in der gesamten Westregion 14.285 KMU aufgegeben haben. Und tagtäglich tauchen neue Firmen auf, die zahlungsunfähig sind. In meinen Augen ist dafür weniger die Weltwirtschaftskrise direkt verantwortlich als die Banken, die Kreditvergaben zur Unmöglichkeit gemacht haben. Und in der heutigen Zeit kann man ohne Kreditierung eben keine Geschäfte machen. Dann schließt man den Laden.“

Schutz der Donaufauna
wk. Reschitza/Neumoldowa – Im Verwaltungskreis Karasch-Severin/Caras-Severin gibt es die meisten Naturschutzgebiete Rumäniens. „Analyse der Druckfaktoren auf die geschützten Gebiete des Donaudurchbruchs beim Eisernen Tor“ nennt sich das Projekt, das im Kreisrat Karasch-Severin vom Institut für Forstforschung und -einrichtung (ICAS) gemeinsam mit MEDA Research Pitesti, dem Galatzer Forschungs- und Entwicklungs-Institut für Wasserökologie, Fischfang und Wasserkultur sowie dem Klausenburger Institut für Biologische Forschungen vorgestellt wurde. Das mit 2,575 Millionen Lei finanzierte Projekt sondiert Wege zur nachhaltigen Entwicklung der Schutzgebiete in der Donauklamm durch Verminderung des Zivilisationsdrucks auf die biologische Vielfalt. Danut Chira, der Projektleiter seitens ICAS: „Unser wissenschaftliches Konsortium prüft die lokalen und regionalen Entwicklungsideen für diesen Raum hinsichtlich ihres Einflusses auf Flora und Fauna des grenzüberschreitenden Nationalparks Eisernes Tor/Djerdapp.“ Das Projekt läuft bis September 2011.

Ex-Zensor schrieb Buch darüber
wk. Reschitza
– Vasile C. Ionita, der sich heute gern als Journalist oder Linguist anreden lässt (er hat übrigens Interessantes etwa zur Ortsnamenskunde und zur Etymologie des Banater Rumänischen veröffentlicht), stellte vergangene Woche sein jüngstes Buch vor. „Lecturi interzise“ („Verbotene Lektüre“) behandelt die Zeitspanne, als er im Kreisparteikomitee Karasch-Severin/Caras-Severin der Rumänischen Kommunistischen Partei (RKP) zuständig war für „die inhaltliche und ideologische Überprüfung dessen, was in der Parteipresse und in Buchform“ publiziert werden sollte. Der Ex-Zensor der Propagandaabteilung der RKP auf Kreisebene sagte bei der Buchvorstellung im Verwaltungspalais in Reschitza: „Ich war der Zensor in längst vergangenen Zeiten, ich war der ´Anwalt des Teufels´ und ich gebe das voll und ganz zu.“ Kreisratspräses Sorin Frunzaverde zum Thema: „Es ist ein Buch des ehemaligen Regimes, aber es ist sehr gut, dass Ionita es geschrieben hat, denn es geht um die Beziehungen, die er gepflegt hat und diese Beziehungen haben ihn geprägt.“

Halbzeit „Radioschule Online“

Schulsender sollen (re)aktiviert werden
Reschitza - Am 3. November 2009 startete am Diaconovici-Tietz-Lyzeum Reschitza/Resita auf Anregung des Vereins BIKE ATTACK das Projekt „Radioschule Online“. 20 Jugendliche aus den 9. und 10. Klassen wurden von 39 Freiwilligen ausgewählt. Projektpartner sind vier weitere Lyzeen aus Reschitza sowie die Radiosender Banat FM und Radio Reşiţa.
Ziel dieses Projektes ist es, eine Radiosendung ONLINE zu gestalten. Dafür hat der Projektleiter Catalin Gavrila für die 5 Projektwochen folgende Schwerpunkte gesetzt: Kurse zu Medien und Kommunikation; Ausfahrten (Anina/Steierdorf, Karasch–Klamm,) um an Ort und Stelle Audioaufnahmen zu machen; einen AUDACITY-Workshop (Aufnahme und Bearbeitung mit Hilfe des Programms Audacity); einen ONLINE-Workshop (das gesamte Material wird online gesetzt) und die Lancierung der Radiosender, auch durch Teilnahme an der Sendung von Radio Reşi]a. Das Feedback ist nun, zur Halbzeit des Projekts, ein positives Engagement der TeilnehmerInnen, ein miteinander und voneinander Lernen. Mit diesem Projekt wird bei uns an der Schule die leise Hoffnung aufkeimen lassen, dass RADIO BASTILIA (der Radiosender unseres Lyzeums) doch noch aus seinem Dornröschenschlaf aufwacht und ab 1. Januar 2010 (wieder) zu senden beginnen wird.
Yvonne Demenyi